Staatsphilosophie "Ideengeschichte und politische Theorie"

    • Staatsphilosophie "Ideengeschichte und politische Theorie"

      Hallo,

      ich studiere im Erstsemester Lehramt in Politikwissenschaft und WAT.
      Wir gehen derzeit stramm auf die Klausuren zu und ich habe in Staatsphilosphie leider so meine Probleme mit dem Verstehen der Texte. Ich finde das Fach und das Thema an sich extrem spannend. Nur verstehe ich leider nicht alles bzw. sehe an einigen Punkten nicht durch.
      In unserer Vorlesung nutzen wir das Buch "Klassische Texte der Staatsphilosophie" und der Professor ist auch absolut in Ordnung. Er kann super erklären, nur leider schmeisst er sehr viele Informationen sehr schnell in einen Satz, sodass man mit mitschreiben und mitdenken nicht hinterherkommt. Wir haben 2 alte Klausuren von ihm vorgelegt bekommen und beim Ausarbeiten der Klausuren sind für mich einige Fragen aufgetreten die ich mir so nicht beantworten kann. Ich habe schon versucht mir durch "googln" weiterzuhelfen, aber auch hier leider keinen Erfolg gehabt. Nun würde ich euch gerne um Hilfe bitten, da ich nicht mehr weiterkomme und gerne die Klausur bestehen möchte.

      Ich hoffe sehr, dass ihr mir weiterhelfen könnt :)

      1.) Welche Präliminarartikel in Kants Friedensschrift sind noch aktuell.
      Kant ist für mich leider am schwersten zu verstehen. Ich habe mich durch alle seine Artikel durchgekämpft und für mich den Schluss gezogen, dass alle aktuell wären. Nur finde ich dafür keine Bestätigung, dass ich mit meiner Vermutung richtig liege. Was sagt ihr dazu?

      2.) Warum unterscheidet Hegel zwischen Staat und bürgerlicher Gesellschaft?
      Verschiedene Familien bilden eine bürgerliche Gesellschaft. Die Menschen können nur was erreichen, wenn sie mit anderen zusammenwirken. Die bürgerliche Gesellschaft wird von Hegel auch als der äußere Staat bezeichnet. Aber warum er es genau unterscheidet habe ich leider nicht gefunden. Auch nicht explizit im Buch. Außer ich habe es überlesen.

      3.) Woran erkennt man, dass Machiavelli der "Ghostwriter" von Max Weber ist?
      Hierzu muss ich sagen, dass wir mit Max Weber erst übernächste Woche in der Vorlesung anfangen, aber die Frage an sich fand ich sehr interessant. Aber auch hierzu habe ich keine Darstellungen gefunden.

      4.) Warum ist nach Machiavelli Hass zu vermeiden - und wie? Geben Sie konkrete Beispiele an?
      Ich habe diese Frage folgendermaßen beantwortet:
      Hass könnte zum Verlust der Herrschaft führen. "Das wird ihm stets gelingen, wenn er das Eigentum und die Frauen seiiner Bürger und Untertanen nicht anrührt. Und wenn er auch genötigt wäre, das Blut eines Untertanen zu vergießen, mag er es ruhig tun, wenn er eine ausreichende Rechtfertigung und offenbaren Grund dazu hat."

      5.) Welchen Begriff von Gleichheit hat Hobbes? Und welche Konsequenzen folgen daraus?
      Meine Antwort wäre: Hobbes kommt zu dem Schluss, dass die Menschen hinsichtlich ihrer Fähigkeiten gleich begabt sind. "Obwohl es stärkere und schwächere Menschen gibt, wird man gewiss selten einen so schwachen Menschen finden, der nicht durch List und in Verbindung mit anderen, die mit ihm gleicher Gefahr sind, auch den stärksten Gegner töten könnte."
      Die Gleichheit, die Hobbes meint, verkennt also nicht das Menschen mit untersch. geistigen und körperl. Fähigkeiten ausgestattet sind. Doch ist es der Geist, der d. körperliche Schwäche ausgleichen kann.

      Zu diesem 5. Punkt fehlen mir die Konsequenzen. Auch hier denke ich eher das ich diese überlese.

      Ich weiß, dass dies sehr viele Fragen auf einmal sind. Ich hoffe dennoch das ihr mir helfen könnt bzw. wollt. Ich versuche in jeder Vorlesung das Beste zu geben und schnellstmöglich alles aufzuschreiben. Aber wie gesagt, der Dozent ist leider etwas zu schnell für mich. Und da ich eh meine kleinen Probleme mit dem Verstehen habe, möchte ich die Probeklausuren so gut wie möglich ausarbeiten, um die Richtige dann natürlich zu bestehen.

      Ich danke euch sehr im Voraus.
    • Rickmaniac2014 schrieb:

      2.) Warum unterscheidet Hegel zwischen Staat und bürgerlicher Gesellschaft?
      Verschiedene Familien bilden eine bürgerliche Gesellschaft. Die Menschen können nur was erreichen, wenn sie mit anderen zusammenwirken. Die bürgerliche Gesellschaft wird von Hegel auch als der äußere Staat bezeichnet. Aber warum er es genau unterscheidet habe ich leider nicht gefunden. Auch nicht explizit im Buch. Außer ich habe es überlesen.
      ich will mal eine Antwort versuchen:
      Grundlage ist : Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts und zwar im dritten Teil Sittlichkeit.
      In § 182 schreibt Hegel im Zusatz: "Die bürgerliche Gesellschaft ist die Differenz, welche zwischen die Famile und den Staat tritt."
      Die Familie und der Staat sind in sich geschlossene Gesamtheiten, die bürgerliche Gesellschaft dagegen nicht.
      In der Bürgerlichen Gesellschaft wird die Geschlossenheit der Familie durch wirtschaftliche Konkurrenz der materiellen Produktion gespalten.

      wichtig: die Bürgerliche Gesellschaft ist auf Grund der Einzelinteressen der Familienmitglieder keine sittliche Ganzheit, da jeder auf sich bedacht ist.
      Dennoch lässt sich dieses persönliche Streben nur in der Geschlossenheit des Staates erreichen.

      Hegel § 183
      "Der selbstsüchtige Zweck in seiner Verwirklichung, so durch die Allgemeinheit bedingt, begründet ein System allseitiger Abhängigkeit, dass die Subsistenz und das Wohl des Einzelnen und sein rechtliches Dasein in die Subsistenz, das Wohl und Recht aller verflochtenen, darauf gegründet und nur in diesem Zusammenhange wirklich und gesichert ist. - Man kann dies System zunächst als den äußeren Staat, - Not- und Verstandesstaat ansehen."
      (Äußerer Staat bildet sich durch gesellschaftliche Arbeitsteilung und Abhängigkeit)
      Wichtig ist hier noch, dass dieser äußere Staat kein Vernunftstaat im eigentlichen Hegelschen Sinne ist.

      § 187
      Die Individuen sind als Bürger dieses Staates Privatpersonen, welche ihr eigenes Interesse zu ihrem Zwecke haben. Dieser (Zweck) durch das Allgemeine vermittelt ist, das ihnen somit als Mittel erscheint, so kann er (Zweck) von ihnen nur erreicht werden, insofern sie selbst ihr Wissen, Wollen und Tun auf allgemeine Weise bestimmen und sich zu einem Gliede der Kette dieses Zusammenhangs machen. Das Interesse der Idee hierin, das nicht im Bewußtsein deiser Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft als solcher liegt, ist der Prozeß, die Einzelheit und Natürlichkeit derselben (bürgerlichen Gesellschaft)durch die Naturnotwendigkeit ebenso als durch die Willkür der Bedürfnisse zur formellen Freiheit und formellen Allgemeinheit des Wissens und Wollens zu erheben, die Subjektivität in ihrer Besonderheit zu bilden.

      Idee wird hier verstanden als Vernunft und Objektivität,
      Sittlichkeit als das Vereinen von Allgemeinen und besonderen.

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      Rickmaniac2014 schrieb:

      ich studiere im Erstsemester Lehramt in Politikwissenschaft und WAT.

      Rickmaniac2014 schrieb:

      Der Studiengang nennt sich Wirtschaft-Arbeit-Technik
      Okay, dann bist du ja recht breit aufgestellt.


      Rickmaniac2014 schrieb:

      Die Gleichheit, die Hobbes meint, verkennt also nicht das Menschen mit untersch. geistigen und körperl. Fähigkeiten ausgestattet sind.
      Ich habe den Leviathan nur teilweise gelesen, aber ich möchte meinen: auf keinen Fall.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.