Realismus [Diskussion]

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    • novon wrote:

      Ich kann mich nicht darin irren, dass ich annehme, dass es in London regnet oder nicht. Entweder ich nehme es an, oder nicht. Wohl aber kann die Annahme als solche falsch sein. Nämlich wenn es in London gerade nicht regnet (unabhängig von meiner Annahme).

      Gabriel behauptet aber ausdrücklich, (danke übrigens für das Skript), dass Du Dich nicht nur irren kannst mit der Annahme, dass es in London regnet, sondern auch darin, Du würdest das annehmen.
    • Her K. wrote:

      novon wrote:

      Ich kann mich nicht darin irren, dass ich annehme, dass es in London regnet oder nicht. Entweder ich nehme es an, oder nicht. Wohl aber kann die Annahme als solche falsch sein. Nämlich wenn es in London gerade nicht regnet (unabhängig von meiner Annahme).

      Gabriel behauptet aber ausdrücklich, (danke übrigens für das Skript), dass Du Dich nicht nur irren kannst mit der Annahme, dass es in London regnet, sondern auch darin, Du würdest das annehmen.

      Das sagt er im Kontext von "I might be wrong about this.". Sinngemäß: If I am wrong in believing that, I did only think I would believe it's currently raining in London. Oder so... ^^
      Da es seinerseits freie Rede ist würde ich sagen, der Kontext in dem er diese Aussage abgesondert hat ist wesentlich dafür, was da zu verstehen wäre. Principle of Charity quasi. Ich weiß ja auch, was ich selbst so gelegentlich absondere, das keiner Auseinandersetzung im Detail standhalten würde. Noch dazu wirkt er auf mich in seinen Ausführungen geradezu inbrünstig in seiner Überzeugung... ^^
      Müsste er jetzt schon selbst mal vorreflektieren, wohin er damit wollte. Insgesamt scheint mir der Satz nicht allzu gewichtig.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • byLaszlo, der die Glassarbegriffe Gabriels bringt wrote:

      REALISMUS: Die These, dass wir die Dinge an sich erkennen, wenn wir überhaupt etwas erkennen.

      REALISMUS, NEUER: Die doppelte These, dass wir erstens die Dinge und Tatsachen an sich erkennen können, und dass
      zweitens Dinge und Tatsachen an sich nicht einem einzigen Gegenstandsbereich angehören.

      REALISMUS, WISSENSCHAFTLICHER: Eine Theorie der zufolge wir mit unseren wissenschaftlichen Theorien und
      Apparaturen die Dinge an sich und nicht etwa nur Konstrukte erkennen.

      Danke Laszlo. Jetzt weiß ich nicht, was ich heute Abend machen soll - mein Plan ist hin :)
    • novon wrote:

      Da es seinerseits freie Rede ist würde ich sagen, der Kontext in dem er diese Aussage abgesondert hat ist wesentlich dafür, was da zu verstehen wäre. Principle of Charity quasi. Ich weiß ja auch, was ich selbst so gelegentlich absondere, das keiner Auseinandersetzung im Detail standhalten würde. Noch dazu wirkt er auf mich in seinen Ausführungen geradezu inbrünstig in seiner Überzeugung... ^^
      Müsste er jetzt schon selbst mal vorreflektieren, wohin er damit wollte. Insgesamt scheint mir der Satz nicht allzu gewichtig.

      Oh, das ist sehr wohl gewichtig, (nicht der einzelne Satz, sondern, was er dort insgesamt sagen will), denn das ist, so sehe ich das, sozusagen der "Witz" bei seinen Ausführungen: dass man sich über ausnahmslos alles irren kann und so auch darüber, dass man etwas glaubt. Wäre dem nicht so, würde er einfach nur sagen wollen, dass man sich irren kann in der Annahme, dass es in London regnet, dann wäre das wenig interessant, weil schlicht die übliche Korrespondenztheorie der Wahrheit.

      Wir können nun das Skript mal zusammenfügen, ich unterstreiche darin, wo es ihm um diesen Punkt geht:

      [Realism:] for every belief with a target object there is something for it to be true.
      And what it is for that belief to be true is not identical with someone holding that belief.

      [...]

      So there has to be something, witch is the case, independently of how i think, things are.
      And if you are realist, then you believe, that this holds across the board.
      Meaning, that this also holds, when you ask yourself, what you believe.

      So imagine, that i believe, that i believe, that it is raining in London.
      I might be wrong about this.
      I only thought, that i believed, that it's raining in London.
      I didn't really believed that.


      We hold a lot of believes without knowing, that we hold them.
      We have a lot of unconscious believes.
      Trivial ones and deeper ones.
      You know? Objects of Psycho Analysis or just trivial subconscious or unconscious believes.
      A lot of them.

      So if you are generally a realist, then there's no sense in wich you have to say, that believes are not real.
      Why should believes not be real?

      The reality of believes consists in the following fact: we can be wrong about them.

      So to be a realist is to believe, that there's nothing about which you cannot be wrong.
      That's my understanding of realism.

      So if you are a realist you believe that you can be wrong about essentially everything.
      That's what realism means. I can be wrong about everything.
    • Her K. wrote:

      novon wrote:

      Den neuen Realismusbegriff bekomme ich so schon ganz gut hin, denke ich.

      Ich leider noch nicht. Magst Du vielleicht mal kurz skizzieren, wie Du den Neuen Realismus verstehst?

      Im Wesentlichen scheint es mir darum zu gehen, was denn nun real sei. Ist eine Annahme über die Realität real? Der Neorealismus sagt: Yup. Ist real. Und dies unabhängig davon, ob sie zutreffend wäre oder nicht.
      Ist Pinocchio real? Yup. In einem Intelligiblen Sinne, als Fiktion. Kann ich mich über Pinocchio irren? Kann ich. Pinocchio ist keine Katze... Aber mein Kater heißt Pinocchio... Okay. Dann reden wir von einer Katze namens Pinocchio die nach einer fiktiven Figur benannt wurde. Alles ganz real, keine Verwirrung.

      Ins Unreine:
      Jede Vorstellung ist real. Was ich mir konkret vorstelle hypothetisch. Trifft Vorstellung auf einen realen Gegenstand, entspricht sie der Realität (Vorstellungen, die einen realen Gegenstand referenzieren sind Vorstellungen von der Realität). Vorstellungen, auf die das nicht zutrifft, sind zwar real (als Vorstellungen), beziehen sich aber nicht auf die Realität.

      - Doppelte Negation scheint Gabriel vielfach wichtig... *g* -
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon wrote:

      Im Wesentlichen scheint es mir darum zu gehen, was denn nun real sei. Ist eine Annahme über die Realität real? Der Neorealismus sagt: Yup. Ist real. Und dies unabhängig davon, ob sie zutreffend wäre oder nicht. [...] Jede Vorstellung ist real. Was ich mir konkret vorstelle hypothetisch. Trifft Vorstellung auf einen realen Gegenstand, entspricht sie der Realität (Vorstellungen, die einen realen Gegenstand referenzieren sind Vorstellungen von der Realität). Vorstellungen, auf die das nicht zutrifft, sind zwar real (als Vorstellungen), beziehen sich aber nicht auf die Realität.

      *unbehaglichguck*

      Daran kann ich nun aber nichts Neues erkennen, das scheint mir vielmehr sogar soweit die allgemein übliche Auffassung zu sein.

      Ich kenne nun auch noch nicht mal eine einzige Position, die behauptet, dass Vorstellungen nicht existierten, (was mE auch keine haltbare Position wäre).
    • Her K. wrote:

      novon wrote:

      Im Wesentlichen scheint es mir darum zu gehen, was denn nun real sei. Ist eine Annahme über die Realität real? Der Neorealismus sagt: Yup. Ist real. Und dies unabhängig davon, ob sie zutreffend wäre oder nicht. [...] Jede Vorstellung ist real. Was ich mir konkret vorstelle hypothetisch. Trifft Vorstellung auf einen realen Gegenstand, entspricht sie der Realität (Vorstellungen, die einen realen Gegenstand referenzieren sind Vorstellungen von der Realität). Vorstellungen, auf die das nicht zutrifft, sind zwar real (als Vorstellungen), beziehen sich aber nicht auf die Realität.
      *unbehaglichguck*


      Daran kann ich nun aber nichts Neues erkennen, das scheint mir vielmehr sogar soweit die allgemein übliche Auffassung zu sein.

      Na ja... "Allgemein üblich"... Eine Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Realität, wie sie ja nicht nur von Neuronisten sondern auch bereits von Kant mit den an-sich seienden Dingen (Antirealismus) propagiert wird - daheraus sicherlich "üblich" -, lässt das schon irgendwie als "neu" in Erscheinung treten. Der angesprochene Antirealismus ist ja dadurch gekennzeichnet, dass Realität als unzugänglich angenommen wird - im Gegensatz zu Wirklichkeit, dem für-uns -.
      Worauf beziehst du "allgemein üblich"?

      Her K. wrote:

      Ich kenne nun auch noch nicht mal eine einzige Position, die behauptet, dass Vorstellungen nicht existierten

      Na ja... Gibt Positionen, die behaupten, dass gar nichts existiert... ^^
      Was hat es mit der Bezugnahme auf die Postmoderne denn auf sich...?

      Her K. wrote:

      (was mE auch keine haltbare Position wäre).

      Imo auch nicht.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • Jörn wrote:

      Jetzt weiß ich nicht, was ich heute Abend machen soll
      Ja, vielleicht schaust du nach, ob der Glossarbegriff TATSACHE: "Etwas, das über etwas wahr ist"
      zu dem Begriff "Tatsachen", der in der zweiten (mittleren) Definition angeführt wird, passt ?


      Ich kann unter "Etwas, das über etwas wahr ist" vorläufig nur eine Aussage (1. 'etwas' ) vorstellen, die
      über eine Tatsache (2. 'etwas' ) wahr ist. Oder verstehe ich da etwas falsch ?
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • novon wrote:

      Worauf beziehst du "allgemein üblich"?

      Mir ist noch niemals jemand untergekommen - sei das in einer philosophischen Diskussion oder irgendwo sonst, im Internet oder im RL - der angenommen hätte, es gäbe keine Annahmen.

      Könnte nun zwar auch Zufall und/oder eine Bildungslücke von mir sein, aber die Aussage: "ich nehme an, dass es keine Annahmen gibt" hört sich irgendwie ein bisschen merkwürdig an, finde ich.
    • scilla wrote:

      ich habe mir den hinteren Teil des Videos
      (die Fragen des Publikums an GABRIEL) nicht angeschaut,
      aber ich hätte ihn gefragt:

      was ist Liebe aus neo-realistischer Sicht?

      ich befürchte nämlich,
      daß der Mann so wissenschaftsaffin ist,
      daß er das Universum ohne die Liebe denkt

      bei Liebe dürfte es sich seiner Meinung nach
      um eine Wahrnehmungstäuschung aufgrund von Botenstoffen handeln
      und da würde ich widersprechen
      und mich auf meinen Wahrnehmungsapparat
      und auf die evolutionäre Erfindung von Sexualität berufen


      Ich glaube, da irrst du dich:
      "Wenner sich etwa gegen den Neurokonstruktivismus wendet, versteht man, woher sein Furor kommt: Schließlich versuchen manche Hirnforscher, der Philosophie die Aufgabe der Begriffsklärung abzunehmen, indem sie alles auf Gehirnaktivitäten als das „eigentliche“ Fundament zusammenschnurren lassen."
      "Ich hab mein Sach` auf nichts gestellt." - Max Stirner -
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ - Meister Keynes -
      "Wenn der, der zuhört, nicht weiß, was der, der spricht, meint, und der, der spricht, nicht weiß, was sein Sprechen bedeutet - das ist Philosophie". - Voltaire zugeschrieben -
    • scilla wrote:

      ich habe mir den hinteren Teil des Videos
      (die Fragen des Publikums an GABRIEL) nicht angeschaut,
      aber ich hätte ihn gefragt:

      was ist Liebe aus neo-realistischer Sicht?

      ich befürchte nämlich,
      daß der Mann so wissenschaftsaffin ist,
      daß er das Universum ohne die Liebe denkt


      Hallo scilla, Attraktion, Anziehungskraft, Universell gesehen.
      Lebe so, dass dein Glück so wenig wie möglich, von äußeren Dingen abhänging ist.
      (Epiktet)
    • Homer wrote:

      scilla wrote:

      ich habe mir den hinteren Teil des Videos
      (die Fragen des Publikums an GABRIEL) nicht angeschaut,
      aber ich hätte ihn gefragt:

      was ist Liebe aus neo-realistischer Sicht?

      ich befürchte nämlich,
      daß der Mann so wissenschaftsaffin ist,
      daß er das Universum ohne die Liebe denkt


      Hallo scilla, Attraktion, Anziehungskraft, Universell gesehen.

      Das wäre denke ich nur "Eros", die dritte und unterste Stufe der Liebe. Siehe threat über "Hohe Luft" Was ist Liebe?

      Freundschaft, denke ich bindet nicht nur sondern achtet auch die Freiheit. Und Fürsorge (agape) ist ein beim Gegenüber sein auch, wenn dieses nicht bei einem selbst ist.

      Grüße
      sammler9
    • Her K. wrote:

      novon wrote:

      Im Wesentlichen scheint es mir darum zu gehen, was denn nun real sei. Ist eine Annahme über die Realität real? Der Neorealismus sagt: Yup. Ist real. Und dies unabhängig davon, ob sie zutreffend wäre oder nicht. [...] Jede Vorstellung ist real. Was ich mir konkret vorstelle hypothetisch. Trifft Vorstellung auf einen realen Gegenstand, entspricht sie der Realität (Vorstellungen, die einen realen Gegenstand referenzieren sind Vorstellungen von der Realität). Vorstellungen, auf die das nicht zutrifft, sind zwar real (als Vorstellungen), beziehen sich aber nicht auf die Realität.
      Ich kenne nun auch noch nicht mal eine einzige Position, die behauptet, dass Vorstellungen nicht existierten, (was mE auch keine haltbare Position wäre).

      Für dich ist das Reale das Existierende, wenn ich dich richtig verstanden habe.

      Im Phil.lex. habe ich gefunden: : "Real = nicht bloß in der Vorstellung vorhanden". Das wäre ein Position ,die behauptet ,das es Vorstellungen zwar gibt, diese aber nicht real sind. Diese Position ist auch sinnvoll/haltbar ,weil sie zwischen Vorstellungen und Wahrnehmungen (hinter denen eine bewusstseinsunbhängige Realität steht) begrifflich differenziert.
    • Riha wrote:

      Im Phil.lex. habe ich gefunden: : "Real = nicht bloß in der Vorstellung vorhanden". Das wäre ein Position ,die behauptet ,das es Vorstellungen zwar gibt, diese aber nicht real sind. Diese Position ist auch sinnvoll/haltbar ,weil sie zwischen Vorstellungen und Wahrnehmungen (hinter denen eine bewusstseinsunbhängige Realität steht) begrifflich differenziert.

      "Das wäre ein Position ,die behauptet ,das es Vorstellungen zwar gibt, diese aber nicht real sind." Meines Erachtens steht das in dem Phil.lex. Zitat nicht. Nehmen wir ein Beispiel: Ich stelle mir ein Auto vor. Dieses Auto ist nicht real, wenn es bloß in (m)einer Vorstellung vorhanden ist. Die Vorstellung selbst ist aber natürlich real, weil sie nicht nur in der Vorstellung (zum Beispiel deiner Vorstellung) vorhanden ist.