Ist Kant ein Vorläufer des Konstruktivismus?

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    • Ist Kant ein Vorläufer des Konstruktivismus?

      richard wrote:

      king wrote:

      Hier eine m. E. treffende Buchbesprechung: inkultura-online.de/markus_gabriel.html
      Ich denke, das war`s dann.
      Warum jedoch um Himmels Willen Gabriel ausgerechnet aus Kant einen Vorläufer des Konstruktivismus macht, dass bleibt sein (schreckliches) Geheimnis.
      Aus dem verlinkten Artikel

      Kant ist ein Vorläufer des Konstruktivismus.
      Insofern war es das nicht.

      Ernst von Glasersfeld, der Konstruktivist ist, hält Kant für einen Vorläufer des Konstruktivismus. Siehe dessen "Konstruktivistische Gedanken bei Kant" (Manuskript, S. 1 von 3): "Was mich stets interessierte, war aufzuzeigen, dass Kant immmer wieder Gedanken formulierte, die ganz in die konstruktivistische Denkweise passen." Als Beleg zitiert von Glasersfeld eine Passage aus Kants "Streit der philosophischen Fakultät mit der theologischen": "Dieser Verstand aber ist ein gänzlich actives Vermögen des Menschen; alle seine Vorstellungen und Begriffe sind bloss seine Geschöpfe, der Mensch denkt mit seinem Verstand ursprünglich, und er schafft sich also seine Welt."

      Es könnte nun sein, dass Kant bloß lässig formuliert und nicht wirklich behaupten möchte (wie es Schopenhauer später getan hat), dass "Welt" = "Vorstellungen und Begriffe".
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Fliege wrote:

      Es könnte nun sein, dass Kant bloß lässig formuliert und nicht wirklich behaupten möchte (wie es Schopenhauer später getan hat), dass "Welt" = "Vorstellungen und Begriffe".
      Eher ehrgeizig formuliert: " ... ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten, ..."
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • byLaszlo wrote:

      Fliege wrote:

      Es könnte nun sein, dass Kant bloß lässig formuliert und nicht wirklich behaupten möchte (wie es Schopenhauer später getan hat), dass "Welt" = "Vorstellungen und Begriffe".
      Eher ehrgeizig formuliert: " ... ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten, ..."

      Ich denke auch, dass Kants Kopernikanische Wende radikal-konstruktivistisch zu verstehen ist.

      Es gibt einen Blog beim Carl-Auer-Verlag, da hat Uli Wetz (Lektor bei diesem Verlag) am 22. Mai 2006 unter dem Titel "Kant und Konstruktivismus" genau die von dir gebrachte Kant-Passage herangezogen. Als "Meine These" bietet Wetz dies an:

      "Immanuel Kant ist der erste (mir bekannte) und gleich auch radikalste Konstruktivist.

      Ich will das kurz begründen. Nach eigenen Worten vollzieht Kant in der Erkenntnistheorie eine kopernikanische Wende (siehe zweite Vorrede zur 'Kritik der reinen Vernunft', z.B. S. B XVI f.). Es geht ihm nicht darum: wie die Gegenstände der Welt und ihre Gesetzmäßigkeiten in den Kopf der Menschen gekommen sind, ob erst durch die Erfahrung oder schon vor aller Erfahrung. Verkürzt gesagt, es geht ihm um mehr: 'Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten.' Er versucht es – und gelangt zu der ja schon revolutionären Schlußfolgerung, daß unser Verstand die Naturgesetze nicht schon enthält, bevor er sie entdeckt, sondern, radikaler: daß unser Verstand der Natur die Gesetze vorschreibt. Vgl. z.B. 'Prolegomena', Ende § 36 (alle folgenden Hervorhebungen im Orig.); '[...] der Verstand schöpft seine Gesetze (a priori) nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor.'"
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Fliege wrote:

      der Verstand schöpft seine Gesetze (a priori) nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor.'"


      Das habe ich nicht wirklich verstanden. Alle Gesetze entspringen aus dem einen göttlichen (Heraklit). Doch der Verstand (denken), hat keinen direkten Kontakt, deshalb macht er sich nur ein Bild davon . Meinst du das gleiche ?
      Lebe so, dass dein Glück so wenig wie möglich, von äußeren Dingen abhänging ist.
      (Epiktet)
    • Homer wrote:





      Zitat von »Fliege«


      der Verstand schöpft seine Gesetze (a priori) nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor.'"



      Das habe ich nicht wirklich verstanden. Alle Gesetze entspringen aus dem einen göttlichen (Heraklit). Doch der Verstand (denken), hat keinen direkten Kontakt, deshalb macht er sich nur ein Bild davon . Meinst du das gleiche ?



      Ich will Fliege nicht vorgreifen, aber um seine Antwort dann besser zu verstehen, kannst du dich schon vorab
      aus dem kurzen Schrift von Glasersfeld informierern. Ich möchte dazu später noch manche Bemerkungen notieren.

      .
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • byLaszlo wrote:

      Ich will Fliege nicht vorgreifen, aber um seine Antwort dann besser zu verstehen, kannst du dich schon vorab
      aus dem kurzen Schrift von Glasersfeld informierern. Ich möchte dazu später noch manche Bemerkungen notieren.
      Der Thread sollte nicht schon deshalb einsinken, weil ich übersehen habe, dass Fliege den Artikel von Glasersfeld
      schon im Eingangsbeitrag angibt.

      Meine Irritation in einer ersten Bemerkung zusammengefasst lautet so: Wenn wir schon das konstruktivistische Grundkonzept
      in Bausch und Bogen verwerfen, wieso sollte dann Glasersfelds konstruktivistische Zugriff auf Kant auch nur eine Spur von
      Geltung beanspruchen können ?


      "Am nächsten an Kant kommt Berkeley erstaunlicherweise in seinen ersten Aufzeichnungen,..." - sinniert Glasersfeld gegen Ende
      der ersten Seite und mir kommt vor als wollte er die Historie der Philosophie begründungshalber rückwärts lesen.
      Mit Vico verfährt er noch richtig aber dann ... seltsam...
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)