Quentin Meillassoux (Iteration, Reiteration, Repetition - A Speculative Analysis of the Meaningless Sign)

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    • Quentin Meillassoux (Iteration, Reiteration, Repetition - A Speculative Analysis of the Meaningless Sign)

      FLIEGE hatte die Vorlesung verlinkt
      Nach dem Mythos des Subjektiven

      und wir beide haben Interesse bekundet
      Nach dem Mythos des Subjektiven

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      der Text kann also nicht markiert und kopiert werden

      oursecretblog.com/txt/QMpaperApr12.pdf


      da es sich um eine Übersetzung ins Englische handelt,
      kann ich meine Umwandlung in eine Textdatei nicht hochladen,
      ohne einen Copyrightsverstoß zu begehen

      Möglichkeit 1
      selber machen bspw. mit freeocr

      Möglichkeit 2
      mir eine Nachricht zukommen lassen,
      dann schicke ich eine .rtf-Datei
    • Seite 1

      der Autor glaubt, daß der Mensch zu absolutem Geiste fähig ist,
      obwohl es gegen diese Position seit 150 Jahren allerlei Einwände gibt

      um seine Position uneinnehmbar zu machen,
      möchte er sich zunächst in die Lage seiner schlimmsten Gegners (anti-absolutism) versetzen

      den Anti-Absolutismus stellt er sich aus zwei Thesen zusammengesetzt vor
      a) Korrelationszirkel (correlational circle)
      b) Korrelationsfaktizität (correlational facticity)

      es folgt ein Rückgriff auf George BERKLEY (1648-1753),
      der die Existenz nur den Ideen Gottes, aber nicht einer realen Außenwelt zubilligt

      da nämlich auch die Anhänger einer realen Außenwelt nicht umhinkommen,
      zuzugeben, daß sie die Außenwelt nur in ihrem Geiste kennen,
      begehen diese [scheinbar] einen Widerspruch (pragmatic contradiction)

      entsprechend lautet das Todesurteil:
      wer sich auf das Ding an sich beruft, beruft sich in Wahrheit nur auf seinen Zugang zu diesem Ding,
      (denn Menschen mit anderem Zugang verstehen nur Bahnhof)
      es macht also keinen Sinn, nach der Außenwelt zu fragen,
      da sie ohnehin niemand zugangslos erfassen kann

      der Autor bezeichnet diese Überzeugung als Korrelationismus
      als Korrelationszirkel bezeichnet er die Argumentation des Todesurteiles (deadlock)

      Ende Seite 1/Anfang Seite 2

      When I claim to accede to a thing in itself, I accede in truth only to a given,
      from which I cannot abstract the fact that it is strictly correlated to the access I have to it,
      and which has no conceivable meaning outside of this access — outside the way in which I conceive of it.
      In this sense, it seems pointless to ask what things are, when no mind can ever apprehend them.

      By correlationism, I thus understand, in a first approximation, every philosophy
      that maintains the impossibility of acceding through thought to a being independent of thought.
      We never, according to this type of philosophy, have access to any intended thing
      (understood in the most general sense) that is not always already correlated to an act of thinking
      (understood, again, in the most general sense).

      Consequently, correlationism posits, against all materialism,
      that thought cannot escape from itself so as to accede to a world
      not yet affected by the modes of apprehension of our subjectivity.


      es stellt sich also folgende Herausforderung

      Seite 2
      how can one claim to think what is when there is no thought,
      without seeing that this claim involves a manifest contradiction?



      PAUSE
    • scilla wrote:

      der Autor glaubt, daß der Mensch zu absolutem Geiste fähig ist

      Im Text steht (S. 1): "My thesis [...] comes down to saying that thought is capable of the 'absolute'".
      Ich würde das auf Deutsch so formulieren: Meine These lautet, dass Denken des Absoluten möglich ist.
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Hallo scilla, danke für Deine Zusammenfassung der Seite 1.

      Ich möchte gerne ein paar Anmerkungen dazu machen, so wie ich das bisher verstanden habe. (Das, was ich im Folgenden snippe, verstehe ich ebenso, wie Du es dargestellt hast.)

      scilla wrote:

      der Autor glaubt, daß der Mensch zu absolutem Geiste fähig ist,

      Ich habe das bisher so verstanden: der Autor meint, dass man wahre Aussagen über Absolutes machen kann, über das "Wesen" von denkunabhängigen Dingen "an sich".

      scilla wrote:

      da nämlich auch die Anhänger einer realen Außenwelt nicht umhinkommen,
      zuzugeben, daß sie die Außenwelt nur in ihrem Geiste kennen,
      begehen diese [scheinbar] einen Widerspruch (pragmatic contradiction)

      Ergänzung: der Widerspruch liegt nach Berkeley (und auch dem Autor) darin, dass man nicht unabhängig vom Denken etwas Denkunabhängiges wahrnehmen/beschreiben/erfassen könne und man daher auch nicht gerechtfertigt behaupten dürfe, es gäbe denkunabhängige Dinge, da man ohne Denken nicht deren Wesen, deren "an-sich-sein" erfassen könne. (Wobei wohl diese beiden impliziten Prämissen zugrundeliegen: 1. es gibt ein "an-sich" von denkunabhängigen Dingen (und, noch impliziter: diese Annahme ergäbe einen (verstehbaren) Sinn) und 2. ohne zu wissen, was dieses "an-sich" der denkunabhängigen Dinge sei, könne man nichts (zumindest nichts Sicheres und/oder Gerechtfertigtes) über diese denkunabhängigen Dinge) sagen.

      scilla wrote:

      entsprechend lautet das Todesurteil:
      wer sich auf das Ding an sich beruft, beruft sich in Wahrheit nur auf seinen Zugang zu diesem Ding,

      Das habe ich nun so verstanden: wenn ein Zugang zu denkabhängigen Dingen ohne Denken nicht möglich ist, (da stimmt der Autor, wenn ich das recht verstehe, mit Berkeley [und auch mit der heute üblichen Ansicht] überein), dann bedeutet das nicht, dass man sich dabei nur (ausschließlich) auf sein Denken (oder seinen gedanklichen Zugang) bezöge, sondern, dass dann das eigentliche Wesen eines denkunabhängigen Dinges nicht erkannt werden kann, weil vom Denken sozusagen nicht völlig abstrahiert werden kann, das Denken nicht weggedacht werden kann.

      (Ich weiß wohl, dass sich das alles noch sehr unscharf anhört, aber das schreibe ich meinem noch unzureichenden Verständnis des Spekulativen Realismus zu.)
    • Seite 2 und 3 sind etwas mißlungen
      man hat zunächst den Eindruck, als ob hier zwei mal zwei Positionen vorgestellt würden,
      um danach festzustellen, daß die 'Spekulation' und das 'Denken an sich' identisch sind

      der 'Materialismus' wird nur als anti-korrelationistisch,
      aber nicht als anti-idealistisch dargestellt
      (was in Bezug auf BERKLEY naheliegend gewesen wäre)

      der Korrelationismus ist 'transzendental phänomenologisch','postmodern' oder 'skeptisch'

      Seite 3
      On one hand correlationism,
      which, in the form of skepticism, the transcendental, phenomenology or postmodernism,
      denied thought all access to the absolute.

      But on the other hand,
      there developed a new speculative tendency, which I shall from now on designate with a neologism:
      subjectalism.



      zur Erklärung:
      a) der plumpe 'Materialismus' setzt Menschen mit subjektlosen Atomen gleich
      b) das 'Denken an sich' bzw. die 'Spekulation',
      muss sich früher oder später dem Subjekt stellen
      [ohne deshalb idealistisch oder materialistisch zu sein]

      Seite 3

      If thought cannot exit from itself,
      this is not because it runs up against gnoseological limits,
      but because it discovers a form of existence that is intrinsically necessary: the subjective.

      als Beispiele für die Beschäftigung mit dem Subjekt seien genannt
      Seite 3

      Sensation was absolutized (Maupertius’ and Diderot’s hylozoism),
      as was reason (Hegelian idealism), freedom (the Schelling of 1809),
      perception (Bergson and the image in itself, in the first chapter of Matter and
      Memory), will (Schopenhauer), wills in their mutual conflict (Nietzsche’s will to
      power), the self in its initial germ state (Deleuze’s ‘larval selves’ in Difference and
      Repetition), etc.


      im Folgenden entschuldigt sich der Autor für seine Wortwahl in seinem Buch After Finitude
      (bis Seite 4 oben)



      PAUSE
    • Fliege wrote:

      scilla wrote:

      der Autor glaubt, daß der Mensch zu absolutem Geiste fähig ist

      Im Text steht (S. 1): "My thesis [...] comes down to saying that thought is capable of the 'absolute'".
      Ich würde das auf Deutsch so formulieren: Meine These lautet, dass Denken des Absoluten möglich ist.

      scilla wrote:

      Übersetzung Fliege

      Meine These lautet, dass Denken des Absoluten möglich ist.

      kein Problem,
      ich habe mich altertümlich ausgedrückt

      Deine Formulierung halte ich nicht für altertümlich, sondern für nicht treffend, denn "dass der Mensch zu absolutem Geist fähig ist", ist etwas völlig anderes als "dass Denken des Absoluten möglich ist" bzw. "dass es möglich ist, das Absolute zu denken".
      Der "absolute Geist" (aus deiner Formulierung) wird von Meillassoux als "non-materialist form of absolutism" (S. 3 oben) bzw. als Subjektivismus, was er "Subjectalism" nennt (S. 3 unten), abgehandelt und zurückgewiesen.
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Fliege

      der Autor verwendet denselben Begriff 'subjectalism' in zwei verschiedenen Konnotationen
      subjectalism = Spekulation
      subjectalism = anthropomorphe Vermenschlichung

      vielleicht hat der Übersetzer gepennt

      der Autor unterscheidet drei Positionen
      1. einen plumpen Materialismus
      2. eine subjektive Vermenschlichung
      3. die Spekulation des Absoluten (für mich: der absolute Geist spekuliert)

      .......................


      Seite 5

      So here are the terms I shall use from now on:
      I call the ‘era of Correlation’
      (and no longer: ‘correlation in the broad sense’) the anti~materialist, post-Berkeleyan
      era that shut us up inside correlation,
      either through an anti-speculative gesture — which alone is now called correlationism
      — or through a speculative gesture — which I shall now call subjectalism

      die korrelationistische Ära richtet sich also gegen den plumpen Materialismus
      und umfasst sowohl die Spekulation als auch den Korrelationismus

      der Autor grenzt dann seinen Subjektivismus von dem Subjektiven im anthropomorphen Sinne ab
      letzterer sei eine vitalistische oder idealistische Position
      und münde im Unterbewusstsein oder in der Vermenschlichung des Anorganischen

      Seite 5
      To free oneself of man, in this strange humanism-in-denial,
      was simply to disseminate oneself everywhere,
      even into rocks and particles, and according to a whole scale of intensities.


      entgegen dem Subjektiven im anthropomorphen Sinne und der Anti-Spekulation
      möchte der Autor sein Projekt verstanden wissen


      Seite 6
      how can we escape from both correlationism and subjectalism [im anthropomorphen Sinne]
      — from all of their historical variants, and even all conceivable variants?
      How can we carry out the conjoint recusal of skepticism, criticism, transcendental and
      existential phenomenology, and postmodernism (so many correlationisms), and
      idealism, spiritualism, and vitalism in their various forms (so many subjectalisms)?



      PAUSE

      The post was edited 1 time, last by scilla ().

    • scilla (zu Fliege) wrote:

      der Autor unterscheidet drei Positionen
      1. einen plumpen Materialismus
      2. eine subjektive Vermenschlichung
      3. die Spekulation des Absoluten (für mich: der absolute Geist spekuliert)

      Du bleibst also dabei: Du möchtest hinsichlich Meillassouxs Position nicht von Spekulation über das Absolute ausgehen, sondern davon, dass "der absolute Geist spekuliert".
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Fliege wrote:

      Du bleibst also dabei: Du möchtest hinsichlich Meillassouxs Position nicht von Spekulation über das Absolute ausgehen, sondern davon, dass "der absolute Geist spekuliert".

      ist das schlimm?
      hoffentlich nicht

      .........................................

      die Korrelationsanhänger erheben die Korrelation zum Gebot der Stunde,
      obwohl diese doch das Absolute schlecht finden müssten


      Korrelationsfaktizität?
      eine Korrelation, die faktisch vorhanden ist,
      muss nicht zwingend notwenig sein

      Beispiel von mir:
      im Elsaß gibt es eine erhöhte Storchenpopulation und eine erhöhte Geburtenrate beim Menschen
      diese Korrelation ist faktisch vorhanden,
      aber die Störche bringen nun mal keine Babys


      Seite 12

      But, since nothing that exists is necessary, speculation should not speak of it at all
      ...
      Therefore, speculation assures all other disciplines of thought that they alone
      have the right to describe and to explain (in a non-necessarist form) the world in
      which we live.


      der Autor möchte über das spekulative Denken das Kontingente aufspüren


      Seite 13

      For contingency is nothing outside of what is contingent
      — it is not a ‘free floating’ principle, but always the property of determinate beings.
      I thus establish that something must exist — and not pure nothingness
      ~ and that this something is not necessarily a thinking thing.

      das Sein der Materie entstammt dieser Kontingenz
      und ein Teil davon wird am besten durch physikalische Gesetze beschrieben

      Seite 13

      Matter can therefore be devoid of thought, of subjectivity,
      and can be described wholly by a mathematized physics

      einerseits ist damit das Nichts vom Tisch,
      andererseits besteht aber auch kein metaphysischer Anspruch auf eine Selbstwahrnehmung des Seins

      Seite 13

      So that is the position of speculative materialism


      PAUSE
    • Fliege wrote:

      scilla (zu Fliege) wrote:

      der Autor unterscheidet drei Positionen
      1. einen plumpen Materialismus
      2. eine subjektive Vermenschlichung
      3. die Spekulation des Absoluten (für mich: der absolute Geist spekuliert)

      Du bleibst also dabei: Du möchtest hinsichlich Meillassouxs Position nicht von Spekulation über das Absolute ausgehen, sondern davon, dass "der absolute Geist spekuliert".
      Wenn man negative Emotionen hat bzw. bedrängt wird, sollte man sich wie eine Fliege (bzw, wenn der Fliege sich mal wieder von "den Christen" bedroht fühlt ;) ) von der Wand aus beobachten und sagen, ich bin doch eigentlich ein netter Mensch bzw. er bzw. sie kann nur meinen Körper der zu mir gehört töten nicht aber meine Seele (die Gott gehört) o.ä..Die Psychologie spricht von Selbstdistanziertheit. Allerdings bei guten Begegnugen wie in der Liebe sollte man eine andere Perspektive einnehmen, eine ganzheitliche.
    • scilla wrote:

      der 'Materialismus' wird nur als anti-korrelationistisch,
      aber nicht als anti-idealistisch dargestellt

      Habe ich genau anders herum verstanden: Materialismus ist nach Q. korrelationistisch, aber anti-idealistisch.

      scilla wrote:

      zur Erklärung:
      a) der plumpe 'Materialismus' setzt Menschen mit subjektlosen Atomen gleich

      So etwas habe ich im Text nicht gefunden?

      scilla wrote:

      die korrelationistische Ära richtet sich also gegen den plumpen Materialismus
      und umfasst sowohl die Spekulation als auch den Korrelationismus

      Die "korrelationistische Ära", die mit Berkeleys Argument des "korrelationistischen Zirkels" begann, richtet sich gegen einen nicht-metaphysischen Materialismus, der ungefähr so aussieht: die Behauptung, es gäbe denkunabhinge Dinge, die denkunabhängig gedacht werden könnten.

      scilla wrote:

      der Autor grenzt dann seinen Subjektivismus von dem Subjektiven im anthropomorphen Sinne ab [...] entgegen dem Subjektiven im anthropomorphen Sinne und der Anti-Spekulation
      möchte der Autor sein Projekt verstanden wissen


      Seite 6
      how can we escape from both correlationism and subjectalism [im anthropomorphen Sinne]
      — from all of their historical variants, and even all conceivable variants?
      How can we carry out the conjoint recusal of skepticism, criticism, transcendental and
      existential phenomenology, and postmodernism (so many correlationisms), and
      idealism, spiritualism, and vitalism in their various forms (so many subjectalisms)?

      Der Autor sieht sein Projekt explizit als materialistisches. Das unterste Zitat fängt so an: "My project - a neo-materialist project - can thus be formulated as follows: how can we escape [...]". Er möchte der "korrelationistische Ära" entkommen und richtet sich dabei explizit sowohl gegen Korrelationismus als auch gegen den von ihm so genannten "Subjectalism". Deinen Zusatz "[im anthropomorphen Sinne]" halte ich daher für nicht richtig.

      Vielleicht noch ein Zitat von Seite 2, in dem er sagt, was er unter "Materialismus" versteht::

      I call 'materialism', as we have already seen, every thought acceding to an absolute that is at once external to thought and in itself devoid of all subjektivity.
    • scilla wrote:

      Fliege wrote:

      Du bleibst also dabei: Du möchtest hinsichlich Meillassouxs Position nicht von Spekulation über das Absolute ausgehen, sondern davon, dass "der absolute Geist spekuliert".

      ist das schlimm?
      hoffentlich nicht

      Das ist nicht schlimm, aber - das sehe ich so wie Fliege - das ist nicht Meillassouxs Position, sondern das gehört zu der von ihm sogenannten Position des "subjectalism", die er explizit ablehnt.

      scilla wrote:

      die Korrelationsanhänger erheben die Korrelation zum Gebot der Stunde,
      obwohl diese doch das Absolute schlecht finden müssten

      Es geht dabei nicht um beliebige Korrelationen, sondern um eine bestimmte Korrelation, nämlich die zwischen denkunabhängigen Dingen und dem Denken.
    • Her K. (zu scilla) wrote:

      Der Autor sieht sein Projekt explizit als materialistisches. Das unterste Zitat fängt so an: "My project - a neo-materialist project - can thus be formulated as follows: how can we escape [...]". Er möchte der "korrelationistischen Ära" entkommen und richtet sich dabei explizit sowohl gegen Korrelationismus als auch gegen den von ihm so genannten "Subjectalism". Deinen Zusatz "[im anthropomorphen Sinne]" halte ich daher für nicht richtig.

      Vielleicht noch ein Zitat von Seite 2, in dem er sagt, was er unter "Materialismus" versteht:
      I call 'materialism', as we have already seen, every thought acceding to an absolute that is at once external to thought and in itself devoid of all subjektivity.

      Das ist auch mein Eindruck betreffs Meillassouxs Position. An dieser Stelle kommt allerdings zum Vorschein, dass (entweder) Meillassoux (oder nur der Übersetzer) nicht trittsicher ist (ein ungutes Gefühl beschleicht mich nicht bloß an dieser Stelle). Ich hielte es für bedauerlich, falls es Meillassouxs mangelnde Trittsicherheit sein sollte, weil man so eine Argumentation an die Wand fahren kann. Ein "thought acceding to an absolute" (Gedanke im Zugriff auf ein Absolutes) wäre nämlich nicht Materialismus. Vielmehr wäre Materialismus die Auffassung, wonach "thought acceding to an absolute" möglich ist oder statt hat (wobei Materie ein solches angesprochenes Absolutes wäre, weil die Existenz von Materie nicht subjektrelativ ist).
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).

      The post was edited 4 times, last by Fliege: + Gedanke im Zugriff auf ein Absolutes ().

    • Gruß an alle

      ich arbeite mich langsam durch
      bin jetzt am Ende von Kapitel 1 angekommen
      und habe von meinem Gefühl her ganz genau verstanden, was der Mann sagen will
      (als ob der mit mir umgangssprachlich geredet hätte)

      die Position des Autoren deckt sich weitgehend mit meiner
      er kann besser ein Buch schreiben
      ich kann besser gliedern
      bei ihm gibt es Doppelbedeutungen
      bei mir sind die Begriffe sauber getrennt

      glaubt mir einfach !
      spätestens nach der nun folgenden Zusammenfassung ist seine Ausrichtung klar


      .......................

      gegen metaphysische Verkrampfung


      13
      I reject the metaphysical Principle of Suffïcient Reason
      that seeks an absolute reason for the given,
      but not the various heuristic principles that explain our everyday facticity.


      für eine freie und spontane Themenwahl


      13
      Its interest is ultimately heuristic,
      without any possible assurance of being definitively true, for it touches upon nothing etemal within beings.

      die nicht wissenschaftliche Heuristik nennt er hyperphysics
      das übergeordnete Ziel der Heursitik ist nämlich, den Formenschatz der Natur zu gliedern,
      anstatt seine Ausprägung zu berechnen


      15
      I believe that we must, on the contrary, accede to the pure heterogeneity
      that breaks down all differences of degree or intensity in favor of differences of nature


      diese Hyperphysik muss unbedingt geschützt werden


      15
      We need breaks that render impossible
      the reductionism of one regime of beings to another


      der Autor verwendet ein zweites Wort Hyperchaos,
      um die Evolution in (einzigartige) Abschnitte gliedern zu können

      die unevolutionäre (korrelationistische) Weltsicht ist die des Chaosmos

      15
      This is because the ‘naturing nature’ that I speak of is no longer a nature, a Cosmos, or a Chaosmos;
      but their possible destruction, genesis, and redestruction by a Hyperchaos
      that is their true principle.


      Einschub von mir:
      der Begriff Natur ist dualistisch
      der Begriff Umwelt ist nicht dualistisch
      dem Autoren geht es also um Umwelt

      und die wird durch die Verfügungswissenschaften nicht erforscht
      die Maschinenbauer, Marktforscher, Soziologen, Raumplaner... leugnen die Evolution


      ENDE KAPITEL 1

      PAUSE
    • bei ihm gibt es Doppelbedeutungen


      materialism

      einmal die plumpe Variante
      (gegen die sich der Korrelationismus seit BERKLEY richtet)

      einmal seine Variante von Spekulation
      (die Spekulation richtet sich gegen den Dualismus und den Monismus)

      der philosophische (von ihm bisher nicht erwähnte) Hintergrund ist der,

      daß Materie ein WESEN ist (und die langfristige Höherentwicklung der Materie meint)
      bei dieser Höherentwicklung gab es Etappen
      und diese Schichten des Seins (Nicolai Hartmann) wurden von Konrad Lorenz als Evolution interpretiert

      materiell hingegen das dualistische Gegenteil zu ideell


      subjectalism
      subjectalism = Spekulation
      subjectalism = anthropomorphe Vermenschlichung


      einmal subjektiv im Gegensatz zu objektiv
      (Oberbegriff Natur)

      einmal das Subjekt als Bestandteil der Umwelt
      (über die spekuliert wird)


      ps
      in dieselbe Reihe würde auch ETHIK und ethisch passen
      (vielleicht kommt das ja noch)

      Ethik = Theoriegebäude
      ethisch = das Gegenteil zu moralisch
    • Korrelationismus

      der Begriff der Korrelation entstammt der Statistik
      und bezeichnet ein Ähnlichkeitsmaß zweier Zahlenreihen

      die Korrelation ist die plumpe Form von Kausalität

      wenn es gelingt, die Korrelation durch ein Gedankenexperiment zu beschreiben,
      dann hat man ein Gesetz gefunden

      das Naturgesetz ist die anspruchsvolle, aber anthropomorphe Form von Kausalität

      wenn man sich eine Definition überlegt
      und mit dieser Definition zu folgern beginnt,
      kann man das, was in der Umwelt wahrgenommen wird,
      diagnostizieren

      die Diagnose ist die absolute Form von Kausalität
      die Induktion ist dabei keine Verallgemeinerung,
      sondern der Weg von unten nach oben,
      die Deduktion geht dabei nicht von ewigen Wahrheiten aus,
      sondern nur von oben nach unten,
      die Abduktion verbindet als eigentliche Definition oben und unten


      ........

      Quentin Meillassoux verachtet die plumpe Korrelation,
      ist vom Gedankenexperiment fasziniert,
      möchte aber gerne spekulieren

      der Autor befindet sich in einer Entwicklung,
      die noch nicht ganz abgeschloßen ist
      er würde gerne einiges aus seinem Buch 'After Finitude' umformulieren

      ich lasse mich überraschen, was in Kapitel 2 kommt

      The post was edited 4 times, last by scilla ().

    • Hallo @scilla und @ fliege, darf ich ganz kurz etwas schreiben ?

      Fliege wrote:

      scilla wrote:

      Fliege wrote:

      Meine These lautet, dass Denken des Absoluten möglich ist.

      kein Problem,
      ich habe mich altertümlich ausgedrückt



      Fliege wrote:

      Deine Formulierung halte ich nicht für altertümlich, sondern für nicht treffend, denn "dass der Mensch zu absolutem Geist fähig ist", ist etwas völlig anderes als "dass Denken des Absoluten möglich ist" bzw. "dass es möglich ist, das Absolute zu denken".


      Der Mensch nähert sich die Dinge mit sein Denken und sein Gefühl, ist es anders nicht möglich ? Er verehrt nur dessen "Bilder", "Ikonen" und Symbolen ...kurz gesagt bloß die Erscheinungen. Und das genau, hindert ihn daran dass zu sehen, was dahinter steckt. Den Geist zu fassen, hinter den Gestallten und Formen. Die Ideen die schon vorher existieren, sind von Natur aus Geistig. Deshalb kann nur das indetische das indentische fassen. Also der Geist durch den Geist. Wenn das nicht geschieht, können wir niemals wahre/wirkliche Einsicht erlangen. Das was wir Geist nennen, ist eindeutig viel mehr als nur das Denken. Und genau das ist anscheinend das "Problem".
      Lebe so, dass dein Glück so wenig wie möglich, von äußeren Dingen abhänging ist.
      (Epiktet)

      The post was edited 6 times, last by Homer ().

    • scilla wrote:

      ich lasse mich überraschen, was in Kapitel 2 kommt

      Das ging mir jetzt erstens etwas zu schnell und zweitens interessiert mich Kapitel 2 nicht. (In Kapitel 1 fasst er seine Auffassung zusammen, in Kapitel 2 kommt er zum eigentlichen Thema des Artikels. Das ist sehr abstrakt, formal und speziell, mich interessieren mehr die Grundlagen und Grundargumente des Spekulativen Realismus.)

      Ich möchte mal eine ganz kurze, stichpunktartige Zusammenfassung der Seiten 1 bis 9 geben. Alle Begriffe in Anführungszeichen von Meillassoux im Text so definiert, zum Großteil sind das von ihm erfundene Begriffe:
      • "Absolutismus": die Ansicht, Denken könne Zugang zu "Ewigen Wahrheiten" ermöglichen, zur "Welt an sich" bzw. der "Welt als Ganzes"
      • "Korrelationismus": die Ansicht, dass ein Ding, das nicht denkt, nicht gedacht werden kann, ohne zu denken, (Korrelationismus ist ein Anti-Absolutismus)
      • "Materialismus": es gibt Dinge, die nicht denken, die Welt besteht nicht nur aus Gedanken
      • Argumente für Korrelationismus:
        1. Der "korrelationale Zirkel": wenn man denkt, dann denkt man - anders sei es nicht denkbar
      • -> Aus Korrelationismus und Materialismus folgt Anti-Absolutismus
      • "spekulativ" - jede Philosophie, die behauptet, ein Absolutes sei erreichbar
      • "Subjektualismus" - alle Philosophien, die, im Gegensatz zum Materialismus, allen Dingen in der Welt mentale und/oder vitale Eigenschaften zuschreiben (z.B. der Weltwille von Schopenhauer oder der Wille zur Macht von Nietzsche). Subjektualismus verabsolutiert Denken, ist so ein Absolutismus.
      • "Ära des Korrelationismus": darin gibt es nur entweder einen de-absoluten Materialismus (= Korrelationismus) oder einen absoluten Subjektualismus
      • Ziel des Spekulativen Materialismus: der Ära des Korrelationismus zu entkommen, eine dritte Position zu entwerfen, die materialistisch, also nicht subjektualistisch ist, aber auch nicht korrelationistisch, sondern einen Zugang auf das Absolute ermöglicht
      • 2. Argument für Korrelationismus (gegen Subjektualismus): "Korrelationale Faktizität".
      • "Kontingent": jede Entität, Ding oder Ereignis, von dem ich weiß, dass es möglich ist, dass es nicht ist oder nicht hätte nicht sein können oder hätte anders sein können.
      • "Fakt": etwas, von dem ich mir vorstellen kann, dass es anders sein könnte, ich aber nicht weiß, ob es tatsächlich anders hätte sein können. (z.B. Naturgesetze.)
      • "Arche-Fakt": etwas, von dem ich mir nicht vorstellen kann, dass es anders sein könnte, dessen Notwendigkeit ich aber dennoch nicht beweisen kann.
      • Der Subjektivist sagt: man kann sich nicht vorstellen, wie man denken kann, ohne zu denken, das sei widersprüchlich und daher einfach nicht existent, so wie ein quadratischer Kreis.
      • Ein Korrelationist jedoch behaupte, im Gegensatz dazu, Korrelationismus sei lediglich eine Einschränkung im Vorstellungsvermögen. Man könne sich zwar nicht vorstellen, wie man ohne zu denken beobachten könne, aber das sei lediglich ein subjektives Unvermögen, kein Beweis dafür, dass Beobachtung ohne Denken unmöglich sei.

      Erst mal nur bis Seite 9, weil ich jetzt erstens keine Lust mehr und zweitens aber auch, weil da nun noch etwas nicht stimmt. Das liegt wohl daran, dass ich den hier ganz grundlegenden Begriff des "Korrelationismus" noch nicht richtig verstanden habe. So wie ich ihn verstehe und aus dem Argument 1 folgt nun nicht der letzte Punkt in der Liste, sondern demnach sagt der Korrelationist dasselbe wie der Subjektivist aus dem vorletzten Listenpunkt.