Eine Zukunft - viele Geschichten

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    • Eine Zukunft - viele Geschichten

      Fakt ist: es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass wir auf so etwas wie Zukunft Einfluss nehmen können...

      Losgelöst von unserem Ego und dem Wunsch Kontrolle ausüben zu können, muss man über logisches Schließen zu der Einsicht gelangen, dass es so etwas wie eine formbare Zukunft nicht gibt. Wann immer darüber gesprochen wird die Zukunft geändert oder beeinflusst zu haben, kommen Wörter wie: "hätte", "würde", "könnte" usw. ins Spiel: "Wenn ich nicht den Bus erwischt hätte, wäre ich zu spät zur Arbeit gekommen." Man denkt also durch das rechtzeitige Aufstehen den Bus erwischt zu haben, dadurch nicht zu spät gekommen zu sein und dadurch die Zukunft positiv beeinflusst zu haben. Stimmt das wirklich?

      Was davon ist empirisch nachzuweisen? Den Wecker gestellt, Aufgestanden, Bus erwischt, pünktlich angekommen - all dies ist womöglich empirisch zu erfassen, aber eine alternative Zukunft im Sinne von "wäre sonst zu spät gekommen" ist eben nicht empirisch nachzuweisen, denn es fehlt zumindest die Wiederholbarkeit, also diese Behauptung unter denselben Bedingungen zu überprüfen, eben zu überprüfen ob ein Versagen des Weckers tatsächlich zu einer Verspätung geführt hätte.

      Wir erzählen Geschichten darüber, was hätte sein können, was eintreten könnte, zumindest aber was wahrscheinlicher eintreten könnte, selbst in der Physik erzählt man mit Hilfe von Formeln Geschichten: Der Komet wird zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu sehen sein - aber nur wenn nichts dazwischen kommt natürlich. Was anderes als, zugegeben in diesem Fall gute Geschichten sind dies, die sich immer eine Hintertür offen lassen: Morgen geht die Sonne auf, wenn sie nicht vorher explodiert. Der Stein wird zu Boden fallen, wenn nicht die Erde vorher explodiert. Unwahrscheinlich? Womöglich im Sinne einer weniger "guten" Geschichte, aber unmöglich? Sicher nicht.

      Wenn wir also Aussagen darüber treffen die Zukunft erfolgreich beeinflusst oder vorhergesagt zu haben, dann immer mit der Einschränkung dies rückblickend zu tun: "Ich bin jetzt pünktlich bei der Arbeit erschienen, weil ich rechtzeitig aufgestanden bin." Wie aber kann man beweisen, dass unsere Handlungen dazu geführt haben - was anderes als Vermutungen sind die dazu passenden Geschichten? Ich kann vermutlich tausende Geschichten erzählen wie es dazu kam, dass ich pünktlich bei der Arbeit erschienen bin: "Eine bestimmte Schraube im Motor des Buses hat erst eine Haltestelle später versagt und den Bus lahmgelegt - wäre dies etwas früher passiert, wäre ich zu spät zur Arbeit gekommen." - "Der Busfahrer wollte am Morgen Selbstmord begehen, dass Klingeln des Postboten hat ihn davon abgehalten, sonst wäre ich zu spät zur Arbeit erschienen." Es wird wohl eher Millionen Geschichten dazu geben wie es dazu kommen konnte, dass ich pünktlich war: warum bewerte ich "meine persönliche Geschichte" mit dem Wecker so viel höher? Wie kann ich wissenschaftlich beweisen, dass gerade meinen Wecker zu stellen zu der letztendlich eingetretenen Gegenwart geführt hat? Ich denke gar nicht!

      Alle mir bekannten Indizien zur Beeinflussung der Zukunft beruhen ausschließlich auf Gedankenexperimente und diese beinhalten immer ein "was wäre wenn" - einen wissenschaftlichen Beweis gibt es nicht. Was bedeutet dies für das Prinzip der Kausalität? Nun, letztendlich wohl, dass auch dies lediglich eine gute Geschichte ist...
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
      Selbst Mutter Teresa tat Gutes nur, weil Gutes tun ihr gut tat.
      "Mann, wenn du fragen musst, was Intelligenz ist, dann wirst du es nie wissen." (frei nach Louis Armstrong)
      Jede hinreichend komplexe deterministische Handlung ist von freiem Willen nicht mehr zu unterscheiden. (frei nach Arthur C. Clarke)
    • Hallo OSchubert

      OSchubert wrote:

      Was bedeutet dies für das Prinzip der Kausalität?
      Multifaktorialität oder Multikontextualität. Kausalität als linearer Prozess verstanden ist Unfug, da hast Du weitestgehend recht. Insofern ist es auch Audruck einer individuell angenommenen "naheliegenden" Kausalität, nicht alle Möglichkeiten zu benennen, obwohl man sich natürlich darüber selbst im klaren ist, dass es da noch viel mehr Ursachen geben könnte.

      lg
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Wenn du die Natur beherrschen willst, mein lieber Adson, musst du zuerst lernen ihr zu gehorchen. (aus Der Name der Rose)
    • Hallo iselilja,

      iselilja wrote:

      Insofern ist es auch Audruck einer individuell angenommenen "naheliegenden" Kausalität, nicht alle Möglichkeiten zu benennen, obwohl man sich natürlich darüber selbst im klaren ist, dass es da noch viel mehr Ursachen geben könnte.
      nun ja, ich gehe davon aus, dass es gar keine Ursachen und somit auch keine Wirkungen gibt - ausser als praktisches Erklärungsmodell für unsere Art der Wahrnehmung. Wenn man so will leiden wir Menschen an "Größenwahn" da wir annehmen, unsere "Taten" würden irgend etwas -> ändern <- im Sinne einer beeinflussbaren Zukunft.

      Soweit ich es sehe gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für alternative Zukünfte, es sind immer nur Geschichten von "wenn's" und "dann's" - beweisen lässt sich so eine Geschichte nicht, es finden sich lediglich Indizien dafür, dass von vielen Geschichten zu einer bestimmten möglichen Zukunft einige rückblickend eher zutrafen als andere und wir schliessen daraus, dass die dafür erfundenen Erklärungen demnach zutreffen müssen, wir also mit unserem Konzept von Ursache und Wirkung recht haben. Wer die besten Geschichten erfindet, z.B. Physiker mithilfe ihrer Formeln, hat demnach mit seiner Begründung -> wie <- etwas "funktioniert" recht.
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    • Hallo OSchubert

      OSchubert wrote:

      Soweit ich es sehe gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für alternative Zukünfte, es sind immer nur Geschichten von "wenn's" und "dann's" - beweisen lässt sich so eine Geschichte nicht, es finden sich lediglich Indizien dafür, dass von vielen Geschichten zu einer bestimmten möglichen Zukunft einige rückblickend eher zutrafen als andere und wir schliessen daraus, dass die dafür erfundenen Erklärungen demnach zutreffen müssen, wir also mit unserem Konzept von Ursache und Wirkung recht haben.
      Stimmt genau. Und dehalb sind viele Menschen der Auffassung, dass man die Geschichte kennen muss, um zu wissen wohin wir gehen (könnten). Beweisen lässt sich so etwas keineswegs. Interessant ist dieser Umstand vor allem im juristischen Bereich. Du liegst mit Nietzsche auf einer Geraden. :) Er schrieb einmal dazu... Das Rad der Erkenntnis dreht sich nicht zwischen Richter, Kläger und Angeklagtem.

      lg
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    • iselilja wrote:

      Interessant ist dieser Umstand vor allem im juristischen Bereich.
      Demnach müsste sich ein Urteil daran ausrichten, was der Angeklagte wohl zukünftig tun wird, ob er also diese Tat bereut, daraus gelernt hat, sie womöglich wiederholen wird usw. Es wird also entschieden für wie wahrscheinlich es das Gericht hält, dass jemand eine bestimmte Tat wiederholt, denn die vergangene(n) Tat(en) wäre lediglich ein Indiz dafür, wie wahrscheinlich sie vom Angeklagten wiederholt wird - also ein Urteil nicht im Sinne einer Bestrafung, sondern im Sinne einer Vorbeugung...???
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    • OSchubert wrote:

      Demnach müsste sich ein Urteil daran ausrichten, was der Angeklagte wohl zukünftig tun wird, ob er also diese Tat bereut, daraus gelernt hat, sie womöglich wiederholen wird usw.
      Nein, so meinte ich das nicht. Die Frage nach dem "Woher/Wohin" war nur als Begründung zu verstehen, dass es allgemein (in historischer Hinsicht) vom Menschen so praktiziert wird, ohne dabei eine Beweislast erbringen zukönnen.

      Ich dachte hier an diesem Punkt (in juristischer Hinsicht) aber eher an den Prozess der "Wahrheitsfindung" im Gerichtssaal. Darum schien es mir ja in Deinem Startbeitrag sinngemäß zu gehen. Der Angklagte rechtfertigt sein Handeln z.B. so wie Du es beschrieben hast.

      OSchubert wrote:

      "Wenn ich nicht den Bus erwischt hätte, wäre ich zu spät zur Arbeit gekommen."
      Es liegt nun am Richter, jenes zu beurteilen, bevor ein Urteil als soches gefasst wird. Das hat nichts mit dem zukünftigen Handeln des Angeklagten zu tun.

      lg
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    • iselilja wrote:

      Ich dachte hier an diesem Punkt (in juristischer Hinsicht) aber eher an den Prozess der "Wahrheitsfindung" im Gerichtssaal.
      Ach so - na ja, da gilt wohl (zurecht) unsere "landläufige" Auffassung von Ursache und Wirkung die nunmal nicht alle Ursachen berücksichtigen kann und wohl auch nicht sollte. Ich bin ja ein Freund der Kontext bezogenen Werkzeuge oder auch Theorien. Wenn es also darum geht jemanden im Sinne der Gesellschaft zu bestrafen, dann sollten auch die Regeln und Theorien (hier: Ursache -> Wirkung, Tat -> Strafe) dieser Gesellschaft gelten und nicht z.B. Theorien wie die Quantentheorie. ;)
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    • OSchubert wrote:

      Alle mir bekannten Indizien zur Beeinflussung der Zukunft beruhen ausschließlich auf Gedankenexperimente und diese beinhalten immer ein "was wäre wenn" - einen wissenschaftlichen Beweis gibt es nicht. Was bedeutet dies für das Prinzip der Kausalität? Nun, letztendlich wohl, dass auch dies lediglich eine gute Geschichte ist...
      Ich habe mal eine Weile drüber nachgedacht, komme aber zu der Feststellung, dass da irgendwas noch in Deinen Gedanken schlummert, was bisher vielleicht noch nicht so ganz klar hervor kam. Dass der Konjunktiv im alltäglichen Sprachgebrauch nicht nach Beweisen sucht, scheint mir jedenfalls allen verständlich zu sein. Bei den Wissenschaften wäre dies natürlich schon etwas anderes. "Wäre beim Versuch xy dies oder jenes nicht passiert, wäre die Sache so ausgegangen, wie wir prognostiziert hatten." Da käme dann auch die Frage von Her k. auf den Punkt.

      Her K. wrote:

      "OSchubert" wrote:

      Fakt ist: es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass wir auf so etwas wie Zukunft Einfluss nehmen können...
      Gibt es denn einen wissenschaftlichen Beweis gegen diese Annahme?
      In weiteren Versuchen yz.. könnte man nun genau diese Konjunktive durch Fakten ersetzen, und "prüfen", ob die ursprüngliche Auffassung berechtigt war. Aber ich vermute, dass das noch nicht so ganz das ist, worauf Du vielleicht hinaus willst, oder?

      lg
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    • Her K. wrote:

      Gibt es denn einen wissenschaftlichen Beweis gegen diese Annahme?
      Soweit ich weis nicht, so wenig wie wissenschaftliche Beweise gegen die Existenz von z.B. Drachen vorliegen. ;)
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    • iselilja wrote:

      Aber ich vermute, dass das noch nicht so ganz das ist, worauf Du vielleicht hinaus willst, oder?

      Ja doch, aber eher als Indiz für meine Annahme, denn wie Du ja selbst schreibst: "...In weiteren Versuchen..." - dabei handelt es sich eben um andere Versuche, da man die Zeit ja nicht zurückdrehen kann, handelt es sich bei jeder Wiederholung eines Experiments um ein weiteres, ein neues Experiment. Es bleibt letztendlich so etwas wie eine "Hochrechnung" oder besser "Wahrscheinlichkeitsrechnung" die z.B. besagt: "Wenn ich einen Stein los lasse, fällt er zu Boden, aber nur wenn nicht: Die Erde vorher explodiert, der Stein nicht vorher pulverisiert wird, sich kein schwarzes Loch auf der gegenüberliegenden Seite der mutmaßlichen Fallrichtung des Steins auftut..." usw.

      Klar sind "meine" Geschichten aus unserer Sicht die unwahrscheinlicheren Ergebnisse dieses "Stein fallen lassen" Experiments, aber letztendlich nicht unmöglich. Deshalb stellt jedes "Experiment" ein einmaliges, weil nicht exakt wiederholbares Ereignis dar. Wie soll man unter diesen Umständen durch ein Experiment beweisen, dass man eine nicht beweisbare Zukunft beweisbar beeinflusst hat?

      Ich nehme an den meisten Menschen widerstreben solche Gedanken, weil sie ihren freien Willen "bedroht" sehen. Wenn man aber mal logisch an die Sache herangeht, dann stellt sich heraus, dass wir zwar immerzu davon sprechen dieses oder jenes tun zu können, wenn wir nur wollten, aber letztendlich tun wir immer ausschließlich das was wir letztendlich tun, alles andere sind eben auch "nur" Geschichten.
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    • Hallo OSchubert

      Gut, ich habe mir inzwischen angewöhnt, nicht immer gleich "Alles" zum Thema zu sagen, was ich denke. Hier im Forum habe ich nämlich auch lernen müssen, meine Gedanken nicht so sprunghaft preiszubieten, wie sie sich für mich selbst eigentlich gestalten. Deshalb sage ich inzwischen manchmal nur den Ansatz des Gedanken, obwohl sich das daraus Resultierende eigentlich von selbt ergeben müsste.

      Ich meine daher, dass wir in etwa die gleichen Gedankengänge haben. Das wollte ich mit #9 nur herausfinden.

      Ich versuche mal, unsere Ansichten dazu in einem anderen Kontext anzubieten. Mal schauen, was sich daraus für uns und einer evtl. weiterführenden Diskussion ergibt. Der aus der Sprach-Grammatik bekannte Begriff Perfekt (abgschlossene Handlung) bezieht sich in gewisser Weise auf genau das selbe Problem. Und zwar sogar in zweierlei Hinsicht, wenn man so will. Zum einen ist es Vergangenheit, zum anderen ist es auch Ausdruck einer "Perfektion", die als solche (vermutlich) nicht hätte besser sein können. Du merkst sicher schon; auch hier kommt man nicht über den Gebrauch eines Konjunktives hinaus. Die Welt um uns im Hier und Jetzt wäre also immer eine perfekte (perfekt wegen mangelnder Überprüfbarkeit der realen Alternativen) Welt. Vom Tempus her als auch aus den Gründen, die Du im Startbeitrag genannt hast.

      Würdest Du mit dieser Beurteilung noch mitgehen? Oder siehst Du es anders?

      lg
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    • iselilja wrote:

      Würdest Du mit dieser Beurteilung noch mitgehen? Oder siehst Du es anders?
      Ja, sofern wir uns auf unsere Alltagswahrnehmung beziehen ist die Gegenwart wohl das einzige "Perfekte". Insofern entfernen wir uns immer weiter vom "Perfekten" je weiter wir in die Zukunft oder Vergangenheit denken.
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
      Selbst Mutter Teresa tat Gutes nur, weil Gutes tun ihr gut tat.
      "Mann, wenn du fragen musst, was Intelligenz ist, dann wirst du es nie wissen." (frei nach Louis Armstrong)
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    • OSchubert wrote:

      iselilja wrote:

      Würdest Du mit dieser Beurteilung noch mitgehen? Oder siehst Du es anders?
      Ja, sofern wir uns auf unsere Alltagswahrnehmung beziehen ist die Gegenwart wohl das einzige "Perfekte". Insofern entfernen wir uns immer weiter vom "Perfekten" je weiter wir in die Zukunft oder Vergangenheit denken.
      Prima. Sehe ich auch so.

      Nun denke ich aber, dass man bei dieser dimensionalen (di (zwei) mens (Sinn)) Einteilung in Vergangenheit und Zukunft allerdings differenzieren muss. Gefangen auf einer Geraden... beschäftigt sich übrigens im Moment mit einer Thematik, die hier durchaus bedeutend sein könnte, sollte man evtl. im Auge behalten.
      Und zwar differenzieren zwischen der (ich nenne sie mal der Einfachheit halber) pysikalischen Welt, und der Welt, in der das Lebendige selbst beginnt eine Rolle zu spielen. Daher auch meine Unterscheidung, die ich in #2 ansprach. Multifaktorialität und Multikontextualität. Das erste würde ich im Bereich der physikalischen Hinsicht als gegeben ansehen. Das zweite in der anderen Hinsicht. Warum? Ich muss hier etwas ausholen. :)

      Nehmen wir mal einen einfachen Versuch, der sich meinetwegen mit der Schwerkraft beschäftigt. So können wir mE zu recht (als plausible Unterstellung) sagen, der Wind hat das Ergenis "verfälscht", Wenn er nicht so stark gewesen wäre, wäre das Blatt Papier in genau der Form zu Boden gefallen, wie wir es zuvoe angenommen hatten. Was macht man in solchen Fällen? Der Versuch wird z.B. in einem windstillen Raum wiederholt. Hier ist es nun tatsächlich so, dass man einzelne Faktoren rational zu einem Gesamtprozess kulminiert. Der Grund, warum uns das so leicht fällt, ist die Plausibilität, die wir bei x-facher Wiederholung gewinnen. Insofern kann man tasächlich von einer (wenn auch nie 100%ig sicher )sehr hohen Warscheinlichkeit sprechen, wie Du ja schon erwähnt hattest.

      Anders ist es, wenn nicht solche "einfachen" Situationen beschrieben werden, sondern solche, wo plötzlich der Mensch selbst zum Gegenstand wird oder in solche Situationen involviert ist. Wir unterscheiden nämlich fast instinktiv zwischen Situationen und Sachverhalten. Auch wenn wir schon relativ viel in den Wissenschaften (Sozialwissenschaften, Neurologie, Psychologie etc.) herausgefunden haben, lassen sich solche Situationen nicht mit ähnlicher Genauigkeit wiederholen wie o.g. Hier kommt mE Dein Bedenken völlig zu recht, dass Aussagen bezüglich zukünfiger Dinge doch immer sehr vage sind, weil man die Gesamtheit der Faktoren und Kontexte nur sehr schwer (wenn überhaupt) in einem rational erfassbaren Gedanken zum Ausdruck bringen kann.


      Inofern würde ich also sagen, dass Du recht hast, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt im Verständis.
      lg
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      Wenn du die Natur beherrschen willst, mein lieber Adson, musst du zuerst lernen ihr zu gehorchen. (aus Der Name der Rose)
    • iselilja wrote:

      Und zwar differenzieren zwischen der (ich nenne sie mal der Einfachheit halber) pysikalischen Welt, und der Welt, in der das Lebendige selbst beginnt eine Rolle zu spielen.
      Nun ja, ich kenne diese Unterscheidung auch und war auch lange der Meinung hier eine Unterscheidung vornehmen zu müssen. Mittlerweile sehe ich das etwas anders, denn es erscheint bei genauerer Betrachtung ähnlich "willkürlich" wie die Unterscheidung von "Gut und Böse", auch wenn wir bei der Unterscheidung von Lebendigem und Unbelebtem eine deutlichere Grenze zu erkennen glauben. Klar ist wohl, dass das Lebendige niemals losgelöst und unabhängig vom Unbelebtem bestehen kann. Wo ziehen wir auf uns bezogen die Grenze? Sind Mineralien unseres Körpers lebendig oder unbelebt - bedenke: ohne diese so definierte unbelebte Materie könnten wir nicht leben. Mir erscheint also diese Grenze eher willkürlich als logisch gerechtfertigt. Nach unserer Definition kann das Leben nicht ohne unbelebte Materie, aber die unbelebte Materie sehr wohl ohne Leben existieren - Leben scheint also untrennbar mit dem Unbelebten verbunden zu sein. Insofern agiert wohl letztendlich (auch) Unbelebtes und eben nicht nur Lebendiges.

      iselilja wrote:

      Der Versuch wird z.B. in einem windstillen Raum wiederholt.
      Das sehe ich eben anders: der Versuch kann gar nicht wiederholt werden, denn die Bedingungen sind völlig andere und dies trifft auf alle "Wiederholungen" zu.

      iselilja wrote:

      Der Grund, warum uns das so leicht fällt, ist die Plausibilität, die wir bei x-facher Wiederholung gewinnen.
      Nun ja, lassen wir mal im Raum stehen, dass wir durch wiederholtes Beobachten Schlüsse auf zukünftige Ereignisse ziehen können, so ist dies noch kein Beleg dafür, dass wir die Zukunft beeinflussen können.

      iselilja wrote:

      Wir unterscheiden nämlich fast instinktiv zwischen Situationen und Sachverhalten.
      Vermutlich trifft "instinktiv" des Pudels Kern, denn "gefühlt", "landläufig", "im Alltag", "aufgrund unserer Wahrnehmung" ist es wohl so, aber rein logisch betrachtet ist diese Unterscheidung kaum haltbar.
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
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    • OSchubert wrote:

      Klar ist wohl, dass das Lebendige niemals losgelöst und unabhängig vom Unbelebtem bestehen kann. Wo ziehen wir auf uns bezogen die Grenze?
      Da muss ich Dir natürlich recht geben. Die Grenze, die ich da gedanklich zu Unterscheidungszwecken gezogen habe, ist natürlich nicht haltbar. Letztendlich hängt alles irgendwie zusammen. Aber mir lag es mehr daran, auf eine Komplexität hinzuweisen, die trotz aller Zusammenhänge von unbelebter und belebter Materie dennoch differenzierbar (abstufbar?) ist. Zumindest für uns Menschen aus unserer menschlichen Sicht. Denn wir würde ja nicht unser soziales Verhalten an Hand solcher "einfachen" Prozesse erklären und verstehen wollen.

      OSchubert wrote:

      Das sehe ich eben anders: der Versuch kann gar nicht wiederholt werden, denn die Bedingungen sind völlig andere und dies trifft auf alle "Wiederholungen" zu.
      Ich hatte schon geahnt, dass dies der Kern Deiner und somit auch unserer Überlegungen werden würde.:) Ich antworte darauf bis hierher erstmal nur mit einem schlichten jain.

      OSchubert wrote:

      Nun ja, lassen wir mal im Raum stehen, dass wir durch wiederholtes Beobachten Schlüsse auf zukünftige Ereignisse ziehen können, so ist dies noch kein Beleg dafür, dass wir die Zukunft beeinflussen können.
      Sehe ich auch so. Ein Beweis im strengen Sinne kann es hier mE auch nicht geben, da sich der "Beweis" immer als Rückführung auf Bekanntes durch ein axiomatisches System verstehen lässt. Sprich Empirie+Logik. In die Zukunft vermag jedoch nur die Logik "hinein zu sondieren". Niemals aber die Empirie. Insofern hast Du recht, aber welche Alternative haben wir? Keine. Man müsste dann also, um einen Gewissheit auch rechtfertigen zu können, sagen "Wir können es nicht zu 100% vorraussagen." Aber ich denke, das ist doch eigentlich jedem Menschen klar. Außer natürlich den streng Wissenschaftsgläubigen. :)

      OSchubert wrote:

      Vermutlich trifft "instinktiv" des Pudels Kern, denn "gefühlt", "landläufig", "im Alltag", "aufgrund unserer Wahrnehmung" ist es wohl so, aber rein logisch betrachtet ist diese Unterscheidung kaum haltbar.
      Nun, das ist wohl wahr. Aber siehst Du dies als Makel? Muss alles logisch korrekt sein, um funtionieren zu können... um damit leben zu können?

      lg
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    • iselilja wrote:

      In die Zukunft vermag jedoch nur die Logik "hinein zu sondieren". Niemals aber die Empirie. Insofern hast Du recht, aber welche Alternative haben wir?
      Gute Feststellung und gute Frage. ^^ Ich versuche mich von meiner Wahrnehmung zu lösen. Mir ist bewusst, dass sie im Alltag bestens zu funktionieren scheint, allerdings zeigen uns die ART oder QT eindrucksvoll wie irreführend diese Wahrnehmung sein kann. Wenn es um die Alternativen für unsere Auffassung von Zukunft geht, so sehe ich viele Indizien dafür, dass es den so von uns empfundenen Zeitverlauf gar nicht gibt. In der QT gibt es "spukhafte Fernwirkung", die ART relativiert unser Verständnis von Zeit und schafft mit der Raumzeit ein völlig neues "Gebilde" usw.

      Eine Alternative wäre z.B. Zukunft nicht als eine Einbahnstrasse zu betrachten, sondern Zeit als im Prinzip feststehendes Gebilde anzunehmen, welches "nur" aufgrund unserer Art der Wahrnehmung (auch der technisch erweiterten Wahrnehmung) als in eine Richtung fliessend erscheint. Es wäre z.B. wie die "Bewegung" durch ein Hologramm, in dem alle möglichen Zustände bereits vorhanden sind und durch das wir uns aufgrund unserer Art der Wahrnehmung "hindurch bewegen". Womöglich "bewegen" wir uns auf "Wahrscheinlichkeitspfaden" durch dieses Hologramm und die QT lässt uns einen kurzen Blick "seitwärts" unseres Pfades werfen.

      iselilja wrote:

      Muss alles logisch korrekt sein, um funtionieren zu können... um damit leben zu können?
      Nein, ich denke nicht das alles nur logisch funktionieren kann, aber alles was wir wahrnehmen wollen wir logisch erklären können. Ich meine aber zu erkennen, dass dieser Wunsch womöglich dazu führt, dass wir ein verzerrtes Bild der Realität haben. Der Wunsch ist also der Vater des Gedanken. Wir "missbrauchen" oder "biegen" Logik häufig derart, dass das Ergebnis unseren Wünschen entspricht.
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
      Selbst Mutter Teresa tat Gutes nur, weil Gutes tun ihr gut tat.
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    • OSchubert wrote:

      Ich versuche mich von meiner Wahrnehmung zu lösen. Mir ist bewusst, dass sie im Alltag bestens zu funktionieren scheint, allerdings zeigen uns die ART oder QT eindrucksvoll wie irreführend diese Wahrnehmung sein kann. Wenn es um die Alternativen für unsere Auffassung von Zukunft geht, so sehe ich viele Indizien dafür, dass es den so von uns empfundenen Zeitverlauf gar nicht gibt. In der QT gibt es "spukhafte Fernwirkung", die ART relativiert unser Verständnis von Zeit und schafft mit der Raumzeit ein völlig neues "Gebilde" usw.
      Ich glaube in diesem Punkt unterscheiden wir uns ein wenig, wenn gleich auch ich manchmal so verfahre. Primär sehe ich aber die Wahrnehmung als das was ich nicht beeinflussen kann, insofern löse ich persönlich mich lieber von Gedankenmodellen. :) Aber das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Letztendlich führt es mich auch nur zu

      OSchubert wrote:

      Der Wunsch ist also der Vater des Gedanken. Wir "missbrauchen" oder "biegen" Logik häufig derart, dass das Ergebnis unseren Wünschen entspricht.
      , wenn auch auf anderem Wege.

      lg
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    • OSchubert wrote:

      Her K. wrote:

      Gibt es denn einen wissenschaftlichen Beweis gegen diese Annahme?
      Soweit ich weis nicht, so wenig wie wissenschaftliche Beweise gegen die Existenz von z.B. Drachen vorliegen. ;)

      Also, wenn ich nun recht verstehe, lautet Deine Argumentation so: wenn ich keinen wissenschaftlichen Beweis für X habe, dann darf ich X auch nicht annehmen, weil es dann irrational wäre, X anzunehmen. X anzunehmen ist nur dann rational gerechtfertigt, wenn ein wissenschaftlicher Beweis für X vorliegt.

      Beispiel: wenn ich keinen wissenschaftlichen Beweis habe für die bisher von mir getätigte Annahme, ich sei der biologische Vater meiner Kinder, dann darf ich dies auch nicht annehmen.

      Richtig?