Diskussion zu (objektive) Wahrheit, im Kontext zum freien Willen und der Gewohnheit der Dinge - die Beziehungslosigkeit von Allem

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    • Diskussion zu (objektive) Wahrheit, im Kontext zum freien Willen und der Gewohnheit der Dinge - die Beziehungslosigkeit von Allem

      Seid gegrüßt,

      dies soll mein erster Beitrag in diesem Forum sein. Seit geraumer Zeit beschäftigen mich philosphische und psychologische Themen und Fragen. Ich erhoffe mir hier einige Gleichgesinnte zu finden, die mir neue Impulse zu dem oben genannten Thema, positive, wie auch negative kritische Rückmeldungen mitgeben können oder die zur Diskussion anregen.

      Als erstes folgt eine kurze Einleitung zum allgemeinen Verständnis vom Realismus in der Psychologie. Anschließend folgt ein Definitionsversuch (eher Einordnung) der Begriffe Wahrheit und freier Wille. Abschließend gehe ich kurz auf die Gewohnheit der Dinge ein.

      (1) In der Psychologie findet eine Unterteilung in eine phänomenale und in eine transphänomenale Welt statt. Erstere stellt die uns bzw. einem Lebewesen ganz speziell erscheinende Welt dar. Während letztere die wirkliche Welt beinhaltet. Der naive Realismus wurde durch eine solche Unterscheidung vom kritischen Realismus abgelöst.
      • Anmerkung: Wahrheit, Realität, Welt verwende ich synonym, da ich eine differenziertere Betrachtung für den Moment noch für unnötig halte.

      (2) Ich behaupte objektive Wahrheit, d. h. vom Bewusstsein eines Lebewesens losgelöst betrachtet, ist Beziehungslosigkeit, ferner Chaos, da erst der Organismus und somit das Bewusstsein dem Überlebenswillen Ordnung schafft. Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass neben der phänomenalen Welt keine transphänomenale Welt existiert.
      • Eine alternierende Möglichkeit zur Beziehungslosigkeit von Allem, wäre eine Beziehung zu Allem. Diese Variante, der Vorstellung von der Welt, wird u. a. vom esoterischen, aber auch vom spirituellen Milieu vertreten.
      • Ein Fehler in der Logik (2), dessen ich mir bewusst bin, ist die Dichotomie meines/ unseres Denkens. Die menschliche Wahrnehmung, genauer die Verarbeitung seiner Umgebung ist jedoch auf den ersten Blick an eine Polarität gebunden.
      • Ein offensichtlicher Widerspruch zu meinen Ausführungen über die Verneinung einer transphänomenale Welt könnte u. a. sein, dass es doch annähernde Wahrheit damit erreicht werde, z. B. bewiesen durch die Wissenschaft (Gütekriterien wissenschatlichen Arbeitens). Ähnlich wie C. G. Jung oder Friedrich Nietzsche sehe ich es mit der Wissenschaft ähnlich wie mit den Religionen. Sie sind lediglich Glaubenssysteme mittels Gesetze, wie die Gebote in der Bibel oder anderen heiligen Schriften. Vielleicht mag die Wissenschaft in unserem alltäglichen Leben besser geeignet sein, als die Relgionen, besser im Sinne, dass sie unser Leben bzw. Überleben eher sichert.

      (3) Des Weiteren behaupte ich, dass der freie Wille, hier ebenfalls auf eine objektive Weise untersucht, nicht existent ist. In der Philosophie gibt es daran anlehnend eine grobe Unterscheidung, in den "weichen" und den "harten" Determinismus.

      • Ähnlich wie bei Charles Darwin die Instinkte unser Verhalten nicht unwesentlich beeinflussen, sind es bei C. G. Jung die Archetypen, Instinkte der Anschauung, die unser Denken und unsere Wahrnehmung "verzerren". Der Mensch ist nicht frei in seinem wollen (im Gegensatz zum naiven Realismus).
      • Subjektive Freiheit verstehe ich u. a. und in erster Linie als einen veränderten Bewusstseinszustand und damit Wahrnehmung und Bewertung innere, sowie äußerer Reize. Quasi einen neuen Rahmen um den alten, bzw.einen neuen Rahmen separat neben den alten Rahmen schaffen. Eine subjektive Freiheit für ein Individuum kann beispielsweise einer differenzierten Wahrnehmung von Sippe und Individualtität zu gesprochen werden. Die subjektiven Freiheit, um jetzt auf die Frage nach dem freien Willen wieder zurück zu kommen, ist meiner Meinung jedoch begrenzt. Ich sehe mich damit zu den Vertretern des weichen Determinismus zugehörig. Denn ich kann nicht darüber entscheiden, ob mir eine Sache, z. B. ein Essen schmeckt oder nicht. Ich habe letztlich die Möglichkeit über einen Zugewinn an Bewusstheit mir darüber klar zu werden, welche Nahrung zu mir passt und welche nicht. Hier ist jedoch ein Zugewinn an subjektiver und individueller Freiheit nachgewiesen.
      • Der (freie) Wille ist m. M. nach losgelöst von inneren und äußeren Reizen zu verstehen. Frei aber wovon soll der Wille dann noch sein; frei vom Organismus verstehend, entzieht sich dem Freisein die Existenz des Wollens, es fehlen die Grundlagen, die Relation zu oder von etwas, da Beziehungslosigkeit von Allem. Ein logischer Schluss: es kommt zur Auflösung des Wollens.
      • Der Wille oder das Wollen betrachte ich ähnlich wie Schopenhauer als eine Kraft, die eine Richtung vorgibt, eine Kraft zum (eigenen) Leben hin. So wie die Pflanze bestrebt ist, so viel Sonne wie nötig zu erhalten und damit beim wachsen sich zur Sonne hin ausrichtet, hat der Mensch das Potenzial sich quasi seiner in sich liegenden Möglichkeiten zu entfalten.
      (2) + (3) Eine wissenschaftliche Denkweise, wie die Mathematik könnte demnach (2) zu Gewohnheit werden, womöglich ist sie gar aus Gewohneit hervorgegangen. Ich halte es gar für möglich, dass die Gewohnheit etwas ist, dass in unserer Wahrnehmung etwas ganz elementares darstellt. Vielleicht gibt es gar keine Logik - dies wäre paradoxer Weise ein logischer Schluss zu meiner Anfangsthese, es gäbe keine objektive Wahrheit - sondern lediglich Gewohneit, womöglich dem Überleben, dem Fortlauf der Dinge oder der Entwicklung des Willens der Natur wegen.

      (2) + (3) Gemeinsam ist die Beziehungslosigkeit von Allem.
    • Hallo,

      ich würde die Mathematik nicht der Gewohnheit zuschreiben , da sie überall auf der Welt zu selben Ergebnissen führt, ansonsten hätte man wohl solche Bauten, wie die Pyramiden in vielen verschiedenen Kulturen zeitgleich und unabhängig voneinander, gar nicht erbauen können.

      Ich vermute schon, dass es im Grunde eine objektive Wahrheit gibt, aber diese zu erfassen bzw diese in Worte auszudrücken, wäre dann wieder subjektiv. Denn das was ist, kann man nur mit Erfahrenem abgleichen.

      Ich hatte letztes Jahr mal ein Erlebnis: Ich war auf einer Feier, wir saßen draußen, ich war der letzte Gast und unterhielt mich noch mit der Gastgeberin, als sie dann immer sagte: "Man die Grille nervt mich total." Ich habe gar keine Grille zirpen hören, aber das Gespräch setzte sich so weiterhin fort, der Mann räumte derweil schon einiges weg und permanent unterbrach sie unser Gespräch damit, dass sie die Grille nervt. Irgendwann fragte sie mich, ob ich denn die Grille gar nicht höre und selbst nachdem wir dem Geräusch nachgingen, ich sie immer noch nicht hörte bzw wahrnahm, sagte dann der Mann auch noch:"Ich dachte schon, ich bin schwerhörig, aber an deine Stelle würde ich mal zum Ohrenarzt gehen!" Das interessante daran war aber, ich hörte die beiden Menschen laut und deutlich, demnach waren meine Ohren für mich völlig in Ordnung.

      Und nach diesem Erlebnis stand für mich fest, wir nehmen nur das wahr, was für uns in diesem Augenblick wichtig erscheint, würden wir alles andere auch noch wahrnehmen, wäre es das pure Chaos und es würde uns nicht nur nerven, sondern uns total verrückt machen. Das lustige ist, wir selber merken es nicht einmal und erklären den anderen dann auch noch für unnormal.

      Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich mich von dieser Verrückheit ausschließen möchte.:)

      LG Denise
    • Hallo,

      würdest du sagen, dass es keine Realität/Welt (wenn ich das richtig verstanden habe transphänomenale Welt) gäbe, wenn kein bewusster Organismus existieren würde? Ich würde dem trotzdem zustimmen, dann gäbe es vlt. nur Materie, also Elektronen, Protonen,... (Achtung Modellvorstellung!). Allerdings keine Wahrheit, weil die müsste ja von irgendwas wahrgenohmen werden.

      Zur Mathematik und Logik es muss eigentlich Regeln (zusammengefasst eine Weltformel geben), selbst wenn es die Regel des Chaos ist. Die Weltformel kann man allerdings nicht finden, sie müsste ja sich selbst beinhalten. Wie das gehen soll, keine Ahnung ;)
      Mathematik und Logik sind streng genommen Sprache, wie du und ich auch gerade eine verwenden. Ob diese allerdings bis ins letzte Detail überhaupt geeignet sind die Welt/Realität zu beschreiben, ist fragwürdig. Außerdem ist die Beschreibung der Realität niemals die Realität selbst.

      Lg Arturo
    • Hallo,

      vielen Dank für die Antworten :) .

      Zappelliese wrote:

      ich würde die Mathematik nicht der Gewohnheit zuschreiben , da sie überall auf der Welt zu selben Ergebnissen führt, ansonsten hätte man wohl solche Bauten, wie die Pyramiden in vielen verschiedenen Kulturen zeitgleich und unabhängig voneinander, gar nicht erbauen können.
      Den Begriff Gewohnheit habe ich etwas zu unkonkret verwendet. Ich stimme dir zu, dass die Mathematik nicht wegen der Gewohnheit allein entstanden ist.
      Was ist Mathematik? Letztlich bleibt sie eine Beschreibung einer phänomenalen Welt. Dies scheint den Grund zu haben, dass unsere Sinne lediglich einen relativen Ausschnitt von der Welt erfassen, verarbeiten können und selbst dabei einer Verfälschung unterliegen (vgl. dazu u. a. Die Welt als Wille und Vorstellung von Schopenhauer). Für mich erscheint alles lediglich auf einer phänomenalen und niemals auf einer transphänomenal Ebene zu sein. Um etwas auf dieser Ebene tatsächlich wahrzunehmen müsste ein Bewusstsein vorhanden sein, dass mit unserer Vorstellung von Gott zu vergeichen wäre. Für mich gibt es in dem Sinne keine Mathematik im universellen Verständnis. Mathematik ist, wie andere wissenschaftliche Fachrichtungen, ein konstruiertes Mittel zum Zweck.
      • Der Mensch entdeckt nicht die Welt, sondern er erfindet sie - Perspektivismus nach Nietzsche. Er entdeckt sie schon, jedoch in einer verfälschten Weise.
      • Und er erfindet sie neu, bis er sie entdeckt hat.

      Das Phänomen, dass verschiedene Menschen zu einem Ergebnis kommen beweist nicht das wir Menschen etwas universelles wahrnehmen. Beim wissenschaftlichen Arbeiten werden lediglich und von uns Menschen selbst erfundene, verzerrende Wahrnehmungsfaktoren reduziert, andere zu vermutende Störungsfaktoren bleiben unerkannt, unter der Wahrnehmungsschwelle zurück.
      Eine Unterscheidung zwischen phänomenaler und transphänomenaler Welt könnte ich wohl nur dann vollziehen, wenn ich nicht mehr Teil von ihr bin. Die Wissenschaft beschreibt m. M. nach eine Welt von besserer Qualität - hier ohne Wertung - die von einer größeren Anzahl von Menschen ähnlich betrachet und daher bestätigt wird.

      ArturoBenedetti wrote:



      würdest du sagen, dass es keine Realität/Welt (wenn ich das richtig verstanden habe transphänomenale Welt) gäbe, wenn kein bewusster Organismus existieren würde? Ich würde dem trotzdem zustimmen, dann gäbe es vlt. nur Materie, also Elektronen, Protonen,... (Achtung Modellvorstellung!). Allerdings keine Wahrheit, weil die müsste ja von irgendwas wahrgenohmen werden.
      Ich kann eine strukurierte Welt nicht ausschließen. Mir erscheint es jedoch logisch, dass Chaos - nicht undbedingt im herkömmlichen Sinne verstehend - bzw. Beziehungslosigkeit von Allem, den Zustand am nähesten beschreibt - doch letztlich bleibt dies Spekulation, da ich Teil dieser Welt bin.

      Viele Grüße!