Qualitätskriterien einer Philosophie

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Qualitätskriterien einer Philosophie

      Wer philosophiert, philosophiert nach einem System; dieses System muss meines Erachtens folgende Qualitätskriterien erfüllen:

      • Kein widersprüchliches Denken: In einem philosophischen Denksystem dürfen keine logischen Widersprüche auftreten.
      • Kein zirkuläres Denken: In einem philosophischen Denksystem darf nichts gefolgert werden, was in den Prämissen bereits enthalten war
      • Kein Kategorienfehler: In einem philosophischen Denksystem müssen die Kategorien des Gedanklichen, Mentalen einerseits und des Physischen andererseits getrennt sein
      • Kein Typenfehler: Abstrakte Behauptungen dürfen nicht mit empirisch prüfbaren Hypothesen verwechselt oder gleichgesetzt werden (nennt man auch Reifikation: de.wikipedia.org/wiki/Reifikation)
      • Keine Eigenschaftsfehler: Physische (messbare, primäre) und ideelle (ideelle, sekundäre) Eigenschaften dürfen nicht gleichgesetzt oder verwechselt werden.
      • Ein philosophisches Denksystem sollte ferner einen Beitrag zur Lösung eines philosophischen Problems leisten; die Mystifizierung philosophischer Probleme (wie das Außenwelt-Problem durch den Solipsismus oder den Konstruktivismus) halte ich für unphilosophisch
    • #phritz wrote:

      [...]
      • [...]
      • Kein Typenfehler: Abstrakte Behauptungen dürfen nicht mit empirisch prüfbaren Hypothesen verwechselt oder gleichgesetzt werden (nennt man auch Reifikation: de.wikipedia.org/wiki/Reifikation)
      • [...]

      Ich möchte darauf hinweisen, dass man damit Gefahr laufen kann, unter der Hand sozialkonstruktivistische Auffassungen einzuschieben.

      So meinen Berger und Luckmann in der von dir angegebenen Quelle:

      Berger und Luckmann wrote:

      Reifikation ist, die Produkte menschlicher Aktivität so zu verstehen, als wären sie etwas anderes als menschliche Produkte - wie etwa Gegebenheiten der Natur, Auswirkungen kosmischer Gesetze oder Manifestationen eines göttlichen Willens.

      Die Behauptung lautet also: Gegebenheiten der Natur sollen Produkte menscherlicher Aktivität sein.
      Wer möchte jedoch davon ausgehen, dass diese Behauptung zutreffend ist?
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Ein Typenfehler ist einfach: Man darf etwas, was man sich theoretisch ausgedacht hat und in diesem Sinne als gültig angenommen wird, nicht gleich auch als für empirisch gegeben nehmen: de.wikipedia.org/wiki/Reifikation#Philosophie

      Der Begriff des "Sozialkonstruktivismus" ist selbst (sozial-)konstruktivistisch - und der Typenfehler liegt vor, wenn jemand diesen Begriff als empirischen Fakt behandelt - so, als hätte er automatisch eine Referenz. Dabei ist es nur eine (ziemlich abstrakte) theoretische Annahme, typisch für die Soziologie.
    • #phritz wrote:

      Ein Typenfehler ist einfach: Man darf etwas, was man sich theoretisch ausgedacht hat und in diesem Sinne als gültig angenommen wird, nicht gleich auch als für empirisch gegeben nehmen:
      Also z.B.:

      A) Vergangenheit
      B) Zukunft
      C) Mathematik
      D) Logik

      So was in der Art?
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
      Selbst Mutter Teresa tat Gutes nur, weil Gutes tun ihr gut tat.
      "Mann, wenn du fragen musst, was Intelligenz ist, dann wirst du es nie wissen." (frei nach Louis Armstrong)
      Jede hinreichend komplexe deterministische Handlung ist von freiem Willen nicht mehr zu unterscheiden. (frei nach Arthur C. Clarke)
    • OSchubert wrote:

      #phritz wrote:

      Ein Typenfehler ist einfach: Man darf etwas, was man sich theoretisch ausgedacht hat und in diesem Sinne als gültig angenommen wird, nicht gleich auch als für empirisch gegeben nehmen:
      Also z.B.:

      A) Vergangenheit
      B) Zukunft
      C) Mathematik
      D) Logik

      So was in der Art?


      Nein; es geht eher um Behauptungen über die Vergangenheit, Zukunft usw.
    • #phritz wrote:

      Nein; es geht eher um Behauptungen über die Vergangenheit, Zukunft usw.
      OK, also nimmst Du an sie (die Zukunft, die Vergangenheit usw.) sind empirisch gegeben?
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
      Selbst Mutter Teresa tat Gutes nur, weil Gutes tun ihr gut tat.
      "Mann, wenn du fragen musst, was Intelligenz ist, dann wirst du es nie wissen." (frei nach Louis Armstrong)
      Jede hinreichend komplexe deterministische Handlung ist von freiem Willen nicht mehr zu unterscheiden. (frei nach Arthur C. Clarke)
    • OSchubert wrote:

      #phritz wrote:

      Nein; es geht eher um Behauptungen über die Vergangenheit, Zukunft usw.
      OK, also nimmst Du an sie (die Zukunft, die Vergangenheit usw.) sind empirisch gegeben?


      Behauptungen über vergangene Sachverhalte können wahr sein, und man kann sie auch gut begründen.
      Behauptungen über zukünftige Sachverhalte können wahr sein, und man kann sie auch belegen, sobald sie entsprechend den Prüfbedingungen vorliegen.

      Es gibt nicht "die" Vergangenheit, oder "die" Zukunft, auch nicht "die" Gegenwart. Stattdessen kann man bestimmte Behauptungen, welche in einer bestimmten Zeitform gebildet worden sind, belegen oder eben nachvollziehen, verstehen oder begründen usw.