Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie

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    • MackyMesser wrote:

      Joachim Stiller wrote:

      Ja, umstritten ist in Bezug auf die Vorsokratiker vieles. Es gibt aber doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es sich so verhält... Gruß Joachim Stiller Münster

      Festzustellen ist, dass also nicht einmal bezüglich des Ursprungs des Wortes "Philosophie" Einvernehmen zu erzielen ist.

      Jaspers Äußerung, wonach "Philo-sophos" eine Gegenposition zum "Sophos", zum Wissenden, sein soll, halte ich für fragwürdig!

      Macky

      Joachim Stiller wrote:

      Beitrag 29 war keine Frage, sondern eine Feststellung... Ich sagte, Philosophie heiße ursprünglich "Liebe zur Weisheit" (Philo-sophia), und Du hast das in Zweifel gezogen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wenn Du einfach denken willst, was Du denken willst, ist das allein Deine Sache. Oder erwartest Du, dass wir jetzt alle Deiner Meinung sind? Gruß Joachim Stiller Münster


      Ich sagte:

      MackyMesser wrote:



      Jaspers Äußerung, wonach "Philo-sophos" eine Gegenposition zum "Sophos", zum Wissenden, sein soll, halte ich für fragwürdig!

      Macky

      Das ist keine Feststellung, sondern meine eigene Einschätzung. Ich kann auch sagen, warum:

      wenn Pythagoras eine Kritik an dem "sophos" anbringen wollte (hier wäre erst einmal nachzuprüfen, ob dies für Pythagoras überhaupt ein Thema war, eine ausgebildete Sophistik gab es zur Zeit des Phythagoras noch gar nicht!), dann ist es absurd, dies zu tun, indem man den gleichen Wortstamm ("sophia") verwendet!

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)

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    • @ Macky,

      [Edit: Wortwahl] ... Phytahgoras hatte doch keine Kritik äußern wollen. Wo denkst Du hin? Er war nur zu bescheiden, um sich einen Sophos (einen Weisen) zu nennen. Und darum nannte er sich etwas bescheidener einen Philo-sophos, einen "Freund der Weisheit". Sich einen "Weisen" zu nennen, erschien Pythagoras einfach zu protzig... Wo ist da das Problem? Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Joachim Stiller wrote:

      @ Macky,

      Du Ärmster... Phytahgoras hatte doch keine Kritik äußern wollen. Wo denkst Du hin? Er war nur zu bescheiden, um sich einen Sophos (einen Weisen) zu nennen. Und darum nannte er sich etwas bescheidener einen Philo-sophos, einen "Freund der Weisheit". Sich einen "Weisen" zu nennen, erschien Pythagoras einfach zu protzig... Wo ist da das Problem? Gruß Joachim Stiller Münster

      Ich weiss nicht, anscheinend lesen wir 2 verschiedene Bücher. Hier das Zitat von Jaspers:

      "Das griechische Wort Philosoph (philosophos) ist gebildet im Gegensatz zum Sophos." ebd., München 1971, S. 12

      Ein Gegensatz soll keine Kritik sein?! Lies noch einmal gründlich.

      Ausserdem kannst du deine herablassende, unphilosophische Art mir gegenüber sein lassen ("Du Ärmster"). Ein Glück, dass ich mit dir nur über´s Internet zu tun habe. Du scheinst schrecklich arrogant zu sein!

      Macky
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    • Steilpass zum Zweiten Kapitel in Jaspers' Einführung in die Philosophie

      MackyMesser wrote:

      Phytahgoras
      [...]Hier das Zitat von Jaspers: "Das griechische Wort Philosoph (philosophos) ist gebildet im Gegensatz zum Sophos." ebd., München 1971, S. 12

      Ein Gegensatz soll keine Kritik sein?! [...] Macky
      Nein!
      Ein Gegensatzs ist nicht zwingend eine Kritik. Ich mache ein Beispiel, --- Kommunikation bedeutet zugleich „teilen, mitteilen“ als auch das dazu gegensätzliche „teilnehmen lassen, vereinigen, gemeinsam machen“. [In Anlehnung an de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation ] --- Und gebe damit einen Steilpass zum Zweiten Kapitel in Jaspers' Einführung in die Philosophie.

      L.G. Alltag
    • 2. Kapitel: Ursprünge der Philosophie

      O.k. wir machen dann bitte mit dem zweiten Kapitel weiter. Jaspers schreib zu Beginn des 2. Kapitels die folgenden Worte:

      Doch Anfang ist etwas anderes als Ursprung. Der Anfang ist historisch und bringt für die Nachfolgenden eine wachsende Menge von Voraussetzungen durch die nun schon geleistete Denkarbeit. Ursprung aber ist jederzeit die Quelle, aus der der Antrieb zum Philosophieren kommt. Durch ihn erst wird die je gegenwärtige Philosophie wesentlich, die frühere Philosophie verstanden.

      Dieses Ursprüngliche ist vielfach. Aus dem Staunen folgt die Frage und die Erkenntnis, aus dem Zweifel am Erkannten die kritische Prüfung und die klare Gewißheit, aus der Erschütterung des Menschen und dem Bewußtsein seiner Verlorenheit die Frage nach sich selbst. Vergegenwärtigen wir uns zunächst diese drei Motive.
      Und zum Ende hin fasst Jaspers noch einmal zusammen:

      Plato und Aristoteles suchten aus der Verwunderung das Wesen des Seins.

      Descartes suchte in der Endlosigkeit des Ungewissen das zwingend Gewisse.

      Die Stoiker suchten in den Leiden des Daseins die Ruhe der Seele.
      Japers stellt nun alles dies unter ein übergeordnetes Paradigma: Die Kommunikation. Philosophie ist immer Kommunikation. Philosophie will sich mitteilen. Jaspers schließt das Kapitel so:

      Und dieses Philosophieren wurzelt zugleich in jenen drei philosophischen Betroffenheiten, die alle unter die Bedingung gestellt werden, was sie bedeuten, sei es als Helfer oder sei es als Feinde, für die Kommunikation von Mensch zu Mensch.
      So gilt: der Ursprung der Philosophie liegt zwar im Sich verwundern, im Zweifel, in der Erfahrung der Grenzsituationen, aber zuletzt, dieses alles in sich schließend, in dem Willen zur eigentlichen Kommunikation. Das zeigt sich von Anfang an schon darin, daß alle Philosophie zur Mitteilung drängt, sich ausspricht, gehört werden möchte, daß ihr Wesen die Mitteilbarkeit selbst und diese unablösbar vom Wahrsein ist.
      Erst in der Kommunikation wird der Zweck der Philosophie erreicht, in dem der Sinn aller Zwecke zuletzt gegründet ist: das Innewerden des Seins, die Erhellung der Liebe, die Vollendung der Ruhe.
      Jedes Problem scheint für uns heute lösbar zu sein. Man muss nur drüber reden. Darum habe ich einmal gesagt: Heilsam ist immer nur das Gespräch. Das heißt für uns auch: Nicht allein an den Taten sollt Ihr sie erkennen, sondern auch an ihren Worten... Gruß Joachim Stiller Münster

      The post was edited 1 time, last by Joachim Stiller ().

    • Kommunikation

      Dass Jaspers die drei Ursprünge der Philosophie einfach unter das übergeordnete Paradigma der Kommunikation subsummiert, war für mich zuerst irritierend, und hat mich dann ein weing nachdenklich gemacht. Bisher war es immer so, dass die Kommunikation in erster Linie von der analytischen Sprachphilosophie gesehen wurde, ein Paradigma, dass vielleicht bei Wilhelm von Humboldt seinen ersten Vorläufer hat. Bei ihm ist Kommunikation

      1. Mitteilung, Informaiton uns Sprechen über etwas

      2. Mittel der Welterschließung

      Und nun klingt bei Jaspers ein ganz neuer Aspekt an, der in der Philosophie des 20. Jahrhunderts so gar nicht aufgegriffen wurde: Demnach ist Kommunikation

      3. Inbegriff der Seinsvollzüge

      Viellicht kann einmal jemand etwas dazu sagen, der sich etwas mehr mit der Sprachphilosophie auskennt... Gruß Joachim Stiller Münster

      The post was edited 4 times, last by Joachim Stiller ().

    • Joachim Stiller wrote:


      Jaspers schließt das Kapitel so:
      ...
      So gilt: der Ursprung der Philosophie liegt zwar im Sich verwundern, im Zweifel, in der Erfahrung der Grenzsituationen, aber zuletzt, dieses alles in sich schließend, in dem Willen zur eigentlichen Kommunikation. Das zeigt sich von Anfang an schon darin, daß alle Philosophie zur Mitteilung drängt, sich ausspricht, gehört werden möchte, daß ihr Wesen die Mitteilbarkeit selbst und diese unablösbar vom Wahrsein ist.
      Erst in der Kommunikation wird der Zweck der Philosophie erreicht, in dem der Sinn aller Zwecke zuletzt gegründet ist: das Innewerden des Seins, die Erhellung der Liebe, die Vollendung der Ruhe.
      Hallo, all Ihr Eulen,

      Die erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts ist, wie nie zuvor je eine Epoche geprägt worden ist, von der Kommunikation geprägt worden. Jaspers nutzte das Radio (!!) um den Hören zuhause mitzuteilen, was damals im zeitgenössischen Philosophieren bewegte: Die Kommunikation!

      Kommunikation bedeutet zugleich „teilen, mitteilen“ als auch das dazu gegensätzliche „teilnehmen lassen, vereinigen, gemeinsam machen“. [In Anlehnung an de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation .] Dieser der Kommunikation innewohnende Gegensatz verleitet mich zu folgenden Exkursionen.

      EXKURSION 1: <Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf, dankte, brach und gab den Jüngern die Brote. Die Jünger aber gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt; und sie hoben auf, was übrig blieb an Brocken, zwölf Körbe voll. Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder.> /Mt 14,18-21/ Mit der Kommunikation und den geistig Gesättigten scheint es gerade so zu sein, wie bei der wunderbare Brotvermehrung: es wird zugleich geteilt und vereinigt!

      EXKURSION 2: <[131a] […] Hat nun etwa nicht alles, was teilnimmt, entweder an der Ganzen Idee teil oder an einem Teil von ihr? Oder könnte eine andere Art von Teilnahme als diese beiden erfolgen?
      Wie denn? habe er [der junge Sokrates] geantwortet.
      Weiter, ist deiner Meinung nach die Idee als ganze in jedem der vielen Dinge, obwohl sie doch eine ist, oder wie?
      Was hindert sie denn daran, Parmenides, habe Sokrates gefragt, eine zu sein?
      Obwohl sie also eine und dieselbe ist, soll sie in vielen voneinander getrennten Dingen ganz und zugleich sein und wäre auf diese Weise von sich selbst getrennt.
      Das wäre nicht der Fall, habe er [der junge Sokrates] entgegnet, wenn die Idee wie ein Tag wäre, der als einer und derselbe überall zugleich ist und trotzdem keineswegs von sich selbst getrennt ist, und wenn auf diese Weise auch jede Idee als eine in allen Dingen zugleich dieselbe wäre.
      Hübsch, Sokrates, habe er [Parmenides] gesagt, wie du ein- und dasselbe zugleich überall hinbekommst, als ob du mit einem Segeltuch viele Menschen bedeckst und behaupten möchtest, es sei als eines auf vielen und als ganzes. Oder meinst du nicht, daß dies deine Behauptung ist?> Mit dem Segeltuch wird in Platons Dialog <Parmenides> einen wie mir scheint ähnlicher Gegensatz thematisiert. --- L.G. --- Alltag
    • Die Paradigemen der Philosophie

      Ich möchte einmal einen kurzen Abschnitt des dritten Kapitels des Werkes "Philosophie - Ein Grundkurs" von E. Martens und H. Schnädelbach wiedergeben. In dem Kapitel, dass den Titel trägt: "Philosophische Grundfragen" geht es um die drei wichtigsten Paradigmen der Philosophie: das ontologische, das mentalistische und das linguistische Paradigma...

      "Kants Ausgangsfrage war: "Was kann ich wissen?". Wittgenstein hingegen sucht die Grenze zwischen dem klar Sagbaren und dem Unsinn (vgl. Wittgenstein, T Vorw.), und so ist sein Problem: "Was kann ich verstehen?". Beginnt im Mentalismus die Philosophie mit dem Zweifel, so ist die Ausgangserfahrung des linguistischen Philosophierens der Zusammenbruch des Verständnisses, die Konfusion: "Ein philosophisches Problem hat die Form: Ich kenne mich nicht mehr aus." (Wittgenstein, PU § 123). Der Übersicht kann das folgende Schema diesen:


      Paradigma......................ontologisches......................mentalistisches...................linguistisches

      Bereich..........................Sein................................Bewusstsein......................Sprache

      Gegenstand.....................Seiendes...........................Vorstellungen.....................Sätze/Äußerungen

      Anfang..........................Staunen............................Zweifel............................Konfusion

      (...)

      Ende des Zitats (Martens/Schnädelbach: Philosophie - Ein Grundkurs, S.69)
      Literaturhinweis:

      - E. Martens/H. Schnädelbach: Philosophie - Ein grundkurs in zwei Bänden (rororo)

      Gruß Joachim Stiller Münster

      The post was edited 2 times, last by Joachim Stiller ().

    • @ Alltag,

      in dem Wiki-Artikel heißt es zur Äthymologie des Wortes:

      Kommunikation stammt aus dem Lateinischen communicare und bedeutet „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“. In dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine Sozialhandlung gemeint, in die mehrere Menschen (allgemeiner: Lebewesen) einbezogen sind. Wesentliche Aspekte dieser Sozialhandlung sind zum einen Anregung und Vollzug von Zeichenprozessen und zum anderen Teilhabe, in der etwas als etwas Gemeinsames entsteht (lateinisch communio: „Gemeinschaft“, communis: „gemeinsam“).
      Ich halte aufgrund dieser Rezeption die Konsturktion eines internen Gegensätzlichkeit für mindestens problematisch... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller wrote:

      zwischen "teilen und mitteilen" einerseits und "teilnehmen lassen, vereinigen und gemeinsam machen" andererseits sehe ich spontan eher Ergänzungen, als Gegensätze. Mir ist das nicht gnaz klar.... Gruß Joachim Stiller Münster
      @Joachim,
      "Ganz klar" ist es mir selbst ja auch noch nicht. Beim Mitteilen werden doch Teile durch den Redenden weiter gegeben. Insofern die Hörer am Prozess "Predigt, Rede" teilnehmen, kommt das Ganze an, obwohl nie das Ganze, sondern Worte / Idee / Begriff weitergegeben wurde.
      --- Irgendwie sind doch das Ganze und seine Teile ein Gegensatz, oder nicht? Das Ganze kann doch nicht Teil sein. Ebensowenig weder ein Teil, noch die Summe der Teile, das Ganze.
      --- In Platons Parmenides ist „Teilhaben“ und „Erleiden“ (mete_chein und pas_chein) ein Thema, das ich noch nicht verstehen. Aber das führt hier jetzt gewiss zu weit. Oder, @King, weisst Du da (vielleicht später) weiter?
      --- Anderseits ist es so wie Joachim sagt: "Mitteilen" und "Anteilnehmen" ergänzen sich.

      L.G. Alltag

      The post was edited 3 times, last by Alltag ().

    • Pffhh..

      ich glaube, Du bist da in Bezug auf das Wort "teilen" einer falschen Intuition aufgesessen. Teilen im Sinne von communicar heißt nicht "trennen", sondern es hat eher die Bedeutung von "teilhaben lassen".

      Ich gebe die Bedeutung von communicare noch einmal wieder, lasse jetzt aber ein einziges Wort weg: Communicare = "mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen". Und schon geht Dein interner Gegensatz nicht mehr. Communicare betont nicht die Differnez, sondern das Gemeinsame. Jaspers sprich von "Solidarität". (Ein altes Lied der Arbeiterbewegung heißst: Das Lied vom Theilen. Darin heißt es: Alles kommt vom theilen...)

      Das alles hat mit dem philosophischen Problem des Ganzen und seinen Teilen nichts zu tunn. Übrigens muss es korrekt heißen: Das Gnaze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das ist das Problem der Emergenz. Soziale System etwa sind emergent: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile...

      de.wikipedia.org/wiki/Emergenz

      Und noch etwas: Ich kann ein Teil nicht mehr Sache sein... :finger: Gruß Joachim Stiller Münster
    • Kommunikation Sinn aller Zwecke?

      Wird der Zweck der Philosophie wirklich nur in der Kommunikation erreicht? Auch das ist wieder eine Fragestellung der Metaphilosophie.

      Der Gegenentwurf wäre ein Philosophieren in der Einsamkeit. Nach Jaspers akzeptabel, „wenn ich für mich selbst in absoluter Einsamkeit der Wahrheit gewiss wäre.“ Und er fügt hinzu: „Aber ich bin nur mit den anderen, allein bin ich nichts.“ (S. 22)

      Ist der letzte Satz denn wirklich zutreffend? Gibt es nicht große Philosophen, die auf sich allein gestellt, wenn auch in Kenntnis der Werke anderer Philosophen, zu hohen Erkenntnissen gelangten? Könnte man das nicht z. B. von Aristoteles sagen? Gewiss hatte er seine Schüler, aber brauchte er sie für seine Werke? Als weiteres Beispiel erwähne ich Spinoza, der, nachdem er nach seinen ersten Veröffentlichungen angefeindet wurde, nur noch im stillen Kämmerlein arbeitete und seine Schriften in der Schreibtischschublade versteckte?

      Schließlich erinnere ich noch an Ibn Tufails allegorischen Roman Ibn Yagdhan, in dem der auf einer menschenleeren Insel von einer Gazelle aufgezogene Protagonist zum großen Philosophen wird, der, ganz in aristotelischer Manier, über Natur, Sternenhimmel und einen ersten Beweger philosophiert.

      Und wieso soll Philosophieren in der Einsamkeit nur dann wertvoll sein, wenn ich zu Erkenntnissen gelange, deren Wahrheit ich gewiss wäre? Es mag Erkenntnisse geben, die in mir Gewissheit erzeugen, andere, bei denen größere Zweifel bleiben. Als ob es immer möglich wäre, solche, wie Jaspers schreibt, „in liebevollem Kampfe“ mit anderen zu beseitigen!

      Dass mich ein kommunikatives Philosophieren vor Irrtümern bewahren und dass es mir Anregungen und neue Denkanstöße geben kann, will ich gerne einräumen. Aber das „Innewerden des Seins“ und die „Vollendung der Ruhe“ kann ich auch oder gar besser allein erreichen. Nur bei der „Erhellung der Liebe“ könnte es auf einer einsamen Insel Probleme geben, wenn ich kein Objekt der Liebe ausmachen kann.
      Zu der Frage, ob außerhalb unseres möglichen Erkenntnishorizonts irgend etwas ist, können wir nichts sagen, gar nichts.
      Wovon man nichts sagen kann, darüber sollte man schweigen.
      Annahmen über Seiendes außerhalb unserer Erkenntnismöglichkeiten sind reine Fantasie.
    • @ King,

      wirkliche mystische Erfahrungen lassen sich nur alleine machen. Ob dann aber solche mystische Erfahrungen zu "absolutem Wissen" führen können, für das es dann keine Worte mehr gibt, die also an sich nicht mitteilbar sind, wage ich inzwischen zu bestreiten. Aber an sich ist diese Sicht der Mystik weit verbreitet. Ein wichtiger Aspekt, wie ich finde... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Gegensatz und Kritik

      Alltag wrote:

      MackyMesser wrote:

      Phytahgoras
      [...]Hier das Zitat von Jaspers: "Das griechische Wort Philosoph (philosophos) ist gebildet im Gegensatz zum Sophos." ebd., München 1971, S. 12

      Ein Gegensatz soll keine Kritik sein?! [...] Macky
      Nein!
      Ein Gegensatzs ist nicht zwingend eine Kritik. Ich mache ein Beispiel, --- Kommunikation bedeutet zugleich „teilen, mitteilen“ als auch das dazu gegensätzliche „teilnehmen lassen, vereinigen, gemeinsam machen“. [In Anlehnung an de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation ] --- Und gebe damit einen Steilpass zum Zweiten Kapitel in Jaspers' Einführung in die Philosophie.

      L.G. Alltag

      Natürlich ist die Darstellung eines Gegensatzes nicht unbedingt kritisch, sie kann ja zutreffend sein.

      Hier geht es aber darum, dass Jaspers behauptet, Pythagoras habe den "Philosophos" - Begriff im Gegensatz zum "Sophos" - Begriff geschaffen. Eventuell hat Japsers Recht, aber vonseiten des Pythagoras war es auf jeden Fall eine Kritik am "Sophos" - Begriff.

      Die Frage ist, ob die Darstellung Jaspers überhaupt zutreffend ist, wonach der "philosophos" - Begriff im Gegensatz zum "Sophos" - Begriff gesehen werden muss.

      @ Stiller:
      Für die Philosophie ist diese Fragestellung von eminenter Bedeutung. Ich wundere mich, dass Du das noch nicht realisiert hast, sondern im Schweinsgalopp von einem Kapitel zum nächsten in einem mittelmässigen Buch zu hetzen gedenkst!

      Macky
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      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • @ Macky,

      die Moderatoren hatten mein Beitrag gelöscht. Offensichtlich ging es "ihnen" nicht schnell genug. Daher poste ich es hier noch einmal, soweit ich es noch auf die Reihe bekommen:

      Zitat von Macky:

      Die Frage ist, ob die Darstellung Jaspers überhaupt zutreffend ist, wonach der "philosophos" - Begriff im Gegensatz zum "Sophos" - Begriff gesehen werden muss.
      @ Macky,

      eben, genau das ist der springende Punkt. Jaspers hat sich da, möglicher Weise irritiert durch irgendeine Stadardtinterpretation der Vorsokratiker, ganz ungenau und missverständlich ausgedrückt. Pythagoras hat nichts gegen den sophos (den Weisen) an sich. Ihm erscheint das nur etwas zu großkotzig. Und darum wählt er, so bescheiden wie er ist, auch die etwas bescheidenere Form des Philo-sophos (des Freundes der Weisheit). Und wenn ich ehrlich bin, bin ich gar nicht so traurig über diese Wendung, denn sie ist allein schon stilistisch hervorragend... Ich jedenfalls bin lieber ein Philosoph, denn ein Weiser... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller wrote:

      @ Macky,

      die Moderatoren hatten mein Beitrag gelöscht. Offensichtlich ging es "ihnen" nicht schnell genug. Daher poste ich es hier noch einmal, soweit ich es noch auf die Reihe bekommen:

      Zitat von Macky:

      Die Frage ist, ob die Darstellung Jaspers überhaupt zutreffend ist, wonach der "philosophos" - Begriff im Gegensatz zum "Sophos" - Begriff gesehen werden muss.
      @ Macky,

      eben, genau das ist der springende Punkt. Jaspers hat sich da, möglicher Weise irritiert durch irgendeine Stadardtinterpretation der Vorsokratiker, ganz ungenau und missverständlich ausgedrückt. Pythagoras hat nichts gegen den sophos (den Weisen) an sich. Ihm erscheint das nur etwas zu großkotzig. Und darum wählt er, so bescheiden wie er ist, auch die etwas bescheidenere Form des Philo-sophos (des Freundes der Weisheit). Und wenn ich ehrlich bin, bin ich gar nicht so traurig über diese Wendung, denn sie ist allein schon stilistisch hervorragend... Ich jedenfalls bin lieber ein Philosoph, denn ein Weiser... Gruß Joachim Stiller Münster

      Es ist schon traurig, dass nicht einmal die Herkunft des Wortes "Philosophie" aufzuklären ist!

      Nach meinem Kenntnisstand dürfte es folgendermassen gewesen sein:

      1.die Sophistik setzt erst im 5. Jahrhundert vC ein. Eine Kritik an der Sophistik ist erst im Anschluss daran denkbar. Mithin kann Pythagoras keine Sophistikkritik betrieben haben.

      2. "Sophos" heisst von der Wortbedeutung her nur: "erfahren" bzw. "gebildet".
      Von Heraklit her gibt es eine Kritik an der "Vielwisserei" (griech. "polysaphes"). Vielleicht liegt das auf der Linie des Pythagoras?

      3. "Philo-" sophos kann ich mir eigentlich nur in einer positiven Bedeutung vorstellen: der "Sophos", der Erfahrene und Gebildete, wird angestrebt

      4. sicheren Boden für eine Philosophie gewinnt man m.E. erst mit Aristoteles

      Vielleicht liefert ein gutes Philosophielexikon einen akzeptablen Artikel über "Philosophie"?

      Wenn wir hier schon in einem Philosophie - Forum sind, dann sollten wir wenigstens die Herkunft des Begriffes "Philosophie" kennen!

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • Yep... Das ganze hat wohl noch einen anderen Aspekt. So weit ich weiß, war der Begriff sophos vor Pythagoras ein ungeschützter Titel. Viele schmückten sich damit, obwohl - oder gerade weil - sie nur reich werden wollten. Das muss damals schon so ähnlich gewesen sein, wie dann bei den Sophisten. Für Pyhtagors war das wohl ähnlich verächtlich, wie später die Sophistik für Platon. Pythagoras ging es wohl wirklich nur um das eigene Denken. Um ein Denken um seiner Selbst willen, und nicht zum Zwecke von Ruhm und Ehre. So gesehen wollte Pythagoras dem Titel sophos möglicher Weise tatsächlich etwas "entgegensetzen". Ich weiß nicht genau, aber ich meine mich zu erinnern, dass ich das mal irgendwo gelesen habe... Ich weiß aber jetzt auch nicht, wo ich da suchen sollte... Gruß Joachim Stiller Münst
    • Rudolf Eisler

      Joachim Stiller wrote:

      Yep... Das ganze hat wohl noch einen anderen Aspekt. So weit ich weiß, war der Begriff sophos vor Pythagoras ein ungeschützter Titel. Viele schmückten sich damit, obwohl - oder gerade weil - sie nur reich werden wollten. Das muss damals schon so ähnlich gewesen sein, wie dann bei den Sophisten. Für Pyhtagors war das wohl ähnlich verächtlich, wie später die Sophistik für Platon. Pythagoras ging es wohl wirklich nur um das eigene Denken. Um ein Denken um seiner Selbst willen, und nicht zum Zwecke von Ruhm und Ehre. So gesehen wollte Pythagoras dem Titel sophos möglicher Weise tatsächlich etwas "entgegensetzen". Ich weiß nicht genau, aber ich meine mich zu erinnern, dass ich das mal irgendwo gelesen habe... Ich weiß aber jetzt auch nicht, wo ich da suchen sollte... Gruß Joachim Stiller Münst

      Ich habe einmal bei Rudolf Eisler, Wörterbuch der philosophischen Begriffe nachgesehen. Da steht:

      "Ursprünglich bedeutet Philosophie (philosophia) und philosophein das Streben nach denkender, wissenschaftlicher Tätigkeit überhaupt, wie denn die ältere[105]Philosophie zum großen Teile (mit Ausnahme teilweise der Mathematik. später erst Loslösung der Philologie u. a. W.) mit der Wissenschaft zusammenfällt. »Omnis rerum optimarum cognitio atque in iis exercitatio philosophia nominata est« (CICERO). Bei HERODOT (I, 30) bemerkt Krösus zu Solon, er habe gehört, daß er theôriês heineken viele Länder philosopheôn bereist habe. I, 50 ist von philosophia im Sinne der »Kenntnis« die Rede. Nach THUKYDIDES (II, 40) sagt Perikles: philokaloumen met' euteleias kai philosophoumen aneu malakias. Als der Erste soll (nach Heraklides von Pontus) PYTHAGORAS, im Gegensatze zu den früheren sophoi, sophistai (Xenoph., Memor. I, 11. Plat., Gorg. 508 A), sich einen philosophos genannt haben (philosophos de ho sophian aspazomenos, Diog. L., Prooem. 12. VIII 1, 8). Cicero bemerkt, bis auf Pythagoras seien diejenigen, »qui in rerum contemplatione studia ponebant«, Weise (»sapientes«) genannt worden. Pythagoras habe bemerkt, »artem quidem se scire nullam, sed esse philosophum«. Es gebe Leute, »qui, ceteris omnibus pro nihilo habitis, rerum naturam studiose intuerentur. hos se appellare sapientiae studiosos – id est enim philosophos« (Tusc. disp. V, 3, 8 f.). Einwände gegen diese Ansicht bei E. ZELLER (Philos. d. Griech. I4, 1) und ÜBERWEG-HEINZE (Grundr. d. Gesch. d. Philos. I9, § 1).
      SOKRATES nennt sich autourgos tês philosophias (Xenoph., Sympos. I, 5) und sagt von sich: philosophounta me dei zên kai exetazonta emauton kai tous allous (Plato, Apol. 28 E). Bei XENOPHON bedeutet philosophein so viel wie grübeln, nachsinnen (Cyrop. VI, 1, 41). ISOKRATES bezeichnet seine Rednertätigkeit als tên peri tous logous philosophian (Panegyr. 10, 6). Zuerst bestimmt die philosophia als »Wissenschaft« PLATO (peri geômetrian ê tina allên philosophian, Theaet. 143 D). Der Philosoph (Dialektiker, s. d.) steht zwischen dem Unwissenden und dem (absolut) Wissenden (philosophon de onta metaxy einai sophou kai amathous, Sympos. 204 B). Die Philosophie ist der Erwerb des Wissens (ktêsis epistêmês, Euthydem. 288 D). Philosophen sind die tou kata tauta hôsautôs echontos dynamenoi ephaptesthai (Republ. VI, 484 A). tous auto ara hekaston to on aspazomenous philosophous klêteon
      (Republ. VI, 480 B. vgl. Gorg. 484 C, 485 A. Protag. 335 D). Wissenschaft ist die Philosophie als (dialektische, s. d.) Beschäftigung mit dem Seienden als solchem (nicht dem Werdenden, Unwesenhaften). Die Einteilung der Philosophie in Physik (physikon), Ethik (êthikon), Logik (logikon) geht (nach Sext. Empir. adv. Math. VII, 16) auf XENOKRATES zurück, nach welchem die aitia philosophias ist to tarachôdes en tô biô katapausai tôn pragmatôn (Galen. histor. philos. 3). – Auch ARISTOTELES versteht zunächst unter philosophia die Wissenschaft (hôste treis an eien philosophiai theôrêtikai, mathêmatikê, physikê, theologikê Met. VI 1, 1026a 18). Die Philosophie ist (Met. VI 1) theôrêtikê (zerfällt in physikê, mathêmatikê, theologikê, Met. XI, 7. vgl. Top. I 14, 105 b 19) oder praktikê oder poiêtikê (Seins- und Erkenntnislehre, Metaphysik, Logik, Rhetorik. Ethik, Ökonomik und Politik. Ästhetik). Die Philosophie im engsten Sinne ist die prôtê philosophia (philosophia prima), die Metaphysik (s. d.) oder theologikê, die allgemeine Seinswissenschaft, die Wissenschaft von den Principien (archai) der Dinge. sie handelt peri tou ontos hê on (Met. VI, 1026a 31. XI 4, 1061 b 26). Philosophie ist Wissenschaft der Wahrheit (epistêmê tês alêtheias, Met. II 1, 993 b 20). tôn ousiôn an deoi tas archas kai tas aitias echein ton philosophon (Met. IV 2, 1003 b 18). esti tou philosophou peri pantôn dynasthai theôrein (Met. IV 2, 1004 a 34). Quelle der Philosophie ist (wie auch PLATO, Theaet. 155 D) die Verwunderung (s. d.)[106] (to thaumazein, Met. I 2, 982 b 12), das Staunen. Philosophiai sind philosophische Disciplinen (Met. VI 1, 1026 a 18) oder philosophische Richtungen (Met. I 6, 987a29)."

      Soweit erst einmal.

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)