Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie

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    • Joachim Stiller wrote:

      Übrigens finde ich deine [kings] Bezeichnung von metaphysischen philosophischen Aussagen als subjektiv evident interesssant. Werde diesen Gedanken beibehalten.

      Besser wäre, du würdest den kompletten Gedanken auffassen und behalten. Komplett lautet er: Philosophen finden eine Hypothese subjektiv evident, ob sie nun wahr oder falsch ist. Daraus folgt, dass subjektive Evidenz belanglos ist hinsichtlich Wahrheit oder Falschheit.
      (Eine analoge Aussage traf ich in der Rubrik "Glaube und Religionen", als ich darauf aufmerksam zu machen versuchte, dass Glaube belanglos ist für die Wahrheit von religiösen Behauptungen. Dort ist mir heftig widersprochen worden.)
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Ich widerspreche Dir nur für den Fall, dass Du sagen wolltest, die Tatsache der rein subjektiven Evidenz mache Religion und Philosophie schlicht überflüssi. Sex nur des Sexes wegen, und nicht um Kinder zu zeugen, ist dann sicher auch "überflüssig". Und doch brauchen wir es, wie die Luft zum Atmen. Ansonsten könnte sich ein gefählicher Samenstau einstellen, der zum Erstickungstod führen kann... :LtD: Gruß Joachim Stiller Münster

      Philosophie ist Sex mit der geistigen Welt.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller wrote:

      ...

      Die historischen Wurzeln des Begriffs reichen meines Wissens zurück bis Pythagoras, der sich zuerst einen "Philosophen" nannte, einen Freund der Weisheit, denn er wollt sich nicht einen Weisen (Sophos) nennen, was damals durchaus üblich war. Und daher wählte er die etwas bescheidener Form. ...

      So weit erst einmal... Gruß Joachim Stiller Münster

      In Wikipedia (Artikel: "Philosophie") wird die Herkunft des Wortes von Pythagoras infrage gestellt:

      "In der Antike pflegte man die Einführung des Begriffs Philosophie Pythagoras von Samos zuzuschreiben. Der Platoniker Herakleides Pontikos überlieferte eine Erzählung, wonach Pythagoras gesagt haben soll, nur ein Gott besitze wahre sophía, der Mensch könne nur nach ihr streben. Hier ist mit sophia bereits metaphysisches Wissen gemeint. Die Glaubwürdigkeit dieses - nur indirekt und fragmentarisch überlieferten - Berichts des Herakleides ist in der Forschung umstritten."

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • Kinderphilosophie - Philosophiern mit Kindern

      Ich möchte noch eben auf einen weiteren Aspekt des 1. Kapitels eingehen. Jaspers fordert von der Philosophie unbedingte Unmittelbarkeit, und führt dabei die mitunter durchaus philosophischen Gedanken von Kindern ins Feld. Hier ein kurzes Zitat von Jaspers:

      Ein wunderbares Zeichen dafür, daß der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert, sind die Fragen der Kinder. Gar nicht selten hört man aus Kindermund, was dem Sinne nach unmittelbar in die Tiefe des Philosophierens geht. Ich erzähle Beispiele:
      Ein Kind wundert sich: »Ich versuche immer zu denken, ich sei ein anderer und bin doch immer wieder ich.« Dieser Knabe rührt an einen Ursprung aller Gewißheit, das Seinsbewußtsein im Selbstbewußtsein. Er staunt vor dem Rätsel des Ichseins, diesem aus keinem anderen zu Begreifenden. Er steht fragend vor dieser Grenze.
      Ich selber hatte als Kind genau den gleichen Gedanken. Später habe ich diesen Gedanken in einem Text zu einem Kinderbuch umgesetzt. Und dann habe ich noch ein weiteres Kinderbuch zum Thema "Zeit" geschrieben. Hier einmal die Links auf die beiden Kinderbücher. Viel Spaß bei Lesen:

      jstiller.js.funpic.de/download/kinderbuch1.pdf

      jstiller.js.funpic.de/download/kinderbuch2.pdf

      Inzwischen gibt es, nicht umsonst auf Grund der Einführung in die Philosophie von Karl Jaspers, zahlreiche Werke, die sich dem Thema "Philosophieren mit Kindern" angenommen haben. So auch dieses:

      - Ekkehart Martens: "Philosophieren mit Kindern - Eine einführung in die Philosophie"

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • king wrote:

      [...]

      Damit greift Jaspers – ohne es ausdrücklich zu sagen – auf Parmenides zurück, der sagte, die Wahrheit kennten allein die Götter, die Menschen hingegen hätten nur Meinungen (doxa), zwar begründet, aber ohne wahre Verlässlichkeit.

      M. a. W. : philosophische Aussagen können zwar wahr sein, aber sind deswegen nicht verlässlich, weil wir wahre von unwahren Aussagen nicht unterscheiden können.

      [...]

      Das gesamte 1. Kapitel der Jasperschen Einführung würde ich heute der „Metaphilosophie“ zuordnen.
      Hallo King,

      Wie verstehst Du „Metaphilosophie“ ?
      Was ist der Unterschied zur Metaphysik?

      Parmenides Lehrgedicht "Über die Natur" ist kein Musterbeispiel für nicht-verlässliche Aussagen. Es behandelt die Fragen, was Natur ist (i) und erleidet (ii), sowie was Natur nicht ist (iii). Wegen der Antwort auf die dritte Frage (iii) wird Parmenides Lehrgedicht auch mit "Über das Sein" betitelt. Die diesbezüglichen Fragmente beinhalten wahre Aussagen und Darlegungen über deren verlässlichste Verlässlichkeit. Der Tread hier ist m.E. aber nicht der richtige Platz, dies näher zu erörtern und begründen. Insbesondere nicht, weil auch Jaspers das höchst anspruchsvolle Lehrgedicht nicht (oder nicht hier) thematisiert. --- L. G. --- Alltag

      The post was edited 1 time, last by Alltag ().

    • Alltag wrote:

      Wie verstehst Du Metaphilosophie ?

      sh. den von mir initiierten Wikipedia-Artikel: de.wikipedia.org/wiki/Metaphilosophie
      Zu der Frage, ob außerhalb unseres möglichen Erkenntnishorizonts irgend etwas ist, können wir nichts sagen, gar nichts.
      Wovon man nichts sagen kann, darüber sollte man schweigen.
      Annahmen über Seiendes außerhalb unserer Erkenntnismöglichkeiten sind reine Fantasie.
    • Joachim Stiller wrote:

      Ja, umstritten ist in Bezug auf die Vorsokratiker vieles. Es gibt aber doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es sich so verhält... Gruß Joachim Stiller Münster

      Festzustellen ist, dass also nicht einmal bezüglich des Ursprungs des Wortes "Philosophie" Einvernehmen zu erzielen ist.

      Jaspers Äußerung, wonach "Philo-sophos" eine Gegenposition zum "Sophos", zum Wissenden, sein soll, halte ich für fragwürdig!

      Macky
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      The post was edited 1 time, last by MackyMesser ().

    • Mit Spatzen auf Kanonen geschossen

      Joachim Stiller wrote:

      Also, ich vorinstalliere nur eben den Lektürethread. Hier zunächst der Wiki-Artikel zu Karl Jaspers

      de.wikipedia.org/wiki/Karl_Jaspers

      Gruß Joachim Stiller Münster


      Hallo Stiller,

      obwohl ich anfangs von Deinem Vorschlag, einen Lektürethread über Jaspers "Einführung in die Philosophie" zu machen, angetan war, bin ich nun ernüchtert:

      die Rundfunkvorträge eines älteren Philosophen eignen sich nicht zur intensiven Lektüre. Damit schiesst Du mit Kanonen auf Spatzen. Im Grunde ist die "Einführung" nichts weiter als ein bisschen Brainstorming zu einem philosophischen Thema.

      Besser wäre es, sich dass Hauptwerk Jaspers aus den 30 er Jahren vorzunehmen.

      Macky
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    • Philosophiea perennis - Einheit oder Vielfalt

      Ich möchte nun noch gerne einen vierten Aspekt des ersten Kapitels ansprechen: Den gedanken der philosophia perennis. Dazu gebe ich eben die letzten Zeilen des 1. Kapitels wieder:

      Philosophie in großem Stil und im systematischen Zusammenhang gibt es seit zweieinhalb Jahrtausenden im Abendland, in China und Indien. Eine große Überlieferung spricht uns an. Die Vielfachheit des Philosophierens, die Widersprüche und die sich gegenseitig ausschließenden Wahrheitsansprüche können nicht verhindern, daß im Grunde ein Eines wirkt, das niemand besitzt und um das jederzeit alle ernsten Bemühungen kreisen: die ewige eine Philosophie, die philosophia perennis. Auf diesen geschichtlichen Grund unseres Denkens sind wir angewiesen, wenn wir mit hellstem Bewußtsein und wesentlich denken wollen.
      Ja, wie ist das eigentlich mit der philosophia perennis? Gibt es eine solche Einheit? Oder ist nur Vielfalt? Oder aber Einheit in der Vielfalt und Vielfalt in der Einheit, wie ich selbst immer zu sagen pflege? Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller wrote:

      Philosophiea perennis - Einheit oder Vielfalt

      [...] letzte Zeilen des 1. Kapitels [...]:
      Philosophie in großem Stil und im systematischen Zusammenhang gibt es seit zweieinhalb Jahrtausenden im Abendland, in China und Indien. Eine große Überlieferung spricht uns an. Die Vielfachheit des Philosophierens, die Widersprüche und die sich gegenseitig ausschließenden Wahrheitsansprüche können nicht verhindern, daß im Grunde ein Eines wirkt, das niemand besitzt und um das jederzeit alle ernsten Bemühungen kreisen: die ewige eine Philosophie, die philosophia perennis. Auf diesen geschichtlichen Grund unseres Denkens sind wir angewiesen, wenn wir mit hellstem Bewußtsein und wesentlich denken wollen.

      1. Aussage A lautet: Der kategorische Imperativ gilt.
      2. Aussage B lautet: Der kategorische Imperativ gilt nicht.
      3. Aussagen A und B widersprechen sich.
      4. Beide Aussagen sind gleichermaßen Philosophie.
      ---------------------------------
      5. Also hebt Philosophie den Widerspruch auf und ist das ewig Eine.

      Wo steckt der argumentative Fehler?
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Joachim Stiller wrote:

      Kann das sein, dass bei dir, wie eigentlich schon bei jedem Trilemma, die Konklusion falsch ist?

      Das verstehe ich ohne weitere Erläuterung nicht.
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • Ich mache es mal am Bieri-Trilemma fest:

      de.wikipedia.org/wiki/Bieri-Trilemma

      Hier noch einmal die drei sich ausschließenden Sätze:
      1. Mentale Phänomene sind nichtphysikalische Phänomene.
      2. Mentale Phänomene sind im Bereich physikalischer Phänomene kausal wirksam.
      3. Der Bereich physikalischer Phänomene ist kausal geschlossen.

      Satz 1 und Satz 2 sind richtig. Dann ist Satz 3 in jedem Fall falsch... So in etwa... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Philo - sophos

      Joachim Stiller wrote:

      Will noch jemand etwas zum ersten Kapitel sagen? Sonst würde ich gerne morgen mit dem 2. Kapitel weitermachen... Gruß Joachim Stiller Münster

      Was ist mit meiner Frage zum "Philo - sophos" (Beitrag 29)?

      Macky
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    • Beitrag 29 war keine Frage, sondern eine Feststellung... Ich sagte, Philosophie heiße ursprünglich "Liebe zur Weisheit" (Philo-sophia), und Du hast das in Zweifel gezogen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wenn Du einfach denken willst, was Du denken willst, ist das allein Deine Sache. Oder erwartest Du, dass wir jetzt alle Deiner Meinung sind? Gruß Joachim Stiller Münster