Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie

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    • Die philosophische Lebensführung II

      Hier noch einige zentrlale Sätze und Geischtspunkte aus dem abshcließenden Ausführungen:

      "Besinnung lehrt die Mach des Gedankens. (S.96)

      "Das philosophischen Leben droht ständig in Verkehrung verlorenzugehen." (S.98 )

      " Das Ziel der philosophischen Lebensführung ist nicht zu formulieren als ein Zustand, der erreichbar und dann vollendet wäre. Unsere Zustände sind nur die Erscheinung des ständigen Bemühens unserer Existenz oder ihres Versagens. Unser Wesen ist Auf-dem-Wege-Sein. Wir möchten durchstoßen durch die Zeit. Das ist nur in Polaritäten möglich: (...)" (S.99)
      Man könnte auch sagen:

      Leben heißt auf dem Weg sein.

      Und auf die Frage: Was bleibt? könnte man dann vielleicht im Sinne von Jaspers sagen: Kommunikation und Meditation.

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Joachim Stiller wrote:

      Zur Notwendigkeit der Kommunikation sagt Jaspers:
      "Was sich nicht in Kommunikation verwirklicht, ist noch nicht, was nicht zuletzt in ihr gründet, ist ohne genügenden Grund. Die Wahrheit beginnt zu zweien.
      Daher fordert die Philosophie: ständig Kommunikation suchen, sie rückhaltlos wagen, meine trotzige, sich in immer anderen Verkleidungen aufzwingende Selbstbehauptung hingeben, in der Hoffnung leben, daß ich mir unberechenbar wiedergeschenkt werde aus der Hingabe." (S.95)
      Und dann zieht Jaspers ein erstes Fazit:

      Vollziehe ich die Besinnung in der dreifachen Gestalt - der Selbstreflexion, der transzendierenden Besinnung, der Vergegenwärtigung der Aufgabe - und öffne ich mich uneingeschränkter Kommunikation, so wird mir unberechenbar gegenwärtig, was ich doch nie erzwingen kann: die Klarheit meiner Liebe, die verborgene und immer unsicher bleibende Forderung der Gottheit, die Offenbar-keit des Seins - und damit vielleicht die Ruhe in der bleibenden Unruhe unseres Lebens, das Vertrauen in den Grund der Dinge trotz entsetzlichen Unheils, die Unbeirrbarkeit des Entschlusses in den Schwankungen der Leidenschaften, die Verläßlichkeit der Treue in den verführenden Augenblicklichkeiten dieser Welt. (S.95)
      Jaspers beendet dieses vorläufige Fazit mit den folgenden Worten:

      "Wenn Philosophieren Sterbenlernen ist, so ist dieses Sterbenkönnen gerade die Bedingung für das rechte Leben. Lebenlernen und Sterbenkönnen ist dasselbe." (S.95
      Wir erinnern uns: Ganz zu biginn hatte Jaspers das Folgende gesagt:

      Leben heißt Sterben und Philosophieren heißt Sterbenlernen.

      Diesen Satz hatte ich ich mir zu eigen gemacht... Er gehört bei mir praktisch zum Inventar. So geht es mir allerdings mit einer ganzen Reihe von Jasperschen Sätzen, und da zeigt sich, welchen starken Einfluss Jaspers auch mich und mein Denken hatte, und wie präsent er auch auch heute noch bei mir ist... Gruß Joachim Stiller Münster


      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dass Philosophie sterben ist, ist eine ganz alte Sache: von Platon.

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • 12. Kapitel: Geschichte der Philosophie

      Wer den Volltext braucht, wende sich bitte an Fliege... Ich möchte dann jetzt auch gerne mit dem 12. und letzten Kapitel weitermachen, und unseren Lektürethread damit abschleißen.

      Also, Jaspers schreibt:

      "Die unabhängige Philosophie fällt keinem Menschen von selber zu. Niemand wird in sie hineingeboren. Sie muß stets neu erworben werden. Sie ist zu ergreifen nur von dem, der sie aus seinem eigenen Ursprung heraus erblickt. Der erste noch verschwindende Blick auf sie kann den Einzelnen entzünden. Auf die Entzündung durch Philosophie folgt das Studium der Philosophie.(S.101)
      Und weiter heißt es:

      "Dieses ist dreifach: Praktisch an jedem Tage im inneren Handeln; sachlich im Erfahren der Gehalte, durch Studium der Wissenschaften, der Kategorien, der Methoden und der Systematiken; historisch durch Aneignung der philosophischen Überlieferung. Was in der Kirche die Autorität, ist für den Philosophierenden die Wirklichkeit, die aus der Geschichte der Philosophie ihn anspricht." (S.102)
      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Jaspers reflektiert nun über die Philosophiegeschichte so:

      "Das Ganze der Philosophiegeschichte von zweieinhalb Jahrtausenden ist wie ein einziger großer Augenblick des Sichbewußtwerdens des Menschen. Dieser Augenblick ist zugleich die unendliche Diskussion, zeigt die Kräfte, die aufeinanderstoßen, die Fragen, die unlösbar scheinen, die hohen Werke und die Abgleitungen, tiefe Wahrheit und einen Wirbel des Irrens.
      Im philosophiegeschichtlichen Wissen suchen wir das Schema eines Rahmens, in dem die philosophischen Gedanken ihren historischen Ort haben. Nur eine Weltgeschichte der Philosophie zeigt, wie Philosophie historisdi zur Erscheinung gekommen ist, in den verschiedensten gesellschaftlichen und politischen Zuständen und persönlichen Situationen." (S.103)
      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Die Gliederung der abendländischen Philosophie

      Jasper, der nun zuerst von der Achesnzeit spricht, konstatiert nun eine vierfache Gliederung der abendländischen Philosophie:

      Die abendländische Philosophie gliedert sich historisch in vier aufeinander folgende Bereiche:

      Erstens: Die griechische Philosophie

      Zweitesn: Die christlich-mittelalterliche Philosophie

      Drittens: Neuere europäische Philosophie

      Viertens: Die Philosophie des deutschen Idealismus
      Natürlich folgen zu jedem einzelnen Punkt eine ganze Reihe einzelner Ausführungen, auf die einzugehen, hier zu weit führen würde. Man lese vielleicht einmal eine Weltgeschichte der Philosophie. Ich selbst empfehle da immer:

      - Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Tiefere Zusammenhänge der Philosophiegeschichte

      Nachdem Jaspers nun ein kleines Panorama der Philosophiegeschichte gegeben hat, versucht er etwas tiefere Zusammenhänge herzustellen. Er schriebt:

      Solche Übersichten werden im Blick auf die Gesamtheit der Philosophiegeschichte entworfen. Sie sind oberflächlich. Man möchte tiefere Zusammenhänge im Ganzen spüren. Folgende Fragen sind zum Beispiel versucht:

      Erstens: Die Frage nach der Einheit der Philosophiegeschichte

      Zweitens: Die Frage nach dem Anfang und seiner Bedeutung

      Drittesn: Die Frage nach Entwicklung und Fortschritt in der Philosophie

      Viertens: Die Frage nach der Rangordnung
      Auf die einzelnen Ausfürhugngen dazu kann ich hier ebenfalls jetzt nicht im Detail eingehen. Und da zeigt sich, dass am Ende nichts an einer tatsächlichen Lektüre von Jaspers tollem Buch vorbeiführt. Es wäre für jeden ein Gewinn. Er wird es nicht bereuen...

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Schlussworte

      Jaspers schließt seine kleine Einführung in die Philosophie mit einem Lob des Augenblicks ab. Er feiert das Hier und Jetzt:

      "Denn der Sinn des Philosophierens ist Gegenwärtigkeit. Wir haben nur eine Wirklichkeit, hier und jetzt. Was wir durch unser Ausweichen versäumen, kehrt nie wieder, aber wenn wir uns vergeuden, auch dann verlieren wir das Sein. Jeder Tag ist kostbar: ein Augenblick kann alles sein.
      Wir werden schuldig an unserer Aufgabe, wenn wir aufgehen in Vergangenheit oder Zukunft. Nur durch gegenwärtige Wirklichkeit ist das Zeitlose zugänglich, nur durch Ergreifen der Zeit kommen wir dahin, wo alle Zeit getilgt ist." (S.110)
      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Halt, Stopp!! Wir sind noch nicht fertig!! Jetzt kommt noch der Anhang, der so bedeutend ist, dass wir ihn nicht übergehen dürfen. Jaspers gibt nurn Hinweise zu folgendne Punkten:

      1. Über das Studium der Philosophie

      2. Über philosophische Lektüre

      3. Darstellungne der Geschichte der Philosophie

      4. Texte

      Am Ende folgt das noch eine umfassende bibliographie und als seltes eine recht gute und ausführliche Namensliste großer Philosophen, die zum Schluss noch mal einzeln mit kurzen Anmerkungne versehen und vorgestelllt werden. Allein dieser Anhang, den Jaspers speziell für das spätere Buchprojekt zusammengestellt hat, macht das Buch zu einem ganz beosnderen Kleinod. Ganze Generationen von jungen Leuten dürften nicht zuletzt "diese" Namenslosten und Bibliographien gehütet haben, wie ihren eigenen Augapfel. Ich glaube, Jaspers traf mit seinem Werk einfach den Nerv der Zeit...

      Anstatt nun die Namensliste von Jaspers wiederzugeben, mächte ich einmal eine Namensliste wiedergeben, die ich selber einmal zusammengestellt habe. Ich häge sich gleich an... Gruß Joachim Stiller Münster
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    • Meine Buchbesprechung von Jaspers "Einfühurng in die Philosophie"

      Ich habe einmal meine eigenen Beiträge in diesem Lektürethread zu einer eigenen Besprechung von Jaspers "Einführung in die Philosophie" zusammengestellt. Die Schrift befindet sich bereits auf meiner Website/Homepage:

      jstiller.js.funpic.de/download/philosophie_karljaspers.pdf

      Ihr seht, Jaspers bedeutet mir eine ganze Menge... Und seine Eiführung in die Philosophie ganz besonders. Ich kann mich wirklich gut daran anlehnen...

      Danke für die tolle Diskussion... Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Ich denke als Einführung in die Philosophie ist es wirklich ein hervorragendes Buch, es erfüllt seinen Zweck. Jaspers hat seine bevorzugten Philosophen aus denen er schöpft, so ist es natürlich keine Einführung in DIE Philosophie (die es als gemeinsamer Nenner ja auch nicht gibt), mehr eine Einführung zu dem, was Jaspers sich unter Philosophie vorstellt. Dennoch als erster zaghafter Orientierungspunkt sehr brauchbar. Auch sehr löblich die Literaturempfehlungen am Ende, viele Philosophen würden sich ja hüten ausgiebig auf andere Philosophen zu verweisen, weil sie denken das sie thematisch bereits alles abdecken. Zeigt aber auch an, dass Jaspers kein reiner Philosoph ist, er kommt ja ursprünglich aus einem anderen Denkfeld (was kein Nachteil ist).
      Der Vorteil dieses Bandes ist auch, wie ich finde, dass er auch Lust auf Philosophie macht. Viele Einführungsbücher gehen zwar die Thematiken an, aber ihnen fehlt das anregende, so dass man sich weiter ins Denken vertiefen möchte. Jaspers Buch macht Lust auf Philosophie und das ist vielleicht schon das brauchbarste am Buch oder was allgemein ein Denkbuch erwirken kann.


    • Ja, Kinder sind Philosophen, denn sie fragen WARUM, also nach dem Sinn. Wir Erwachsenen fragen zumeist nur nich WIE und WOZU, also nach Funktion und Zweck.


      Joachim Stiller wrote:

      Ich möchte noch eben auf einen weiteren Aspekt des 1. Kapitels eingehen. Jaspers fordert von der Philosophie unbedingte Unmittelbarkeit, und führt dabei die mitunter durchaus philosophischen Gedanken von Kindern ins Feld. Hier ein kurzes Zitat von Jaspers:

      Ein wunderbares Zeichen dafür, daß der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert, sind die Fragen der Kinder. Gar nicht selten hört man aus Kindermund, was dem Sinne nach unmittelbar in die Tiefe des Philosophierens geht. Ich erzähle Beispiele:
      Ein Kind wundert sich: »Ich versuche immer zu denken, ich sei ein anderer und bin doch immer wieder ich.« Dieser Knabe rührt an einen Ursprung aller Gewißheit, das Seinsbewußtsein im Selbstbewußtsein. Er staunt vor dem Rätsel des Ichseins, diesem aus keinem anderen zu Begreifenden. Er steht fragend vor dieser Grenze.
      Ich selber hatte als Kind genau den gleichen Gedanken. Später habe ich diesen Gedanken in einem Text zu einem Kinderbuch umgesetzt. Und dann habe ich noch ein weiteres Kinderbuch zum Thema "Zeit" geschrieben. Hier einmal die Links auf die beiden Kinderbücher. Viel Spaß bei Lesen:
      jstiller.js.funpic.de/download/kinderbuch1.pdf

      jstiller.js.funpic.de/download/kinderbuch2.pdf

      Inzwischen gibt es, nicht umsonst auf Grund der Einführung in die Philosophie von Karl Jaspers, zahlreiche Werke, die sich dem Thema "Philosophieren mit Kindern" angenommen haben. So auch dieses:

      - Ekkehart Martens: "Philosophieren mit Kindern - Eine einführung in die Philosophie"

      Gruß Joachim Stiller Münster