Die ungeschriebene Lehre

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    • Die ungeschriebene Lehre

      Hier einmal der Taxt zur ungeschriebenen Lehre des Platon aus dem Wiki-Ratikel zu Platon:

      "Die Dialoge stellen nicht die gesamte Philosophie Platons dar,
      sondern nur deren zur schriftlichen Verbreitung bestimmten Teil. Dies
      zeigt insbesondere die gut bezeugte Existenz des öffentlichen Vortrags
      Über das Gute, der ein zentrales Thema behandelte, aber niemals schriftlich
      an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Von „ungeschriebenen Lehren“ Platons
      berichtet bereits sein Schüler Aristoteles. Es handelte sich um Lehrstoff,
      der nur mündlich in der Akademie
      fortgeschrittenen Schülern vermittelt wurde, weil Platon eine generelle
      Skepsis gegenüber der Zweckmäßigkeit eines schriftlichen Diskurses
      hegte, vor allem hinsichtlich sehr anspruchsvoller Themenbereiche, die
      besondere Vorkenntnisse erfordern. Das ist aber nicht im Sinne einer
      Geheimhaltungsvorschrift oder eines Verbots schriftlicher Aufzeichnung
      zu verstehen; vielmehr fertigten Schüler in der Akademie Mitschriften
      an, deren Existenz aus einer Reihe von Angaben antiker Quellen
      hervorgeht.

      Ein beträchtlicher Teil der heutigen Forschung teilt die schon in der
      Antike verbreitete Auffassung, dass der Gehalt der Lehren, die
      mündlicher Mitteilung vorbehalten blieben, wesentlich über das in den
      Dialogen Dargelegte hinausging. Überlieferte Andeutungen von Schülern
      Platons lassen erkennen, dass die mündlichen platonischen Lehren auf
      Prinzipien beruhten, die als gesichertes Wissen dargeboten wurden.
      Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu den sokratisch konzipierten
      Dialogen, in denen Meinungen und Hypothesen zur Sprache kommen
      und viele Fragen offen bleiben.

      Die andauernde lebhafte Debatte in der Forschung dreht sich um die
      Frage, ob bzw. inwieweit die ungeschriebene Prinzipienlehre
      rekonstruierbar und der Kern der platonischen Philosophie ist. Die
      Gelehrten der sogenannten Tübinger Schule, zu der Hans Joachim Krämer,
      Konrad Gaiser[ und Thomas A. Szlezák zählen, bejahen diese Annahmen
      mit großer Zuversicht, und auch andere Forscher wie Jens Halfwassen
      haben eingehend dargelegt, warum sie die ungeschriebene Lehre für den
      wichtigsten Bestandteil von Platons Unterricht halten und sein
      Gesamtwerk im Licht dieser Einschätzung deuten. Zustimmend nahmen
      zum Tübinger Platonbild Willy Theiler, Vittorio Hösle und – mit einem
      neuen Ansatz – Christina Schefer Stellung, mit Vorbehalt auch Rafael
      Ferber, Jürgen Villers und Hans-Georg Gadamer.
      Da sich auch der Mailänder Philosophiehistoriker Giovanni Reale
      nachdrücklich für diese Auffassung ausgesprochen hat und Forscher aus
      seinem Umfeld dem zustimmten, spricht man heute auch von einer „Tübinger
      und Mailänder Schule“.
      Die skeptische Gegenposition, welche die Existenz oder zumindest die
      philosophische Relevanz und die Rekonstruierbarkeit dieser Lehre
      bezweifelt, hat besonders im angelsächsischen Raum Anhänger gefunden;
      besonders entschiedene Vertreter dieser Richtung waren Harold Cherniss
      und Gregory Vlastos. In der deutschsprachigen Platon-Forschung lehnen u. a.
      Theodor Ebert, Dorothea Frede, Andreas Graeser, Ernst Heitsch,
      Franz von Kutschera, Günther Patzig und Wolfgang Wieland die Positionen
      der "Tübinger Schule" ab.

      In der ungeschriebenen Lehre geht es um die Bestimmung des absoluten
      Einen, das Platon mit der Idee des Guten gleichsetzt, und um die Frage nach
      seiner Erkennbarkeit und Mitteilbarkeit. Durch die Identifikation des
      Einen mit dem Guten verbindet Platon Ontologie und Ethik
      zu einer einheitlichen Beschreibung und Erklärung der Weltordnung, die
      er in der letzten Phase seines Philosophierens zunehmend mathematisch
      formuliert; die Ethik wird zu einer Komponente der Ontologie. Den
      mathematischen Gegebenheiten weist Platon eine vermittelnde Stellung
      zwischen den Ideen und den Sinnesobjekten zu. Letztlich zielen diese
      Bemühungen auf eine vereinheitlichte Theorie von allem. So wie der
      empirische Bereich auf die Ideenwelt, wird nun die Vielfalt der Ideen
      auf einfache Urprinzipien zurückgeführt, welche die Existenz der Ideen
      und damit auch diejenige der Sinnesobjekte erklären sollen. Das ist aus
      Platons Sicht möglich, da für ihn alle Dinge miteinander verwandt sind.
      Das Eine ist die Ursache der gesamten Hierarchie des Seienden, der es
      selbst nicht angehört, der es vielmehr übergeordnet ist. Da das Eine als
      oberstes Prinzip von nichts anderem hergeleitet werden kann, ist sein
      Wesen nur negativ bestimmbar." (Wiki-Artikel zu Platon)

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    • Die ungeschriebene Lehre II

      Hier die Fortsetzung des Artikels:

      "Die ganze Mannigfaltigkeit der erkennbaren Phänomene führt Platon auf
      das Gegensatzverhältnis zweier Grundprinzipien zurück. Das erste
      Prinzip (Einheit) hat seine Entsprechung ontologisch im Sein,
      formal-logisch in der Identität, Absolutheit und Unteilbarkeit, werthaft
      in der Tugend und Ordnung, kosmologisch in der Ruhe, Beständigkeit und
      Unvergänglichkeit, seelisch in der Hinwendung zu den Ideen. Das zweite
      Prinzip wird als unbestimmte Zweiheit bezeichnet. Es hat seine
      Entsprechung ontologisch im Nichtsein, formal-logisch in der
      Verschiedenheit, Relativität und Teilbarkeit, werthaft in der
      Schlechtigkeit und Unordnung, kosmologisch in der Bewegung, Veränderung
      und Vergänglichkeit, seelisch in den triebhaften, körpergebundenen
      Affekten. Das erste Prinzip ermöglicht Begrenzung und damit Bestimmtheit
      und Geformtheit, das zweite steht für grenzenlose Ausdehnung,
      Unbestimmtheit und Ungeformtheit.
      Das Zusammentreffen und Zusammenwirken der beiden Prinzipien
      manifestiert sich in der Schöpfung als Verbindung von Form und Materie.
      Je niedriger etwas ontologisch steht, desto stärker tritt darin die
      Präsenz des zweiten Prinzips hervor.

      Meinungsverschiedenheiten bestehen darüber, wie Platon das Verhältnis
      der beiden Urprinzipien zueinander aufgefasst hat. Falls er sie
      getrennt denkt, ist er als Dualist
      zu betrachten, falls er sie ineinander zusammenfallen lässt oder das
      zweite Prinzip auf das erste zurückführt und ihm unterordnet, etwa im
      Sinne des neuplatonischen Verständnisses, ist er Monist.

      Während der Zugang zur Ideenwelt als erste Transzendenz
      die Überschreitung der Schwelle von der Erscheinungswelt zum Bereich
      des rein Geistigen bedeutet, erfolgt in der Schau des Einen als zweiter
      Transzendenz die Einsicht in eine Wirklichkeit jenseits der Grenzen der
      Ousia, des unwandelbaren Seins. Begriffe wie „sehen“ oder „Schau“
      sind in diesem Zusammenhang wegen der Unsichtbarkeit der geistigen
      Welt metaphorisch zu verstehen. Es handelt sich um eine Einsicht,
      die Platon als plötzlich eintretend charakterisiert.

      Die Deutung solcher Einsicht im Sinne von Intuition, die ein Teil der
      modernen Forschung befürwortet, entspricht der Auffassung der
      Neuplatoniker, deren Anspruch, die authentische
      Lehre Platons zu vertreten, damit bestätigt wird. Strittig ist aber, ob
      Platon überhaupt eine gegenüber der dialektischen Kunst eigenständige
      Intuition angenommen hat und in welchem Verhältnis die intuitive
      Erkenntnis gegebenenfalls zum diskursiven Prozess steht. Gegen die
      Annahme intuitiver Erfassung der Idee des Guten plädieren Forscher wie
      Peter Stemmer, der eine Beschränkung auf die Dialektik als einzigen
      Erkenntnisweg annimmt und daher Platon eine tiefe Skepsis hinsichtlich
      der Möglichkeit, die Idee des Guten mit Wissen zu bestimmen, unterstellt.
      Ein konsequenter Vertreter der Gegenposition ist Jens Halfwassen, der
      die neuplatonische Lehre von der intuitiven Betrachtung des Einen, die
      eine Selbstaufhebung des dialektischen Denkens voraussetzt, auf Platon
      selbst zurückführt und damit das neuplatonische Platonverständnis
      rehabilitiert. Noch weiter in diese Richtung geht Christina Schefer.
      Sie trägt Indizien für ihre Ansicht vor, wonach im Zentrum von Platons
      Denken weder die geschriebene Ideenlehre noch die ungeschriebene Lehre
      stand, sondern eine „unsagbare“ religiöse Erfahrung, die Theophanie des
      Gottes Apollon. In dieser Platon-Deutung erhält somit auch die ungeschriebene
      Lehre den Charakter von etwas Vorläufigem." (Wiki Artikel zu Platon)

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