Wer kann gut Latein?

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    • Wer kann gut Latein?

      Hallo Leute,

      ich suche jemanden, der ein gutes Latein spricht, und der mir helfen kann, einige Sätze ins Lateinische zu übersetzen. Vorher will ich aber erst einen Satz rückübersetzen ins Deutsche.

      Wenn es etwa heißt: Credo ut intelligam...

      müsste es dann nicht auch heißen: Carpe diem ut intelligam?

      Mir ist der Satz "Nutze den Tag, um zu erkennen" von einer Lateinerin im wissenschaftsforum wie folgt übersetzt worden:

      Carpe diem ut intelligis.... Was ist denn jetzt richtig? Und "mit" Komma vor ut, oder ohne? Habe beide Schriebweisen schon gesehen... Gruß Joachim Stiller Münstr
    • Hi,

      das hier ist richtig : "Carpe diem ut intelligis"

      Wörtlich übersetzt heisst es : "Nutze den Tag, damit du erkennst" und kann damit ohne weiteres zu "Nutze den Tag, um zu erkennen" umgeformt werden.

      "intelligis" ist 2. Person Präsens Indikativ aktiv, wird also mit "du erkennst/verstehst" übersetzt,

      "intelligam" ist 1. Person Präsens Konjunktiv aktiv, wird also mit "ich würde erkennen/verstehen" übersetzt; daraus lässt sich keine um-Komstruktion basteln.

      Meines wissens nach haben die Römer keine Kommas benutzt, aber es ist nicht unbedingt falsch, wenn man Kommas in lateinische Sätze setzt.

      :whistling:

      Grüsse
      Wenn ich denke,
      daß ich nicht mehr an dich denke,
      denke ich immer noch an dich.

      So will ich versuchen,
      nicht zu denken,
      daß ich nicht mehr an dich denke. ( zen )
    • ut verlangt den Konjunktiv

      blabla wrote:

      Hi,

      das hier ist richtig : "Carpe diem ut intelligis"

      Wörtlich übersetzt heisst es : "Nutze den Tag, damit du erkennst" und kann damit ohne weiteres zu "Nutze den Tag, um zu erkennen" umgeformt werden.

      "intelligis" ist 2. Person Präsens Indikativ aktiv, wird also mit "du erkennst/verstehst" übersetzt,

      "intelligam" ist 1. Person Präsens Konjunktiv aktiv, wird also mit "ich würde erkennen/verstehen" übersetzt; daraus lässt sich keine um-Komstruktion basteln.

      Meines wissens nach haben die Römer keine Kommas benutzt, aber es ist nicht unbedingt falsch, wenn man Kommas in lateinische Sätze setzt.

      :whistling:

      Grüsse


      "ut" verlangt, m.W., den Konjunktiv. Somit brauchen wir den Konjunktiv der 2. Person von "intellegere" (einem Verbum der 3. Konjugation (konsonantische Konjugation)): intellegas.

      Somit lautet der Satz:

      "Carpe diem ut intellegas."

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • Geometriker wrote:

      Macky is the best!


      Nutze den Tag, damit (ut) du erkennen mögest.

      Die deutsche Sprache ist sehr verarmt an Konjunktiven.

      Hier noch einer:

      Intellege ut credas, crede ut intellegas.


      "crede ut intellegas" ist Imperativ und 2. Person.

      Der Satz "credo ut intellegam" ist dagegen kein Passiv und 1. Person Singular: er ist nicht befehlend und selbstaussagend. Das ist viel überzeugender als Deine Version!

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • MackyMesser wrote:

      Geometriker wrote:

      Macky is the best!


      Nutze den Tag, damit (ut) du erkennen mögest.

      Die deutsche Sprache ist sehr verarmt an Konjunktiven.

      Hier noch einer:

      Intellege ut credas, crede ut intellegas.


      "crede ut intellegas" ist Imperativ und 2. Person.

      Der Satz "credo ut intellegam" ist dagegen kein Passiv und 1. Person Singular: er ist nicht befehlend und selbstaussagend. Das ist viel überzeugender als Deine Version!

      Macky



      Nun wirds aber grundsätzlich. Differenzieren wir einmal den Römerglauben vom christlichen.
      Frage : War der Glaube bei den Römern ein Imperativ?
      IM Christentum geht man allerdings mit dem Imperativ selbst Gott gegenüber auc nicht zimperlich um? Oder?

      Gott, sei dies und das und schenke uns dies und das. Das ist doch eindeutig auffordernd gemeint?

      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.

      Ist das nun Wunsch oder ein Imperativ : sondern erlöse uns ...?
    • Imperativ im Konjunktiv

      Im - wohlgemerkt - Deutschen sieht es folgendermaßen aus:

      Die indirekte Aufforderung

      Die indirekte Aufforderung ist eine Sonderform der indirekten Rede. Der Aspekt der Aufforderung wird mit den Modalverben sollen oder mögen ausgedrückt. Dabei steht mögen eher für eine Bitte, sollen eher für einen Befehl.

      Sie bittet dich, du mögest/möchtest so schnell wie möglich zurückrufen.
      Die Polizei befahl den Leuten, sie sollen/sollten weitergehen.
      Der Bauer forderte die Spaziergängerin auf, sie solle ihren Hund an die Leine nehmen.
      Sie schrieb ihren Kindern, sie möchten sie öfters besuchen.

      Die Modalverben sollen und mögen können ohne Bedeutungsunterschied im Konjunktiv I Präsens oder im Konjunktiv II Präteritum stehen. Dabei werden die folgenden Formen vorgezogen:
      meistens solle (nicht sollte) in der 3. Person Einzahl,
      meistens möchten (nicht mögen) im Plural.
      Bei den anderen Formen gibt es keine so starke Bevorzugung.


      Quelle: canoo.net/services/OnlineGramm…rb/Modi/Aufforderung.html
    • Joachim Stiller wrote:

      @ Macky,

      bist du sicher? Ich meine, ich will ja nicht sagen: "Nutze den Tag, damit Du erkennen mögest", sondern: "Nutze den Tag, um zu erkennen". Ist das nicht ein Unterschied... Gruß Joachim Stiller Münster


      Ja: "ut" verlangt den Konjunktiv.

      Ich kann es Dir auch auf Griechisch liefern:

      "Ophele (s. Ophelia!) te hemera, hina gignoske"

      Oder auf Hebräisch:

      "Ye´ol ha yom leyada´"

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • ut

      in dem Fall also Konjunktiv!

      Es gibt anscheinend auch einen Google-Translator für Latein :D:translate.google.de/?hl=de&tab=wT#de|la| (ergebnisse sind aber wie erwartet nicht so toll).

      Edit: Die Ergebnisse sind nicht nur "nicht so tol"l, sondern totaler Schrott)
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF

      The post was edited 1 time, last by rob ().

    • MackyMesser wrote:

      blabla wrote:

      Hi,

      das hier ist richtig : "Carpe diem ut intelligis"

      Wörtlich übersetzt heisst es : "Nutze den Tag, damit du erkennst" und kann damit ohne weiteres zu "Nutze den Tag, um zu erkennen" umgeformt werden.

      "intelligis" ist 2. Person Präsens Indikativ aktiv, wird also mit "du erkennst/verstehst" übersetzt,

      "intelligam" ist 1. Person Präsens Konjunktiv aktiv, wird also mit "ich würde erkennen/verstehen" übersetzt; daraus lässt sich keine um-Komstruktion basteln.

      Meines wissens nach haben die Römer keine Kommas benutzt, aber es ist nicht unbedingt falsch, wenn man Kommas in lateinische Sätze setzt.

      :whistling:

      Grüsse


      "ut" verlangt, m.W., den Konjunktiv. Somit brauchen wir den Konjunktiv der 2. Person von "intellegere" (einem Verbum der 3. Konjugation (konsonantische Konjugation)): intellegas.

      Somit lautet der Satz:

      "Carpe diem ut intellegas."

      Macky


      Hi,

      hehe, danke Macky, ein versuch wars allemal wert und ausserdem war ja das zweifel zeichen drunter. :whistling:

      sry Joachim

      Grüsse
      Wenn ich denke,
      daß ich nicht mehr an dich denke,
      denke ich immer noch an dich.

      So will ich versuchen,
      nicht zu denken,
      daß ich nicht mehr an dich denke. ( zen )
    • Zuerst zu dem Satz: "Ich glaube an das Schicksal".

      Besagte Lateinerin übersetzte in:

      Credo ad sortem.

      Sie fügte aber hinzu, dass das Folgende etwas schöner ist:

      Ad sortem credo.

      Mir selber liegt "Credo ad sortem" näher, weil es meines Wissens auch "Credo in uno deum" heißt, und ich hier die Form übernehmen will... Was denkt Ihr dazu? Und was heißt überhaupt "Credo in uno deum" genau? Gruß Joachim Stiller Münster
    • Mich dünkt, oh Joachim, dass Du "Credo ad sortem" aufgrund Deiner Sympathie für eine moderne Satzstellung präferierst. Da eine vergleichsweise synthetische Sprache wie Latein aber wenig bis keine Notwendigkeit für eine rigide Satzstellung benötigt (das ist die Domäne der analytischen Sprachen wie Englisch oder Deutsch), ist es eventuell angemessener, dem Objekt eine höhere Bedeutung, sprich: eine prominentere Stellung im Satz, beizumessen, weswegen Deine Lateinerin mit ihrem Vorschlag wohl gut dabei ist. Im Deutschen würde das sperrig, aber noch immer machbar so aussehen: Das Schicksal ist (es), woran ich glaube.
      "For it is a knell, that summons thee to Heaven - or to Hell!" W. Shakespeare, MacBeth