Grundlegung zur Metaphysik der Sitten - Eine Anknüpfung

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    • Uneinsichtig? Ich bestreite, dass du einen KI präsentiert hast, der von dir tatsächlich als ein KI verteidigt wird.
      Das Schadlosigkeitsprinzip ist gescheitert. Deinen Konsequenzen zufolge fände es willkürliche Anwendung:
      Notausgang 1: Man muss von Fall zu Fall entscheiden. Gott macht keine Vorschriften.
      Notausgang 2: Bestimmte Personen werden - als Kriminelle (und vielleicht noch andere?) - aus der Schadensbilanz gestrichen und zählen nicht.

      Findest du das nicht eigentlich auch inakzeptabel?
    • @ marcus,

      jetzt habe ich micht über Wochen und Monate so in die "negative Ethik" verbissen, dass ich fast drauf hängengeblieben wäre. Der ursprüngliche Text, den ich aber im Parallelthread gepostet hatte, klang da noch ganz anders. Dort stellte ich gleich drei Lösungen für das Normenkontrollproblem auf. Und um das ganze Problem etwas zu neutralisieren, und ihm die Schärfe zu nehmen, möchte ich gerne auf diesen ursprünglichen Text zruückgreifen. Er findet sich inzwischne wieder an Ort und Stelle auf meiner Website/Homepage. Die ersten Einfälle sind doch meistens die besten... Hier der Text zum "Normenkontrollproblem":

      Meines Erachtens gibt es drei Lösungen für das Normenkontrollproblem des KI. Ich habe jedenfalls drei Lösungen gefunden:


      1. Man kann versuchen, die deontologische Ethik mit der teleologischen Ethik zu verbinden. dann gibt man ein positives Kriterium an, nach dem festgelegt ist, was denn das Gute ist , und das Böse nicht ist. Meine eigen Formulierung eines solchen Kriteriums lautet:

      Gut ist allein, was dem Wohle aller dient.

      Der entsprechende KI lautet dann:

      Handle immer nur zum Wohle aller.

      Ich habe diesen Standpunkt, den ich lange Zeit selber vertreten habe, einen Salutarismus genannt.


      2. Man kann versuchen, ein negatives Kriterium anzugeben, nach dem festgelegt ist, was das Böse ist, und was das Gute nicht ist. Ich habe es so formuliert:

      Gott ist allein, was niemandem schadet.

      Der entsprechende KI lautet:

      Handle so, dass Du niemandem schadest.

      Ich habe diesen Standpunkt eine negative Ethik genannt.


      3. Man kann versuchen, die deontologische Ethik, also den KI mit der goldenen Regel zu verbinden. So machen es übrigens die meisten Menschen, allerdings wohl eher aus Unkenntnis des KI. Und trotzdem bin ich der Meinung, dass diese Menschen hier einer ganz richtigen Eingebung folgen.

      Die goldene Regel lautet: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Die erste Formulierung der goldenen Regel in der Geschichte stammt meines Wissens von Thales, und lautet etwa so:

      Tue niemals das, was Du an anderen verurteilst.

      Mir persönlich ist diese Formulierung des "ersten Weisen Griechenlands" sogar sympathischer, als die Versform, weil sie viel kürzer und stringenter ist.

      Es handelt sich herbei natürlich ebenfalls um eine negative Ethik. Ich formuliere:

      Gut ist allein, was man an keinem anderen verurteilt.

      Das läuft am Ende wieder auf die goldene Regel hinaus:

      Tue niemals das, was Du an anderen verurteilst.


      Joachim Stiller Münster, 2012


      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Wenn bei Kant die Vernunft entscheidet, wann ein Widersprch innerhalb der Widerspruchskalküle vorliegt, und wann nicht, dann muss man auch klar das Kriterium angeben, nach dem die Vernunft das entscheidet. Und darum drückt sich Kant herum. Das nenne ich das Normenkontrollproblem... Gruß Joachim Stiller Münster

      Was ist das Kriterium? Nach welchen Kriterien funktioneiren die Widerspruchskalküle? Das ist meine Frage... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Es geht mir nicht darum, Kant um jeden Preis zu retten. Mir liegt aber daran, ihn nicht leichtfertig abgespeist zu wissen. Gerade wenn sich hier mal ein Student einfindet in der Hoffnung etwas aufschlussreiches zu lesen, könnte ihn jene Leichtfertigkeit in die Irre führen. Findet er hier Kritik, dann sollte sie sich stark am Text orientieren und nicht einfach nur ein paar Ideen widerspiegeln, die einem kommen und gefallen, nachdem man den Störig gelesen hat.

      Wann ein Widerspruch vorliegt, "entscheidet" oder erkennt die Vernunft. Man kann nicht beliebig einen Widerspruch konstruieren: "Das Auto hat vier Türen" ist kein Widerspruch zu "Das Auto ist rot." Ich kann aber auch nicht sehen, wie ein Widerspruch durch deine Einfälle deutlicher wird.

      Zu deiner ersten Lösung:
      Sie besagt eigentlich, gut sei, was das Wohl aller befördert. Oder anders: Gut ist, was allen zugutekommt, was für alle gut ist. Dass dieser KI angreifbar und inakzeptabel ist, wurde bereits angesprochen und zeigt sich darin, dass wir gegen jemanden, der in Begriff ist, ein Verbrechen zu begehen, intervenieren ohne dabei sein Wohl, dagegen aber mitunter seinen Schaden im Blick zu haben.
      Und ich wiederhole mich gern: Läuft es auf eine Bilanzierung hinaus, muss das entweder in deinem KI verständlich ausgedrückt oder er muss zurückgewiesen werden.

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