Deutscher Idealismus und analytische Philosophie

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    • byLaszlo schrieb:

      Jörn, warum unterstellst, dass Fliege dies vertritt?:

      Das ist ganz einfach. Das Ziel der Reise steht bei Fliege stets fest, lange bevor es los geht. Über Davidson weiß er nichts. Wie man sieht, versucht er sich gerade krampfhaft was zusammen zu googeln. Ein 5min Davidson. Aber schon im Vorfeld ist klar: Davidson ist ein Idealist. Die Methode ist einfach absurd. So hat er es über die Jahre immer gehalten.

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    • Watt schrieb:

      schade, dass du Davidson jetzt englisch zitieren musst. Meinem verstaubten Schulenglisch traue ich, was philosophische Belange angeht, nämlich nicht über den Weg

      Ich habe leider keine deutsche Quelle. Jörn hat aber einige mehr Bände von Davidson, da könnte der genannte Aufsatz zu finden sein. Der Aufsatz ist in der englischen Ausgabe rund 20 Seiten lang.
      Das 1. Zitat stammt von Seite 1.
      Zitate 2 und 3 etwa von Seite 8.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Jörn, warum unterstellst, dass Fliege dies vertritt?:

      Jörn: Das ist ganz einfach. Das Ziel der Reise steht bei Fliege stets fest, lange bevor es los geht. Über Davidson weiß er nichts. Wie man sieht, versucht er sich gerade krampfhaft sich was zusammen zu googeln. Ein 5min Davidson. Aber schon im Vorfeld ist klar: Davidson ist ein Idealist. Die Methode ist einfach absurd. So hat er es über die Jahre immer gehalten.

      Anstatt andauernd die Position des andere Positionen nur Negierenden einzunehmen, könntest du doch einmal aus deiner Sicht sagen, was Davidson für Positionen vertritt, wo du ihn zuordnest usw. .

      Woher willst du wissen, dass Fliege über Davidson nichts weiß ? Du solltest solche Aussagen immerhin ebenfalls anhand von inhaltlichen Aussagen belegen.
    • Donald Davidson, in subjektiv, intersubjektiv, objektiv schrieb:

      Abhandlung 10 (»Eine Kohärenztheorie der Wahrheit und der Erkenntnis«) wurde 1981 geschrieben, also früher als die neun bisher genannten Artikel. Keine andere Arbeit, die ich veröffentlicht habe, würde ich lieber neu schreiben als diese. Sie hat verständlicherweise viel Kritik auf sich gezogen, und das ist der Grund, weshalb ich sie hier unverändert abdrucke. Jedenfalls habe ich diesen Aufsatz, seit er verfaßt wurde, im Grunde immer wieder umgeschrieben.
    • Jörn zitiert Davidson schrieb:

      Abhandlung 10 (»Eine Kohärenztheorie der Wahrheit und der Erkenntnis«) wurde 1981 geschrieben [...]

      In seiner "11. Vorlesung: 23. Juni 2009" zum Thema "Mensch und Welt" nimmt Wolfgang Welsch (S. 54) eine Version dieses Aufsatzes von 1983: "'A Coherence Theory of Truth and Knowledge' [1983], in: Reading Rorty: Critical Responses to Philosophy and the Mirror of Nature (and Beyond), hrsg. von Alan R. Malachowski, Oxford: Blackwell 1990, 120-138, hier 120 f."
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Jörn schrieb:

      Er [Davidson] selbst ist an vielen Stellen ein scharfer Selbstkritiker.

      Falls du doch noch geneigt sein solltest, uns entsprechende Einblicke zu geben (eventuell hinsichtlich zweier, dreier Stationen betreffs Realismus, Antirealismus und dritter Weg, eventuell anhand seines Wahrheitskohärenzaufsatzes), wären wir dir nicht undankbar.
      Es wäre dann auch angezeigt, dass du Wolfgang Welsch eine entsprechende Mail schickst, damit er sein aktuelles Vorlesungsmaterial auf den neuesten Stand bringen kann.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).

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    • Fliege schrieb:

      Falls du doch noch geneigt sein solltest, uns entsprechende Einblicke zu geben

      Mein Thema mit dir ist dein Verfahren hier. Sonst nichts. Darüber bin ich zu sprechen geneigt. Und zwar solange, wie du diese Methode versuchst, bei welchem Philosophen auch immer.

      Falls sich allerdings eine Handvoll User finden, die bereit sind ohne Vorverurteilung und offen einen Lesethread (vielleicht per PN oder E-Mail) zu machen, würde ich mich mehr als freuen - möglich wäre auch, einen privaten Blog zu eröffnen!

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    • Anstatt andauernd die Position des andere Positionen nur Negierenden einzunehmen, könntest du doch einmal aus deiner Sicht sagen, was Davidson für Positionen vertritt, wo du ihn zuordnest usw. .
      schade ist nur, lieber Watt,

      dass Jörn (unter uns) allein nur Fliege zu verstehen zutraut, was er (Jörn) über und von
      Davidson weiß, wenn nur Fliege bereit wäre sich auf Davidson (und Jörn) einzulassen.

      Für mich gesprochen: Jörn spürt sehr richtig, dass ich dazu nicht versiert genug wäre
      und Wollen alleine reicht nicht.

      Und: Fliege will sich nur auf Jörn's Davidson nicht einlassen. Und da verstehe ich Fliege.

      Für Jörn ist es nämlich möglich, sich "rein" objektiv, ohne Selbstbeteiligung auf etwas
      (oder auf jemanden) einzulassen......womit wir genau beim Thema wären: Deutscher
      Idealismus und analytische Philosophie.
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • Von rein objektiv (was immer du damit meinen könntest) war gar nicht die Rede. Es gibt da vielleicht aber noch was anderes als totale Einseitigkeit und Vorverurteilung und übrigens auch ganz bewusste Falschdarstellung wie bei Fliege. (siehe zum Beispiel den Punkt "Lebenswelt" von dem Fliege sprach, als seis ein wirklicher Davidsonscher Begriff, was schlicht und ergreifend eine bewusste Irreführung war.)

      dass Jörn (unter uns) allein nur Fliege zu verstehen zutraut, was er (Jörn) über und von Davidson weiß, wenn nur Fliege bereit wäre sich auf Davidson (und Jörn) einzulassen.
      Wie gesagt: ich würde nichts lieber machen als einen Davidson-Thread, allerdings auf keinen Fall mit einem Troll.

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    • Jörn schrieb:

      Wie gesagt: ich würde nichts lieber machen als einen Davidson-Thread, allerdings auf keinen Fall mit einem Troll.

      Fang an und ich mische mich nicht ein. Das ist zwar kein Versprechen gemäß anal-Phil, aber ich mische mich trotzdem in dann diesen deinen Thread nicht ein.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Jörn: Wie gesagt: ich würde nichts lieber machen als einen Davidson-Thread, allerdings auf keinen Fall mit einem Troll.
      Fliege als Troll zu bezeichnen ist einfach daneben.

      Der wievielte Thread ist es, Jörn, in dem du die immer selben personenbezogenen Unterstellungen Richtung Fliege vom Stapel lässt ? Also: Wer ist hier eigentlich der Troll...?
    • Karl Ameriks und Jürgen Stolzenberg, Einleitung - Deutscher Idealismus und die analytische Philosophie der Gegenwart (Fortsetzung):
      Die Beziehung zwischen Kant und Fichte steht auch im Zentrum der Beiträge von Stephen Darwall und Christian Klotz, nun mit Bezug auf die grundlegenden Gedanken ihrer Beiträge zur praktischen Philosophie. Unter dem Einfluß von John Rawls wurde im letzten Viertel des des zwanzigsten Jahrhunderts in allen Zentren der analytischen Philosophie wieder ein außerordentlich starkes Interesse an Kants ethischem System wach. Wenn angelsächsische Philosophen sich nach einer gegenwärtigen systematischen Ergänzung oder gar Alternative zu Kant umsehen, fällt ihre Wahl meist auf einen Denker der Humeschen Tradition. Die systematischen Bemühungen Stephen Darwalls, das Beste von Kant und Hume in einem weiten Rawlsschen Theorierahmen miteinander zu verknüpfen, sind weithin bekannt; in seinem Beitrag jedoch stellt Darwall die überraschende und nachdrückliche Forderung auf, die Einsichten Kants seien vor allem durch diejenigen Fichtes zu ergänzen. Die Notwendigkeit einer solchen Ergänzung ergibt sich aus der prinzipiellen Schwierigkeit, Gründe anzugeben, warum der Handelnde die anspruchsvolle Sichtweise der Kantschen Moral sich zu eigen machen soll. Ein dogmatisches Akzeptieren des Moralgesetzes als etwas schlicht Gegebenes scheint im Widerspruch zu Kants eigenem zentralen Begriff der Autonomie zu stehen; das Verfahren aber, das Gesetz aus allgemeinen Betrachtungen der praktischen Vernunft ableiten zu wollen, scheint ebenfalls unzureichend – wie Kant es selber in der zweiten Kritik zuzugeben scheint, wo er rückblickend die Schwächen der Argumentation des dritten Abschnitts der Grundlegung im Auge hat. Nach Darwall findet sich in Fichtes Grundlage des Naturrechts eine tragfähigere Begründung für die Anerkennung des Moralgesetzes. Das diesbezügliche Argument betrifft die Selbstbestimmung, die hier weiter gefaßt wird als unser bloßes Vermögen, Ziele zu setzen – was den Ansprüchen der Moral nicht genügen würde. Es betrifft das spezifische Vermögen, sich nach einem Gesetz zu richten, dessen Gültigkeit man für sich selbst als einer Person mit einem freien und vernünftigen Willen unter anderen Personen anerkennt. Nach Fichte wird man sich seiner Handlungskompetenz in diesem starken Sinne bewußt, wenn man eine Aufforderung erfährt, bei der man sich selbst [S. 5] nicht als jemanden versteht, für den Gründe leitend sind, die nur auf einen selber als handelnde Person bezogen sind, sondern als Partner in einer Beziehung, die unter der Perspektive der zweiten Person steht. Indem Handelnde in eine solche Beziehung eintreten, betrachten sie sich wechselseitig als freie und vernünftige Wesen und folglich als Wesen, die einem gemeinsamen normativen Prinzip unterworfen sind, das unabhängig von den Wünschen eines jeden einzelnen Handelnden ist. Diese wechselseitige Anerkennung ist Darwall zufolge gleichbedeutend mit der Anerkennung des Fichteschen Prinzips des Naturrechts, und desweegn kritisiert Darwall auch Stellen, in denen Fichte dieses Prinzip mittels (inkohärenter) voluntaristischer Interpretationen von Pflicht zu stützen scheint.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Ähnlichen Fragen geht Christian Klotz nach, indem er Fichtes Text als eine Grundlage dafür untersucht, Aussagen der Philosophie des Geistes bezüglich der Identität des Selbst mit Aussagen der praktischen Philosophie hinsichtlich der Anerkennung des normativen Forderungen der Kantischen Ethik zu verbinden. Hierfür sind der Schlüsseltext Fichtes Vorlesungen zur Wissenschaftslehre nova methodo (1796). Der Schlüsselbegriff ist der der praktischen Identität, ein Konzept, das in analytischen Kreisen durch die neueren Arbeiten von Harry G. Frankfurt, Christine Korsgaard und anderen bekannt geworden ist. Was immer Philosophen über die dem Menschen zugrundliegende metapysische Natur zu sagen haben, so konstituieren sich die Menschen im alltäglichen Leben dadurch, daß sie sich eine bestimmte Form von volutativer Identität zu eigen machen, das heißt, eine Form des Selbst, das sie sein wollen und das sie zu realisieren streben. Fichtes Überlegungen enthalten Vorschläge, wie die Anerkennung von normativen Forderungen im Sinne der Kantschen Ethik als notwendige Bedingung dafür gelten kann, daß ein vernünftig Handelnder sich diese Art von Identität für sich selbst auf Dauer zu eigen machen kann. Obwohl Klotz seine Aufmerksamkeit auf einen anderen Text richtet, sucht er nach einer Lösung desselben Rätsels, das auch Darwall beschäftigt, des Rätsels, wie man die Kantschen Normen der Achtung gegenüber Mitmenschen als zwingend erscheinen lassen kann, und dies auf einer Basis, die sicherer und klarer ist als all' das, was in Kants eigenen Argumentationen explizit entwickelt worden ist. Die von Klotz wie die von Darwall herangezogenen Texte Fichtes betonen den besonderen Charakter der Erfahrung, eine Aufforderung in einer konkreten Situation anzuerkennen sowie die Tatsache, daß dies mehr ist, als bloß allgemeine Vernunftregeln anzuerkennen.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Die Beiträge von Robert Brandom, Thomas Auinger und Bill Bristow kehren zu den anfangs von John McDowell aufgeworfenen epistemologischen Fragen und der Beziehung Kant – Hegel zurück. Brandom präsentiert eine tiefschürfende systematische Rekonstruktion und Würdigung einer pragmatischen Interpretation von Hegels rationalem Holismus. So weist er darauf hin, daß Kantianer sich bisher so sehr auf das Problem der Deduk- [S. 6] -tion reiner Verstandesbegriffe konzentriert haben, daß die spezifische Natur normaler empirischer Begriffe und deren Beziehung zu den rein logischen Begriffen vernachlässigt worden ist. Nach Brandoms Hegel-Interpretation sind die empirischen Konzepte gegenüber dem, was die Sinne liefern, immer unzureichend, und dies in dem Sinne, daß bei jeder Menge von bestimmten empirischen Begriffen von einer 'notwendigen Instabilität' und nicht nur von einer 'Unausschöpflichkeit' aller finiten Mengen empirischer Urteile die Rede sein muß. Dies ist nach Brandom Pessimismus, kein bloßer Fallibilismus, denn es besagt, daß im Gang der Hegelschen Untersuchung neue Begriffssysteme notwendigerweise aufeinander folgen, und zwar in dem Maße, wie die Irrtümer früherer Systeme ans Licht kommen. Dies ist auch kein Skeptizismus, denn der Prozeß kann, als Ganzes gesehen, durchaus als wahr bezeichnet werden, und zwar in einer 'Bewegung', die kontinuierlich zu 'richtigeren' Aussagen gelangt, eben weil die Systeme empirischer Urteile sich eines nach dem anderen auflösen. Brandom kritisiert sodann Hegels weitere Behauptungen, daß rein logische Begriffe im Gegensatz zu empirischen Begriffen in eine endgültige und vollständige Form gebracht werden können und daß rein logische Begriffe – hierin empirischen Begriffen ähnlich – nur mit Blick auf ihre Entstehung verstanden werden können.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Thomas Auinger weist zunächst darauf hin, daß in Brandoms wie auch in McDowells Hegel-Auffassungen ein von Kant inspirierter Gedanke Sellars zu finden ist, daß nämlich unsere gesamte Wahrnehmungserkenntnis bereits angeeignete konzeptuelle Kompetenzen voraussetzt. Brandom geht indessen weiter als Sellars und McDowell, wenn er en détail ausführt, daß diese Fähigkeiten nicht nur durch Sprache, sondern auch durch spezifische Aspekte unserer sozialen und historischen Entwicklung determiniert werden. Solche Behauptungen mögen an den klassischen amerikanischen Pragmatismus erinnern, Auinger argumentiert jedoch dafür, daß Brandoms eigene Position die instrumentalistische Orientierung nicht teilt, die ausschließlich auf die Befriedigung schon bestehender Wünsche zielt und gängigerweise mit Pragmatismus assoziiert wird. Darüber hinaus übernimmt Brandom von Hegel zentrale Aspekte des historischen Monismus und Hegels Konzept von absoluter Erkenntnis. Unsere Erkenntnis schließt nämlich auf jeder Stufe normative Ansprüche ein, deren Status am Ende nicht auf transzendentale Bedingungen rein Kantischer Prägung beruht, sondern auf konkreten Bedingungen der Anerkennung, die durch gesellschaftliche Institutionen gegeben wird. Diese letzteren Bedingungen sind in einer progressiven Struktur eingebettet, welche frühere konzeptuelle Perspektiven umgreift. Hegels Idealismus entpuppt sich nach dieser Interpretation als eine geglückte, evolutionäre Form eines 'sozialen Realismus'.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Bill Bristow liefert eine passende Ergänzung zu Auingers Überlegungen, indem er historische Betrachtungen Hegelscher Art anwendet, um die Arbeit von John McDowell, Brandoms Kollege in Pittsburgh, zu würdigen. Bristow [S. 7] faßt die unterschiedlichen Vorgehensweisen Hegels und McDowells bei ihren Bemühungen zusammen, eine Alternative zu den üblichen gegenwärtigen Antworten auf den Skeptizismus zu finden. McDowell erinnert uns zunächst, in Anlehnung an Wittgenstein und ohne die Geschichte groß zu bemühen, an die fragwürdigen Grundannahmen der typisch skeptischen Position. Sodann zeigt er, daß die Mißverständnisse des Skeptikers bezüglich der Grundbeziehung zwischen Geist und Welt nicht nur ausgeräumt, sondern auch ersetzt werden können, und zwar durch eine im weitesten Sinne Kantische Auffassung unserer Erfahrung, die von vornherein als konzeptuell und weltorientiert zu verstehen ist. Mit einem Seitenblick auf die Geschichte präsentiert dann McDowell eine im Prinzip Aristotelische und Hegelsche Auffassung unserer Natur als 'zweiter Natur', d. h. als ein Sache der Bildung. Da wir immer schon Teil einer uns prägenden Tradition sind, haben wir auf eine unreflektierte Weise die Plausibilität von Gründen angenommen und eine Beziehung zur Welt hergestellt, die nicht als kausale Reaktion zu irgendwelchen Größen, die von der Naturwissenschaft definiert werden, verstanden werden darf. Dagegen wendet Bristow jedoch ein, daß McDowells Ausführungen zum Trotz uns das Gefühl des Befremdens und der Verwirrung angesichts der Tatsache nicht verläßt, daß die Geschichte der Philosophie uns so lange in einer Situation gelassen hat, von der aus der Skeptizismus durchaus natürlich und unwiderlegbar erscheinen konnte. Hilfreicher ist hier nach Bristows Meinung Hegels Phänomenologie des Geistes, und zwar wegen ihrer teleologischen Epistemologie, das heißt, der von ihr entworfenen rationalen Erklärung, wie die einzelnen Stufen unserer skeptischen Vergangenheit – die zu detailliert und tiefgreifend beschrieben werden, als daß sie nur als eine elitäre Empfehlung, sich Bildung angelegen sein zu lassen, gemeint sein könnten –, einen wesentlichen Teil der eigentümlichen Entwicklung der aufgeklärten Vernunft selbst bilden. Auf diesem Weg gelangen wir dazu, den traditionellen Skeptizismus als Teil unseres eigenen Bildungshintergrundes, als Teil unseres Selbst, aufzufassen, und nicht nur als eine fremde Vergangenheit, die man ein für allemal hinter sich läßt.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • im Zitat Nr. 76 kommt der Begriff einmal
      verneinend ("das ist kein Skeptizismus") und dann
      im 78 als eine sich durchhaltende philosopische Position vor.

      Ist hier die erkenntnistheoretische Skeptizismus, Kant und die
      Neukantianer gemeint? Also Skeptizismus gegenüber Metaphysik?
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • byLaszlo schrieb:

      Ist hier die erkenntnistheoretische Skeptizismus, Kant und die Neukantianer gemeint? Also Skeptizismus gegenüber Metaphysik?

      Die Darstellung von Brandoms Hegel-Anmerkungen in der Bucheinleitung kommt mir auch etwas wirr vor. Ich werde mir Brandoms Aufsatz zu Gemüte führen, um dann näheres dazu sagen zu können.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).