Kants Transzendentalphilosophie und der Idealismus

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    • Kants Transzendentalphilosophie und der Idealismus

      Schema des transzendentalen Idealismus

      Das "Schema des transzendentalen Idealismus" stammt von Nicolai Hartmann (Einführung in die Philosophie; 1. Auflage, 1949; Abbildung aus 4. Auflage, 1956, S. 49).
      In der Darstellung kann das eine "empirische Subjekt" um weitere "empirische Subjekte" vermehrt werden, die nach Kants Auffassung alle durch dieselben "Raum, Zeit, Kategorien" mit einem "empirischen Objekt" verklammert sind.

      1. Transzendentaler Idealismus:
      Anzumerken ist, dass der Pfeil vom "empirischen Objekt" zum "Ding an sich" nicht Kants Auffassung entspricht, der die Unerkennbarkeit der Dinge an sich annimmt.
      Bei allen idealistischen Auffassungen (einschließlich der Kants) ist dieser Pfeil gänzlich zu streichen (von mir korrigierte zweite Abbildung), denn mit diesem Pfeil wandelt sich das Schema in die Darstellung einer realistischen Auffassungsvariante von Erkenntnis.

      Nun lassen sich aus dem (korrigierten) Schema weitere idealistische Auffassungen entwickeln.
      2. Objektiver Idealismus: Entfernung von "Ding an sich" und Affektionspfeil.
      3. Subjektiver Idealismus: Entfernung von "Ding an sich" und Affektionspfeil; Entfernung von "transzendentalem Subjekt" bei Privatisierung von "Raum, Zeit, Kategorien".
      4. Solipsismus: Isolierung von "empirischem Subjekt" durch Entfernung aller sonstigen Bestandteile.

      Unterabteilungen bei 1., 2. und 3. sind möglich.
      A. Sprachphilosophische Idealismusvarianten: Ersetzung von "Raum, Zeit, Kategorien" durch "Sprachspielregeln".
      B. Soziologische Idealismusvarianten: Ersetzung von "Raum, Zeit, Kategorien" durch beispielsweise "ökonomische Verhältnisse", "Rollenspielregeln" oder "Systemregeln".
      C. Geschichtliche Idealismusvarianten: Ersetzung von "Raum, Zeit, Kategorien" durch beispielsweise "Geschichtlichkeit".
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      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).

      The post was edited 1 time, last by Fliege ().

    • Indem Du die gestrichelten Pfeile entfernst, beraubst du der Kant'schen Sache doch einen Großteil ihres Anliegens, oder nicht? Das Schema ohne diese Pfeile sieht für mich viel mehr nach naivem(?) "Realismus" aus (Ding, Pfeil, Erkenntnis... fertig). Es ist doch gerade (auch) ein Kant'scher Clou, dass die "Realität" eine vermittelte, empirische ist; eine gestrichelte, begrenzte, transzendental- relative Realität gewissermaßen; ein lichtdurchlässiges Gewebe. Und genau dafür finde ich diese Pfeile wichtig.
      Die kannst Du nicht einfach entfernen =) - in ihnen liegt doch auch das Konstruktive, der Eigenanteil an der "empirischen Realität" - der so zufällig zufällig (Wiederholung beabsichtigt) genau dem entspricht, was erscheint (Experten mögen mir für meine wahrscheinlich sehr unkluge Wortwahl verzeihen).

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    • echtjetzt:
      Es ist doch gerade (auch) ein Kant'scher Clou, dass die "Realität" eine vermittelte, empirische ist; eine gestrichelte, begrenzte, transzendental- relative Realität gewissermaßen; ein lichtdurchlässiges Gewebe. Und genau dafür finde ich diese Pfeile wichtig.

      Die "Realität" (vermittelt, empirisch) befindet sich dargestellt im transzendentalen Subjekt als "empirisches Objekt". Dieses empirische Objekt sagt nichts über das Ding an sich aus, von dem eine Affektion herrührt (weshalb ich den Pfeil nach draußen zum Ding an sich entfernt habe).
      Kant (KrV, B 332-333): "Was die Dinge an sich sein mögen, weiß ich nicht, und brauche es nicht zu wissen, weil mir doch niemals ein Ding anders als in der Erscheinung vorkommen kann."
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).