KrV - Rekonstruktion - 004 - §3 Transzendentale Erörterung des Raum-Begriffs

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    • KrV - Rekonstruktion - 004 - §3 Transzendentale Erörterung des Raum-Begriffs

      Kant sagt:
      1. "Der Raum ist ... die Form aller Erscheinungen äußerer Sinne" (KrV, B 42).
      2. "Der Raum ist ... die subjektive Bedingung der Sinnlichkeit" (KrV, B 42).
      Demnach ist die Form eine subjektive Bedingung von Erkenntnis. Denkt man sich die Form als subjektive Bedingung weg, gibt es keine Erkenntnis.
      (Anmerkung: Soweit ist Kants Gedankengang nicht weiter problematisch, denn er sagt bloß, Erkenntnis wird von einem Subjekt erzeugt.)

      Nun fügt er an: "Weil wir ... [subjektive] Bedingungen ... nicht zu Bedingungen der Möglichkeit der Sachen ... machen können, so können wir wohl sagen, daß der Raum [die Form] ... nicht ... Dinge an sich selbst [befasse]" (KrV, B 43).
      Er hält es also für unmöglich, Erkenntis über objektive Sachen (Dinge an sich selbst) aufgrund subjektiver Bedingungen zu erlangen.

      Warum hält Kant das für unmöglich?
      Dazu sagt er, nur wenn die Form an den angeschauten "Gegenständen selbst haftete" (KrV, B 42), wäre Erkenntis von objektiven Dingen an sich selbst möglich (was der Empirismus annimmt).
      Kant formuliert das negativ: "Der Raum ... ist keine Bestimmung derselben [der objektiven Dinge an sich], die an Gegenständen selbst haftete, und welche bliebe, wenn man auch von allen subjektiven Bedingungen der Anschauung abstrahierte" (KrV, B 42).

      Kant übernimmt also eine fundamentale empiristische Annahme über den Zusammenhang von sinnlicher Anschauung und Objektivität, wonach nur die sinnliche Anschauung in Betracht kommt, um Objektivität zu ermöglichen. Aufgrund dieser empiristischen Annahme meint Kant nun, da die sinnliche Anschauung aber keine Formen liefert (KrV, B 38: "Der Raum ist kein empirischer Begriff, der von äußeren Erfahrungen abgezogen worden."), können diese Formen auch nicht von objektiven Dingen an sich selber handeln. Das heißt, es gibt keine Objektivität bezüglich der Dinge an sich.
      Bei Kant hört sich das so an: "Das Ding an sich selbst [wird] dadurch gar nicht erkannt, noch [kann es] erkannt werden" (KrV, B 45).
      (Anmerkung: Ist die empiristische Annahme falsch, nur die sinnliche Anschauung könne Objektivität gewährleisten, dann geht Kant in seiner Erkenntnistheorie von einer falschen Annahme aus, aus der sich gerade sein Antirealismus speist.)
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • KrV - Rekonstruktion - 004 - §3 Transzendentale Erörterung des Raum-Begriffs

      Kant hat das so veranschaulicht, dass er gesagt hat, dass man von einem Haus erst die Wände und dann das Dach wegdenken kann, und alles Übrige, was zum Haus gehört. Wenn man alle Elemente des Hauses weggedacht hat, dann bleibt ja keins mehr übrig. Also das Haus ist weg. Übrig bleibt nur der Raum, den aber kann man nicht weggdenken. Damit hat er bewiesen, dass der Raum die formale Strucktur des Gehirnes ist, in der selbst alle Vorstellungen durch den Verstand verknüpft werden, sodass jede Verknüpfung einen anderen Gegenstand ergibt, den man benennt und der Vielfalt der Welt beizählt, nur, dass die Buchstabenexperten es rückwärts wieder aufzufädeln versuchen, indem sie meinen, ein zweites System in den Texten beispielsweise der Bibel zu finden, das aber geht schief, denn sie verheddern sich in ihrer eigenen Genialität, man solte die Bibel einfach so lesen, wie auch jedes andere Prophetische Werk, an dem bestimmt erleuchtete Seelen geschrieben haben, die nicht nach Buchstaben gerechnet haben. Man kann ja auch mit Buchstaben keine Liebe erzeugen. Die Liebe braucht keine Buchstaben, sie ist dadurch sogar etwas eingeschränkt. Nehmen wir einmal den Begriff Gott. Was ist in Gott enthalten? Da nichts größer ist als Gott, und wenn ja, dann wäre eben dieses, was größer ist als Gott, eben derselbe Gott, welcher Vorgang hier auch nur eine Verschiebung zweier nicht zusammenpassender Halberkenntnisse ist, nun , was ich sagen will, ist, dass, wenn Gott dasjenige ist, was alles umfasst, dann ist alles, was existiert, von Gott. Nun aber müsste man, um Gott zu beweisen, das, was existiert, zunächst als Anteile von ihm betrachten, und davon gibt es so viele, dass man sie gar nicht zählen und einordnen kann, man müsste daher alle Anteile zusammenführen, in ein schlüssiges Ganzes bringen, dass sie wechselseitig bedingt und ein Problem aufklärt, nämlich die Frage danach, ob Gott existiert, aber genau diese Frage stellt er sich ja selbst, und will von einem, der er selbst ist, die Antwort haben, aber begrifflich gesehen, sind in dem Wort Gott alle Begriffe der Welt enthalten. Sie sind ihm alle "untergeordnet", weil sie nur Teile von ihm sind, alle Teile zusammen aber sind Gott, nur, wenn sie alle zusammen sind, ist Gott nicht mehr in einer relativen Position zu sich selbst, er scheint etwas zu ahnen. Und diese Ahnung ist die Erlösung, welche genannt werden kann als die Aufhebung eines Grundkonfliktes, der aus der Verstrickung mit sich selbst, ach, lassern wir das.
    • Auch wenn dieser Thread schon 4 Jahre alt ist, ist es sicher nie zu spät auch darauf zu antworten.

      Kants Erkenntnistheorie steht und fällt mit dem Verständnis vom Raum. Wäre der Raum tatsächlich eine Vorstellung a priori, so wie Kant es darstellt, würde seine Analyse korrekt aufgehen. Das Dumme ist nur, Kants Vorstellung war leider (hier muss man wirklich sagen "leider") falsch. Der Raum ist eine Vorstellung a posteriori, ist ein Produkt der Wahrnehmung.

      Wer darüber diskutieren oder nachdenken mag, dem empfehle ich zuerst einen Blick darauf zu werfen, worauf sich Kants Fokus der Wahrnehmung legt. Er selbst verwendet gern den Begriff Anschauung. :)
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Wenn du die Natur beherrschen willst, mein lieber Adson, musst du zuerst lernen ihr zu gehorchen. (aus Der Name der Rose)
    • iselilja wrote:

      Auch wenn dieser Thread schon 4 Jahre alt ist, ist es sicher nie zu spät auch darauf zu antworten.

      Das Kant-Projekt ist zur jederzeitigen Beschäftigung mit Kant an prominenter Stelle im Forum eingerichtet. Deswegen ist eine Pause von vier Jahren kein Problem ;-).
      "Ein wackerer Engländer vermisst an den Deutschen Feinheit des Verständnisses, ja wagt zu sagen, der deutsche Geist scheint etwas Verbogenes, etwas Stumpfes, Ungeschicktes und Unglückliches zu haben" (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874).
    • iselilja wrote:

      Auch wenn dieser Thread schon 4 Jahre alt ist, ist es sicher nie zu spät auch darauf zu antworten.

      Kants Erkenntnistheorie steht und fällt mit dem Verständnis vom Raum.


      Was veranlasst Sie zu sagen, dass Kants Erkenntnistheorie mit seinem Verständnis des Raumes "steht und fällt"?

      iselilja wrote:


      Wäre der Raum tatsächlich eine Vorstellung a priori, so wie Kant es darstellt, würde seine Analyse korrekt aufgehen. Das Dumme ist nur, Kants Vorstellung war leider (hier muss man wirklich sagen "leider") falsch. Der Raum ist eine Vorstellung a posteriori, ist ein Produkt der Wahrnehmung.


      Was sind dafür Ihre Gründe?

      Wie kommen Sie dazu?! Deutschland ist das Volk der Dichter und Denker. Stimmt das, was Sie sagen, dann sind die Deutschen höchstens noch das Volk der Dichter!

      iselilja wrote:


      Wer darüber diskutieren oder nachdenken mag, dem empfehle ich zuerst einen Blick darauf zu werfen, worauf sich Kants Fokus der Wahrnehmung legt. Er selbst verwendet gern den Begriff Anschauung. :)


      Und was hat es mit der Anschauung auf sich?!

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • in der Hoffnung, dass es Recht ist, wenn ich hier weiter mache:

      Anschauungen und Begriffe sind Arten von Vorstellungen. Kant trennt Anschauung und Begriff.

      Raum ist das „Worinnen“ (KrV B34) sich die Empfindungen ordnen lassen.Das Worinnen ist kein Begriff, aber auch Vorstellung, was für eine? –Anschauung. Formen der Sinnlichkeit nennt Kant auch reine Anschauungen (B 35).
      Raum ist die Form des äußeren Sinns, ein äußerer an ein Objekt angehafteter Sinn (unmittelbare Anschauung) . Raum ist Mannigfaltigkeit, er schließt unendlich Vieles ein, er hat unendlich Vieles in sich (siehe auch Beitrag Esprit), a priori geometrische Formen. Alles lässt sich in geometrische Formen zerteilen, ist also gegeben. Damit wird Allgemeingültigkeit und somit Wissenschaftlichkeit möglich. Damit man nicht im Empirismus und somit in der Subjektivität versinkt, muss es Objektivität nach Kant geben und nicht nur Vorstellungen a posteriori.

      Man kann ja immer andere Theorien herbei holen, aber wenn man sich auf Kant einlassen will, muss man a priori mitdenken. – Und da wir das heute immer noch eingepaukt bekommen, kann er ja nicht so falsch gelegen haben. :) Sonst müssten wir auf Hume zurückfallen, oder im Idealismus ankommen, aber wir sind hier im Kantthread.

      The post was edited 1 time, last by agila ().

    • "Raum" verstehe ich "als Begriff" sinngemäß als "zusätzliche Qualität" zu den "eigentlichen" Vektoren "der Zeit" .
      Denn wie oben zitiert sei Erfahrung "die Ur - Sache" :
      also letztlich "der Denkökonomie" .
      Insofern sei Kant's System zwar "in sich ästhetisch" -,
      aber eben unter der Hypothese "eines Sinn"es .
      Und hier begänne m.E. "die" Diskussion :
      sei "Sinn" nur "subjektiv" -,
      oder "real" -,
      oder aber gäbe es einen Mehrwert :
      also "eine reale Erfahrung" ?
      … ?
      Aber ich bin der Meinung ,
      daß schon hierin die Ironie seines Systemes deutlich würde :
      "ästhetische Systeme" gelten zwar auch heute ( wieder ) als "Sinn an sich" -,
      aber hegen m.E. den Mangel "einer Freiheit" :
      also ( "logisch betrachtet" ) "Zeit minus Sinn" .
      Aber eben DAS "sei" nun "Sinn" :
      "keine subjektive Zeit" zu haben .
      Aber : DARF ich überhaupt "über das IST" nachdenken ?
      reguläre Phrasen
    • Was sei heutzutage nicht "reines Industrieprodukt" -,
      sondern "tatsächlicher Sinn" ?
      Welcher "Raum" sei noch "relevant" -,
      aber sei dennoch nicht "abstrakt" :
      sei also "noch kein Wert" -,
      sondern "sei ein Raum" :
      sei also "die Welt vor mir" ?
      … ?
      Aber "wann sei ich" :
      sei ich eine Idee ?
      Oder sei ich selbst ein Raum ?
      Oder "sei ich Herr" :
      sei ich also "frei" ?
      Nun , heutzutage "ist" man durch seine zahllosen digitalen Helferlein "in sich frei" -,
      aber "was" sei man "objektiv" :
      sei man "faktisch" selbst nur noch digital" -,
      "im digitalen Raum" :
      also "im binären System" ?
      "Kann" man nur noch gehorchen -,
      oder verzweifeln ?
      Kann man das überhaupt noch "wahr" nehmen ?
      Oder "ist" man bereits "ein Avatar" :
      also "ein unbegrenzter Raum" im Sinne Kant's ?
      reguläre Phrasen
    • Welche Eigenschaften darf man also ( "frei nach Kant" ) noch "haben" ?
      Darf man "eine ( "grammatische" ) Person sein" -,
      oder dürfte man "ein Buch halten" -,
      oder "könnte" man "die Ehre fürchten" ?
      Bitte !
      :D
      Ja , Herr !
      :D
      "Das religiöse Paradoxon" der "eigenen Redundanz" definiert sich m.E. letztlich "nur" aus Respekt -,
      "vor dem Raum" :
      also aus der Differenzierung des Begriffes ( "des Raumes" ) "über" das mathematisch - Vorstellbare hinaus "in Entscheidungen" -,
      und "entsprechend Bewußtsein" :
      also "einer" Seele .
      Und in diesem Konstrukt sehe ich den Unterschied zwischen subjektiver Person "und objektivem Recht" :
      also "dem Guten" .
      Aber hier eröffnet sich m.E. "das" zentrale Paradoxon : "sei alles bio gleich" ?
      "Logisch" : "Ja" .
      Aber "transzendent" :
      gäbe es "auch Sinn" .
      Insofern haben "wir" es also schon einmal geschafft ,
      den Bogen "von God" zu "einem Wesen" zu schlagen :
      also "die" Logik "von der Ökonomie" zu lösen -,
      und also überhaupt erst "Sinn" definieren zu können :
      also "etwas Nützliches" -,
      statt "etwas Gutem" .
      Dürfen wir das ?
      … ?
      Sei das "nur eine religiöse" Frage -,
      oder aber gäbe es auch "ein Recht auf Erfahrung" :
      also nicht nur "auf ein bewußt Sein" -,
      sondern auch "auf eine offene Zeit" ( s.o. ) -,
      und auch "auf eine Idee" :
      also "auf den Raum" ?
      reguläre Phrasen
    • Aber natürlich könnte man auch "einen utopischen Raum konstruieren" :
      also eine Kongruenz von "Sinn" und "Idee" und "Möglichkeit" voraus setzen -,
      und aus "d(ies)em digitalen Sinn"
      ( also "dem Un - Raum" :D )
      "ein perpetuum Mobilé" des "gesellschaftlichen Konsens" entwickeln .
      Was "ist das" ?
      … ?
      Ganz einfach :
      einfach "keine Konsum - Produkte" -,
      sondern "gestaltender Sinn" .
      Armen :D .
      Aber was wäre dann "noch eine Qualität" :
      also "der Kern des bewußt Sein"s ?
      Was wäre dann noch "ein Raum" :
      also bspw. "eine Metapher" -,
      oder "eine Freiheit" -,
      oder einfach "ein Ideal" :
      also was sei der Unterschied zwischen "Recht" und "Mensch" ?
      Kant .
      :D
      Das Sein bestimmt das bewußt Sein .
      Aber "tatsächlich frei" kann man m.E. erst "durch Sinn sein" :
      also "durch Logik" -,
      aber nicht "durch eine transzendente Gesellschaft" .
      Oder ( darf man "dem" Narrativ wider sprechen ? ) ?
      reguläre Phrasen
    • Insofern man es also "logisch betrachte" ,
      so könne "der" Raum letztlich nur EINES ( "transzendent" - ) sein :
      nämlich "das Eigentum der Kirche" .
      Aber wie darf man das interpretieren :
      im ( körperlichen ) Sinne "des" Himmel's -,
      und also "der" Ehe -,
      oder im ( verbalen ) Sinne "einer Idee"
      ( und "eines Ideal"s : also "des" Rechtes ) -,
      oder im ( logischen ) Sinne "einer ( technischen ) Idealisierung" :
      also "eines befreiten Geistes" -,
      durch Abschaffung "der" Bürokratie ?
      … ?
      Darf man Kant so viel Vision zutrauen :
      also nicht nur "eine Informatik" zu entwickeln -,
      sondern auch an "eine Fortschrittsmaschine" zu glauben :
      also an "ein logisches Universum"
      ( und das dann "den ( "moralischen" ) Raum" zu nennen ) ?
      reguläre Phrasen
    • agila wrote:

      Raum ist das „Worinnen“ (KrV B34) sich die Empfindungen ordnen lassen. Das Worinnen kann kein Gegenstand der Empfindungen sein, denn wäre es ein Gegenstand, hätte es Mannigfaltiges in sich und nicht unter sich – und es würde eine Endloskette von „Worinen“ geben. Das Worinnen ist kein Begriff, aber auch Vorstellung, was für eine? –Anschauung. Formen der Sinnlichkeit nennt Kant auch reine Anschauungen (B 35).

      Raum ist die Form des äußeren Sinns, ein äußerer an ein Objekt angehafteter Sinn (unmittelbare Anschauung) . Raum ist Mannigfaltigkeit, er schließt unendlich Vieles ein, er hat unendlich Vieles in sich (siehe auch Beitrag Esprit), a priori geometrische Formen. Alles lässt sich in geometrische Formen zerteilen, ist also gegeben. Damit wird Allgemeingültigkeit und somit Wissenschaftlichkeit möglich.
      Dann hat der Kantsche Raum wenig zu tun mit dem Raum der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie. Der physikalische Raum wechselwirkt auf charakteristische Weise mit Materie, und die Geometrie des Raumes ist eine empirische Frage. Ist das Universum flach oder hyperbolisch oder sphärisch? (Damit ist das vermeintliche a priori der geometrischen Formen gleich mit erledigt).

      Wenn Kants Form der äußeren sinnlichen Anschauung mit dem physikalischen Raum nichts zu schaffen hat - was meint Kant dann mit dem Begriff 'Raum'?
    • PosL wrote:

      Dann hat der Kantsche Raum wenig zu tun mit dem Raum der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie. Der physikalische Raum wechselwirkt auf charakteristische Weise mit Materie, und die Geometrie des Raumes ist eine empirische Frage. Ist das Universum flach oder hyperbolisch oder sphärisch? (Damit ist das vermeintliche a priori der geometrischen Formen gleich mit erledigt).
      Wenn Kants Form der äußeren sinnlichen Anschauung mit dem physikalischen Raum nichts zu schaffen hat - was meint Kant dann mit dem Begriff 'Raum'?
      Ja, genau!
      Kant ist beeinflusst von der Koperikanischen Wende, die Vorstellungen der Einzelwissenschaften, geht er aber nicht mit. Philosophie ist nicht Mathematik.
      Und genau die "geometrischen Formen a priori" haben sich - bei Kant - nicht erledigt, alle Dinge lassen sich in gemometrische Formen zergliedern, a priori.
      Die mit dem Wissenschaftsbegriff verbundene Allgemeingültigkeit lässt sich nur dann herstellen, wenn es Vorstellungen gibt, die für alle der Erkenntnis fähigen Subjekte die gleichen sind - allgemeine Vorstellungen, a priori.
      Es gibt bei Kants Raumdenken Widersprüchlichkeiten, wir sollten aber nicht vergessen, wir "krepeln" immer noch in § 3, B 44 der Transzendentalen Ästhetik (Vom Raume) herum.
      Anders geht es m.E. auch nicht, wenn alle Theorien zusammengeschmissen werden, ergibt das nur Chaos und keine Einsicht in Kants Vorstellungen.
    • PosL wrote:

      Wenn Kants Form der äußeren sinnlichen Anschauung mit dem physikalischen Raum nichts zu schaffen hat - was meint Kant dann mit dem Begriff 'Raum'?
      Beispielsweise "Idealität des Raumes":

      "2. 1. Metaphysische Eröterung dieses Begriffs.

      (...) 3. Der Raum ist kein diskursiver oder, wie man sagt, allgemeiner Begriff von Verhältnissen der Dinge überhaupt, sondern eine reine Anschauung." KrV


      Fliege wrote:

      (Anmerkung: Ist die empiristische Annahme falsch, nur die sinnliche Anschauung könne Objektivität gewährleisten, dann geht Kant in seiner Erkenntnistheorie von einer falschen Annahme aus, aus der sich gerade sein Antirealismus speist.)
      Empiristische Annahme. Hume beispielsweise lehrt nicht die sinnliche Anschauung als die der Objektivität, weil er nicht ausgeht von der Objektivität als Substanz. Bezieht sich Kant, etwa mit seiner Annahme der Idealität des Raumes auf Humes empirische substanzlose Annahme der sinnlichen Anschauung, dann ist ihm diese alles andere, nicht jedoch die der Objektivität. Mit der Annahme jener Objektivität setzt sich Kant bereits in seinen Frühschriften auseinander, eine Auseinandersetzung mit Spinoza - entweder seine, Kants Philosophie oder Spinozas Philosophie - die er später als erledigt abgetan, denn diese Annahme ist ihm eine der vorkritischen Metaphysik, also der von ihm kritisierten dogmatischen Metaphysik.
    • Fliege wrote:

      Kant übernimmt also eine fundamentale empiristische Annahme über den Zusammenhang von sinnlicher Anschauung und Objektivität, wonach nur die sinnliche Anschauung in Betracht kommt, um Objektivität zu ermöglichen.
      Diese Annahme ist eine der von Kant kritisierten dogmatischen Metaphysik, also eine Annahme die von Kant ausdrücklich nicht übernommen wird. Diese Annahme, fand Kant bereits beispielsweise von Hume als eine ausdrücklich nicht angenommene. Eine von Hume geleistete Kritik an jener Objektivität die Kant jedoch als eine unzureichende angenommen, denn mit Humes Kritik gehts nicht hin zur, beispielsweise seiner nicht vorkritisch Sein-Sollend verfahrenden metaphysischen Auseinandersetzung beispielsweise des Raum-Begriffs.
    • rue wrote:

      Diese Annahme ist eine der von Kant kritisierten dogmatischen Metaphysik, also eine Annahme die von Kant ausdrücklich nicht übernommen wird.
      Zwei Fragen:
      was hat sinnliche Wahrnehmung mit dogmatischer Metaphysik zu tun (zumal Hume den Begriff der Materie - in Kants Redeweise das 'Ding-an-sich' - über Bord wirft)?
      und wie schaut im Gegensatz dazu Kants Position aus - abgesehen davon, dass Kant sehr präzise Vorstellungen davon hat, was dem Ding-an-sich zukommen kann und was nicht?
    • Fliege wrote:

      Kant übernimmt also eine fundamentale empiristische Annahme über den Zusammenhang von sinnlicher Anschauung und Objektivität, wonach nur die sinnliche Anschauung in Betracht kommt, um Objektivität zu ermöglichen.

      Aufgrund dieser empiristischen Annahme meint Kant nun, da die sinnliche Anschauung aber keine Formen liefert (KrV, B 38: "Der Raum ist kein empirischer Begriff, der von äußeren Erfahrungen abgezogen worden."), können diese Formen auch nicht von objektiven Dingen an sich selber handeln. Das heißt, es gibt keine Objektivität bezüglich der Dinge an sich.

      PosL wrote:

      Zwei Fragen:
      was hat sinnliche Wahrnehmung mit dogmatischer Metaphysik zu tun (zumal Hume den Begriff der Materie - in Kants Redeweise das 'Ding-an-sich' - über Bord wirft)?
      und wie schaut im Gegensatz dazu Kants Position aus - abgesehen davon, dass Kant sehr präzise Vorstellungen davon hat, was dem Ding-an-sich zukommen kann und was nicht?

      Bei Kant und bei Hume gilt: Es gibt keine Objektivität, mit Kants Sprechweise bezüglich der Dinge an sich.

      Demzufolge gilt bei Kant gegen Hume und das gilt nur mit Kants Sprechweise, bespielsweise gegen Humes Annahme dass es Objektivität nicht gibt: Es gibt eine nicht auf die Dinge an sich bezogene Objektivität.

      Kant (und vor ihm Hume und insoweit gehen Hume und Kant zusammen) übernimmt nicht jene Annahme "über den Zusammenhang von sinnlicher Anschauung und Objektivität"; eine Annahme der dogmatischen Metaphysik die Hume mit seiner Skeptizismus-Kritik an der vor ihm angenommenen Objektivität als Substanz sinnlicher Wahrnehmung (etwa Naturerkenntnis, sinnliche Wahrnehmung gleich Gotteserkenntnis=dogmatische Metaphysik) ausgeschlossen. Kant konnte Humes fundamental empiristisch bedingte Kritik an der Metaphysik nicht übernehmen, denn dann müsste Kant auch, beispielsweise Humes Ideenverknüpfungen, Humes Annahme der Kausalität u.ä., übernehmen aus denen folgt: Es gibt keine Objektivität.

      Kant übernimmt zwar ausdrücklich die Kritik die Hume an der Metaphysik somit an der dogmatischen Metaphysik vor ihm ausgeführt. Kant übernimmt jedoch ausdrücklich nicht den Skeptizismus der nach Hume aus der Kritik an der dogmatischen Metaphysik folgt. Kant übernimmt also ausdrücklich, beispielsweise nicht die Ideenverknüpfung zu der Hume mit seiner Kritik an der dogmatischen Metaphysik gekommen ist. Nur so konnte Kant kommen, beispielsweise zu seiner Annahme, dass sinnliche Anschauung keinesfalls Formen liefert, etwa das der Raum kein empirischer Begriff ist, der... : dass also, um zu der von ihm verlangten Objektivität zu kommen, kategorisch ausgeschlossen werden muss, etwa die Auffassung der Ideenverknüpfung somit auch die Kausalität bei Hume. Hume gibt also nicht her die ausdrücklich weder von der dogmatischen Metaphysik noch von einer fundamental empiristischen Philosophie herkommende Objektivität...Transzendentalphilosophie.
    • Fliege wrote:

      Warum hält Kant das für unmöglich?
      Dazu sagt er, nur wenn die Form an den angeschauten "Gegenständen selbst haftete" (KrV, B 42), wäre Erkenntis von objektiven Dingen an sich selbst möglich (was der Empirismus annimmt).
      Der Empirismus gewinnt Begriffe aus Eindrücken die keine Gewissheit hergeben weder für die empirische Wirklichkei (noch für eine dogmatische Metaphysik), so dass beispielsweise keine Erkenntnis von objektiven Dingen an sich möglich ist. Daher gilt hier: Kommen mehrere Beobachter unter den selben Bedingungen zu den selben Ergebnissen; dann sei Objektivität.

      Bei Kant wird die Erkenntnis objektiv empirischer Wirklichkeit ermöglicht mit der Anwendung apriorischer Begriffe, beispielsweise ist ihm Notwendigkeit ein reiner Verstandesbegriff, ein synthetischer Begriff a priori; Begriffe die ihm also nicht aus der Erfahrung gewonnene sind. Der Empirismus bezweifelt diese Begriffe (auch, wie bei Kant das neben apriorisch-synthetischer Verstandestätigkeit noch apriorische Vernunftätigkeit sei). Somit kann nach Kant beispielsweise Hume die Erkenntnis objektiv empirischer Wirklichkeit nicht gewinnen, daher ihm geht nicht nur ab jene Verstandestätigkeit dass die Welt unserer Erfahrung entspricht, sondern auch die erst mit jener Verstandestätigkeit erreichte apriorische Vernunfttätigkeit dass für uns nicht erkennbar ist, diese Welt an sich. Daher gilt bei Kant ausdrücklich nicht die Objektivität des Empirismus..