Identität

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    • No identity

      Es stehen sich
      Ein Abendland lang
      Parmenides und Heraklit gegenüber
      Und begreifen nicht
      Die Bedingtheit der Gedanken des einen durch den Anderen
      Wenn die großen Wörter gesprochen werden.

      Es verkommen die Götter
      Die beiden Hemisphären
      Kommunizieren nicht mehr

      Ich bringe die Götter
      Zum Schweigen
      und mache
      Geist und Welt mir zu eigen

      Höre auf im Hic et Nunc zu sein
      Und werde
      Nach der Phase des Zu-Sich-Kommens
      Wieder ein Ding unter Dingen,
      nehmend, gebend und konstituierend:
      Mich, Dich und die Welt.

      Nie bin ich mit mir je identisch gewesen.
      Was mich beschreibt, wird, verändert sich.
      Was geworden ist und erstarrt, trifft mich nicht.


      (10-2003)
      Alles ist Haschen nach Wind. Der Koholet
    • RE: Identität

      Original von geronemo
      No identity

      Es stehen sich
      Ein Abendland lang
      Parmenides und Heraklit gegenüber
      Und begreifen nicht
      Die Bedingtheit der Gedanken des einen durch den Anderen
      Wenn die großen Wörter gesprochen werden.

      Es verkommen die Götter
      Die beiden Hemisphären
      Kommunizieren nicht mehr

      Ich bringe die Götter
      Zum Schweigen
      und mache
      Geist und Welt mir zu eigen

      Höre auf im Hic et Nunc zu sein
      Und werde
      Nach der Phase des Zu-Sich-Kommens
      Wieder ein Ding unter Dingen,
      nehmend, gebend und konstituierend:
      Mich, Dich und die Welt.

      Nie bin ich mit mir je identisch gewesen.
      Was mich beschreibt, wird, verändert sich.
      Was geworden ist und erstarrt, trifft mich nicht.


      (10-2003)


      Das ist wunderschön, geronemo! Es bringt vieles zum Ausdruck, besonders die Seele wie ich finde.
    • Das freut mich, die Seele ist ein Begriff, in dem vieles zusammengefasst wird was weder die Vernunft noch die Sinne noch die Erfahrung abdecken. Es hat mit unserem eigensten Gefühlen uns selbst gegenüber zu tun. Es ist wohl noch am besten zu beschreiben als Lebenshauch. Bei einem Toten sieht man sofort, was passiert, wenn dieser Lebenshauch den Körper verlässt. Der Zerfall setzt ein, die Ordnung löst sich auf, das Streben hat aufgehört, Stillstand, Verwandlung in Nicht-Lebendiges.
      Ich beschäftige mich im Moment intensiv mit Nikolaus von Kues (Cusanus) "De docta ignorantia" in der mehrbändigen Ausgabe von Meiner. Es ist erstaunlich, wie modern in viellen Dingen der Cusaner denkt, wenn er auch noch dem antiken und mittelalterlichen Denken verhaftet bleibt. Aber in vielen Nuancen merkt man, dass er ein ungemein schöpferischer und großzügiger Denker war, nichts von der Enge anderer Scholastiker.
      Den Gedanken, den ich mit dem Gedicht habe Ausdruck verleihen wollen finde ich bei ihm auch schon: Gleichheit gibt es nur im Absolutum, das für uns nicht erreichbar ist (für ihn Gott), alle Dinge, die sind, sind begrenzt und unterscheiden sich voneinander. Insofern ist er radikaler als Aristoteles in seiner Logik, wo dieser als ein Axiom den Satz von der Identität behauptet, der nur funktioniert, wenn ich die ständige Veränderung der Dinge außer Acht lasse, die Zeit gewissermaßen einfriere und das Streben nach Vollkommenheit, das jedem Lebewesen innewohnt, das Streben nach Ereweiterung seines Horizonts, nach Öffnung und Fortpflanzung vergesse.
      Aber ich verliere mich im Unergründlichen und höre lieber auf. Eine Diskussion über Cusanus (auch Duns Scotus entwickelt ungemein anregende Gedanken zur Kontingenz allen Geschehens) wäre nicht schlecht. Und zwar weniger im Hinblick auf den Glauben (ich bin kein Gläubiger) als im Hinblick auf die Erkenntnis dessen, was uns antreibt, was uns nicht zur Ruhe kommen lässt.

      Grüße

      Gero
      Alles ist Haschen nach Wind. Der Koholet
    • Original von geronemo
      Das freut mich, die Seele ist ein Begriff, in dem vieles zusammengefasst wird was weder die Vernunft noch die Sinne noch die Erfahrung abdecken. Es hat mit unserem eigensten Gefühlen uns selbst gegenüber zu tun. Es ist wohl noch am besten zu beschreiben als Lebenshauch. Bei einem Toten sieht man sofort, was passiert, wenn dieser Lebenshauch den Körper verlässt. Der Zerfall setzt ein, die Ordnung löst sich auf, das Streben hat aufgehört, Stillstand, Verwandlung in Nicht-Lebendiges.

      Nie sind wir zufrieden. Bis das Alter uns erreicht. Der Wind fährt über den See, deus fera corda domans.

      Ich beschäftige mich im Moment intensiv mit Nikolaus von Kues (Cusanus) "De docta ignorantia" in der mehrbändigen Ausgabe von Meiner. Es ist erstaunlich, wie modern in viellen Dingen der Cusaner denkt, wenn er auch noch dem antiken und mittelalterlichen Denken verhaftet bleibt. Aber in vielen Nuancen merkt man, dass er ein ungemein schöpferischer und großzügiger Denker war, nichts von der Enge anderer Scholastiker.

      Eine ausgesprochen gute Wahl. Leider habe ich "De docta ignorantia" nicht gelesen. Allerdings steht im Mittelpunkt seiner Philosophie die Lehre der coincidentia oppositorum, der Zusammenfall der Gegensätze. Vorliegen habe ich ein Buch, welches spekulative Schriften von ihm beinhaltet. Besonders interessant finde ich auch das Globusspiel. Auch diese Webseite finde ich hierzu recht anregend. Sie zeigt auf, dass wir über Gott nichts wissen können. Es reicht doch bereits, dass er Gott ist. Wer ist sonst noch wie Gott? Niemand und schon gar keine Seele. Aber ein Mensch wohl. In ihm sind drei vereint: Geist, Seele und Körper. Erinnert das nicht an Aristoteles?

      Den Gedanken, den ich mit dem Gedicht habe Ausdruck verleihen wollen finde ich bei ihm auch schon: Gleichheit gibt es nur im Absolutum, das für uns nicht erreichbar ist (für ihn Gott), alle Dinge, die sind, sind begrenzt und unterscheiden sich voneinander.

      Wie aber kann man Gott ohne Gott erkennen? Gleiches kann nach Empedokles doch nur von Gleichen erkannt werden. Das Selbe jedoch nur durch das Selbe. Gott ist mehr als absolut, er ist herrlich. "Licht von Licht." ~ "deus ecce deus."


      Insofern ist er radikaler als Aristoteles in seiner Logik, wo dieser als ein Axiom den Satz von der Identität behauptet, der nur funktioniert, wenn ich die ständige Veränderung der Dinge außer Acht lasse, die Zeit gewissermaßen einfriere und das Streben nach Vollkommenheit, das jedem Lebewesen innewohnt, das Streben nach Ereweiterung seines Horizonts, nach Öffnung und Fortpflanzung vergesse.

      Aristoteles lernte von den Pythagoreern, vermutlich auch, was ein rechter Winkel ist. Die Pythagoreer waren edel. Wenn einer in Not war, weil er bspw. seine Rechnung nicht bezahlen konnte, zahlte auch mal ein anderer, wenngleich er den einen vielleicht auch nicht persönlich kannte. Für die Pythagoreer hatten Zahlen einen gänzlich anderen Sinn, als bspw. für die Juden die Kabbala. Wichtiger ist jedoch, wie die göttliche Statik, wenn ich diese so bezeichnen will, ihr Vorrecht in der Natur einräumt. Wenn das Universum also ein Raum ist, worin wird er sein? Wohin geht die Seele? Woher kommt sie? Was sind Seelen? Was sind Menschen? Ist der Mensch etwa wichtiger als die Seelen? Arme Seelen.

      Aber ich verliere mich im Unergründlichen und höre lieber auf. Eine Diskussion über Cusanus (auch Duns Scotus entwickelt ungemein anregende Gedanken zur Kontingenz allen Geschehens) wäre nicht schlecht. Und zwar weniger im Hinblick auf den Glauben (ich bin kein Gläubiger) als im Hinblick auf die Erkenntnis dessen, was uns antreibt, was uns nicht zur Ruhe kommen lässt.

      Da hast Du Recht.

      Hier noch ein Text des Cusaners:

      Die Liebe als VIRTUS INFUSA

      "Keine Tugend reicht zur Seligkeit hin, wenn nicht die eingegossene Tugend, d.i. die Liebe hinkommt. Wie die Klugheit das Prinzip (forma) der menschlichen Tugenden ist, so gibt die Liebe den Tugenden das Gepräge göttlicher Tugenden, welches allein Gott wohlgefällig ist (forma virtutes, ut sint formatae forma divina, quae solum est Deo accepta)." (Exc. VIII, 607)

      The post was edited 6 times, last by djM ().

    • Hallo djm (?),

      Wie aber kann man Gott ohne Gott erkennen? Gleiches kann nach Empedokles doch nur von Gleichen erkannt werden. Das Selbe jedoch nur durch das Selbe. Gott ist mehr als absolut, er ist herrlich. "Licht von Licht." ~ "deus ecce deus."


      Ja, das ist eine Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Wie können wir das für uns Unerkennbare erkennen? Auch mit dem Glauben habe ich Probleme. Oder das Göttlich wär auch in uns.

      Aber für mich ist der Glaube an einen persönlichen Gott, eingedenk der guten Argumente Feuerbachs ("Das Wesen des Christentums", ein Buch, das durchaus noch gut lesbar ist) auch aufgrund seiner ethischen Konsequenzen fragwürdig. Der Gläubige glaubt sich eine Gewissheit gönnen zu können, die ihn Handlungen begehen lässt, die, müsste er sie allein verantworten, ihm weniger leicht gelingen möchten.

      Andererseits könnte man mit Meister Eckart und Angelus Silesius sagen:
      GOtt lebt nicht ohne mich. Ich weiß, daß ohne mich
      GOtt nicht ein Nun kan leben
      Werd' ich zu nichtg Er muß von Noth den Geist
      aufgeben.


      Beste Grüße

      Gero
      Alles ist Haschen nach Wind. Der Koholet