Soziologie im Kontext von "Game of Thrones"

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    • Soziologie im Kontext von "Game of Thrones"

      Dieser Thread soll ein wenig Gelegenheit geben, Interessierten ihre Ansichten und Meinungen zum Thema Soziales darzulegen. Und zwar stelle ich mir eine Diskussion im Rahmen der Serie Game of Thrones vor, welche äußert vielschichtig differente Perspektiven der jeweiligen Betrachtung bietet. Sonstiges Wissen wird nicht vorausgesetzt. :)


      Als kleiner Einstieg.. wie auch in der europäischen Realität des 17. Jahrhunderts beginnt das Drama mit einem Fenstersturz. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Die jeweils unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnisse und Ziele der zahlreichen Protagonisten verwickeln sich zu einem Strang des Geschehens - in welchem am Ende die Frage bleibt, was soziale Gerechtigkeit wohl sein mag.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Wenn du die Natur beherrschen willst, mein lieber Adson, musst du zuerst lernen ihr zu gehorchen. (aus Der Name der Rose)
    • Die Serie selbst ist prappenvoll mit Dialogen und Szenarien, die jeden Philosophen interessieren müssten. Ja oftmals habe ich beim wiederholten Zuschauen den Eindruck, dass gar manche traditionelle Philosophie dahinter verblasst.

      Die Soziologie nimmt in der Philosophie keine definierende aber dennoch wesentliche Rolle ein. Denn allein die Frage, wofür man denn Philosophie brauche, rührt an unseren sozialen Verständnis.

      Oftmals fragt man sich, mit welcher Person im Geschehen man sich wohl am ehesten identifizieren würde.. und merkt dann aber sofort, dass in jeder gespielten Rolle ein paar Elemente des eigenen Selbstverständnisses auftauchen. Man bleibt als Zuschauer immer hin und her gerissen zwischen den einzeln vertretenen und in der Handlung verständlich werdenden Positionen.


      Von den unzähligen tiefgründigen Szenarien wähle ich mal als erstes das mehrfach auftauchende Götterurteil heraus.


      Warum könnten Menschen übereinstimmend glauben (so wird es zumindest dort dargestellt), dass so ein Urteil gerecht sein könnte oder der Sachlage angemessen sei? Denn dort wird ja im Grunde nur durch Geschick und Kraft entschieden, ob jemand schuldig sei oder nicht. Klingt ja irgendwie schon in sich absurd. Aber das ist es eigentlich garnicht, Denn: wenn der Angeklagte niemanden findet, der für ihn kämpft, wird er wohl selbst kämpfen müssen. Das kann man also durchaus so verstehen, dass dieser Angeklagte in seiner Gesamtheit im sozialen Feld zur Disposition steht. Mag ihn überhaupt jemand, hat er Freunde, die ihm vertrauen, überschätzen sich selbige evtl. usw. usw.

      Man könnte also sagen, der Mensch in seiner Gesamtverfasstheit in der Welt entscheidet ob er weiter leben darf oder nicht. Das ist doch eine schöne Analogie zu den Göttern.. finde ich jedenfalls.
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    • soziologisch am interessanten ist die Gilde der Attentäter der gesichtslosen Männer (und Frauen). Denn in ihr findet sich das m.E. fundamentalste Phänomen des Soziologischen...die Unsichtbarkeit, die Anomie und Anomia.

      gameofthrones.fandom.com/de/wiki/M%C3%A4nner_ohne_Gesicht

      Mit dem Phänomen der Unsichtbarkeit eng verbunden der Ehrverlust - nicht im Krieg - sondern im zivilen Leben als "Gesicht verlieren". Sowohl im Sinne von Schande und Scham der eigenen Gruppe beifügen oder - europäischer - im Sinne von Schuld in allen Facetten - schuldig sein, verschuldet sein, schuldig vor dem Gotte sein.


      Der vielgesichtige Gott ist hierbei jedoch noch kein Gott im strengen Sinne, sondern noch die Gegebenheit von Intersubjektivität als Transsubjektivität im Weltgeist bzw. weniger historizistisch im transzendentalen Subjekt.

      Diese Leute sind im Haus von Schwarz und Weiß...stehen also jenseits von gut und böse...wobei gut und böse von dem dicken GoT Schreiberling als schwarz und weiß gedeutet wird und damit die Gutheit an die Menschen gebunden ist. Die Vielheit des Gottes ist - ähnlich wie in Futurama - in dem die Köpfe im Wasserglas immer wieder auftauchen. Der Versuch diese Ebene der Perspektivität an etwas zu fixieren und die damit einhergehende Gewissheit der Entstehung eigener Gedanken durch die Umwelt, was zu einer gewissen Arbitrarität von Gedanken führt, ist in dieser Gilde dadurch gelöst, dass die Männer ohne Gesicht - nah wie sie dem Tode stehen - das eigene Gesicht zum Gotte verklären und nurnoch dessen Physiognomische Blaupause - eben den Begriff Gesicht - zum entscheidenden Merkmal ihrer Zunft bzw. ihres Daseins machen.


      iselilja wrote:

      Warum könnten Menschen übereinstimmend glauben (so wird es zumindest dort dargestellt), dass so ein Urteil gerecht sein könnte oder der Sachlage angemessen sei? Denn dort wird ja im Grunde nur durch Geschick und Kraft entschieden, ob jemand schuldig sei oder nicht. Klingt ja irgendwie schon in sich absurd. Aber das ist es eigentlich garnicht, Denn: wenn der Angeklagte niemanden findet, der für ihn kämpft, wird er wohl selbst kämpfen müssen. Das kann man also durchaus so verstehen, dass dieser Angeklagte in seiner Gesamtheit im sozialen Feld zur Disposition steht. Mag ihn überhaupt jemand, hat er Freunde, die ihm vertrauen, überschätzen sich selbige evtl.
      das ist sicher eine gute Erklärung...wobei das Sozietät noch zu stark evolutionistisch und in einem survival of the fittest greift.
      Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Gewissen als der Betrachtende. - Johann Wolfgang von Goethe
      Das System als Ausgangspunkt des menschlichen Daseins ist Subjekt aller Philosophie.
      Das Wort ist Ursprungsgewaltiger als die nominale Begriffsebene. Ein Wort ist immer ein reales Wort.
      Die Geschichte von den zwei Quadraten.
    • Groot wrote:

      das ist sicher eine gute Erklärung...wobei das Sozietät noch zu stark evolutionistisch und in einem survival of the fittest greift.
      Ja, so scheint es auf den ersten Blick definitiv. Aber.. wenn wir uns fragen, was Gerechtigkeit bspw. sei, dann stehen wir im Grunde auch immer vor einem derart komplexen Gefüge von Annahmen und Vorstellungen, was darüber eigentlich entscheidet. Welches Kriterium ist relevant für Gerechtigkeit?

      Insofern ist es eben nicht nur ein survival of the fittest, sondern stellt implizit auch die Frage, ob nominale Strukturen wie beispielsweise hierarchische Befehlsgewalt (der Ankläger mag evtl. darauf vertrauen, dass er den richtigen dafür bestimmen kann) als Kriterium wichtiger ist als Freundschaft (der Angeklagte mag darauf vertrauen, dass sich jemand findet). Wenn also der Angeklagte überlebt (also für unschuldig befunden wird) dann doch deshalb, weil kein Kriterium vom Menschen als Richter bestimmt wird. Sondern eben die Dinge zur Urteilsfindung beitragen, deren Wirken wir in ihrer Komplexität niemals überschauen können.

      Das heißt, das Verfahren der "Anwaltschaft" (zugegeben etwas brachial) unterliegt keiner menschlichen Vorherbestimmug. Insofern wird die Sache dem "Zufall" überlassen.
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    • iselilja wrote:

      Ja, so scheint es auf den ersten Blick definitiv. Aber.. wenn wir uns fragen, was Gerechtigkeit bspw. sei, dann stehen wir im Grunde auch immer vor einem derart komplexen Gefüge von Annahmen und Vorstellungen, was darüber eigentlich entscheidet. Welches Kriterium ist relevant für Gerechtigkeit?
      natürlich die Gleichheit aller Menschen als hypostasierte Blaupause vom Gattunsgwesen Mensch und den Individuen.

      iselilja wrote:

      Insofern ist es eben nicht nur ein survival of the fittest, sondern stellt implizit auch die Frage, ob nominale Strukturen wie beispielsweise hierarchische Befehlsgewalt als Kriterium wichtiger ist als Freundschaft. Wenn also der Angeklagte überlebt (also für unschuldig befunden wird) dann doch deshalb, weil kein Kriterium vom Menschen bestimmt wird. Sondern eben die Dinge zur Urteilsfindung beitragen, deren Wirken wir in ihrer Komplexität niemals überschauen können.
      ich denke, dass sowas Luftschlösser befragt. Denn faktisch ist die Gesellschaft viel zu komplex, als dass sie nicht in einer recht stringenten Form eine Hierarchie - vielleicht keine Befehlshierarchie - benötigt. Freundschaft ist sozusagen ein Phänomen der Gemeinschaft, nicht aber von Zivilisation oder Gesellschaft. Spätestens seit dem Sprung von stratifikatorischer hin zu funktional-strukturalistischer Gesellschaftsordnung kann die Freundschaft nicht mehr Wesenskern von institutionellen Organen sein.

      Doch, das Kriterium ist dabei natürlich bestimmt, vom sozioökonomischen Status, von den Verhaltensweisen die in der Kindheit und Jugend geprägt werden, von seinem politischen Gewicht. Und auch idealiter geht dort genau dieses Survival of the fittest ein, weil keine räumliche Abgrenzung betrieben wird in der es möglich wäre sich loszusagen von den eben genannten Gegebenheiten und eine Gleichheit herzustellen. Der Gott und dessen Urteilsfällung ist hierbei nur ein Rechtswesen, das seinen Ursprung in seiner Menschlichkeit nicht versteht und dann die sozialen und natürlichen Dispositive eine scheinbare Legitimität dieses Urteils ermöglichen...es war ja eben Gott der gerichtet hat, weil er A diese und diese Sachlage hat in die Wiege gelegt hat...was einem survival of the fittest gleichkommt.


      Und "niemals" ist schlicht falsch...nur dann nicht, wenn wir garnicht den Willen haben uns als Gattungswesen gewisse Regeln aufzuerlegen und der natürlichen Grenze Rechnung zu tragen. (Nur weil viele sich auf die Naturwissenschaften stürzen heißt das nicht, dass es in den Sozialwissenschaften nicht auch ein sehr exaktes System gibt, welches die Sozietät erklärt.)
      Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Gewissen als der Betrachtende. - Johann Wolfgang von Goethe
      Das System als Ausgangspunkt des menschlichen Daseins ist Subjekt aller Philosophie.
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      Die Geschichte von den zwei Quadraten.
    • iselilja wrote:

      Das heißt, das Verfahren der "Anwaltschaft" (zugegeben etwas brachial) unterliegt keiner menschlichen Vorherbestimmug. Insofern wird die Sache dem "Zufall" überlassen.
      ja, also dort herrscht survival of the fittest...habe ich ja gesagt :P
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    • Das eigentlich interessante an dem Götterurteilbeispiel ist doch die (natürlich nur rein hypothetisch gestellte) Frage: wenn ein Angeklagter für unschuldig befunden wird, sollte man dann nicht dem Ankläger die Strafe aufbürden? :) Dann wäre es tatsächlich ein solches Survival.
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    • Groot wrote:

      natürlich die Gleichheit aller Menschen als hypostasierte Blaupause vom Gattunsgwesen Mensch und den Individuen
      Aber wie kann es denn in einer solchen Schablone überhaupt zu einer Anklage kommen, wenn doch alle Menschen gleich sind? Definiert nicht auch das Handeln selbst den Menschen? Und damit sind wir wieder bei der Kriterienwahl. :)
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    • iselilja wrote:

      Groot wrote:

      natürlich die Gleichheit aller Menschen als hypostasierte Blaupause vom Gattunsgwesen Mensch und den Individuen
      Aber wie kann es denn in einer solchen Schablone überhaupt zu einer Anklage kommen, wenn doch alle Menschen gleich sind? Definiert nicht auch das Handeln selbst den Menschen? Und damit sind wir wieder bei der Kriterienwahl. :)
      Naja, das Handeln definiert Gut und Böse sein, also ausgehend von der Gleichheit dann ein davon abweichendes Verhalten. Welches sicherlich bis zu einem gewissen Grad sinnvoll ist, weil dadurch Individuierungsprozesse angestoßen wurden und werden.

      Dann sind wir aber nicht in der Gerechtigkeit, sondern im Recht....wenn wir uns auf die Kriterien bzgl. Handelns berufen und dessen normative Richtigkeit befragen. Hierbei ist dann nicht mehr eine Gleichheit der Menschen als "geworfene" das Fundament, sondern die Gesellschaft wie sie leider ist und wie sie nicht sein müsste. Man ist dann sozusagen der Symptombekämpfer, aber nicht der, der die Wurzel anpackt, wenn wir auf dieser Ebene des Rechtes die Gerechtigkeit ansetzen und damit Gerechtigkeit mit individueller Freiheit, statt mit gattungsorientierter Gleichheit assoziieren.
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    • Groot wrote:

      Dann sind wir aber nicht in der Gerechtigkeit, sondern im Recht
      Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, dass geltendes Recht nicht mit individuell empfundener Gerechtigkeit gleichzusetzen ist. Nun können wir heute natürlich schon stolz sein, dass wir ein recht gut funktionierendes Rechtssystem haben (verglichen mit archaischen Zuständen, wo Blutfehde eben so etwas wie ein "Götterurteil" war - das lässt sich durchaus analogisieren), was gewissermaßen dem "durchschnittlichen" (weil mehrheitlichen) Rechtsempfinden entspricht. Aber was macht man mit dem Rest, wenn bspw. jemand glaubt Selbstjustiz sei gerechter? Hier springt einem dann die Frage nach Gerechtigkeit von hinten wieder an. :)
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    • iselilja wrote:

      Aber was macht man mit dem Rest, wenn bspw. jemand glaubt Selbstjustiz sei gerechter? Hier springt einem dann die Frage nach Gerechtigkeit von hinten wieder an.
      und genau deshalb gilt es ja der Gleichheit hier das Primat vor der Differenz zu geben. Denn nur unter dem Aspekt der Gleichheit lässt sich sowas vor dem Einzelfall klären bspw. mittels des Schleiers des Nichtwissens.
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    • die List und der Konsens

      Groot wrote:

      iselilja wrote:

      Aber was macht man mit dem Rest, wenn bspw. jemand glaubt Selbstjustiz sei gerechter? Hier springt einem dann die Frage nach Gerechtigkeit von hinten wieder an.
      und genau deshalb gilt es ja der Gleichheit hier das Primat vor der Differenz zu geben. Denn nur unter dem Aspekt der Gleichheit lässt sich sowas vor dem Einzelfall klären bspw. mittels des Schleiers des Nichtwissens.
      Wenn der Glaube an Gerechtigkeit und Gleichheit der Mensch gewordenen List gegenübersteht, zieht sie (die Gleichheit) den Kürzeren. So auch in der Serie.. alle, die nach geltenden Normen operieren, sich an Ehre, Anstand, Eide etc. halten scheitern aufgrund ihrer mangelnden Vorstellungskraft. Alle Protagonisten gehen ihren eigenen schicksalhaften Weg und stoßen dabei auf Herausforderungen des Lebens. Die meisten überleben nicht, weil sie den (gewordenen) Feind in ihrem Rücken nicht sehen.. nicht wahr haben wollen.


      Die Welt in Game of Thrones ist durch sieben Königreiche gegeben - gewissermaßen eine mehr oder weniger kultivierte Phantasiewelt mit realer Konnotation in vielerlei Hinsicht. So ist diese Welt wie eine Scheibe, ein Kontinent von Wasser umgeben. Neben den sieben Königreichen gibt es noch einige ferne und mächtige Stämme wie etwa die Dothraki. Dann gibt es noch den "wahren Norden" hinter einer riesigen Mauer, wo die Wildlinge, die sich selbst als freies Volk bezeichnen, leben. In all diesen lokalen Bereichen menschlichen Daseins gelten gewachsene Regeln und Normen, die durch die Verstrickung der Umstände mit einander in Konflikt geraten. Welche Weltsicht hilft dabei, am Leben zu bleiben? Die List - maßgeblich verkörpert durch die beiden Charaktere Cersei Lennister und Lord Baelish - räumt sukzessiv einen nach dem anderen aus dem Feld. Der List gegenüber stehen am Ende der Glaube an eine bessere Welt.


      Der philosophisch interessante Faden, der sich durch die gesamte Handlung zieht, scheint sagen zu wollen, dass es im sozialen Wirrwarr (global betrachtet) kein richtig oder falsch gibt, sondern nur ein mit- oder gegeneinander. In der Gewahrwerdung des gemeinsamen Feindes (dem Tod in Form von Untoten - gut inszeniert ist hier der Verweis aufs Mythische, das was alle schonmal gehört haben, aber es nicht für real halten) kommt es am Ende der 7. Staffel zu einem brüchigen Friedenschluß. Die 8. Staffel ist mir leider nicht bekannt.. vielleicht kennt ja jemand den Ausgang der Geschichte?
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    • die achte Staffel kommt doch auch erst Mitte April raus dachte ich.
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    • Groot wrote:

      die achte Staffel kommt doch auch erst Mitte April raus dachte ich.
      Ah ok, wunderbar, dann bleibt es ja noch eine Weile spannend. :)
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    • Game of Thrones widerspiegelt in tiefgründiger Weise auch das gesellschaftpolitische Drama der USA. Wer verstehen will, warum Trump Präsident werden konnte, muss sich mit dem politischen Kalkül eines 2-Parteien-Systems auseinandersetzen. Die Relation dieser beiden nivelliert sich asynchron zueinander. Wir haben auf der einen Seite eine Welt, in der Menschen in ein intrigenbasiertes Game of Life hineingeboren werden, in dem sie sich mit aller Macht "um die Krone" streiten - ein überwiegend oligarchisch strukturiertes Republikanertum. Auf der anderen Seite haben wir jene Nachfahren, die damals nicht des winkenden Reichtums wegen in die neue Welt zogen, sondern weil sie es in der "Alten" nicht mehr aushielten - der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit bildet das Kalkül der Demokraten.

      Selbiges 2-Parteien-Spiel durchzieht auch die Soziologie in Game of Thrones. Da sind die einen, die glauben, dass ihre (durchaus echten) menschlichen Bedürfnisse nur durch Intrige befriedigt und gefestigt werden können. Und da sind die anderen, die (ebenfalls von echten Gefühlen getrieben) immer versuchen, das Richtige zu tun.

      Die Asynchronizität von richtig handeln und erfolgreich handeln ist der Schlüssel zum Verständnis.

      Ganz so trivial kann man das natürlich nicht über einen Kamm scheren - hier die guten da die bösen, je nach dem auf welcher Seite man sich sieht - weil die Komplexität der zugrundeliegenden Soziologie auch verschiedene Diversizitäten aufzeigt, die wie kleine Zahnräder ineinander greifen.
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    • "Wenn ich darauf stehe, ist es mein Land."

      Szenarisch in den kurzen gemeinsamen Weg des Bluthundes und Arias verwoben, begegnen beide einer allein siedelnden Familie bestehend aus Vater und Tochter, welche die seltsamen Reisenden zu sich einladen; gern auch für länger, wie der Vater später beim Abendessen erkennen lässt. Interessant dabei ist, dass die Einladung auch auf einer Annahme der Gleichartigkeit beruht, denn Aria lügt, als sie sagt, der Bluthund wäre ihr Vater. Die gesamte Situation ist also spiegelbildlich.

      Der Bluthund verkörpert dabei eine Rolle, die sich im Groben als real-pragmatisch beschreiben lässt. Prinzipientreue kennt er nicht.. er "weiß, wie die Welt in ihrer Abscheulichkeit funktioniert". Und so betrachtet er Aria als eine Möglichkeit, Lösegeld von deren Tante zu bekommen.


      Und so in etwa vermutet man auch die Bedeutung des obigen Satzes. Mir gehört, was ich mir tatsächlich nehmen kann. Alles andere ist Illusion.


      Doch bei genauer Betrachtung steckt in diesen Worten doch sehr viel mehr als eine lapidar provozierende Konversation. Denn tatsächlich kann niemand sonst in diesem Moment zugleich dort stehen. Inwiefern sind Besitzansprüche des natürlich Vorhandenen überhaupt vom Menschen gerechtfertigt. Von welchem Gott hat der erste Mensch sein Land gekauft, als dass auf Ewig ein Anspruch daraus erginge?

      Die Frage, die sich damit im Allgemeinen erschließt ist, was rechtfertigt überhaupt einen Besitzanspruch. Ließe sich also auch sagen, wenn ich es denke, dann ist es mein geistiger Besitz? Realpragmatismus muss mE eine Autonomie voraussetzen.


      Die Absurdität einer sich selbst begründen wollenden Besitztheorie zeigt sich in verstärkter Weise in einem anderen Film namens Laurence von Arabien - kurzer Kameraschwenker. :) Dort stehen in einer Szene Laurence und der ihm zugeteilte Begleiter an einem Brunnen in Mitten unendlicher Wüste. Erst als der "Besitzer" des Brunnens auftaucht, eskaliert die Situation und sein Begleiter wird erschossen.
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