Quentin Meillassoux: Nach der Endlichkeit. - oder, worauf zielt er eigtl. ab?

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    • Groot schrieb:

      Zu deinen drei Teilen kann noch folgende Option kommen:

      D. Sich selbst als das All bzw. Sich selbst als Zivilisationsgeist
      Wäre das nicht eher eine Variation von B?
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      Wäre das nicht eher eine Variation von B?
      hmm würde ich nicht zwingend sagen. Denn dieser Zustand ist tendentiell eher temporär und nimmt an, dass das Denken nicht im Subjekt sei, sondern das All sich selbst denkt. Aber ja, schlussendlich kann man es darauf reduzieren, wenn man dem Objekt zugesteht in seinen zwei Teilen Sozialsphäre und Natur äquivalent essentiell zu sein.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • Groot schrieb:

      Zu deinen drei Teilen kann noch folgende Option kommen:
      D. Sich selbst als das All bzw. Sich selbst als Zivilisationsgeist

      Groot schrieb:

      [D] nimmt an, dass das Denken nicht im Subjekt sei, sondern das All sich selbst denkt
      Meillassoux schreibt (wie bereits oben zitiert): "Der Korrelationismus besteht in der Zurückweisung aller Versuche, die Sphären der Subjektivität und der Objektivität unabhängig voneinander zu denken" (S. 18).

      Dein Ansatz erscheint mir daher korrelationistisch in einer hermetischen Extremfassung: "Das All ist zugleich Gedachtes und Gefühltes sowie Denkendes und Fühlendes" (Quelle).
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Ja, das ist die grundlegende Ausgangsposition nach dem Transzendieren. Diese wird dann ins andere Extrem geführt, das Kant und der RK vertritt. Und endet dann in Korrelationismus bzw. in dem, was M. für etwas anderes als Korrelationismus hält. Die beiden Extreme dann in Richtung Realismus zu schieben tut Seinsgeschichtlich dann der Postmodernismus mit dem Fokus auf die Episteme, die Subjekt und Objekt differenziert und unterscheidet. Was hierbei passiert ist, dass aus einem Unbekannten (Sein) zwei Unbekannte werden (Sein und Bewusstsein)

      Wichtig ist, dass dabei die Sphäre des Sozialen und Zivilisatorischen als etwas essentielles erkannt wird, das für das Dasein des Menschen ebenso notwendig ist wie der Leib oder die physische Welt.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • Fliege schrieb:

      Ich möchte die Lage so kommentieren:

      Was beobachtet ein Subjekt?
      Was erkennt ein Subjekt?

      A. Sich selber als Subjekt.
      B. Eine Korrelation von Subjekt und Objekt.
      C. Ein Objekt.

      Nach Meillassoux antwortet der Korrelationist mit B, während der Realist mit C antwortet.
      (Mit A antworten Schneeflocken und Solipsisten.)
      Dann bin ich a) Schneeflocke und Solipsist, b) Korrelationist und c) Realist, alles zusammen, denn ich würde auf deine beiden Fragen antworten: Sowohl A. als auch B. und C. :D
      Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    • Fliege schrieb:

      Meillassoux schreibt (wie bereits oben zitiert): "Der Korrelationismus besteht in der Zurückweisung aller Versuche, die Sphären der Subjektivität und der Objektivität unabhängig voneinander zu denken" (S. 18).
      So hatte ich das auch verstanden. Nur schließt dies m. E. die anderen Möglichkeiten nicht aus, etwa sich als Subjekti selbst zu beobachten.
      Die Frage ist nur, wie ich schon sagte, meines Erachtens, welche Schlüsse man daraus ziehen kann, ob etwa das sich selbst beobachtende Subjekt zu so etwas wie Wahrheit kommen kann.
      Ebenso kann ich Objekte beobachten, nur muß mir darüber klar sein, daß eben ich als Subjekt es bin, der da beobachtet.

      Spannend wird es dann bei Meillassoux m. E. auf den nächsten Seiten, wenn er wieder auf die Anzestralität zu sprechen kommt und der Frage nachgeht, wie wir mit unserem korrelationistischen Beobachten hier zu Aussagen kommen können.
      Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    • Magnus schrieb:

      Groot schrieb:

      Korrelationismus
      Zum Korrelationismus, so wie ihn Meillassoux beschreibt, würde ich mir einen ersten vorläufigen Kommentar schon zutrauen.Ich finde ihn richtig, denn ich halte es für richtig, in der Erkenntnistheorie von einer Beziehung zwischen Subjekt und Objekt auszugehen.
      Die Frage ist nun, welche Schlüsse man daraus zieht, und ob diese Schlüsse dann für alle Erkenntnisobjekte gelten.
      Mit dem Korrelationismus ist aber m. E. der Streit Realismus/Konstruktivismus nicht entschieden.

      Ich meine, man kann vielleicht auch @Talamar mit ins Boot holen, weil das Original von Meillassoux in einem m. E. sehr klaren und verständlichen Französisch geschrieben ist.

      Ich jedenfalls würde das Buch nach den ersten Seiten weiterempfehlen, egal, ob man Meillassoux am Ende zustimmt oder nicht (das weiß ich von mir selbst auch noch nicht :) ).
      Danke @Magnus für die Einladung. Nur werden hier im Forum täglich Buchempfehlungen abgegeben und da muss jeder für sich eine Auswahl treffen. Das hier behandelte Thema spricht mich persönlich nicht wirklich an und ich werde mich deshalb vorerst auf das Mitlesen beschränken.
    • Magnus schrieb:

      Fliege schrieb:

      Ich möchte die Lage so kommentieren:

      Was beobachtet ein Subjekt?
      Was erkennt ein Subjekt?

      A. Sich selber als Subjekt.
      B. Eine Korrelation von Subjekt und Objekt.
      C. Ein Objekt.

      Nach Meillassoux antwortet der Korrelationist mit B, während der Realist mit C antwortet.
      (Mit A antworten Schneeflocken und Solipsisten.)
      Dann bin ich a) Schneeflocke und Solipsist, b) Korrelationist und c) Realist, alles zusammen, denn ich würde auf deine beiden Fragen antworten: Sowohl A. als auch B. und C. :D
      Ich probiere ein Beispiel, bei dem jemand (Subjekt) beobachtet, wie der Nachbar beim Gehen den Wohnungsschlüssel unter die Fußmatte legt (Objekt).

      In Fall A mag sich der Beobachter in einer Prüfungsituation wähnen, wobei es darum geht, der Versuchung zu widerstehen, heimlich die Wohnung des Nachbarn einer Visite zu unterziehen.
      In Fall B mag sich der Beobachter fragen, wie es sein kann, dass der Nachbar bei seiner Rückkehr mit der Vorstellung vom Wohnungsschlüssel unter der Fußmatte seine Tür aufschließen kann.
      In Fall C mag dem Beobachter, als die Freundin des Nachbarn auftaucht, ein Licht aufgehen, warum der Nachbar beim Gehen den Wohnungsschlüssel unter die Fußmatte legte.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      In Fall B mag sich der Beobachter fragen, wie es sein kann, dass der Nachbar bei seiner Rückkehr mit der Vorstellung vom Wohnungsschlüssel unter der Fußmatte seine Tür aufschließen kann.
      Da muß ich mal einhaken, denn dies Beispiel entspricht nicht ganz meiner Vorstellung vom Korrelationismus.

      Ich formuliere mal meine Sichtweise:

      Fliege schrieb:

      Ich probiere ein Beispiel, bei dem jemand (Subjekt) beobachtet, wie der Nachbar beim Gehen den Wohnungsschlüssel unter die Fußmatte legt (Objekt).
      Im Fall A überlege ich mir z. B. warum der Nachbar so unvorsichtig ist, mich ihn beobachten zu lassen. Ich frage mich, was ich über den Nachbarn zu denken habe und was er wohl über mich denkt.
      Im Fall B überlege ich mir, welchen Grund ich habe, anzunehmen, daß das, was der Nachbar da unter die Fußmatte legt, ausgerechnet der Wohnungsschlüssel sein soll. Ich frage mich, ob ich hingehen und meine Annahme überprüfen soll.
      Im Fall C überlege ich mir, was das für ein Schlüssel ist, ob er leicht nachzumachen wäre und ob er auch für andere Türen passen würde.
      Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    • M. E. ist @Fliege der Einzige (bisher) in diesem Forum, der das Buch von Meillassoux in einem Atemzug mit dem Manifest der Neuen Realismus von M. Ferraris genannt hat. Und dies hat er m. E. zu Recht getan.

      Ich gebe hiermit der Hoffnung Ausdruck, daß noch mehr Leute beide Bücher lesen und daß es auf diesem Thread wieder deutlich lebhafter wird.
      Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    • Magnus schrieb:

      Ich formuliere mal meine Sichtweise:
      Im Fall A überlege ich mir z. B. warum der Nachbar so unvorsichtig ist, mich ihn beobachten zu lassen. Ich frage mich, was ich über den Nachbarn zu denken habe und was er wohl über mich denkt.....[....]....
      Das wäre aber eher die harmlose Variante Magnus
      Ich habe eindeutig feststellen können, dass Deine beschrieben Variante, eher nur das Art Vorspiel darstellt....
      Es ist eher so, dass es recht zügig Übergang finden kann, und plötzlich der beliebige Nachbar, manipulativ in beliebiger Variante an Person
      und Zusammenhang Einfluss vornimmt.....
    • Was ist das Transfinite?
      Welche Eigenschaften kommen hierdurch bestimmten Zahlkörpern zu?
      Wieso sind die Ordinalzahlen so gewichtig, dass sie anscheinend dem Transfiniten genügen?


      Auf Seite 137 kommt dieser Begriff ins Spiel. Ich bin gespannt. Bis dorthin ist alles recht plausibel, was M. erzählt. Wobei sicherlich viele seiner Argumentation bzgl. der Nicht-Notwendigkeit der physikalischen Gesetze nicht folgen würden. Da ich es aber für angebracht halte, die physikalische Vormacht zu brechen und ihre quasi religiöse Stellung im Denken des "Bürgertums" - und der Wissenschaft - zu überwinden würde ich dieser Argumentation nicht nur deshalb zustimmen, weil sie von ihm plausibel erklärt wird, sondern auch aus erkenntnistheoretischen Erwägungen - also Aufklärerischen Idealen - heraus.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • @Fliege würdest du die Argumentation mitgehen, die aufzeigt, weshalb physikalische Gesetze kontingent und nicht notwendig sind?
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      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • Groot schrieb:

      @Fliege würdest du die Argumentation mitgehen, die aufzeigt, weshalb physikalische Gesetze kontingent und nicht notwendig sind?
      Ja, da gehe ich mit.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • können wir uns darauf einigen, dass das "Denkbare" etwas ist, das sich innerhalb der Erfahrung - also des Selbst als Leib oder Organismus - abspielt, während das Mögliche, das das Denkbare transzendiert, im Rahmen der "Innerlichkeit", also der Monade abspielt?
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      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • BEES schrieb:

      Es ist eher so, dass es recht zügig Übergang finden kann, und plötzlich der beliebige Nachbar, manipulativ in beliebiger Variante an Person
      und Zusammenhang Einfluss vornimmt.....
      Ja, nur dann müßtest du im Sinne der Diskussion beantworten, ob der beliebige Nachbar sich selbst als Subjekt, oder eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt oder nur das Objekt beobachtet.


      Groot schrieb:

      können wir uns darauf einigen, dass das "Denkbare" etwas ist, das sich innerhalb der Erfahrung - also des Selbst als Leib oder Organismus - abspielt, während das Mögliche, das das Denkbare transzendiert, im Rahmen der "Innerlichkeit", also der Monade abspielt?
      Das Mögliche transzendiert m. E. nicht das Denkabre, sondern höchstens das tatsächlich Gedachte.
      Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    • Magnus schrieb:

      Ja, nur dann müßtest du im Sinne der Diskussion beantworten, ob der beliebige Nachbar sich selbst als Subjekt, oder eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt oder nur das Objekt beobachtet.
      Das ist gut kombiniert Magnus,
      aber meiner Erfahrung nach existieren noch weiter Möglichkeiten, ich will mal vorsichtig erwähnen, dass der Großteil der zeitgemäßen Zivilklagen, lediglich Lappalien sind, und beanspruchen übelste Gerichtsenergie.....
    • Magnus schrieb:

      Fliege schrieb:

      In Fall B mag sich der Beobachter fragen, wie es sein kann, dass der Nachbar bei seiner Rückkehr mit der Vorstellung vom Wohnungsschlüssel unter der Fußmatte seine Tür aufschließen kann.
      Da muß ich mal einhaken, denn dies Beispiel entspricht nicht ganz meiner Vorstellung vom Korrelationismus.
      Ich formuliere mal meine Sichtweise:

      Fliege schrieb:

      Ich probiere ein Beispiel, bei dem jemand (Subjekt) beobachtet, wie der Nachbar beim Gehen den Wohnungsschlüssel unter die Fußmatte legt (Objekt).
      Im Fall A überlege ich mir z. B. warum der Nachbar so unvorsichtig ist, mich ihn beobachten zu lassen. Ich frage mich, was ich über den Nachbarn zu denken habe und was er wohl über mich denkt.Im Fall B überlege ich mir, welchen Grund ich habe, anzunehmen, daß das, was der Nachbar da unter die Fußmatte legt, ausgerechnet der Wohnungsschlüssel sein soll. Ich frage mich, ob ich hingehen und meine Annahme überprüfen soll.
      Im Fall C überlege ich mir, was das für ein Schlüssel ist, ob er leicht nachzumachen wäre und ob er auch für andere Türen passen würde.

      In seinem Realismus-Manifest bringt Ferraris ein ganz ähnliches Beispiel wie ich, um zu erläutern, dass und wie Kantianer und Konstruktivisten "die Ontologie mit der Epistemologie verwechseln" (S. 36) — was Meillassoux als Korrelationismus bezeichnet. Ferraris schreibt, "zu wissen, dass ein bestimmter Schlüssel mich die Haustür öffnen lässt (Epistemologie), mir nicht erlaubt, die Haustür zu öffnen, falls ich den betreffenden Schlüssel verloren habe (Ontologie)" (weiter S. 36). Diese Verwechslung ergibt sich, wie ich hinzufügen möchte, weil Kantianer und Konstruktivisten glauben, sie könnten die Subjekt-Objekt-Spaltung (so ein Begriff von Karl Jaspers, der selber Korrelationist ist) überwinden, indem sie Subjekt und Objekt im Übergreifenden (ebenfalls Jaspers) zusammenziehen.

      Deine Fälle A, B und C machen m. E. nur dann Sinn, wenn du vorher meine Variante C gewählt hast (Subjekt erkennt Objekt) und nicht A (Subjekt erkennt sicher selber) oder B (Subjekt erkennt Korrelation von Subjekt und Objekt).
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      In seinem Realismus-Manifest bringt Ferraris ein ganz ähnliches Beispiel wie ich, um zu erläutern, dass und wie Kantianer und Konstruktivisten "die Ontologie mit der Epistemologie verwechseln" (S. 36) — was Meillassoux als Korrelationismus bezeichnet. Ferraris schreibt, "zu wissen, dass ein bestimmter Schlüssel mich die Haustür öffnen lässt (Epistemologie), mir nicht erlaubt, die Haustür zu öffnen, falls ich den betreffenden Schlüssel verloren habe (Ontologie)" (weiter S. 36). Diese Verwechslung ergibt sich, wie ich hinzufügen möchte, weil Kantianer und Konstruktivisten glauben, sie könnten die Subjekt-Objekt-Spaltung (so ein Begriff von Karl Jaspers, der selber Korrelationist ist) überwinden, indem sie Subjekt und Objekt im Übergreifenden (ebenfalls Jaspers) zusammenziehen.
      Das tun sie prima facie. Allerdings ist für die Konstruktivsten und Kantianer nicht die Ontologie des Subjekts relevant - die ist ja bereits, dank Transzendenz, erkannt als Unergründet, unergründlich und unbegründbar; heißt das "Warum?" stellt sich nicht mehr. Entscheidend ist vielmehr die Ontologie die sich im Weltgeist zeigt, die sich also als "Grad der Aufgeklärtheit der Masse" zeigt. In dieser ist es nun ontologisch so, dass die Epistemologie - also das Ergründen und Begründen, das Suchen der letzten Notwendigkeit - als Ontologie verstanden ist.

      Sicher kann man, wenn man denn völlig ignoriert, dass es eigtl. um Solidarität und die beste Abduktion im Sinne der Lehre(Pädagogik, Didaktik, Erziehung) geht, meinen, dass diese Verwechslung gegeben wäre. Dann übersieht man aber, dass die Subjekt-Objekt-Spaltung einmal als schwache und einmal als starke Variante erscheint.
      Als schwache trennt sie den subjektiven Geist vom Weltgeist, die Person von der Sache. Als starke trennt sie das Selbst vom Ding, das Subjekt vom Objekt. Erstere wird zumeist garnicht gesehen und dadurch dann letztere in naiver Form verabsolutiert.

      Entscheidend ist in der Ontologie die Ontologie der Masse, die als Epistemologie einklang findet in die ontologische Betrachtung. Der neue Realismus wie ihn M. verbreitet hat hingegen sowas wie eine Erkenntnistheorie nicht. In ihr ist das Subjekt ohne Fundament. Treibt ohne sich an den Organismus gebunden zu wissen, schwerelos im Sein und übersieht doch seinen eigenen Heimathafen. Das ganze verstärkt sich noch, dass es sich im neuen Realismus nichtmal in einem Universum weiß, das wenigstens mit der Anschauung korreliert, sondern völlig losgelöst erlebt wird, eben als rein mathematisches Ansich.


      Das Problem ist, dass der neue Realismus zwei Schritte vorausgeht ohne zu erkennen, dass die Gesellschaft noch garnicht soweit ist und dadurch dann unnötigerweise im Bereich des Sozialkonstruktivismus - also allem gesellschaftlichen Zusamenleben, aller Ethik und allem "guten Leben" - völlig unnötige Probleme und Dissense eröffnet. Im Bereich der Naturwissenschaft hingegen wirft er ein Fundament um, das zumindest in heutiger Zeit noch hinreichend tief ist - solange eben die Sozial- und Geisteswissenschaften nicht aufgeholt haben, was sie noch nicht haben - um es durch etwas zu ersetzen, das die naturwissenschaftliche Gewissheit transformiert in neue Ungewissheit. Das alles im Namen einer Ontologie deren erkenntnistheoretisches Fundament nahe daran ist eine Gottesperspektive annehmen zu müssen um sinnvoll gedacht werden zu können.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • Groot schrieb:

      Fliege schrieb:

      In seinem Realismus-Manifest bringt Ferraris ein ganz ähnliches Beispiel wie ich, um zu erläutern, dass und wie Kantianer und Konstruktivisten "die Ontologie mit der Epistemologie verwechseln" (S. 36) — was Meillassoux als Korrelationismus bezeichnet. Ferraris schreibt, "zu wissen, dass ein bestimmter Schlüssel mich die Haustür öffnen lässt (Epistemologie), mir nicht erlaubt, die Haustür zu öffnen, falls ich den betreffenden Schlüssel verloren habe (Ontologie)" (weiter S. 36). Diese Verwechslung ergibt sich, wie ich hinzufügen möchte, weil Kantianer und Konstruktivisten glauben, sie könnten die Subjekt-Objekt-Spaltung (so ein Begriff von Karl Jaspers, der selber Korrelationist ist) überwinden, indem sie Subjekt und Objekt im Übergreifenden (ebenfalls Jaspers) zusammenziehen.
      Das tun sie prima facie. Allerdings ist für die Konstruktivsten und Kantianer nicht die Ontologie des Subjekts relevant - die ist ja bereits, dank Transzendenz, erkannt als Unergründet, unergründlich und unbegründbar; heißt das "Warum?" stellt sich nicht mehr. Entscheidend ist vielmehr die Ontologie die sich im Weltgeist zeigt, die sich also als "Grad der Aufgeklärtheit der Masse" zeigt. In dieser ist es nun ontologisch so, dass die Epistemologie - also das Ergründen und Begründen, das Suchen der letzten Notwendigkeit - als Ontologie verstanden ist.
      Sicher kann man, wenn man denn völlig ignoriert, dass es eigtl. um Solidarität und die beste Abduktion im Sinne der Lehre(Pädagogik, Didaktik, Erziehung) geht, meinen, dass diese Verwechslung gegeben wäre. Dann übersieht man aber, dass die Subjekt-Objekt-Spaltung einmal als schwache und einmal als starke Variante erscheint.
      Als schwache trennt sie den subjektiven Geist vom Weltgeist, die Person von der Sache. Als starke trennt sie das Selbst vom Ding, das Subjekt vom Objekt. Erstere wird zumeist garnicht gesehen und dadurch dann letztere in naiver Form verabsolutiert.

      Entscheidend ist in der Ontologie die Ontologie der Masse, die als Epistemologie einklang findet in die ontologische Betrachtung. Der neue Realismus wie ihn M. verbreitet hat hingegen sowas wie eine Erkenntnistheorie nicht. In ihr ist das Subjekt ohne Fundament. Treibt ohne sich an den Organismus gebunden zu wissen, schwerelos im Sein und übersieht doch seinen eigenen Heimathafen. Das ganze verstärkt sich noch, dass es sich im neuen Realismus nichtmal in einem Universum weiß, das wenigstens mit der Anschauung korreliert, sondern völlig losgelöst erlebt wird, eben als rein mathematisches Ansich.


      Das Problem ist, dass der neue Realismus zwei Schritte vorausgeht ohne zu erkennen, dass die Gesellschaft noch garnicht soweit ist und dadurch dann unnötigerweise im Bereich des Sozialkonstruktivismus - also allem gesellschaftlichen Zusamenleben, aller Ethik und allem "guten Leben" - völlig unnötige Probleme und Dissense eröffnet. Im Bereich der Naturwissenschaft hingegen wirft er ein Fundament um, das zumindest in heutiger Zeit noch hinreichend tief ist - solange eben die Sozial- und Geisteswissenschaften nicht aufgeholt haben, was sie noch nicht haben - um es durch etwas zu ersetzen, das die naturwissenschaftliche Gewissheit transformiert in neue Ungewissheit. Das alles im Namen einer Ontologie deren erkenntnistheoretisches Fundament nahe daran ist eine Gottesperspektive annehmen zu müssen um sinnvoll gedacht werden zu können.
      nichtsdestotrotz ist der neue Realismus natürlich im Rahmen absoluter Haarspalterei wahr, auch wenn unter seiner Ägide das gesellschaftliche Chaos und der Dissens der Wissenschaft noch zunehmen dürfte, statt abgebaut zu werden.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.