Quentin Meillassoux: Nach der Endlichkeit. - oder, worauf zielt er eigtl. ab?

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    • Magnus schrieb:

      Fliege schrieb:

      Hans Blumenberg
      Okay, und welche Werke von Blumenberg sind aus deiner Sicht besonders lesenswert?
      Da stellst du eine schwer zu beantwortende Frage, weil Blumenberg kein konzise arbeitender Philosoph ist, sondern einer, der langatmig (einige mögen finden: langweilig) erzählt (vor sich hin erzählt), ohne eigentlich auf den Punkt zu kommt. Gelegentlich jedoch rastet Blumenberg vom Erzählen, sortiert seinen Rucksack oder findet etwas in seiner Hosentasche, und dann kommt er zu genau den Einsichten und Formulierungen, von denen ich gesprochen haben. Zeigen lässt sich dennoch auf Die Genese der kopernikanischen Welt von 1975 sowie Wirklichkeiten, in denen wir leben von 1981 (enthält Aufsätze und Reden).
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Hello.
      Is there anybody in there?
      Just nod if you can hear me.
      Is there anyone home?… Mehr

      Fliege schrieb:

      Seine m. E. zentrale Fragestellung legt Meillassoux so vor (S. 24):
      "Die Frage, die uns interessiert, ist also folgende: Wovon sprechen die Astrophysiker, die Geologen oder die Paläontolgen, wenn sie das Alter des Universums, den Zeitpunkt der Entstehung der Erde, den Zeitpunkt des Auftauchens einer dem Menschen vorangehenden Gattung, den Zeitpunkt der Entstehung des Menschen selbst 'diskutieren'?"

      Und (ebenda):
      "Wie kann die Wissenschaft solche Aussagen einfach denken, und in welchem Sinn kann man ihnen eine eventuelle Wahrheitt beimessen?"
      Diese zentrale Frage richtet sich - so wie ich Meillassoux Seite 25 oben verstehe - nicht an die Wissenschaft, denn die sieht aus deren eigenen Sicht anzestrale /1/ Aussagen als un-problematisch. Es ist auch "offensichtlich nicht Aufgabe der Philosophie, die Zuverlässigkeit der verwendeten Techniken zu beurteilen." Geprüft wird hier der Korrelationismus, denn Meillassoux fragt Seite 25 oben: "Zu was für einer Interpretation der anzestralen Aussagen ist der Korrelationismus fähig?"

      /1/ Wir nennen anzestral jede Wirklichkeit, die dem Aufkommen der menschlichen Gattung vorausgeht - und die sogar jeder erfassten Form des Lebens auf der Erde vorausgeht. (Seite 24 unten)Hello.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alltag ()

    • Alltag schrieb:

      Hello.
      Is there anybody in there?
      Just nod if you can hear me.
      Is there anyone home?… Mehr
      Diese zentrale Frage richtet sich - so wie ich Meillassoux Seite 25 oben verstehe - nicht an die Wissenschaft, denn die sieht aus deren eigenen Sicht anzestrale /1/ Aussagen als un-problematisch. Es ist auch "offensichtlich nicht Aufgabe der Philosophie, die Zuverlässigkeit der verwendeten Techniken zu beurteilen." Geprüft wird hier der Korrelationismus, denn Meillassoux fragt Seite 25 oben: "Zu was für einer Interpretation der anzestralen Aussagen ist der Korrelationismus fähig?"
      /1/ Wir nennen anzestral jede Wirklichkeit, die dem Aufkommen der menschlichen Gattung vorausgeht - und die sogar jeder erfassten Form des Lebens auf der Erde vorausgeht. (Seite 24 unten)Hello.
      Die Wirklichkeit, die dem Aufkommen der menschlichen Gattung vorangeht ,also eine vergangene bewusstseinsunabhängige Realität, ist eine materialistische philosophische Setzung. Auf der Grundlage dieser Setzung kann man dann auch von einem Korrelationismus zwischen dieser Realität und den Aussagen darüber sprechen.
    • … ???

      Alltag schrieb:

      Meillassoux fragt Seite 25 oben: "Zu was für einer Interpretation der anzestralen Aussagen ist der Korrelationismus fähig?"
      Seite 28 regt Meillassoux an, sich ernsthaft damit zu beschäftigen, "zu bestimmen, wie der Korrelationist sich über die Anzestralität Rechenschaft ablegen kann."

      "Der korrelationistische Philosoph greift keineswegs in den Inhalt der Aussage ein: […] Nein: Er wird sich damit zufriedengeben, etwas hinzuzufügen […] Und zwar: Das Ereignis x hat […] stattgefunden für den Menschen (und sogar für den Wissenschaftler). […] Der Zusatz, durch welchen der moderne Philosoph […] eine vollständig ausserhalb der Wissenschaft liegende und ursprünglicheren Ordnung des Sinns aufrecht erhält. Daher das Postulat des Korrelationisten, dass es zumindest zwei Ebenen des Sinns in einer solchen Aussage gibt: den unmittelbar realistischen Sinn und einen ursprünglicheren, korrelationellen Sinn, den der Zusatz hervorruft. (Seite 29 oben) "

      Ab hier sehe ich bei Meillassoux zwei Rumpelstilzchen auftraten: den Korrelationist als modernen Philosophen und den Wissenschaftler als Adept der Meditationen /1/ von René Descartes. Beide sind der Auffassung, vom andern weder benannt noch anerkannt zu werden. Kurz ich verstehe den Text ab Seite 29 unten noch nicht. Und daher vermutlich auch nicht #224 von @Riha.
      ?(

      /1/ wenn schon müsste der Wissenschaftler als Adept des 'Discours de la Méthode' von René Descartes auftreten. Aber ich lass das mal liegen, solange ich Meillassoux nicht verstehe. <X
    • Vorweg: ich richte nichts gegen Dich, sondern ärgere mich höchstens über mich, weil ich bloss die stampfenden Rumpelstilzchen sehe.

      Riha schrieb:

      Alltag schrieb:

      Kurz ich verstehe den Text ab Seite 29 unten noch nicht. Und daher vermutlich auch nicht #224 von @Riha.
      Was , bitte, verstehst du an meinem Text nicht?
      vermutlich stolpere ich über das Wort materialistisch.

      Riha schrieb:

      ist eine materialistische philosophische Setzung.
      'Würde philosophische Setzung' auch genügen? Oder eine Pointe verpassen?
    • Alltag schrieb:

      Riha schrieb:

      ist eine materialistische philosophische Setzung.
      'Würde philosophische Setzung' auch genügen? Oder eine Pointe verpassen?
      "Materialistisch Setzung" würde auch genügen ,denn der Ausdruck impliziert bereits das Philosophische. Der Materialismus ist ja per Def.eine philosophische Position .
      "Philosophische Setzung " wäre nicht falsch, aber zu allgemein, denn hier käme nicht zum Ausdruck ,das die Materie als grundlegende bewusstseinsunabhängige Realität gesetzt wird.
    • oooch Gott, mir raucht der Kopf. Bin erst heute in dieses Forum eingestiegen und lese zufälligerweise gerade das Buch nach der Endlichkeit. Momentan bin ich ungefähr auf Seite 100. Muss also erst noch fertig lesen und das ganze verdauen.
      Zunächst mal: wie ich M's Begriff des Korrelationismus deute: ein Korrelationist würde meinen, dass die Existenz eines Dinges immer mit der Präsenz eines denkenden Subjekts gekoppelt ist. Nur mal als Beispiel: Heidegger (den M. auch tatsächlich als Korrelationisten bezeichnet) behauptet an mehreren Stellen, dass es "Sein" nur gebe, sofern Dasein existiert. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass der Mensch gewissermaßen Sein aus sich heraus produziert (könnte er dies, so wäre er ein Gott), sondern vielmehr, dass zwischen Mensch und Sein ein unauflösbarer Bezug, eine Korrelation besteht. Korrelation meint ja nicht, wie in diesem Thread schon mehrfach richtigerweise angemerkt wurde, Kausalität, sondern bedeutet nur, dass das Eine ohne das Andere gar nicht gedacht werden kann. (wie dies aus der Sicht Heideggers jetzt zu interpretieren sei, darauf kann ich jetzt hier nicht weiter eingehen. Es gibt dazu eine breite Diskussion im angelsächsischen Sprachraum, von Dreyfus über Taylor bis zu Blattner).
      M.'s Frage ist nun, wie das Anzestrale in einer solchen korrelativen Sicht überhaupt untergebracht werden kann. Nämlich gar nicht, wie er meint.
      Damit stellt sich die Frage, wie "der Teufelskreis der Korrelation" durchbrochen werden kann. Kurz gefasst: "Etwas absolutes denken, heißt, etwas für uns Absolutes denken, also nichts Absolutes denken." (Nach der Endlichkeit, S. 76).
      Damit stellt sich für M. die Frage, wie überhaupt ein Absolutes gedacht werden kann, das weder von einem (gescheiterten) ontologischen Gottesbeweis noch von einem irrationalen Fideismus ausgeht.
      Ob ihm das gelingt, muss ich mir erst genauer durch den Kopf gehen lassen. Nach dem Ende meiner Lektüre werde ich versuchen, die zentralen Gedankenschritte von M. hier zusammenzufassen. Freilich mit dem Vorbehalt, dass ich auch komplett daneben liegen kann ;)

      Ich wäre dann dankbar um Kommentare.
    • Charles schrieb:

      oooch Gott, mir raucht der Kopf. Bin erst heute in dieses Forum eingestiegen und lese zufälligerweise gerade das Buch nach der Endlichkeit. Momentan bin ich ungefähr auf Seite 100. Muss also erst noch fertig lesen und das ganze verdauen.
      Zunächst mal: wie ich M's Begriff des Korrelationismus deute: ein Korrelationist würde meinen, dass die Existenz eines Dinges immer mit der Präsenz eines denkenden Subjekts gekoppelt ist. Nur mal als Beispiel: Heidegger (den M. auch tatsächlich als Korrelationisten bezeichnet) behauptet an mehreren Stellen, dass es "Sein" nur gebe, sofern Dasein existiert. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass der Mensch gewissermaßen Sein aus sich heraus produziert (könnte er dies, so wäre er ein Gott), sondern vielmehr, dass zwischen Mensch und Sein ein unauflösbarer Bezug, eine Korrelation besteht. Korrelation meint ja nicht, wie in diesem Thread schon mehrfach richtigerweise angemerkt wurde, Kausalität, sondern bedeutet nur, dass das Eine ohne das Andere gar nicht gedacht werden kann. (wie dies aus der Sicht Heideggers jetzt zu interpretieren sei, darauf kann ich jetzt hier nicht weiter eingehen. Es gibt dazu eine breite Diskussion im angelsächsischen Sprachraum, von Dreyfus über Taylor bis zu Blattner).
      M.'s Frage ist nun, wie das Anzestrale in einer solchen korrelativen Sicht überhaupt untergebracht werden kann. Nämlich gar nicht, wie er meint.
      Damit stellt sich die Frage, wie "der Teufelskreis der Korrelation" durchbrochen werden kann. Kurz gefasst: "Etwas absolutes denken, heißt, etwas für uns Absolutes denken, also nichts Absolutes denken." (Nach der Endlichkeit, S. 76).
      Damit stellt sich für M. die Frage, wie überhaupt ein Absolutes gedacht werden kann, das weder von einem (gescheiterten) ontologischen Gottesbeweis noch von einem irrationalen Fideismus ausgeht.
      Ob ihm das gelingt, muss ich mir erst genauer durch den Kopf gehen lassen. Nach dem Ende meiner Lektüre werde ich versuchen, die zentralen Gedankenschritte von M. hier zusammenzufassen. Freilich mit dem Vorbehalt, dass ich auch komplett daneben liegen kann ;)

      Ich wäre dann dankbar um Kommentare.
      Wow, Danke, Endlich

      wenn Du diesen thread nicht wenigstens 2 Wochen betreust, dann bist Du was oder wer?
      Richtig!!!
    • Charles schrieb:

      Bin erst heute in dieses Forum eingestiegen und lese zufälligerweise gerade das Buch nach der Endlichkeit. Momentan bin ich ungefähr auf Seite 100. [...] Nach dem Ende meiner Lektüre werde ich versuchen, die zentralen Gedankenschritte von M. hier zusammenzufassen. Freilich mit dem Vorbehalt, dass ich auch komplett daneben liegen kann ;)
      Vielleicht lässt sich der Lesethread weiterführen, so dass auch der Threadstarter wieder einsteigt.

      Charles schrieb:

      Zunächst mal: wie ich M's Begriff des Korrelationismus deute: ein Korrelationist würde meinen, dass die Existenz eines Dinges immer mit der Präsenz eines denkenden Subjekts gekoppelt ist.
      Wie ich Meillassoux zu kennen meine, ist genau das der Ausgangspunt seiner Überlegungen.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Charles schrieb:

      stellt sich für M. die Frage, wie überhaupt ein Absolutes gedacht werden kann, das weder von einem (gescheiterten) ontologischen Gottesbeweis noch von einem irrationalen Fideismus ausgeht.
      Ob ihm das gelingt, muss ich mir erst genauer durch den Kopf gehen lassen.
      ...

      Ich wäre dann dankbar um Kommentare.
      Es hinge davon ab, wie man "Glaube" definiert. Handelt es sich um den animistischen, bei dem also innerlich Gestalt nehmende 'Hypothesen' (über die Beschaffenheit eines Dinges; des Alls) auf die 'Welt' projiziert werden? Die in dem Maße, wie man sie verifizieren kann, von Glaube zum Wissen schreiten?

      Oder geht's um mystischen Glaube, der rein innerlich-selbstbezogen bleibt, da am Grunde seiner Seele der Mensch als Geschöpf den Schöpfer in sich zurückerschafft?

      Den religilösen Glaube kann man für diese Untersuchung bis auf weiteres abhaken, weil er eine in Dogmatismus erstarrende, die triebhaft wissbegiere Hinterfragung tabuisierende Entartung des menschlich fehlbaren Denkens (bis hin zurück zu seiner göttlich-unfehlbaren Erst-Ursache) darstellt...


      Charles schrieb:

      ein Korrelationist würde meinen, dass die Existenz eines Dinges immer mit der Präsenz eines denkenden Subjekts gekoppelt ist.
      Ist das Dasein des Kosmos von der Präsenz des Menschen als denkendes Subjekt bedingt? Wie das, wenn der Mensch erst ein Produkt der kosmischen Evolution ab dem Urknall ist!


      Sinnvoll wäre zweierlei:

      >> Es sind lediglich Vor-Stellungen, die unser Verstand unter'm Einfluss der Sinnesreize aus einer handvoll 'analytisch' nicht weiter zerlegbarer Kategorien syntherisiert und von der Vernunft - zum Zwecke der Orientierung, des Überlebens - auf die uns unerkennbar bleibenden, wiewohl spürbaren Reizquellen (Dinge an sich) projiziert werden.

      >> Die Kategorien (Qunatenzahlen?) stellen Urgedanken des göttlich unfehlbaren Subjekts und der Kosmos seinen Spiegel dar, in dem er sich - ihm zum Ebenbilde - selbsterkennen kann.

      Solch Selbstbetrachtung mitein­be­greift eine scheinbare Selbstteilung (Umwandlung der Wahrheit in den Anschein der Wahrheit, zur Wahrscheinlichkeit/Sub-Objekt-Spaltung). Indem aber der raum­zeit­liche Ur-Spiegel – das kosmische Wasser der Genesis, auf deren Oberfläche der Geist Gotte weht – zu einem Menschen mit eigenem Erkenntnisvermögen evolutioniert, anhand dessen er den Schöpfer erkennt (sog. Erleuchtung), erfährt dieser sich selbst auf dem Umweg seines Geschöpfes ohne in Wahrheit geteilt zu sein. Diese (Selbst)Erkennt­nis­weise ist nun mystisch...
    • @Johann

      Das sind spannende Überlegungen. Aber darauf eingehen kann ich erst nach abschließendem Resümee.
      Was den "Glauben" anbelangt: ich vermute, dass M. hier eine Art Credo quia absurdum est vor Augen hat. Der Glaube sozusagen als Lückenbüßer für ein fehlendes Wissen. Wenn ich die Existenz der Außenwelt nicht mehr auf dem Umweg eines Beweises der Existenz eines vollkommenen Wesens beweisen kann, dann muss dort, wo das Wissen versagt, eben der Glaube einspringen.
      Ich vermute ferner, dass M. nicht den mystischen Glauben im Focus hat. Denn letzterer ist - jedenfalls in der Tradition des Neuplatonismus - ja gerade selbst eine Form des Wissens (gewonnen durch eine Innenschau).

      Ehmm.. Sorry Johann. Wenn ich da genauer darüber nachdenke, dann vermute ich, dass M. gerade Deinen zweiten (neuplatonischen) Ansatz aus den Angeln heben will. Etwas ins Unreine gesprochen: das einzige, was einem starken Korrelationismus noch übrig bliebe, um das Anzestrale noch retten zu können, wäre eine Verabsolutierung der Korrelation selber. Aber gerade eine solche idealistische Verabsolutierung der Korrelation (Sie sozusagen bis an die Ursprünge unseres Universums zurückzuverlegen) wäre aus korrelativer Sicht eine unzulässige Grenzüberschreitung. Damit bleibt nur noch übrig, diese Korrelation selbst zu entabsolutieren, sie also auf ihre Beschränktkeit und Kontingenz zurückzuwerfen.

      Irgendwie so ähnlich müsste es gehen. Nur bitte, bitte mir etwas Zeit lassen.
    • Charles schrieb:

      spannende Überlegungen. Aber darauf eingehen kann ich erst nach abschließendem Resümee.
      Sag mir gern in einer PN oder Mail Bescheid; den Thread hier kann ich Mangels Zeit nicht laufend im Fokus halten.

      Ich freue mich sehr auf unser weiteres Gespräch!
    • Charles schrieb:

      Zwei Wochen werde ich für dieses Buch schon noch brauchen. Und dann muss ich die zentralen Argumente zusammen fassen. Ich bin mir nämlich nicht ganz sicher, ob da nicht irgendwo ein Wurm drinnen steckt. Aber sollte es so sein, so lässt sich das nur durch sorgfältige Analyse herausstellen.
      Schon seit längerer Zeit zergehe ich meinen Kopf ob diesen Fragen.

      Einstein und die Quantenmechaniker haben ja das Bezugssystem des <<Be-obachters>> erkannt. Da der Be-bobachter aber immerselbst ebensolcher sein MUSS, ist das Bewusstsein und damit seine Vertreter - oh god nono - wichtig!++

      Was wir also brauchen ist eine Wissenschaft aus der Sicht des "individuellen Bewusseins". Ob es für "Esoterik" FörderMilliarden gegen kann, mit denen man/frau die kids nach EATON schicken kann?

      Wir müssten nämlich Feldforschung in Sachen Traum etc. aufsetzen.
    • Charles schrieb:

      Ehmm.. Sorry Johann. Wenn ich da genauer darüber nachdenke, dann vermute ich, dass M. gerade Deinen zweiten (neuplatonischen) Ansatz aus den Angeln heben will. Etwas ins Unreine gesprochen: das einzige, was einem starken Korrelationismus noch übrig bliebe, um das Anzestrale noch retten zu können, wäre eine Verabsolutierung der Korrelation selber. Aber gerade eine solche idealistische Verabsolutierung der Korrelation (Sie sozusagen bis an die Ursprünge unseres Universums zurückzuverlegen) wäre aus korrelativer Sicht eine unzulässige Grenzüberschreitung. Damit bleibt nur noch übrig, diese Korrelation selbst zu entabsolutieren, sie also auf ihre Beschränktkeit und Kontingenz zurückzuwerfen.

      Irgendwie so ähnlich müsste es gehen. Nur bitte, bitte mir etwas Zeit lassen.
      Keine Sorge, wirst hier schon keine Strafzettel wegen Trödellei oder so bekommen.

      Was mich im Moment interessiert und vielleicht auch für Dich reizvoll wäre: Sagt M. (oder besser noch: Du selbst) etwas zu der m.E. gegebenen Logik, dass man durch das 'analytische' Zerlegen des Aufbaues komplexer materieller Strukturen (Sterne Planeten Lebewesen) einerseits und unserer Alltagsvorstellungen anderseits (auch ohne dass diesen schon die Befunde der modernen Physik zur Kenntnis gelangt sein bräuchten) grundsätzlich auf eine identische, universal gültige 'Schablone' aus nicht weiter teilbaren, von hier aus ebenso wieder zu Sternen als auch unserem Vorstellungsweltall zusammensetzbaren Elementen stoßen müsste?

      Also eine Art Standardmodel einerseits (wie es der modernen Physik im Ansatz vorschwebt) und ein Model apriorischer Erkenntniskategorien andererseits, wie es Heraklit mit seiner 4 Elemente Lehre andachte und über Sokratplatonaristoteles von Kant weiter verdeutlicht (von bei Heraklit 4 auf dann 4 mal 3 =12 erweitert) wurde?

      Der Erkenntnistheorie würde ich gegenüber dem Projekt der modernen Physik Vorrang geben aus folgendem Grunde: Nicht erstere, sondern nur letztere sollte methodisch erklären können, warum unsere menschliches Denken sodann - als es ausging von einer sinnlich und vorstellungsmäßig unfassbar bleibenden ersten Ursache (ist Gott ein undimensionales Energiepotential?) - grundsätzlich dualistisch beschaffen scheint und deswegen neigt, die Welt entweder aus der eher 'körperlich' physikalischen, oder der eher 'geistig'-psychologischen Perspektive zu betrachten. Bei ersterem gelangen wir zu Gleichungen wie E=mc² (eine als "Wahrscheinlichkeitswelle" benennbare, ihrerseits dualistische Relation), und bei letzterem zu einer Formel wie Libdioenergie=KörperGeist (eine "Seele" genannte Relation, in Freuds Worten: das "Es").

      Angewandte Physik führt, da sie die Hypothese des Geistes in der Materie kategorisch exkludiert, zu einer rein manipulativen Wissenschaft; angewandte Psychologie hingegen ist rein kommunikativ, kooperierend.

      Bemerkenswert: Die Welle steckt im Wasser (mit dem die Genesis wie auch die Vorsokratiker beginnen) und führt etymologisch zum Begriff der See-le hin. Noch die moderne Physik scheint unverzichtbar darauf angewiesen, den Bruch der Ursymmetrie (Beginn des dimensional-kausalen Werde-Vergehens ab dem 'Urknall', aus oder innerhalb eines undimensional-akausalen, a peironalen 'Nichts') am Beispiel einer aus reinstem Wasser bestehenden Wellt zu beschreiben. Noch aber regt sich kein Lüftchen...


      Charles schrieb:

      Korrelation meint ja nicht, wie in diesem Thread schon mehrfach richtigerweise angemerkt wurde, Kausalität, sondern bedeutet nur, dass das Eine ohne das Andere gar nicht gedacht werden kann.
      Übrigens, ich komme nicht von den Neuplatonikern. Unter "Mystik" verstehe ich Abhandlungen wie Meister Eckeharts über die Seligkeit der Armen im Geiste. Damit ist zuletzt, nach weiterem, die Transzendierung der Kausalität gemeint, die im Zweifelsfall auch das Menschlich Allzumenschliche unseres Denkens trägt. Das Ergebnis ist keine rationale Metaphysik...
      Neoplatonisches mündet in die Scholastik der mittelalterlichen Kirche, und die hatte mit Eckeharts Mystik ein schweres Problem... Aus der animistischen Perspektive war Gott für Eckehart der den infiniten Regress meidende Urquell der Natur mit ihren die un- wie belebte Materie gleichermaßen bestimmenden Gesetzen, Instinkten, nicht die Ursache gottesfeindlicher Verhaltensvorschriften wie zusammengefasst im Dekalog...


      Charles schrieb:

      M.'s Frage ist nun, wie das Anzestrale in einer solchen korrelativen Sicht überhaupt untergebracht werden kann. Nämlich gar nicht, wie er meint.
      Damit stellt sich die Frage, wie "der Teufelskreis der Korrelation" durchbrochen werden kann. Kurz gefasst: "Etwas absolutes denken, heißt, etwas für uns Absolutes denken, also nichts Absolutes denken." (Nach der Endlichkeit, S. 76).
      Bisschen ungereimt (komme nicht dazu, M. zu lesen; könntest Du dann ggf. näher erhellen). Sieht aber darnach aus, als ob er sich mit der Funktion Gottes (als undimensional schöpferisches Energiepotential) am Urgrunde unserer menschlichen Denkungsart plagt. Welche Funktion hat ein undimensionaler Punkt in der Bahn des zeiträumlich 3 dimensionalen Kreises? Ihm ist Kraft immanent, bestimmend für deren Richtung, Anfang und Ende zugleich. Stellt also unsere Zweckursache und die des Kosmos dar.
      Für M eine teuflische Beziehung? Dämonisiert er die Natur; ist er ihr gegenüber ignorant?

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Johann ()

    • Ninotschka schrieb:

      Wir müssten nämlich Feldforschung in Sachen Traum etc. aufsetzen.
      Wenn Du willst, würde ich Dich unterstützen, in Sachen Traumanalyse Dein eigenes Feldforschungsobjekt zu sein. Als Preis an mich hättest Du nur Deine Freien Assoziationen über die Symbole zu entrichten...