Quentin Meillassoux: Nach der Endlichkeit. - oder, worauf zielt er eigtl. ab?

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    • Quentin Meillassoux: Nach der Endlichkeit. - oder, worauf zielt er eigtl. ab?

      Hat wer Lust das auch zu lesen? Denke das werde ich demnächst mal lesen und hier einen Diskurs darüber könnte ganz interessant sein.

      amazon.de/Nach-Endlichkeit-Tra…-1&keywords=9783037348475
      borromedien.de/produkt-1/nach_der_endlichkeit/4153709

      de.wikipedia.org/wiki/Quentin_Meillassoux

      Es kann natürlich auch gerne über Inhalte z.B. aus dem Wikiartikel diskutiert werden.

      "Meillassoux interessiert sich für Naturwissenschaften und Mathematik, weil diese einen Zugang zur Welt unabhängig von Sprache und jenseits des Sozialkonstruktivismus bieten. Er führt die Begriffe Ancestralität, Archefossil und Korrelationismus ein. Mit Ancestralität ist die Zeit vor dem bewussten Leben gemeint; mit Archefossil bezeichnet er wissenschaftliche Daten, aufgrund derer wir im Stande sind, z. B. Aussagen über die Entstehung der Erde zu tätigen; Korrelationismus meint, dass zu jedem Denken ein Sein gehört und umgekehrt, was bedeutet, dass es keinen gedanklichen Zugang zur Welt ohne ein vom Denken unabhängiges Sein gibt; d. h. die Welt, die wir kennen, besteht nur in uns und unsere Gedanken bestehen nur in der Welt."

      das ist bspw. ganz interessant. Im Grunde ist da glaub alles interessant, wenn man den Wiki Artikel liest.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • Groot schrieb:

      Hat wer Lust das auch zu lesen? Denke das werde ich demnächst mal lesen und hier einen Diskurs darüber könnte ganz interessant sein.

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      borromedien.de/produkt-1/nach_der_endlichkeit/4153709

      de.wikipedia.org/wiki/Quentin_Meillassoux

      Es kann natürlich auch gerne über Inhalte z.B. aus dem Wikiartikel diskutiert werden.

      "Meillassoux interessiert sich für Naturwissenschaften und Mathematik, weil diese einen Zugang zur Welt unabhängig von Sprache und jenseits des Sozialkonstruktivismus bieten. Er führt die Begriffe Ancestralität, Archefossil und Korrelationismus ein. Mit Ancestralität ist die Zeit vor dem bewussten Leben gemeint; mit Archefossil bezeichnet er wissenschaftliche Daten, aufgrund derer wir im Stande sind, z. B. Aussagen über die Entstehung der Erde zu tätigen; Korrelationismus meint, dass zu jedem Denken ein Sein gehört und umgekehrt, was bedeutet, dass es keinen gedanklichen Zugang zur Welt ohne ein vom Denken unabhängiges Sein gibt; d. h. die Welt, die wir kennen, besteht nur in uns und unsere Gedanken bestehen nur in der Welt."

      das ist bspw. ganz interessant. Im Grunde ist da glaub alles interessant, wenn man den Wiki Artikel liest.
      Da bin ich dabei.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Neuer Realismus

      Oder

      Nicht alles ist konstruiert.


      "An der Wurzel des modernen Denkens liegt die Frage nach der Beschränkung der universalistischen Ansprüche der menschlichen Vernunft. Seit Kant wacht ein universelles, »transzendental« genanntes Subjekt über die Notwendigkeit der Naturgesetze und weist die Kontingenz der empirischen Erfahrung zu.

      Quentin Meillassoux entwickelt in diesem, seinem ersten Buch ein anderes Verständnis der Kritik, das grundlegend verschieden ist von der Lesart, mit der die Moderne sich ausgehend von Kant zufriedengibt. Er weist nach, dass nur eines absolut notwendig ist, nämlich die Kontingenz der Naturgesetze selbst. Diese ganz neuartige Verknüpfung der einander entgegengesetzten Modalitäten – Notwendigkeit und Kontingenz – versetzt das Denken in einen Bezug zur Welt, an dem sowohl die klassische Metaphysik als auch die »kritische« Trennung von Empirischem und Transzendentalem zerbrechen." Klappentext zum Buch
    • Ich habe mir es jetzt bestellt. Werde aber voraussichtlich die nächsten 30 Tage eher weniger zum lesen kommen. Danach steht das aber an.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • Groot schrieb:

      Ich habe mir es jetzt bestellt. Werde aber voraussichtlich die nächsten 30 Tage eher weniger zum lesen kommen. Danach steht das aber an.
      Das passt schon, zumal es sich andere noch überlegen können, ebenfalls mitzumachen.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • aber wir könnten ja schonmal über die Infos sprechen, die sich auf Wikipedia finden lassen.

      1.
      Meillassoux interessiert sich für Naturwissenschaften und Mathematik, weil diese einen Zugang zur Welt unabhängig von Sprache und jenseits des Sozialkonstruktivismus bieten. Er führt die Begriffe Ancestralität, Archefossil und Korrelationismus ein. Mit Ancestralität ist die Zeit vor dem bewussten Leben gemeint; mit Archefossil bezeichnet er wissenschaftliche Daten, aufgrund derer wir im Stande sind, z. B. Aussagen über die Entstehung der Erde zu tätigen; Korrelationismus meint, dass zu jedem Denken ein Sein gehört und umgekehrt, was bedeutet, dass es keinen gedanklichen Zugang zur Welt ohne ein vom Denken unabhängiges Sein gibt; d. h. die Welt, die wir kennen, besteht nur in uns und unsere Gedanken bestehen nur in der Welt.
      ___

      Ich denke, dass der Begriff des Archefossils die Definition von "Aussage" der Hermeneutik und Dialektik in Einklang bringen kann mit dem Verständnis von Aussage in formallogischer und mathematischer - also auch naturwissenschaftlicher - Hinsicht.

      Die Ancestralität ist m.E. wichtig um der Unterscheidung zu entkommen, was denn genau "menschlich" am Leben ist. Denn dann spielen epistemische und erkenntnistheoretische Argumente eine Rolle, nicht mehr ontologische oder ethische.

      Der Korrelationismus ist halt im Grunde Relativität in eine "stochastisch und deskriptiv kontrollierte" Umgebung eingebettet, bei der das Umgreifende relativ zu einem "Alleräußersten" steht, aber die Korrelationen innerhalb dieses "kommunikativen Bezugssystems" sind kontingent, weil nicht alle Korrelationen deterministisch sind.

      2.
      Meillassoux setzt Kants transzendentale Philosophie mit der Position eines „schwachen Korrelationismus“ gleich, da Kant behaupte, dass etwas an sich existiert und dieses Etwas denkbar ist. Eine Position des „starken Korrelationismus“ postuliere hingegen, dass wir nur wissen können, dass es ein An-sich gibt, weil es gedacht werden könne.
      _____

      passender wäre für Kant "direkter oder unmittelbarer" Korrelationismus. Denn bei Kant korreliert Apperzeption und Ding-Ansich, bei M. hingegen nur die gesammelten Daten untereinander als Informationsnetzwerk.

      3.
      Meillassoux kehrt in seiner Kritik des Korrelationismus zur klassischen „vor-kritischen“ Ontologie zurück, ohne ihn jedoch ganz aufzugeben; er will vielmehr den Korrelationismus radikalisieren und über eine Grenzen treiben. Meillassoux stellt auch den vorkantianischen „metaphysischen Realismus“ mit seinem Satz vom zureichenden Grund (etwa: wenn etwas existiert, muss dies eine Ursache haben) und damit das Kausalitätsprinzip überhaupt in Frage: Der spekulative Realismus gründe nicht wie die klassische Metaphysik auf der notwendigen Existenz von etwas oder der Annahme einer Causa sui, also von etwas, das eine Ursache für sein eigenes Sein sei. Die einzige Notwendigkeit sei die der Kontingenz, also der Nicht-Notwendigkeit, aber diese sei kein Seiendes. So habe auch das vernünftige Denken keinen äußeren Grund. Er kritisiert damit sowohl den materialistischen Determinismus als auch die idealistische Vorstellung einer reflexiven Freiheit: Auch die Wahlen, die das Individuum trifft, seien kontingent; es gebe keinen Unterschied zwischen freiwilligen und unfreiwillig getroffenen Entscheidungen.

      Während die Physik sich nicht auf empirische Regelmäßigkeiten oder Gesetze der Natur berufen könne (die sich jederzeit ändern könnten), sei die Mathematik in der Lage, grundlegende Qualitäten wie „Dinge an sich“ zu denken. Einziges Kriterium für die Richtigkeit des Denkens sei nicht seine Übereinstimmung mit der Welt, sondern seine Widerspruchsfreiheit. Daher seien wir grundlegend auf das absolute Denken zurückgeworfen, wie schon Descartes postulierte.

      ________

      Das Kausalitätsprinzip sollte nicht in Frage gestellt werden - man kann es nicht mehr aus der Welt schaffen. Vielmehr gilt es ausschließlich in Naturwissenschaften und unter "Laborbedingungen". Die Sozialwissenschaften sind "im Feld" unterwegs, weshalb hier Kausalität nicht anwendbar ist.
      Anders könnte man auch sagen, dass Kausalität nach dem "Ur-Ding" fragt und deshalb widerspruchsfrei sein muss, während Kontingenz nach der Ursache fragt, die sich an Gründen und apriori Notwendigkeiten (also der Nicht-Notwendigkeit) festmacht.

      Seine Konklusion, dass die Nicht-Notwendigkeit für den spekulativen Realismus verantwortlich ist, halte ich für wahr.
      Das vernünftige Denken mag keinen äußeren Grund haben, auf den es abzielt. (Was ich für falsch bzw. zu radikal halte) Aber es entspringt gewissen äußeren Ursachen, die kontingent so sind, wie sie liegen.


      4.
      Meillassoux versucht weiterhin zu zeigen, dass wissenschaftliche Aussagen über die Entstehung der Erde nicht in Übereinstimmung mit dem Korrelationismus zu bringen sind, da es zum Zeitpunkt der Entstehung der Erde keine denkenden Menschen gab.[3]

      _____

      Das ist zwar plausibel, wird mir persönlich dann aber zu formal und dogmatisch.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • In Buchkapitel 1 geht es um Anzestralität, was im Zusammenhang mit Meillassoux ungefähr "Altertümlichkeit" bedeuten dürfte.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      In Buchkapitel 1 geht es um Anzestralität, was im Zusammenhang mit Meillassoux ungefähr "Altertümlichkeit" bedeuten dürfte.
      ja, durch den Bezug auf das Alter, wird die leidige Unterteilung von Mensch und Tier irrelevant. Dadurch lässt sich leichter die Differenz von Zivil/Archaisch einführen, die konstitutiv wirkt für die Sozialwissenschaften und für dialektische Modelle und kommunikative Bezugssysteme.

      Der Sprung geht dann dorthin, dass das Alter eine definierende Eigenschaft von Lebendigkeit ist und damit physikalisches Universum von organischer Sozialwelt differenziert.
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    • Wir sollten hier die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit der Relativitätstheorie als unbesehen links liegen lassen. Denn das macht das Verständnis m.E. um einiger leichter, da das Bezugssystem "Gravitation" durch eine "narrative Gravitation" und das damit einhergehende kommunikative Bezuggsystem substitutiert werden kann. Was die Sache auf das Lebendige eingrenzt und das nicht-lebendige aussen vor lässt.

      Dadurch rücken die Substitute der Theologie ins Zentrum, bspw. kritische Theorie, Strukturalismus oder Hermeneutik und Phänomenologie.
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    • Meillassoux macht zu Beginn diese Bemerkung:
      "'Ding an sich' (welches im Grunde ein 'Ding ohne mich' ist)" (Kapitel 1; 2. Auflage, 2013, S. 14).
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Ich habe mittlerweile das erste Kapitel gelesen. Halte ich für ziemlich richtig. Wo meinst du, @Fliege , oder auch andere, treten hierbei Probleme auf?
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    • Groot schrieb:

      Ich habe mittlerweile das erste Kapitel gelesen. Halte ich für ziemlich richtig. Wo meinst du, @Fliege , oder auch andere, treten hierbei Probleme auf?
      Die beschriebene zitierte Position von Fliege sehe ich als eine Realität, daher wirksam, Probleme könnten erzeugt werden wenn weitere Positionen antreten, denn das kennen wir ja bereits, das "ich", gleichbedeutend mit dem "Selbstbewusstsein", kann zu jeglicher Zeitvarianz Probleme erschaffen
    • Die Frage, die sich mit dem Ding-ansich ergibt ist die nach Begriffsrealismus oder Begriffsnominalismus. Nimmt man das Ding-ansich an - oder wahlweise Fallibilismus - dann arbeitet man mit einem Begriffsrealismus. Nimmt man dieses hingegen nicht an, dann werden Begriffe nominal verstanden und der Begriff "das Eine" oder "Sein" fällt dann mit der Mengenlehre in Eines, statt als umgreifendster Begriff auf etwas zu verweisen dessen Gehalt und Inhalt nicht verständlich werden kann.
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    • Groot schrieb:

      Ich habe mittlerweile das erste Kapitel gelesen. Halte ich für ziemlich richtig. Wo meinst du, @Fliege, oder auch andere, treten hierbei Probleme auf?
      Das Kapitel bietet einige Aspekte, die sich zu bereden lohnen würden, finde ich, wie Theorie der primären und sekundären Qualitäten (S. 13), Ding an sich (S. 14), mathematische Begriffe (S. 15), Kant (S. 16), Subjektivität (S. 17), Korrelationismus (S. 18) und anderes mehr bis hin zur Anzestralität.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • dann schlag etwas vor. Ein Zitat oder weiteres, denn ich halte die Argumentation bisher für plausibel, die M. anwendet. Das unklarste dürften wohl die mathematischen Begriffe sein oder eben die Tatsache, dass M. das Subjekt enorm ausgedehnt versteht. Viel ausgedehnter als dies heute oft getan wird.
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      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Groot ()

    • Groot schrieb:

      Das unklarste dürften wohl die mathematischen Begriffe sein, weil alles andere ist ja eigtl. klar.
      Wenn dir fast alles klar ist, kannst du ja die genannten Aspekte kurz erläutern. ;) Wo verläuft die Trennlinie zwischen primären und sekundären Qualitäten? Und wie hängen die weiteren genannten Aspekte mit dieser Trennlinie zusammen?
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      Wenn dir fast alles klar ist, kannst du ja die genannten Aspekte kurz erläutern. Wo verläuft die Trennlinie zwischen primären und sekundären Qualitäten? Und wie hängen die weiteren genannten Aspekte mit dieser Trennlinie zusammen?
      sekundäre Qualitäten sind gebunden an die Perspektive des Subjekts auf die Welt. Während primäre Qualitäten in den Dingen liegen und Eigenschaften unabhängig von der Perspektive haben, die wir als Mensch auf sie haben.

      Sekundäre Qualitäten sind sozusagen monadisch/Daseinsbehaftet und entstehen erkenntnistheoretisch, während primäre Qualitäten ontologisch sind und so zu verstehen, dass das Sein dem Dasein zu Grunde liegt.

      Das Ding-ansich wird bei ihm nun so verstanden, dass dieses nicht vorhanden ist, sondern jeder "Weltzugriff" immer eine Korrelation ist, die etwas esoterisches und etwas exoterisches miteinander verküpft. Der Punkt hierbei ist der, dass die Korrelation in etwas passiert, das unbekannt ist und das vom Denker als "nicht-hypostasiert" - nicht verdinglicht - zu begreifen (es ist sozusagen etwas, das ähnlich ist wie eine Seele, aber es ist nicht Seele.)

      Weil der Weltzugriff immer nur so geschieht, dass hierbei ein esoterischer Teil mit einem exoterischen verknüpft wird, ist der einzige Ort an dem dies nicht geschieht, die Mathematik. Weshalb er sagt, dass alles, was über ein Ding gesagt werden kann in mathematischen Begriffen gesagt werden muss, damit es "an sich" ist, also nicht - oder minimalst - dem Korrelationismus unterworfen ist.

      Kant ist mir egal.

      Die daraus entstehende Subjektivität ist dann eine, die sozusagen alles Wissen in sich aufnimmt und als "zu mir gehörig" begreift. Man könnte sagen, dass das Subjekt die Wissenschaft "in sich" trägt und deren Ausgedehntheit Teil des Subjekts ist, eben weil der Denker sich der Korrelation bewusst ist und vermeidet sich "in-der-Welt" als einen hypostasierten Gegenstand zu setzen.

      Weil sich das Denken nicht selbst in einer Seele hypostasiert, tut es alles, was vor diesem Element kommt, das sich nicht selbst hypostasieren will, hypostasieren - M. nennt hierfür Sprache und Bewusstsein (S. 19). Anderes wäre z.B. soziale Systeme oder Moral.

      Die Frage ist nur, was mathematische Begriffe sind. Ob diese vom Subjekt aus zu denken sind oder von einem willkürlich gesetzten Punkt außerhalb des Subjekts.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
      Der Kern. Im Handeln oder in der Wiedererkennung liegt das Sinnesdatum, der affizierende Reiz.
    • Groot schrieb:

      sekundäre Qualitäten sind gebunden an die Perspektive des Subjekts auf die Welt. Während primäre Qualitäten in den Dingen liegen und Eigenschaften unabhängig von der Perspektive haben, die wir als Mensch auf sie haben.
      Deinen ersten Satz finde ich vorzüglich. :)

      Bei deinem zweiten Satz möchte ich diese Änderung vorschlagen:
      Primäre Qualitäten sind Eigenschaften von Objekten (Dingen, Gegenständen), die unabhängig von der etwaigen Perspektive des Subjekts (Menschen und andere subjektfähige Lebewesen) vorliegen.

      Was meinst du dazu?
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      Deinen ersten Satz finde ich vorzüglich.

      Bei deinem zweiten Satz möchte ich diese Änderung vorschlagen:
      Primäre Qualitäten sind Eigenschaften von Objekten (Dingen, Gegenständen), die unabhängig von der etwaigen Perspektive des Subjekts (Menschen und andere subjektfähige Lebewesen) vorliegen.
      Objekte sind m.E. nicht-materielle oder rechtliche Sachen und materielle Dinge. Diese beiden zusammen decken alles ab, was Gegenstand sein kann.

      Ansonsten sagt das ja im Prinzip dasselbe, wobei du meinst, dass die primären Qualitäten auch da wären ohne Menschen, die auf diese blicken können bzw. diese erfassen können. Was ich für falsch halte ----> siehe S. 34 ff. --> Unterschied nicht-Wahrgenommen und nicht-Sein.

      Die primären Qualitäten sind erst dann vorhanden, wenn es ein "Gegebenes" gibt, wenn also ein Subjekt vorhanden ist. Denn im Bereich des Anzestralen lassen sich keine Eigenschaften feststellen, es sei denn die, die wir auf Grund des Wissens, das wir in unserer Gegenwart erlangt haben, in die Gegenstände hineingeredet haben.
      One of the weirdest ideas that people have is that corporations are ideologically neutral and just want more money. Corporations will gladly throw money away to keep the power structure in place, even for the next generation.
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    • Groot schrieb:

      [...] du meinst, dass die primären Qualitäten auch da wären ohne Menschen, die auf diese blicken können bzw. diese erfassen können. Was ich für falsch halte [...].

      Die primären Qualitäten sind erst dann vorhanden, wenn es ein "Gegebenes" gibt, wenn also ein Subjekt vorhanden ist.
      Schauen wir nicht, was du oder ich meinen, sondern darauf, was Meillassoux meint, um den es zunächst gehen soll.

      Deine Erläuterung der sekundären Qualitäten passt zu dem, was Meillassoux zu sekundären Qualitäten sagt: "Diese sinnlichen Qualitäten, die nicht in den Dingen selbst liegen, sondern in meinem subektiven Verhältnis zu ihnen – diese Qualitäten entsprechen dem, was die Vertreter der klassischen Philosophie sekundäre Qualitäten nennen" (S. 14).
      (Ist das auch bei dir Seite 14?)

      Meine Erläuterung der primären Qualitäten wiederum passt zu dem, was Meillassoux zu den primären Qualitäten sagt: "Man versteht in der Tat unter primären Qualitäten jene Eigenschaften, die vom Gegenstand untrennbar sein wollen: Eigenschaften, die als dem Ding zugehörig angenommen werden: Eigenschaften, die als dem Ding zugehörig angenommen werden, selbst wenn ich es nicht mehr auffasse. Eigenschaften des Dings, ohne mich genauso gut wie mit mir – Eigenschaften des Ansich" (S. 15).

      Soweit mir bekannt ist, entspricht diese von Meillassoux (heute) gezogene Trennlinie dem, was Locke (1690) bei der Einführung der Unterscheidung zwischen primären und sekundären Qualitäten zum Ausdruck bringen wollte. Bei Bedarf ließe sich diese Bezugnahme näher beleuchten. (Würde man eine Studienarbeit schreiben, würde man auch Locke heranziehen.)

      Deine Position wird Meillassoux später "Korrelationismus" nennen.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).