Locke, Two Treatises of Government

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    • Locke, Two Treatises of Government

      In diesem Thread, den ich mit Absicht im wissenschaftlichen Bereich ansiedele, soll es um die politische Philosophie von John Locke gehen. Ich lese dazu gerade seine Two Treatises of Government; Lockes Essay Concerning Human Understanding soll hier also NICHT das Thema sein.
      Am Anfang seines ersten Treatise antwortet Locke auf Robert Filmer, der eine patriarchalische Weltordnung letztlich auf den göttlichen Schöpfungsakt sowie darauf zurückführt, daß der biblische Adam zum Alleinbeherrscher der Welt gemacht wurde. Locke hält diese Begründung Filmers für nicht haltbar.
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      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • Ich bin - schon oder immer noch, je nachdem - im 4. Kapitel des ersten Treatise, und Lockes Kritik an seinem Gegner Robert Filmer geht weiter. Lockes Werk ist übrigens - wie kann es auch anders sein - im Englisch des ausgehenden 17. Jahrhunderts geschrieben, das sich von dem heutigen Englisch in mancher Weise unterscheidet, trotzdem ist das Werk aber gut lesbar. Locke scheint insofern kein Atheist im heutigen Sinne zu sein, als er versucht, Filmer durch eine andere Auslegung der Bibel zu widerlegen und nicht etwa dadurch, daß er sagen würde, man solle die Bibel überhaupt nicht heranziehen, wenn es um die Frage nach dem richtigen politischen System geht.
      Welches politische System für Locke das richtige ist, sagt er in diesen ersten Kapiteln seines ersten Treatise noch nicht, zunächst einmal geht es ihm darum, Filmer insoweit zu widerlegen, als eine absolute Monarchie sich nicht aus der Bibel, genauer: dem ersten Kapitel des 1. Buchs Mose, Vers 28, ableiten läßt. Nach Locke ist also aus der Bibel bzw. dem 1. Buch Mose eine Unterordnung von Menschen unter andere Menschen nicht herzuleiten.
      Dieser Vers 28 des ersten Kapitels des 1. Buchs Mose, um den es bei Locke und wohl auch bei Filmer geht, ist eine Aufforderung Gottes an Adam und Eva, sich zu mehren und sich die Erde untertan zu machen. Locke meint nun, und ich würde hier zustimmen, nachdem ich die entsprechende Bibelstelle gelesen habe, daß hiermit erstens nicht nur Adam, sondern auch Eva (Verwendung der 2. Person Plural) gemeint ist, und daß sich zweitens die Aufforderung, sich die Erde untertan zu machen, auf alles, nur nicht auf andere Menschen bezieht.
      Folglich besteht das Zwischenergebnis bis hierhin in der Erkenntnis, daß Locke die Berechtigung der Unterordnung von Menschen unter Menschen anzweifelt und insbesondere auch anzweifelt, daß eine solche Unterordnung gottgegeben ist.
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      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • Bei Locke habe ich inzwischen weitergelesen und bin im neunten Kapitel des ersten Treatise angekommen. Letztlich geht es Locke immer noch um die Widerlegung von Filmer. Ich fasse die wesentlichen bisherigen Ergebnisse Lockes kurz zusammen:

      1. Der Ehemann hat keine absolute Macht über die Ehefrau, jedoch ist nach Locke die Ehefrau gegenüber ihrem Mann Gehorsam schuldig.
      2. Eltern haben nach Locke jedenfalls keine biblisch begründete absolute Macht über ihre Kinder, jedoch sind auch nach Locke Kinder ihren Eltern Gehorsam schuldig.
      3. Da es keine biblisch begründete absolute Macht eines Menschen über andere gibt, hat jeder Mensch nach Locke eine (allerdings noch nicht näher bestimmte) natürliche Freiheit.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • Den ersten Treatise habe ich inzwischen durch und bin schon relativ weit im zweiten Treatise, den ich für interessanter halte als den ersten, in dem es ja doch nur um die Widerlegung von Filmer und letztlich auch nur um die Frage geht, ob eine absolute Herrschaft durch die Bibel gerechtfertigt ist oder nicht.

      Im zweiten Treatise kommt Locke bislang zu u. a. folgenden Ansichten:
      1. Die Menschen sind durch ihr Menschsein frei und gleich. Kinder haben zwar gegenüber ihren Eltern eine Gehorsamspflicht, und die Eltern haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Kindern, jedoch begründet dies keine absolute Herrschaft. Und obwohl Menschen sich durch Fähigkeiten und Tugenden voneinander unterscheiden können, sollen sie doch vor dem Gesetz gleich sein. Niemand außer Kriegsgefangenen, die als Sklaven dienen, dürfen gegen ihren Willen einer absoluten Herrschaft unterworfen werden.
      2. Der Mensch hat ein Recht auf Eigentum, allerdings nur insoweit, als er dieses Eigentum zum Leben braucht und als er dieses Eigentum auch für sich und die Gemeinschaft nutzen kann.
      Die Herrschaft der Fürsten wird auch aus dem Patriarchat heraus begründet, jedoch nicht biblisch, sondern mit der Tatsache, daß die Väter ihr Vermögen an ihre Kinder übertragen, wenn sie sterben.

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      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.