Harry Frankfurt, Ungleichheit, 2016

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    • Harry Frankfurt, Ungleichheit, 2016

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      Das Büchlein von Harry Frankfurt (Ungleichheit – Warum wir nicht alle gleich viel haben müssen, 2016) eignet sich, um seine Argumentation durch einige ausgewählte Textpassagen knapp zu umreißen.

      S. 8-9: "[E]s [ist] irregeleitet, sich dem ökonomischen Egalitarismus als authentischem moralischem Ideal zu verschreiben."

      S. 16: "Ökonomischer Egalitarismus, wie ich ihn verstehe, ist die Lehre, dass jeder über dieselbe Höhe an Einkommen und Vermögen (kurz gesagt, 'Geld') verfügen soll."
      S. 17: "Aus moralischer Perspektive ist es nicht wichtig, dass jeder dasselbe hat. Was moralisch zählt, ist, das jeder genughat."
      S. 21: "Die moralische Bedeutung der ökonomischen Gleichheit zu übertreiben, ist mit anderen Worten deshalb schädlich, weil es entfremdet" (von der jeweils "eigenen individuellen Wirklichkeit").
      S. 23: "Auf diese Weise trägt das Prinzip der Gleichheit zur moralischen Orientierungslosigkeit und Seichtigkeit unserer Zeit bei."

      S. 42-43: "Nehmen wir einmal an, dass von einer bestimmten Ressource (Medizin vielleicht oder Lebensmittel) genügend vorhanden ist, um einigen, nicht aber allen Angehörigen einer Bevölkerung zum Überleben zu verhelfen. [...] Wenn überhaupt Angehörige dieser Bevölkerung überleben sollen, müssen einige mehr haben als andere. [...] In einem solchen Fall darauf zu pochen, dass Ressourcen gleich verteilt werden sollen, wäre moralisch grotesk! Es wäre ebenfalls unsinnig zu behaupten, dass es unter den vorliegenden Bedingungen begründbar wäre, einige besserzustellen — wie manche Philosophen behaupten würden —, solange dies im Interesse derjenigen ist, die am schlechtesten dran sind."
      S. 49: "Wenn wir Menschen betrachten, die wesentlich schlechter dastehen als wir selbst, stellen wir sehr häufig fest, dass uns ihre Verhältnisse moralisch beunruhigen. Was uns jedoch in Fällen wie diesen bewegt, ist kein relatives quantitatives Missverhältnis, sondern ein absoluter qualitativer Missstand. [...] Es ist die [...] Tatsache, dass ihre Ressourcen zu gering sind. Die Tatsache, die uns an ihnen verstört, ist, dass sie so arm sind."

      S. 51: "Die Prinzipien des Egalitarismus und der Suffizienz sind logisch unabhängig voneinander: Man kann von Überlegungen, die das eine Prinzip stützen, nicht annehmen, dass sie auch das andere stützen."
      S. 52: "Der Nachweis, dass Armut zwingend zu vermeiden ist, hat keineswegs zu bedeuten, dass dasselbe auch für Ungleichheit gilt."
      S. 55: "Beim Prinzip der Suffizienz bezieht sich der Begriff 'genug' auf die Erfüllung eines Standards, nicht auf das Erreichen einer Grenze."
      S. 56-57: "Entscheidend für das Verständnis von Suffizienz ist, dass genügend Geld zu haben keineswegs bedeutet, man habe gerade genug, um über die Runden zu kommen oder genug, damit das Leben gerade so erträglich ist. Die Menschen sind im Allgemeinen nicht damit zufrieden, am Rande eines Abgrunds zu leben. [...] Jemand, von dem man normalerweise sagen würde, dass das, was er besitzt, gerade so hinreicht, hat in Wirklichkeit nach dem Prinzip der Suffizienz keinesfalls genug."
      S. 64: "Damit zufrieden zu sein, wie die Dinge sind, ist eindeutig ein ausgezeichneter Grund, um kein großes Interesse an ihrer Veränderung zu haben."

      S. 73: "Meine Erörterungen verfolgen ausschließlich begriffliche respektive analytische Interessen: Sie sind durch keinerlei soziale oder politische Ideologie inspiriert oder geprägt."
      S. 74: "Ich bin davon überzeugt, dass Gleichheit als solche nicht den geringsten eigenen oder nichtsekundären moralischen Wert hat."
      S. 75: "Es gibt kein egalitäres Ideal, dessen Verwirklichung von eigenständigem Wert wäre."
      S. 76: "Neben der Ressourcengleichheit und der gleichen Wohlfahrt lassen sich noch verschiedene andere Arten von Gleichheit unterscheiden: Chancengleichheit, gleiche Achtung, gleiche Rechte, gleiche Berücksichtigung, gleiche Rücksicht un so weiter. Meiner Ansicht nach verfügt keine dieser Formen von Gleichheit über intrinsischen Wert."

      S. 96-97: "Die weitverbreitete Überzeugung jedoch, dass Gleichheit selbst und als solche über einen grundlegenden Wert als ein unabhängiges moralisches Ideal verfügt, ist nicht nur falsch. Sie erschwert es uns, herauszufinden, was wirklich von grundlegendem moralischem un sozialem Wert ist."

      Klappentext: "'Ungleichheit ist eine der am meisten überschätzten Thesen unserer Zeit — und Harry G. Frankfurts bestechendes Buch erklärt genau, warum' (Tyler Cowen)."
      "Wir sind auf dem Weg ins Mittelalter" (Schulleiterin einer Brennpunktschule in Berlin). — "Die wollen mich weghaben" (Merkel unter vier Augen zu Seehofer)." — Die Party ist nun vorbei.
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      Fliege schrieb:

      S. 42-43: "Nehmen wir einmal an, dass von einer bestimmten Ressource (Medizin vielleicht oder Lebensmittel) genügend vorhanden ist, um einigen, nicht aber allen Angehörigen einer Bevölkerung zum Überleben zu verhelfen. [...] Wenn überhaupt Angehörige dieser Bevölkerung überleben sollen, müssen einige mehr haben als andere. [...] In einem solchen Fall darauf zu pochen, dass Ressourcen gleich verteilt werden sollen, wäre moralisch grotesk! Es wäre ebenfalls unsinnig zu behaupten, dass es unter den vorliegenden Bedingungen begründbar wäre, einige besserzustellen — wie manche Philosophen behaupten würden —, solange dies im Interesse derjenigen ist, die am schlechtesten dran sind."
      Das passt doch wieder zum Differenzprinzip (Rawls). Aber seinen Einwand dagegen verstehe ich nicht.
      Metaphern stinken
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      kunnukun schrieb:

      Fliege schrieb:

      S. 42-43: "Nehmen wir einmal an, dass von einer bestimmten Ressource (Medizin vielleicht oder Lebensmittel) genügend vorhanden ist, um einigen, nicht aber allen Angehörigen einer Bevölkerung zum Überleben zu verhelfen. [...] Wenn überhaupt Angehörige dieser Bevölkerung überleben sollen, müssen einige mehr haben als andere. [...] In einem solchen Fall darauf zu pochen, dass Ressourcen gleich verteilt werden sollen, wäre moralisch grotesk! Es wäre ebenfalls unsinnig zu behaupten, dass es unter den vorliegenden Bedingungen begründbar wäre, einige besserzustellen — wie manche Philosophen behaupten würden —, solange dies im Interesse derjenigen ist, die am schlechtesten dran sind."
      Das passt doch wieder zum Differenzprinzip (Rawls). Aber seinen Einwand dagegen verstehe ich nicht.
      Rawls wird von Frankfurt zwar nicht namentlich genannt, doch Frankfurt wendet sich, wie ich meine, an dieser Stelle implizit gegen Rawls ("manche Philosophen würden behaupten").

      Ich trage die betreffende Passage in voller Länge nach:

      "Nehmen wir einmal an, dass von einer bestimmten Ressource (Medizin vielleicht oder Lebensmittel) genügend vorhanden ist, um einigen, nicht aber allen Angehörigen einer Bevölkerung zum Überleben zu verhelfen. Sagen wir, die Be|völkerungsgröße beträgt zehn, und eine Person benötigt zum Überleben mindestens fünf Einheiten der fraglichen Ressource, von der genau vierzig Einheiten zur Verfügung stehen. Maximal acht Menschen können also überleben, und das nur, wenn sie einen größeren Anteil an der lebenswichtigen Ressource erhalten als die beiden anderen, die dem Tod ausgeliefert sind.
      Wenn überhaupt Angehörige dieser Bevölkerung überleben sollen, müssen einige mehr haben als andere. Eine Gleichverteilung, die jedem Mitglied zu vier Einheiten verhilft, führt zu dem denkbar schlechtesten Ergebnis, nämlich dass alle sterben. In einem solchen Fall darauf zu pochen, dass Ressourcen gleich verteilt werden sollen, wäre moralisch grotesk!
      Es wäre ebenfalls unsinnig zu behaupten, dass es unter den vorliegenden Bedingungen begründbar wäre, einige besserzustellen — wie manche Philosophen behaupten würden —, solange dies im Interesse derjenigen ist, die am schlechtesten dran sind. Nehmen wir an, die verfügbaren Ressourcen werden vernünftigerweise so aufgeteilt, dass acht Menschen überleben können. | Die Rechtfertigung für eine solche Verteilung kann offensichtlich nicht auf der Überzeugung beruhen, dass dies irgendwie zum Nutzen der beiden anderen Mitglieder der Bevölkerung wäre, die dem Tod preisgegeben sind.
      In lebensbedrohlichen Mangelsituationen, in denen nicht genug vorhanden ist, um die Mindestbedürfnisse eines jeden zu befriedigen, kann es völlig ausgeschlossen sein, eine gleiche Verteilung zu wünschen"

      (S. 42-44; Seitenübergänge mit "|" markiert).
      "Wir sind auf dem Weg ins Mittelalter" (Schulleiterin einer Brennpunktschule in Berlin). — "Die wollen mich weghaben" (Merkel unter vier Augen zu Seehofer)." — Die Party ist nun vorbei.
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      kunnukun schrieb:

      Ein schönes Beispiel, in dem auch das Differenzprinzip nicht zu einem wünschenswerten Ergebnis führt. Allerdings Gleichverteilung noch viel weniger!
      Sehen wir es graduell: Das eine ist besser als das andere.
      Darum empfiehlt Frankfurt, das Gleichheitsprinzip in allen Varianten fallenzulassen und stattdessen auf das Suffizienzprinzip umzustellen.
      "Wir sind auf dem Weg ins Mittelalter" (Schulleiterin einer Brennpunktschule in Berlin). — "Die wollen mich weghaben" (Merkel unter vier Augen zu Seehofer)." — Die Party ist nun vorbei.
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      kunnukun schrieb:

      Fliege schrieb:

      Suffizienzprinzip
      Erzähl (kurz)!*
      (*Ich ziehe um, daher kann es sein, dass ich kommende Woche zeitweise auf meinen Internetzugang verzichten muss. Aber irgendwann bin ich wieder da.)
      Das Suffizienzprinzip besagt, dass jeder genug haben soll.

      Dazu Frankfurt:

      S. 17 schrieb:

      "Aus moralischer Perspektive ist es nicht wichtig, dass jeder dasselbe hat. Was moralisch zählt, ist, das jeder genug hat."

      S. 55 schrieb:

      "Beim Prinzip der Suffizienz bezieht sich der Begriff 'genug' auf die Erfüllung eines Standards, nicht auf das Erreichen einer Grenze."

      Dieser Standard wäre zu besprechen und festzulegen, was Frankfurt der Politik überlassen möchte.
      "Wir sind auf dem Weg ins Mittelalter" (Schulleiterin einer Brennpunktschule in Berlin). — "Die wollen mich weghaben" (Merkel unter vier Augen zu Seehofer)." — Die Party ist nun vorbei.
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      kunnukun schrieb:

      ich weiß nicht, wie man vom einen Thread in den anderen zitiert.
      1. Du drückst in irgend einem Thread bei irgend einem Beitrag auf " für zitieren.
      2. Unten rechts erscheint ein schwarzes Feld mit "Zitate (1)" oder "Zitate (2)" und so weiter (die Zahl steht für die Anzahl a der von dir aktivierten Zitate; es können mehrere sein).
      3. Nun gehst du in irgend einen anderen Thread.
      4. Dort findest du threadübergreifend unten rechts wieder ein schwarzes Feld mit "Zitate (a)".
      5. Du klickst auf "Zitate (a)" und wählst das Zitat aus, welches du verwenden möchtest.
      "Wir sind auf dem Weg ins Mittelalter" (Schulleiterin einer Brennpunktschule in Berlin). — "Die wollen mich weghaben" (Merkel unter vier Augen zu Seehofer)." — Die Party ist nun vorbei.