Leseliste zur Vorbereitung auf ein Philosophiestudium

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • hel schrieb:

      Weisheitsliteratur wie Kohelet oder "Der Prophet" von Khalil Gibran gehören mE zwar auch dazu, stehen aber sicher nicht im Vordergrund.
      Kohelet habe ich gar nicht gelesen, und ich stimme dir zu, wenn du meinen solltest, daß Khalil Gibran nicht im Vordergrund der Philosophie steht bzw. stehen sollte. Sein Werk ist eher literarisch als philosophisch.
      Dennoch meine ich, daß alle wirklich großen Philosophen auch weise waren. Als Beispiele nenne ich hier nur Platon, Kierkegaard und Heidegger, aber es trifft auf alle anderen auch zu.
      Weise kann man allerdings auch werden, wenn man nicht primär Philosoph ist, sondern zum Beispiel Dichter oder Schriftsteller. Beispiele hierfür wären neben Gibran u. a. auch Shakespeare, Goethe und der leider so früh verstorbene Novalis. Aber alle diese Dichter waren auf ihre Weise auch Philosophen.
      Die Vernunft für die Philosophie in Anspruch zu nehmen, ist sicher kein Fehler. Nur ist der Vernunftbegriff eben auch hinterfragbar, genauso wie jede Weisheit.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • hel schrieb:

      Ich weiß nicht genau, wie das gemeint ist. Natürlich kann der Forscher bei seiner Wahl der Fragestellung und sogar bei dem Ansatz der Problemlösung durch seine Gemütslage beeinflusst werden. Während seiner Arbeit wird er auch vielen unterschiedlichen Stimmungen unterliegen. Aber i.d.R. ist das Ergebnis dann doch Resultat rationaler und methodischer Überlegungen - zumindest dort - wo es intersubjektiv prüfbare Resultate vorzuweisen gilt. Und dort, wo diese Resultate ausbleiben, ist diese Theorie, unabhängig von allen Stimmungen, schlicht Schrott.
      Um zu verdeutlichen, wie ich es meine, könnte ich ja auf Thomas Kuhn verweisen, der ja beschrieben hat, wie es in der Wissenschaft zur Bildung von Paradigmen und auch zu Revolutionen kommen kann.

      Deine Argumentation bezüglich der prüfbaren Resultate kann ich sehr gut nachvollziehen, nur meine ich, daß es auch viele Theorien - auch innerhalb der jeweiligen Wissenschaften - gibt, die zumindest teilweise nicht oder schwer nachprüfbare Voraussetzungen haben. In erster Linie sind dies natürlich die Geistes- und Sozialwissenschaften, aber selbst die Theorie von Darwin war ja am Anfang nur teilweise nachprüfbar begründet. Und selbst heute sind nicht alle Fragen zur Evolution geklärt. Und auch in der Physik hat man immer noch keine TOE.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • HumbleThinker schrieb:

      Dennoch meine ich, daß alle wirklich großen Philosophen auch weise waren. Als Beispiele nenne ich hier nur Platon, Kierkegaard und Heidegger, aber es trifft auf alle anderen auch zu.
      Bei Platon stimmen wir zumindest überein, dass er ein großer Philosoph war. Weisheit - woran erkennst Du sie? Heidegger ist in meinen Augen kein großer Philosoph sondern bestenfalls ein mittelmäßiger Akademiker, der auf seinen eigenen priesterlichen Tonfall hereingefallen ist. Ich folge bei Heidegger im Wesentlichen der Ansicht Karl Poppers, (mE im Unterschied zu jenem ein wirklich großer Philosoph)

      Karl Popper schrieb:

      Heidegger ist sozusagen der Hegelianer unserer Zeit, der unter anderem auch ein Nazi war. Das Schlimmste ist, dass man in Deutschland und in der ganzen Welt, zum Beispiel in Südamerika, Frankreich und Spanien, Heidegger bewundert und nachgemacht hat.

      Es gibt eine Art Rezept für diese Dinge. Das Rezept besteht darin: Man sage Dinge, die großartig klingen, aber keinen Inhalt haben, und gebe dann Rosinen hinein - die Rosinen sind Trivialitäten. Und der Leser fühlt sich gebauchpinselt, denn er sagt, das ist ja ein ungeheuer schweres Buch! Und dabei habe ich mir einiges schon selber gedacht!

      Das ist das Rezept für so viele solcher Sachen, die in dieser Weise geschrieben wurden. So schreibt zum Beispiel Heidegger: "Was ist das Wesen des Kruges? Der Krug schenket" Wer kann dagegen etwas sagen? Gewöhnlich schreibt er ja Dinge, die man überhaupt nicht versteht, und zwar seitenweise! (in: Die Welt im Gespräch mit Karl Popper, Sonderdruck des dreiteiligen Interviews, Februar 1990)
      Wobei ich nicht annehme, dass Heidegger dieses Rezept bewusst angewendet hat, sondern an die Bedeutung dessen, was er schrieb, durchaus glaubte. Aber das Ergebnis bleibt das gleiche. Die einzige Weisheit, die ich bei Heidegger erkennen kann, ist die Entscheidung, den Inhalt seiner schwarzen Hefte nicht zu Lebzeiten zu veröffentlichen.
      Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
    • HumbleThinker schrieb:

      Deine Argumentation bezüglich der prüfbaren Resultate kann ich sehr gut nachvollziehen, nur meine ich, daß es auch viele Theorien - auch innerhalb der jeweiligen Wissenschaften - gibt, die zumindest teilweise nicht oder schwer nachprüfbare Voraussetzungen haben. In erster Linie sind dies natürlich die Geistes- und Sozialwissenschaften, aber selbst die Theorie von Darwin war ja am Anfang nur teilweise nachprüfbar begründet. Und selbst heute sind nicht alle Fragen zur Evolution geklärt. Und auch in der Physik hat man immer noch keine TOE.
      Intersubjektiv nachprüfbar heißt ja noch nicht zwingend, dass es empirisch prüfbar sein muss. Auch Mathematik ist intersubjektiv prüfbar. Bei den "weichen" Wissenschaften kann man ja trotzdem noch Plausibilität und Rationalität des Gedankengangs nachprüfen und zumindest partiell nach empirischen Bestätigungen suchen.
      Zum anderen Punkt: Aussagen über die Welt, wie z. B. die Evolutionstheorie, sind zwar prüfbar, also prinzipiell widerlegbar, - aber nicht beweisbar. Es ist also für die Wissenschaftlichkeit der Evolutionstheorie nicht entscheidend, dass alle Fragen geklärt sind, sondern dass sie prinzipiell falsifizierbar ist. Das Fehlen einer TOE halte ich für kein gutes Beispiel. Ein Beispiel für eine fragwürdige Entwicklung in der Physik wäre die Stringtheorie. Dieser ist es bis heute nicht gelungen, brauchbare Falsifikationskriterien zu liefern, was sie auch innerhalb der physikalischen Community in die "Schusslinie" bringt.
      Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
    • hel schrieb:

      Heidegger ist in meinen Augen kein großer Philosoph sondern bestenfalls ein mittelmäßiger Akademiker, der auf seinen eigenen priesterlichen Tonfall hereingefallen ist. Ich folge bei Heidegger im Wesentlichen der Ansicht Karl Poppers, (mE im Unterschied zu jenem ein wirklich großer Philosoph)
      Heidegger trifft exakt die Punkte, die relevant sind, wenn man sich gerade umdreht um zurück in die Höhle zu gehen. Sein und Zeit trifft exakt wie sich ein denkendes Wesen erlebt, das transzendiert ist und sich wieder an seinen Körper binden muss. Heidegger ist für die meisten nicht relevant, für die wenigen, für die er aber relevant ist, weil sie bis dorthin gedacht haben, sind seine Erläuterungen ziemlich auf den Punkt.

      Karl Popper ist nur wissenschaftstheoretisch interessant. Seine 3-Welten-Theorie übersieht, dass es eine 4. Welt gibt und seine Sozialtheorie schafft es nicht in den Kern sozialwissenschaftlicher Denke und legitimiert ungezügeltes Wildwachstum in allen Bereichen der Gesellschaft. Seine Wissenschaftstheorie ist aber in der Tat sinnvoll, wenn auch falsch bzw. unvollständig - abgesehen davon, dass eine Dogmatik in der Wissenschaft keinen Sinn hat.
      Hier gibt es nichts zu sehen!
    • hel schrieb:

      Aber Logik ist ja nicht Philosophie sondern lediglich eines ihrer Hilfsmittel und - über die Philosophie der Logik - auch ihr Gegenstand. Und mit Entwicklung der modernen Logik, wie mit der modernen Mathematik , mit der sie Hand in Hand geht (im Rahmen der Mathematik hat z. B. der Logiker Gödel mit dem Unvollständigkeitssatz sehr viele philosopische Diskussionen ausgelöst, während sein modallogischer Gottesbeweis eher ignoriert wurde), hat die Philosophie lediglich ein besseres Instrumentarium zur Hand, als sie es früher besaß. Einen Gegensatz zwischen Logik und restlicher Philosophie aufzubauen, halte ich daher für ziemlich unsinnig.

      hel schrieb:

      In der Philosophie generell die Analyse von komplexeren Argumentationen, Analyse von Paradoxien, ist das Instrument der sprachanalytischen Philosophie, die mit vielen klassischen Argumentatiosproblemen aufgeräumt hat.

      HumbleThinker schrieb:

      Sicher hat die formale Logik einen Wert in der Philosophie, den ich auch nicht bestreiten will. Ich habe selbst Carnap gelesen.
      Nur reicht sie eben m. E. nicht hin, um echte Philosophie zu betreiben.
      Durch die abstrahierte Darstellungsform in der formalen Logik kann man beispielsweise komplexe Zusammenhänge auf kleinere Abläufe zerteilen, welche dann wiederum durch eine eigens angepasste Herangehensweise durch Ändern des Anschauungswinkels effizienter gelöst werden können. Dies impliziert aber immer eine Reduktion der Kernaussage, des Sachverhalts auf ein Objekt, mehrere Objekte mit quasi künstlichen statischen Eigenschaften. Angewandt in der Philosophie bedeutet dies ein Verlust des Wertes, des Sinns, der äußeren Einflüsse, der Beweglichkeit, Individualität und Entscheidungsfähigkeit des betrachteten Objekts, Sachverhalts. M.E. werden somit die Bedingungen für Lebendigkeit sowie für die metaphysische Sichtweise ausgeklammert, da formale Logik an Punkt Null zwischen Physik und Metaphysik beginnt. Somit wird im Prinzip keinen reinen philosophischen Fragestellungen nachgegangen, sondern das fällt dann eher in den wissenschaftlich orientierten Bereich.

      Das sind meine subjektiven Einschätzungen, mich würde interessieren, ob ihr gute Beispiele habt, an dem ein sinnvoller Einsatz aus einer zentralen und nicht-relationalen Perspektive ersichtlich wird. Ist es überhaupt möglich und überhaupt der Sinn, Schlussfolgerungen zu ziehen? Gerade wenn man Descartes Aussage hinzuzieht, dass bei Syllogismen keine neue Aussage entsteht, da alle Erkenntnisse bereits zu Beginn vorliegen.
    • infinitum schrieb:

      Ist es überhaupt möglich und überhaupt der Sinn, Schlussfolgerungen zu ziehen? Gerade wenn man Descartes Aussage hinzuzieht, dass bei Syllogismen keine neue Aussage entsteht, da alle Erkenntnisse bereits zu Beginn vorliegen.
      Descartes vergaß, so meine ich, zu erwähnen, dass zu Beginn nicht Erkenntnisse, sondern Behauptungen vorliegen – die vielleicht als Erkenntnisse taugen, aber nicht notwendig. Auch Kant hatte diesbezüglich so einige Probleme, denkt man an seinen ungedeckten Apriorismus.
      Kanye West (US-amerikanischer Rapper): "Ich liebe die Art, wie Candace Owens denkt." — Candace Owens: "Die Linken denken, Schwarze sind dumm."
    • infinitum schrieb:

      Das sind meine subjektiven Einschätzungen, mich würde interessieren, ob ihr gute Beispiele habt, an dem ein sinnvoller Einsatz aus einer zentralen und nicht-relationalen Perspektive ersichtlich wird.
      Wenn Du damit meinst, über den Rahmen des nicht-lebendigen hinaus, dann würde ich sagen: nein, da fehlt uns die Beurteilungsperspektive. Wie Du ja selbst bereits erläutert hast, die Reduktion schließt einiges aus, was in der rein logischen Betrachtung nicht am Ende einfach wieder hinzugefügt werden kann. Und deshalb kann die Logik im lebendigen Bereich auch nicht das leisten was sie bspw. im physikalischen Bereich leisten kann. Solche Sachen wie bspw. Willensfreiheit lassen sich nicht in Syllogismen erfassen.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • infinitum schrieb:

      Das sind meine subjektiven Einschätzungen, mich würde interessieren, ob ihr gute Beispiele habt, an dem ein sinnvoller Einsatz aus einer zentralen und nicht-relationalen Perspektive ersichtlich wird. Ist es überhaupt möglich und überhaupt der Sinn, Schlussfolgerungen zu ziehen?

      iselilja schrieb:

      Und deshalb kann die Logik im lebendigen Bereich auch nicht das leisten was sie bspw. im physikalischen Bereich leisten kann. Solche Sachen wie bspw. Willensfreiheit lassen sich nicht in Syllogismen erfassen.
      Nicht, dass man dafür jetzt eine Formalisierung der Logik benötigt, aber gerade die Willensfreiheit ist ein gutes Beispiel dafür, dass es je nach Definition von Willensfreiheit durch rein logische Überlegungen entscheidbar ist, ob Willensfreiheit möglich ist, oder nicht.

      Wenn Willensfreiheit so definiert ist, dass eine Person in der Lage sein muss, unter genau den gleichen Umständen, also bei identischen inneren und äußeren Voraussetzungen, unterschiedliche Entscheidungen zu treffen, ergibt sich, dass die Entscheidung eines Menschen auch keine notwendige Beziehung zu irgendwelchen seiner vorherigen Absichten und Dispositionen haben darf. Diese Entscheidung ist dann notwendig zufällig. Eine zufällige Entscheidung ist allerdings ebenfalls nicht, was wir normalersweise als Willensentscheidung begreifen. Denn eine solche soll ja Ergebnis der Wünsche und Werte des Entscheiders sein. Da also diese Forderungen insgesamt
      a)- die eines Zusammenhangs zwischen dem Charakter einer Person und seinen Entscheidungen und
      b)- die einer Unabhängigkeit des gesamten Weltzustandes von der Entscheidung (und zu diesem Weltzustand gehört auch der Charakter, die persönlichen Vorlieben etc...des Entscheiders)
      miteinander in Widerspruch stehen, ist der Begriff der Willensfreiheit selbstwidersprüchlich und als solcher unmöglich realisierbar.
      Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
    • hel schrieb:

      Wenn Willensfreiheit so definiert ist, dass eine Person in der Lage sein muss, unter genau den gleichen Umständen, also bei identischen inneren und äußeren Voraussetzungen, unterschiedliche Entscheidungen zu treffen, ergibt sich, dass die Entscheidung eines Menschen auch keine notwendige Beziehung zu irgendwelchen seiner vorherigen Absichten und Dispositionen haben darf. Diese Entscheidung ist dann notwendig zufällig. Eine zufällige Entscheidung ist allerdings ebenfalls nicht, was wir normalerweise als Willensentscheidung begreifen. Denn eine solche soll ja Ergebnis der Wünsche und Werte des Entscheiders sein.
      Eine Person jedoch, deren Entscheidung durch innere und äußere Voraussetzungen determiniert ist ("notwendige Beziehung" zwischen Voraussetzungen und Entscheidung), trifft gar keine Entscheidung, sondern funktioniert als Roboter. Deswegen meine ich: Weder Zufallsgenerator noch Roboter treffen Entscheidungen.

      Vielmehr denke ich: Nur etwas, das weder Zufallsgenerator noch Roboter ist, kann Entscheidungen treffen.
      Kanye West (US-amerikanischer Rapper): "Ich liebe die Art, wie Candace Owens denkt." — Candace Owens: "Die Linken denken, Schwarze sind dumm."
    • Fliege schrieb:

      Vielmehr denke ich: Nur etwas, das weder Zufallsgenerator noch Roboter ist, kann Entscheidungen treffen.
      Da hilft wohl nur ein Wunder, das sich irgendwo zwischen Reizsituation und resultierender Handlung ereignet. Damit können dann Entscheidungen getroffen werden. Ich begnüge mich, vor die Wahl zwischen Schokolade- und Nusstorte gestellt, mich regelmäßig wie ein Roboter für die Schokoladetorte zu nichtentscheiden.
      Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
    • hel schrieb:

      Fliege schrieb:

      Vielmehr denke ich: Nur etwas, das weder Zufallsgenerator noch Roboter ist, kann Entscheidungen treffen.
      Da hilft wohl nur ein Wunder, das sich irgendwo zwischen Reizsituation und resultierender Handlung ereignet. Damit können dann Entscheidungen getroffen werden. Ich begnüge mich, vor die Wahl zwischen Schokolade- und Nusstorte gestellt, mich regelmäßig wie ein Roboter für die Schokoladetorte zu nichtentscheiden.
      Oder Forscher machen weitere Erkenntnisfortschritte. ;)
      Kanye West (US-amerikanischer Rapper): "Ich liebe die Art, wie Candace Owens denkt." — Candace Owens: "Die Linken denken, Schwarze sind dumm."
    • Fliege schrieb:

      Oder Forscher machen weitere Erkenntnisfortschritte.
      Ob Forscher gegen widersprüchliche Definitionen was ausrichten können?
      Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
    • hel schrieb:

      Fliege schrieb:

      Oder Forscher machen weitere Erkenntnisfortschritte.
      Ob Forscher gegen widersprüchliche Definitionen was ausrichten können?
      Können sie, indem sie eine widersprüchliche Definition, wie von mir vorgeschlagen, fallen lassen. Demnach bestünde eine Entscheidung nicht darin, dass eine notwendige Beziehung zwischen einem Vorher und einem Nachher vorliegt, und auch nicht darin, dass keine solche Beziehung vorliegt.
      Kanye West (US-amerikanischer Rapper): "Ich liebe die Art, wie Candace Owens denkt." — Candace Owens: "Die Linken denken, Schwarze sind dumm."
    • Fliege schrieb:

      Können sie, indem sie eine widersprüchliche Definition, wie von mir vorgeschlagen, fallen lassen. Demnach bestünde eine Entscheidung nicht darin, dass eine notwendige Beziehung zwischen einem Vorher und einem Nachher vorliegt, und auch nicht darin, dass keine solche Beziehung vorliegt.
      Vollkommen richtig. Eine Variante, die mir recht gut gefällt, stammt von Peter Bieri und besagt sinngemäß, dass wir dann frei entscheiden, wenn wir nach unserem Willen handeln können und unser Urteil besagt, dass die Handlung auch richtig ist. Dort, wo Urteil und Handlung auseinanderklaffen - Beispiel Suchtkranker - werden wir uns in unseren Handlungen nicht wirklich frei fühlen.
      Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
    • iselilja schrieb:

      infinitum schrieb:

      Das sind meine subjektiven Einschätzungen, mich würde interessieren, ob ihr gute Beispiele habt, an dem ein sinnvoller Einsatz aus einer zentralen und nicht-relationalen Perspektive ersichtlich wird.
      Wenn Du damit meinst, über den Rahmen des nicht-lebendigen hinaus, dann würde ich sagen: nein, da fehlt uns die Beurteilungsperspektive. Wie Du ja selbst bereits erläutert hast, die Reduktion schließt einiges aus, was in der rein logischen Betrachtung nicht am Ende einfach wieder hinzugefügt werden kann. Und deshalb kann die Logik im lebendigen Bereich auch nicht das leisten was sie bspw. im physikalischen Bereich leisten kann. Solche Sachen wie bspw. Willensfreiheit lassen sich nicht in Syllogismen erfassen.
      Was mir noch einfällt, da Du ja nach einem positiven Beispiel suchst.. und weil es das in der Logik nicht zu geben scheint.. wir haben doch etwas viel besseres und es liegt genau vor uns. Wir nutzen es jeden Tag und denken fast nie darüber nach.

      Unsere Sprache mit all ihren Möglichkeiten versucht doch das alles abzudecken, was für uns relevant erscheint in der Welt.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • infinitum schrieb:

      Durch die abstrahierte Darstellungsform in der formalen Logik kann man beispielsweise komplexe Zusammenhänge auf kleinere Abläufe zerteilen, welche dann wiederum durch eine eigens angepasste Herangehensweise durch Ändern des Anschauungswinkels effizienter gelöst werden können. Dies impliziert aber immer eine Reduktion der Kernaussage
      Ja, aber nicht immer und nur eine Reduktion. Es kann m. E. auch zu einer besseren Strukturierung kommen.

      M. E. ist es keineswegs falsch, philosophische Gedanken mit den Mitteln der formalen Logik zu überprüfen. Was in der Philosophie Wert haben soll, darf m. E. den Grundsätzen formaler Logik nicht widersprechen.


      infinitum schrieb:

      M.E. werden somit die Bedingungen für Lebendigkeit sowie für die metaphysische Sichtweise ausgeklammert, da formale Logik an Punkt Null zwischen Physik und Metaphysik beginnt. Somit wird im Prinzip keinen reinen philosophischen Fragestellungen nachgegangen, sondern das fällt dann eher in den wissenschaftlich orientierten Bereich.
      Ja, dieser Meinung bin ich auch, aber es ist eine Frage des Philosophieverständnisses.
      Wenn man etwa meint, die Metaphysik gehöre auch heute noch zur Philosophie (das meine ich), dann ist es m. E. auch so, wie du sagst.
      Anders wäre es aber, wenn ein anderes Philosophieverständnis vorliegt.


      hel schrieb:

      Intersubjektiv nachprüfbar heißt ja noch nicht zwingend, dass es empirisch prüfbar sein muss. Auch Mathematik ist intersubjektiv prüfbar. Bei den "weichen" Wissenschaften kann man ja trotzdem noch Plausibilität und Rationalität des Gedankengangs nachprüfen und zumindest partiell nach empirischen Bestätigungen suchen.
      Ich stimme voll zu.
      Man kann auch in den weichen Wissenschaften Aussagen mit sehr harten Fakten begründen.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • sitzpillow schrieb:

      Ich interessiere mich insbesondere für
      Ethik, Sozialphilosophie, Wissenschaftsphilosophie, Erkenntnistheorie (und Sprachphilosophie)
      Selbstverständlich ist auch die Metaphysik und Ontologie in meinem Interessenspektrum.
      ich bin kein kompetenter Ansprechpartner, da ich nicht Philosophie an der Uni studiere. Ich kann dir aber folgende Werke empfehlen:

      • ein umfassendes Lexikon der wichtigsten Begriffe, vielleicht kennt hier jemand ein gutes Werk
      • Whitehead, Russell - Principia Mathematica
      • Grundprobleme der großen Philosophen-Philosophie der Gegenwart 1-3
      • Heidegger- Sein und Zeit
    • Fliege schrieb:

      Descartes vergaß, so meine ich, zu erwähnen, dass zu Beginn nicht Erkenntnisse, sondern Behauptungen vorliegen – die vielleicht als Erkenntnisse taugen, aber nicht notwendig. Auch Kant hatte diesbezüglich so einige Probleme, denkt man an seinen ungedeckten Apriorismus.
      Der Unterschied zwischen Erkenntnissen und Behauptungen ist m.E. leider sehr schwammig. Die Unterscheidung kann entweder subjektiv ausfallen oder durch explizite Beweisführung.

      iselilja schrieb:

      Wenn Du damit meinst, über den Rahmen des nicht-lebendigen hinaus, dann würde ich sagen: nein, da fehlt uns die Beurteilungsperspektive.
      Nein, ich bezog mich auf das Lebendige, das was sich in natürlichen Prozessen manifestiert hat. Was wäre denn das Nicht-Lebendige?

      hel schrieb:

      Wenn Willensfreiheit so definiert ist, dass eine Person in der Lage sein muss, unter genau den gleichen Umständen, also bei identischen inneren und äußeren Voraussetzungen, unterschiedliche Entscheidungen zu treffen, ergibt sich, dass die Entscheidung eines Menschen auch keine notwendige Beziehung zu irgendwelchen seiner vorherigen Absichten und Dispositionen haben darf. Diese Entscheidung ist dann notwendig zufällig. Eine zufällige Entscheidung ist allerdings ebenfalls nicht, was wir normalersweise als Willensentscheidung begreifen. Denn eine solche soll ja Ergebnis der Wünsche und Werte des Entscheiders sein. Da also diese Forderungen insgesamt
      a)- die eines Zusammenhangs zwischen dem Charakter einer Person und seinen Entscheidungen und
      b)- die einer Unabhängigkeit des gesamten Weltzustandes von der Entscheidung (und zu diesem Weltzustand gehört auch der Charakter, die persönlichen Vorlieben etc...des Entscheiders)
      miteinander in Widerspruch stehen, ist der Begriff der Willensfreiheit selbstwidersprüchlich und als solcher unmöglich realisierbar.
      ja, danke für die punktgenaue Formulierung. Damit man mit dem Konstrukt "Willensfreiheit" arbeiten kann, müssen daher gewisse Rahmenbedingungen angenommen werden. Somit unterliegt die gesamte Vorgehensweise einer gewissen Beschränkung und Ungenauigkeit.

      HumbleThinker schrieb:

      Ja, aber nicht immer und nur eine Reduktion. Es kann m. E. auch zu einer besseren Strukturierung kommen.

      M. E. ist es keineswegs falsch, philosophische Gedanken mit den Mitteln der formalen Logik zu überprüfen. Was in der Philosophie Wert haben soll, darf m. E. den Grundsätzen formaler Logik nicht widersprechen.
      ja, das war nur eine beispielhaft gewählte Vorgehensweise.

      Über den zweiten Punkt muss ich noch nachdenken, um ein stichhaltiges Argument zu liefern, momentan sehe ich das nämlich nicht so.
    • infinitum schrieb:

      Fliege schrieb:

      Descartes vergaß, so meine ich, zu erwähnen, dass zu Beginn nicht Erkenntnisse, sondern Behauptungen vorliegen – die vielleicht als Erkenntnisse taugen, aber nicht notwendig. Auch Kant hatte diesbezüglich so einige Probleme, denkt man an seinen ungedeckten Apriorismus.
      Der Unterschied zwischen Erkenntnissen und Behauptungen ist m.E. leider sehr schwammig. Die Unterscheidung kann entweder subjektiv ausfallen oder durch explizite Beweisführung.
      Ja, deswegen können, möchte ich meinen, Descartes (Suche nach Gewissheit) und Kant (Apriorismus) mit ihren Lieblingskonzepten keinen Punkt machen.
      Kanye West (US-amerikanischer Rapper): "Ich liebe die Art, wie Candace Owens denkt." — Candace Owens: "Die Linken denken, Schwarze sind dumm."