Poetische Philosophie - Gedicht von Martin Heidegger

    • Im Sprung durch Heideggers Beiträge zur Philosophie hüpfend, klingt einmal mehr an, welchen Anspruch Martin Heidegger an sich stellt und was er damit vom Leser erwartet. Ich beziehe mich auf Folgendes [Fettdruck von Alltag]:

      Martin Heidegger Beiträge 93. Die grossen Philosophien schrieb:

      [Die grossen Philosophien] sind ragende Berge, unbestiegen und unbesteigbar. Aber sie gewähren dem Land sein Höchstes und weisen in sein Urgestein. Sie stehen als Richtpunkt und bilden je den Blickkreis; sie ertragen Sicht und Verhüllung. Wann sind solche Berge das, was sie sind? Dann gewiss nicht, wenn wir vermeintlich sie bestiegen und beklettert haben. Nur dann, wenn sie uns und dem Lande wahrhaft stehen. Aber wie wenige vermögen dieses, in der Ruhe des Gebirges das lebendigste Ragen erstehen zu lassen und im Umkreis dieser Überragung zu stehen. Die echte denkerische Auseinandersetzung muss dies allein anstreben.
      Die Aus-einander-setzung mit den grossen Philosophien – als metaphysischen Grundstellungen innerhalb der Geschichte der Leitfrage – muss so angelegt werden, dass jede Philosophie als wesentliche als Berg zwischen Berge zu stehen kommt und so ihr Wesentlichstes zum Stand bringt.
      Dazu muss jedesmal die Leitfrage (aus der verschwiegenen Grundfrage her) nach ihrem vollen Gefüge in der jeweiligen Ausschlagsrichtung neu entfaltet werden (vgl. Vorblick, Das anfängliche Denken).
      Was aber ist die verschwiegene Grundfrage?

      Beiträge zur Philosophie Nachwort des Herausgebers schrieb:

      In der Reihung der acht Teile der Handschrift […] folgt auf den “Vorblick“ als zweiter Teil “Das Seyn“. Am Schluss der maschinenschriftlichen Abschrift des “Inhaltsverzeichnisses“ findet sich jedoch eine Notiz Heideggers vom 8. 5. 1939: „‘Das Seyn‘ als Abschnitt II ist nicht richtig eingereiht; als Versuch, das Ganze noch einmal zu fassen, gehört er nicht an diese Stelle“. In Befolgung dieser Notiz wurde daher vom Herausgeber der Teil “Das Seyn“ an den Schluss […] gesetzt.
      Francesco Lanzi hat daher aus guten Grund ‘Die Zusammengehörigkeit von Sein, Seiendem und Dasein‘ in seiner Dissertation voran gestellt. Denn Martin Heidegger selbst hatte während der Erarbeitung der Beiträge der Philosophie ‘diesen Berg‘ am Anfang stehen.

      Mit der Verschiebung des Abschnitts/Teils “Das Seyn“ rückt als Nebeneffekt der Abschnitt “Der letzte Gott vom Platz des Schlusskapitel in den Hintergrund, d.h. er wird als einer von vielen Teilen nicht erneut angesprochen. Die verschwiegene Grundfrage ist möglicherweise thematisch identifiziert, sobald “Der letzte Gott“ als Antwort auf die Frage „Wer ist der Gott aus seiner Gottheit Nacht?“ /1/ gelesen wird.

      Sogleich stellt sich ein weiterer Geistesblitz ein: Martin Heidegger reitet mit dem Ring des Seyns und den Beiträgen zur Philosophie thematisch die 'Ringparabel' im Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing.



      /1/ das ist die erste Frage im ‘Rätselring‘ Ring des Seyns.
    • @Alltag : Bei meinem erneuten Durchblättern der "Beiträge" bin ich jedenfalls nicht auf die Wendung "Ring des Seyns" gestoßen. Dann könnte er eher indirekt hier mit thematisiert sein in den Beiträgen, denn auch in diesen ist ja vom "Seyn" die Rede.

      Die Assoziation zu Lessing und der Ringparabel finde ich interessant, evtl. könnte man diesen weiter ausführen. Kannte Heidegger Lessings Ringparabel?
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Bei meinem erneuten Durchblättern der "Beiträge" bin ich jedenfalls nicht auf die Wendung "Ring des Seyns" gestoßen. Dann könnte er eher indirekt hier mit thematisiert sein in den Beiträgen, denn auch in diesen ist ja vom "Seyn" die Rede.
      Mir geht es ebenso, statt Ring ist mir zwar Bahn, Kreis und die ewige Wiederkehr begegnet, aber nicht in einer dem "Ring des Seyns" ähnlichen Form. So war es ja auch bei Francesco Lanzis Dissertation, die mich zur Vermutung veranlasste inhaltliche Vergleiche in Betracht zu ziehen. Ich bin gespannt, ob und was im Teil römisch VIII "Das Seyn" inhaltlich zu finden ist.
      :)

      Philosophist schrieb:

      "Programmatisch und heftig wird der ansonsten so besonnene Jandl nur ein einziges Mal: als Finlay sich mit dem Gedanken trägt, zwei Gedichte Martin Heideggers abzudrucken. Diese „Selbstbau-Gedichte“ könne er nur als Zeitvertreib eines literarischen Amateurs betrachten, antwortet Jandl, ihre öffentliche Existenz sei durch nichts zu rechtfertigen. Als Finlay sich so rasch nicht überzeugen lassen will, fertigt Jandl eine englische Rohübersetzung der Gedichte an, um ihre „Blödheit“ endgültig unter Beweis zu stellen."
      Die Poesie klingt an, wie der Ambos in der Schmiede, sobald der Schmied und sein Zudiener die Hämmer am gestreckten Arm im Rundschlag dumpf und aufglühend in das rote Eisenzeug niederfahren lässt, um alsdann mit Vorblick auf dem nackten Ambos Schwung holend hell den Anklang zu halten und im Zuspiel den Sprung in die Gründung zu wagen im Hinblick auf Zukünftige, den letzten Gott und das Seyn. {die fett stehenden Hauptwörter stimmen überein mit den Titeln der acht Teile in Heideggers Beiträge zur Philosophie}.

      Übrigens in Richtung Poesie darf ich mich nicht allzu weit gehen lassen. Heideggers Eskapaden vor dem geistigen Auge, driftet es mir sonst immer wieder ins Anzügliche der Groschenromane ab. – Selbstverständlich sagt dies mehr über mich denn über Heidegger als Poet.
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Bei meinem erneuten Durchblättern der "Beiträge" bin ich jedenfalls nicht auf die Wendung "Ring des Seyns" gestoßen. Dann könnte er eher indirekt hier mit thematisiert sein in den Beiträgen, denn auch in diesen ist ja vom "Seyn" die Rede.
      Mir geht es ebenso, statt Ring ist mir zwar Bahn, Kreis und die ewige Wiederkehr begegnet, aber nicht in einer dem "Ring des Seyns" ähnlichen Form. So war es ja auch bei Francesco Lanzis Dissertation, die mich zur Vermutung veranlasste inhaltliche Vergleiche in Betracht zu ziehen. Ich bin gespannt, ob und was im Teil römisch VIII "Das Seyn" inhaltlich zu finden ist. :)

      Philosophist schrieb:

      "Programmatisch und heftig wird der ansonsten so besonnene Jandl nur ein einziges Mal: als Finlay sich mit dem Gedanken trägt, zwei Gedichte Martin Heideggers abzudrucken. Diese „Selbstbau-Gedichte“ könne er nur als Zeitvertreib eines literarischen Amateurs betrachten, antwortet Jandl, ihre öffentliche Existenz sei durch nichts zu rechtfertigen. Als Finlay sich so rasch nicht überzeugen lassen will, fertigt Jandl eine englische Rohübersetzung der Gedichte an, um ihre „Blödheit“ endgültig unter Beweis zu stellen."
      Die Poesie klingt an, wie der Ambos in der Schmiede, sobald der Schmied und sein Zudiener die Hämmer am gestreckten Arm im Rundschlag dumpf und aufglühend in das rote Eisenzeug niederfahren lässt, um alsdann mit Vorblick auf dem nackten Ambos Schwung holend hell den Anklang zu halten und im Zuspiel den Sprung in die Gründung zu wagen im Hinblick auf Zukünftige, den letzten Gott und das Seyn. {die fett stehenden Hauptwörter stimmen überein mit den Titeln der acht Teile in Heideggers Beiträge zur Philosophie}.
      Übrigens in Richtung Poesie darf ich mich nicht allzu weit gehen lassen. Heideggers Eskapaden vor dem geistigen Auge, driftet es mir sonst immer wieder ins Anzügliche der Groschenromane ab. – Selbstverständlich sagt dies mehr über mich denn über Heidegger als Poet.
      1) In den "Beiträgen" findet sich jedenfalls eher die von dir genannten Wörter als die Wendung "Ring des Seyns". Viel ist vom "Ereignis" natürlich die Rede und vom "Seyn". Aber das Wort "Ring" ist dort eher Mangelware. Man müsste schauen ob die "Beiträge" vor oder nach dem "Gedicht" <Ring des Seyns" verfasst worden sind. Ich tippe darauf, dass dies möglicherweise vor dem Verfassen des Gedichts geschrieben worden sind. In der Dissertation von Lanzi habe ich jedenfalls auch nicht das Wort "Ring" gefunden. Wenn du etwas interessantes im Abschnitt "Seyn" findest, dann kannst du es mich ruhig wissen lassen ;)

      2)Zumindest gibt es das Bild der Schmiede (bzw. des Schmiedens) im "Gedicht" Heideggers zu finden. Man könnte bezüglich des Wortes "Anklang" wieder an das Bild der Schmiede (des Hämmerns) usw denken, Insofern ein interessanter Vergleichspunkt, auch wenn nicht vom Ringe schmieden und dergleichen dort die Rede ist. Der Interpretationsansatz hier ist für mich nachvollziehbar.

      Über Heidegger als "Poet" oder "literarischer Amateur" kann man meines Erachtens unterschiedlicher Meinung sein. Ich glaube seine "Gedichte" haben schon eine gewisse poetische Qualität...auch wenn sie vielleicht nicht ganz die literarische Qualität eines Goethe oder Heine usw. erreichen. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Interessant ist aber, dass es dem "Denker" Heidegger" auch evtl. den "Dichter"/"Poet" Heidegger gibt, also Heidegger eine Art Dichter-Denker... (wie Nietzsche) :)
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Interessant ist aber, dass es dem "Denker" Heidegger" auch evtl. den "Dichter"/"Poet" Heidegger gibt, also Heidegger eine Art Dichter-Denker... (wie Nietzsche)
      Zunächst möchte ich Dir für Deine Hinweise auf die hier vorgestellten Texte des Dichter-Denkers danken! Gegen diese Bezeichnung hätte Martin Heideggers gewiss nichts. Die Poetische Philosophie ist in meiner Besprechung bisher zu kurz gekommen. Die Poesie hat es im Alltag schwer! So auch in der Philosophie. Zuflucht zur Poesie nehmen wir bei Anzeigen, Ankündigungen, Gratulationen, Weinachts- und Neujahrsgrüssen oder kurz gesagt bei grossen Ereignissen. Die verschwiegenen Grundfrage bleibt: Welche Ereignisse leiten den Dichter-Denker Martin Heidegger?
      :)
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Interessant ist aber, dass es dem "Denker" Heidegger" auch evtl. den "Dichter"/"Poet" Heidegger gibt, also Heidegger eine Art Dichter-Denker... (wie Nietzsche)
      Zunächst möchte ich Dir für Deine Hinweise auf die hier vorgestellten Texte des Dichter-Denkers danken! Gegen diese Bezeichnung hätte Martin Heideggers gewiss nichts. Die Poetische Philosophie ist in meiner Besprechung bisher zu kurz gekommen. Die Poesie hat es im Alltag schwer! So auch in der Philosophie. Zuflucht zur Poesie nehmen wir bei Anzeigen, Ankündigungen, Gratulationen, Weinachts- und Neujahrsgrüssen oder kurz gesagt bei grossen Ereignissen. Die verschwiegenen Grundfrage bleibt: Welche Ereignisse leiten den Dichter-Denker Martin Heidegger? :)
      Das ist kein Problem, das mache ich gern ;) Ob Heidegger dagegen nichts gehabt hätte oder nicht, weiß ich allerdings nicht...

      Poesie/Dichtung gibt es ja schon recht lange> in Bezug auf Europa seit den Griechen eben .

      Ob man Heideggers "Philosophie" als "Poetische Philosophie" auffassen sollte , bleibt die Frage. Das setzt voraus das man weiß , was man mit diesem Begriff genau sagen möchte. Also was macht "Poetische Philosophie" genau aus? Ist das eine Philosophie , die es ohne den Bezug zum Poetischen/Dichterischen nicht geben kann? Und inwiefern würde das auf Heideggers Denken/"Philosophie" zu treffen? Hat Heidegger auch "Zuflucht zur Poesie" genommen?

      Ich glaube eins der "Ereignisse" was hat Heidegger geleitet hat, waren das "Seyn" und die Griechen...und auf den Spuren philosophiert ja Heidegger (das Philosophieren der Griechen war für Heidegger mit Hinblick auf die Vorsokratiker ein "poetisches Philosophieren" , wenn man beispielsweise an Parmenides Lehrgedicht denkt, was Heidegger ja kannte und auch auslegte).
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      1) In den "Beiträgen" findet sich jedenfalls eher die von dir genannten Wörter als die Wendung "Ring des Seyns". Viel ist vom "Ereignis" natürlich die Rede und vom "Seyn". Aber das Wort "Ring" ist dort eher Mangelware. Man müsste schauen ob die "Beiträge" vor oder nach dem "Gedicht" <Ring des Seyns" verfasst worden sind. Ich tippe darauf, dass dies möglicherweise vor dem Verfassen des Gedichts geschrieben worden sind. In der Dissertation von Lanzi habe ich jedenfalls auch nicht das Wort "Ring" gefunden. Wenn du etwas interessantes im Abschnitt "Seyn" findest, dann kannst du es mich ruhig wissen lassen
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Martin Heidegger die Wortbilder im Ring des Seyns während der etwa dreijährigen Schaffensphase an den Beiträgen zur Philosophie (vom Ereignis) unbenutzt liegen gelassen hat. Daher tippe ich wie Du und mein <best guess> ist: Seines Wurf "Ring des Seyns" fiel möglicherweise mit der im Nachwort erwähnten Eingebung vom 8.5.1939, den Teil „Das Seyn“ ans Ende der Beiträge zur Philosophie zu schieben, zusammen.

      Denn es ist kaum noch zu bezweifeln, dass Heideggers ‘Rätselring‘ Ring des Seyns eng mit seine Beiträgen zur Philosophie verwoben sind, denn die Fragen im Rätselring spiegeln sich in den nachfolgend aufgeführten vier Hinsichten [Fettdruck von Alltag]:

      Martin Heidegger 259. Die Philosophie, Seite 437 schrieb:

      Das seynsgeschichtliche Denken kann aus seiner Notwendigkeit in der Vordeutung vierfach fragwürdig gemacht werden:
      1. Von den Göttern her.
      2. Vom Menschen aus.
      3. Im Rückblick auf die Geschichte der Metaphysik.
      4. Als das Denken “des“ Seyns
      Diese vier Hinsichten lassen sich nur scheinbar in der Abtrennung voneinander verfolgen.
      Was sich in der Abtrennung voneinander n i c h t verfolgen lässt, erachtet Martin Heidegger im "Ring des Seyns" als “verringt“. Wie ich vermutet hatte bedeutet “verringt“ eben nicht ‘nur logisch/kausal verkettet‘ auch nicht ‘verwoben‘, sondern ‘sich graduell in keiner Weise unterscheidbar (gegenseitig) konstituierend‘! --- ὅπερ ἔδει δεῖξαι --- q.e.d. ---- Oder doch nicht?
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      1) In den "Beiträgen" findet sich jedenfalls eher die von dir genannten Wörter als die Wendung "Ring des Seyns". Viel ist vom "Ereignis" natürlich die Rede und vom "Seyn". Aber das Wort "Ring" ist dort eher Mangelware. Man müsste schauen ob die "Beiträge" vor oder nach dem "Gedicht" <Ring des Seyns" verfasst worden sind. Ich tippe darauf, dass dies möglicherweise vor dem Verfassen des Gedichts geschrieben worden sind. In der Dissertation von Lanzi habe ich jedenfalls auch nicht das Wort "Ring" gefunden. Wenn du etwas interessantes im Abschnitt "Seyn" findest, dann kannst du es mich ruhig wissen lassen
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Martin Heidegger die Wortbilder im Ring des Seyns während der etwa dreijährigen Schaffensphase an den Beiträgen zur Philosophie (vom Ereignis) unbenutzt liegen gelassen hat. Daher tippe ich wie Du und mein <best guess> ist: Seines Wurf "Ring des Seyns" fiel möglicherweise mit der im Nachwort erwähnten Eingebung vom 8.5.1939, den Teil „Das Seyn“ ans Ende der Beiträge zur Philosophie zu schieben, zusammen.
      Denn es ist kaum noch zu bezweifeln, dass Heideggers ‘Rätselring‘ Ring des Seyns eng mit seine Beiträgen zur Philosophie verwoben sind, denn die Fragen im Rätselring spiegeln sich in den nachfolgend aufgeführten vier Hinsichten [Fettdruck von Alltag]:

      Martin Heidegger 259. Die Philosophie schrieb:

      Das seynsgeschichtliche Denken kann aus seiner Notwendigkeit in der Vordeutung vierfach fragwürdig gemacht werden:
      1. Von den Göttern her.
      2. Vom Menschen aus.
      3. Im Rückblick auf die Geschichte der Metaphysik.
      4. Als das Denken “des“ Seyns
      Diese vier Hinsichten lassen sich nur scheinbar in der Abtrennung voneinander verfolgen.
      Was sich in der Abtrennung voneinander n i c h t verfolgen lässt, erachtet Martin Heidegger im "Ring des Seyns" als “verringt“. Wie ich vermutet hatte bedeutet “verringt“ eben nicht ‘nur logisch/kausal verkettet‘ auch nicht ‘verwoben‘, sondern ‘sich graduell in keiner Weise unterscheidbar (gegenseitig) konstituierend‘! --- ὅπερ ἔδει δεῖξαι --- q.e.d. ---- Oder doch nicht?
      Das kann ich mir auch nicht vorstellen bei Heidegger. Aber es wäre schön , wenn man Gewissheit hätte, was zuerst da war: entweder die Beiträge oder das "Gedichte"/die "Gedichte" Heideggers. Von der Reihenfolge kann das sein..aber soweit ich mich erinnere ist das Gedicht "Ring des Seyns" 1945 an seine Frau gewidmet (also in den 1940er Jahren). und die Beiträge stammen aus den 1930er Jahren. Es liegt da soweit ich sehe, ein zeitlicher Spielraum von etwa 10 Jahren.

      Thematisch gesehen (und das bezweifle ich auch gar nicht) gehören die "Beiträge" als auch das "Gedicht" Heidegegrs thematisch zusammen, da es -wie immer bei Heidegger- um das "Seyn" geht. Das Gedicht als auch die Beiträge gehören zur "Spätphilosophie" Heideggers , zeigen das "dichterische" Denken des "spät(eren)" Heideggers.

      Was das Gedicht vom "Rätselring" mit den "Beiträgen" verbindet ist das Stichwort des "Ereignisses". Beide - also "Gedicht" und die "Beiträge" - sprechen vom "Ereignis" ,machen es zum Thema. Diesen Aspekt sollte man sich bewusst machen,


      Was deinen letzten Gedanken /deine letzte Frage anbetrifft: das kann gut sein, ich kann dir allerdings dazu keine sichere endgültige Antwort geben. Beim Wort "verringt" denkt man aber eher schon an Verkettung /Verwebung von bestimmten Dingen...sich "gegenseitig konstutierend" wäre vielleicht eine weitere Möglichkeit...Ob ich damit bezüglich deiner Frage vielleicht etwas weiterhelfen kann?

      (Zur Not müsste ein Heidegger-Experte herangezogen werden , bezüglich deiner letzten Frage :) )
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Was das Gedicht vom "Rätselring" mit den "Beiträgen" verbindet ist das Stichwort des "Ereignisses". Beide - also "Gedicht" und die "Beiträge" - sprechen vom "Ereignis" ,machen es zum Thema. Diesen Aspekt sollte man sich bewusst machen,

      Was deinen letzten Gedanken /deine letzte Frage anbetrifft: das kann gut sein [...] Ob ich damit bezüglich deiner Frage vielleicht etwas weiterhelfen kann?

      (Zur Not müsste ein Heidegger-Experte herangezogen werden , bezüglich deiner letzten Frage )
      INTERMEZZO (im Warten auf den Heidegger-Experten) Versuch einer Zwischenbilanz

      Martin Heidegger lässt mit dem Ring des Seyns Revue den Weg "zum Ereignis" passieren, den er mit seinen Beiträge zur Philosophie Jahre früher begangen ist. In dem von ihm so genannten ‘Rätselring‘ gibt er den Rat sich weder an Theologie, Priesterschaften und Gläubigen noch am Menschlichen und allzu Menschlichen noch an Metaphysik, Philologie und Historie zu orientieren, aber dennoch solche Überlegungen zum Dasein zu achten. Es ist also nicht nach dem Vater, sondern seins-geschichtlich zu fragen und zu akzeptieren, dass die Geschichte ihren Lauf nimmt, weil da was unterwegs ist: es hat sich nun Mal so ereignet und entworfen … und es wird einmal mehr, was in der Welt ist, im Wurf unter Wehklagen und Wimmern auf die Erde kommen.

    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Was das Gedicht vom "Rätselring" mit den "Beiträgen" verbindet ist das Stichwort des "Ereignisses". Beide - also "Gedicht" und die "Beiträge" - sprechen vom "Ereignis" ,machen es zum Thema. Diesen Aspekt sollte man sich bewusst machen,

      Was deinen letzten Gedanken /deine letzte Frage anbetrifft: das kann gut sein [...] Ob ich damit bezüglich deiner Frage vielleicht etwas weiterhelfen kann?

      (Zur Not müsste ein Heidegger-Experte herangezogen werden , bezüglich deiner letzten Frage )
      INTERMEZZO (im Warten auf den Heidegger-Experten) Versuch einer Zwischenbilanz
      Martin Heidegger lässt mit dem Ring des Seyns Revue den Weg "zum Ereignis" passieren, den er mit seinen Beiträge zur Philosophie Jahre früher begangen ist. In dem von ihm so genannten ‘Rätselring‘ gibt er den Rat sich weder an Theologie, Priesterschaften und Gläubigen noch am Menschlichen und allzu Menschlichen noch an Metaphysik, Philologie und Historie zu orientieren, aber dennoch solche Überlegungen zum Dasein zu achten. Es ist also nicht nach dem Vater, sondern seins-geschichtlich zu fragen und zu akzeptieren, dass die Geschichte ihren Lauf nimmt, weil da was unterwegs ist: es hat sich nun Mal so ereignet und entworfen … und es wird einmal mehr, was in der Welt ist, im Wurf unter Wehklagen und Wimmern auf die Erde kommen.


      Diese Zwischenbilanz kann man durchaus so ziehen. Man kann das "Gedicht" über den "Rätselring" ja als eine poetisch-philosophische Weiterführung dessen sehen, was in den "Beiträgen" früher vom "Ereignis" schon gesagt worden ist. Bei Heidegger lässt sich daher sozusagen ein poetisches Philosophieren sehen, was bestimmte Aspekte seines Denkens auch poetisch/dichterisch quasi "weiterdenkt" (oder vertieft) in Form von "Gedichten". Das "Ereignis" erfährt im "Gedicht "über den "Rätselring " eben seine poetische Vertiefung/Thematisierung. Das genannte "Gedicht" ist auf jedenfalls nicht auf die Theologie hin orientiert. Vielleicht muss man beides beachten bei Heidegger: das "seinsgeschichtliche" Denken und das "seinspoetische" Denken , welches sich in den "Gedichten" Heideggers zeigt bzw..erfährt das seinsgeschichtliche Denken in diesen auch eine "Poetisierung". Die Poetisierung bestimmter Philosopheme /philosophischer Aspekte von Heideggers Denken wie dem des Ereignisses zeigt sich in den "Gedichten" Heideggers.

      Muss die "Seinsgeschichte" auch in seiner "poetischen Form" gedacht werden bei Heidegger? Die "Gedichte" Heideggers scheinen dafür für diese Annahme zu sprechen..Oder noch anders: ist das seinsgeschichtliche Denken Heideggers auch ein poetisch-philosophisches Denken?
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Muss die "Seinsgeschichte" auch in seiner "poetischen Form" gedacht werden bei Heidegger? Die "Gedichte" Heideggers scheinen dafür für diese Annahme zu sprechen..Oder noch anders: ist das seinsgeschichtliche Denken Heideggers auch ein poetisch-philosophisches Denken?
      Gewiss in der Poesie steht alles Kopf!

      Martin Heidegger suchte in jeder erdenklichen Art und Weise das Verständnis von Sein denkend zu bergen, was ihn selbst zur Frage nach Seins-vergessenheit, -verlassenheit, -Verborgenheit leitete. Er nennt die Zeit zwischen Geburt und Tod <Zwischen>. Hat er das Da im Dazwischen vergessen, verschwiegen oder draus ein Geheimnis gemacht, um uns rätseln zu lassen? Nebst dem <Zwischen> ereignet noch die nicht einsam bestellte und bestrittene Schwangerschaft als Dazwischen, wodurch notwendig das Dasein sich in seiner ursprünglichen Räumlichkeit zeigt, bewahrt und bewahrheitet; und zwar als Freiraum und Stille im Sinn der Wahrheit und des Wesens des Seins.
      :!:
      P.S.: Experten über die Schultern geschaut:
      Helmuth Vetter, Grundriss Heidegger, ein Handbuch zu Leben und Werk ; Felix Meiner Verlag Hamburg 2014, auch als e-book erhältlich.
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Muss die "Seinsgeschichte" auch in seiner "poetischen Form" gedacht werden bei Heidegger? Die "Gedichte" Heideggers scheinen dafür für diese Annahme zu sprechen..Oder noch anders: ist das seinsgeschichtliche Denken Heideggers auch ein poetisch-philosophisches Denken?
      Gewiss in der Poesie steht alles Kopf!
      Martin Heidegger suchte in jeder erdenklichen Art und Weise das Verständnis von Sein denkend zu bergen, was ihn selbst zur Frage nach Seins-vergessenheit, -verlassenheit, -Verborgenheit leitete. Er nennt die Zeit zwischen Geburt und Tod <Zwischen>. Hat er das Da im Dazwischen vergessen, verschwiegen oder draus ein Geheimnis gemacht, um uns rätseln zu lassen? Nebst dem <Zwischen> ereignet noch die nicht einsam bestellte und bestrittene Schwangerschaft als Dazwischen, wodurch notwendig das Dasein sich in seiner ursprünglichen Räumlichkeit zeigt, bewahrt und bewahrheitet; und zwar als Freiraum und Stille im Sinn der Wahrheit und des Wesens des Seins.
      :!:
      P.S.: Experten über die Schultern geschaut:
      Helmuth Vetter, Grundriss Heidegger, ein Handbuch zu Leben und Werk ; Felix Meiner Verlag Hamburg 2014, auch als e-book erhältlich.
      Wie kann man Heideggers Verhältnis zur Poesie/Dichtung beurteilen (in Bezug auf sein philosophisches Denken)?


      Ob uns Heidegger in mancher Hinsicht wollte rätseln lassen, vermag ich nicht zu beurteilen...manche sehen in Heidegger selbst ein Rätsel....

      welt.de/print/die_welt/hamburg…Philosophisches-Cafe.html

      Auch das "Zwischen" scheint ein weiterer nicht unwesentlicher Terminus Heideggers zu sein.

      Ich danke für den Literaturtipp. ;)
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Wie kann man Heideggers Verhältnis zur Poesie/Dichtung beurteilen (in Bezug auf sein philosophisches Denken)?
      Der Begriff <Poesie> bezeichnet im übertragenen Sinn eine bestimmte Qualität. So spricht man etwa von der „Poesie eines Moments“ und meint damit etwa eine ‘Stille‘, eine sich der Sprache entziehende oder über sie hinausgehende Wirkung, die sich anderseits in der Dichtung entfaltet /1/. Das Wort <Poesie> kommt in der Küche so richtig zur Geltung! Denn ποίησις, poiesis, meint Handeln, Schaffen, (schöpferische) Tätigkeit, Dichtkunst, Gedicht - und ich meine auch - das Eingemachte, Eingedickte, Raffinierte, das zubereitet und vorgetragen uns über den Gaumen, über die Sinne hinaus entzückt. Im Vergleich dazu stehen im Regal die Kochbücher in einer Sprache, in der wir nicht verwurzelt sind. --- Aber wie beurteilst Du Heideggers Verhältnis zur Poesie/Dichtung?

      /1/ In Anlehnung an Wikipedia, aber entschlackt ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alltag ()

    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Wie kann man Heideggers Verhältnis zur Poesie/Dichtung beurteilen (in Bezug auf sein philosophisches Denken)?
      Der Begriff <Poesie> bezeichnet im übertragenen Sinn eine bestimmte Qualität. So spricht man etwa von der „Poesie eines Moments“ und meint damit etwa eine ‘Stille‘, eine sich der Spracheentziehende oder über sie hinausgehende Wirkung, die sich anderseits in der Dichtung entfaltet /1/. Das Wort <Poesie> kommt in der Küche so richtig zur Geltung! Denn ποίησις, poiesis, meint Handeln, Schaffen, (schöpferische) Tätigkeit, Dichtkunst, Gedicht - und ich meine auch - das Eingemachte, Eingedickte, Raffinierte, das zubereitet und vorgetragen uns über den Gaumen, über die Sinne hinaus entzückt. Im Vergleich dazu stehen im Regal die Kochbücher in einer Sprache, in der wir nicht verwurzelt sind. --- Aber wie beurteilst Du Heideggers Verhältnis zur Poesie/Dichtung?
      /1/ In Anlehnung an Wikipedia, aber entschlackt ;)
      Ich danke für den Hinweis auf den Wikipedia-Artikel ;) Der Begriff "Poesie" von gr. ποίησις (poiesis) steht für das , was wir "Dichtung" oder "Literatur" heute nennen. Natürlich kann man da assoziativ auch an das "Eingemachte" denken, wenn man die ursprüngliche Semantik des Wortes berücksichtigt (im Sinne von Handeln, Schaffen, Schöpferischer Tätigkeit). Der "Poet" ist derjenige , der "schaft" (macht" ) >ποιειν (das Verb und sein Infinitiv) heißt ja "machen). , Also ποιειν und ποίησις dasselbe (semantische) Wortfeld....


      Was deine letzte Frage anbetrifft: Heideggers Verhältnis zur Poesie/Dichtung für sein gesamtes philosophisches Werk und vor allem verstärkt sich dieser Bezug zur Dichtung beim "späten" Heidegger, wenn beispielsweise vom "dichterischen Denken" die Rede.

      Heidegger hat ja bekanntlich die "Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung" geschrieben . Er hat aber , was deutsche Dichtung/Literatur sich nicht nur mit Hölderlin befasst, sondern auch mit Rilke oder Trakl....was die griechische Dichtung anbetrifft vor allem das Epos (Homer) und die Tragödie (Sophokles). Man darf nicht vergessen: Heidegger war auf einem humanistischem Gymnasium zur Schule gegangen. Aber, was die griechische Dichtung anbetrifft: er hat nicht alle Aspekte der griechischen Literatur/Dichtung berücksichtigt! So kommt beispielsweise die griechische Komödie eines Aristophanes nicht bei ihm vor. Man kann es auch so sagen: Heideggers Beziehung zur Dichtung ist auch selektiv, denn er befasst sich nur mit einer bestimmten Auswahl von Dichtern und berücksichtigt nicht alle. Und das ist meines Erachtens ein problematischer Zug seines Verhältnisses zur Dichtung. Auch was die deutschprachige Literatur/Dichtung anbetrifft, werden nicht alle von ihm berücksichtigt, aber Goethe kannte er sicherlich...

      Die Dichtung hat in seinem Werk aber eine bedeutende Rolle gespielt und nicht umsonst hat Heidegger selbst sich auch "dichterisch" geäußert: also sagen wir in Form von "Gedichten" , aber keine Romane oder Dramen verfasst...dennoch eine dichterisch-denkerische Konkurrenz zu Nietzsche vielleicht, dem er vielleicht auch "dichterisch" ebenbürtig (oder sagen wir mal mehr als das) sein wollte?

      Zu dem Thema ist hilffreich auch diese Lektüre :) :

      amazon.de/Heidegger-die-Dichtu…ywords=heidegger+dichtung

      oder auch das : amazon.de/Heidegger-die-Litera…words=heidegger+literatur
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      [...] Man kann es auch so sagen: Heideggers Beziehung zur Dichtung ist auch selektiv, denn er befasst sich nur mit einer bestimmten Auswahl von Dichtern und berücksichtigt nicht alle. Und das ist meines Erachtens ein problematischer Zug seines Verhältnisses zur Dichtung. Auch was die deutschprachige Literatur/Dichtung anbetrifft, werden nicht alle von ihm berücksichtigt, aber Goethe kannte er sicherlich...

      Die Dichtung hat in seinem Werk aber eine bedeutende Rolle gespielt und nicht umsonst hat Heidegger selbst sich auch "dichterisch" geäußert: also sagen wir in Form von "Gedichten" , aber keine Romane oder Dramen verfasst...dennoch eine dichterisch-denkerische Konkurrenz zu Nietzsche vielleicht, dem er vielleicht auch "dichterisch" ebenbürtig (oder sagen wir mal mehr als das) sein wollte?
      Danke für die Literaturhinweise. Im Netz verfügbar ist die Dissertation:

      Hoff Ansgar Maria, Das Poetische der Philosophie. Friedrich Schlegel, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Jacques Derrida ; Dissertation Universität Bonn, 2000.
      https://d-nb.info/968329624/34

      Hoff Ansgar Maria - Dissertation - Bonn - 2000 schrieb:

      9. Resümee

      Schlegel, Nietzsche, Heidegger und Derrida haben die Philosophie für das Poetische geöffnet. Ihre Neuverortung der Grenzen von Philosophie und Poesie wirkt im Sinne einer Ausbalancierung des Machtverhältnisses zwischen den Diskursen. Die radikale erkenntniskritische Infragestellung des von der Philosophie im Maßstab logischen Denkens erhobenen und auf das Systemideal eingeschworenen Wahrheitsanspruchs entwertet den traditionell gegen Dichtung geltend gemachten Vorwurf der Wahrheitsindifferenz, mit deren Hilfe sich die Philosophie die Poesie auf Abstand hielt. Die auf die Stärkung des Aspektes der Differenz zurückgehende Beschädigung der Philosophie in ihren Paradigmen von Identität und Präsenz weitet den Horizont des sich die eigene Relativität eingestehenden Denkens für die Kompetenzen des poetischen Sprachspiels. Poesie ist nicht länger aus dem Reich der Wahrheit zu verbannen, wenn Wahrheit selbst von keinem Diskurs verbürgt werden kann. Schlegel, Nietzsche, Heidegger und Derrida richten ihr Denken unter verschiedenen Namen nach einem Absoluten oder Unendlichen ein: Schlegel nennt es „das Unendliche“, Nietzsche „ewige Wiederkehr des Gleichen“, Heidegger „Sein“ und Derrida „différance“. Im Zeichen dieser Namen erringt die Poesie eine neue Stellung gegenüber der Philosophie. Bei Schlegel ist es die Sehnsucht nach dem Unendlichen, das die Philosophie sich der Poesie anvertrauen läßt; bei Nietzsche ist es die ewig wiederkehrende und also unabänderliche Scheinverfallenheit allen Denkens und Sprechens, das dem Leben den Willen zum künstlichen Schein der Poesie abverlangt; bei Heidegger ist es das Sein selbst, das Dichten und Denken in Nachbarschaft zueinander bezirkt; bei Derrida ist es die différance, die als Bedingung der Möglichkeit des Bedeutens sowohl Philosophie als auch Literatur durchwirkt.

      Die Anhebung der Poesie auf das Niveau einer ernstgenommenen Diskursschwester der Philosophie koinzidiert mit einem Denken, das die Rolle des Subjekts kritisch in Augenschein nimmt. Was sich bei Schlegel noch als Temporalisierung des Ichs ausnimmt, wird seit Nietzsche zu einer entschiedenen Ablehnung des Paradigmas der Subjektivität überhaupt. In ursächlichem Konnex damit steht das schicksalhafte bzw. unhintergehbare Wirken des Unendlichen oder Absoluten, dem der Mensch sich ausgesetzt sieht. Innerhalb dieses Zusammenhangs wird das Verhältnis von Poesie und Philosophie zunächst selbst als ein notwendiges oder aber indisponibles angesehen. Schlegel und Nietzsche können vor diesem Hintergrund gleichwohl die Poetisierung der Philosophie im Sinne eines strategischen Projektes inszenieren, während Heideggers Seinsgeschick und Derridas autorenloses différance-Geschehen eine solche Option nicht mehr erlauben. Eine Bestimmung der Grenzlinien von Poesie und Philosophie ist daher bei Schlegel und Nietzsche schon aus funktionaler Perspektive möglich, während sie bei Heidegger und Derrida an das rätselhafte Wirken von Sein bzw. différance zurückverwiesen wird. [S. 332]
      Schlegels, Nietzsches, Heideggers und Derridas Denken schärft der Philosophie die Frage nach ihrem Verhältnis zur Poesie als die Frage nach sich selbst ein. Je rationalitätskritischer das Denken wird, desto schärfer wird eine allzu selbstbewußte Diskursmentalität der Philosophie auf ihre Legitimation hin abgefragt. Die Poesie kann in den Themenkatalog einer sich selbst in ihren Erkenntniskräften und -möglichkeiten immer problematischer werdenden Philosophie eindringen, insofern sich diese das Nichtaufgehen ihres Anspruchs auf unbedingte Wahrheit eingesteht. Weil Wahrheit als ein ihr Entzogenes, Anderes erscheint, nimmt Philosophie wahr, daß sie selbst anders ist, als sie dachte. Dieses Anderssein aber stärkt das Denken des Anderen allgemein. Das Andere, das die Poesie immer war, ist einer Philosophie, die sich selbst als ein Anderes erfährt, nicht länger suspekt. Die Einsicht, daß der vermeintlich so andere, so fremde poetische Diskurs der Philosophie doch so nahe liegt, ist nur unter der Bedingung möglich, daß das Fremde, das Differente, das Andere in die Philosophie vorgelassen wird. Die skeptische Distanz, die die Philosophie zu sich selbst gewinnt, ist der Freiraum, in dem die Nähe von Poesie und Philosophie durch Schlegel, Nietzsche, Heidegger und Derrida vermessen wird. Hier auch erscheint das Poetische der Philosophie als das Andere der Philosophie in neuem Licht. [S. 333] [Fettdruck von Alltag]
      Ich finde den Text selbstredend und lass ihn Mal so stehen. :/ 8)
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      [...] Man kann es auch so sagen: Heideggers Beziehung zur Dichtung ist auch selektiv, denn er befasst sich nur mit einer bestimmten Auswahl von Dichtern und berücksichtigt nicht alle. Und das ist meines Erachtens ein problematischer Zug seines Verhältnisses zur Dichtung. Auch was die deutschprachige Literatur/Dichtung anbetrifft, werden nicht alle von ihm berücksichtigt, aber Goethe kannte er sicherlich...

      Die Dichtung hat in seinem Werk aber eine bedeutende Rolle gespielt und nicht umsonst hat Heidegger selbst sich auch "dichterisch" geäußert: also sagen wir in Form von "Gedichten" , aber keine Romane oder Dramen verfasst...dennoch eine dichterisch-denkerische Konkurrenz zu Nietzsche vielleicht, dem er vielleicht auch "dichterisch" ebenbürtig (oder sagen wir mal mehr als das) sein wollte?
      Danke für die Literaturhinweise. Im Netz verfügbar ist die Dissertation:
      Hoff Ansgar Maria, Das Poetische der Philosophie. Friedrich Schlegel, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Jacques Derrida ; Dissertation Universität Bonn, 2000.
      https://d-nb.info/968329624/34

      Hoff Ansgar Maria - Dissertation - Bonn - 2000 schrieb:

      9. Resümee

      Schlegel, Nietzsche, Heidegger und Derrida haben die Philosophie für das Poetische geöffnet. Ihre Neuverortung der Grenzen von Philosophie und Poesie wirkt im Sinne einer Ausbalancierung des Machtverhältnisses zwischen den Diskursen. Die radikale erkenntniskritische Infragestellung des von der Philosophie im Maßstab logischen Denkens erhobenen und auf das Systemideal eingeschworenen Wahrheitsanspruchs entwertet den traditionell gegen Dichtung geltend gemachten Vorwurf der Wahrheitsindifferenz, mit deren Hilfe sich die Philosophie die Poesie auf Abstand hielt. Die auf die Stärkung des Aspektes der Differenz zurückgehende Beschädigung der Philosophie in ihren Paradigmen von Identität und Präsenz weitet den Horizont des sich die eigene Relativität eingestehenden Denkens für die Kompetenzen des poetischen Sprachspiels. Poesie ist nicht länger aus dem Reich der Wahrheit zu verbannen, wenn Wahrheit selbst von keinem Diskurs verbürgt werden kann. Schlegel, Nietzsche, Heidegger und Derrida richten ihr Denken unter verschiedenen Namen nach einem Absoluten oder Unendlichen ein: Schlegel nennt es „das Unendliche“, Nietzsche „ewige Wiederkehr des Gleichen“, Heidegger „Sein“ und Derrida „différance“. Im Zeichen dieser Namen erringt die Poesie eine neue Stellung gegenüber der Philosophie. Bei Schlegel ist es die Sehnsucht nach dem Unendlichen, das die Philosophie sich der Poesie anvertrauen läßt; bei Nietzsche ist es die ewig wiederkehrende und also unabänderliche Scheinverfallenheit allen Denkens und Sprechens, das dem Leben den Willen zum künstlichen Schein der Poesie abverlangt; bei Heidegger ist es das Sein selbst, das Dichten und Denken in Nachbarschaft zueinander bezirkt; bei Derrida ist es die différance, die als Bedingung der Möglichkeit des Bedeutens sowohl Philosophie als auch Literatur durchwirkt.

      Die Anhebung der Poesie auf das Niveau einer ernstgenommenen Diskursschwester der Philosophie koinzidiert mit einem Denken, das die Rolle des Subjekts kritisch in Augenschein nimmt. Was sich bei Schlegel noch als Temporalisierung des Ichs ausnimmt, wird seit Nietzsche zu einer entschiedenen Ablehnung des Paradigmas der Subjektivität überhaupt. In ursächlichem Konnex damit steht das schicksalhafte bzw. unhintergehbare Wirken des Unendlichen oder Absoluten, dem der Mensch sich ausgesetzt sieht. Innerhalb dieses Zusammenhangs wird das Verhältnis von Poesie und Philosophie zunächst selbst als ein notwendiges oder aber indisponibles angesehen. Schlegel und Nietzsche können vor diesem Hintergrund gleichwohl die Poetisierung der Philosophie im Sinne eines strategischen Projektes inszenieren, während Heideggers Seinsgeschick und Derridas autorenloses différance-Geschehen eine solche Option nicht mehr erlauben. Eine Bestimmung der Grenzlinien von Poesie und Philosophie ist daher bei Schlegel und Nietzsche schon aus funktionaler Perspektive möglich, während sie bei Heidegger und Derrida an das rätselhafte Wirken von Sein bzw. différance zurückverwiesen wird. [S. 332]
      Schlegels, Nietzsches, Heideggers und Derridas Denken schärft der Philosophie die Frage nach ihrem Verhältnis zur Poesie als die Frage nach sich selbst ein. Je rationalitätskritischer das Denken wird, desto schärfer wird eine allzu selbstbewußte Diskursmentalität der Philosophie auf ihre Legitimation hin abgefragt. Die Poesie kann in den Themenkatalog einer sich selbst in ihren Erkenntniskräften und -möglichkeiten immer problematischer werdenden Philosophie eindringen, insofern sich diese das Nichtaufgehen ihres Anspruchs auf unbedingte Wahrheit eingesteht. Weil Wahrheit als ein ihr Entzogenes, Anderes erscheint, nimmt Philosophie wahr, daß sie selbst anders ist, als sie dachte. Dieses Anderssein aber stärkt das Denken des Anderen allgemein. Das Andere, das die Poesie immer war, ist einer Philosophie, die sich selbst als ein Anderes erfährt, nicht länger suspekt. Die Einsicht, daß der vermeintlich so andere, so fremde poetische Diskurs der Philosophie doch so nahe liegt, ist nur unter der Bedingung möglich, daß das Fremde, das Differente, das Andere in die Philosophie vorgelassen wird. Die skeptische Distanz, die die Philosophie zu sich selbst gewinnt, ist der Freiraum, in dem die Nähe von Poesie und Philosophie durch Schlegel, Nietzsche, Heidegger und Derrida vermessen wird. Hier auch erscheint das Poetische der Philosophie als das Andere der Philosophie in neuem Licht. [S. 333] [Fettdruck von Alltag]
      Ich finde den Text selbstredend und lass ihn Mal so stehen. :/ 8)
      Ich danke für den Hinweis auf diese Dissertation.

      Der Ausschnitt, den du ausgewählt hast, ist durchaus lesenswert ;)
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Der Ausschnitt, den du ausgewählt hast, ist durchaus lesenswert
      Steht die poetische Philosophie damit im Leeren?
      Meine Kompetenzen bei weitem überschreitend, denke ich, Martin Heidegger erwartete von der Poesie, so sehr er sich darum bemühte, zu viel. Helmuth Vetter zitiert im Grundriss Heidegger dessen Arbeit am Heraklit Fragment DK 22 B 52

      Martin Heidegger GA 10 -168 schrieb:

      " [...] Seinsgeschick, ein Kind ist es, spielend, spielend das Brettspiel;
      eines Kindes ist das Königtum -
      d.h. die <arche>, das Stiftend verwaltende Gründen, das Sein dem Seienden. Das Seinsgeschick: ein Kind, das spielt."
      (GA 10, 168)
      Statt <Seinsgeschick> sind in der Literatur viele andere Varianten zu finden. Eltern verstehen leicht meine Variante:
      HeraklitFragment DK 22 B 52
      αἰὼν παῖς ἐστι παίζων, In (seiner) Welt ist das Kind verspielt;
      πεσσεύων. παιδός βασιλῆ᾽das Brett des Sprosses auf der Prinzessin spielend

      In Anlehnung an:

      Alltag schrieb:

      Er nennt die Zeit zwischen Geburt und Tod <Zwischen>. Hat er das Da im Dazwischen vergessen, verschwiegen oder draus ein Geheimnis gemacht, um uns rätseln zu lassen? Nebst dem <Zwischen> ereignet noch die nicht einsam bestellte und bestrittene Schwangerschaft als Dazwischen, wodurch notwendig das Dasein sich in seiner ursprünglichen Räumlichkeit zeigt, bewahrt und bewahrheitet; und zwar als Freiraum und Stille im Sinn der Wahrheit und des Wesens des Seins.
      Alltag am Ende!?
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Der Ausschnitt, den du ausgewählt hast, ist durchaus lesenswert
      Steht die poetische Philosophie damit im Leeren?Meine Kompetenzen bei weitem überschreitend, denke ich, Martin Heidegger erwartete von der Poesie, so sehr er sich darum bemühte, zu viel. Helmuth Vetter zitiert im Grundriss Heidegger dessen Arbeit am Heraklit Fragment DK 22 B 52

      Martin Heidegger GA 10 -168 schrieb:

      " [...] Seinsgeschick, ein Kind ist es, spielend, spielend das Brettspiel;
      eines Kindes ist das Königtum -
      d.h. die <arche>, das Stiftend verwaltende Gründen, das Sein dem Seienden. Das Seinsgeschick: ein Kind, das spielt."
      (GA 10, 168)
      Statt <Seinsgeschick> sind in der Literatur viele andere Varianten zu finden. Eltern verstehen leicht meine Variante:
      HeraklitFragment DK 22 B 52
      αἰὼν παῖς ἐστι παίζων, In (seiner) Welt ist das Kind verspielt;
      πεσσεύων. παιδός βασιλῆ᾽das Brett des Sprosses auf der Prinzessin spielend

      In Anlehnung an:

      Alltag schrieb:

      Er nennt die Zeit zwischen Geburt und Tod <Zwischen>. Hat er das Da im Dazwischen vergessen, verschwiegen oder draus ein Geheimnis gemacht, um uns rätseln zu lassen? Nebst dem <Zwischen> ereignet noch die nicht einsam bestellte und bestrittene Schwangerschaft als Dazwischen, wodurch notwendig das Dasein sich in seiner ursprünglichen Räumlichkeit zeigt, bewahrt und bewahrheitet; und zwar als Freiraum und Stille im Sinn der Wahrheit und des Wesens des Seins.
      Alltag am Ende!?
      Die Frage lässt sich vermutlich nicht so einfach beantworten.

      Man müsste allerdings erstmal klären, was Heidegger von der Dichtung/Poesie genau erwartete. bzw. warum spielt diese in seinem philosophischen Werk eine so bedeutende Rolle? Also warum der Bezug zu Hölderlin oder zu den griechischen Tragikern /Dichtern (wie Sophokles oder Homer)? Und warum gibt es keinen vergleichbaren Bezug bei Heidegger zur römischen Literatur/Dichtung? Sind nur die Griechen dichterisch in der Lage das Sein zu denken und zu sagen? Und die Römer nicht?

      Dazu Heidegger: "Alle Kunst ist als Geschehenlassen der Ankunft der Wahrheit des Seienden als eines solchen im Wesen Dichtung"
      (HGA, 5, S.59)

      "Dichter- Dichten nur je Seiendes! und doch auch so das Sein!" (HGA , S.94, S.15)

      Kein Denken der Dichtung/ποιησις ohne das Sein also bei Heidegger.

      Das erwähnte Handbuch von Vetter ist sicherlich durchaus brauchbar.

      Das von dir zitierte Heraklit Fragment hat Nietzsche auch schon behandelt. Man könnte hier Nietzsches Interpretation dieses Fragments mit der von Heidegger vergleichen. Nietzsches Interpretation ist glaube ich in seinem Buch über die "Philosophie im tragischen Zeitalter" zu finden.

      Zum Begriff des Zwischen sei auf diese neuere Arbeit hingewiesen:

      amazon.de/Zwischen-als-kreativ…+der+kreativen+entfaltung
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Neu

      Philosophist schrieb:

      Das von dir zitierte Heraklit Fragment hat Nietzsche auch schon behandelt. Man könnte hier Nietzsches Interpretation dieses Fragments mit der von Heidegger vergleichen. Nietzsches Interpretation ist glaube ich in seinem Buch über die "Philosophie im tragischen Zeitalter" zu finden.
      Eine dazu meines Erachtens bestens passende Studie publizierte:

      • Günter Wohlfart, “Also Sprach Herakleitos“ Heraklits Fragment B 52 und Nietzsches Heraklit-Rezeption; Verlag Karl Alber, 1991

      Im Kleingedruckten (Fussnote 561) schreibt Günter Wohlfart: <Viele Überkommene Deutungen scheinen mir aber besser zur Weltanschauung der Deutenden als zum gedeuteten Text zu passen.> Seine Deutungen orientieren sich verkürzt gesagt am Wort pais, : A) ein Knabe; B) Apoll; C) Dionysos; und sein eigener Interpretationsvorschlag D) Kyros. Zusammenfassend ergibt sich [Seite 198]:

      Günter Wohlfart - Seite 198 - schrieb:

      Das Leben(sspiel)/
      ist ein Knabe spielend/
      brettspielend/
      des Knaben: das Königtum
      A: als Sieger im Brettspiel;
      C: des inthronisierten Dionysos mit seinen Spielzeugen;
      D: im Königsspiel des Kyros.
      Des Weitern relativiert Günter Wohlfart [Seite 199]: <Anderseits werden wir aber bei dem ‘Prämetaphysiker‘ Heraklit, bei dem das ‘Meta-physische‘ ganz ins ‘Physische‘ versenkt ist und dessen Nähe zur Lebenswelt des Menschen zu bewundern wir immer wieder Gelegenheit haben, hier wie in anderen Fragmenten, ganz konkret Menschliches bzw. menschliche Geschichten betreffende Zusammenhänge vermuten dürfen.>

      Meine menschliche Geschichten orientiert sich an dem von allen Müttern bekannten Kicken ihres Sprosses im Bauch in den letzten Monaten vor der Niederkunft. Ich übersetze das Wort pais in Übereinstimmung mit den auch von Günter Wohlfart verwendeten Lexikon mit 'Nachkomme/Spross'. Ohne Widerspruch zu Günter Wohlfart ergibt sich mit der Variante 'Spross' der Rest von alleine! Insbesondere bekommt das Wort aion die vieldiskutierte Mehrdeutigkeit und Unbestimmtheit. Der Spross hat von nichts eine Ahnung und verhält sich wie ein Herrscher, die Mutter aber erträgt das Spiel. Ich schliesse mich dennoch Günter Wolfart an [Seite 200]:

      Günter Wohlfart - Seite 200 - schrieb:

      Was Heraklit sich wirklich bei diesem Fragment 52 gedacht hat, wissen wir nicht. Wir können ihn nicht mehr fragen. Darübr [sind wir] nun aber insofern auch ganz froh, als er ja womöglich eine Antwort geben würde, die alle von mir erörterten Deutungen ‘erledigte‘.
      ||