Poetische Philosophie - Gedicht von Martin Heidegger

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    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Auffallend ist, dass Nietzsche und Heidegger ähnliche philosophische Themen und Schlagwörter haben, aber eben unterschiedlich über diese nachdenken. Das zeigt sich auch beim Stichwort "Ring des Seins", was für Heidegger und Nietzsche , was je unterschiedliches ist.

      Martin Heidegger in weiterer Erwartung an den Leser schrieb:

      [...] Aber ein Denker lässt sich niemals dadurch überwinden, dass man ihn widerlegt und eine Widerlegungsliteratur um ihn aufstapelt. Das Gedachte eines Denkers lässt sich nur so verwinden, dass das Ungedachte in seinem Gedachten auf seine anfängliche Wahrheit zurückverlegt wird. Dadurch wird jedoch die denkende Zwiesprache mit dem Denker nicht bequemer, sondern sie gelangt erst in eine sich steigernde Schärfe des Streitgespräches.

      /Martin Heidegger, Vorlesung 1951/52 mit dem Titel „Was heisst Denken?“, Kapitel römisch V, Reclam 8805 ; Schriftbild von Alltag/
      Ja, nach und nach entdecke ich das Gemeinsame und das Unterschiedliche der Beiden. Um mich nicht dem Wahn hinzugeben, besinne ich mich auf Parmenides /1/. Und um meine Untersuchung nicht zu verzetteln halte ich mich vorläufig an das was wir von Martin Heidegger vorliegen haben. Zumal ich ja immer noch nicht den Eindruck habe, was sich Heideggers bei "Ring des Seins" denkt oder welche Denkleistung er da vom Leser erwartet. Siehst Du da klarer? Was sagst Du dazu?_____________________
      /1/ Gemessen an den Verwirrungen, welche die Parmenides zugeschriebenen Fragmente heute noch stiften, könnte man bei seinen kurzen Fragmenten auch von Wahnzettel sprechen. Dennoch:
      • Schau! [Regieanweisung: zeig auf den Halbmond am Taghimmel]
        Abwesendes bestätigst du mit dem geistigen Auge aber dennoch (als) Anwesendes.
        Brenne drauf (, dass) ein Preis festgesetzt wird um das Seiende des Seienden zu verstehen
        (und) um ganz und gar der Ordnung willen weder sich zu verzetteln
        noch engstirnig zu sein. [DK 28 B4 übersetzt von Alltag]
      https://www.philosophie-raum.de/index.php/Thread/27502-A-Parmenides-Untersuchungskonzept-gem%C3%A4ss-Fragment-B4/
      Dass es Unterschiede (und auch Gemeinsamkeiten ) zwischen Nietzsche und Heidegger gibt, ist denke ich klar, und könnte , wenn gewünscht, auch näher gezeigt werden. Das zeigt sich z.B. an der unterschiedlichen Beurteilung des Parmenides bei beiden Denkern. Parmnides wird von Nietzsche in seinen Arbeiten zu den Vorsokratikern recht kritisch beurteilt (Heraklit jedoch positiv), während Heidegger Parmenides und sein Lehrgedicht anders beurteilt und weniger kritisch als dies bei Nietzsche der Fall war. Man muss nur seine Parmenides-Vorlesung aus den 1950er Jahren dazu sich mal anschauen, um sehen zu können das Parmenides von Heidegger anders beurteilt wird als von Nietzsche.

      In dem "Gedicht" mit dem Titel "Ring des Seyns" wird ja Parmenides anfangs zitiert (εστι γαρ ειναι/esti gar einai> was Heidegger übersetzt mit : >Ist nämlich Sein> > die Frage wäre wie ein (klassischer) Philologe diese Übersetzung Heideggers beurteilen würde.Soweit mir bekannt ist, sind Heideggers Übersetzung aus dem Griechischen manchmal recht umstritten.


      Ich zitiere nochmal aus dem "Gedicht" Heideggers:


      "Nach einem Spruch aus früher Frist: <Ist nämlich Sein>.
      Wie fügt sich >Ist> und >Sein> in Eins?
      Wer schmiedete den Ring des Seyns,
      der ringend erst sein Eigenes er-ringt
      und doch zumal des Ringes sich entringt
      Oh Rätselring! Bist du Vermächtnis. das eins >Sein> verwunden in die Wahrnis?"

      und "(...) Wie hat, das was das Sein ver-ringt, selbst dem Ring sich anbefohlen?"

      und was wichtig ist, ist diese Zeile noch:

      "Was ringt den Rätselring, der einmal Ding? Nenn's das Er-eignis. Es vereignet sein Vermächtnis, sich enteignend reinem Schied, in das unerfahrliche Gedächtnis. "

      Wenn man sich das anschaut, wird ja klar, dass Heidegger von einem "Ring" wirklich spricht. Aber dieser ist für ihn zugleich ein "Rätselring". Und dieser wird zudem in Beziehung gebracht, was Heidegger das "Ereignis" nennt. D.h. das "Er-eignis" scheint mir für den "Ring des Seyns" verantwortlich zu sein. Denn ohne dieses, gibt es keine "Kraft" (ich nenne das mal so), was "das Sein ver-ringt" bzw. was den "Rätselring" ringt...es gibt also etwas (eine Kraft), was das Sein "verringt" und damit zum "Ring des Seyns" führt. Und das ist für Heidegger das "Er-eignis". Das scheint mir jedenfalls ein wesentlicher Punkt für das Verständnis hier zu sein. Hatten wir schon über die Bedeutung des "Ereignis" bei Heidegger im Kontext dieses "Gedichtes" gesprochen? Ich bin da nicht sicher, und vermute eher nicht so (oder ich habe deine ganze Deutung nicht aus dem Gedächtnis parat). Der Leser des "Gedichtes" soll verstehen, das es den "Ring des Seyns" nicht ohne das "Er-eignis" geben kann (und dies ist ja ein wichtiges philosophisches Stichwort des "späten" Heidegger). Ich hoffe, damit erstmal etwas weiter helfen zu können.

      Ich danke für den Parmenides Link.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Hatten wir schon über die Bedeutung des "Ereignis" bei Heidegger im Kontext dieses "Gedichtes" gesprochen? Ich bin da nicht sicher, und vermute eher nicht so (oder ich habe deine ganze Deutung nicht aus dem Gedächtnis parat). Der Leser des "Gedichtes" soll verstehen, das es den "Ring des Seyns" nicht ohne das "Er-eignis" geben kann (und dies ist ja ein wichtiges philosophisches Stichwort des "späten" Heidegger). Ich hoffe, damit erstmal etwas weiter helfen zu können. /Fettdruck von Alltag/
      Bisher hab ich mich um die Bedeutung des "Ereignis" bei Heidegger gedrückt und ich will auch jetzt nicht der Diskussion der Ontologischen Differenz zum Opfer fallen. Dennoch meines Erachtens so viel: Ontologisch irrelevant sind die Zufälligkeiten; ontisch relevant ist was sich wieder und wieder ereignet; Das ontologisch relevante ‘Er-eignis‘ ist entweder dem Dasein, was wir je selbst sind, eigen, oder für das Dasein epochal, … (die Aufzählung ist nicht abschliessend). Nehmen wir letzteres im Kontext meiner bisherigen Beiträge:

      Martin Heidegger zu Nietzsche als Ereignis schrieb:

      Nietzsche sieht im Bereich des wesentlichen Denkens, klarer denn je einer vor ihm, die Notwendigkeit eines Übergangs und damit die Gefahr, dass der bisherige Mensch sich immer hartnäckiger auf die blosse Ober- und Vorderfläche seines bisherigen Wesens einrichtet und das Flache dieser Fläche als den einzigen Raum seines Aufenthaltes auf der Erde gelten lässt. Diese Gefahr ist um so grösser als sie in einem geschichtlichen Augenblick droht, den Nietzsche als erster klar erkannt und als einziger in der ganzen Tragweite metaphysisch durchdachte. Es ist der Augenblick, da der Mensch sich anschickt, die Herrschaft über die Erde im ganzen zu übernehmen.
      Nietzsche ist der erste, der die Frage stellt: Ist der Mensch als Mensch in seinem bisherigen Wesen für die Übernahme dieser Herrschaft vorbereitet?
      /Martin Heidegger, Vorlesung 1951/52 mit dem Titel „Was heisst Denken?“, Kapitel römisch VI, Reclam 8805 ; Schriftbild von Alltag verändert /
      Stillschweigend ist für Martin Heidegger selbst klar, dass er in seinem Hauptwerk Sein und Zeit derselben Frage nachgegangen ist. Als Leser erachte ich, was bei Nietzsche in der Einzelperson Zarazustra vorgetragen wird, bei Heidegger das Dasein als das allen Menschen gemeinsame Wesen. Daher nähert sich Martin Heidegger im Dasein dem ontologisch relevante ‘Er-eignis‘ und der Frage, wie es sei.
      Wie hat,
      was das Sein ver-ringt,
      selbst dem Ring sich anbefohlen?
      Infolge Heideggers Fokus auf das <Dasein>
      welches die Bedeutung des <Sein> mindert und
      selbst ‘sich ins Spiel um das Seyn bringt‘.
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Hatten wir schon über die Bedeutung des "Ereignis" bei Heidegger im Kontext dieses "Gedichtes" gesprochen? Ich bin da nicht sicher, und vermute eher nicht so (oder ich habe deine ganze Deutung nicht aus dem Gedächtnis parat). Der Leser des "Gedichtes" soll verstehen, das es den "Ring des Seyns" nicht ohne das "Er-eignis" geben kann (und dies ist ja ein wichtiges philosophisches Stichwort des "späten" Heidegger). Ich hoffe, damit erstmal etwas weiter helfen zu können. /Fettdruck von Alltag/
      Bisher hab ich mich um die Bedeutung des "Ereignis" bei Heidegger gedrückt und ich will auch jetzt nicht der Diskussion der Ontologischen Differenz zum Opfer fallen. Dennoch meines Erachtens so viel: Ontologisch irrelevant sind die Zufälligkeiten; ontisch relevant ist was sich wieder und wieder ereignet; Das ontologisch relevante ‘Er-eignis‘ ist entweder dem Dasein, was wir je selbst sind, eigen, oder für das Dasein epochal, … (die Aufzählung ist nicht abschliessend). Nehmen wir letzteres im Kontext meiner bisherigen Beiträge:

      Martin Heidegger zu Nietzsche als Ereignis schrieb:

      Nietzsche sieht im Bereich des wesentlichen Denkens, klarer denn je einer vor ihm, die Notwendigkeit eines Übergangs und damit die Gefahr, dass der bisherige Mensch sich immer hartnäckiger auf die blosse Ober- und Vorderfläche seines bisherigen Wesens einrichtet und das Flache dieser Fläche als den einzigen Raum seines Aufenthaltes auf der Erde gelten lässt. Diese Gefahr ist um so grösser als sie in einem geschichtlichen Augenblick droht, den Nietzsche als erster klar erkannt und als einziger in der ganzen Tragweite metaphysisch durchdachte. Es ist der Augenblick, da der Mensch sich anschickt, die Herrschaft über die Erde im ganzen zu übernehmen.
      Nietzsche ist der erste, der die Frage stellt: Ist der Mensch als Mensch in seinem bisherigen Wesen für die Übernahme dieser Herrschaft vorbereitet?
      /Martin Heidegger, Vorlesung 1951/52 mit dem Titel „Was heisst Denken?“, Kapitel römisch VI, Reclam 8805 ; Schriftbild von Alltag verändert /
      Stillschweigend ist für Martin Heidegger selbst klar, dass er in seinem Hauptwerk Sein und Zeit derselben Frage nachgegangen ist. Als Leser erachte ich, was bei Nietzsche in der Einzelperson Zarazustra vorgetragen wird, bei Heidegger das Dasein als das allen Menschen gemeinsame Wesen. Daher nähert sich Martin Heidegger im Dasein dem ontologisch relevante ‘Er-eignis‘ und der Frage, wie es sei.
      Wie hat, was das Sein ver-ringt,
      selbst dem Ring sich anbefohlen?
      Infolge Heideggers Fokus auf das <Dasein> welches die Bedeutung des <Sein> mindert und
      selbst ‘sich ins Spiel um das Seyn bringt‘.

      Naja der "späte" Heidegger ist halt für sein sog. Ereignis-Denken bekannt. Das ist ein philosophisches Stichwort seines späteren Denkens.Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das "Ereignis" auf das Sein bei Heidegger bezogen ist oder auf das Dasein (als Seiendes).

      Im "Gedicht" Heideggers heißt es ja:

      "Wie hat, das was das Sein ver-ringt, selbst dem Ring sich anbefohlen?"

      "Was ringt den Rätselring, der einmal Ding? Nenn's das Er-eignis. Es vereignet sein Vermächtnis, sich enteignend reinem Schied, in das unerfahrliche Gedächtnis. "

      Ich habe hier den Eindruck, dass Heidegger das "Ereignis" auf das Sein mehr bezieht, denn vom "Dasein" habe ich dort keine Rede gefunden.

      Ich bin nicht sicher, ob es in Heideggers Sinne wäre das Ereignis mit der ontisch-ontologischen Differenz in Verbindung zu bringen, oder ob die ontisch-ontologische Differenz eher ein Stichwort seiner "Frühphilosophie" ist. Wenn man hier vom "Gedicht" ausgeht, kann eigentlich das Ontische (das Seiende) nicht in Bezug zum "Ereignis" gebracht , denn im "Gedicht" ist ja vom "Sein" die Rede: "Wie hat, das was das Sein ver-ringt, selbst dem Ring sich anbefohlen?" Also müsste das "Ereignis" mehr das Ontologische betreffen als das Ontische....Man müsste halt ggf. noch mal schauen, ob Heidegger das Ereignis nur vom Sein her denkt.

      Ich danke für das Heidegger -Zitat zu Nietzsche.

      Kann man denn sagen, dass Heidegger in seinem sog. Hauptwerk "Sein und Zeit" wirklich dieser Frage Nietzsches nachgegangen ist? Unter dem Begriff "Dasein" verstehe ich bei Heidegger den Menschen, der ein Seiendes ist (vgl. SuZ, S.11).


      Kann man sagen, dass das "Wie" hier wirklich das "Dasein" Heideggers ist? Du hattest ja zitiert: "Wie hat , was das Sein verringt, selbst dem Ring sich anbefohlen"?

      Was ist dasjenige, was das Sein verringt?

      Ich tippe darauf: "Was ringt den Rätselring, der einmal Ding? Nenn's das Er-eignis. Es vereignet sein Vermächtnis, sich enteignend reinem Schied, in das unerfahrliche Gedächtnis."

      Kurz: dasjenige, was das Sein verringt, ist dann für Heidegger das Ereignis..und dann wäre die Frage: wie hat das "Ereignis" dem Ring sich anbefohlen...Ich würde das eher in diese Richtung deuten...Denn wie gesagt, vom "Dasein" ist hier im "Gedicht" nicht die Rede. Was hälst du von dieser Deutung/diesem Vorschlag?
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Kann man sagen, dass das "Wie" hier wirklich das "Dasein" Heideggers ist? Du hattest ja zitiert: "Wie hat , was das Sein verringt, selbst dem Ring sich anbefohlen"?

      Was ist dasjenige, was das Sein verringt?

      Ich tippe darauf: "Was ringt den Rätselring, der einmal Ding? Nenn's das Er-eignis. Es vereignet sein Vermächtnis, sich enteignend reinem Schied, in das unerfahrliche Gedächtnis."

      Kurz: dasjenige, was das Sein verringt, ist dann für Heidegger das Ereignis..und dann wäre die Frage: wie hat das "Ereignis" dem Ring sich anbefohlen...Ich würde das eher in diese Richtung deuten...Denn wie gesagt, vom "Dasein" ist hier im "Gedicht" nicht die Rede. Was hälst du von dieser Deutung/diesem Vorschlag?
      Ich meine unsere Deutungen werden durch das <Seyn |Sein> getrennt. Meines Erachtens ist weder Ring noch Sein gleich Seyn. Das ergibt sich schon aus dem Titel des Gedichts. Mit dem Wort <Seyn> wird doch der Leser gezwungen selbst zu denken. Martin Heidegger leitet uns im Gedicht wie seine Studenten: vom Bekannten zum noch nicht Erkannten! Wo jeglich Wort das Sagen übernennt und doch kein Name je erkennt, was längst im Wort der Worte brennt: daß Seyn sich einst verfügt das Sein! Wie Du, @Philosophist , schon darauf hingewiesen hast, wird dies im Nebensatz von Martin Heidegger selbst erörtert! Nach einem Spruch aus früher Frist: <Ist nämlich Sein>. Daher ist nun zu fragen, Wer oder Was verfügte sich einst das Sein? Die Antwort wird im Gedicht mit der Wortschöpfung <Seyn> verschlüsselt angegeben und der Leser hat den Schlüssel, wie Du mit dem Hinweis auf Parmenides vorschlägst, zu finden. Ich meine Martin Heidegger spricht hier mit <Seyn> nicht das ontische, sondern das ontologische <Dasein> an. Ich interpretiere die Wortschöpfung <Rätselring> in Anlehnung an ‚Seinsfrage‘ als ‘Daseinsfrage‘.
      ;) , Der wunderschön Sonntägliche Alltag
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Kann man sagen, dass das "Wie" hier wirklich das "Dasein" Heideggers ist? Du hattest ja zitiert: "Wie hat , was das Sein verringt, selbst dem Ring sich anbefohlen"?

      Was ist dasjenige, was das Sein verringt?

      Ich tippe darauf: "Was ringt den Rätselring, der einmal Ding? Nenn's das Er-eignis. Es vereignet sein Vermächtnis, sich enteignend reinem Schied, in das unerfahrliche Gedächtnis."

      Kurz: dasjenige, was das Sein verringt, ist dann für Heidegger das Ereignis..und dann wäre die Frage: wie hat das "Ereignis" dem Ring sich anbefohlen...Ich würde das eher in diese Richtung deuten...Denn wie gesagt, vom "Dasein" ist hier im "Gedicht" nicht die Rede. Was hälst du von dieser Deutung/diesem Vorschlag?
      Ich meine unsere Deutungen werden durch das <Seyn |Sein> getrennt. Meines Erachtens ist weder Ring noch Sein gleich Seyn. Das ergibt sich schon aus dem Titel des Gedichts. Mit dem Wort <Seyn> wird doch der Leser gezwungen selbst zu denken. Martin Heidegger leitet uns im Gedicht wie seine Studenten: vom Bekannten zum noch nicht Erkannten! Wo jeglich Wort das Sagen übernennt und doch kein Name je erkennt, was längst im Wort der Worte brennt: daß Seyn sich einst verfügt das Sein! Wie Du, @Philosophist , schon darauf hingewiesen hast, wird dies im Nebensatz von Martin Heidegger selbst erörtert! Nach einem Spruch aus früher Frist: <Ist nämlich Sein>. Daher ist nun zu fragen, Wer oder Was verfügte sich einst das Sein? Die Antwort wird im Gedicht mit der Wortschöpfung <Seyn> verschlüsselt angegeben und der Leser hat den Schlüssel, wie Du mit dem Hinweis auf Parmenides vorschlägst, zu finden. Ich meine Martin Heidegger spricht hier mit <Seyn> nicht das ontische, sondern das ontologische <Dasein> an. Ich interpretiere die Wortschöpfung <Rätselring> in Anlehnung an ‚Seinsfrage‘ als ‘Daseinsfrage‘. ;) , Der wunderschön Sonntägliche Alltag
      Ich danke für deinen Kommentar an diesem Sonntag dazu ;) In der Tat muss man sich natürlich erst den Unterschied zwischen "Sein" und "Seyn" (mit y) bei Heidegger deutlich machen. Bist du denn sicher, dass Heidegger mit "Seyn" auf das (ontologische) Dasein verweist, oder ist das eher deine Interpretation? Den "Rätselring" als "Seinsfrage"/"Daseinfrage" ist zumindest ein interessanter Deutungsansatz ;)

      Aber die Frage ist schon die, wie du hervorgehoben hast: Wer oder was verfügte sich einst das Sein?

      Wenn ich das richtig sehe, unterscheidest du also zwischen Ring, Sein und Seyn. Das Heidegger seine Leser zum Nachdenken bringen möchte, ist nichts untypisches für ihn. Soweit erstmal dazu.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Bist du denn sicher, dass Heidegger mit "Seyn" auf das (ontologische) Dasein verweist, oder ist das eher deine Interpretation?
      Wer ist sich bei Marin Heidegger sicher? Hat der Leser durch ‘Versuch und Irrtum‘ zu lernen, was bei Martin Heideggers selbst als Versuch stehen geblieben ist? Würde Matin Heidegger selbst zu einem Zitat aus seinem frühen Hauptwerk Sein und Zeit stehen? Würde er sein zweites und letztes Hauptwerk Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis) vorschieben. Ein Werk das zwischen 1936 und 1938 verfasste und postum im Jahr 1989 veröffentlicht wurde. Eine Schrift, die durch besondere Unzugänglichkeit charakterisiert sei.


      Im Gedicht Ring des Seyns fragt Martin Heidegger gleich zu Beginn: Wer ist der Gott aus seiner Gottheit Nacht? Und wer sind wir? Diese beiden Fragen waren philosophisch das Ding namens Teufelskreis, bis Parmenides dachte, dass die ‘Gegensatzlosigkeit‘ als Eigenheit das Sein geeignet charakterisiert. Dieses philosophische Ereignis ersetzt den genannten Teufelskreis durch den Rätselring: Wer sind wir, die ganz im Stillen den Teufel für tot erklären? Seither dreht sich 'alles Philosophische' um das sich wie folgt fragende 'Dasein': Wer sind wir?
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Bist du denn sicher, dass Heidegger mit "Seyn" auf das (ontologische) Dasein verweist, oder ist das eher deine Interpretation?
      Wer ist sich bei Marin Heidegger sicher? Hat der Leser durch ‘Versuch und Irrtum‘ zu lernen, was bei Martin Heideggers selbst als Versuch stehen geblieben ist? Würde Matin Heidegger selbst zu einem Zitat aus seinem frühen Hauptwerk Sein und Zeit stehen? Würde er sein zweites und letztes Hauptwerk Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis) vorschieben. Ein Werk das zwischen 1936 und 1938 verfasste und postum im Jahr 1989 veröffentlicht wurde. Eine Schrift, die durch besondere Unzugänglichkeit charakterisiert sei.

      Im Gedicht Ring des Seyns fragt Martin Heidegger gleich zu Beginn: Wer ist der Gott aus seiner Gottheit Nacht? Und wer sind wir? Diese beiden Fragen waren philosophisch das Ding namens Teufelskreis, bis Parmenides dachte, dass die ‘Gegensatzlosigkeit‘ als Eigenheit das Sein geeignet charakterisiert. Dieses philosophische Ereignis ersetzt den genannten Teufelskreis durch den Rätselring: Wer sind wir, die ganz im Stillen den Teufel für tot erklären? Seither dreht sich 'alles Philosophische' um das sich wie folgt fragende 'Dasein': Wer sind wir?
      Nun Heidegger ist gewiss kein einfacher Philosoph. Aber welcher Philosoph ist schon einfach zu verstehen und zu lesen und auch zu interpretieren? Das macht eben die Philosophie auch recht komplex. Heidegger hat gewiss einige "Denk-Versuche" unternommen...die Frage ist aber ob er alles als "Versuch" innerhalb seines Denkens gesehen hat. "Sein und Zeit" hat ja Heidegger selber später als verunglücktes Fragment gesehen, allerdings hat er auch gesagt, dass SuZ im Grunde sein wesentlicher philosophischer Gedanke ist (über den er nicht "hinausgekommen" ist). Die "Beiträge zur Philosophie" gelten als ein weiteres philosophisches Hauptwerk von ihm und man spricht auch von seiner "Spätphilosophie", die eben anders ist als seine "Frühphilosophie". Ja die "Beiträge" sind gewiss keine einfache Lesekost.

      Die Thematisierung der Frage "wer sind wir" ist natürlich wichtig, denn Heidegger hat ja in seinem philosophischen Denken versucht zu denken, was der "Mensch" ist (bzw. vielleicht versucht die Frage zu klären was oder wer der Mensch ist)> Man könnte daher Heideggers Denken auch als Denken des Menschen ausgehend vom Sein verstehen . Und der Begriff "Dasein" bei Heidegger verweist ja im Grunde auf den Menschen Im "Gedicht" <Ring des Seyns" von Heidegger , wird zwar nicht offen vom Menschen gesprochen , aber eben indirekt das Verhältnis Mensch-Sein dort "verhandelt". In anderen Stellen seines Werkes spricht Heidegger mehr vom Menschen als in diesem "Gedicht". Man könnte auch fragen: "wer sind wir Menschen?" , wenn man das Wort Mensch noch ergänzend hinzufügt, was glaube ich aber vom Sinn her auf dasselbe hinausläuft. Die Frage ist allerdings ob Heidegger hier der Seinskonzeption von Parmenides einfach 1 zu 1 folgt. Das scheint vielleicht auf den ersten Blick so auch zu sein.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Im "Gedicht" <Ring des Seyns" von Heidegger , wird zwar nicht offen vom Menschen gesprochen , aber eben indirekt das Verhältnis Mensch-Sein dort "verhandelt". [...] Die Frage ist allerdings ob Heidegger hier der Seinskonzeption von Parmenides einfach 1 zu 1 folgt. Das scheint vielleicht auf den ersten Blick so auch zu sein.
      Ich meine, Martin Heidegger folgt der ‘Seinskonzeption von Parmenides‘ insofern, dass er im "Gedicht Ring des Seyns" die Konsequenzen aus Parmenides Seinslehre zieht: In meinen Worten. Obwohl Parmenides Seinslehre einfach ist, nennt keiner das seither offenkundige: der ‘gottähnliche‘ Mensch ist seinsähnlich; warum sonst schiebt Martin Heidegger den Laut von Sein zu Seyn: Auf einen Steg gebracht. Wo jeglich Wort das Sagen übernennt und doch kein Name je erkennt, was längst im Wort der Worte brennt: daß Seyn sich einst verfügt das Sein, nach einem Spruch aus früher Frist:<Ist nämlich Sein>.
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Im "Gedicht" <Ring des Seyns" von Heidegger , wird zwar nicht offen vom Menschen gesprochen , aber eben indirekt das Verhältnis Mensch-Sein dort "verhandelt". [...] Die Frage ist allerdings ob Heidegger hier der Seinskonzeption von Parmenides einfach 1 zu 1 folgt. Das scheint vielleicht auf den ersten Blick so auch zu sein.
      Ich meine, Martin Heidegger folgt der ‘Seinskonzeption von Parmenides‘ insofern, dass er im "Gedicht Ring des Seyns" die Konsequenzen aus Parmenides Seinslehre zieht: In meinen Worten. Obwohl Parmenides Seinslehre einfach ist, nennt keiner das seither offenkundige: der ‘gottähnliche‘ Mensch ist seinsähnlich; warum sonst schiebt Martin Heidegger den Laut von Sein zu Seyn: Auf einen Steg gebracht. Wo jeglich Wort das Sagen übernennt und doch kein Name je erkennt, was längst im Wort der Worte brennt: daß Seyn sich einst verfügt das Sein, nach einem Spruch aus früher Frist:<Ist nämlich Sein>.
      Kennst du dich denn vielleicht mit Heideggers Parmenides Interpretation näher aus? Es gibt ja beim "späten" Heidegger je eine Vorlesung zu Heraklit und Parmenides. Mir ist nicht bekannt, dass Parmenides vom Sein in "Ringform" sozusagen spricht, das scheint mir eher Nietzsche/Heidegger zu tun. Oder wird auch in Parmenides "Lehrgedicht" von einem "Ring" gesprochen? Heideggers "Gedicht" selbst hat ja eben den Bezug zu Parmenides und dessen Spruch, ohne diesen Bezug lässt es sich vermutlich nicht so leicht nachvollziehen. Soweit ich weiß, spricht der Heidegger nach der sog. "Kehre" vom "Seyn" (mit y), also der "spätere". Den Unterschied zwischen Sein/Seyn kann ich nicht so einfach erklären (also warum dann auf einmal "Seyn" mit y geschrieben wird> Schelling oder Hegel sollen früher das so geschrieben haben im 19. Jahrhundert). Worin besteht im Wesentlichen Parmenides Seinslehre? Und inwiefern ist der ("gottähnliche") Mensch "seinsähnlich"? Darüber müsste man nochmal sprechen....Mir ist (noch) nicht ganz klar, warum Heidegger den Laut von Sein zu Seyn schiebt ....Es gibt also noch ein paar offene (eher in meinen Augen noch nicht ganz geklärte) Punkte...auch hinsichtlich Fragen der Heidegger- und Parmenides Auslegung/Interpretation.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Und inwiefern ist der ("gottähnliche") Mensch "seinsähnlich"? Darüber müsste man nochmal sprechen....Mir ist (noch) nicht ganz klar, warum Heidegger den Laut von Sein zu Seyn schiebt ....Es gibt also noch ein paar offene (eher in meinen Augen noch nicht ganz geklärte) Punkte...auch hinsichtlich Fragen der Heidegger- und Parmenides Auslegung/Interpretation.
      A bout de souffle --- ZWISCHENBILANZ

      In der Urzeit – so steht‘s geschrieben -
      schuf Gott nach seinem Ebenbild den Mensch.
      Die Denker unter den Menschen ersannen das Sein,
      das seinen Zeit-Raum erhellt und
      die Finsternis als Mangel an Licht genauso bannt
      wie das Böse als Gegenspieler zu Gott.
      Seither rätselt der Mensch als Schöpfer des Seyns
      über den Ursprung seines Daseyns.

      Das ist meine Antwort auf die Acht Fragen im Gedicht Ring des Seyns von Martin Heidegger,
      die er im Gedicht selbst wie folgt beantwortet.

      Hier muß, was verborgen winkt, sein Eigenes ins Eigene wieder holen,
      dennoch Abschied von sich selber bleiben, ring den Rätselring umschreiben,
      der nur ringt durch ein Erfangen, das, stets lassend,
      sich verschwingt in das Erlangen jenes Freyen einer Stille,
      deren Bergen heiternd hegt, daß nirgend doch ein Hag sich regt.
      Nenn's das Er-eignis.
      Es vereignet sein Vermächtnis, sich enteignend reinem Schied,
      in das unerfahrliche Gedächtnis.
      _____________________________

      Möglicherweise hilft die 'fast naturwissenschaftlich kurze' Dissertation weiter
      http://kups.ub.uni-koeln.de/5503/

      :)
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Und inwiefern ist der ("gottähnliche") Mensch "seinsähnlich"? Darüber müsste man nochmal sprechen....Mir ist (noch) nicht ganz klar, warum Heidegger den Laut von Sein zu Seyn schiebt ....Es gibt also noch ein paar offene (eher in meinen Augen noch nicht ganz geklärte) Punkte...auch hinsichtlich Fragen der Heidegger- und Parmenides Auslegung/Interpretation.
      A bout de souffle --- ZWISCHENBILANZ
      In der Urzeit – so steht‘s geschrieben -
      schuf Gott nach seinem Ebenbild den Mensch.
      Die Denker unter den Menschen ersannen das Sein,
      das seinen Zeit-Raum erhellt und
      die Finsternis als Mangel an Licht genauso bannt
      wie das Böse als Gegenspieler zu Gott.
      Seither rätselt der Mensch als Schöpfer des Seyns
      über den Ursprung seines Daseyns.

      Das ist meine Antwort auf die Acht Fragen im Gedicht Ring des Seyns von Martin Heidegger,
      die er im Gedicht selbst wie folgt beantwortet.

      Hier muß, was verborgen winkt, sein Eigenes ins Eigene wieder holen,
      dennoch Abschied von sich selber bleiben, ring den Rätselring umschreiben,
      der nur ringt durch ein Erfangen, das, stets lassend,
      sich verschwingt in das Erlangen jenes Freyen einer Stille,
      deren Bergen heiternd hegt, daß nirgend doch ein Hag sich regt.
      Nenn's das Er-eignis.
      Es vereignet sein Vermächtnis, sich enteignend reinem Schied,
      in das unerfahrliche Gedächtnis.
      _____________________________

      Möglicherweise hilft die 'fast naturwissenschaftlich kurze' Dissertation weiter
      http://kups.ub.uni-koeln.de/5503/

      :)
      Nun das ist in der Tat keine schlechte "Zwischenbilanz" und manche Fragen beantwortet Heidegger mehr oder weniger auf seine Art. ich danke für den Link.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Die Suche nach dem Wort <Ring> geht im verlinkten Dokument ergebnislos aus, sodass ich ein weiteres Mal versuche mich dem <Rätselring> anzunähern: Der Überlieferung zufolge soll Platon am Eingang zu seiner Akademie die Inschrift angebracht haben, es möge sich fernhalten von diesem Ort, wer nicht Geometer sei /1/. Daher deute ich das Gedicht Ring des Seyns als Konzeptentwurf, den Martin Heidegger im Hinblick auf die Antrittsvorlesung an Platos Akademie vorbereitete. In Weiterentwicklung des als Sphäre interpretierten Seins des Parmenides schwebte ihm möglicherweise vor, dass seine selbst entwickelte Bedeutung des Seins der nächst höheren topologischen Stufe zugehört, d.h. einer Sphäre mit Loch, die als Torus oder Ring zu denken ist. Heideggers Zusammenhänge im Wesen von Seiendem, Sein und Dasein kommen allerdings erst bei verketteten Ringen, die nach der Schmiedekunst aus dem Ganzen gefertigt /2/ sind, voll zur Geltung.

      Francesco Lanzi in seiner Dissertation schrieb:

      Trotz [der grundsätzlichen Verschiedenheit] ist eine letzte Ähnlichkeit zwischen Sein und Seiendem in der Philosophie vor Heidegger eben darin zu erkennen, dass sowohl das Seiende als auch das Sein eben „sind“ oder „seiend“ sind. Das Seiende ist nämlich gerade dadurch Seiendes, dass es überhaupt „ist“ oder „seiend“ ist. Von dem Sein kann andererseits ebenfalls behauptet werden, dass es „ist“ oder „seiend“ ist. Indem das Seiende „seiend“ ist, „hat“ es zugleich ein Sein und durch das Sein, das in ihm anwesend ist, ist es Seiendes und hat eine Beständigkeit. /Seite 22/ … Das Verhältnis zwischen Sein und Seiendem weist [jedoch bei Heidegger] zwei gegensätzliche Aspekte auf. Einerseits sind das Sein und das Seiende durch einen radikalen Unterschied, andererseits durch eine wechselseitige wesentliche Verbindung gekennzeichnet [Fussnote 17]. /Seite 24/ .... Das heideggersche Verständnis /Seite 26/ des Seins ist allerdings genau dadurchgekennzeichnet, dass das Sein dabei nicht so „ist“, wie das Seiende „ist“, unddaher überhaupt nicht „seiend“ ist, sondern „west“.
      /Francesco Lanzi, Das Sein in Heideggers Beiträgen zur Philosophie (Vom Ereignis), Dissertation, Seite 22 /
      /1/ In Anlehnung an Peter Sloterdijk , Sphären I - Blasen , Vorbemerkungen , erster Satz
      /2/ wie sie beim Zusammenlegen von Pferdegespannen notwendig waren um schwere Lasten im Winter auf dem Holzweg zu schleppen /private Mitteilung eines fachkundigen Holzfällers /

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alltag () aus folgendem Grund: Zitat mit einem weiteren Satz von Seite 26-27 ergänzt.

    • Alltag schrieb:

      Die Suche nach dem Wort <Ring> geht im verlinkten Dokument ergebnislos aus, sodass ich ein weiteres Mal versuche mich dem <Rätselring> anzunähern: Der Überlieferung zufolge soll Platon am Eingang zu seiner Akademie die Inschrift angebracht haben, es möge sich fernhalten von diesem Ort, wer nicht Geometer sei /1/. Daher deute ich das Gedicht Ring des Seyns als Konzeptentwurf, den Martin Heidegger im Hinblick auf die Antrittsvorlesung an Platos Akademie vorbereitete. In Weiterentwicklung des als Sphäre interpretierten Seins des Parmenides schwebte ihm möglicherweise vor, dass seine selbst entwickelte Bedeutung des Seins der nächst höheren topologischen Stufe zugehört, d.h. einer Sphäre mit Loch, die als Torus oder Ring zu denken ist. Heideggers Zusammenhänge im Wesen von Seiendem, Sein und Dasein kommen allerdings erst bei verketteten Ringen, die nach der Schmiedekunst aus dem Ganzen gefertigt /2/ sind, voll zur Geltung.

      Francesco Lanzi in seiner Dissertation schrieb:

      Trotz [der grundsätzlichen Verschiedenheit] ist eine letzte Ähnlichkeit zwischen Sein und Seiendem in der Philosophie vor Heidegger eben darin zu erkennen, dass sowohl das Seiende als auch das Sein eben „sind“ oder „seiend“ sind. Das Seiende ist nämlich gerade dadurch Seiendes, dass es überhaupt „ist“ oder „seiend“ ist. Von dem Sein kann andererseits ebenfalls behauptet werden, dass es „ist“ oder „seiend“ ist. Indem das Seiende „seiend“ ist, „hat“ es zugleich ein Sein und durch das Sein, das in ihm anwesend ist, ist es Seiendes und hat eine Beständigkeit. /Seite 22/ … Das Verhältnis zwischen Sein und Seiendem weist [jedoch bei Heidegger] zwei gegensätzliche Aspekte auf. Einerseits sind das Sein und das Seiende durch einen radikalen Unterschied, andererseits durch eine wechselseitige wesentliche Verbindung gekennzeichnet [Fussnote 17]. /Seite 24/ .... Das heideggersche Verständnis /Seite 26/ des Seins ist allerdings genau dadurchgekennzeichnet, dass das Sein dabei nicht so „ist“, wie das Seiende „ist“, unddaher überhaupt nicht „seiend“ ist, sondern „west“.
      /Francesco Lanzi, Das Sein in Heideggers Beiträgen zur Philosophie (Vom Ereignis), Dissertation, Seite 22 /
      /1/ In Anlehnung an Peter Sloterdijk , Sphären I - Blasen , Vorbemerkungen , erster Satz/2/ wie sie beim Zusammenlegen von Pferdegespannen notwendig waren um schwere Lasten im Winter auf dem Holzweg zu schleppen /private Mitteilung eines fachkundigen Holzfällers /
      Ja das ist mir bekannt, dass es bezüglich Platon und seiner Akademie diese Überlieferung/Inschrift gegeben hat, bezüglich der Geometrie. Die Frage die du ja hier aufwirfst in deiner Deutung ist ja insofern interessant, da es sich hier um das Verhältnis Platon/Heidegger dann handelt. Und Heidegger hat sich ja nicht wenig mit Platon in seinen philosophischen Werken befasst. Beide- Heidegger und Platon- vereint der Bezug zu Parmenides, Das jedoch in unterschiedlicher Weise. Soweit ich weiß ist das "Gedicht" (nennen wir es der Einfachheit halber so) <Ring des Seyns" eben ohne den Parmenides Bezug eher wenig vorstellbar. Aber ich finde es interessant, dass du es so deutest, dass es auch in Beziehung zu Platon und seiner Akademie steht (obwohl der Name Platon im "Gedicht" dort nicht fällt). Wobei es ja so oft ist, dass Heidegger mehr dem Aristoteles zu geneigt war als dem Platon. Ob Platon das Sein geometrisch (ringförmig) dachte (oder Aristoteles im Hinblick auf seine mathematischen Überlegungen) ist mir momentan nicht bekannt, kann aber möglich sein in deren philosophischem Werk. Der hier vorgestellte Deutungsansatz hat jedenfalls eine gewisse Nachvollziehbarkeit. Auch die Rede von den "verketten Ringen" finde ich im Hinblick auf die Interpretation des Gedichts durchaus nicht schlecht (verkettet sind dann Seiendes , Sein und Dasein), auch wenn im "Gedicht" Ring des Seyns glaube ich davon nicht die Rede ist, soweit ich mich erinnere. Das Bild der Schmiedekunst kommt aber dort selbst vor.

      Ich danke für das Zitat und sehe es so, dass Heidegger ja die ontisch-ontologische Differenz betont, das es also einen Unterschied gibt Sein und Seienden. Heideggers Seinsbegriff ist aber natürlich ein anderer als der Platon oder Aristoteles oder der von Parmenides, auch wenn er ohne die ontologische Tradition kaum zu denken ist, die hier genannt wurde. Das Sein von dem Heidegger spricht , ist ein etwas anderes Sein als das von Platon und Co., wie mir scheint. Das zwischen dem Trennenden von Sein und Seiendem auch verbindendes gibt, finde ich einleuchtend.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      [...] Der hier vorgestellte Deutungsansatz hat jedenfalls eine gewisse Nachvollziehbarkeit. Auch die Rede von den "verketten Ringen" finde ich im Hinblick auf die Interpretation des Gedichts durchaus nicht schlecht (verkettet sind dann Seiendes , Sein und Dasein), auch wenn im "Gedicht" Ring des Seyns glaube ich davon nicht die Rede ist, soweit ich mich erinnere. Das Bild der Schmiedekunst kommt aber dort selbst vor.
      Um des eigenen Glückes willen sind weder Schwerte, Degen und Dolche zu schmieden, noch Flacheisen für Zäune oder Gitter, sondern Ringe. Das Wortspiel von "verkettete Ringe" über "Ringe verketten“ zu "ver-ringen“ und "er-ringen" ist der Einstieg in den “Rätselring“, der alsdann aufzeigt, wie sich <ist> und <Sein> in Eins fügt. Entspricht der Ring dem Wesen in Heideggersnamen „Wesung“? Die als Seyn sowohl dem Dasein wie auch den Seienden zwar notwendig aber nicht hinreichend zukommt? Gegebenenfalls sind Dasein, Seiende und Sein daher verringt. Dasein, das wir je selbst sind, ringt um sein Eigenes, indem es sich entwerfend von Seiendem (seinsvergessen oder nicht) absetzt, d.h. sich selbst verabschiedend, um dennoch in seinen Möglichkeiten sich selber zu bleiben und sich selbst aus dem Ganzen schmiedend, um sein Eigenes ins Eigene wieder zu holen.
      <Lasst uns weiterhin ‘selbstentwerfend‘ drauf los drängen und stürmen.> :)
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      [...] Der hier vorgestellte Deutungsansatz hat jedenfalls eine gewisse Nachvollziehbarkeit. Auch die Rede von den "verketten Ringen" finde ich im Hinblick auf die Interpretation des Gedichts durchaus nicht schlecht (verkettet sind dann Seiendes , Sein und Dasein), auch wenn im "Gedicht" Ring des Seyns glaube ich davon nicht die Rede ist, soweit ich mich erinnere. Das Bild der Schmiedekunst kommt aber dort selbst vor.
      Um des eigenen Glückes willen sind weder Schwerte, Degen und Dolche zu schmieden, noch Flacheisen für Zäune oder Gitter, sondern Ringe. Das Wortspiel von "verkettete Ringe" über "Ringe verketten“ zu "ver-ringen“ und "er-ringen" ist der Einstieg in den “Rätselring“, der alsdann aufzeigt, wie sich <ist> und <Sein> in Eins fügt. Entspricht der Ring dem Wesen in Heideggersnamen „Wesung“? Die als Seyn sowohl dem Dasein wie auch den Seienden zwar notwendig aber nicht hinreichend zukommt? Gegebenenfalls sind Dasein, Seiende und Sein daher verringt. Dasein, das wir je selbst sind, ringt um sein Eigenes, indem es sich entwerfend von Seiendem (seinsvergessen oder nicht) absetzt, d.h. sich selbst verabschiedend, um dennoch in seinen Möglichkeiten sich selber zu bleiben und sich selbst aus dem Ganzen schmiedend, um sein Eigenes ins Eigene wieder zu holen.<Lasst uns weiterhin ‘selbstentwerfend‘ drauf los drängen und stürmen.> :)
      Genau, denn im "Gedicht" heißt es ja bei Heidegger:

      "Wie fügst sich <Ist> und >Sein> in Eins?
      Wer schmiedete den Ring des Seyns,
      der ringend erst sein Eigenes er-ringt,
      und doch zumal des Ringes sich entringt?"

      und : Wie hat das, was das Sein ver-ringt, selbst dem Ring sich anbefohlen?"

      Hier ist ja nur die Rede davon, dass es um das Schmieden des Ringes des Seyns geht (und um die Verringung desselben).

      Eine Rede von "verketteten Ringen" oder "Ringe verketten" finde ich im "Gedicht" allerdings nicht vom Wortlaut her. Das Wort "verketten" gibt es im "Gedicht" selbst nicht.

      Was es gibt, ist die Rede von der Zusammenfügung von "Ist" und "Sein". Soweit ich weiß spricht Heidegger auch davon, dass das Sein/Seyn "west", allerdings findet man das Wort Wesen nicht in diesem "Gedicht" Heidegger. Man muss erstmal schauen, was in diesem "Gedicht" selbst gesagt wird und welche Worte von Heidegger hier verwendet werden.

      Worte , die hier nicht vorkommen , sind: Dasein, Wesung/wesen, Mensch , verketten , das Seiende:

      und Worte die vorkommen hier: Sein/Seyende, "Rätselring", erringen, verringen , schmieden, Ereignis

      Natürlich kann man auch interpretieren und sagen, dass das "Dasein" auch um sein Eigenstes "ringt" im gewissen Sinne..(also Selbstentwerfend ist)...die Frage ist wie kann man das was hier im "Gedicht" gesagt wird zu anderen Gedanken Heideggers in Beziehung setzen und ist dies überzeugend dann (für eine Interpretation)? Oder sollte man unterscheiden zwischen dem was hier im "Gedicht" gesagt wird und das was Heidegger eben wo anders in seinem Werk sagt ... Lässt sich das "Gedicht"im Rahmen seiner "Gesamtphilosophie" interpretieren (also einschließlich seiner "Frühphilosophie")?
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Interessant ist diese Überschrift hier:

      faz.net/aktuell/feuilleton/bri…ernst-jandl-15255888.html


      Dort heißt es u.a. :

      "Programmatisch und heftig wird der ansonsten so besonnene Jandl nur ein einziges Mal: als Finlay sich mit dem Gedanken trägt, zwei Gedichte Martin Heideggers abzudrucken. Diese „Selbstbau-Gedichte“ könne er nur als Zeitvertreib eines literarischen Amateurs betrachten, antwortet Jandl, ihre öffentliche Existenz sei durch nichts zu rechtfertigen. Als Finlay sich so rasch nicht überzeugen lassen will, fertigt Jandl eine englische Rohübersetzung der Gedichte an, um ihre „Blödheit“ endgültig unter Beweis zu stellen."

      Heidegger also zu recht ein "literarischer Amateur" bzw. "blöder Dichter"? Oder sollte man das nicht zwangsläufig so sehen?
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      [...] ...die Frage ist wie kann man das was hier im "Gedicht" gesagt wird zu anderen Gedanken Heideggers in Beziehung setzen und ist dies überzeugend dann (für eine Interpretation)? Oder sollte man unterscheiden zwischen dem was hier im "Gedicht" gesagt wird und das was Heidegger eben wo anders in seinem Werk sagt ... Lässt sich das "Gedicht"im Rahmen seiner "Gesamtphilosophie" interpretieren (also einschließlich seiner "Frühphilosophie")?
      Ist eine Einschätzung zu finden, ohne einen tiefen Blick in die viel zu umfangreiche Originale und die teils durch die Nachlassverwalter geschönte Literatur zu werfen? Nein! Ausser es findet sich eine genial Arbeit von einem unerfahren Jungforscher, der sich unerschrocken naiv auf seinen Abschluss fokussiert und die umsichtige Gesamtschau dem Doktorvater und dem Referenten überlässt. Die Dissertation von Francesco Lanzi /1/ ist zwischenzeitlich in der Reihe - Weltphilosophien im Gespräch - unter einer etwa zehnköpfigen, professoralen Redaktion als Buch erschienen! Das ist mir zunächst mal ausreichende Referenz!
      […] Die Frage nach dem Sein, die von Heidegger als Kernfrage nicht nur seiner Spätphilosophie, sondern seines ganzen philosophischen Weges ausdrücklich vorgestellt wird, findet in den Beiträgen eine eingehende Behandlung. Dementsprechend ist eine vollkommene Ausarbeitung und Darstellung der Spätphilosophie Heideggers in diesem Werk zu sehen, welche in keiner anderen Spätschrift vollzogen wird. Heidegger versteht schon in Sein und Zeit das eigene philosophische Werk als einen Versuch, der die Ausarbeitung der Frage nach dem Sein erzielen soll. Dieser Versuch nimmt in den Beiträgen die Gestalt erster Schritte in ein zuvor unerschlossenes Feld an, nämlich in das Feld des als Zusammengehörigkeit von Erscheinen und Verweigerung verstandenen Seins. Betrachtet man das philosophische Werk Heideggers auf der Grundlage dieses Versuchscharakters, so kommt den Beiträgen zur Philosophie eine besonders wichtige Rolle innerhalb des gesamten Werkes Heideggers zu. Sie gelten nämlich als das einzige seiner Werke, in dem die Kernfragestellung der Philosophie Heideggers eingehend behandelt wird. [Schriftbild von Alltag fett gesetzt]
      Skizzen gewagter Antworten… Heideggers philosophische Wortperlen werden von Francesco Lanzi ohne Umschweife und mit furchtlosem Respekt in seiner Dissertation /1/ auf einen roten Faden gebracht. Bereits in der Einleitung und im ersten Kapitel wird Heideggers Kerngedanke zu dem Triplet <Sein | Seiend | Dasein> vertieft /2/. Durch diese Anordnung erkennt der Leser in einem einfachen Vergleich Heideggers Ring des Seyns als Grobkonzept der Beiträge zur Philosophie. Der Nachweis für das Ringen Heideggers um den geeigneten Wortgebrauch klingt im Gedicht Ring des Seyns an. Die Formulierung “Sein west“ macht deutlich, dass Sein und Wesen nicht zu unterscheiden sind. Genau darauf weist der Titel Ring des Seyns hin, sobald <Ring> durch Wesen/Wesung ersetzt wird.
      • Schau! Abwesendes bestätigst du mit dem geistigen Auge aber dennoch (als) Anwesendes. [DK 28 B 4.1]
      Hinterfrag die Fragen im Ring des Seyns und Du, @Philosophist, wirst die abwesenden Worte dennoch als Anwesend bestätigen: Und wer sind wir…Wer schmiedete… , Es ist der Mensch, der Denker, das Dasein auf der Pirsch nach dem Wesentlichen und auf Sinnsuche. …Oh Rätselring! Bist du Vermächtnis… Wo wohnt solcher… Wie hat [das Ver-ringende] selbst dem Ring sich anbefohlen? … Was ringt den Rätselring? Francesco Lanzi geht im zweiten Teil seiner Dissertation Heideggers Hauptwörtern nach, wie «Gefüge», «Entrückung», «Berückung», «Fügung»,«Entwurf»,«Ereignis» , «Kehre» etc.

      :)

      /1/ Francesco Lanzi, Das Sein in Heideggers Beiträgen zur Philosophie (Vom Ereignis), http://kups.ub.uni-koeln.de/5503/

      /2/ Das Sein der Metaphysik wird unter Martin Heidegger zum Wesentlichen: d.h. zum reinen Sinnstiftenden, sodass das Sein ‘nicht mehr ist‘, sondern west. Martin Heidegger ersetzt, um Verwechslungen mit dem klassischen Wortgebrauch vorzubeugen, ‘Wesen‘ durch Wesung und Sein durch Seyn. Dazu:

      Francesco Lanzi, Dissertation, Einleitung, 6. schrieb:

      Der Aufbau der vorliegenden Erörterung der Bedeutung des Seins
      Im ersten Kapitel […] wird die Bedeutung des Seins durch die Erörterung der wesentlichen Zusammengehörigkeit von „Seiendem“, „Dasein“ und „Sein“ untersucht. Insbesondere wird die Geltung dieser Zusammengehörigkeit als zugleich die Grundverschiedenheit des Seins vom Seienden und vom Dasein deutlich gemacht. Dadurch lässt sich gleichzeitig die Bedeutung des „Wesens“ des Seins als „Wesung“ und die Gleichsetzung des Seins mit seiner Wesung verstehen. Denn die Zusammengehörigkeit von Sein, Seiendem und Dasein wird als Grundlage der Wesung des Seins als einer Entfaltung erkannt. Diese Art der Zusammengehörigkeit beinhaltet zugleich die Auffassung des Daseins als „Verstehen des Seins“ oder „Entwurf des Seins“. Dabei wird insbesondere die Bedeutung der „Geworfenheit“ des Entwurfs für die Wesung des Seins deutlich. Insofern das Seiende und das Dasein als solche zu der Wesung des Seins gehören und die Wesung ausmachen, lässt die Erörterung der Zusammengehörigkeit von Seiendem, Dasein und Sein die [Seite 15] Grundmerkmale des Seins verstehen.
      Im ersten Kapitel werden die folgenden Grundthesen aufgestellt. Das Sein erscheint durch das Seiende und als das Seiende. Das Erscheinen des Seins und demzufolge das Erscheinen des Seienden liegen andererseits darin, dass das Sein von dem Dasein verstanden oder aufgefasst wird. Weil das Sein, indem es von dem Dasein aufgefasst wird, entworfen wird, besteht der Entwurf des Seins in einer vom Dasein vollzogenen Auffassung des Seins. […] Das Wesen oder die Wesung des Seins werden durch den Entwurf und deshalb durch die vom Dasein vollzogene Auffassung des Seins ausgemacht. Wegen der wesentlichen Begrenztheit des Daseins sind mehrere voneinander verschiedene Entwürfe des Seins möglich. Jeder Entwurf schließt in sich eine Bestimmung des Seins, des Seienden und des Daseins ein. Weil die Wesung des Seins in dem Entwurf liegt, ist das Sein selbst wesentlich bestimmbar. […] [Seite 16] […] Heidegger verwendet in den Beiträgen die beiden Schreibweisen „Seyn“ und „Sein“ meistens mit einer voneinander verschiedenen Bedeutung. Die Schreibweise „Seyn“ bezieht sich dabei auf die von Heidegger entwickelte Bedeutung des Seins als Zusammenhang von Erscheinen und Verweigerung. Die Schreibweise „Sein“ verweist hingegen auf die Bedeutung, die das Sein in der Geschichte der abendländischen Philosophie vor Heidegger hatte. Zwischen „Seyn“ und „Sein“ besteht allerdings zwar ein grundsätzlicher Unterschied, aber sie sind zugleich durch eine wesentliche Zusammengehörigkeit gekennzeichnet. [...]
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      [...] ...die Frage ist wie kann man das was hier im "Gedicht" gesagt wird zu anderen Gedanken Heideggers in Beziehung setzen und ist dies überzeugend dann (für eine Interpretation)? Oder sollte man unterscheiden zwischen dem was hier im "Gedicht" gesagt wird und das was Heidegger eben wo anders in seinem Werk sagt ... Lässt sich das "Gedicht"im Rahmen seiner "Gesamtphilosophie" interpretieren (also einschließlich seiner "Frühphilosophie")?
      Ist eine Einschätzung zu finden, ohne einen tiefen Blick in die viel zu umfangreiche Originale und die teils durch die Nachlassverwalter geschönte Literatur zu werfen? Nein! Ausser es findet sich eine genial Arbeit von einem unerfahren Jungforscher, der sich unerschrocken naiv auf seinen Abschluss fokussiert und die umsichtige Gesamtschau dem Doktorvater und dem Referenten überlässt. Die Dissertation von Francesco Lanzi /1/ ist zwischenzeitlich in der Reihe - Weltphilosophien im Gespräch - unter einer etwa zehnköpfigen, professoralen Redaktion als Buch erschienen! Das ist mir zunächst mal ausreichende Referenz!
      […] Die Frage nach dem Sein, die von Heidegger als Kernfrage nicht nur seiner Spätphilosophie, sondern seines ganzen philosophischen Weges ausdrücklich vorgestellt wird, findet in den Beiträgen eine eingehende Behandlung. Dementsprechend ist eine vollkommene Ausarbeitung und Darstellung der Spätphilosophie Heideggers in diesem Werk zu sehen, welche in keiner anderen Spätschrift vollzogen wird. Heidegger versteht schon in Sein und Zeit das eigene philosophische Werk als einen Versuch, der die Ausarbeitung der Frage nach dem Sein erzielen soll. Dieser Versuch nimmt in den Beiträgen die Gestalt erster Schritte in ein zuvor unerschlossenes Feld an, nämlich in das Feld des als Zusammengehörigkeit von Erscheinen und Verweigerung verstandenen Seins. Betrachtet man das philosophische Werk Heideggers auf der Grundlage dieses Versuchscharakters, so kommt den Beiträgen zur Philosophie eine besonders wichtige Rolle innerhalb des gesamten Werkes Heideggers zu. Sie gelten nämlich als das einzige seiner Werke, in dem die Kernfragestellung der Philosophie Heideggers eingehend behandelt wird. [Schriftbild von Alltag fett gesetzt]
      Skizzen gewagter Antworten… Heideggers philosophische Wortperlen werden von Francesco Lanzi ohne Umschweife und mit furchtlosem Respekt in seiner Dissertation /1/ auf einen roten Faden gebracht. Bereits in der Einleitung und im ersten Kapitel wird Heideggers Kerngedanke zu dem Triplet <Sein | Seiend | Dasein> vertieft /2/. Durch diese Anordnung erkennt der Leser in einem einfachen Vergleich Heideggers Ring des Seyns als Grobkonzept der Beiträge zur Philosophie. Der Nachweis für das Ringen Heideggers um den geeigneten Wortgebrauch klingt im Gedicht Ring des Seyns an. Die Formulierung “Sein west“ macht deutlich, dass Sein und Wesen nicht zu unterscheiden sind. Genau darauf weist der Titel Ring des Seyns hin, sobald <Ring> durch Wesen/Wesung ersetzt wird.
      • Schau! Abwesendes bestätigst du mit dem geistigen Auge aber dennoch (als) Anwesendes. [DK 28 B 4.1]
      Hinterfrag die Fragen im Ring des Seyns und Du, @Philosophist, wirst die abwesenden Worte dennoch als Anwesend bestätigen: Und wer sind wir…Wer schmiedete… , Es ist der Mensch, der Denker, das Dasein auf der Pirsch nach dem Wesentlichen und auf Sinnsuche. …Oh Rätselring! Bist du Vermächtnis… Wo wohnt solcher… Wie hat [das Ver-ringende] selbst dem Ring sich anbefohlen? … Was ringt den Rätselring? Francesco Lanzi geht im zweiten Teil seiner Dissertation Heideggers Hauptwörtern nach, wie «Gefüge», «Entrückung», «Berückung», «Fügung»,«Entwurf»,«Ereignis» , «Kehre» etc.

      :)

      /1/ Francesco Lanzi, Das Sein in Heideggers Beiträgen zur Philosophie (Vom Ereignis), http://kups.ub.uni-koeln.de/5503/

      /2/ Das Sein der Metaphysik wird unter Martin Heidegger zum Wesentlichen: d.h. zum reinen Sinnstiftenden, sodass das Sein ‘nicht mehr ist‘, sondern west. Martin Heidegger ersetzt, um Verwechslungen mit dem klassischen Wortgebrauch vorzubeugen, ‘Wesen‘ durch Wesung und Sein durch Seyn. Dazu:
      Der Aufbau der vorliegenden Erörterung der Bedeutung des Seins
      (...) siehe oben

      Ich danke zunächst einmal auf den Hinweis zur Dissertation von Francesco Lanzi, die ich so noch nicht kannte und diese kann gern hier auch als Referenz dienen. Soweit ich sehe , behandelt diese Arbeit allerdings "nur" die "Spätphilosophie" von Heidegger (hauptsächlich die "Beiträge), ohne seine "Gedichte" dabei zu berücksichtigen. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Allerdings wäre es ideal sowohl die Beiträge als auch die "Gedichte" Heideggers zu berücksichtigen. Auch das Gedicht "Ring des Seyns" stammt ja aus der Zeit der sog. "Spätphilosophie". Man müsste mal sehen, ob die Rede von "Ring des Seyns" evtl. auch in den Beiträgen Heideggers vorkommt. Zu deiner (ersten) Frage, ich glaube, dass ich es ähnliche sehe, dass es also nicht geht, ohne einen Einblick in die "umfangreichen Originale " usw. zu haben.

      Ich habe auch den Eindruck, dass man durchaus die "Beiträge" Heideggers als dasjenige Werk betrachten kann, was eben seine "Spätphilosophie" enthält.

      Soweit ich das sehe wird das Triple Sein-Seiend-Dasein in den "Beiträgen" aber auch in den "Schwarzen Heften" vermutlich behandelt von Heidegger. Ob man Heideggers "Ring des Seyns" als Grobkonzept der "Beiträge" sehen sollte , ist eine Sache der Interpretation meines Erachtens. Es ist allerdings so, dass bestimmte Begriffe aus dem Gedicht Heideggers auch in den Beiträgen zu finden ist/sind. Ein Beispiel dafür wäre der Begriff des "Ereignisses". Kurz: das Gedicht "Ring des Seyns" sowie die "Beiträge" gehören zur sog. Spätphilosophie Heideggers, was sich an den dort verwendete Begriffe (Ereignis , Seyn, Sein , usw.) erkennen lässt. Sofern ich mich erinnere, taucht der Begriff der "Wesung" auch in Heideggers "Beiträgen" auf.Der Vergleich zwischen den Beiträgen und dem Gedicht bzw. die dazugehörige Interpretation/Deutung ist auf jedenfall interessant und man sollte darüber nochmal nachdenken und diese ggf. an den genannten Texten Heideggers prüfen. Heidegger spricht in der Tat davon, dass das Sein/Seyn "west". Das Wort "Wesung" taucht allerdings nicht in diesem "Gedicht" Heideggers auf , auch nicht , wenn vom Sein die Rede ist.

      Man müsste zudem schauen, ob es auch ein Parmenides Bezug in den "Beiträgen" gibt , wie hier im Gedicht. Ich danke auch für das Zitat dieses Parmenides Fragmentes, was glaube ich die "Dialektik" von "Abwesend" und "Anwesend" gut thematisiert.

      Der Gedanke von den ab- und anwesenden Worten bei Heidegger ist meines Erachtens bedenkenswert..denn obwohl im "Gedicht" nicht explizit vom Dasein -also dem Menschen- die Rede ist. Denn die Frage "Wer sind wir?" lässt sich ergänzen zu "Wer sind wir (als daseiende Menschen)?" Und das würde ja Sinn machen. Man sollte daher immer den Gesamtzusammenhang von Heideggers Denken (und seiner Begriffe) berücksichtigen für mögliche Deutungen/Interpretationen.

      Sofern Francesco Lanzi über den Begriff des Ereignisses bei Heidegger arbeitet, während es interessant zu sehen, wie er den Gebrauch des Begriffes des Ereignisses auch in diesem Gedicht bewerten würde. Ob er das Gedicht Heideggers wohl kannte? Zeitlich gesehen müsste das möglich eigentlich gewesen, denn seine Arbeit erschien etwa 2015 und der Band 81 der Gesamtausgabe, der viele "Gedichte" Heideggers enthält, erschien 2007. So gesehen wäre das zeitlich möglich gewesen. Aber ich müsste mal einen genaueren Blick in seine Arbeit werfen , um zu sehen, ob er die "Gedichte" Heideggers evtl. berücksichtigt hat in seiner Arbeit oder nicht...

      Zur Thematik der Metaphysik ist noch ergänzend zu sagen, dass , wenn Heidegger seine Begriffe anders als die metaphysische Tradition schreibt, er dann diese von Metaphysik distanziert wissen wollte (also aus Sein (metaphysisch) wird "Seyn"; ähnlich "Wesen" (metaphysisch) , und "Wesung". Heidegger hat ja versucht Metaphysik denkerisch zu "überwinden/verwinden" indem er neue nicht metaphysische Begriffe schaffen wollte, die nicht in Abhängigkeit zur klassisch-metaphysischen Begrifflichkeit stehen. Soweit verstehe ich das jedenfalls bei Heidegger. Das "Seyn" Heideggers, welches "west", soll dann anscheinend nicht das "Sein der Metaphysik" sein , wenn ich das richtig verstehe ;)

      Wie gesagt, ich danke für die ausführlichen Zitate aus dieser Arbeit von Lanzi, wo ich allerdings noch etwas Zeit brauche , um über diese in Ruhe nachzudenken...

      Eine Art zusätzliche/abschließende Frage: Ist dir eventuell bekannt, ob Lanzi in dieser Arbeit auch auf Heideggers Gedichte evtl. Bezug nimmt? Oder tut er das eher nicht ?

      Da Lanzi ja zum Begriff des "Ereignisses" bei Heidegger gearbeitet hat in seiner Dissertation,
      wären gerade diese Zeilen des "Gedichtes" vermutlich für ihn von Interesse:

      "Was ringt der Rätselring,
      der einmal Ding?
      Nenn's das Ereignis.
      Es vereignet sein Vermächtnis,
      sich enteignend reinem Schied,
      in das unerfahrliche Gedächtnis."

      Also vermutlich kein "Rätselring" ("Ring des Seyns") ohne "Ereignis" ? ...Gilt das gleich auch umgekehrt? Berücksichtigt Lanzi auch den "Rätselring", wenn er über das "Ereigniss" bei Heidegger arbeitet? Das scheinen mir jedenfalls nicht unwichtige Fragen für die Heidegger Deutung/Interpretation zu sein.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      [...] zur Dissertation von Francesco Lanzi, die ich so noch nicht kannte und diese kann gern hier auch als Referenz dienen. Soweit ich sehe , behandelt diese Arbeit allerdings "nur" die "Spätphilosophie" von Heidegger (hauptsächlich die "Beiträge), ohne seine "Gedichte" dabei zu berücksichtigen. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Allerdings wäre es ideal sowohl die Beiträge als auch die "Gedichte" Heideggers zu berücksichtigen. Auch das Gedicht "Ring des Seyns" stammt ja aus der Zeit der sog. "Spätphilosophie". Man müsste mal sehen, ob die Rede von "Ring des Seyns" evtl. auch in den Beiträgen Heideggers vorkommt. Zu deiner (ersten) Frage, ich glaube, dass ich es ähnliche sehe, dass es also nicht geht, ohne einen Einblick in die "umfangreichen Originale " usw. zu haben.
      Einen ersten, untiefen Blick in Heideggers Beiträge zur Philosophie (zum Ereignis) habe ich gestern, während einigen Stunden gewagt. Nun fühle ich mich erst recht bestärkt in meiner Einschätzung: Es ist für mich, als ob Heideggers Ring des Seyns /1/ zu seinen Beiträge... , wie Franz Kafkas Parabel Vor dem Gesetz zu Kafkas Hauptwerk Der Prozess stehen. Das kurze Werk und das Hauptwerk sind sich gegenseitig Schlüssel zur Entschlüsselung!

      D.h. Es darf versucht werden eine Interpretation von Heideggers Rätselrings anhand seiner Beiträge zur Philosophie (zum Ereignis) zu überprüfen. Auch in der Erwartung dass sich in der Umkehrung ein tieferes Verständnis von Heideggers Hauptwerken ergibt.

      Optimistisch stimmt der nummerierte Titel: 19. Philosophie (zur Frage: wer sind wir?) in Heideggers Beiträge zur Philosophie (zum Ereignis).



      /1/ "Rätselring" nenne ich im Folgenden Heideggers Ring des Seyns.
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      [...] zur Dissertation von Francesco Lanzi, die ich so noch nicht kannte und diese kann gern hier auch als Referenz dienen. Soweit ich sehe , behandelt diese Arbeit allerdings "nur" die "Spätphilosophie" von Heidegger (hauptsächlich die "Beiträge), ohne seine "Gedichte" dabei zu berücksichtigen. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Allerdings wäre es ideal sowohl die Beiträge als auch die "Gedichte" Heideggers zu berücksichtigen. Auch das Gedicht "Ring des Seyns" stammt ja aus der Zeit der sog. "Spätphilosophie". Man müsste mal sehen, ob die Rede von "Ring des Seyns" evtl. auch in den Beiträgen Heideggers vorkommt. Zu deiner (ersten) Frage, ich glaube, dass ich es ähnliche sehe, dass es also nicht geht, ohne einen Einblick in die "umfangreichen Originale " usw. zu haben.
      Einen ersten, untiefen Blick in Heideggers Beiträge zur Philosophie (zum Ereignis) habe ich gestern, während einigen Stunden gewagt. Nun fühle ich mich erst recht bestärkt in meiner Einschätzung: Es ist für mich, als ob Heideggers Ring des Seyns /1/ zu seinen Beiträge... , wie Franz Kafkas Parabel Vor dem Gesetz zu Kafkas Hauptwerk Der Prozess stehen. Das kurze Werk und das Hauptwerk sind sich gegenseitig Schlüssel zur Entschlüsselung!
      D.h. Es darf versucht werden eine Interpretation von Heideggers Rätselrings anhand seiner Beiträge zur Philosophie (zum Ereignis) zu überprüfen. Auch in der Erwartung dass sich in der Umkehrung ein tieferes Verständnis von Heideggers Hauptwerken ergibt.

      Optimistisch stimmt der nummerierte Titel: 19. Philosophie (zur Frage: wer sind wir?) in Heideggers Beiträge zur Philosophie (zum Ereignis).



      /1/ "Rätselring" nenne ich im Folgenden Heideggers Ring des Seyns.
      Nun es für mich nachvollziehbar und scheint mir naheliegend, dass man Heideggers "Gedicht" über den "Rätselring" durchaus mit seinen "Beiträgen" in Beziehung bringen kann. So kann man beide Werke als gegenseitige Ergänzung quasi sehen (und der Kafka -Vergleich leuchtet für mich auch ein). Gegen Interpretationen dieser Art , die versuchen beide Werke in Beziehung zu einander bringen , spricht meines Erachtens nichts. Ich müsste allerdings da noch einen Blick auf die "Beiträge" werfen , um dies noch besser beurteilen zu können. Es scheint mir jedenfalls naheliegend, dass sich dadurch auch ein tieferes Verständnis von Heideggers Hauptwerk(en) sich ergibt.

      Der Abschnitt dort vom "Seyn" könnte vielleicht hilfreich sein. Aber um Fragen dieser Art zu klären, braucht es bekanntlich eins: nämlich Zeit (um sich selbst ein Bild davon machen zu können).
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)