Poetische Philosophie - Gedicht von Martin Heidegger

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    • Fliege schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Fliege schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Ich vermisse ein Kommentar von Fliege zu diesem schönen Gedicht von Heidegger ;)
      Ich schließe mich Richards Anmerkung an. :-)

      Richard schrieb:

      Dieses Gedicht würde ich unter "Holzwege" verbuchen. Heidegger ist dabei wohl seiner eigenen Begrifflichkeit auf den Leim gegangen.

      Ah verstehe :)
      Vielleicht sollte man noch einen Thread zu Nietzsches Gedichten hier aufmachen? (und diese dann mit Heideggers Gedichten vergleichen ^^ ?)

      Wäre vielleicht keine schlechte Idee....oder sind Nietzsches Gedichte auch unter derselben Rubrik ("Holzwege") automatisch zu verbuchen? ;)
      Heidegger variiert in seinem Poem m. E. bloß seine Lieblingsmotive und das leider etwas steif und ohne Esprit. Bei Lukrez, Goethe und Nietzsche ist das möglicherweise anders. :rolleyes:
      Ja, in der Tat tauchen in seinem Poem Lieblingsmotive seines Denkens auf (also "Fragen", "Sein", oder auch "Lichtung")..wie weit man das vom Geschmack her überzeugend findet ist dann natürlich die Frage...man müsste/könnte schauen ob das in ähnlicher Weise auch in Nietzsches Gedichten der Fall ist (also was die "Lieblingsmotive" anbetrifft> der Vergleich wäre zumindest interessant ;) Heidegger kannte ja Nietzsche dichterische Erzeugnisse mehr oder weniger....


      PS: Im Übrigen hat Heidegger die Kritik an seinen Gedichten vermutlich vorausgeahnt (wenn man die Stelle aus den Schwarzen Heften so liest: > "schlechter Dichter"...vielleicht gab es damals (also in den 1940er Jahren) schon ein gewisses Unbehagen an seiner dichterischen Erzeugnissen...
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Eine kleine Ergänzung noch aus den Schwarzen Heften (Heidegger 2015, Band 97 der GA, S.198) zu diesem Thema:

      "[...] Und zwar ein Dichten, das nur das Einfache gesang- und bildlos sagte? also einfach und schlicht; d.h. in unserer Sprache <schlecht> und -recht? [...]"
      Entlang dieses Gedankens von Martin Heidegger geht meine alltägliche Deutung des Gedichts.

      Alltag schrieb:

      Lass mich die Zeile 1 bis 8 leicht umstellen:

      1/3 Denken ist das Nahe-Wohnen / edle Schonen,
      2/4 ist der stille Dank / der kühne Rank.
      **** Der kühne Rank ist für mich die Kehre, der Blick in den Abgrund, der wie folgt beschriebenen ist:
      5/6 Eines Wegs der dunklen Zeichen, ehren zwischen Nichts und Sein.
      7/8 Denken ist das Nie-Entweichen aus dem Bösen, vor der Pein.
      Der kühne Rank ist für mich die Kehre, der Blick in den Abgrund, der in Zeile 5 bis 8 umschrieben ist: Die dunklen Zeichen ehren das Sterbliche, das zwischen Nichts und Sein liegt.
      Du @Philosophist sagst, 'Es handelt sich hier übrigens bei dem Zitat um die Schwarzen Hefte der 1940er Jahre...'. Ist Martin Heideggers Gedicht datiert? Vielleicht sogar mit Ortsangabe, wie bei einem Brief?

      Ich spekuliere, dass in der Formel "Rosen" der Schlüssel zu diesem Gedicht liegt. Es ist nicht eine bestimmte Rose, sondern Rosen! Durch die Rosen ist Martin grüblerisch nachdenklich gestimmt. Ist das Gedicht eine Widmung an seine Musen, inclusive Philo-Sophie?

      Nachtrag, @Philosophist, obiges ist eine Antwort auf Deinen (nachfolgend zitierten) Beitrag, obwohl ich ihn erst jetzt gesehen habe.

      Philosophist schrieb:

      Alltag schrieb:

      vielleicht führt die Rank(e) zur Rose?
      Aber was ist mit den Zeilen 5 bis 8, sind die irgendwie wissenschaftlich-trocken oder gar evolutionär?
      Ich würde mich gern in die Diskussion hier "einmischen" , wenn nichts dagegen spricht ;) ich habe mich ja bereits im anderen Forum dazu auch zu einigen Punkten geäußert.. wobei es mir eher um die "dichtenden" Rosen in Zeile 15 vor allem ging..unter anderem ^^
      [...]

      @Alltag: Ob Heideggers Gedicht datiert ist, müsste ich nochmal schauen und kann ich jetzt nicht sagen. Da müsste ich also nochmal einen Blick in der Band der Gesamtausgabe blicken. Das Zitat aus den Schwarzen Heften ist allerdings datierbar, da es sich hierbei um die Schwarzen Hefte der 1940er Jahre handelt (Band 97 der GA).

      Die Frage ist was, Heidegger mit dem "kühnen Rank" verbindet bzw. was er genau darunter versteht. Was ist also ein "Rank"? Das ist ähnlich wie mit dem Wort "Behuf" , was heute nicht mehr so gebräuchlich ist im heutigen Deutsch. Also hier müsste man erstmal die Semantik/die Bedeutung klären...bevor man diese Stelle genauer interpretiert...

      Denken wird hier meine Erachtens auch mit dem Bösen in Verbindung gebracht, was ich auch ziemlich interessant finde (der "Weg der dunklen Zeichen"> könnte man fast schon mit der "dunklen Seite der Macht" verbinden > wie bei "Star Wars", wenn ich diesen Vergleich mal hier wage ... ;) Aber wie man das mit der sog. "Kehre" bei Heidegger verbinden kann, ist mir eher schleierhaft...

      Was die Rosen anbetrifft: könnte etwas hinter den "Rosen" bei Heidegger stecken? Oder handelt es sich eben um schlichte Rosen (in einer Landschaft)? Martin selbst vermutlich ein Freund von "blühenden Landschaften" und sehr Natur verbunden ;) Daher auch seine (Wald) "Lichtung" vermutlich...Ob man darin den "Schlüssel" des Gedichts sehen kann oder sollte, da bin ich nicht so sicher...auch ob das Gedicht selbst eine Widmung an jemanden ist (vielleicht Hannah Arendt) oder an die Philo-Sophie , dazu kann ich erstmal nichts weiter sagen.... ^^ Das ist bzw. bleibt dann eben eher spekulativ...
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Ein "Spass" am Rande (oder doch vielleicht auch ernst gemeint):

      Vielleicht sollte man Heidegger und seine Gedichte posthum nachträglich für den Literatur-Nobelpreis vorschlagen (nämlich für den Dichter und Denker des Seins . ^^ )


      Das hätte auf jedenfall etwas ;) (warum denke ich hierbei an (Heidegger) Satire? :) )


      Und es werden ja auch (philosophische) Lyriker mit diesem Preis ausgezeichnet....^^

      Ein mehr oder weniger bekannter Philosoph, der diesen verliehen bekommen hat, war ja Albert Camus (der aber eigentlich mehr als Literat/Schriftsteller gilt ....)> Sartre hat den Preis ja abgelehnt damals...

      Oder man könnte ja Nietzsche auch nachträglich für den Literaturnobelpreis vorschlagen :)

      Seine Gedichte und der Zarathustra sind das schon entsprechende philosophisch-literarische Leistungen...und hätte es eigentlich verdient oder?

      Darüber könnte man glatt eine Umfrage machen hier ;)
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Die Frage ist was, Heidegger mit dem "kühnen Rank" verbindet bzw. was er genau darunter versteht. Was ist also ein "Rank"? Das ist ähnlich wie mit dem Wort "Behuf" , was heute nicht mehr so gebräuchlich ist im heutigen Deutsch. Also hier müsste man erstmal die Semantik/die Bedeutung klären...bevor man diese Stelle genauer interpretiert...
      Im Duden der deutschen Rechtschreibung stehen nebst <rank und schlank>, <die Ranke (Pflanzenteil)>, <Ränke schmieden>, und <Ranken (landsch. für dickes Stück Brot)>, <ranken; sich> auch noch:

      <Rank, der; -[e]s, Ränke (schweiz. für Wegkrümmung); Kniff, Trick; den Rank (eine geschickte Lösung) finden; vgl. Ränke>

      Martin Heidegger war viel im Schwarzwald und mit dem Alemannischen bestens vertraut. Daher bevorzuge ich die von mir in das grosse Schriftbild gesetzten Deutungen, wobei wie bei rhetorischen Texten üblich, zunächst all die so markierten Deutungen gelten können.

      P.S.
      'post hume' geht meines Erachtens nicht, denn Herr Nobel hat seine Preise einzig für Lebende ausgeschrieben!
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Die Frage ist was, Heidegger mit dem "kühnen Rank" verbindet bzw. was er genau darunter versteht. Was ist also ein "Rank"? Das ist ähnlich wie mit dem Wort "Behuf" , was heute nicht mehr so gebräuchlich ist im heutigen Deutsch. Also hier müsste man erstmal die Semantik/die Bedeutung klären...bevor man diese Stelle genauer interpretiert...
      Im Duden der deutschen Rechtschreibung stehen nebst <rank und schlank>, <die Ranke (Pflanzenteil)>, <Ränke schmieden>, und <Ranken (landsch. für dickes Stück Brot)>, <ranken; sich> auch noch:
      <Rank, der; -[e]s, Ränke (schweiz. für Wegkrümmung); Kniff, Trick; den Rank (eine geschickte Lösung) finden; vgl. Ränke>

      Martin Heidegger war viel im Schwarzwald und mit dem Alemannischen bestens vertraut. Daher bevorzuge ich die von mir in das grosse Schriftbild gesetzten Deutungen, wobei wie bei rhetorischen Texten üblich, zunächst all die so markierten Deutungen gelten können.

      P.S.
      'post hume' geht meines Erachtens nicht, denn Herr Nobel hat seine Preise einzig für Lebende ausgeschrieben!
      Ich danke zunächst für den Hinweis zu Nobel.

      Dazu habe ich bei wiki aus das hier gefunden:

      "Nominierung und Auswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


      Um für einen Nobelpreis in Frage zu kommen, muss man nominiert werden, wobei das Nominierungsrecht nicht jedem zusteht. Die Bestimmungen hierzu sind in den Statuten der Nobelstiftung festgelegt und werden ggf. von den mit der Auswahl der Preisträger befassten Institutionen präzisiert. Auf den Wirtschaftspreis finden sie analog Anwendung.[26]

      Es können nur lebende Personen nominiert werden. Bis 1974 war es möglich, eine Person mit dem Nobelpreis auszuzeichnen, die nach dem Stichdatum der Nominierung (Ende Januar) verstarb. So wurden Erik Axel Karlfeldt 1931 und UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld 1961 posthum geehrt. Mahatma Gandhi hingegen wurde 1948 noch vor dem Stichdatum erschossen, weswegen er den Preis nicht erhalten konnte"

      Heidegger starb 1976 , insofern kommt es für ihn eben nicht infrage, noch "posthum" durch diesen Preis geehrt zu werden. Aber das wusste ich bis vor kurzem nicht...und bin da jetzt um einiges schlauer ....

      Was den Hinweis zum Duden anbetrifft:

      ich hatte bei "Rank" auch an "Ränke schmieden" zunächst gedacht, dann hätte es allerdings eher eine negative Bedeutung. ..zum Wort "Rank" habe ich noch diesen informativen Link gefunden:

      de.wiktionary.org/wiki/Rank

      und da werden folgende Bedeutungen angegeben:

      Bedeutungen:
      [1] veraltend, gehoben, nur im Plural: Intrigen, Listen, Machenschaften[2] süddeutsch, schweizerisch: Kurve, Wegkrümmung[3] Kniff, Trick
      > vielleicht kommt hier die 2 . Bedeutung in Frage

      Und das hattest du ja auch an Bedeutungen angegeben wie ich gerade sehe.
      Das Heidegger viel im Schwarzwald unterwegs war , ist bekannt und das er auch mit dem Allemannischen/dem Süddeutschen vertraut war...
      DIe von dir markierten Deutungen halte ich auch für plausibel/naheliegend..
      Denken wäre dann eine Art kühne Wegkrümmung, ein kühner Kniff usw und damit könnte man hinsichtlich des Verstehens dieser Stelle schon etwas anfangen.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Alltag schrieb:

      Im Duden der deutschen Rechtschreibung stehen nebst <rank und schlank>, <die Ranke (Pflanzenteil)>, <Ränke schmieden>, und <Ranken (landsch. für dickes Stück Brot)>, <ranken; sich> auch noch:<Rank, der; -[e]s, Ränke (schweiz. für Wegkrümmung); Kniff, Trick; den Rank (eine geschickte Lösung) finden; vgl. Ränke>
      Dass Heidegger viel im Schwarzwald unterwegs war , ist bekannt und dass er auch mit dem Allemannischen/dem Süddeutschen vertraut war...
      DIe von dir markierten Deutungen halte ich auch für plausibel/naheliegend..
      Denken wäre dann eine Art kühne Wegkrümmung, ein kühner Kniff usw und damit könnte man hinsichtlich des Verstehens dieser Stelle schon etwas anfangen.
      Gut! Aber die nach Duden "alemannische" Deutung von <Rank> ist eine echte Herausforderung. Der Leser kann, darf und soll sich winden und wenden bis seine Deutung in <Heilem der Behuf> endet. Vorläufig deute ich Martin Heideggers Gedicht als Plot zu einem Drehbuch, das die Interpreten zu schreiben haben.

      Zunächst steht aber die Deutung von <Heilem der Behuf> an, oder nicht?
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Alltag schrieb:

      Im Duden der deutschen Rechtschreibung stehen nebst <rank und schlank>, <die Ranke (Pflanzenteil)>, <Ränke schmieden>, und <Ranken (landsch. für dickes Stück Brot)>, <ranken; sich> auch noch:<Rank, der; -[e]s, Ränke (schweiz. für Wegkrümmung); Kniff, Trick; den Rank (eine geschickte Lösung) finden; vgl. Ränke>
      Dass Heidegger viel im Schwarzwald unterwegs war , ist bekannt und dass er auch mit dem Allemannischen/dem Süddeutschen vertraut war...DIe von dir markierten Deutungen halte ich auch für plausibel/naheliegend..
      Denken wäre dann eine Art kühne Wegkrümmung, ein kühner Kniff usw und damit könnte man hinsichtlich des Verstehens dieser Stelle schon etwas anfangen.
      Gut! Aber die nach Duden "alemannische" Deutung von <Rank> ist eine echte Herausforderung. Der Leser kann, darf und soll sich winden und wenden bis seine Deutung in <Heilem der Behuf> endet. Vorläufig deute ich Martin Heideggers Gedicht als Plot zu einem Drehbuch, das die Interpreten zu schreiben haben.
      Zunächst steht aber die Deutung von <Heilem der Behuf> an, oder nicht?
      Nun es ist gewiss nicht einfach zu deuten das Ganze, was da Heidegger zu Papier gebracht hat...

      Ich verstehe nun "Heilem der Behufte" als "Heilem der Zweck" (also Behuf= Zweck)

      Dass das Alemannische gewiss eine Herausforderung für die Deutung darstellt....keine Frage..

      Ich würde die letzten 2 bis 4 Zeilen hier so verstehen, dass dem Denken eine Art heilende Funktion zugemessen wird von Heidegger...Wie siehst du das?
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Philosophist schrieb:

      Nun es ist gewiss nicht einfach zu deuten das Ganze, was da Heidegger zu Papier gebracht hat...
      Ich verstehe nun "Heilem der Behufte" als "Heilem der Zweck" (also Behuf= Zweck)

      Dass das Alemannische gewiss eine Herausforderung für die Deutung darstellt....keine Frage..

      Ich würde die letzten 2 bis 4 Zeilen hier so verstehen, dass dem Denken eine Art heilende Funktion zugemessen wird von Heidegger...Wie siehst du das?
      Ja, zu 'Behuf' steht im Duden für die deutsche Rechtschreibung:

      <Behuf, der; -°[e]s, -°e (Amtsspr. veraltet für Zweck, Erfordernis); zum –°[e]; zu diesem –°[e]; … … >

      Die Zeile 20 wird damit für mich in etwa zu: --> Heilem der Erfordernis --> Heil dem, was sein muss …

      In den Zeilen 17 bis 20 hat es noch weitere echt schwierigen Formen, wie <dies Alles-Freyen> und <die sterblich, seyend seyen>. Zusätzlich möchte ich fragen:
      - Unter welchen Umständen bleibt das Denken weiseloser Ruf?
      - Ruf wonach? Ruf wozu?
      - [Aus-]Ruf, dass was sei?

      17 Denken bleibt dies Alles-Freyen,
      18 weiseloser Ruf,
      19 daß, die sterblich, seyend seyen:
      20 Heilem der Behuf.

      Ich lasse das Schwierige vorläufig weg. Somit ergibt sich zunächst: Denken bleibt [ ... ] weiseloser Ruf, dass [ … ] Heilem [ sei, was sein muss]. In der Hoffnung einen Schritt weiter zu kommen, spekuliere ich weiter:

      17 Denken bleibt [ ohne all das zuvor gesagte ]
      18 weiseloser Ruf,
      19 dass [ jeder sterblich und seiend sei ]
      20 {und nach} Heil [dem, was sein muss].

      Somit lese ich die Zeilen 17 bis 20 vorläufig als Abgrenzung zu den im Gedicht voranstehend Aspekte. Allerdings ist mir noch nicht klar, ob ich <dies Alles-Freyen> richtig deute und ob ein Abgrenzen überhaupt möglich ist und Sinn macht. --- Steht das im Widerspruch zu Deinem Verständnis, dass dem Denken eine Art heilende Funktion zugemessen wird von Heidegger ?
    • Alltag schrieb:

      Philosophist schrieb:

      Nun es ist gewiss nicht einfach zu deuten das Ganze, was da Heidegger zu Papier gebracht hat...
      Ich verstehe nun "Heilem der Behufte" als "Heilem der Zweck" (also Behuf= Zweck)

      Dass das Alemannische gewiss eine Herausforderung für die Deutung darstellt....keine Frage..

      Ich würde die letzten 2 bis 4 Zeilen hier so verstehen, dass dem Denken eine Art heilende Funktion zugemessen wird von Heidegger...Wie siehst du das?
      Ja, zu 'Behuf' steht im Duden für die deutsche Rechtschreibung:
      <Behuf, der; -°[e]s, -°e (Amtsspr. veraltet für Zweck, Erfordernis); zum –°[e]; zu diesem –°[e]; … … >

      Die Zeile 20 wird damit für mich in etwa zu: --> Heilem der Erfordernis --> Heil dem, was sein muss …

      In den Zeilen 17 bis 20 hat es noch weitere echt schwierigen Formen, wie <dies Alles-Freyen> und <die sterblich, seyend seyen>. Zusätzlich möchte ich fragen:
      - Unter welchen Umständen bleibt das Denken weiseloser Ruf?
      - Ruf wonach? Ruf wozu?
      - [Aus-]Ruf, dass was sei?

      17 Denken bleibt dies Alles-Freyen,
      18 weiseloser Ruf,
      19 daß, die sterblich, seyend seyen:
      20 Heilem der Behuf.

      Ich lasse das Schwierige vorläufig weg. Somit ergibt sich zunächst: Denken bleibt [ ... ] weiseloser Ruf, dass [ … ] Heilem [ sei, was sein muss]. In der Hoffnung einen Schritt weiter zu kommen, spekuliere ich weiter:

      17 Denken bleibt [ ohne all das zuvor gesagte ]
      18 weiseloser Ruf,
      19 dass [ jeder sterblich und seiend sei ]
      20 {und nach} Heil [dem, was sein muss].

      Somit lese ich die Zeilen 17 bis 20 vorläufig als Abgrenzung zu den im Gedicht voranstehend Aspekte. Allerdings ist mir noch nicht klar, ob ich <dies Alles-Freyen> richtig deute und ob ein Abgrenzen überhaupt möglich ist und Sinn macht. --- Steht das im Widerspruch zu Deinem Verständnis, dass dem Denken eine Art heilende Funktion zugemessen wird von Heidegger ?
      Naja aus "Heilem der Behuf" würde dann ja "Heilem der Zweck".....also der Zwecke welcher die Dinge heilt? das Denken als Zweck ,welches heilt?

      Ich würde in die Richtung gehen und sagen, dass Denken schon mit der Heilung in Verbindung zu bringen..also Denken als etwas heilendes...

      Auch ist klar, dass Denken von Heidegger als "weiseloser" Ruf aufgefasst wird...aber Ruf wofür? und was bedeutet "weiselos" hier? Ich würde Heidegger hier so verstehen, dass Denken als ein Ruf des Seins (?) zu verstehen sei, so könnte die Stelle hier "Sinn" machen.

      Das "alles-freyen" verstehe ich so, dass es von Heidegger den freien Menschen vorbehalten ist

      Das macht eigentlich kein Widerspruch...denn Denken ist ein Akt der Freiheit, bzw es gibt freies Denken und dieses hat eben eine "heilende" Funktion...so würde ich mir einen "Reim" auf diese Stelle machen.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Ich will die Flügel noch nicht hängen lassen und mit den Adlern noch ein paar Runden kreisen:

      Glossar – Knobelei [bis Zeile 6]
      • Das Nahe-Wohnen: Naheliegen und innewohnen kommen hier substantiviert zusammen: Zu-Hause-Sein; Daheim-sein; Heimat. Martin Heideggers <Mitwelt> sei mitgedacht.
      • Der stille Dank: Dank, wie in ‘Gott sei Dank‘; der stille Dank in Form der Heimarbeit.
      • Das edle Schonen: Das Schonen steht im Gegensatz zum Schuften bei der Feld- und Waldarbeit; das edle Schonen ist Heimarbeit mit dem Kopf; Kopfarbeit zuhause. {heute nennt man das ''home office machen' oder 'freelance' }
      • Der kühne Rank: nach Duden <Rank,der; -[e]s, Ränke (schweiz. für Wegkrümmung); Kniff, Trick; den Rank (einegeschickte Lösung) finden; vgl. Ränke> --> die List.
      • Eines Wegs: Eine Erzählung einleitende, alemannische Redewendung für ‘wie dem auch sei‘ oder 'trotz'; möglich wären auch Redewendungen, wie ‘so kommt‘s, wie‘s muss‘, aber auch ‘wenn’s nicht wahr ist, so ist’s doch schön ausgedacht‘.
      • Der dunklen Zeichen: Unbestimmter Genitiv;
      • Ehren zwischen Nichts und Sein: dazwischen liegt in Ehre die Zeugung und das Sterben; das Sterbliche achten.
      Jetzt, bei Zeile Sechs, sehe ich den Vorspann:

      Vorspann

      Der Gelehrte sitzt in gepflegter Haltung im kühlen Schatten seiner Berghütte am Tisch. /Schnitt/
      Rundum wird in gleissendem Sonnenschein das Heu zusammengetragen. /Schnitt/
      Der Professor schaut vom belegten Schreibtisch aus durchs Stubenfenster in die Kälte hinaus. /Schnitt/
      Das frisch geschlagene Holz wird in tiefem Schnee zu Tal geschleift. /Schnitt/
      Im Bauernhof zoomt die Kamera durch die Fenster und zeigt die Haus- und Heimarbeit und in eine Wiege. /Schnitt/
      Er geht bis der Wald sich lichtet unter dunklen Tannen hin zu der in der Abenddämmerung stehenden Lichtung. Auf dass die musisch philosophischen Erzählungen ihren Lauf nehmen: /Schnitt/

      ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alltag () aus folgendem Grund: Ergänzung nach Duden <Rank ... >

    • Alltag schrieb:

      Ich will die Flügel noch nicht hängen lassen und mit den Adlern noch ein paar Runden kreisen:

      Glossar – Knobelei [bis Zeile 6]
      • Das Nahe-Wohnen: Naheliegen und innewohnen kommen hier substantiviert zusammen: Zu-Hause-Sein; Daheim-sein; Heimat. Martin Heideggers <Mitwelt> sei mitgedacht.
      • Der stille Dank: Dank, wie in ‘Gott sei Dank‘; der stille Dank in Form der Heimarbeit.
      • Das edle Schonen: Das Schonen steht im Gegensatz zum Schuften bei der Feld- und Waldarbeit; das edle Schonen ist Heimarbeit mit dem Kopf; Kopfarbeit zuhause. {heute nennt man das ''home office machen' oder 'freelance' }
      • Der kühne Rank: die List.
      • Eines Wegs: Eine Erzählung einleitende, alemannische Redewendung für ‘wie dem auch sei‘ oder trotz; möglich wären auch Redewendungen, wie ‘so kommt‘s, wie‘s muss‘, aber auch ‘wenn’s nicht wahr ist, so ist’s doch schön ausgedacht‘.
      • Der dunklen Zeichen: Unbestimmter Genitiv;
      • Ehren zwischen Nichts und Sein: dazwischen liegt in Ehre die Zeugung und das Sterben; das Sterbliche achten.
      Jetzt, bei Zeile Sechs, sehe ich den Vorspann:

      Vorspann

      Der Gelehrte sitzt in gepflegter Haltung im kühlen Schatten seiner Berghütte am Tisch. /Schnitt/
      Rundum wird in gleissendem Sonnenschein das Heu zusammengetragen. /Schnitt/
      Der Professor schaut vom belegten Schreibtisch aus durchs Stubenfenster in die Kälte hinaus. /Schnitt/
      Das frisch geschlagene Holz wird in tiefem Schnee zu Tal geschleift. /Schnitt/
      Im Bauernhof zoomt die Kamera durch die Fenster und zeigt die Haus- und Heimarbeit und in eine Wiege. /Schnitt/
      Er geht bis der Wald sich lichtet unter dunklen Tannen hin zu der in der Abenddämmerung stehenden Lichtung. Auf dass die musisch philosophischen Erzählungen ihren Lauf nehmen: /Schnitt/

      ;)
      Damit , habe ich kein Problem ;)

      Interessant ist ja wie du wichtige Wörter/Begriffe des Gedichts hier deutest

      ich habe mich im Übrigen auch gefragt, wie man das "ehren" hier zu verstehen habe...

      Interessantes Script ,was du da entwickelt hast! ;) Sowas kann man sich durchaus auch da auch vorstellen in der Art, bezogen auf Heidegger natürlich :)
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • idea schrieb:

      Alltag schrieb:

      Auf dass die musisch philosophischen Erzählungen ihren Lauf nehmen
      gestützt auf Heidegger...?
      Heidegger war ein Glaubender, der seine Vorlesungen predigte und damit beeindruckte. Was blieb von Allem seiner Nachwelt erhalten - einfach reduziert - 'Nichts'
      Versteh ich dich richtig, Du meinst das Gedicht gibt nichts her? Leise möcht' ich Dir jetzt schon widersprechen: Es zeichnet sich am, dass Martin Heidegger es selbst wusste. Dies wäre also ein bisschen mehr. ;)
    • idea schrieb:

      Alltag schrieb:

      17 Denken bleibt dies Alles-Freyen,
      18 weiseloser Ruf,
      Ich verweise in deiner Kritik nur auf diese zwei Zeilen Alltag...ist aber nicht böse gemeint von mir, und ich werde meine Negativkritik an H zurückhalten...
      Deine Negativkritik ist berechtigt! Wir Adler und Geier fliegen ja immer noch über der Beute im Kreis:
      • Martin Heidegger macht in seinen zwanzig unbetitelten Zeilen dem <Denken> zehn Zuschreibungen:
      • neun Mal kommt <Denken ist> vor;
      • viermal in einem Doppelpaket von positiven und aktiven Zuschreibungen, die durch <, ist > statt durch < und > gebunden sind.
      • Das Komma ersetzt meist ein <und>, was zur meines Erachtens ungewohnten Interpunktionen führt.
      • Dem nur einmal vorkommenden <Denken bleibt> folgen ernüchternd warnende Zuschreibungen.
      • Die <dunklen Zeichen> in Zeile 5 erinnern mich an das Studierzimmer in Goethes Faust I, sodass mich Zeile 13 bis 16 an das ‘Grün des Lebens goldner Baum‘ gemahnen.
      Bei den Zeilen 17 und 18 bin ich noch am Polieren meiner Knobelei: Der naheliegenste Vorschlag ist < -ey- > durch < -ei- > zu ersetzen!

      ;)
    • idea schrieb:

      Heidegger war ein Glaubender, der seine Vorlesungen predigte und damit beeindruckte. Was blieb von allem seiner Nachwelt erhalten – einfach reduziert – 'Nichts'

      Alltag schrieb:

      Deine Negativkritik ist berechtigt! Wir Adler und Geier fliegen ja immer noch über der Beute im Kreis.
      Die Adler verschmähen den bereits von Geiern bis aufs Gerippe abgenagten Kadaver.
      (Ich bitte um Verzeihung wegen der vielen unschönen Wörter samt Metaphern.)

      ---------------

      idea schrieb:

      Heidegger war ein Glaubender [...].
      Da möchte ich anknüpfen. Heidegger meint in seinem Poem: "Denken [...] ist der stille Dank [...] ist Sich-Sagen-Lassen [...] bleibt [...] weiseloser Ruf [...]."

      Diese Charakterisierung findet sich paradigmatisch in diesem christlichen Glasbild, wobei Heideggers Dank dem christlichen Gott gilt, der Heidegger dies und das via Geist einredet (rechts oben), was Heidegger als Berufung gilt (links oben):
      Christliches_Glasbild.JPG
      (Fliege-Foto).
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."

      Dieser Beitrag wurde bereits 14 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Wer kennt von euch Martin Heidegger, "Einleitung in die Philosophie" (Band 27 der Gesamtausgabe)?

      Ein ganz hervorragendes Buch, das neben anderen seinen unverrückbaren Platz in der Geschichte der Philosophie behalten wird und auch heute noch wertvoll ist für all diejenigen, die der Philosophie Martin Heideggers vorurteilsfrei begegnen können.
      Denn schließlich haben wir Augen nicht WEIL es etwas zu sehen gibt, sondern DAMIT es etwas zu sehen gibt.
    • Ich habe einen entsprechenden Link zu der Thematik hier gefunden, der zwar etwas älter schon ist, aber dennoch nach wie vor lesenswert:

      faz.net/aktuell/feuilleton/bue…ers-gedichte-1700784.html

      Dort heißt es unter anderem:

      "Der einundachzigste Band der Gesamtausgabe von Martin Heidegger trägt den Titel "Gedachtes" (Verlag Vittorio Klostermann) und enthält in vier Abteilungen Texte, die die Nähe und gegenseitige Abhängigkeit von Dichten und Denken nicht erörtern, sondern selbst erproben .
      Es beginnt mit der lyrischen Selbstvergewisserung des einundzwanzigjährigen Theologiestudenten: "Ich mied der Gottesnähe heldenschaffende Kraft / Und tappte irrlichthaschend durch Not und Nacht." Und mündet, etwa Mitte der siebziger Jahre, kurz vor dem Tod, in gehärteter, spröderer Form wieder in den Anfang, wie es bei diesem Denker nicht anders sein kann: (---)

      Man sieht, dass "Gedachtes" nicht etwa bedeutet: improvisiert und schnell notiert. Vielmehr wird im Spiel-Raum des Verses etwas gewagt, das zur Steigerung bekannter Leitworte des Heideggerschen Denkens führt. Sie werden aus ihrer gewohnten Umgebung, dem erläuternden Philosophieren, herausgehoben und zurückgeholt an die Grenze zu einer Erst-Sprache, in der Dichten und Denken noch nicht unterschieden sind.
      So wird immer wieder das Wort Vorenthalt zur Bezeichnung des Daseins genutzt, dem die endgültige Wiederkehr des Anfangs, im weiteren Sinn: die Ankunft des Gottes vorenthalten wird. "Armutbereit" deshalb, weil es, mit Hölderlin, in dürftiger Zeit, des Gottes bedürfend, dahingebracht wird. Der Dichter, dem Heidegger sich anlehnt, ist nämlich der einzige, der stellvertretend für das vergessliche Menschentum das Andenken des Gottes erhält.

      Wenn Denken etwas nicht enden wollend Vergängliches ist, wahre Dichtung aber in sich vollendet erscheint und damit den Ausgang ins Undenkbare öffnet, was ist dann "Gedachtes"? Ist es Denken, angehalten, in Perfektform erstarrt? Offensichtlich ist es nichts, das als Nebenprodukt beim Denken abfiele. Dennoch könnte es sich um eine Art Ausfällung handeln, die "Aus der Erfahrung des Denkens" (so der Titel des in sechzehn Kapitel gegliederten Hauptteils des Buchs) übrigbleibt, eine kernige, kristallische Substanz.
      Der Autor selbst gibt eine Erklärung zum Charakter dieser Texte mit dem Hinweis, er habe diese und keine andere Form gewählt, um Aussagesätze, Sätze überhaupt zu vermeiden und alle "Füllwörter" zu umgehen. "Dem äußeren Anschein ,Verse' und Reime - sehen die Texte aus wie ,Gedichte', sind es jedoch nicht."

      Oder sind es doch? Das kann weder der Autor noch der Leser eindeutig bestimmen. Und das nicht aufgrund des permissiven poetischen Geschmacks und der Fülle der Formerweichungen, die uns die experimentierende Moderne bescherte. Der Autor ist in seinem Urteil deshalb eingeschränkt, weil für ihn in letzter Instanz nicht Klang und Melodie ausschlaggebend sind, sondern allein die Annäherung an den vorsokratischen Spruch, der vom dichtenden Denker stammt. Den Grad seiner Annäherung kann er indes nicht selber ermitteln."

      Oft fällt der äußere Reim eher gefällig aus, während das Sagen selbst durchaus ungefällig bleibt. Vers, Metrum, Strophe verwehren die freie Umständlichkeit des heraufholenden Denkens. Was sich in "Gedachtes" verwandelt, wird aufs Engste versammelt und ins Weite gekürzt. Dabei reizt es den Philosophen, sich der betörenden Mittel der Poesie zu bedienen. Rhythmus und Reim nutzen, um sein Sagen noch eindringlicher, wenn nicht gar memorierbar zu gestalten.

      In der Prosa ein gemessen Schreitender wird der Philosoph ein Inständiger in seinem gedichteten Denken. Was er nach Art des Mystikers schweigend sagt, mag auf andere so belebend wie verletzend wirken. "

      Vielleicht erstmal soweit dazu.
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Fliege schrieb:

      idea schrieb:

      Heidegger war ein Glaubender, der seine Vorlesungen predigte und damit beeindruckte. Was blieb von allem seiner Nachwelt erhalten – einfach reduziert – 'Nichts'

      Alltag schrieb:

      Deine Negativkritik ist berechtigt! Wir Adler und Geier fliegen ja immer noch über der Beute im Kreis.
      Die Adler verschmähen den bereits von Geiern bis aufs Gerippe abgenagten Kadaver.
      (Ich bitte um Verzeihung wegen der vielen unschönen Wörter samt Metaphern.)

      ---------------

      idea schrieb:

      Heidegger war ein Glaubender [...].
      Da möchte ich anknüpfen. Heidegger meint in seinem Poem: "Denken [...] ist der stille Dank [...] ist Sich-Sagen-Lassen [...] bleibt [...] weiseloser Ruf [...]."
      Diese Charakterisierung findet sich paradigmatisch in diesem christlichen Glasbild, wobei Heideggers Dank dem christlichen Gott gilt, der Heidegger dies und das via Geist einredet (rechts oben), was Heidegger als Berufung gilt (links oben):
      Christliches_Glasbild.JPG
      (Fliege-Foto).
      @Fliege:

      Interessant ist ja bei Heidegger nun auf den christlich-theologischen Hintergrund anzuspielen. Zwar wird von "Gott" nicht geredet im Gedicht, aber man könnte hier etwas spekulieren ...

      Aber eventuell ist das aufschlussreicher:

      Es beginnt mit der lyrischen Selbstvergewisserung des einundzwanzigjährigen Theologiestudenten: "Ich mied der Gottesnähe heldenschaffende Kraft / Und tappte irrlichthaschend durch Not und Nacht."....

      Aus einem Gedicht des frühen Heidegger...
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
    • Richard schrieb:

      Wer kennt von euch Martin Heidegger, "Einleitung in die Philosophie" (Band 27 der Gesamtausgabe)?

      Ein ganz hervorragendes Buch, das neben anderen seinen unverrückbaren Platz in der Geschichte der Philosophie behalten wird und auch heute noch wertvoll ist für all diejenigen, die der Philosophie Martin Heideggers vorurteilsfrei begegnen können.
      Ich finde es auch wichtig, das man einem Philosophen und seiner Philosophie möglichst vorurteilsfrei (und sachlich) begegnen sollte und das gilt natürlich auch für Heidegger.

      Der von dir genannte Band ist, mir nicht unbekannt. Ich habe daraus ein Zitat als Motto für mich herausgesucht ;)

      (siehe Signatur )
      "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

      "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)