Hans Jonas "Prinzip Verantwortung"

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    • Hans Jonas "Prinzip Verantwortung"

      Unter dem Punkt
      "Merkmale bisheriger Ethik" listet Hans Jonas bei 3. auf

      3· .Für das Handeln in dieser Sphäre wurde die Entität
      »Mensch« und ihr fundamentaler Zustand als im Wesen
      konstant angesehen und nicht selber als Gegenstand umfor-
      mender techne (Kunst).

      Seite 22:
      waste.informatik.hu-berlin.de/…zipVerantwortung_Kap1.pdf

      Ich verstehe nicht genau, was er damit meint. Ich lese nur raus "Der Zustand des Menschen bleibt konstant" aber was meint er damit :?:
      Und wenn wir schonmal dabei sind, was bedeutet eigentlich "techne" kommt relativ oft vor.

      Vielen Dank schonmal!

      Freundliche Grüße
    • Tunii schrieb:

      Unter dem Punkt "Merkmale bisheriger Ethik" listet Hans Jonas bei 3. auf

      Für das Handeln in dieser Sphäre wurde die Entität »Mensch« und ihr fundamentaler Zustand als im Wesen konstant angesehen und nicht selber als Gegenstand umformender techne (Kunst).

      Seite 22
      Es gibt einen Strang in der Philosophie, der biologische Anthropologie ablehnt, wonach Menschen (nach derzeitigem Kenntnisstand) als Lebewesen der Art Mensch, Gattung Homo, Tribus Hominini, Unterfamilie Homininae, Familie Menschenaffen (Hominidae), Überfamilie Menschenartige (Mominoidea) anzusehen sind (nach Wikipedia) und entsprechende Entitäten sind, die über kürzere Zeiträume wie einige Jahrtausende genetisch einigermaßen stabil sind und daher einigermaßen stabile Verhaltensmuster haben, also "im Wesen konstant" sind.

      Jonas gehört m. E. in diesen Strang.

      Schau dir mal an, welche Philosophen als Lehrer für Jonas wichtig waren und wem Jonas philosophisch nahe stand.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Tunii schrieb:

      Ich verstehe nicht genau, was er damit meint. Ich lese nur raus "Der Zustand des Menschen bleibt konstant" aber was meint er damit
      Ich lese eher das Gegenteil :) Jonas meint (womöglich), dass der Mensch auch das ist, was er aus sich "macht". Der Mensch ist Gegenstand einer Umformung durch ihn selbst. Für den Mensch ist diese Selbstbezug stets von Bedeutung. Aber dieser Selbstbezug kann nicht nur in einer einzigen Weise statt finden.

      Es dürfte klar sein, dass ein Steinzeitmensch trotz nahezu identischer biologischer Ausstattung ganz anders war in vielen Hinsichten als du oder ich. Der Grund dafür ist nicht nur die ganz verschiedene Umwelt, in die wir hineinwachsen. Was wir sind, hängt immer auch mit dem zusammen, was wir zu sein glauben. Wer glaubt, dass er gänzlich ein biologisches Wesen ist, wird aufgrund des anderen Selbstverständnisses ein anderer sein als jemand der glaubt, dass er zwar eine biologische "Grundausstattung" hat aber vieles andere, was wir etwa unter den Begriff Geist fassen, auch noch zu ihm gehört.

      Wer glaubt, dass andere Menschen (und vielleicht auch manche Tiere) so etwas wie eine unveräußerliche Würde haben, wird ein anderer sein und ein anderes Leben führen, als jemand, der glaubt, er sei nichts als ein egoistischer Bioautomat.

      Unsere Selbstbilder beeinflussen was wir sind. Und diese Selbstbilder wandeln sich natürlich mit der Zeit. Unsere biologische Ausstattung (auf die wir im übrigen zunehmend "Zugriff" haben) legt uns sicher nicht auf etwas bestimmtes fest, sondern sie ermöglicht uns, auf ganz verschiedene Art und Weise zu sein.
    • Tunii schrieb:

      3· .Für das Handeln in dieser Sphäre wurde die Entität
      »Mensch« und ihr fundamentaler Zustand als im Wesen
      konstant angesehen und nicht selber als Gegenstand umfor-
      mender techne (Kunst).

      Seite 22:
      waste.informatik.hu-berlin.de/…zipVerantwortung_Kap1.pdf

      Ich verstehe nicht genau, was er damit meint. Ich lese nur raus "Der Zustand des Menschen bleibt konstant" aber was meint er damit
      Mit dem zitierten Gedanken meint er, dass bisherige Ethik (seines Erachtens) nicht auf dem Schirm hatte, dass das Vermögen des Menschen, Dinge (wie z.B. Haustiere oder Lehmklumpen) ganz nach seinen Wünschen zu formen, prinzipiell auch darauf angesetzt werden kann, Menschen wunschgemäß zurecht zu modeln. Das tut in der Tat - mit mehr oder weniger Erfolg - die Kindererziehung und der staatliche Strafvollzug. Davon abgesehen war es ein Ansinnen des deutschen Nationalsozialismus bei seinem Vorhaben, eine Herrenrasse zu züchten.

      Tunii schrieb:

      Und wenn wir schonmal dabei sind, was bedeutet eigentlich "techne"
      Das heisst sowiel wie >> Den Formungsprozesse mit Wissen und Fingerspitzengefühl vornehmen<<. Also gekonnt angewendetes Know How. Einer Technik bedarf es zwar auch für die "Kunst" der Umgestaltung eines Rohmstoffs zum Beispiel zu einem Portrait wie Der Denker. Nur ist mit "techne" eben mehr gemeint als nur das Tun des typischen Künstlers.
    • Johann schrieb:

      Mit dem zitierten Gedanken meint er, dass bisherige Ethik (seines Erachtens) nicht auf dem Schirm hatte, dass das Vermögen des Menschen, Dinge (wie z.B. Haustiere oder Lehmklumpen) ganz nach seinen Wünschen zu formen, prinzipiell auch darauf angesetzt werden kann, Menschen wunschgemäß zurecht zu modeln. Das tut in der Tat - mit mehr oder weniger Erfolg - die Kindererziehung und der staatliche Strafvollzug. Davon abgesehen war es ein Ansinnen des deutschen Nationalsozialismus bei seinem Vorhaben, eine Herrenrasse zu züchten.

      Danke für eure Zahlreichen antworten, ich kann mir aber immer noch keinen Reim draus machen, was gemeint ist.
      Könnten Sie es bitte nochmal versuchen :)?
    • Tunii schrieb:

      Danke für eure Zahlreichen antworten, ich kann mir aber immer noch keinen Reim draus machen, was gemeint ist.
      Nein, so läuft das mit mir nicht.

      An dir liegt es jetzt, anhand der vorliegenden Anmerkungen deinerseits Fragen und/oder Statements zum Thema zu formulieren, von denen du annimmst, sie könnten dein Kann-mir-keinen-Reim-darauf-machen thematisieren und eventuell ausräumen helfen.

      Ohne Fragen und Statements deinerseits endet m. E. hier und jetzt der Austausch mit dir.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".