Was ist Dialektik?

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Was ist Dialektik?

    In diesem Thread soll es um die Dialektik gehen? Was ist mit Dialektik gemeint? In der Geschichte der Philosophie gab es unterschiedliche Konzepte der Dialektik. Handelt es sich um eine Methode zur Wahrheitsfindung oder doch um eine Kunst des Rechtbehaltens? Gibt es so etwas wie eine Realdialektik in den Sachen? Diese Fragen sollen hier durchaus unter Bezug auf die Philosophiegeschichte von Platon über Hegel bis hin zu Adorno erörtert werden. Auch ungedeckte Überlegungen auf eigene Rechnung sind natürlich willkommen.

    Einführungslektüre in das Thema:

    Jürgen Ritsert. Summa Dialectica. Ein Lehrbuch zur Dialektik
    T.W. Adorno: Einführung in die Dialektik
    ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Bei unterschiedlichen Denkern wurde Dialektik unterschiedlich bestimmt, Und wie so oft in der Philosophie, weiß man kaum wo man eigentlich anfangen soll. Im Prinzip ist es auch nicht so wichtig, wo man anfängt. Man kann sich von jeder Position aus, die anderen Positionen erarbeiten. Also fange ich an beim großen Kant, der sich nichts geringeres vorgesetzt hat als die Denkungsart zu revolutionieren und die Metaphysik einer schonungslosen Kritik zu unterziehen.

    Was heißt Dialektik bei Kant? in der Kritik der reinen Vernunft (im Folgenden KrV abgekürzt) spricht Kant von der transzendentalen Dialektik, die eine Logik des Scheins aufdecken soll. Es geht bei ihr um Grundsätze, die über alle Erfahrung hinaus gehen und daher nicht empirisch überprüfbar sind. Der transzendentale Schein ist jedoch etwas, das der Vernunft inhärent ist und selbst wenn er aufgedeckt ist wird er nicht verschwinden, sondern weiter bestehen. Als Beispiel nennt Kant die Frage nach einem ersten Anfang der Welt. Die Frage danach wird sich immer wieder aufdrängen.

    Auf dem Boden des neuzeitlichen Idealismus gewinnt diese Form der Dialektik als transzendentale Logik des natürlichen Scheins seine neue, fundamentalkritische Dimension: Das dialektische Denkverfahren gerät als Grundgesetzlichkeit menschlich-endlichen Verstehens in den Blick. Die von Kant in seiner [i]Kritik der reinen Vernunft (1781) vorgelegte Lehre von den Antinomien macht deutlich, dass sich die menschlich-endliche Vernunft bei ihrem Versuch, Erkenntnisse über Welt, Seele und Gott zu gewinnen, unvermeidlicherweise in eine dialektische, das heißt scheinhafte und deshalb auflösbare Opposition von gegensätzlichen Behauptungen verstrickt. Als Auflösungsschlüssel dient Kant die Unterscheidung von Ding an sich und Erscheinung. So beruht zum Beispiel der in der ersten kosmologischen Antinomie vorgetragene Widerstreit zwischen der These von der Endlichkeit und der Antithese von der Unendlichkeit der Welt dem Raum und der Zeit nach auf einer dogmatischen Voraussetzung der unkritischen Vernunft, dass nämlich die Welt als Totalität aller Dinge ein für das menschliche Bewusstsein vorhandenes Ganzes sei. Dieser natürliche Schein wird durch die Einsicht zerstört, dass es Welthaftes für uns Menschen nur als prinzipiell offene Reihe von Erscheinungen gibt, die sich durch neue Erfahrungen ständig erweitert und deshalb den Sinnen weder als endliche noch als unendliche gegeben ist. Das der menschlichen Vernunft aufgegebene Ziel der Erkenntnis der Welt als Ganzes erweist sich als regulatives Prinzip für die unabschließbare Aufgabe, das Seiende (Sein) auszulegen und zu verstehen. (UTB Handwörterbuch Philosophie, Artikel zu Dialektik)[/i]
    ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Bei Kant in der KrV hat Dialektik offensichtlich etwas zu tun mit der Aufdeckung eines Scheins, also eines fälschlicherweise für wahr Gehaltenem. Die Besonderheit der transzendentalen Dialektik ist nun, dass sie es mit einem Schein zu tun hat, der zwar aufgedeckt, aber nicht aufgelöst werden kann, weil er in der Natur der Vernunft begründet ist. So ist die Suche nach einem ersten Grund oder einer Letztbegründung in der Vernunft und ihrer Art zu operieren angelegt. Schon kleine Kinder fragen immer nach dem "Warum" und können dieses "Spiel" so weit fort treiben, dass die Erwachsenen nahe der Verzweiflung sind, ohne jedoch eine befriedigende Antwort auf ihre Neugier zu bekommen.

    Es sind Sophistikationen, nicht der Menschen, sondern der reinen Vernunft selbst, von denen selbst der Weiseste unter allen Menschen sich nicht losmachen, und vielleicht zwar nach vieler Bemühung den Irrtum verhüten, den Schein aber, der ihn unaufhörlich zwackt und äfft, niemals völlig los werden kann. (KrV A339)

    Schon bei Kant spielt auch die Triplicität eine Rolle. Es sind immer drei Kategorien. Kann man sagen, dass zwei Kategorien sich widersprechen und die dritte eine Art Synthese der ersten beiden darstellt?

    ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • novon schrieb:

    Man könnte ganz fundamental ansetzen: Jedem (postulierten) Positivum kommt immanent ein entsprechendes Negativum zu (und vice versa). Sprechen, selbst Denken, Begreifen, ohne abzugrenzen, geht nicht. Sprache, Begriff ist Abgrenzung...
    Wenn man vom Urteil ausgeht "Das Absolue ist das unveränderlich sich Gleichbleibende", dann wird klar, dass man das Subjekt nicht bestimmen oder sich überhaupt etwas darunter vorstellen kann, ohne dass Subjekt einzuschränken. "Das Absolute" kann schlechterdings alles meinen. Es wird in dem Urteil aber zu etwas Anderem und Bestimmten, eben dem unveränderlich sich Gleichbleibenden. Und dieses Werden ist zumindest in der Hegelschen Fassung der Dialektik der entscheidende Knackpunkt. Das meint Hegel mit Vermittlung und Bewegung des Begriffs.
    ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Ryoba schrieb:

    novon schrieb:

    Man könnte ganz fundamental ansetzen: Jedem (postulierten) Positivum kommt immanent ein entsprechendes Negativum zu (und vice versa). Sprechen, selbst Denken, Begreifen, ohne abzugrenzen, geht nicht. Sprache, Begriff ist Abgrenzung...
    Wenn man vom Urteil ausgeht "Das Absolue ist das unveränderlich sich Gleichbleibende", dann wird klar, dass man das Subjekt nicht bestimmen oder sich überhaupt etwas darunter vorstellen kann, ohne dass Subjekt einzuschränken. "Das Absolute" kann schlechterdings alles meinen. Es wird in dem Urteil aber zu etwas Anderem und Bestimmten, eben dem unveränderlich sich Gleichbleibenden. Und dieses Werden ist zumindest in der Hegelschen Fassung der Dialektik der entscheidende Knackpunkt. Das meint Hegel mit Vermittlung und Bewegung des Begriffs.
    Das ist der Punkt, an dem Hegel kollabiert. Jedes Urteil ist unvollständig, kann nicht alle Aspekte angemessen erfassen... Das Ganze ist nie "ganz", kann es nie sein. Das Ganze als das Wahre funktioniert nicht. Es ist daheraus immer und notwendig falsch, dies behaupten zu wollen, weil nie alle relevanten Aspekte erfasst sein können. "Das Absolute" stellt so oder so reine Fiktion dar. In (begrifflicher) Abgrenzung kann nicht "das Ganze" liegen. (Es kann nur darin liegen, begriffliche Dichotomien zu integrieren... Da kommt dann zwar kein Alles bei raus, aber immerhin etwas Umfängliches, dass vielfach angemessen sein kann.)
    Bei dem mit der "Bewegung des Begriffs" gehe ich soweit eher nicht auf Hegel... Begriffe variieren idividuell und auch mit der Zeit, der Erfahrung... Hegel scheint mir diesbezüglich eher von so etwas wie einer begrifflichen Doktrin auszugehen. Macht für mich keinen Sinn.
    Gruß,
    n0\/0n

    deutsch.
    think, tank.
  • novon schrieb:

    Jedes Urteil ist unvollständig, kann nicht alle Aspekte angemessen erfassen... Das Ganze ist nie "ganz", kann es nie sein. Das Ganze als das Wahre funktioniert nicht. Es ist daheraus immer und notwendig falsch, dies behaupten zu wollen, weil nie alle relevanten Aspekte erfasst sein können.
    Du selbst beziehst Dich ja aber auch auf das Ganze, wenn Du sagst, dass "nicht alle Aspekte" erfasst werden können...

    Wenn Fallibilisten von einer absoluten Wahrheit ausgehen müssen, damit ihr zielgerichtetes Irren seinen Sinn erhält, dann ist auch für sie das Ganze das Wahre, da sich die absolute Wahrheit nur im Ganzen befinden kann.
    Denn schließlich haben wir Augen nicht WEIL es etwas zu sehen gibt, sondern DAMIT es etwas zu sehen gibt.
  • novon schrieb:

    Das ist der Punkt, an dem Hegel kollabiert. Jedes Urteil ist unvollständig, kann nicht alle Aspekte angemessen erfassen... Das Ganze ist nie "ganz", kann es nie sein.
    Ein Urteil ist notwendigerweise eine Eingrenzung. Dadurch dass etwas bestimmt wird, wird auch zugleich ein offener Raum von Möglichkeiten geschlossen. Aber was meint Hegel eigentlich mit dem Ganzen? Er geht davon aus, dass der Begriff, um zu sich selbst zu kommen, einen Prozess der Vermittlungen durchläuft. Und dieser Prozess ist das Ganze und inklusive dem Resultat dann die Wahrheit.

    Bei dieser Vermittlung gibt es eine Reihe von Abstoßungen (Negationen), die dazu führen, dass sich etwas durch Abgrenzung auch zugleich selbst bestimmt (Bestimmte Negationen). Adorno hat diese bestimmten Negationen als das Wesentliche der Dialektik angesehen. Er hat ja auch mit Hegel gegen Hegel gesagt: "Das Ganze ist das Unwahre."

    novon schrieb:

    Bei dem mit der "Bewegung des Begriffs" gehe ich soweit eher nicht auf Hegel... Begriffe variieren idividuell und auch mit der Zeit, der Erfahrung... Hegel scheint mir diesbezüglich eher von so etwas wie einer begrifflichen Doktrin auszugehen. Macht für mich keinen Sinn.
    Hegel unterscheidet den objektiven (an sich) und den subjektiven Begriff (für uns). Dass Begriffe sich entwickeln und entfalten geschieht in einer Wechselwirkung zwischen beiden. Hegel hat daher keine begriffliche Doktrin.

    Richard schrieb:

    Wenn Fallibilisten von einer absoluten Wahrheit ausgehen müssen, damit ihr zielgerichtetes Irren seinen Sinn erhält, dann ist auch für sie das Ganze das Wahre, da sich die absolute Wahrheit nur im Ganzen befinden kann.
    Das ist ein interessanter Punkt, da Sir Karl Popper die Dialektik ja kritisiert hat und seine Logik der Forschung in Abgrenzung dazu entwickelt hat. Ich meine, dass die Hegelsche Dialektik eine gewisse fallibilistische Logik bereits enthält.
    ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Ryoba schrieb:

    novon schrieb:

    Das ist der Punkt, an dem Hegel kollabiert. Jedes Urteil ist unvollständig, kann nicht alle Aspekte angemessen erfassen... Das Ganze ist nie "ganz", kann es nie sein.
    Ein Urteil ist notwendigerweise eine Eingrenzung. Dadurch dass etwas bestimmt wird, wird auch zugleich ein offener Raum von Möglichkeiten geschlossen. Aber was meint Hegel eigentlich mit dem Ganzen? Er geht davon aus, dass der Begriff, um zu sich selbst zu kommen, einen Prozess der Vermittlungen durchläuft. Und dieser Prozess ist das Ganze und inklusive dem Resultat dann die Wahrheit.
    Bei dieser Vermittlung gibt es eine Reihe von Abstoßungen (Negationen), die dazu führen, dass sich etwas durch Abgrenzung auch zugleich selbst bestimmt (Bestimmte Negationen). Adorno hat diese bestimmten Negationen als das Wesentliche der Dialektik angesehen. Er hat ja auch mit Hegel gegen Hegel gesagt: "Das Ganze ist das Unwahre."
    Das ist mir zu kompliziert formuliert - und auch gedacht -. Was sonst als "Bestimmte Negation" sollte denn denkbar sein...? Eine unbestimmte? Eine Allgemeine? Was sollte man sich darunter vorstellen? Negation ist immer irgendwie bestimmt in dem was sie negiert, andererseits aber immer unbestimmt dahingehend, was durch sie dann wieder gefasst sein sollte.
    Und das Ganze im Sinne der Dialektik konstituiert sich ja eben aus These und Antithese, und es würde mich arg verwundern, wenn Hegel nun nicht den Zossen reiten würde, das eine etwaige Wahrheit des Ganzen als deren Synthese - quasi notgedrungen, zwangsläufig - hinten rausfällt. (Das mit der Bestimmung eines Ganzen würde sich wohl allerdings ebenso müßig gestalten, wie der Versuch Systeme faktisch aus der Welt lösen zu wollen, anstatt konzeptionell.

    Ryoba schrieb:

    novon schrieb:

    Bei dem mit der "Bewegung des Begriffs" gehe ich soweit eher nicht auf Hegel... Begriffe variieren idividuell und auch mit der Zeit, der Erfahrung... Hegel scheint mir diesbezüglich eher von so etwas wie einer begrifflichen Doktrin auszugehen. Macht für mich keinen Sinn.
    Hegel unterscheidet den objektiven (an sich) und den subjektiven Begriff (für uns). Dass Begriffe sich entwickeln und entfalten geschieht in einer Wechselwirkung zwischen beiden. Hegel hat daher keine begriffliche Doktrin.
    Und wo wären "objektive Begriffe" zu finden...? Weltgeistbegriffe...?
    Gruß,
    n0\/0n

    deutsch.
    think, tank.
  • Hallo Novon

    novon schrieb:

    Das ist mir zu kompliziert formuliert - und auch gedacht -. Was sonst als "Bestimmte Negation" sollte denn denkbar sein...? Eine unbestimmte? Eine Allgemeine? Was sollte man sich darunter vorstellen? Negation ist immer irgendwie bestimmt in dem was sie negiert, andererseits aber immer unbestimmt dahingehend, was durch sie dann wieder gefasst sein sollte.
    Wenn wir jetzt von Hegels Begrifflichkeit reden, dann ist der bestimmten die unbestimmte (abstrakte) Negation beigesellt. So wie ich das verstehe bleibt die unbestimmte Negation dabei stehen, etwas zu verwerfen. Die bestimmte Negation dagegen ist zugleich eine Weiterentwicklung, dessen, was sie negiert. Ähnlich vielleicht wie Nietzsches Unterscheidung der "Freiheit von" und der "Freiheit zu".

    So schreibt Schlemm:


    Angemessen zu verstehen ist die Negation bei Hegel also nur in ihrem Zusammenhang mit der Negation der Negation. Sie meint explizit nicht jene Negierungen, bei denen das Negierte ohne weitere Entwicklungschance zerstört wird, sondern jene, die zu weiterer Entwicklung führen. Würde die Begriffsentwicklung nur eine Folge von Negationen innerhalb des Endlichen sein, hätten wir die von Hegel ausdrücklich abgelehnte "schlechte Unendlichkeit" (Hegel Werke 5, S. 264). Die erste Negation ist nicht beliebig, sondern erhält ihre Bestimmung aus der Rückkehr des Negierten zu sich selbst als Vermittlung (Hegel Werke 5, S. 159f.).

    Wir erkennen diese Abhängigkeit von einem übergeordneten Ganzen schon bei einer frühen Verwendung der Negation bei Hegel, wo er sie definiert als
    • "eine Bestimmung, [ein] Inhalt, der unterschieden, aber nicht selbständig seiend, sondern als Moment ist" (Hegel Werke 5, S. 165)
    Wichtig ist, dass jede Negation nur das Moment der übergreifenden Bewegung des Begriffs ist, von dem her sie auch bestimmt wird. Auch Henrich betont, "dass diese Vielfalt [des Sinnes von "negativ", A.S.] nicht nur zufällig eintritt, sondern dass sie sich aus Gründen ergibt, die angegeben werden können." (Henrich 1974, S. 245).
    Die Abhängigkeit von einem übergeordnetem Ganzen im Sinne eines Prozesses ist das Entscheidende bei der (bestimmten) Negation.

    novon schrieb:

    Und das Ganze im Sinne der Dialektik konstituiert sich ja eben aus These und Antithese, und es würde mich arg verwundern, wenn Hegel nun nicht den Zossen reiten würde, das eine etwaige Wahrheit des Ganzen als deren Synthese - quasi notgedrungen, zwangsläufig - hinten rausfällt.
    Derartige Schematisierungen sind sicherlich nicht gänzlich falsch, aber äußerst unbefriedigend; schon Hegel bezeichnete solcherlei Triplizitäten und Schematisierungen zur Charakterisierung von »Dialektik« verächtlich als »leblos«, Marx als »scholastisch« und Adorno als »klappernde Schemata«. »Dialektik« analog einer formalen Logik lernen zu wollen, sei wie »Schwimmen lernen zu wollen, ohne ins Wasser zu gehen« (Hegel). (Quelle)
    ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Ryoba schrieb:

    Derartige Schematisierungen sind sicherlich nicht gänzlich falsch, aber äußerst unbefriedigend; schon Hegel bezeichnete solcherlei Triplizitäten und Schematisierungen zur Charakterisierung von »Dialektik« verächtlich als »leblos«, Marx als »scholastisch« und Adorno als »klappernde Schemata«. »Dialektik« analog einer formalen Logik lernen zu wollen, sei wie »Schwimmen lernen zu wollen, ohne ins Wasser zu gehen« (Hegel).
    wichtig, das immer im Hinterkopf zu haben.

    Dialektik entspringt primär dem Erlangen eines "Gefühls für die Weltgeschichte". Sie entspringt einer Konstruktion einer Universalgeschichte, einer möglichen evolutionär fortschreitenden Entwicklung der Gesellschaft. Erst danach wird Dialektik überhaupt nötig um sich in der Komplexität zurechtzufinden, die dadurch erkannt wird. Davor kann man sie getrost ignorieren, erst danach ist eine idealisierende Dialektik nötig
    Der Scham ist tückischer als die Schuld.
    Die Mathematik bastelt ihre eigene Welt. Nicht nur die Physik ist von dieser stark in den Bann gezogen. Dabei ist eine ontologische Mathematik unlogisch, weil Theologie.
    Der Verwendungszweck eines Gegenstandes ist basal verschieden von der Verwendung eines Gegenstandes.
  • novon schrieb:

    (Das mit der Bestimmung eines Ganzen würde sich wohl allerdings ebenso müßig gestalten, wie der Versuch Systeme faktisch aus der Welt lösen zu wollen, anstatt konzeptionell.
    Was genau meinst du mit dem System, das man faktisch anstatt konzeptionell aus der Welt lösen will? Das versteh ich nicht.
    ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Ryoba schrieb:

    novon schrieb:

    Das ist mir zu kompliziert formuliert - und auch gedacht -. Was sonst als "Bestimmte Negation" sollte denn denkbar sein...? Eine unbestimmte? Eine Allgemeine? Was sollte man sich darunter vorstellen? Negation ist immer irgendwie bestimmt in dem was sie negiert, andererseits aber immer unbestimmt dahingehend, was durch sie dann wieder gefasst sein sollte.
    Wenn wir jetzt von Hegels Begrifflichkeit reden, dann ist der bestimmten die unbestimmte (abstrakte) Negation beigesellt. So wie ich das verstehe bleibt die unbestimmte Negation dabei stehen, etwas zu verwerfen. Die bestimmte Negation dagegen ist zugleich eine Weiterentwicklung, dessen, was sie negiert.
    Ja, jetzt wo du es erwähnst... Da war mal was. *g Negation der Negation, wobei Negation auf keinen Fall als Negation verstanden werden darf, sondern als konstruktives Moment destruktiver bzw. umkonstruktiver Ambition... Ähm... Oder so...
    Irgendwie renne ich immer wieder in die Falle, dass ich mir unter "bestimmt", "Negation", etc. andauernd etwas völlig anderes vorstelle, als Dialektik mir bestimmen will...

    Ryoba schrieb:

    Ähnlich vielleicht wie Nietzsches Unterscheidung der "Freiheit von" und der "Freiheit zu".
    Hmm... Sicher, dass die Unterscheidung in positive und negative Freiheit nicht schon ein wenig älter ist...?

    Ryoba schrieb:

    Die Abhängigkeit von einem übergeordnetem Ganzen im Sinne eines Prozesses ist das Entscheidende bei der (bestimmten) Negation.
    Selbst "abstrakt" scheint hier recht sonderbar verwendet...

    Ryoba schrieb:

    novon schrieb:

    Und das Ganze im Sinne der Dialektik konstituiert sich ja eben aus These und Antithese, und es würde mich arg verwundern, wenn Hegel nun nicht den Zossen reiten würde, das eine etwaige Wahrheit des Ganzen als deren Synthese - quasi notgedrungen, zwangsläufig - hinten rausfällt.
    Derartige Schematisierungen sind sicherlich nicht gänzlich falsch, aber äußerst unbefriedigend; schon Hegel bezeichnete solcherlei Triplizitäten und Schematisierungen zur Charakterisierung von »Dialektik« verächtlich als »leblos«, Marx als »scholastisch« und Adorno als »klappernde Schemata«. »Dialektik« analog einer formalen Logik lernen zu wollen, sei wie »Schwimmen lernen zu wollen, ohne ins Wasser zu gehen« (Hegel). (Quelle)
    Für mich klingt das eher nach einer Bestätigung meiner These. Ds stellt doch als quasi religiösee Einwand dar: Erst wäre zu glauben, bevor beurteilt werden könnte. Außerden ist es doch Hegels Rede von These, Antithese und Synthese, an der sich seine Dialektik aufhängt. Da soll man ihn nicht beim Wort nehmen...?

    Ryoba schrieb:

    novon schrieb:

    (Das mit der Bestimmung eines Ganzen würde sich wohl allerdings ebenso müßig gestalten, wie der Versuch Systeme faktisch aus der Welt lösen zu wollen, anstatt konzeptionell.
    Was genau meinst du mit dem System, das man faktisch anstatt konzeptionell aus der Welt lösen will? Das versteh ich nicht.
    System allgemein stellt ein analytisches Werkzeug dar, ceteris paribus, die konzeptionell an dise angelegte operative Geschlossenheit ist rein Instrument möglicher Analyse. Operative Geschlossenheit stellt kein Faktum dar, sondern ein Abstraktum. Ähnlich verhält es sich mit einem etwaig gewähnten Ganzen.
    Gruß,
    n0\/0n

    deutsch.
    think, tank.