Induktive Schlüsse vom Besondern aufs Besondere und vom Allgemeinen aufs Besondere

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    • Induktive Schlüsse vom Besondern aufs Besondere und vom Allgemeinen aufs Besondere

      Hallo,

      laut Prof. Wilholt ist die Definition, induktive Schlüsse sind Schlüsse vom Besondern aufs Allgemeine, und deduktive Schlüsse, sind Schlüsse vom Allgemeinen aufs Besondere, falsch.

      Prof. Dr. Torsten Wilholt: Es gibt „sehr sehr häufig die Unterscheidung, induktive Argumente sind Schlüsse vom Besonderen zum Allgemeinen. Und deduktive sind Schlüsse vom Allgemeinen zum Besonderen. Das stimmt nicht. Ist nicht richtig. Es gibt deduktive Argumente die schließen vom Besonderen aufs Besondere. Es gibt induktive Argumente die schließen auch vom Besonderen aufs Besondere. […] Es taugt nicht als Definition."

      Er definiert:
      Deduktiv: kein Risiko, wahrheitserhaltend, wenn die Prämissen wahr sind, dann kann ich sicher sein, dass die Schlussfolgerung wahr ist.
      Induktiv: Risiko, Es gibt einige Prämissen, aus der eine Schlussfolgerung gezogen wird, bei der immer, selbst wenn die Prämissen alle wahr sind, es sein könnte, dass die Schlussfolgerung trotzdem falsch ist

      Quelle:



      Könnte mir hierzu jemand je ein Beispiel von induktiven Schlüssen
      - vom Besonderen aufs Besondere

      und bei deduktiven Schlüssen
      - vom Besonderen aufs Besondere
      bitte nennen? Ich verstehe was er sagt, aber ohne Beispiele ist das für mich nicht richtig zu greifen.
      Philosophische Richtung: Materialist, Naturalist, Determinist; Atheist, Humanist, Interessens-Utilitarist
      Philosophen: Arthur Schopenhauer, Epikur, Michael Schmidt-Salomon, Peter Singer, Karl Popper, Friedrich Nietzsche

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von IchDenkeGern ()

    • IchDenkeGern schrieb:

      Prof. Dr. Torsten Wilholt: Es gibt „sehr sehr häufig die Unterscheidung, induktive Argumente sind Schlüsse vom Besonderen zum Allgemeinen. Und deduktive sind Schlüsse vom Allgemeinen zum Besonderen. Das stimmt nicht. Ist nicht richtig. Es gibt deduktive Argumente die schließen vom Besonderen aufs Besondere. Es gibt induktive Argumente die schließen auch vom Besonderen aufs Besondere. […] Es taugt nicht als Definition."

      IchDenkeGern schrieb:

      Könnte mir hierzu jemand je ein Beispiel von induktiven Schlüssen
      - vom Besonderen aufs Besondere
      - vom Allgemeinen aufs Besondere
      Vergleiche die beiden Zitate doch einmal miteinander! Fällt Dir dabei nichts auf? - Induktive Argumente sind Schlüsse vom Besonderen zum Allgemeinen und deduktive sind Schlüsse vom Allgemeinen zum Besonderen scheint nicht erklärungsbedürftig zu sein. Induktive Schlüsse vom Besonderen aufs Besondere könnte die Evolutionstheorie mit ihren materialistisch-mechanistischen Kausalketten darstellen. Deduktive Schlüsse vom Besonderen aufs Besondere könnten Zweckverbindungen sein. Man hat die Absicht mit bestimmten Mitteln einen Zweck zu erreichen.
    • Ich nahm an, es gäbe auch induktive Schlüsse vom Allgemeinen aufs Besondere... das wirds wohl nicht geben. Wolltest du darauf hinaus?



      Philodenron schrieb:

      Man hat die Absicht mit bestimmten Mitteln einen Zweck zu erreichen.

      Dazu fallen mir nur induktive Beispielen an. Hättest du mir bitte in konkretes deduktives?
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    • IchDenkeGern schrieb:

      Dazu fallen mir nur induktive Beispielen an. Hättest du mir bitte in konkretes deduktives?
      KU, Kapitel 75: § 65. »Im Praktischen (nämlich der Kunst) findet man leicht dergleichen Verknüpfung, wie z. B. das Haus zwar die Ursache der Gelder ist, die für Miete des [Hauses] eingenommen werden, aber doch auch umgekehrt die Vorstellung von diesem möglichen Einkommen die Ursache der Erbauung des Hauses war.«
    • Philodendron schrieb:

      IchDenkeGern schrieb:

      Dazu fallen mir nur induktive Beispielen an. Hättest du mir bitte in konkretes deduktives?
      KU, Kapitel 75: § 65. »Im Praktischen (nämlich der Kunst) findet man leicht dergleichen Verknüpfung, wie z. B. das Haus zwar die Ursache der Gelder ist, die für Miete des [Hauses] eingenommen werden, aber doch auch umgekehrt die Vorstellung von diesem möglichen Einkommen die Ursache der Erbauung des Hauses war.«

      Danke, aber... das hört sich nicht unbedingt zwingend an. Was ist wenn die Miete höher ist als das Einkommen, z. B. aufgrund einer Teilzeit die aufgrund einer Wirtschaftskrise erfolgt? Prof. Dr. Wilholt von der Universität Hannover hat in einer Youtube Vorlesung zur Wissenschaftstheorie, ein Beispiel gebracht: nachdem das Anziehen einer Jacke, weil es kalt ist, ein induktives Vorgehen sei. Wenn ich also die Absicht habe (nicht mehr zu frieren) ist der Zweck (das Anziehen der Jacke) in diesem Beispiel ebenso induktiv.

      @future06
      merci
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    • IchDenkeGern schrieb:

      nachdem das Anziehen einer Jacke, weil es kalt ist, ein induktives Vorgehen sei.
      Wie Du erkennen konntest, komme ich bei der Beurteilung was induktiv und deduktiv sei von Kants Gedanken als Leitfäden her. Ob ich kalt habe und mir deshalb eine Jacke anziehe, oder ob ich mir vorstelle kalt haben zu können, und mir deshalb eine Jacke mitnehme, die ich bei Bedarf dann anziehen kann, sind zwei verschiedene Verursachungen. Die eine kommt aus der Zukunft und ist deshalb deduktiv im Sinne Deines Beispiels als nicht vom Allgemeinen zum Besonderen abgeleitet, sondern von einem Besonderen zu einem Besonderen. Dass es im umgekehrten Fall, wo ich bereits kalt habe, anders ist und zwar gemäss Deinem Beispiel induktiv vom Besonderen zum Besonderen, ist meines Erachtens nicht schwer zu schliessen.
    • Philodendron schrieb:

      Wie Du erkennen konntest, komme ich bei der Beurteilung was induktiv und deduktiv sei von Kants Gedanken als Leitfäden her.
      Ich habe deine Aussagen mal aufgebröselt um sie besser zu verstehen...

      (1) "Ob ich kalt habe und mir deshalb eine Jacke anziehe,"
      (2) "ob ich mir vorstelle kalt haben zu können, und mir deshalb eine Jacke mitnehme, die ich bei Bedarf dann anziehen kann"

      "Die eine [2] kommt aus der Zukunft und ist [...] von einem Besonderen zu einem Besonderen." [Deduktiv]
      "Dass es im umgekehrten Fall [1], wo ich bereits kalt habe, anders ist und zwar gemäss Deinem Beispiel induktiv vom Besonderen zum Besonderen"

      Warum soll die Zeitform ausschlaggebend sein, ob etwas ein deduktiver oder ein induktiver Schluss ist?

      - Jemand friert (jetzt oder in Zukunft)
      => ziehe eine Jacke an, damit man nicht mehr friert

      M. E.ist das ein induktiver Schluss. Denn woher weißt du dass es >>hilft<< eine Jacke anzuziehen? Das ist ein auf Erfahrung basierendes Wissen. Es hat in der Vergangenheit geholfen, also geht man davon aus, dass es auch in Zukunft hilft.


      ___________

      EDIT:

      Vielleicht meinst du auch folgendes Beispiel:

      Prämissen:
      - Meine Jacke wärmt [Regel, empirisch, gewonnen, induktiv]
      - Mir ist kalt [Fall]
      => Ich ziehe meine Jacke an, damit mir nicht mehr kalt ist. [deduktiver Schluss]

      In dem Fall lässt sich zwar deine Prämisse anzweifeln, nicht aber die Konklusion - WENN die Prämissen wahr sind.
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    • Ich lese gerade das Buch "Denken lernen" von Carl Naughton vom Jahr 2016 (übrigens nicht zu empfehlen). Er schreibt auf S. 76:

      "Beim induktiven Schließen geht es [...] vom Einzelfall aufs Ganze"
      Beim deduktiven Schließen, "schließen wir auf das Spezielle [...] nach dem Motto: >>Das war schon immer so. Das hier ist ähnlich, also ist es auch so."

      Das scheint mir doch falsch zu sein, insbesondere seine Aussage zur Deduktion. Gerade wenn etwas ähnlich ist - aber nicht gleich, besteht die Möglichkeit eines Risikos, d. h. es muss ein induktiver Schluss sein.

      Ich frage mich wie es sein kann, dass in solchen Büchern wie "Denken lernen" solche Fehler gemacht werden. Oder verstehe ich es immer noch nicht?
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