Zuschreiben statt Beschreiben (Nebendiskussionen u.a.)

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    • Hermeneuticus schrieb:

      handlungs- und sprachtheoretischen Begriffen
      wenn er statt be-schreibt, zu-schreibt bleibt er in der Rede. Dadurch ist es maximal Sprachpragmatisch und nicht Sprachtheoretisch. Sprachtheorie entsteht erst auf qualitativerer Ebene, auf Basis von Sublimierung, Konditionierung und Codierung - man könnte vielleicht sagen, dass Sprachtheorie in der Unterscheidung von be-greifen und ab-greifen steckt aber sicher nicht in der Ebene, in der das Verb hinter den Präfixen noch ein "schreiben" ist. Sprachtheorie bedeutet das Verstehen von Semiotik und nicht nur von Semantik.

      Die Leitdifferenz ist die zwischen Universalie und Zahl.
      „Die Gegenwart ist die Zeit der Analysen, das Resultat aller Systeme, die jemals entstanden sind.“ - Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch
      Die Geschichte von den zwei Quadraten.

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    • Groot schrieb:

      wenn er statt be-schreibt, zu-schreibt bleibt er in der Rede. Dadurch ist es maximal Sprachpragmatisch und nicht Sprachtheoretisch.
      Mir ist Dein Einwand nicht ganz klar. Vielleicht erläutere ich noch einmal kurz die Absichten, die Janich mit seinem Buch verfolgt. - Es handelt sich bei dem Buch um eine logische Propädeutik, also um eine Heranführung an die Logik. Sie wendet sich an Philosophie-Studenten im Grundstudium bzw. an Fachwissenschaftler, die gewisse methodische und logische Grundkenntnisse für ihre wissenschaftliche Arbeit benötigen. Das Lernziel ist ein zweifaches: Es soll einerseits ein theoretisches Wissen über die Grundlagen der modernen Logik vermittelt werden; dazu gehört z.B. die Erklärung von gebräuchlichen logischen Termini (wie Prädikation, Gegenstand, Begriff, Sachverhalt...). Andererseits soll der Leser aber auch seinen eigenen Sprachgebrauch schulen können, nämlich im Hinblick auf seine Arbeit als Wissenschaftler. Es wird also neben dem theoretischen Wissen-was auch ein praktisches Können (Wissen-wie) vermittelt. - So eine logische Propädeutik lässt sich daher ganz treffend als eine "Vorschule des vernünftigen Redens" *) bezeichnen.

      Die Besonderheit des Buches liegt nun aber darin, dass Janich sich konsequent von den Einsichten der pragmatistischen Sprachphilosophie des 20. Jh. (Wittgenstein, Ryle, Austin, Searle, v. Wright...) leiten lässt. Nach der Devise "Die Bedeutung eines Wortes ist sein (praktischer) Gebrauch" begreift er das Sprechen als eine Weise des Handelns. Daher beginnt seine Abhandlung mit einer elementaren Handlungstheorie. Außerdem bleibt der faktische Sprachgebrauch - in der Gesellschaft und den Wissenschaften - immer die Basis, von der Janichs Erläuterungen und Reflexionen ausgehen. Er lässt sich also die Terminologie und Elemente der Logik nicht einfach aus anderen Lehrbüchern vorgeben, sondern er rekonstruiert gewissermaßen den Weg, der von der Umgangssprache zur Etablierung der Logik als formaler Wissenschaft geführt hat. Damit ermöglicht es Janich seinen Lesern, die (kritischen) Reflexionsschritte, die hinter dieser Ausdifferenzierung einer wissenschaftlichen Sprache gestanden haben, selbst nachzuvollziehen. Darum ist das Buch zugleich auch eine Einführung in die eigenständige philosophische Reflexion.

      Was nun das 8. Kapitel ("Zuschreiben statt Beschreiben") betrifft, so wird darin eine in den Wissenschaften und der Philosophie gebräuchliche Redeweise kritisch abgeklopft. Ausgehend von der alltagssprachlichen Verständigung - in der das "Zuschreiben" ja gewisse Dienste leistet - wird diese Redeweise analysiert und dann als Terminus eingeführt. Der Leser, der selbst schon auf diese Redeweise gestoßen ist oder sie sogar verwendet hat, wird so in die Lage versetzt, damit aufgeklärt und (selbst-) kritisch umzugehen. - Wie manche Diskussionen hier im Forum gezeigt haben, besteht für eine solche Aufklärung durchaus Bedarf. :)


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      Siehe den Klassiker von W. Kamlah u. P. Lorenzen, Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens, Mannheim 1967.
    • Ergibt sich die Thematische Relevanz aus den Präfix oder aus dem Wortstamm?

      Ist das ‘Schreiben‘ hier thematisch dominant? Was ändert sich wenn beispielsweise besprechen und zusprechen oder be-reden und zu-reden thematisiert würde?

      Beim Beschreiben intendiert der beschreibende Autor dem Leser ein soweit möglichst originalgetreues Bild zu vermitteln. Beim Zuschreiben jedoch liegt die Tendenz eher im Vermitteln dessen, was im Wesentlichen gewünscht ist oder (wie beispielsweise in der Karikatur) gemeint sein könnte. Somit ist beispielsweise beim Bild in der Regel leichter zu erkennen ob be- oder zu-geschrieben wird.

      Damit verschiebt sich die Relevanz vom Wortstamm weg: Das Präfix ‘Be-‘ verweist der Tendenz nach direkt auf ‘möglichst originalgetreu‘. Beim Präfix ‘Zu-‘ wird jedoch der Tendenz nach indirekt, d.h. mittels einer Reduktion auf das im Wesentlichen Gemeinte oder Gewünschte verwiesen.

      P.S.
      Ich meide die Prädikation.

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