Philosophie Studium - Erfahrungen & Tipps

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    • Philosophie Studium - Erfahrungen & Tipps

      So, in drei Wochen ist die erste Klausur des Abis. Dann im Mai ist es endlich zu ende. Es ist als ob ich 13 Jahre in einem geistigem Gefängnis saß und nur durch das Internet ein Stück meiner Freiheit zurückgewinnen konnte! ^^^

      Das soll aber nicht das Hauptthema sein: Mein großes Ziel nach dem ABI ist es etwas zu studieren, das mich fordert und weiterbringt. Schon seit langem habe ich mich deshalb zu einem Informatik und Philosophie Studium entschieden. Einerseits weil mich beide Themen packen. Andererseits weil es eine geniale Kombination ist.

      Ich wollte mal nachfragen, ob sonst noch jemand hier im Forum Philo studiert hat? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Was sind eure Empfehlungen?

      EDIT: Bitte sagt mir nicht, ich soll erstmal nicht studieren und mir ein Jahr für mich nehmen. Das höre ich dauernd, aber das wäre nicht das richtige für mich. Also spart es euch ;)
      Mit freundlichen Grüßen
      Chris
    • Ich habe damals mit Philosophie als Hauptfach angefangen. In der Einführungswoche für die Erstsemester sagte der akademische Rat zu uns: "An die Hauptfachstudenten: Wenn sie irgendwas anderes können, studieren sie was anderes als Hauptfach." Damals löste das bei einigen eine Art Trotzreaktion aus, jetzt erst recht. Heute verstehe ich besser, was er meinte. Wenn man ein anderes Fach studiert, das stärker praxisbezogen ist, hat auch die philosophische Reflexion und der Blick über den Tellerrand mehr materialen Gehalt, natürlich gehört da eigentlich auch Praxis-Erfahrung als Voraussetzung dazu.

      Das akademische Philosophiestudium selbst fand ich auf eine gewisse Art eher trocken, es gab dort keine Hilfe bei einer Suche nach Sinn und Orientierung. Ich hatte damals schon ein bißchen die Erwartung, das sowas im Philosophiestudium auch eine Rolle spielt, tut es aber nicht. Es war aber als eine Art studium generale sehr nützlich für mein weiteres Studium. Was ich in der "Einführung in die Philosophie des Geistes" und in der Logik-Vorlesung gelernt habe konnte ich immer wieder gebrauchen.

      Ich hatte als Zweitfach auch mal Mathe, da gibt es sicher einige Überschneidungen zur Philosophie, aber wohl hauptsächlich zur Logik. Meines Erachtens sind die Überschneidungen zu den Geistes- und Sozialwissenschaften wesentlich größer. Wobei natürlich Wissenschaftsstheorie auch Überschneidungen mit den Naturwissenschaften hat.

      Ich wünsche dir auf alle Fälle einen guten Start in dein Studium und viele Erkenntnisse, die dich weiter bringen!
      ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
      "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
    • da du dich eher für gesellschaftstheoretische Themen zu interessieren scheinst, ist m.E. ein Soziologiestudium interessanter. Am besten eines mit Schwerpunkt Sozialphilosophie.

      Ansonsten ist es halt sehr analytisch geprägt, was m.E. dem Gesellschaftstheoretiker entgegensteht, denn die Dialektik, die das eigentlich interessante ist, wird weniger gelehrt.

      Auch würde ich ein Philostudium nur wagen, wenn ich zum Ziel hätte hier in die Forschung zu gehen. Ansonsten ist eine andere Geisteswissenschaft, z.B. Soziologie, Geschichte oder Politik sicher besser. Denn Philosophie lässt sich auch anders, eben durchs Leben, lernen und verstehen - und wenn du weiterhin so zielstrebig die Gesellschaft hinterfragst, wirst du eines Tages ganz automatisch über die Beschränktheit der heutigen Philosophie steigen. Denn diese hat sich eher zurückentwickelt und in die Weltflucht gerettet, als ihre Wirkmächtigkeit und ihr eigentliches Problem weiter im Auge zu behalten.

      Ich mache momentan ein zweites Studium in Philo und Soziologie und habe einen Bachelor in Wiwi. Bin aber der Meinung, dass die soziologische Theorie deutlich ergieber in Bezug auf Welterkenntnis ist, als die Philosophie. Zumindest, wenn man die Institution Philosophie ins Auge nimmt, die sich in purer Aporie der Begriffe verliert und sich fast schon selbst ad absurdum führt.

      Aber natürlich ist es schon interessant zu verstehen, was Philosophie sagt, aber eigtl. lässt sich das am eigenen Leib und auf Basis der eigenen Erfahrung besser verstehen.
      Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Gewissen als der Betrachtende. - Johann Wolfgang von Goethe
      Das System als Ausgangspunkt des menschlichen Daseins ist Subjekt aller Philosophie.
      Das Wort ist Ursprungsgewaltiger als die nominale Begriffsebene. Ein Wort ist immer ein reales Wort.
      Die Geschichte von den zwei Quadraten.
    • ChrisH wrote:

      Was sind eure Empfehlungen?
      Wenn die Finanzierung deines Studiums gesichert ist, dann finde ich deinen Plan durchaus gut. Informatik wird sicher besser für eine spätere berufliche Zukunft sein, aber ein Studium sollte nicht nur die Sicherung einer beruflichen Existenz zum Ziel haben, sondern etwa auch die Persönlichkeit bilden.

      Deine Kombination wird dich höchstwahrscheinlich mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammenbringen, sowohl was die Interessen als auch was den Charakter betrifft. So kannst du dann auch die sog. soft skills trainieren, die sowohl beruflich als auch privat sehr nützlich sein können.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • Ryoba wrote:

      Wenn man ein anderes Fach studiert, das stärker praxisbezogen ist, hat auch die philosophische Reflexion und der Blick über den Tellerrand mehr materialen Gehalt, natürlich gehört da eigentlich auch Praxis-Erfahrung als Voraussetzung dazu.

      Groot wrote:

      wirst du eines Tages ganz automatisch über die Beschränktheit der heutigen Philosophie steigen. Denn diese hat sich eher zurückentwickelt und in die Weltflucht gerettet, als ihre Wirkmächtigkeit und ihr eigentliches Problem weiter im Auge zu behalten.
      Geisteswissenschaften... aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Katastrophe! Spontan meinte ich damals, ich sollte Psychologie studieren, weil das die wesentlichste Wissenschaft ist, also die einzige, die nach innen geht. Das konnte ich aber nach einer Lektüre über diesen Studiengang nicht feststellen. Eigentliche Psychologie hat doch als Grundlage das Bewusstmachen des Unbewussten, das erscheint mir die Mammutaufgabe hier, kommt aber im Studium nicht vor. Ist ja nur Studium, Wissen ins Hirn, um es bei der Prüfung wieder hinzuschreiben (hab in der 1.Klasse prinzipiell nichts anderes gemacht). Ich glaube, wenn jemand einen 10tägigen Vipassana Meditationskurs mitmacht, dann hat er mehr praktische Psychologie gelernt, als ein Student in 6 Jahren an der Uni.
      Der Zustand der westlichen Philosophie wurde bereits angedeutet. Aber dieses "Erkenne dich selbst" (für mich als Laie ein Hauptanliegen der Philo) ist doch etwas höchst Praktisches, Innerliches. Das geht nur teilweise durch Bücherwissen, letztlich ist es ein Erkenntnisprozess, der wo an der Uni praktiziert wird??
      Dann wäre noch die Theologie, aber komm... Was ist denn überhaupt "christliche Spiritualität"?? Wie genau kommt man denn hin zu diesem Gott?? Wüste überall. Und dann muss ich ja zu den Asiaten, wo soll ich denn hier hin??? Just dont get me started... :cursing:
    • ChrisH wrote:

      Das soll aber nicht das Hauptthema sein: Mein großes Ziel nach dem ABI ist es etwas zu studieren, das mich fordert und weiterbringt. Schon seit langem habe ich mich deshalb zu einem Informatik und Philosophie Studium entschieden. Einerseits weil mich beide Themen packen. Andererseits weil es eine geniale Kombination ist.

      Ich wollte mal nachfragen, ob sonst noch jemand hier im Forum Philo studiert hat? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Was sind eure Empfehlungen?

      Philosophie und Informatik ist eine gute Kombination.
      In der Philosophie lernst du klar zu denken und zu argumentieren, d.h. du lernst Methoden, die du in der Informatik gut gebrauchen kannst. Z.B. bei Problemanalyse oder dem Solutiondesign - außerdem hat es auch für Informatiker kein Nachteil rhetorisch gut ausgebildet zu sein ;).

      Fachlich hast du auch Überschneidungen, so war zu meiner Zeit Logik III (Berechenbarkeit & Entscheidbarkeit) fast Identisch mit Informatik IV (theoretische Informatik).

      Schon damals (Anfang der 90'er) was KI ein heißes Thema, das einerseits von den Philosophen und Logikern und andererseits bei den Informatikern diskutiert wurde - eine Menge der Leute pendelten damals zwischen den beiden Fakultäten. Als Ergänzung machte man dann oft noch Computerlinguistik.
      Wie gesagt, deine Kombination ist spannend, ich würde dir dann raten gutes Methodenwissen (insbesondere Logik) zu erwerben und die moderne Philosophie (Wittgenstein, Dennet, etc..) zu vertiefen. Du wirst viele verwandte Fragestellungen finden.
      Viel Spaß :)