Kunst und Philosophie - wie ist ihr Verhältnis?

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    • Das dürfte der Aufsatz sein. Ob die goldene Mitte in der Mitte liegt, müsste man noch untersuchen :) Tendenziell sehe ich Welsch dichter an den Imkompatibilisten als an den Idealisten. Der Aufsatz ist mir erst später in die Finger (in Erinnerung) gekommen - ansonsten wäre ein Lesethread vielleicht eine Option gewesen ...

      Und zur Sicherheit: Ich mag Welsch zwar, aber seinen evolutionären Erklärungen schmecken mir nicht so, auch wenn sie in diesem Aufsatz keine Rolle spielen.
    • Friederike schrieb:

      - Eine wechselhafte Beziehung", der eigentlich dem ensprechen müßte, aus dem Du jetzt öfter referiert hast, Jörn. Könntest Du einen Blick reinwerfen und bestätigen oder verneinen. Wir könnten uns dann alle zusammen auf diesen Text beziehen.
      ich bin zwar nicht Jörn, habe den Aufsatz von Welsch gerade gelesen und kann seinen Ausführungen sehr gut folgen. Wie von Jörn angedacht, einen Lesethread darüber zu eröffnen, halte ich für eine nicht so gute Idee.
      Erstens, die Argumente kann man wohl nur mit "tatsächlichem" Vorwissen verstehen, sonst verfällt die Rezeption des Textes mal wieder in Allgemeinplätze und Selbstdarstellung der Diskussionteilnehmer.
      Wie von W. beobachtet (S.12) legen sich Kunstritiker zuweilen ganz offensichtlich ins Zeug, um mit ihrer Interpretation den Künstler und das beschriebene Kunstwerk zu übertreffen, Eitelkeiten aller Orten - und wenn man hier die Beiträge, eher Dialoge, verfolgt wird diese Vermutung bestätigt. Wer hält hier noch durch? ;) - genau: referiert nicht zur Diskussion gestellt
      Der geneigte Leser winkt ab, stellvertretend für das "ungebildete Volk".

      Was mir in dem Aufsatz von W. auffällt, er schlägt zum Ende wieder versöhnlichere Themen an, so kann sich jederman damit anfreunden: alle haben sich lieb.
    • Auch wenn ich die Diskussion nicht mehr in Gänze verfolgen kann versuche ich nochmal einzuhaken und anzuknüpfen.

      _its_not_me_ schrieb:

      Selbst wenn das so wäre, würde das nicht bedeuten, dass die Philosophie - falls sie tatsächlich auf "ästhetische Wahrnehmung" (als Komplement oder so) angewiesen wäre - auf die Kunst angewiesen wäre.
      Wenn ich von ästhetischer Wahrnehmung oder ästhetischer Erfahrung spreche, dann steht für mich hier das Konzept von Dewey Pate, das auch Nelson Goodman beinflusst haben mag. Ästhetische Wahrnehmung ist nicht bloß auf das Schöne gerichtet, sondern auch auf das Häßliche. Es spielt wohl eine emotionale Involviertheit eine Rolle. Und ganz zentral ist die Ausrichtung auf das Ganze der Gestalt, im Gegensatz zu einer Isolierung bestimmter Reize, die eine zweckmäßige Reaktion auslösen.

      Die Kunst ist nun ein Bereich, in dem dieser Modus der Wahrnehmung in gesteigerter Form statt findet, wenn er auch in keinster Weise auf die Kunst beschränkt ist, jedenfalls im Konzept von Dewey.

      _its_not_me_ schrieb:

      Weiter oben hat @Svenja Luedemann Nelson Goodman erwähnt, der auch Gewährsmann einer solchen Sicht ist. Grob gesagt ist (in dieser und ähnlichen Sichten, die ich nicht teile) unser "Weltzugang" immer ästhetisch, immer ein "Worldmaking", egal ob er philosophisch, künstlerisch oder naturwissenschaftlich ist, Welten schaffen wir nach Goodman durch unsere Beschreibungsweisen. Zwar ist die Wirklichkeit der Kunst eine besondere, doch grundsätzlich unterscheidet sie sich nicht von den anderen Weisen der Welterzeugung.
      Was heißt denn in diesen Kontext "worldmaking"? Es ist jedenfalls ein Begriff, den ich erstmal nicht mit ästhetischer Erfahrung in Verbindung bringen würde.
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    • @Ryoba: Du bist der Ansicht, analytische oder begriffliche Erkenntnis sei auf die ganzheitliche ästhetische Wahrnehmung und gestalttsichere Interpretation angewiesen. Zugleich machst du geltend, dass diese Wahrnehmung in keinster Weise auf die Kunst beschränkt ist. Sie gehört, so will mir scheinen, zu unserer Grundausrüstung. Folgt daraus nicht, dass die Philospophie an diese "Zutat" auch ohne die Kunst heran kommt, weil sie bereits zum normalen Lieferumfang zählt, so dass die Philosophie der Kunst also gar nicht bedarf?

      Und unabhängig davon - wäre das nicht eine recht einseitige Beziehung? P braucht etwas, was bei K in gesteigerter Form statt findet. Aber K käme gut ohne P zurecht?
    • N.N. schrieb:

      Malerei ist in der Philosophie ein randständiges Thema. Wenn überhaupt, spielt
      sie entweder im Rahmen der Ästhetik eine Rolle und zwar als eine Form der
      Bildenden Kunst in einer Reihe anderer Künste oder als eine Bildart unter ande-
      ren in bildtheoretischen Debatten. Taucht sie auf, ist sie meistens nicht mehr als
      ein Beispiel, an dem sich die Theoreme illustrieren lassen. Dann geht es darum,
      ihre spezifische Ausdrucksweise oder Sprache von der anderer Künste oder ande-
      rer Bildarten abzugrenzen. So bei Hegel, der in der Kunst der Malerei eine
      Kunstform sieht, die als Durchgangsstadium auf dem Weg zur höchsten Kunst-
      form der Literatur fungiert, oder bei Goodman, der die spezifische Zeichenspra-
      che von Bildern von anderen Sprachen zu differenzieren sucht. In der Ästhetik
      Immanuel Kants wird sie sogar ganz stiefmütterlich behandelt, findet sie doch in
      der ganzen Kritik der Urteilskraft keine relevante Erwähnung
      Gerade im Netz gefunden. Leider hat der Autor seinen Namen im Dokument nicht verewigt :( Wenn man bedenkt, dass die Malerei in der bildenden Kunst zur Zeit Kants nicht wie heute "nur" ein Medium von vielen war, ist der Umstand, dass sie in der ganzen Kritik der Urteilskraft keine relevante Erwähnung findet, ziemlich bemerkenswert, finde ich :)
    • Philodendron schrieb:

      KdU, Kapitel 61: »§ 51. Von der Einteilung der schönen Künste: … Zu der Malerei im weiten Sinne würde ich noch die Verzierung der Zimmer durch Tapeten, Aufsätze und alles schöne Ameublement, welches bloß zur Ansicht dient, zählen; imgleichen die Kunst der Kleidung nach Geschmack (Ringe, Dosen, usw.). … Wie aber bildende Kunst zur Gebärdung in einer Sprache (der Analogie nach) gezählt werden könne, wird dadurch gerechtfertigt, daß der Geist des Künstlers durch diese Gestalten von dem, was und wie er gedacht hat, einen körperlichen Ausdruck gibt, und die Sache selbst gleichsam mimisch sprechen macht: ein sehr gewöhnliches Spiel unserer Phantasie, welche leblosen Dingen, ihrer Form gemäß, einen Geist unterlegt, der aus ihnen spricht.«

      _its_not_me_ schrieb:

      Wenn man bedenkt, dass die Malerei in der bildenden Kunst zur Zeit Kants nicht wie heute "nur" ein Medium von vielen war, ist der Umstand, dass sie in der ganzen Kritik der Urteilskraft keine relevante Erwähnung findet, ziemlich bemerkenswert, finde ich
      Wer bestimmt, was eine relevante Erwähnung ist?
    • _its_not_me_ schrieb:

      @Ryoba: Du bist der Ansicht, analytische oder begriffliche Erkenntnis sei auf die ganzheitliche ästhetische Wahrnehmung und gestalttsichere Interpretation angewiesen. Zugleich machst du geltend, dass diese Wahrnehmung in keinster Weise auf die Kunst beschränkt ist. Sie gehört, so will mir scheinen, zu unserer Grundausrüstung. Folgt daraus nicht, dass die Philospophie an diese "Zutat" auch ohne die Kunst heran kommt, weil sie bereits zum normalen Lieferumfang zählt, so dass die Philosophie der Kunst also gar nicht bedarf?
      Das ist eine korrekte Zusammenfassung meiner Argumentation. Wobei: Philosophie bedarf der ästhetischen Erfahrung. Ästhethische Erfahrung kommt in der Kunst in gesteigerter Form oder in Reinform vor. Daher besteht ein Verhältnis zwischen Philosophie und Kunst. Auch wenn die Philosophie nicht notwendigerweise auf die Kunst als Institution angewiesen ist.

      _its_not_me_ schrieb:

      Und unabhängig davon - wäre das nicht eine recht einseitige Beziehung? P braucht etwas, was bei K in gesteigerter Form statt findet. Aber K käme gut ohne P zurecht?
      Wie die Philosophie zur Kunst steht ist meiners Erachtens ein Sonderfall der Frage, wie Theorie zur Praxis steht. Die Philosopie beginnt als Reflektion der Praxis, die Eule der Minerva beginnt ihren Flug in der Dunkelheit. Reflektion ist sicher auch ein integraler Bestandteil von Handeln (Planung - Durchführung - Reflektion - und von wieder von vorne), so auch von künstlerischem Handeln. Jedoch kommt künstlerisches Handeln sicher auch ohne die philosophische Reflektion aus. Man kann Kunstwerke auch mit philosophischer Bedeutung überfrachten.
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    • MIt Adorno ließe sicher argumentieren, dass die Philosophie mit ihrer begrifflichen Arbeit an der Erschließung des einzelnen individuellen Dings notwendigerweise scheitert, da begriffliches Erfassen immer schon Identifizierung des Besonderen mit dem Allgemeinen bedeutet. Diese Form der Identifikation bezeichnet Adorno gar als Gewalt, die dem Objekt angetan wird. Hier kommt dann die Mimesis ins Spiel, die auch für die Kunst ein zentraler Begriff ist. Mit der Mimesis gelingt es sich dem Gegenstand anzuschmiegen und ihn nachzuahmen. Diese mimetische Moment macht Adorno stark auch für die begriffliche philosophische Erkenntnis.
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    • Ein weiterer prominenter Fall für die Exemplifizierung philosophischer Theorien an Kunstwerken ist Foucaults "Ordnung der Dinge". Dort beginnt er ja mit der Interpretation des Bildes "Die Hoffräulein" von Delacroix. Wobei seine Interpretation des Bilds nachweislich falsch ist, wie eine Untersuchung der räumlichen Gegebenheiten am Ort des Geschehens ergeben haben.
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    • Ryoba schrieb:

      Die Philosopie beginnt als Reflektion der Praxis, die Eule der Minerva beginnt ihren Flug in der Dunkelheit.
      Eine schöne Metapher - zu deinem Avatar ot - sollte es nicht ungefiederter Zweibeiner heißen? ;)

      Ryoba schrieb:

      Reflektion ist sicher auch ein integraler Bestandteil von Handeln (Planung - Durchführung - Reflektion - und von wieder von vorne), so auch von künstlerischem Handeln. Jedoch kommt künstlerisches Handeln sicher auch ohne die philosophische Reflektion aus. Man kann Kunstwerke auch mit philosophischer Bedeutung überfrachten.
      Das mag der Grund sein, warum viele Künstler meinen ihre Kunstwerke dem Betrachter nicht erklären zu müssen. Das war auch kürzlich die Aussage von Arik Brauer zu seinen Bildern - der Betrachter sollte seine Kreativität zum Bild wecken - oder so ähnlich. Balkenhol war auch der Meinung, dass in jedem seiner Kunstwerke ein Geheimnis verborgen sei, es aber am Betrachter liegt das Geheimnis zu entdecken und nicht an ihm es preis zu geben.
    • idea schrieb:

      So kann man Kunst auch in der Erstellung einer lupenreinen Logik sehen, oder in einer ästhetischen Darstellung usw.,

      idea schrieb:

      jedem seiner Kunstwerke ein Geheimnis verborgen sei, es aber am Betrachter liegt das Geheimnis zu entdecken
      KdU, Kapitel 9: Der Kritik der Urteilskraft [1.] Erster Teil: Kritik der ästhetischen Urteilskraft. [1.1.] Erster Abschnitt: Analytik der ästhetischen Urteilskraft. [1.1.1.] Erstes Buch: Analytik des Schönen. [1.1.1.1.] Erstes Moment des Geschmacksurteils [Fußnote], der Qualität nach. § 1.

      »Umgekehrt aber, wenn die gegebenen Vorstellungen gar rational wären, würden aber in einem Urteil lediglich auf das Subjekt (sein Gefühl) bezogen, so sind sie sofern jederzeit ästhetisch.«
    • Bei Welsch war es eine Ehe, die scheitern müsste, um einer Beziehung auf Distanz Platz zu machen, hier ist es eine Freundschaft, die auf einer strukturellen Ähnlichkeit und einer Nähe zur Wahrheit beruht: textezurkunst.de/articles/kuns…losophie-dirk-setton-nbk/ (Text im postmodernen Duktus, der sich aber nicht zur Gänze dem Kauderwelsch hingibt.)

      Freundschaft ist kein schlechter Ausdruck. Das mit dem "Wahren" ist so eine Sache... da es auf mich so wirkt, als würde die Kunst eher auf das Wahrheitsverständnis der Philosophen zurück geschnitten... das "gelungene Werk", das einfach geil ist, atemberaubend, wunderbar, verstörend oder was auch immer, muss keinen Zug zur Wahrheit haben, es steht einfach an der Stelle der alten Trias des "Wahren, Schönen und Guten" beim Schönen, erweitert das aber menschen- und sinnenmögliche. (Das ist kein Muss, aber ein Kann.)

      Die Arbeiten, die der Autor beschreibt, starten anscheinend immer beim (sprachlich gefassten) Gedanken und sind letztendlich immer auf den Geist des Kurators zugeschnitten, statt sich auf ein Abenteuer mit ungewissen Ausgang einzulassen. Letztlich könnte es dabei eher um eine ungleiche Freundschaft, nicht zwischen Kunst und Philosophie, sondern zwischen Künstler und Kurator gehen, bei der beide darauf setzen, dass sie dieselben philosophischen Bücher im Regal stehen haben. Siehe dazu auch den Aufsatz von Welsch, wo er beschreibt, wie intensiv die Künstler seiner Zeit sich mit der Postmoderne auseinandergesetzt haben.

      .......................

      Liessman über das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst: sciencev2.orf.at/stories/1727489/index.html (bei Liessmann habe ich mir übrigens die Rede vom "gelungenen Werk" und den Ausschnitt aus Hölderlins Gedicht "Mehr bedarfs nicht" geliehen.)

      ........................

      Gute Ergebnisse bietet übrigens die Google Suche nach "das Verhältnis von Kunst und Philosophie"
    • Philodendron schrieb:

      idea schrieb:

      So kann man Kunst auch in der Erstellung einer lupenreinen Logik sehen, oder in einer ästhetischen Darstellung usw.,

      idea schrieb:

      jedem seiner Kunstwerke ein Geheimnis verborgen sei, es aber am Betrachter liegt das Geheimnis zu entdecken
      KdU, Kapitel 9: Der Kritik der Urteilskraft [1.] Erster Teil: Kritik der ästhetischen Urteilskraft. [1.1.] Erster Abschnitt: Analytik der ästhetischen Urteilskraft. [1.1.1.] Erstes Buch: Analytik des Schönen. [1.1.1.1.] Erstes Moment des Geschmacksurteils [Fußnote], der Qualität nach. § 1.
      »Umgekehrt aber, wenn die gegebenen Vorstellungen gar rational wären, würden aber in einem Urteil lediglich auf das Subjekt (sein Gefühl) bezogen, so sind sie sofern jederzeit ästhetisch.«
      Danke für den link- ich denke mal Kants Unterteilung beruht auf seiner von ihm entwickelten Methode - apriori, aposterior, synthetisch usw. Er hat sich ein System zurechtgezimmert, das er konsequenz durchdenkt und dem er alles anpasst, was zum damaligen Zeitpunkt wissensmöglich war. Von den Verknüpfungen der Synapsen und den Gehirnvorgängen wusste man damals noch nicht soviel wie heute, daher wäre es durchaus möglich zu anderen Erkenntnissen zu gelangen. Seine Darstellung ist durchaus schlüssig um im ersten Moment würde ich dem uneingeschränkt zustimmen, doch die Wechselwirkungen zwischen rational und emotional sind bei ihm noch nicht so ausgeprägt festgehalten - aber das ist eine andere Geschichte - man kann mir gerne widersprechen.

      Ich habe das Gefühl 'Kunst' wird hier auf Bilder eingeschränkt - ist wahrscheinlich vom Threadstarter so gewollt, trifft aber nicht den Kern der Sache. Ich kenne mich mit Kunstgeschichte nicht so aus, das haben viele studiert, besonders ältere Studierende,die wenigesten studierten Philosophie, aber kann mir vorstellen, dass Philosophie einen anderen Zugang zur Kunst hat, bzw. Kunst als anderen Gegenstandsbereich betrachtet mit all seinen Fassetten.
    • idea schrieb:

      Ich habe das Gefühl 'Kunst' wird hier auf Bilder eingeschränkt - ist wahrscheinlich vom Threadstarter so gewollt, trifft aber nicht den Kern der Sache.
      Was bisher erwähnt und thematisiert wurde ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
      • Dostojewskis Roman Schuld und Sühne,
      • Lars von Triers Film Melancholia,
      • Mondrian,
      • Poesie
      • Conzept Art,
      • Marcel Broodthaers,
      • die d10, die sicher keinen Schwerpunkt auf Malerei hatte, ebenso wie ...
      • CCB und die d13,
      • Lüpertz, Kirkeby und Paladino als Ankäufe der documenten
      • Hölderlin,
      • der Nebelkubus der Gruppe Zero,
      • "socle du monde" von Manzoni,
      • Magritte,
      • die Venus von Milo,
      • Malerei als fehlendes Thema der Philosophie,
      • Adornos Musik,
      • Die Hoffräulein“ von Velázquez,
      • die Skulpturen von Balkenhol,
      • Arik Brauer,
      • die Installation auf die Beitrag 94 Bezug nimmt
      • ...
    • Ich glaube, ahne, vermute, 8) wir müßten dringend beim Thema von Theorie und Praxis, das Ryoba und Jörn schon angeschnitten hatten, nochmal ansetzen, nur "nescio quomodo"...

      Ryoba schrieb:

      Wie die Philosophie zur Kunst steht ist meiners Erachtens ein Sonderfall der Frage, wie Theorie zur Praxis steht.
      Mir ist aufgefallen, als ich mich über die Lehrfächer ein bißchen schlau gemacht habe, daß es das Fach "Kunstwissenschaften" gibt, also sowohl eine eigenständige Theorie der Kunst als auch das Erlernen des Handwerks. Außerdem scheint es an den Hochschulen so zu sein, daß die Disziplin "Kunstwissenschaft" sich hauptsächlich mit den bildenden Künsten befaßt. Dann dürfte die Theorie über die Poesie Gegenstand der Literaturwissenschaften sein und die Theorie über Komposition Gegenstand der Musikwissenschaft. Das würde bedeuten, die unterschiedlichen Künste sind aufgeteilt in einzelne Lehrfächer, in denen sowohl Theorie als auch Praxis betrieben wird. Die Schlagseite bzw. die Asymmetrie von Theorie und Praxis würde nur die Philosophie betreffen, es sei denn, man würde nach dem Verhältnis zwischen Philosophie und der Kunst-, Lit.-, Musik-Wissenschaft fragen.
    • Friederike schrieb:

      Die Schlagseite bzw. die Asymmetrie von Theorie und Praxis würde nur die Philosophie betreffen....
      Danke für Deine Ausführungen @Friederike! Ich möchte an der Stelle angesichts der Begriffe 'Asymmetrie' und 'Schlagseite' ergänzend kurz ins Feld führen, dass es in der Philosophie durch die Bewegung der 'Philosophischen Praxis' das Bestreben gibt, das wissenschaftliche Betreiben des Geschäftes der Philosophie um ein praktisches Philosophieren zu ergänzen. In Wien ist jüngst unter der Federführung von Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann und Dr. Donata Romici der erste deutschsprachige Studiengang 'Philosophische Praxis' aufgebaut worden. postgraduatecenter.at/weiterbi…es/philosophische-praxis/ Die Idee, der begrifflich auf Dr. Gerd Achenbach zurückgehenden und inzwischen weltweit verbreiteten Strömung ist es - phänomenologisch und in meinen Worten gesprochen - 'Zum Philosophieren selbst' zurückzukommen und die wissenschaftliche Philosophie um eine Praxis des Philosophierens (in der Praxis) zu ergänzen. Es ist durchaus vorstellbar, dass philosophische Praxis als künstlerische Praxis vorkommt und künstlerische Praxis als philosophische Praxis. Hier sei der US-amerikanische Konzeptkünster Ian Wilson erwähnt. " „I present oral communication as an object, […] all art is information and communication. I've chosen to speak rather than sculpt. I've freed art from a specific place. It's now possible for everyone. I'm diametrically opposed to the precious object. My art is not visual, but visualized.“ Wilson

      Nachtrag: Der Gegenstand Kunst wird von Kunstwissenschaften, Musikwissenschaften, Filmwissenschaften, Literaturwissenschaften aus einem anderen Blickwinkel betrachtet als aus der Perspektive der Philosophie, obwohl es natürlich Überschneidungen gibt. Die These dass das Verhältnis von Philosophie zur Kunst ein Verhältnis von Theorie zur Praxis ist, hat auf manche Strömungen bezogen jedoch durchaus Charme. Die Phänomenologie betreffend habe ich z. B. oft gedacht, dass wenn sie methodisch noch einen Schritt weitergeht, sie vermutlich zwangsläufig in der Kunst münden muss... Wobei man m. E. ernsthaft diskutieren müsste warum Philosophie beim Überschreiten dieser Grenze aufhören würde Philosophie zu sein. Die Kunst (z. B. Ian Wilson) kann diese Grenze überschreiten, ohne dass das Werk im Auge der ausstellenden Musen und Galeristen aufhört Kunst zu sein. An der Stelle könnte man vielleicht das obige Adorno Zitat kritisch hinterfragen. Ich mag das Zitat, aber die Tatsache, dass ich es mag und dass es meine Welt und meine Theorie-Lektüre in weiten Teilen abbildet, ist kein Argument es nicht doch kritisch zu hinterfragen... das Terrain auf das man sich dann begibt ist allerdings gefährlich, weil man am Kleid der Philosophie zerrt...

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Svenja Luedemann ()

    • _its_not_me_ schrieb:

      Ich folge hier übrigens Welsch ... K und P ... in "Distanz und bloß gelegentlichen Begegnungen". Er hält sowohl die Versuche mancher deutscher Idealisten "die Ästhetik als Nothelfer in Sachen Einheit" zu missbrauchen für verfehlt.

      _its_not_me_ schrieb:

      um einer Beziehung auf Distanz Platz zu machen

      idea schrieb:

      Seine [Kants] Darstellung ist durchaus schlüssig ... doch die Wechselwirkungen zwischen rational und emotional sind bei ihm noch nicht so ausgeprägt festgehalten
      KdU, Kapitel 39: »Allgemeine Anmerkung zur Exposition der ästhetischen reflektierenden Urteile: … Aber die Bestimmbarkeit des Subjekts durch diese Idee … d. i. das moralische Gefühl, ist doch mit der ästhetischen Urteilskraft und deren formalen Bedingungen sofern verwandt, daß das [moralische Gefühl] dazu dienen kann, die Gesetzmäßigkeit der Handlung aus Pflicht zugleich als ästhetisch, d. i. als erhaben, oder auch als schön vorstellig zu machen, ohne an seiner [des moralischen Gefühls] Reinigkeit einzubüßen: welches nicht stattfindet, wenn man das [moralische Gefühl] mit dem Gefühl des Angenehmen in natürliche Verbindung setzen wollte.«

      Die Philosophie ist die Bestimmbarkeit des Subjekts durch die Idee der Gesetzmäßigkeit der Handlung aus Pflicht. Aus Freiheit sucht das Subjekt mittels seiner Vernunft über (übersinnliche) Ideen nach moralischen Gesetzen um sein oberes Begehrungsvermögen und dadurch die Gesetzmäßigkeit seiner Handlungen zu bestimmen.

      Hier befinden sich K und P in "Distanz".

      Der Versuche manch deutscher Idealisten "die Ästhetik als Nothelfer in Sachen Einheit" zu missbrauchen hiesse wohl die Ästhetik als Nothelfer in Sachen Leib-Seele-Geist-Einheit zu bemühen.

      Bei Kant befinden sich K und P … in "bloß gelegentlichen Begegnungen".

      Und zwar so: Das moralische Gefühl ist doch mit der ästhetischen Urteilskraft und deren formalen Bedingungen sofern verwandt, daß das moralische Gefühl dazu dienen kann, die Gesetzmäßigkeit der Handlung aus Pflicht zugleich als ästhetisch, d. i. als erhaben, oder auch als schön vorstellig zu machen, ohne an des moralischen Gefühls Reinigkeit einzubüßen.

      idea schrieb: doch die Wechselwirkungen zwischen rational und emotional sind bei ihm [Kant] noch nicht so ausgeprägt festgehalten.

      So auch hier: Die Reinigkeit des moralischen Gefühls findet nicht statt, wenn man das moralische Gefühl mit dem Gefühl des Angenehmen in natürliche Verbindung setzen wollte.
    • Friederike schrieb:

      Die Schlagseite bzw. die Asymmetrie von Theorie und Praxis würde nur die Philosophie betreffen, es sei denn, man würde nach dem Verhältnis zwischen Philosophie und der Kunst-, Lit.-, Musik-Wissenschaft fragen.
      Ja, das ist wohl so, fast jede Kunstform, die man studieren kann, hat auch ihre dazugehörige Wissenschaft. Die Philosophie kann als Weltanschauuung eine Inspiration zu Kunstwerken als auch zu Kunsttheorien, als Erkenntnistheorie einen Beitrag zur Rezeptionstheorie von Kunst und als Theorie der menschlichen Geschichte und Entwicklung eine Würdigung der Bedeutung der Kunst in diesem Prozess leisten.
      ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
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