Kunst und Philosophie - wie ist ihr Verhältnis?

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    • Ryoba wrote:

      In der Angewiesenheit der analytischen oder begrifflichen Erkenntnis auf die ganzheitliche ästhetische Wahrnehmung und gestalttsichere Interpretation.
      Das überzeugt mich nicht. Dass wir ohne "sinnliche Wahrnehmungen" keine Erkenntnisse hätten, mag wahr sein, aber die haben wir ohnehin und nicht erst, weil wir Künste haben.
    • _its_not_me_ wrote:

      Ryoba wrote:

      In der Angewiesenheit der analytischen oder begrifflichen Erkenntnis auf die ganzheitliche ästhetische Wahrnehmung und gestalttsichere Interpretation.
      Das überzeugt mich nicht. Dass wir ohne "sinnliche Wahrnehmungen" keine Erkenntnisse hätten, mag wahr sein, aber die haben wir ohnehin und nicht erst, weil wir Künste haben.
      Ästhetische Wahrnehmung und sinnliche Wahrnehmung ist ein kleiner Unterschied, auch wenn aisthesis wahrnehmen bedeutet.
      ERKLÄRUNG AN DAS FORUM
      "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
    • Ryoba wrote:

      Ästhetische Wahrnehmung und sinnliche Wahrnehmung ist ein kleiner Unterschied
      worin besteht der und gibt es ästhetische Wahrnehmung, weil es Kunst gibt oder ohnehin?

      Inwiefern oder in welcher Hinsicht ist zum Beispiel die Philosophie der Logik auf "ästhetische Wahrnehmung" angewiesen?
    • _its_not_me_ wrote:

      würde das nicht bedeuten, dass die Philosophie - falls sie tatsächlich auf "ästhetische Wahrnehmung" (als Komplement oder so) angewiesen wäre - auf die Kunst angewiesen wäre.
      Vielleicht ist ja ein ästhetischer Ausdruck gehaltvoller Ideen wie sie der Philosophie eigen sind, ob das nun durch Musik, Theater, Dicht- oder bildende Künste geschieht, Kunst. Insofern braucht die Philosophie die Kunst um andere Menschen zu erreichen. Will Kunst aber nicht als Dienerin zur Verfügung stehen, sondern auf ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit pochen, so muss sie erklären, was sie als solche ist, z.B. Unterhaltung statt Erbauung?
    • Svenja Luedemann wrote:

      Wittgensteins Diktum „Denk nicht, sondern schau."
      Vielleicht ist das keine schlechte Medizin gegen Übergeneralisierungen. Wenn man schaut, sieht man vielleicht mehr :)

      Ein paar Beispiele, die ich aus eigener Anschauung kenne:
      • Bei der letzten documenta hat die Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev bestimmte Themen im Visier: Inbesondere das Ende des Anthropozentrismus war ein Thema, bei dem nach ihrer Ansicht viele Künstler und Philosophen an einem Strang gezogen und sich wechselseitig inspiriert/begeistert haben, vielleicht gab es da auch Kooperationen; ich bin nicht bis ins Detail darüber im Bilde. Mag sein, dass es in diesem speziellen Fall hier und da lose oder auch festere/tiefere Beziehungen von Kunst und Philosophie gab.
      • Vor ein paar Jahren gab es hier in Kassel eine große Retrospektive von Marcel Broodthaers. Ein Werk, dass sich ohne die zahlreichen philosophischen (literarischen, kunsthistorischen, etc.) Anknüpfungen gar nicht denken lässt. Kein Wunder, dass dieser Künstler (den ich sehr schätzen gelernt habe) gerade bei der d10 unter Catherine David einen großen Auftritt hatte. Hier meine ich, dass es durchaus angemessen wäre, von einer Beziehung der beiden Sphären in diesem Werk zu sprechen.
      • Aber betrachte ich einige der Ankäufe der documenta hier in Kassel in der neuen Galerie, dann ist es absurd, allen irgendwelche Philosopheme oder was auch immer unterzuschieben. In einem Raum hängen beipielsweise einträchtig ein Lüpertz, ein Kirkeby und ein Paladino nebeneinander - und keins dieser Werke braucht philosophischen Beistand :) in welcher Hinsicht auch immer.
      Meines Erachtens gibt es gelegentlich Berührungspunkte zwischen Philosophie und Kunst, welcher Art auch immer. Aber einer inneren Notwendigkeit folgen diese Liebeleien nicht. Wie diese Berührungspunkt, Verquickungen oder Verbrüderungen im Einzelfall aussehen, unterliegt keiner allgemeinen Regel. Dazu heißt es stets: „Denk nicht, sondern schau." Was nicht meint, dass man in diesen Fällen das Denken einstellen sollte, sondern, dass man diese speziellen Fällen schauen und denken soll ohne in Übergeneralisierungen zu verfallen.
    • Nun bezog sich meine Rede vom Einzelfall (à la Wittgenstein) ja doch auf etwas anderes und nicht allgemein auf das identifizierende Denken, sondern wie oben dargelegt auf das Verhältnis von Kunst und Philosophie, welches nicht einfach einer allgemeinen Regel folgt, wie ich glaube.
    • _its_not_me_ wrote:

      Nun bezog sich meine Rede vom Einzelfall (à la Wittgenstein) ja doch auf etwas anderes und nicht allgemein auf das identifizierende Denken, sondern wie oben dargelegt auf das Verhältnis von Kunst und Philosophie, welches nicht einfach einer allgemeinen Regel folgt, wie ich glaube.
      Darauf geht Kant in der KdU ausführlich ein, indem er zeigt, dass Geschmack von der Anschauung ohne Begriffe und Philosophie von Vernunftbegriffen ausgeht.