Logogramme und Bedeutungspsektren

    • Logogramme und Bedeutungspsektren

      Wie der Titel bereits erahnen lässt, es geht hier um Sprache. Und zwar nicht nach bekannten sprachphilosophischen Gesichtspunkten, sondern mal nach linguistischen. Wie funktioniert Sprache überhaupt jenseits von Wittgenstein & co?


      Wann wird Sprache und wodurch verstehbar? Zum Einstieg empfehle ich allerdings mal nicht Literatur, sondern den Film "Arrival (2016)". Etwas linguistische Grundkenntnis wäre natürlich auch nicht schlecht.



      Ich beginne mal mit einer simplen Frage. Was ist nötig, um den Sinn eines Satzes zu verstehen?
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.
    • Sieht man sich einen Film zum ersten mal an, achtet man sicherlich verstärkt auf die bildlichen Zusammenhänge und Eindrücke, die einem im Verlaufe vermittelt werden. Um aber den Sinn des Filmes zu verstehen - das eigentliche Sujet - sehen wir uns oftmals einen Film mehrfach an (entweder, weil er einfach so schön war oder, was hier eigentlich von Interesse sein soll, weil erst nach dem Film klar wird, dass mehr als bunte Bilder dahinter steckt). Ganz ähnlich, wie wir auch bspw. Beiträge hier im Forum oftmals mehrfach lesen müssen (oder wollen) um den Sinn des Beitrages zu erfassen. Wir bilden praktisch durch die Wiederholung einen hermeneutischen Zirkel, der beim Wiedereinstieg in den Film/den Beitrag im Forum anfängliches und scheinbar unvollständiges Verstehen zu einem weiteren Verstehen werden lässt.

      Und genauso ist es bereits bei einzelnen Sätzen (Aussagen). Der Satz

      "Jeder ist seines Glückes Schmied."

      bedarf keines nochmaligen Lesens, weil dieser o.g. hermeneutische Zirkel bereits durch uns selbst im laufe unseres Lebens absolviert wurde. Aussage und Bedeutung ergeben hier instant einen Sinn, der uns bereits zu Verfügung steht - auf den wir gewissermaßen beim Lesen/Hören bereits zurückgreifen. Man muss also den Satz nicht jedesmal wenn er auftaucht mehrfach lesen um ihn zu verstehen.

      Bei unbekannten Sätzen - also solche, die wir zum ersten mal hören - ist es anders. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Deswegen ist der Threadtitel als Zusammenhang von Logogrammen und Bedeutungsspektren zu lesen. Folgender Satz (an dem ich eine Weile basteln musste, damit der Unterschied offensichtlich wird) hat verschiedene Hürden des Verstehens, auf die ich auch gleich noch etwas eingehen werde.

      "Nicht nur, dass nicht nur die Automobilindustrie sondern gerade auch die Textilindustrie nicht zum Stillstand kommen, auch deren Exportmöglichkeiten sind nicht zu beziffern, so dass nicht gesagt werden kann, keine Industrie hat niemals keine Möglichkeit sich zu entfalten, sondern eher nicht gesagt werden kann, dass keine Industrie generell diese Unmöglichkeit nicht impliziert."

      Leicht erkennbar ist wohl die Hürde der mehrfachen Negation, die ich auch ganz bewußt so gewählt habe. Denn in dem Satz, der als Ganzes verstanden werden will/soll, wird die Komplexität einer Aussage oftmals erst dadurch bewußt/verdeutlicht, dass auch ein mehrmaliges Lesen des Satzes nicht dazu führt, ihn eindeutig verstehen zu können. Es ist auch nicht so, dass wir einfach die einzelnen Negationen zusammenaddieren und so entscheiden, ob hier eine logisch einfache oder doppelte Negation vorliegt. Die Verteilung der einzelnen Worte und Begriffe in der Aussage ist komplex und lässt mit dem Erkennen einer Bedeutung einer Einzelaussage wie etwa

      "hat niemals keine Möglichkeit sich zu entfalten"

      Rückschlüsse und Vermutungen auf andere Einzelaussagen innerhalb der Gesamtaussage zu. Man kann also den obigen Satz, sooft lesen wie man will, es gibt keine offensichtliche und eindeutige Bedeutung dieses Satzes. Beide tze aber sind gewissermaßen bereits Logogramme, die einen komplexen Sinn, eine Bedeutung implizieren - zu implizieren scheinen.

      Die zweite Hürde wird eigentlich erst durch das Nachvollziehenwollen der Negation deutlich. Es ist ein erheblicher Mehraufwand, von jedem Begriff, jeder Einzelaussage, die Negation zu bilden und notwendigerweise, wenn man den gesamten Satz verstehen will, auch das Bedeutungsspektrum jener Negation zu erahnen versucht. Die Bedeutung eines Satzes (als Logogramm) ergibt sich aus den Einzelbedeutungen und ist zu gleich selbst interpretierbar und damit mehr als die Summe der Einzelbedeutungen.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.
    • iselilja schrieb:

      "Jeder ist seines Glückes Schmied."
      Kontexte.

      Dieser Satz muss beispielsweise nicht von jenen - um diesen zu verstehen - mehrmals gelesen werden die davon ausgehen das der Schmied seines Glückes jeder ist, der verstanden Verstand sowie Vernunft beispielsweise nicht wie bei Hume zu gebrauchen. Demnach ist der Schmied seines Unglücks jeder der Verstand sowie Vernunft nicht versteht, wie beispielsweise Kant das verstanden wissen wollte, dass jeder könnte, sollte ... Der besagte Satz des Glückes Schmied wiederum wird nicht jeder so verstehen, dem dieser Kontext, Sprache, Bedeutung ... (Aus- Festlegungen ... Hume, Kant ...) ...
    • iselilja schrieb:

      Was ist nötig, um den Sinn eines Satzes zu verstehen?
      Kenntnis der verwendeten Begriffe, Kenntnis der Bedeutungsspektren der Begriffe, Kenntnis der grammatischen Bezüge, Kenntnis des Kontextes, innerhalb dessen der Sinn eines Satzes festgelegt wird. Dazu gehört dann auch die Sozialisation, innerhalb derer der Spracherwerb erfolgte sowie die nachfolgende Aneignung der Möglichkeiten, die die Sprache bietet, um sinnhafte Sachverhalte auszudrücken - also das, was man üblicherweise als Bildungsweg bezeichnet.


      iselilja schrieb:

      Die Bedeutung eines Satzes (als Logogramm) ergibt sich aus den Einzelbedeutungen und ist zu gleich selbst interpretierbar und damit mehr als die Summe der Einzelbedeutungen.
      Ja sicher. Ein Satz als Ganzes bedeutet mehr als die Summe seiner Wörter in ihrer Aneinanderreihung. Dein Beispiel mit "Jeder ist seines Glückes Schmied." illustriert das ja sehr schön.
    • Es freut mich, dass wir nach so wenigen Beiträgen im Wesentlichen übereinstimmen, was ja selten der Fall ist.


      Ein Punkt - unter sehr vielen anderen - auf den ich etwas näher eingehen möchte (o.g. Film bringt dies auch als Beispiel) ist, es scheint unserem Verständnis nach unmöglich, einen Satz (als geschriebene Aussage) mit beiden Händen von Anfang und Ende zugleich zu beginnen - denn man müsste bereits vor dem Schreiben alle Bedeutungsgehalte und ihren komplexen Zusammenhang kennen und analytisch ordnen. Unsere Sprache, unsere Schrift ist sozusagen als Logogramm betrachtet linear.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von iselilja ()

    • iselilja schrieb:

      Es ist ein erheblicher Mehraufwand, von jedem Begriff, jeder Einzelaussage, die Negation zu bilden und notwendigerweise, wenn man den gesamten Satz verstehen will, auch das Bedeutungsspektrum jener Negation zu erahnen versucht.
      Heißt: Bedeutungsspektrum eines positiven Begriffes ist ungleich dem Bedeutungsspektrum negativer Begriffe. Klingt simpel - ist aber kompliziert. Denn wenn wir sagen "etwas ist nicht so", sagen wir damit noch nicht wie es genau ist. Wie diese Negation nun genau zu verstehen sei, hängt unweigerlich davon ab, wie der Rest der Aussage lautet. Bei verteilter mehrfacher Negation ergibt sich also ein potenziertes Bedeutungsspektrum an Möglichkeiten, welche bereits ab 3 bis 4 facher Negation nicht mehr vom Verstand erfasst werden können -> der Satz bleibt unverständlich, weil zu vieldeutig.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.
    • iselilja schrieb:

      ergibt sich also ein potenziertes Bedeutungsspektrum an Möglichkeiten
      Ja, nur dass dieses Bedeutungsspektrum um so schwieriger mit dem Bedeutungsspektrum eines positiven Begriffes in Übereinstimmung zu bringen ist, je mehr Begriffe über die Negationen involviert werden. Darum wird ein Satz um so unverständlicher, je mehr Optionen eingebracht werden, die negiert werden. Irgendwann muss man also mal auf den Punkt kommen und positiv benennen, welche der aufgezeigten Möglichkeiten denn nun die gültige sein soll.
    • Lebensforscher schrieb:

      iselilja schrieb:

      ergibt sich also ein potenziertes Bedeutungsspektrum an Möglichkeiten
      Ja, nur dass dieses Bedeutungsspektrum um so schwieriger mit dem Bedeutungsspektrum eines positiven Begriffes in Übereinstimmung zu bringen ist, je mehr Begriffe über die Negationen involviert werden. Darum wird ein Satz um so unverständlicher, je mehr Optionen eingebracht werden, die negiert werden. Irgendwann muss man also mal auf den Punkt kommen und positiv benennen, welche der aufgezeigten Möglichkeiten denn nun die gültige sein soll.
      Richtig. Und weil das so ist (so zu sein scheint), wird auch klar was eine Bedeutung überhaupt ist bzw. warum sie uns so wichtig ist. Denn offenbar geht es nicht darum Worte zu vermitteln sondern Bedeutungsgehalte zu vermitteln, ob mit Sprache, Mimik, Ideogramme oder was uns sonst noch so einfällt und zur Verfügung steht.

      Die Sprache ist nun insofern für uns praktikabel, weil sie so unterschiedliche Methoden der Vermittlung vereinen, variieren, implizieren oder spielerisch extendieren kann und das auch noch ohne etwas an unseren anatomischen Voraussetzungen verändern zu müssen. Was für ein Glücksfall. :)

      Wollen wir also tatsächlich eine Bedeutung vermitteln, müssen wir auf einen positiv fassbaren Punkt kommen, wie Du sagst - und dazu ist unsere Sprache vermutlich auch für uns (also zwischenmenschlich) am besten geeignet. Dabei kann der positive Punkt außerhalb des eigentlichen Logogramms stehen - also bspw. 3 Sätze zuvor. Und so verschmelzen nach und nach unsere Aussagen zu einem Ganzen - immer gemessen an ihrer bisherigen Bedeutung. Jedoch schon der nächste Satz kann all das wieder in eine andere Bedeutung wandeln - pointieren.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.
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      iselilja schrieb:

      "Nicht nur, dass nicht nur die Automobilindustrie sondern gerade auch die Textilindustrie nicht zum Stillstand kommen, auch deren Exportmöglichkeiten sind nicht zu beziffern, so dass nicht gesagt werden kann, keine Industrie hat niemals keine Möglichkeit sich zu entfalten, sondern eher nicht gesagt werden kann, dass keine Industrie generell diese Unmöglichkeit nicht impliziert."
      Nicht nur,
      daß nicht nur die Automobilindustrie,
      sondern gerade auch die Textilindustrie nicht zum Stillstand kommen,
      auch deren Exportmöglichkeiten sind nicht zu beziffern,
      so daß nicht gesagt werden kann,
      keine Industrie habe niemals keine Möglichkeit,
      sich zu entfalten,
      sondern,
      daß eher nicht gesagt werden kann,
      daß keine Industrie generell diese Unmöglichkeit nicht impliziere

      • der grüne Satz ist eine Beifügung (und könnte auch in einer Klammer stehen)
      • der Hauptsatz ist blau (und sehr kurz)
      • die lila Sätze sind indirekte Rede (daher Konjunktiv)
      • es gibt zwei doppelte Verneinungen


      ... 'nicht nur, sondern (gerade)' lässt sich wohl mit Wahrheitswerten fassen

      ... die daß-Sätze lassen sich wohl als logische Funktion fassen


      die vorbewussten Fragen sind,
      warum ist der Stand still?
      warum wird die Möglichkeit beziffert?
      warum entfaltet sich die Industrie?
      warum impliziert die Industrie?

      wenn man diese Fragen beantwortet hat,
      kann man schauen, ob die Sprachbilder zutreffend sind oder nicht
      und man wird sich dann weiterfragen,
      wie das Ganze mit dem Wort 'Export zusammenpasst

      nur so bekommt man den Sinn der Aussage

      womöglich ist das nicht beziffern-Können des Exports (in der Beifügung) die eigenttliche Hauptaussage
      und diesen Befund bekäme man mit linguistischer Funktorenlogik etc. NICHT heraus
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      iselilja schrieb:

      Dabei kann der positive Punkt außerhalb des eigentlichen Logogramms stehen - also bspw. 3 Sätze zuvor. Und so verschmelzen nach und nach unsere Aussagen zu einem Ganzen - immer gemessen an ihrer bisherigen Bedeutung. Jedoch schon der nächste Satz kann all das wieder in eine andere Bedeutung wandeln - pointieren.
      der Sinn ist also die Menge aller Mengen

      falls nun das Seiende der Sinn des Seins ist,
      dann ist das das Seiende die Menge aller Mengen

      sämtliche Leute, die das Seiende anders fassen oder mit Teilmengen argumentieren, hätten sich dann geirrt
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      scilla schrieb:

      womöglich ist das nicht beziffern-Können des Exports (in der Beifügung) die eigenttliche Hauptaussage
      und diesen Befund bekäme man mit linguistischer Funktorenlogik etc. NICHT heraus
      Du hast ernsthaft versucht, den Satz logisch zu analysieren? :) Das hatte ich garnicht erwartet. Aber gut.. Du scheinst ja am Ende zu etwa der selben Konklusion zu gelangen.

      Ich weiß jetzt nicht, ob Du den o.g. Film kennst. Denn dort wird m.E. die Sache bereits falsch interpretiert. Für den Fall, dass Du ihn nicht kennst, schildere ich mal eine in dieser Hinsicht interessante Szene:

      Eine Scheidewand aus einem glasähnlichen Material. Auf der einen Seite die Menschen, auf der anderen die Aliens. Diese Wand nun dient im Film als phänomenale Schnittstelle zweier an sich inkompatibler Artikulationsweisen. Die Sprachwissenschaftlerin hält ein Schild hoch auf dem das Wort "Mensch" geschrieben steht und sie zeigt auf sich selbst. Als Reaktion darauf sprüht einer der beiden anwesenden Aliens eine Art kreisförmiges Logogramm an die Wand. Sehr beeindruckende Szene. :) Die Wissenschaftlerin deutet dieses Zeichen nun als das Wort (als Logogramm) für Mensch.

      Nimmt man nun diese an sich ungewisse Bestimmung (es bedeutet Mensch) als Positiv, scheint alles weitere klar zu sein und die hauptsächlich auf komplexe Verhaltensweisen angelegten Kommunikationsversuche ergeben im weiteren Verlauf einen Sinn. Sagt man jedoch, dieses Zeichen ist nicht latinisiert, folgt daraus noch nicht, was es genau ist -> es könnte also alles mögliche bedeuten. Beispielsweise "Ich verstehe nicht."

      lg
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.
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      scilla schrieb:

      iselilja schrieb:

      Dabei kann der positive Punkt außerhalb des eigentlichen Logogramms stehen - also bspw. 3 Sätze zuvor. Und so verschmelzen nach und nach unsere Aussagen zu einem Ganzen - immer gemessen an ihrer bisherigen Bedeutung. Jedoch schon der nächste Satz kann all das wieder in eine andere Bedeutung wandeln - pointieren.
      der Sinn ist also die Menge aller Mengen
      falls nun das Seiende der Sinn des Seins ist,
      dann ist das das Seiende die Menge aller Mengen

      sämtliche Leute, die das Seiende anders fassen oder mit Teilmengen argumentieren, hätten sich dann geirrt
      Ich würde es vielleicht in Hinsicht auf Linguistik so formulieren. Der akut greifbare Sinn liegt in der Menge aller akut gegebenen Mengen. Denn wir müssen ja, um etwas zu begreifen, auch gedanklich irgendwann zum Stillstand / ans Ende kommen. Wir haben es also beim Sprechen und Denken immer nur mit aktuellen Teilmengen zu tun, die wiederum Teilmengen implizieren und dabei selbst bereits Teilmenge einer noch größeren sind. Die Menge aller Mengen (als math. Paradoxon) wäre so gesehen der unendliche Satz, der niemals zu einem Punkt kommt [Punkt]

      .. und damit auch niemals einen deutbaren Sinn ergibt.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.
    • Neu

      iselilja schrieb:

      Eine Scheidewand aus einem glasähnlichen Material. Auf der einen Seite die Menschen, auf der anderen die Aliens. Diese Wand nun dient im Film als phänomenale Schnittstelle zweier an sich inkompatibler Artikulationsweisen. Die Sprachwissenschaftlerin hält ein Schild hoch auf dem das Wort "Mensch" geschrieben steht und sie zeigt auf sich selbst. Als Reaktion darauf sprüht einer der beiden anwesenden Aliens eine Art kreisförmiges Logogramm an die Wand. Sehr beeindruckende Szene. Die Wissenschaftlerin deutet dieses Zeichen nun als das Wort (als Logogramm) für Mensch.
      omg spoiler hier doch nicht^^
      Freiheit verweist darauf, in seiner Wahl frei von narrativen Irritationen sein zu können.
      Das System als Ausgangspunkt des menschlichen Daseins ist Subjekt aller Philosophie.
      Der Mensch versteht sich klassisch, die Wissenschaft muss postmodern gelesen werden.
      Aller Funktionalismus der Geistestheorie zielt darauf, die Moral erkennbar zu machen.
      Die Welt kann nur als verdammte Matrix vollständig gefasst werden!
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      iselilja schrieb:

      Wann wird Sprache und wodurch verstehbar?
      Zuerst muß ich ein Geständnis machen: Ich habe von diesem Thread bisher nur die Einleitung gelesen. Und den Film, der empfohlen wird, kenne ich nicht, bin auch kein großer Filmgucker.

      Aber gelesen habe ich vieles, und darunter auch das Büchlein von Herder über den Ursprung der Sprache von 1767.

      Ich bin in bezug auf Sprache, wie in bezug auf fast alles, Selbstlerner. Bis auf englisch und französisch habe ich mir alle meine Fremdsprachen selbst beigebracht, und ohne zu eingebildet zu wirken, kann ich wohl sagen, daß da einiges zusammen kommt.

      Ich habe dafür zwei Methoden, die ich selbst entwickelt habe (als Autodidakt geht es auch nicht anders), und diese Methoden nenne ich die Frontalimmersionsmethode sowie die Einkreisungsmethode. Die erste Methode geht gnadenlos und sehr direkt auf Texte zu, die zweite zeichnet sich mehr durch wiederholtes und kürzeres Eindringen aus. Bei beiden Methoden wird die Grammatik "unterwegs" erlernt, je nach den Besonderheiten der jeweiligen Sprache.

      Man hat eine Kenntnis von einer Sprache, wenn man a) in ihr sinnvolle Sätze bilden kann und b) die Melodie der Sprache verinnerlicht hat.

      Das soll es fürs erste gewesen sein. Weiteres folgt je nach meinem und eurem Bedarf.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • Neu

      Auch "Gesten", die man auf einem Smartphone erstellen kann, sind gewissermaßen Logogramme. Hier wird eine einzelne Bedeutung in einen logisch komplexen Zusammenhang formalisiert, so dass sie binär interpretierbar (verstehbar) ist. Wo uns diese Technologie mal hinführt.. keine Ahnung, aber es scheinen viele denkbare Möglichkeiten offen zu stehen.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.
    • Neu

      Hi rue,

      rue schrieb:

      Dieser Satz muss beispielsweise nicht von jenen - um diesen zu verstehen - mehrmals gelesen werden die davon ausgehen das der Schmied seines Glückes jeder ist, der verstanden Verstand sowie Vernunft beispielsweise nicht wie bei Hume zu gebrauchen.
      &

      rue schrieb:

      Demnach ist der Schmied seines Unglücks jeder der Verstand sowie Vernunft nicht versteht, wie beispielsweise Kant das verstanden wissen wollte,
      M.E.n. widersprichst Du dir hier nicht selbst? (oder ist es nur Dein kryptischer Ausdruck, der hier Verwirrung aufkommen lässt?)
      Während ich im zweiten Zitat zustimme, erschließt sich mir das erste nicht.
      Denn gerade, wer wie Hume es fordert handelt, also reine instrumentelle Vernunft als Sklave des 'Es', ist seines Glückes Schmied. (und nur seines - maximal emotionaler Nahhorizont ! !)


      »Die Vernunft ist nur ein Sklave der Affekte und soll es sein; sie darf niemals eine andere Funktion beanspruchen, als die, denselben zu dienen und zu gehorchen.«


      Und dies ist in den opportunistischen (=religiösen) Formationen empirisch nachweisbar.
      Diejenigen, die sich um nichts als ihren Eigennutz kümmern, haben Häuschen, viele Kinder, sind in Dorf und Verein beliebt, und ihr Spruch ist, falls man sie mit größeren Problemen der opportunistischen Formationen konfrontiert:

      "Nach mir die Sintflut."


      mvg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Neu

      iselilja schrieb:

      Ich weiß jetzt nicht, ob Du den o.g. Film kennst.
      ich kenne den Film nicht
      verrätst Du den Titel?

      falls die Aliens 'Mensch' ausdrücken sollten,
      dann ist das dem Fortschrittsglauben der Filmemacher geschuldet,
      (die Menschheit findet sich überall zurecht
      und kann sich das komplette Universum untertan machen,
      siehe Star Treck)

      falls die Aliens 'fuckoff' ausdrücken sollten,
      der Forscher aber mit 'Mensch' übersetzt,
      dann wäre das ein Film von Verhoeven oder Carpenter
      (mit all den spektakulären Mißverständnissen)

      ein ähnliche Situation
      (Alien hinter Glas)
      gibt es im Film 'Das fünfte Element
      (da kann aber der Alien bereits fast alle Sprachen sprechen
      und muss sich nur auf die Erdensprache eintunen)

      im Falle eines Star Treck Filmes
      sucht das Alienraumschiff nach einer Antwort
      (die ihm nur bereits ausgestorbene Wale geben können)
      und verwüstet dazu die Erde
    • Neu

      scilla schrieb:

      ein ähnliche Situation
      (Alien hinter Glas)
      gibt es im Film 'Das fünfte Element
      (da kann aber der Alien bereits fast alle Sprachen sprechen
      und muss sich nur auf die Erdensprache eintunen)

      im Falle eines Star Treck Filmes
      sucht das Alienraumschiff nach einer Antwort
      (die ihm nur bereits ausgestorbene Wale geben können)
      und verwüstet dazu die Erde
      Ich finde es auch recht interessant, wie sich der Zeitgeist der Wissenschaft in science fiction von Jahr zu Jahr verändert. War beim Film Contact noch die Mathematik Dreh- und Angelpunkt eines ersten gemeinsamen Verstehens, so wird im Film Arrival (so heißt der Film da Du fragst) die Mathematik als universelle Sprache einer grundlegenderen Kommunikationsstruktur hinten angestellt. So etwa "Lerne erst mal Hallo, bevor Du Fibonacci iterierst.". :)
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.