Was ist Wissenschaft? Abgrenzung in Hinblick auf wissenschaftliche Forschung, Entwicklung und Anwendung

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    • iselilja schrieb:

      Wenn der Chemiker eine Verbindung erforscht, die irgendwie trinkwasserrelevant ist, dann sollte sich auch der Chemiker darüber Gedanken machen.
      Ich denke nicht, dass das auf Grundlagenforschung zutrifft. Bei angewandter Forschung ist das etwas anderes.

      iselilja schrieb:

      Nutzen und möglicher Schaden sollten immer auch im Blick einer Forschung stehen.
      Auch das ist nur angebracht, wenn es um technische Verwertbarkeit geht - also im Kontext angewandter Forschung.

      iselilja schrieb:

      Dass viele Forscher das nicht so sehen ist allerdings eine andere Sache.
      Es ist eine Sache, die darauf begründbar ist, dass es sich bei Grundlagenforschung um das Aufdecken von Zusammenhängen geht, die die Beschaffenheit der Wirklichkeit betreffen. Wenn bei diesen Zusammenhängen von vornherein absehbar ist, dass sie für das Wohl oder Wehe unserer Existenz Relevanz besitzen, bezieht man das natürlich mit ein, wenn es z.B. darum geht, bestimmte Techniken öffentlich zu kommunizieren. So geschehen z.B. im Vorfeld der Asilomar-Konferenz oder aktueller im Umfeld der Forschungen von J. Craig Venter. Bei vielen Problemen, die im Rahmen der Grundlagenforschung untersucht werden, ist diese Relevanz noch gar nicht absehbar, so dass man eventuelle Nutzbarkeiten auch nicht in den Blick nehmen müsste.

      iselilja schrieb:

      Feyerabend war in dieser Hinsicht "nur" Erkenntnistheoretiker.
      Sicher. Aber was er dazu zu sagen hatte, scheint mir unzutreffend zu sein - zumindest was den vermeintlichen Bruch der Methodologie zugunsten eines "anything goes" betrifft.
    • Lebensforscher schrieb:

      Ich denke nicht, dass das auf Grundlagenforschung zutrifft. Bei angewandter Forschung ist das etwas anderes.
      Bei Grundlagenforschung ist es m.E. nicht anders, nur sind die Auswirkungen nicht so schnell erkennbar, wie bei angewandter Forschung.

      Man kann Quantenphysik als Grundlagenforschung ansehen. Dass Atomphysik dann irgendwann eine Atombombe hervorbringt, liegt natürlich nicht im einkalkulierbaren Erkenntnisbereich des Quantenphysikers.. aber die Zusammenhänge werden irgendwann sichtbar.


      Ich glaube man kann also durchaus verstehen, dass Wissenschaft nicht nur etwas mit Wissen zu tun hat sondern auch mit Gewissen.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      aber die Zusammenhänge werden irgendwann sichtbar.
      Das ist schon richtig, aber Grundlagenforschung bemisst sich ja gerade nicht an einer eventuellen späteren Verwertbarkeit für technische Anwendungen. Grundlagenforschung entspringt der reinen Neugier und wird um ihrer selbst willen betrieben. Dass aus dem Bereich der angewandten Forschung genau hingeschaut wird, was Grundlagenforscher an Erkenntnissen zustande bringen, um es auf Verwertbarkeit hin zu untersuchen, steht auf einem ganz anderen Blatt.
    • Ich will nochmal kurz auf Feyerabend zurückkommen, weil ich den Eindruck habe, man will Feyerabend nur in Hinsicht auf anerkannte (etablierte) Wissenschaft begreifen. Die Methodenwahl bezieht sich bei Feyerabend auf allgemeines Verständnis. Z. B. bringt nach Feyerabend auch die Methode der Kunst Erkenntnis hervor. Ein Gedicht zu verstehen ist etwas anderes als eine Molekülstruktur zu verstehen.


      Und gerade für die Philosophie ist Feyerabends Kritik sehr aufschlußreich. Wir können nämlich so erkennen, dass so unterschiedliche Methoden wie Platons Dialog, Sokrates' Mäeutik, Kants Kritik, Descartes' Meditation etc. sich allesamt in einem Bereich der Erkenntnistheorie bewegen, obwohl sie sehr unterschiedliche Aussagen generieren. Philosophie war insofern schon immer Methodenpluralismus.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      dass Wissenschaft nicht nur etwas mit Wissen zu tun hat sondern auch mit Gewissen.
      Da Du das nachträglich noch angefügt hattest, mache ich einen neuen Beitrag daraus. Besser wäre es, solche nachträglichen Anfügungen doch zu unterlassen, um den Gesprächsverlauf nicht zu verfälschen. Ich mache so etwas auch nicht, weil ich es für unredlich halte.

      Wissenschaft betrifft nun mal nur das Wissen. Das Gewissen ist das, was man dem Wissenschaftler zuweisen muss, nicht aber der Wissenschaft, denn sonst wäre sie ja eine "Gewissenschaft" und der Wissenschaftler ein "Gewissenschaftler" ... ;)
    • iselilja schrieb:

      Ein Gedicht zu verstehen ist etwas anderes als eine Molekülstruktur zu verstehen.
      Natürlich, wobei man hinterfragen muss, ob das Verständnis eines Gedichtes Gegenstand einer Wissenschaft ist (hier wohl Literaturwissenschaft), oder ob es bei der Anwendung von Literaturwissenschaft eher um Interpretationsverfahren handelt, die bestimmte Deutungen nahelegen, ohne sich auf eine bestimmte Deutung festzulegen. Aber das müssten Literaturwissenschaftler besser unter sich ausmachen.

      Dass die Methoden von Literaturwissenschaftlern und Chemikern sich unterscheiden dürften, ist evident - von daher gehe ich mit dem Konzept des Methodenpluralismus´konform, aber der Knackpunkt, den ich sehe, ist das Nicht-Beachten-Dürfen der jeweils gültigen Methode, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Das halte ich für falsch.
    • Lebensforscher schrieb:

      iselilja schrieb:

      dass Wissenschaft nicht nur etwas mit Wissen zu tun hat sondern auch mit Gewissen.
      Da Du das nachträglich noch angefügt hattest, mache ich einen neuen Beitrag daraus. Besser wäre es, solche nachträglichen Anfügungen doch zu unterlassen, um den Gesprächsverlauf nicht zu verfälschen. Ich mache so etwas auch nicht, weil ich es für unredlich halte.
      Wissenschaft betrifft nun mal nur das Wissen. Das Gewissen ist das, was man dem Wissenschaftler zuweisen muss, nicht aber der Wissenschaft, denn sonst wäre sie ja eine "Gewissenschaft" und der Wissenschaftler ein "Gewissenschaftler" ... ;)
      Ha! Das ist ein guter Beitrag. Er verdeutlicht nämlich immanent das Problem der Methodik.

      Ich bspw. füge recht oft an meine Gedankengänge noch etwas an, bevor ich mich anderem widme. Das liegt daran, dass ich mir meine Beiträge oft noch mehrfach durchlese und auf vermeintliche Fehler prüfe. Und dabei fällt mir dann eben oftmals auch noch etwas ein, was die Sache evtl. abrundet.

      Du sagst nun, das ist unredlich, weil Du hier bereits eine Methodik (Sprechethik) veranschlagst, die von meiner abweicht.

      Interessant.
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    • Lebensforscher schrieb:

      Wissenschaft betrifft nun mal nur das Wissen. Das Gewissen ist das, was man dem Wissenschaftler zuweisen muss, nicht aber der Wissenschaft, denn sonst wäre sie ja eine "Gewissenschaft" und der Wissenschaftler ein "Gewissenschaftler" ...
      In dem Punkt wäre ich mir noch nicht so sicher. Denn Du hattest ja selbst die Unterscheidung von Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft genannt.

      Wenn es also tatsächlich sinnvoll ist, beides unter dem Begriff Wissenschaft vereinen zu wollen, dann müsste man auch Gewissen (zumindest bei angewandter Forschung) mit in die Betrachtung einfließen lassen. Halte ich zumindest für sinnvoll.
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    • iselilja schrieb:

      Du sagst nun, das ist unredlich, weil Du hier bereits eine Methodik (Sprechethik) veranschlagst, die von meiner abweicht.
      Na ja, es geht mir hierbei vordringlich um die Einhaltung von Diskursregeln, weil anderenfalls die Repliken auf einen Beitrag verfälscht werden, wenn der Beitrag, auf den sich die Repliken beziehen, ihrerseits durch die nachträgliche (nicht als solche herausgestellte!) Editierung verfälscht worden sind. Aber gut, damit hätten wir einen wichtigen Punkt, der auf Feyerabend anwendbar ist: Man kann nicht willkürlich verschiedene Methoden anwenden, um zu nachprüfbaren Resultaten zu kommen, sondern muss sich schon an eine gültige Methodik halten, um im Kontext zu bleiben, innerhalb dessen die getroffenen Aussagen bewertbar sind.

      iselilja schrieb:

      dann müsste man auch Gewissen (zumindest bei angewandter Forschung) mit in die Betrachtung einfließen lassen.
      Das tut man ja ohnehin, wenn es z.B. um die Abwägung von Folgen der Anwendung geht. Nicht ohne Grund müssen gentechnisch veränderte Organismen langwierig und teuer auf Unbedenklichkeit hin getestet werden, bevor sie zugelassen werden. Dabei sind die gesetzlichen Vorgaben das eine, aber die verheerenden Folgen von Skandalen infolge von Schäden das andere, das Unternehmen dazu motiviert, von sich aus auf die Vermeidung von Gefahren hinzuwirken.
    • Lebensforscher schrieb:

      Na ja, es geht mir hierbei vordringlich um die Einhaltung von Diskursregeln, weil anderenfalls die Repliken auf einen Beitrag verfälscht werden, wenn der Beitrag, auf den sich die Repliken beziehen, ihrerseits durch die nachträgliche (nicht als solche herausgestellte!) Editierung verfälscht worden sind.
      Ich mische mich nur ein, weil mir Deine -von mir so wahrgenommene- Selbstgerechtigkeit quer geht.
      In dem Moment, wo ein Beitrag abgeschickt worden ist, der sich dem, an dem man noch herumfeilt, anschließt, wird unten im Beitrag die Uhrzeit der vorgenommenen Korrektur angezeigt. Nur dann, wenn sich noch kein Beitrag anschließt, ist die Veränderung nicht eigens markiert. Bei einem flotten Redeaustausch kann es daher schon mal zu dem von Dir bemerkten Phänomen kommen (Du schreibst, schickst ab, währenddessen der/die Andere liest, ediert und abschickt). Mit "Redlichkeit" (im ersten Beitrag von Dir erwähnt) hat das meiner Meinung nach nichts zu tun.
    • Lebensforscher schrieb:

      der auf Feyerabend anwendbar ist: Man kann nicht willkürlich verschiedene Methoden anwenden, um zu nachprüfbaren Resultaten zu kommen, sondern muss sich schon an eine gültige Methodik halten, um im Kontext zu bleiben, innerhalb dessen die getroffenen Aussagen bewertbar sind.
      Ja, genau so ist es und ich denke Feyerabend hat das auch ganz gut herausgestellt, also erkannt. Die Frage ist nur, wie einigt man sich auf (ja schon bei diesem Wort geht es los damit) vernünftige Regeln eines wissenschaftlichen Diskurses? Das sagt ja Feyerabend nirgends. :) Und ich glaube, auch uns wird es recht schwer fallen, eine Antwort zu finden, die über eine rein pragmatische Lösung hinausgeht.
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    • Friederike schrieb:

      Mit "Redlichkeit" (im ersten Beitrag von Dir erwähnt) hat das meiner Meinung nach nichts zu tun.
      Wie auch immer - es stört jedenfalls, deshalb hatte ich eigens darauf verwiesen. Es wäre jedenfalls hilfreich, wenn man solche Änderungen mit einem P.S. anfügt. Dann weiß der Mitlesende, dass da ursprünglich noch nichts stand, wo dann etwas steht.
    • iselilja schrieb:

      Die Frage ist nur, wie einigt man sich auf (ja schon bei diesem Wort geht es los damit) vernünftige Regeln eines wissenschaftlichen Diskurses?
      Ich denke, dass die Vernünftigkeit der Regeln sich über die pragmatische Eignung herausstellt. Was z.B. für Literaturwissenschaftler geeignet ist, ist für Molekularbiologen ungeeignet und umgekehrt. Die Diskursregeln ergeben sich über den Diskurs innerhalb der jeweiligen Wissenschaftsdisziplinen - durch Learning by doing sowie über try and error. Was sich bewährt, bleibt drin, der Rest wird nicht mehr praktiziert und fliegt damit automatisch raus.
    • Lebensforscher schrieb:

      iselilja schrieb:

      Die Frage ist nur, wie einigt man sich auf (ja schon bei diesem Wort geht es los damit) vernünftige Regeln eines wissenschaftlichen Diskurses?
      Ich denke, dass die Vernünftigkeit der Regeln sich über die pragmatische Eignung herausstellt. Was z.B. für Literaturwissenschaftler geeignet ist, ist für Molekularbiologen ungeeignet und umgekehrt. Die Diskursregeln ergeben sich über den Diskurs innerhalb der jeweiligen Wissenschaftsdisziplinen - durch Learning by doing sowie über try and error. Was sich bewährt, bleibt drin, der Rest wird nicht mehr praktiziert und fliegt damit automatisch raus.
      Ja, so war das auch lange in den Wissenschaften der Fall. Mit Feyerabend ist aber diese rationale Beurteilung gerade in Frage gestellt worden, was u.a. auch dafür verantwortlich war, dass man in den Wissenschaften immer mehr zur Interdisziplinarität versucht überzugehen. Wenn also Informatik und Neurologie über ein neues Feld der Kybernetik sprechen will, muss sie die beiden Methoden der Neurologie und der Informatik irgendwie vereinen. Je mehr diese Interdisziplinarität sich ausweitet, desto schwieriger wird es einen simplen Weg des Diskurses vorauszusetzen. Und Philosophie ist sozusagen die maximale (weil sich überall einmischend :) ) und nach Feyerabend wohl unmögliche Synthese des Wissens der Zeit, wie es Metzinger begreift und wie es anscheinend auch richtig ist. Nur liegt die vollständige Synthesis außerhalb der Möglichkeiten, wie es bei bilateralen Metodenwahlen der Fall sein kann.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      Wenn also Informatik und Neurologie über ein neues Feld der Kybernetik sprechen will, muss sie die beiden Methoden der Neurologie und der Informatik irgendwie vereinen.
      Ja, aber warum dann nicht auf vergleichbarem pragmatischen Weg? Hier haben wir zwei Bereiche, die sich überlappen, aber eben auch Bereiche, die sich nicht überlappen. Beispielsweise könnten die biochemischen Aspekte der Neurologie außen vor bleiben, weil sie sich im Sinne einer Neuro-Informatik nicht sinnvoll integrieren lassen.
    • Lebensforscher schrieb:

      iselilja schrieb:

      Wenn also Informatik und Neurologie über ein neues Feld der Kybernetik sprechen will, muss sie die beiden Methoden der Neurologie und der Informatik irgendwie vereinen.
      Ja, aber warum dann nicht auf vergleichbarem pragmatischen Weg? Hier haben wir zwei Bereiche, die sich überlappen, aber eben auch Bereiche, die sich nicht überlappen. Beispielsweise könnten die biochemischen Aspekte der Neurologie außen vor bleiben, weil sie sich im Sinne einer Neuro-Informatik nicht sinnvoll integrieren lassen.
      Ja, der Weg, der letztendlich dabei raus kommt, liegt im Ermessen der beiden Einzeldisziplinen, da sie ja am ehesten beurteilen können, was für einen gemeinsamen Diskurs am angemessensten ist und was keinesfalls außer Acht gelassen werden darf bzw. vernachlässigt werden kann. Im Detail wird dann klar, dass es zuvor einen Methodendiskurs geben muss, bevor man in den eigentlichen wissenschaftlichen Diskurs einsteigen kann. Oftmals dauert es seine Zeit bis klar ist, wie sich der Weg am besten beschreiten lässt, was heraus fällt oder ob es evtl. klüger ist eine dritte Disziplin noch hinzu zu ziehen.
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    • Im Pragmatismus scheint wiederum eine Problematik zu liegen, die nicht so recht zum Verständnis von Wissenschaft passen will.

      Wenn man sagt Wissenschaft soll Wissen schaffen :) , dann kann Pragmatismus nicht die Antwort sein, weil trial and error ja gerade das ist, was man eigentlich durch Wissen vermeiden will. Pragmatismus in der Methodenwahl transferiert aber den Pragmatismus als Resultat bereits in die Wissenschaft hinein, denn nach den Methoden wird Wissen erzeugt. Ist also pragmatisch eine Methode gewählt und für gut befunden, bleibt diese Methode wesensbestimmend für alles weitere, was sich von nun an ergibt.
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    • Lebensforscher schrieb:

      iselilja schrieb:

      weil trial and error ja gerade das ist, was man eigentlich durch Wissen vermeiden will.
      Nein, Try and error ist die Methode, um Wissen herauszufiltern. Warum sollte das auf das Herausfinden geeigneter Methoden nicht anwendbar sein?
      Ich sage nicht, dass es nicht anwendbar ist. Es wird ja (leider) oft genug so gemacht. Das Problem besteht darin, dass eine Disziplin, wenn sie erst einmal ihren Weg (Methode) gefunden hat, diesen auch als Axiomatik ausweist. Aus dem mehr oder weniger einmaligen Try der Methodenwahl folgt der Try-Charakter aller daraus gewonnenen Kenntnis. Heißt: späteres experimentelles trial and error muss mit der Axiomatik konform gehen, sonst wird es als falsch ausgewiesen. Die anfängliche Methodenwahl entscheidet also darüber, was error ist und was nicht.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

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    • iselilja schrieb:

      Die anfängliche Methodenwahl entscheidet also darüber, was error ist und was nicht.
      Ja gut, dann muss man bei interdisziplinären Ansätzen genau hinschauen, was geht und was nicht. Ich denke, im Rahmen der Naturwissenschaften wird es da eher selten Probleme geben - wie z.B. bei der Schaffung einer Neuro-Informatik als kybernetische Wissenschaft. Man muss also nicht befürchten, dass hier jahrzehntelange Forschung von jetzt auf gleich über den Haufen geworfen und völlig neu bewertet werden muss, um weiterzukommen.

      Problematisch hat sich z.B. der Versuch erwiesen, Informationstheorie und Molekularbiologie zusammenzuführen. Was herausgekommen ist, verwendet zwar informationstheoretisches Vokabular, aber die Wortbedeutungen sind jeweils verschiedene. Information im informationstheoretischen Kontext bedeutet etwas anderes als im molekularbiologischen - trotzdem hat sich das etabliert, weil es sich eine Zeit lang als praktikabel erwiesen hat. In den letzten beiden Jahrzehnten ist allerdings der gegenteilige Trend beobachtbar, weil man an Grenzen gestoßen ist, die man nicht mehr mit diesem Vokabular adäquat erfassen kann.

      In vergleichbarem Sinne stelle ich mir das auch bei anderen interdisziplinären Ansätzen vor: Man probiert aus, wie weit man damit kommt, und wenn sich herausstellt, es geht nicht mehr weiter, lässt man einige Aspekte ins Hntertreffen geraten und probiert es mit Erweiterungen des verbliebenen Rests. Ein gewisser Kernbestand bleibt aber immer übrig, auf dem man aufbauen kann, um weiterzukommen. Anderenfalls müsste man wirklich alles über den Haufen werfen. Und gewisse Standards bleiben stets gültig - wie eben bei den Naturwissenschaften die experimentelle Prüfung von Hypothesen.