Wozu Gerechtigkeit?

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    • Wozu Gerechtigkeit?

      Die Threadfrage entwickelte sich im Thread "Zeitgeist III".

      HumbleThinker schrieb:

      Ich habe Rawls gelesen und bin immer noch nicht der Ansicht, daß es eine Art von Gerechtigkeit gibt, die wirklich objektiv ist. Aber das wäre vielleicht ein Thema für einen neuen Thread (wenn es den nicht schon gibt).

      Hancock schrieb:

      Fliege schrieb:

      Man kann sich auch die Frage stellen, weshalb man überhaupt Gerechtigkeit anstreben sollte. Ich selber wüsste nicht, wozu das man das tun sollte.
      Nur ein Beispiel: Unser Rechtssystem beruht auf dem Prinzip der Gerechtigkeit. Ohne Gerechtigkeit wäre eine Rechts- und Staatsordnung nichts anderes als eine große Räuberbande (Augustinus)

      HumbleThinker schrieb:

      Es gibt keine "richtige" Definition von Gerechtigkeit in dem Sinne, daß sie eine praktische Ausgestaltung ermöglicht, die Gerechtigkeit für alle schafft.
      Platon, Aristoteles...

      Eine Berücksichtigung von Gerechtigkeitstheorien nach John Rawls ist ausdrücklich erwünscht. Andere Ethiker sind ebenfalls gern gesehen.
      Alles wird gut —— Katrin Göring-Eckardt: "Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt." — "Flüchtlinge machen Deutschland religiöser, vielfältiger und jünger." — "Willkommenskultur ist der beste Schutz vor Terroristen." —— Margot Käßmann: "Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen." —— Literaturlisten
    • Fliege schrieb:

      Die Threadfrage entwickelte sich im Thread "Zeitgeist III".

      HumbleThinker schrieb:

      Ich habe Rawls gelesen und bin immer noch nicht der Ansicht, daß es eine Art von Gerechtigkeit gibt, die wirklich objektiv ist. Aber das wäre vielleicht ein Thema für einen neuen Thread (wenn es den nicht schon gibt).

      Hancock schrieb:

      Fliege schrieb:

      Man kann sich auch die Frage stellen, weshalb man überhaupt Gerechtigkeit anstreben sollte. Ich selber wüsste nicht, wozu das man das tun sollte.
      Nur ein Beispiel: Unser Rechtssystem beruht auf dem Prinzip der Gerechtigkeit. Ohne Gerechtigkeit wäre eine Rechts- und Staatsordnung nichts anderes als eine große Räuberbande (Augustinus)

      HumbleThinker schrieb:

      Es gibt keine "richtige" Definition von Gerechtigkeit in dem Sinne, daß sie eine praktische Ausgestaltung ermöglicht, die Gerechtigkeit für alle schafft.
      Platon, Aristoteles...
      Eine Berücksichtigung von Gerechtigkeitstheorien nach John Rawls ist ausdrücklich erwünscht. Andere Ethiker sind ebenfalls gern gesehen.

      @Hancock

      Das, was Platon und Aristoteles über die Gerechtigkeit sagten, ermöglicht uns heute keine praktische Ausgestaltung, die Gerechtigkeit für alle schafft. Genauso ist es mit den anderen Gerechtigkeitstheorien.

      Fliege will hier, glaube ich, die Frage diskutieren, warum überhaupt Gerechtigkeit angestrebt werden soll.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • "Als geschuldete Sozialmoral hat die Gerechtigkeit den Rang des elementar höchsten Kriteriums allen Zusammenlebens, während die Wohltätigkeit das optimal höchste Kriterium bildet und die Solidarität eine Zwischenstellung einnimmt."
      Otfried Höffe, "Gerechtigkeit Eine philosophische Einführung", c.h.beck wissen, 3.Auflage, 2007
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
    • HumbleThinker schrieb:

      Fliege will hier, glaube ich, die Frage diskutieren, warum überhaupt Gerechtigkeit angestrebt werden soll.
      Ohne Gerechtigkeit ist ein Zusammenleben unmöglich.
      Ausnahme: Herrschen durch Gewalt.
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
    • HumbleThinker schrieb:

      Und wo ist die konkrete praktische Ausgestaltung?
      Wo lebst Du?
      Unser System beruht in vielfacher Hinsicht auf Gerechtigkeit:
      das Rechtssystem (auch Verfahrensgerechtigkeit), die Gewaltenteilung, die Sozialgesetzgebung (soziale Gerechtigkeit).
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
    • HumbleThinker schrieb:

      Hancock schrieb:

      Ohne Gerechtigkeit ist ein Zusammenleben unmöglich.
      Ausnahme: Herrschen durch Gewalt.
      Eine ähnliche Antwort habe ich Fliege auf dem anderen Thread auch gegeben. Du kannst es in Zeitgeist III nachlesen.
      Du hast doch den Eindruck vermittelt, dass Gerechtigkeit für Dich etwas völlig Unbekanntes und Unwirkliches ist. Jedenfalls auf mich.
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
    • Ryoba schrieb:

      Was hat Recht mit Gewalt zu tun?
      Wenn Recht mit Gerechtigkeit einhergeht, gibt es z.B. keine Klassenjustiz oder Rechtsprechung nach Tageslaune.
      Da Menschen aber fehlbar sind, gibt es immer die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen Gerichtsentscheidungen einzulegen.
      Lange davor: Der Staat ist an das Willkürverbot und das Prinzip der rechtsstaatlichkeit gebunden. Wie auch die Justiz selbst.
      Das sind jetzt nur einzelne Beispiele.

      Natürlich muss Recht aber auch notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden.
      Im Rahmen des Rechtsstaates natürlich.
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
    • Hancock schrieb:

      Du hast doch den Eindruck vermittelt, dass Gerechtigkeit für Dich etwas völlig Unbekanntes und Unwirkliches ist. Jedenfalls auf mich.
      Der Eindruck ist aber falsch. Bitte bei mir immer genau nachlesen, was ich sage und was nicht.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.
    • Justitia (die Personifikation der Gerechtigkeit) wird klassischerweise mit verbundenen Augen dargestellt, in der einen Hand ein Schwert, in der anderen eine Waage.

      Man könnte daraus schließen, dass sie ohne Ansehen der Person alle gleich behandelt oder Gleiches gleich behandelt. Das Shwert steht für die Gewalt, die notwendig ist, um Recht durchzusetzen. Sie kann aber dazu genutzt werden, um Recht überhaupt erst zu setzen. Die Waages steht für das Abwägen des einzelnen Falles und der weisen Anwendung der Gesetze auf den Einzelfall.
    • Wovon sprechen wir überhaupt, wenn wir von Gerechtigkeit sprechen. Sprechen wir von einer sozialen Gerechtigkeit im Sinne einer Verteilungsgerechtigkeit oder einer Leistungsgerechtigkeit? Sprechen wir davon, wie wir einer Person oder einem Einzelfall gerecht werden können? Sprechen wir von einer Gerechtigkeit im Sinne des Naturrechts, die jenseits des Rechts ein Korrektiv und eine übergeordnete Instanz für positiv gesatztes Recht darstellt?
    • Vielleicht lässt sich das Ganze vergleichen mit der Frage nach der Rechtwinkligkeit. Wozu die Beine eines Tisches oder eines Stuhls im rechten Winkel anbringen? Ein Statiker würde vielleicht antworten: wegen der Stabilität, die doch eigentlich erwünscht ist.
      Ich denke Gerechtigkeit ist ein Grundbedürfnis oder ein Sinn der Menschen, die in Gemeinschaft miteinander leben. Dabei soll alles mit rechten Winkeln Dingen zugehen, um eine Stabilität zu erlangen, die Orientierung, Sicherheit und Möglichkeiten zu handeln bietet.
      Was könnte man stattdessen favorisieren? Wie denkt der Threadstarter über Alternativen oder wie stellt er sich ein Leben ohne Gerechtigkeit vor?
    • Ohne das Gebot der Gleichheit keine Transzendenz. So einfach ist das. Ohne die Eigenschaft von Gleichheit und Gerechtigkeit kann es keine "Gotteserfahrung" geben. Ebenso gibt es ohne Gleichheit keine Einsicht in die Tiefe der Welt.
      Freiheit verweist darauf, in seiner Wahl frei von narrativen Irritationen sein zu können.
      Das System als Ausgangspunkt des menschlichen Daseins ist Subjekt aller Philosophie.
      Der Mensch versteht sich klassisch, die Wissenschaft muss postmodern gelesen werden.
      Aller Funktionalismus der Geistestheorie zielt darauf, die Moral erkennbar zu machen.
      Die Welt kann nur als verdammte Matrix vollständig gefasst werden!
    • Ich hau noch mal meine These rein.
      Im kleinen Rahmen aus Gründen der Bequemlichkeit, im größeren der Organisation, was vermutlich ähnlich ist.
      Darüber hinaus vermutlich, weil es Gerechtigkeit einfach gibt und diese gelebt werden will.
      Für Sexualität gibt es letztlich auch keine überzeugenden Gründe.
      "Das Wissen ist ein schöner Schrein,
      Die Kunst erst legt den Schatz hinein."
      (Carl Spitzweg)
    • Ryoba schrieb:

      Wovon sprechen wir überhaupt, wenn wir von Gerechtigkeit sprechen. Sprechen wir von einer sozialen Gerechtigkeit im Sinne einer Verteilungsgerechtigkeit oder einer Leistungsgerechtigkeit? Sprechen wir davon, wie wir einer Person oder einem Einzelfall gerecht werden können? Sprechen wir von einer Gerechtigkeit im Sinne des Naturrechts, die jenseits des Rechts ein Korrektiv und eine übergeordnete Instanz für positiv gesatztes Recht darstellt?
      Von allem. Meine These war, daß es auf dieser Welt keine vollständige Gerechtigkeit gibt. Wenn es in unserer Gesellschaft aber keine Gerechtigkeit für alle gibt, dann ist die Gesellschaft auch insgesamt ungerecht.
      Wir hatten dies im Zeitgeist-Thread mit Fliege und Car diskutiert, bevor Fliege diesen Thread eröffnet hat.


      Groot schrieb:

      Ohne die Eigenschaft von Gleichheit und Gerechtigkeit kann es keine "Gotteserfahrung" geben.
      Den religiösen Aspekt hatten wir bisher noch nicht dazu genommen, weil es in der anderen Diskussion vorwiegend um Rawls ging. Ob Gott vielleicht doch dafür sorgt, daß wir schon auf dieser Welt eine Art Gerechtigkeit (die ja nicht nur die materielle Seite beinhaltet) empfangen, wäre eine interessante Ergänzung.
      Man weiß nie genug, und vielleicht ist genau dieser Mensch, dem ich gerade begegne, der Engel, der mir die Augen öffnet.