Mündliche Prüfung Plessner

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    • Mündliche Prüfung Plessner

      Hallöchen,
      nächste Woche erwartet mich eine mündliche Prüfung zu einer Lektüre, die ich mir aussuchen musste. Ich werde zu Helmut Plessners "Die Stufen des Organischen und der Mensch" geprüft werden.
      Mich inhaltlich mit Lektüren auseinander zu setzen und Begriffsklärungen abzuliefern bereitet mir keine Schwierigkeiten; allerdings fällt mir die Einordnung einzelner Werke in ihrem philosophischen Kontext schwer.
      Kann mir jemand sagen, was zur Zeit der Veröffentlichung der Stufen (1928) so "abging"?
      Danke für eure Hilfe!
    • weightless schrieb:

      Kann mir jemand sagen, was zur Zeit der Veröffentlichung der Stufen (1928) so "abging"?
      Problem von Anthropologie und Philosophie des Geistes damals war, dass es in beiden Sparten zur Üblichkeit gehörte, in der Nachfolge des Deutschen Idealismus eine Frontstellung zur Darwinschen Evolutionstheorie einzunehmen. Diese Frontstellung bröckelte jedoch. So machte Wolfgang Köhler von 1914 bis 1920 als Leiter der deutschen Anthropoidenstation auf Teneriffa seine bahnbrechenden Untersuchungen zu Werkzeuggebrauch und Problemlösen bei Schimpansen.
      Daher ergab sich in den 1920-er Jahren eine Gabelsituation: Einerseits kam die Option in den Blick, Anthropologie und Philosophie des Geistes systematisch naturalistisch zu betreiben. Andererseits gab es das Bemühen, den Menschen - koste es, was es wolle - aus der naturalistischen Betrachtung herauszuhalten (prominent und mit erheblichen Folgelasten bei Heidegger).

      Eher in Mittellage versuchten sich Philosophische Anthropologen zu positionieren. So meinte Scheler, der Mensch habe eine Sonderstellung, indem er Geist habe. Deutlich besser als Scheler konnte sich Plessner mit dem Naturalismus abfinden. Plessners These, Selbstbewusstsein sei ein spezifisches Merkmal des Menschen, ist heute allerdings auch nicht mehr haltbar.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • weightless schrieb:

      Danke schon einmal für die Antworten!

      @Fliege: Kann man demnach sagen, dass die Philosophische Anthropologie versucht zu vermitteln zwischen den beiden Extrempunkten? Also dass sie die Verbindung von Naturalismus und der geistigen Sphäre des Menschen sucht?
      Ja, das kann man so sagen.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • weightless schrieb:

      Danke schon einmal für die Antworten!

      @Fliege: Kann man demnach sagen, dass die Philosophische Anthropologie versucht zu vermitteln zwischen den beiden Extrempunkten? Also dass sie die Verbindung von Naturalismus und der geistigen Sphäre des Menschen sucht?
      Ich würde mich nicht auf diese Schlagzeile einstimmen, wenn du über Plessner reden willst. Es war nicht sein Ansinnen, er hatte wie du sicher mittlerweile weißt einen anderen Ansatz. Du wirst nicht umhin können, dich ordentlich zu informieren, sofern du eine gute Note haben willst, aber Plessner an sich finde ich gut!
    • idea schrieb:

      weightless schrieb:

      @Fliege: Kann man demnach sagen, dass die Philosophische Anthropologie versucht zu vermitteln zwischen den beiden Extrempunkten? Also dass sie die Verbindung von Naturalismus und der geistigen Sphäre des Menschen sucht?
      Ich würde mich nicht auf diese Schlagzeile einstimmen, wenn du über Plessner reden willst. Es war nicht sein Ansinnen, er hatte wie du sicher mittlerweile weißt einen anderen Ansatz. Du wirst nicht umhin können, dich ordentlich zu informieren, sofern du eine gute Note haben willst, aber Plessner an sich finde ich gut!
      Wie würdest du Plessner in die Philosophie der 1920-er Jahre einordnen?
      (Ich kann zu Plessner eine Philosophin nennen, mit deren Expertise man locker den Doktor machen kann *g*.)
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Also soweit ich das bisher überblicke, kritisiert Plessner das blinde Vertrauen in die Naturwissenschaft und möchte stattdessen eine Ebene finden, auf der sich eine Erklärung für die Verbindung von Körper und Geist des Menschen finden lässt. Er hält es für falsch die Lösung darin zu sehen, den Menschen als bloßes Subjekt mit moralischer Verantwortung zu definieren und möchte den Fokus auf das Leben als gesamte Existenz des Menschen legen. Dies kann nur eine neue Philosophie, sprich, die Philosophische Anthropologie. Die Naturwissenschaften scheitern an ihrer Objektivierung ihrer Versuchsgegenstände, und können den Menschen, nach Plessner, nie richtig begreifen.
      Mich würde aber auch deine Meinung interessieren, du scheinst ja den Durchblick zu haben. :)
    • weightless schrieb:

      Also soweit ich das bisher überblicke, kritisiert Plessner das blinde Vertrauen in die Naturwissenschaft und möchte stattdessen eine Ebene finden, auf der sich eine Erklärung für die Verbindung von Körper und Geist des Menschen finden lässt. Er hält es für Falsch die Lösung darin zu sehen, den Menschen als bloßes Subjekt mit moralischer Verantwortung zu definieren und möchte den Fokus auf das Leben als gesamte Existenz des Menschen legen. Dies kann nur eine neue Philosophie, sprich, die Philosophische Anthropologie. Die Naturwissenschaften scheitern an ihrer Objektivierung ihrer Versuchsgegenstände, und können den Menschen, nach Plessner, nie richtig begreifen können.
      Heike Delitz beschreibt das so: "Die Pointe dieser Theorie des Menschen besteht im kategorialen Pflanze-Tier-Mensch-Vergleich, der die 'Sonderstellung' des Menschen unter den Lebewesen in der biologischen Organisationsform dieses Lebewesens fundiert - gegen Biologismen, die den Mensch in die Reihe des Lebens einreihen, und Idealismen, die den Menschen aus dem Tierreich entfernen, so dass naturwissenschaftliche Forschungen isoliert neben geisteswissenschaftlichen stehen. Dabei erreicht Plessner den Menschen biophilosophisch, von 'unten' her, in der Reihe des Lebendigen; und phänomenologisch von der 'Seite' her, in der Beobachtung der Korrelation von Lebewesen und Umwelt."
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Fliege schrieb:

      Heike Delitz beschreibt das so:
      ich habe die Texte von Plessner nicht gelesen,
      aber das Problem nach Durchsicht der Beschreibung ist,
      daß er ohne Methode Erkenntnisse gewinnt,
      besser,
      daß er seine (womöglich metamethodisch gewonnenen) Erkenntnisse über gewisse Phänomene
      nicht einzelnen Methoden zuordnet (und damit verwissenschaftlicht),
      sondern, daß er eine Erklärung abliefert,
      der man glauben kann oder auch nicht

      ziemlich unbefriedigend also

      zeit.de/1950/27/antworten-auf-das-unbeantwortbare
    • scilla schrieb:

      sondern, daß er eine Erklärung abliefert,
      der man glauben kann oder auch nicht
      Plessner war der Überzeugung (das ist zumindest meine Lesart), dass die bis dahin gängige Einteilung des Seins (inklusive des Lebendigen) zu bestimmten Einschätzungen führt, die auf Grund wissenschaftlicher Ergebnisse wohl kaum noch zu halten war. Er schlug also lediglich ein anderes Verständnis für die Einteilung vor und erkannte (wahrscheinlich im Verlauf dessen), dass sich daraus wieder neue Sichtweisen in Bezug auf das Lebendige ergeben. Und ja, diese Sichtweisen kann man teilen oder auch nicht.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      neue Sichtweisen in Bezug auf das Lebendige
      Canetti hat ein dickes Buch über Menschenmassen geschrieben;
      er listet darin viele Beispiele (Aspekte) auf
      und bringt das alles sogar noch auf einen Nenner
      (wie er auf diesen Nenner gekommen ist, weiss ich nicht ~ metamethodisch?)

      wenn Plessner (als Biologe) alle Aspekte des Lebendigen in vielen Beispielen auflisten würde
      und zusätzlich noch die Erkenntnis daraus auf einen Nenner brächte,
      dann wäre das für mich OK

      seine These wäre dann, daß das Lachen und das Weinen typisch menschlich sind,
      bzw., daß das Lachen und das Weinen diagnostische Merkmale für den Menschen innerhalb des Lebendigen sind

      hat er das getan?
      ist sein Fazit über das Lachen und das Weinen tatsächlich begründet?

      ich brauche mir nämlich nur Wellensittiche oder Katzen anschauen
      und kann bei denen bereits mitfühlende Reaktionen im Verhalten erkennen

      spontan würde ich vorschlagen,
      danach zu schauen, wieviele Grimassen möglich sind

      ... aber das ist alles Verhaltensforschung (Biologie)

      philosophisch wäre dagegen eine Theorie des Komischen oder des Traurigen
      ohne Mutmaßungen über die Physiologie der Emotionen

      Ist eine Philosophie des Komischen denkbar?
    • OrloZ schrieb:

      ich versuch mich gerade in der traurigen Komik-?

      ich denke da zunächst an eine Filmszene

      da bemüht sich jemand
      es ist rührend anzusehen
      aber sein Ansinnen wird vom (Gesellschafts-)Apparat ignoriert
      der Betroffene gibt jedoch nicht auf
      und erfindet ständig Neues, um doch irgendwie aufzufallen

      traurig macht dann sein ständiges Scheitern
      komisch sind die sprudelnden Ideen

      filmisch
      wird man wohl bei Chaplin und bei Tati fündig
      vielleicht auch noch bei Benini (das Leben ist schön)

      nach Brecht weint man dann, wenn die anderen lachen
      und umgekehrt
      (Mißstände machen wütend)
    • musikalisch

      bräuchte man einen Vertreter trauriger Musik,
      der dann plötzlich ins Komische aufbricht

      CURE waren bis 82/83 superdüster
      und dann folgte Ende 83 das fröhliche 'lovecats'

      da sich der Sänger umbringen wollte,
      es aber dann doch nicht gemacht hat,
      ist dieser Umschwung auf einen besonderen psychischen Zustand zurückzuführen
      (da kenne ich mich aber nicht aus)

      Februar 1983

      Today there was a tragedy
      Underneath the bridge
      A man walked
      Cold and blue
      Into La Ment
      The sky coloured perfect
      As the man slipped away
      Waving with a last vanilla smile

      Somewhere at a table
      Two drowned fools
      Smoking
      Drinking water as they talked
      Of how they loved our lady
      And oh the smell as candles die

      One more ice cream river body
      Flowed underneath the bridge
      Underneath the bridge