Frauen in der Philosophie

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  • "Philosophie der Frauen", "Das Bild der Frau in der Philosophie" etc. Oder: was denken Frauen, sofern sie Frauen sind; was denken und dachten andere über Frauen, sofern sie Frauen sind ... Nun wurden Frauen de facto ja jahrhundertelang aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert und marginalisiert. Mir scheint, eines haben solche Fragen doch leider gemeinsam, nach wie vor: Sie nageln einen fest auf das biologische und/oder soziale Geschlecht. Als sei das irgendwie das Wichtigste. Wahrscheinlich käme daher auch niemand ernstlich auf die Idee, nach einer "Philosophie der Männer" oder dem "Bild des Mannes in der Philosophie" zu fragen ;) . Interessanter wäre finde ich doch allemal: was denken (manche) Frauen, sofern sie Philosophinnen sind?
    Schade nur, dass ich lesen kann.
    (H. Schreiber)

    Es ist und bleibt das gleiche allerorten – man sagt am Ende nichts, in vielen Worten.
    M. Kaléko
  • Das IWK in Wien bietet im Jahr 2013 im Rahmen einer Vortragsreihe einen Vortrag an zur Frage, was eine "philosophische Männlichkeitsforschung" sein könnte, ein bisher innerhalb der Philosophie kaum systematisch erörtertes Thema. Was für mich allerdings die zentrale Frage ist, wie in der Philosophie und in ihrer Geschichte das Männliche als Allgemeines vermittelt worden ist (nur als bekanntes Beispiel die Kohlberg-Gilligan-Kontroverse: Moralentwicklung, Prinzipien- vs. Fürsorgeethik).
  • ... oder die ND Adornos incl. der "Kritische(n) Theorie" (Adorno/Horkheimer) - Thema: Die Menschheitsgeschichte als die Geschichte der Beherrschung der Natur, und dies nicht in erster Linie auf die Verdinglichung des Menschen durch entfremdete Arbeit und die Dominanz der Vernunft (= instrumentelle Vernunft) hin gelesen, sondern unter dem Aspekt der Ent-Subjektivierung der Frau (die Frau als die "Natur" und der Mann als die "Vernunft"). Das bedeutet, die "Kritische Theorie" mit "Kritische(r) Theorie" zu lesen.
  • Friederike schrieb:

    das Männliche als Allgemeines

    Friederike schrieb:

    Aspekt der Ent-Subjektivierung der Frau (die Frau als die "Natur" und der Mann als die "Vernunft").
    Dass DER Geist männlich ist galt lange Zeit auch als unhinterfragte Selbstverständlichkeit, stimmt. Männer haben die Geschichte der Philosophie geprägt; weibliche Philosophinnen werden allenfalls als Randnotiz wahrgenommen, wenn man(n) ihnen die Fähigkeit des Denkens aufgrund ihres Geschlechts nicht sowieso gleich ganz abgesprochen hat. Nun haben solche Selbstverständlichkeiten, auch wenn sie gar nicht so selbstverständlich und allgemein gültig sein mögen, die Tücke, dass sie meist nicht bemerkt werden, sofern man darin befangen ist. Nur: Ist man deswegen schon weniger befangen, indem man es explizit zum Thema macht? Fragen wie "Denken Frauen anders?" wollen im Gegenzug den Androzentrismus in der Philosophie, die Etablierung des Männlichen als das Allgemeine infrage stellen. Leider suggerieren sie dabei aber auch eine geschlechts- wenn nicht gar naturbedingte Differenz, die so vielleicht gar nicht gegeben ist. Genausogut könnte man vielleicht fragen: "Denken Afrikaner anders?" Nicht dass Afrikaner ein wesentlich anderes Denkvermögen hätten als Nichtafrikaner; letztlich dürfte es um historisch gewachsene und eingefahrene Machtverhältnisse gehen, die inzwischen am Bröckeln sind. Nicht überwunden, das wäre wohl zu optimistisch.
    Schade nur, dass ich lesen kann.
    (H. Schreiber)

    Es ist und bleibt das gleiche allerorten – man sagt am Ende nichts, in vielen Worten.
    M. Kaléko
  • Bartleby schrieb:

    Fragen wie "Denken Frauen anders?" wollen im Gegenzug den Androzentrismus in der Philosophie, die Etablierung des Männlichen als das Allgemeine infrage stellen. Leider suggerieren sie dabei aber auch eine geschlechts- wenn nicht gar naturbedingte Differenz, die so vielleicht gar nicht gegeben ist. Genausogut könnte man vielleicht fragen: "Denken Afrikaner anders?" Nicht dass Afrikaner ein wesentlich anderes Denkvermögen hätten als Nichtafrikaner; letztlich dürfte es um historisch gewachsene und eingefahrene Machtverhältnisse gehen, die inzwischen am Bröckeln sind.
    Die heiße Debatte um Essentialismus vs. Konstruktion? :) Wie der allerneueste Forschungsstand ist bzw. ob es einen aktuellen "common sense" in der Philosophie und in den Kulturwissenschaften allgemein gibt, weiß ich gar nicht. Dein link - interessant, darin werde ich gelegentlich blättern.
  • Friederike schrieb:

    Die heiße Debatte um Essentialismus vs. Konstruktion?
    In dem Fall wohl eher um "sex" vs. "gender" ;) . Wobei ein sozial konstruiertes Geschlecht oder Geschlechterbild immerhin den Vorteil der Nicht-Notwendigkeit hat, auch anders ausfallen zu können, wenn sich die sozialen Rahmenbedingungen ändern, die sich in ihm widerspiegeln. Oder den Nachteil, je nachdem :P .
    Schade nur, dass ich lesen kann.
    (H. Schreiber)

    Es ist und bleibt das gleiche allerorten – man sagt am Ende nichts, in vielen Worten.
    M. Kaléko
  • Bartleby schrieb:

    Friederike schrieb:

    Die heiße Debatte um Essentialismus vs. Konstruktion?
    In dem Fall wohl eher um "sex" vs. "gender" ;) . Wobei ein sozial konstruiertes Geschlecht oder Geschlechterbild immerhin den Vorteil der Nicht-Notwendigkeit hat, auch anders ausfallen zu können, wenn sich die sozialen Rahmenbedingungen ändern, die sich in ihm widerspiegeln. Oder den Nachteil, je nachdem :P .
    Ach ja, Bartleby, :) wie sagte Jörn so zutreffend "Ein weites Feld ...". Im Augenblick ist dieses Thema, das ich eigentlich "permanent provisorisch" (Blumenberg) für mich meinte abgeschlossen zu haben, doch noch mal neu ins Visier meiner Aufmerksamkeit geraten. Und damit zugleich habe ich auf einmal angefangen mir zu überlegen, inwiefern Adorno und Blumenberg -meine beiden Forums-Entdeckungen-, die beide die Geschlechterdifferenz bzw. Geschlechteridentität gar nicht thematisieren, eigentlich die Frau als das Andere, den Sonderfall vom Allgemeinen, in ihren "Theorien" voraussetzen, stillschweigend. Und, wie man beide Theorien anwenden kann für eine Gender-Geschichts-Schreibung.
  • Ist Frau ein Sozialkonstrukt und wird (beispielsweise jetzt) auf das Sozialkonstruieren von Frau verzichtet, gibt es (ab jetzt) keine Literatur von Frauen und auch keine Frauen in der Philosophie mehr. (Denn auf Frau als biologische Tatsache kann nicht zurückgegriffen werden, sofern Frau ein Sozialkonstrukt ist.)
    "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln).
  • Fliege schrieb:

    Ist Frau ein Sozialkonstrukt und wird (beispielsweise jetzt) auf das Sozialkonstruieren von Frau verzichtet, gibt es (ab jetzt) keine Literatur von Frauen und auch keine Frauen in der Philosophie mehr. (Denn auf Frau als biologische Tatsache kann nicht zurückgegriffen werden, sofern Frau ein Sozialkonstrukt ist.)
    Ach nee - mit den alten Kamellen kommst Du. 8)
  • Fliege schrieb:

    Ist Frau ein Sozialkonstrukt und wird (beispielsweise jetzt) auf das Sozialkonstruieren von Frau verzichtet, gibt es (ab jetzt) keine Literatur von Frauen und auch keine Frauen in der Philosophie mehr. (Denn auf Frau als biologische Tatsache kann nicht zurückgegriffen werden, sofern Frau ein Sozialkonstrukt ist.)
    Du kannst dem abhelfen, indem Du dich als Frau sozialkonstruierst, wodurch Deine Beiträge gendermäßig typisch weiblichen Charakter annehmen müssten. Sollte das jemand anzweifeln, ist dies unbedingt als "microaggression" und höchst unkorrekt zu werten.
    P.S. wie erkennt man eine Fliege mit weiblichem Gender?
    Die freie Diskussion ist das eigentliche Fundament der freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. (Bundesverfassungsgerichtshof)
    Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
    Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von hel ()

  • Alexander Ulfig meint (Quelle):
    "An Universitäten und Hochschulen sei ein Netzwerk von Instituten, Zentren, Professuren und anderen staatlich finanzierten Einrichtungen geschaffen worden. In ihnen bleibe Gender als soziale Konstruktion sehr diffus und vage. Dass Gender als soziale Konstruktion zuträfe, sei eine nicht weiter untersuchte Annahme. Es helfe bei der Durchsetzung des Programms des Gender Mainstreamings, also vor allem der Schaffung von Stellen, Professuren, Instituten, Zentren. (Allein die Uni Mainz hat 50 Gleichstellungsbeauftragte.)
    Gender Studies hätten sich von den restlichen Wissenschaften weitgehend abgekapselt, sowohl von den Naturwissenschaften, z.B. von der Biologie, die auch einiges zum Thema 'Geschlecht' zu sagen habe, als auch von den empirisch arbeitenden Sozialwissenschaften. Sie führten an den Universitäten und Hochschulen eine Nischenexistenz und betrieben 'Forschung', die sich von den üblichen wissenschaftlichen Standards entfernt hätte.
    "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln).
  • Fliege schrieb:

    "An Universitäten und Hochschulen sei ein Netzwerk von Instituten, Zentren, Professuren und anderen staatlich finanzierten Einrichtungen geschaffen worden. I
    Die Gesellschaft braucht offensichtlich notwendig diese Thinktanks, in denen dann die Designs für geschlechtsneutrale Ampelschaltungen entworfen werden. Andererseits, wenn diese Narrischkeiten den Preis für die Erkenntnis darstellen, dass das biologische Geschlecht nicht die soziale Rolle bestimmen sollte, ist sie damit noch immer nicht zu teuer erkauft.
    Die freie Diskussion ist das eigentliche Fundament der freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. (Bundesverfassungsgerichtshof)
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  • Bartleby schrieb:

    Interessanter wäre finde ich doch allemal: was denken (manche) Frauen, sofern sie Philosophinnen sind?

    idea schrieb:

    Ich glaube nicht, dass es hier um die biologischen oder sozialen Unterschiede zwischen Mann und Frau geht. Frauen die es geschafft haben sich Bildung anzueignen stehen ihren männlichen Kollegen in nichts nach. Eine Philosophin die mir persönlich gut gefällt, ist Bertha von Suttner.

    Wenn ich mir die kurze PS-Liste auf Amy Sillmans Karikatur ansehe, dann würde ich sagen, daß mit Beginn der Zulassung der Frauen zum (Philosophie)-Studium im Laufe des 20. Jahrhunderts langsam eine Angleichung der Geschlechter begonnen hat.* Angleichung in Bezug auf Veröffentlichungen und die öffentliche Wahrnehmung (Frauen als Profs und Männer als Profs ist wohl nochmal eine andere Geschichte).

    Und da Her K. auf die "Würde des Plurals" (A. Zarri) aufmerksam gemacht hat - um die Philosophinnen der Jahrhunderte zuvor ausfindig zu machen, muß man wohl eher auf die kleineren bzw. die nicht als genuin philosophisch geltenden -schriftlichen- Gattungsformen zurückgreifen. Lyrik, Essays, (Brief)-Romane, fürs Mittelalter dann auch die innerhalb der Klöster verfaßte Visionsliteratur.

    Im übrigen weiß ich gar nicht, ob man sich je ernsthaft damit beschäftigt hat, ob beispielsweise die sogenannten Vorsokratiker nicht auch Frauen gewesen sein können (Alltag! Könntest Du Dir vorstellen, Parmenides ... ?). Klar, das liest sich verrückt, weil man 2000 Jahre die männliche Autorschaft nicht in Zweifel gezogen hat.

    *Husserl fällt mir eben noch ein, der erfolgreich Edith Steins Diss. zu Fall gebracht hat.
  • Die Frau im antiken Athen
    Im 5. Jahrhundert vor Christus hatte sich in Athen, dem größten
    griechischen Stadtstaat, allmählich die Demokratie herausgebildet. Jeder
    Bürger hatte nun das Recht, in der Volksversammlung seine Meinung
    kundzutun, sich also aktiv an der Politik zu beteiligen. Doch wie stand
    es um die Frauen? Hier erfahrt ihr mehr über das Leben und die Aufgaben
    der athenischen Frau im 5. Jahrhundert vor Christus.
    Das galt jedoch nicht für die Frauen. Die athenischen Frauen waren nicht
    nur vom politischen Leben völlig ausgeschlossen. Auch im privaten
    Bereich wurden sie in vielerlei Hinsicht benachteiligt.
    So stand jede athenische Frau ihr Leben lang unter der Vormundschaft
    eines Mannes, ihres Kyrios. Kyrios (gesprochen: kürios mit langen ü)
    kommt aus dem Griechischen und heißt Herr.
    Der Kyrios der Frau war immer ihr nächster männlicher Verwandter, also
    der Vater oder Bruder (wenn der Vater schon tot war) und nach der
    Hochzeit der Ehemann. Dieser vertrat die Frau in allen rechtlichen
    Angelegenheiten: er war ihr Rechtsvertreter bei größeren Geschäften,
    Vertragsabschlüssen und vor Gericht. Außerdem verwaltete er ihr
    Vermögen.
    Die wichtigste Aufgabe des Kyrios war es aber, alle zu seiner Familie
    gehörenden Frauen zu verheiraten. Eine athenische Frau wurde nämlich von
    ihrem Kyrios in die Ehe gegeben, wobei sie selbst keinerlei
    Mitspracherecht hatte, den Bräutigam oft nicht einmal kannte.
    Die Verheiratung einer Frau geschah häufig schon im Alter von 14 Jahren.
    Der Mann war in der Regel wesentlich älter. Deshalb kam es nicht selten
    vor, dass der Ehemann viel früher starb als die Frau und diese dann
    noch einmal verheiratet wurde.
    Durch eine möglichst großzügige Mitgift stellte der Kyrios sicher, dass
    es einer jungen Frau auch in der Familie ihres Ehemannes nicht schlecht
    ging. Die Mitgift durfte nur für die Versorgung der Frau verwendet
    werden und musste bei einer Scheidung an deren früheren Vormund
    zurückgegeben werden.(aus dem Inet)

    Von den antiken Philosophen selbst also jene vor Sokrates sind nur bruchstückhafte Schriftstücke vorhanden sodass, jene Arbeiten vielen Spekulationen ausgeliefert sind. Eine Frau allerdings ging mit Thales in die Geschichte ein - die thrakische Magd die Thales ausgelacht haben soll, als dieser seinen astronomischen Blick in den Himmel richtete und dabei in einen Brunnen gefallen sein soll.

    Die Frauen damals waren also nicht dumm ^^
  • Das ist natürlich so unwissenschaftlich, wie es nur geht. Hier eine Zeittafel mit namentlich bekannten Philosophinnen der Frühzeit. Ohne jede Quellenangabe, und wenn man auf die unterstrichenen Namen klickt, gibt es lediglich Fehlermeldungen. Vielleicht ereilt mich ja noch die Energie, Informationen über den einen oder anderen Namen andernorts aufzutreiben. Meine Vermutung, für die frau keine Hellseherin sein muß, daß die Frauen innerhalb von Texten, die Männern zugeschrieben werden, auftauchen. Der indirekte Zugang, wie gewohnt. besser als nichts.