Frauen in der Philosophie

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  • Hallo Friederike - ein Superartikel, den ich voll unterschreiben kann! Ich werde auch noch etwas nachforschen, kann sein, dass dies einige Zeit in Anspruch nimmt - aber gut Ding braucht Weile!

    Ich habe mir gerade von Ingeborg Gleichauf Denken aus Leidenschaft: acht Philosophinnen und ihr Leben, 2008 bestellt, denn ich muss gestehen, dass auch ich viel zu wenig über die Philosophiegeschichten der Frauen weiß. Es gäbe da noch ein Buch 'Philosophinnen von der Antike bis zur Aufklärung' aber das lasse ich noch, vllt. lese ich das später.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von idea ()

  • Nehmen wir mal an Thales hatte recht und alles ist Wasser. In diesem Fall wäre es natürlich völlig egal, ob diese Wahrheit von Herr oder Frau Thales entdeckt wurde.

    Falls es jedoch falsch ist, könnte man die (vielleicht psychologische) Frage stellen, ob diese Art Fehler vielleicht typisch für männliche Philosophen ist.

    Vielleicht haben Frauen aus irgendwelchen gesellschaftlichen Gründen nicht diese Präsens in der Philosophie. Aber es könnte darüber hinaus auch sein, dass es daran liegt, dass Männer eine bestimmte Art Fehler produzieren, während Frauen zu anderen Fehlern neigen, die weniger Gehör finden, weil ...

    Wenn es irgendeinen Unterschied gibt, findet man ihn vielleicht bei den Irrtümern eher als bei den Wahrheiten :)
  • Jörn schrieb:

    Nehmen wir mal an Thales hatte recht und alles ist Wasser. In diesem Fall wäre es natürlich völlig egal, ob diese Wahrheit von Herr oder Frau Thales entdeckt wurde.
    Weil?

    Jörn schrieb:

    Falls es jedoch falsch ist, könnte man die (vielleicht psychologische) Frage stellen, ob diese Art Fehler vielleicht typisch für männliche Philosophen ist.

    Vielleicht haben Frauen aus irgendwelchen gesellschaftlichen Gründen nicht diese Präsens in der Philosophie. Aber es könnte darüber hinaus auch sein, dass es daran liegt, dass Männer eine bestimmte Art Fehler produzieren, während Frauen zu anderen Fehlern neigen, die weniger Gehör finden, weil ...

    Wenn es irgendeinen Unterschied gibt, findet man ihn vielleicht bei den Irrtümern eher als bei den Wahrheiten :)
    Selbst wenn bestimmte (philosophische oder auch andere) Fehler öfter von Männern begangen würden und andere Fehler eher von Frauen, was würde daraus für eine bestimmte Behauptung oder eine Hypothese folgen, bzw. was würde es helfen, wenn man schaute, ob die Behauptung oder die Hypothese von einem Mann oder einer Frau vertreten würde?

    Ich würde meinen: schlicht rein gar nichts.
  • Jörn schrieb:

    Aber es könnte darüber hinaus auch sein, dass es daran liegt, dass Männer eine bestimmte Art Fehler produzieren, während Frauen zu anderen Fehlern neigen, die weniger Gehör finden, weil ...
    Möglicherweise ist dies der erste Fehler, denn Frauen versuchen, so glaube ich, aus ihrer genetisch bedingten Mutterrolle heraus, stets das Verbindende zu suchen und nicht das Trennende - das stelle ich mal als Behauptung auf. :)
  • Her K. schrieb:

    Selbst wenn bestimmte (philosophische oder auch andere) Fehler öfter von Männern begangen würden und andere Fehler eher von Frauen, was würde daraus für eine bestimmte Behauptung oder eine Hypothese folgen, bzw. was würde es helfen, wenn man schaute, ob die Behauptung oder die Hypothese von einem Mann oder einer Frau vertreten würde?
    Unter Streichung des "oder auch andere Fehler" könnte die Folgerung sein, daß die männliche Herangehensweise geprägt ist davon, nur das propositionale Wissen für relevant zu erachten. Denn zu sagen Thales hatte recht resp. er hatte nicht recht ist ja begründet im Urteilssatz. Jörns Ansatz selbst wäre u.U. ein Indiz für den Unterschied von weiblichem und männlichem Denken. :)
  • Friederike schrieb:

    Unter Streichung des "oder auch andere Fehler" könnte die Folgerung sein, daß die männliche Herangehensweise geprägt ist davon, nur das propositionale Wissen für relevant zu erachten. Denn zu sagen Thales hatte recht resp. er hatte nicht recht ist ja begründet im Urteilssatz. Jörns Ansatz selbst wäre u.U. ein Indiz für den Unterschied von weiblichem und männlichem Denken.
    Mein Punkt ist: Fehler, Verzerrungen und (in Einschränkung und Ergänzung meines obigen Beitrages) Vorlieben können etwas über die Person aussagen, die diese Brillen trägt. Wenn sich bestimmte Verzerrungen (etc.) empirisch signifikant auf auf einigermaßen hinreichend zu individuierbare Gruppen verteilen, kann das etwas über diese Gruppen besagen. (ein Job für Psychologen, Psychoanalytiker und Soziologen, würde ich meinen ...)

    Nehmen wir deine Einschätzung als Beispiel. Folgt daraus, dass ich dieses Thales Beispiel gewählt habe, dass ich nur das propositionale Wissen für relevant zu erachte? (Was immer du damit meinen könntest) Natürlich nicht, ein offensichtlicher Fehlschluss. Eine Übergeneralisierung ... Es sei denn, du würdest Gedichte und Bilder auch zu diesem Wissen zählen, weil du sonst anhand deiner Theorie nicht erklären kannst, wieso ich beides in regelmäßige Abständen hier ins Spiel bringe :) Hier haben wir es mit einer nachvollziehbaren Verzerrung zu tun: du, Friederike hast eine gewisse Vorliebe für diesen Einwurf, ob er nun passt oder nicht :) Vielleicht weil du dich freust, dass Nauplios, das gerne mit Likes quittiert? (Ich betreibe hier nun verderblichen Psychologismus in Reinkultur ...)

    Das Fixiertsein auf diesen Punkt mag etwas über dich sagen, aber sagt es auch etwas über Frauen in der Philosophie? Ich meine, mit (mehr oder weniger) schierem Nachdenken, kann man das wohl kaum herausbringen, weswegen es eine überwiegend empirische Aufgabe ist. Welchen Nutzen hat das? Das ist einfach: Wer von seinen Brillen weiß, kann versuchen, sie abzusetzen :)
  • Jörn schrieb:

    idea schrieb:

    Ich stimme dir zu, denn eine allgemein gültige These ist allgemein gültig d.h. auch für Mann und Frau!
    Läuft das nicht auf das Gegenteil hinaus, dass du nämlich nicht zustimmst? ;)
    Das verstehe ich nicht - Herr K behauptet ja, dass es egal ist ob ein Mann oder eine Frau einen Fehler macht, bzw. eine falsche These ist und bleibt eine falsche These und eine allgemeingültige bleibt allgemeingültig.
  • Falsch ist falsch, das stimmt. Daraus folgt aber nicht, dass es keine systematischen und nachvollziehbaren Verzerrungen geben kann. Das ist doch eine triviale Lebensweisheit, dass wir zu bestimmten Fehlern neigen und die Art der Fehler kann etwas über einen sagen.

    Manche User finden stets sofort Ungereimtheiten, aber sie sind blind für den Gesamtzusammenhang. Das führt notgedrungen zu Fehlern. Aber das ist doch nicht die einzige Art Fehler, die man machen kann, oder? Man kann dem Autor (um das Gegenteil des ersten Beispiels zu haben) zu viel Kredit einräumen und blind für Fehler im Einzelnen sein. Usw. Usf.
  • Hm, ich glaube wir sind noch gar nicht so weit von geschlechtsspezifischen Fehlern zu reden, denn als Voraussetzung einer philosophischen These nehme ich an, dass diese richtig ist. Erst beim Versuch der Falsifizierung/Verifizierung können sich Fehler herauskristallisieren, die dann typisch für ein Frauen- oder Männerbild sein können.

    Es gilt mMn primär festzuhalten welche, und ob überhaupt Thesen von Philosophinnen im Umlauf bzw. bekannt sind. Ich meine Hannah Arendt wäre natürlich ein Thema, aber es kann ja nicht sein, dass sie die einzige Philosophin ist, die es in der Männerwelt geschafft hat Aufmerksamkeit zu erregen, denn auch sie hat sich nicht primär als Philosophin bezeichnet.
  • idea schrieb:

    Es gilt mMn primär festzuhalten welche, und ob überhaupt Thesen von Philosophinnen im Umlauf bzw. bekannt sind. Ich meine Hannah Arendt wäre natürlich ein Thema, aber es kann ja nicht sein, dass sie die einzige Philosophin ist, die es in der Männerwelt geschafft hat Aufmerksamkeit zu erregen, denn auch sie hat sich nicht primär als Philosophin bezeichnet.
    Die in USA wirkmächtigste Philosophin ist sicher Ayn Rand, sie hat eine eigene philosophische Richtung, den Objektivismus, gegründet und ihr Hauptwerk "Atlas Shrugged", das die Hauptthesen ihres moralischen Individualismus und der Verdammung herkömmlicher Vorstellungen von Altruismus exemplifiziert, kommt dort gleich nach der Bibel auf der Liste der einflussreichsten Bücher an 2. Stelle.
    Die freie Diskussion ist das eigentliche Fundament der freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. (Bundesverfassungsgerichtshof)
    Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
    Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
  • idea schrieb:

    Hm, ich glaube wir sind noch gar nicht so weit von geschlechtsspezifischen Fehlern zu reden, denn als Voraussetzung einer philosophischen These nehme ich an, dass diese richtig ist.
    Ich vertrete eben die Ansicht, dass überhaupt nur die Verzerrungen, Präferenzen etc. irgendwie geschlechtsspezifisch sein KÖNNEN.
  • Jörn schrieb:

    Nehmen wir deine Einschätzung als Beispiel. Folgt daraus, dass ich dieses Thales Beispiel gewählt habe, dass ich nur das propositionale Wissen für relevant zu erachte? (Was immer du damit meinen könntest) Natürlich nicht, ein offensichtlicher Fehlschluss. Eine Übergeneralisierung ... Es sei denn, du würdest Gedichte und Bilder auch zu diesem Wissen zählen, weil du sonst anhand deiner Theorie nicht erklären kannst, wieso ich beides in regelmäßige Abständen hier ins Spiel bringe
    Von Deiner Person, Jörn, hatte ich -ich schwörs- abgesehen, und zwar genau aus dem Grunde, den Du hier für Dich persönlich anführst (Bilder, Gedichte, Kunst, Ästhetik). Zur "Übergeneralisierung": o.k. ich ersetze "nur" prop. W. für relevant zu erachten durch "hauptsächlich".

    PS: Ich muß mich korrigieren. Es ist zwar richtig, daß ich von Deiner Person abgesehen hatte; nicht abgesehen aber hatte ich von Deiner Person insofern, als ich auf sie in ihrer Eigenschaft männlich zu sein, Bezug genommen hatte.
  • Jörn schrieb:

    Ich vertrete eben die Ansicht, dass überhaupt nur die Verzerrungen, Präferenzen etc. irgendwie geschlechtsspezifisch sein KÖNNEN.
    Falls ich Dich richtig verstehe, dann würde aus Deiner Aussage folgen, daß es ein, mehrere oder viele "etwas" gibt, die allgemein auf alle Menschen, geschlechtsunabhängig, zutreffen. Beispielsweise die Struktur(en) des Denkens? Das Zusammenspiel der sinnlichen Wahrnehmungen für die Orientierung im Raum?
  • hel schrieb:

    idea schrieb:

    Es gilt mMn primär festzuhalten welche, und ob überhaupt Thesen von Philosophinnen im Umlauf bzw. bekannt sind. Ich meine Hannah Arendt wäre natürlich ein Thema, aber es kann ja nicht sein, dass sie die einzige Philosophin ist, die es in der Männerwelt geschafft hat Aufmerksamkeit zu erregen, denn auch sie hat sich nicht primär als Philosophin bezeichnet.
    Die in USA wirkmächtigste Philosophin ist sicher Ayn Rand, sie hat eine eigene philosophische Richtung, den Objektivismus, gegründet und ihr Hauptwerk "Atlas Shrugged", das die Hauptthesen ihres moralischen Individualismus und der Verdammung herkömmlicher Vorstellungen von Altruismus exemplifiziert, kommt dort gleich nach der Bibel auf der Liste der einflussreichsten Bücher an 2. Stelle.
    Danke, das ist ein guter Tipp, dem werde ich noch nachgehen!

    Ich bin ein paar Tage offline, falls es jemand interessiert :-)
  • Jörn schrieb:

    Ich verstehe nicht genau, was du meinst und worauf du hinaus willst :(
    (Ich denke schon, dass es das eine oder andere Merkmal gibt, das allgemein auf den Menschen zutrifft.)
    Ich will Dich verstehen, nicht mehr und nicht weniger. :) Bestimmt hast Du es mindestens schon zweimal geschrieben, aber ich verstehe trotzdem nicht, was der Punkt ist, auf den es Dir ankommt. Ich kurbel nochmal zurück:

    Jörn schrieb:

    Nehmen wir mal an Thales hatte recht und alles ist Wasser. In diesem Fall wäre es natürlich völlig egal, ob diese Wahrheit von Herr oder Frau Thales entdeckt wurde.
    Hier hatte ich eingehakt, aber das stelle ich zurück, um weiterzukommen.

    Jörn schrieb:

    Falls es jedoch falsch ist, könnte man die (vielleicht psychologische) Frage stellen, ob diese Art Fehler vielleicht typisch für männliche Philosophen ist. [Vielleicht haben Frauen aus irgendwelchen gesellschaftlichen Gründen nicht diese Präsens in der Philosophie.] Aber es könnte darüber hinaus auch sein, dass es daran liegt, dass Männer eine bestimmte Art Fehler produzieren, während Frauen zu anderen Fehlern neigen, die weniger Gehör finden, weil ...
    Unter Vernachlässigung des Satzes in Deinem Zitat, den ich in eckige Klammern gesetzt habe - könntest/würdest Du ein Beispiel nennen, welch ein konkreter Fehler dies sein könnte -rein hypothetisch- der als ein geschlechtsspezifischer angesehen werden könnte.


    idea schrieb:

    Ich bin ein paar Tage offline, falls es jemand interessiert :)
    Mich natürlich, :) idea. Ich freue mich immer, wenn Ihr Bescheid sagt - also bei denjenigen, die ich mag.
  • Hi @Friederike:

    Mein Grundgedanke ist (glaub ich) ziemlich simpel. Stell dir folgendes Szenario vor, das ein wenig an den Turing-Test erinnern mag, aber um den Aspekt der Triangulation erweitert ist. (Dieser Aufbau ist gewissermaßen eine Mischung aus Davidson, Turing und Gabriel :) )

    Du sitzt vor einem Monitor und dir wird eine synthetische Welt präsentiert, die aus lauter "einfachen Tatsachen" besteht: das ist blau, jenes befindet sich über diesem, manches ist rund, anderes eckig etc. Deine Aufgabe besteht darin, "psychologische Wahrheiten" über eine Versuchsperson heraus zu bekommen, die die selbe synthetische Welt präsentiert bekommt. Du bekommst die Person aber nicht zu Gesicht, sie befindet sich in einem anderen Raum. Der einzige Kontakt besteht darin, dass die fragliche Person dir über eine Textbox (wie hier im Chat) erzählt, was sie sieht. (Ihr könnt euch nicht austauschen, du kannst nur zuhören.) Sie ist angewiesen, dir wahllos ihre eigenen Beobachtungen mitzuteilen.

    Solange diese Person dir einfach "gleichmäßig verteilte" Wahrheiten über die synthetische Welt erzählt, die ihr beide seht, erfährst du nichts über ihre Psyche. Spekulationen darüber sind dir erst möglich (so vermute ich zumindest) wenn sie irgendwelche Verzerrungen zu erkennen gibt. Wenn sie also auffällig häufig von den blauen Dingen der synthetische Welt erzählt, obwohl es ebenso viele rote und grüne Dinge gibt. Wenn sie einen Fokus auf rundes legt. Wenn sie manches ganz und gar ausspart, wenn sie Dinge die dir 6-eckig erscheinen 7-eckig nennt, wenn sie grünes für grau hält ... usw. usf.

    Nur die Verzerrungen, Unwahrheiten und Einseitigkeiten (die du zurecht oder vermeintlich erkennst) können dir Ansätze zu Spekulationen über die Person und ihre Eigenarten geben.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von _its_not_me_ ()

  • Jörn schrieb:

    Mein Grundgedanke ist (glaub ich) ziemlich simpel. Stell dir folgendes Szenario vor, das ein wenig an den Turing-Test erinnern mag, aber um den Aspekt der Triangulation erweitert ist. (Dieser Aufbau ist gewissermaßen eine Mischung aus Davidson, Turing und Gabriel :) )
    Kurze Zwischenmeldung, Jörn. Ich habe Deine originelle Versuchsanordnug gelesen ... und möchte das Gedankenexperiment aber doch erst sorgfältig behirnen, um nicht "aus der Hüfte geschossen" zuzustimmen oder/und zu entgegnen.