Frauen in der Philosophie

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  • Ich finde interessant, dass bei Boethius einem spätantiken römischen Denker, die Philosophie als Frau auftaucht in seinem bekannten Werk Trost der Philosophie.

    "Das Werk ist als Dialog zwischen dem Autor und der personifizierten Philosophie, die ihn tröstet und belehrt, konzipiert."

    "Die Consolatio schildert die Heilung des in der Not der Gefangenschaft seelisch erkrankten Autors. Seine Heilung vollzieht sich unter der kundigen Anleitung der Philosophie, die ihm als allegorische Gestalt erscheint. Sie verhilft ihm in einem unter didaktischen Gesichtspunkten durchgestalteten Dialog zu den Erkenntnissen, die er benötigt, um der Verzweiflung zu entrinnen und sein Schicksal zu akzeptieren."

    Und:

    "Da erscheint ihm die Philosophie als ehrwürdige Frauengestalt. Sie übernimmt die Aufgabe, ihn durch Belehrung zu heilen.". Ich finde das ungemein interessant, dass hier ein (spät) antiker Denker die Philosophie erstmals als "Frauengestalt" auftreten lässt und soweit ich sehe , ist das für die damalige Zeit eher ein Novum.

    Quelle:
    de.wikipedia.org/wiki/Der_Trost_der_Philosophie

    de.wikipedia.org/wiki/Boethius#Die_Consolatio_philosophiae


    Bei Lukian wird in dem Stück /dem Text Der Doppelt Angeklagte der Dialog/Dialogus als "Sohn der Philosophie" ( Lukian 2014, S.900) bezeichnet. Auch wird die Philosophie als Frauengestalt gedacht (hier eben als Mutter).

    ich bin aber nicht sicher, ob die Philosophie als Frau auch zu diesem Threadthema inhaltlich gehört oder nicht. Vom Aspekt her , finde ich das aber interessant und da es hier inhaltich um Frauen geht, dachte ich, müsste das eigentlich auch hier hingehören...wenn man aber der Meinung ist, das wäre ein eigenes (anderes) Threadthema, kann der oder diejenige sich gern dazu äußern (in diese Richtung gehend).

    PS: Sonst kann ich aber auch gern , die eine oder andere Philosophin nennen, die ich gerne lese (und was auch direkt zum Threadthema passen würde).
    "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

    "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
  • HI philosophist - du kannst gern alles zum Thema Frauen und Philosophie schreiben, es ist sicher interessant.
    Meine Antwort bzw. mein Threadstart bezog sich auf Friederikes Anmerkungen.

    Ich findes es übrigens gar nicht mal so seltsam, dass Boethius Philosophie weiblich betrachtete. Schließlich hatten Frauen ein bestimmtes Bild verkörpert und gerade dazu zählt das Bild der Mutter die ihre Söhne umhegt und pflegt. Das Mutterbild war in der Antike, so glaube ich besonders ausgeprägt allein schon durch die Göttinnen die aus heutiger Sicht die unmöglichsten oder nicht auf natürlichem Weg gezeugten Söhne zur Welt brachte. Daran anknüpfend auch das Marienbild als Jungfrau dieals solche einen Sohn gebar.
  • idea schrieb:

    HI philosophist - du kannst gern alles zum Thema Frauen und Philosophie schreiben, es ist sicher interessant.
    Meine Antwort bzw. mein Threadstart bezog sich auf Friederikes Anmerkungen.

    Ich findes es übrigens gar nicht mal so seltsam, dass Boethius Philosophie weiblich betrachtete. Schließlich hatten Frauen ein bestimmtes Bild verkörpert und gerade dazu zählt das Bild der Mutter die ihre Söhne umhegt und pflegt. Das Mutterbild war in der Antike, so glaube ich besonders ausgeprägt allein schon durch die Göttinnen die aus heutiger Sicht die unmöglichsten oder nicht auf natürlichem Weg gezeugten Söhne zur Welt brachte. Daran anknüpfend auch das Marienbild als Jungfrau dieals solche einen Sohn gebar.
    Ja ich danke dir. Ich persönlich fand es eigentlich passend zum Thema, obwohl es schon etwas auch über das eigentliche Thema hinausführt. Daher auch meine Anmerkung, dass ich natürlich auch die ein oder andere Philosophin hier nennen kann und mich darauf beschränken.

    Für mich ist es bemerkenswert, dass in der (spät)antiken Philosophiegeschichte hier die Philosophie als Frauengestalt auftritt und somit weiblich betrachtet wird. Eigentlich mutet die Philosophie hier auch an wie eine Art "Göttin", wenn der Ausdruck erlaubt ist. Bei Lukian wird eben der Dialog als "Sohn der Philosophie" bezeichnet. und das impliziert dass auch hier die Philosophie als Frauengestalt schon vorlag und als Mutter gedacht wird. Vielleicht figuriert hier auch die Philosophie als Mutter, die ihren Sohn Boethius Trost in der Zelle spendet.In dem Sinne kann man das auch interpretieren.
    "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

    "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
  • Hallo Philosophist -

    ich habe zu deiner Beschreibung über Boethius von Christiam Godin was Interessantes gefunden: Er schreibt folgendes:
    "Während Boethius durch seine poetische Aktivität nach Erleichterung seines grausamen Schicksals sucht, erscheint ihm die Philosophie in der Gestalt einer ehrwürdigen Frau mit funkelnden Augen und mit einer übermenschlichen Intelligenz. Ihr aus einem kostbaren Stoff hergestelltes Kleid bildet das untere Ende des Buchtabens P und den oberen Teil des Buchstanbens T. Währen des ganzen Mittelalters wird es Brauch sein, die Philosophie auf diese Weise darzustellen.
    Das P steht für 'Praxis', und das T bedeutet 'Theorie: Das T steht oben. Die symbolische Bedeutung ist klar: Man muss von der Praxis zur Theorie gelangen, das heißt, man muss den Weg der Kontemplation gehen. So beruhigt die Philosophie ihren Schüler, den die Nähe des Todes in Verzweiflung stürzt. Die Verzweiflung besteht aus Unkenntnis: Boethius will sich begreifen. Es genügt nicht, nur abstrakt an einen Schöpfergott und einen Weltenherrscher zu glauben. Das Wesentliche dabei ist, zu wissen, wie es möglich ist, sich mit ihm zu vereinen. Als eine Art Synthese zwischen dem Phaidon Platons und den christlichen Evangelien plädiert der Trost der PHilosophie für eine Versöhnung von griechischer Philosophie und christlicher Offenbarung." (Geschichte der PHilosophie für Dummies, S 184)
  • idea schrieb:

    Friederike schrieb:

    Das ist natürlich so unwissenschaftlich, wie es nur geht.
    Möchtest du mir bitte erklären was genau du damit meinst!
    Findest Du es wissenschaftlich, in einem "Wissenschaftsthread" eine Zeittafel zu verlinken mit Namen, von denen nicht angegeben ist, welchen Texten sie entnommen sind?! Das eignet sich eigentlich und genaugenommen mehr fürs Kaffeestübchen.
  • Friederike schrieb:

    Ich versteh' nicht, worum es jetzt geht, idea. Verlinkt habe ich sie hier, weil es hier um Frauen in der Philosophie geht.
    Ich finde das Motto "Besser ists schon, wie gar nix" gar nicht so schlecht. Aber warum nicht die wikipedia-liste der Philosophinnen verwenden? Es sind mehr und die links stimmen. Aber vielleicht bringt es auch mehr, sich auf bestimmte Philosophinnen einzuschießen (mein Gott, meine Metaphern gehen heute mit mir durch) und von Ihnen auf Allgemeingültiges induktiv zu schließen.
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  • idea schrieb:

    Hallo Philosophist -

    ich habe zu deiner Beschreibung über Boethius von Christiam Godin was Interessantes gefunden: Er schreibt folgendes:
    "Während Boethius durch seine poetische Aktivität nach Erleichterung seines grausamen Schicksals sucht, erscheint ihm die Philosophie in der Gestalt einer ehrwürdigen Frau mit funkelnden Augen und mit einer übermenschlichen Intelligenz. Ihr aus einem kostbaren Stoff hergestelltes Kleid bildet das untere Ende des Buchtabens P und den oberen Teil des Buchstanbens T. Währen des ganzen Mittelalters wird es Brauch sein, die Philosophie auf diese Weise darzustellen.
    Das P steht für 'Praxis', und das T bedeutet 'Theorie: Das T steht oben. Die symbolische Bedeutung ist klar: Man muss von der Praxis zur Theorie gelangen, das heißt, man muss den Weg der Kontemplation gehen. So beruhigt die Philosophie ihren Schüler, den die Nähe des Todes in Verzweiflung stürzt. Die Verzweiflung besteht aus Unkenntnis: Boethius will sich begreifen. Es genügt nicht, nur abstrakt an einen Schöpfergott und einen Weltenherrscher zu glauben. Das Wesentliche dabei ist, zu wissen, wie es möglich ist, sich mit ihm zu vereinen. Als eine Art Synthese zwischen dem Phaidon Platons und den christlichen Evangelien plädiert der Trost der PHilosophie für eine Versöhnung von griechischer Philosophie und christlicher Offenbarung." (Geschichte der PHilosophie für Dummies, S 184)

    Ja danke dir für das ausführliche Zitat. Soweit ich mich erinnere findet man oft in mittelalterlichen Darstellungen, die Philosophie, die Dialetik,die Rhetorik usw. als Frauengestalten dargestellt. Das war damals vermutlich das gängige Verständnis. Das mit den Buchstaben wusste ich nicht so genau, also diese Details, daher danke ich dir für diesen Hinweis dazu. Besonders was das Verhältnis von Theorie und Praxis anbetrifft und ihrer Reihenfolge.
    "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

    "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
  • de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Philosophinnen

    Die wikipedia-Liste ist in der Tat nicht vollständig. Da könnte man sicherlich noch einige hinzufügen.
    "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

    "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
  • Hmja, die Wikiliste ist ein alter Hut - sie beschreibt aber nicht, sondern zählt nur auf, d.h. erfasst Mengen, die Quantität der Frauen in der Philosophie und sagt nur aus, dass bis in die Gegenwart wenige Frauen im Vergleich zu den männlichen Kollegen Gelegenheit hatten sich Wissen und hier speziell philosoph.Wissen anzueignen. Wobei noch zu betonen wäre, dass sich die Philosophie der Gegenwart deutlich von der Philosophie der Antike, des Mittelalters oder der Neuzeit abgrenzt, bzw. sich geändert hat.
  • Das Thema Frauen in Philosophie lässt mich nicht los, so habe ich mich auf die Suche gemacht und dabei entdeckt, dass z.B. Wolfgang Röd, den ich wegen seiner ausführlichen Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Philosophie sehr schätze, dieser konsequent Frauen daraus('Der Weg der Philosophie') ausgeschlossen hat. Nicht einmal Hannah Arendt ist erwähnt oder Beauvoir - das scheint mir doch etwas seltsam zu sein.
    Währenddessen Christian Godin in 'Die Geschichte der Philosophie für Dummies' Arendt im Zusammenhang mit Totalitiosmus und Beauvoir nur quasi als Nebenerscheinung Satres erwähnt, aber doch so, dass sie einen sehr bedeutenden Satz zu den kluturellen Verwicklungen sagte:' Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht' - wie wahr und weitsichtig!(S 476)

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  • Ja den Eindruck habe ich auch bei der Liste. Und natürlich muss man die moderne Philosophie von der antiken unterscheiden, da hat sich eben einiges geändert in der Zwischenzeit.

    Soviel Bücher gibt es nicht zum Thema, soweit ich sehe.
    "Aber es ist nicht so, daß auf der einen Seite der Philosoph und auf der anderen der Sophist stünde, sondern weil die Philosophie wesentlich eine menschliche, d.h. endliche Möglichkeit ist, deshalb steckt in jedem Philosophen ein Sophist." (Heidegger, Gesamtausgabe Band 27, S.24)

    "ρητορευεις εν φιλοσοφοις και φιλοσοφεις εν ρητορσι, και ουτε σοι το φιλοσοφον αρρητορευτον- αχαρι γαρ -ουτε το ρητορικον αφιλοσοφον -ακλυτον γαρ-" (Aus einem bisher unübersetzten Text)
  • @idea, würdest Du gelegentlich einmal bei Godin nachsehen, ob er -als Franzose- im Rahmen der postmodernen, poststrukturalistischen Philosophie Philosophinnen (Irigary, Kristeva, Cioux, Butler) erwähnt bzw. ob er auf die philosophische Genderforschung (USA, Frankreich, dt.-sprachige Länder) und deren Vertreterinnen eingeht?
    Ich meine, Röd gehört, soweit ich mich erinnere, noch zu der Generation, die sowieso hauptsächlich eine Philosophiegeschichte der "Namen" verfaßt haben? Eins zweibändiges Werk jüngeren Datums ist die Einführung in die Philosophie von Skirbekk/Nilje, die ich gelesen habe. Die beiden Autoren haben die Geschichte der Philosophie mehr als die Geschichte von Problemlösungen geschrieben. Die Namenszuordnung steht an zweiter Stelle. Leider sind mir die Bücher im Augenblick nicht zugänglich, sodaß ich es nicht nachprüfen kann. Meine Erinnerung geht allerdings so, daß sie Philosophinnen allenfalls auch nur gebündelt oder/und als Rand-Erscheinungen erwähnt haben.
  • Friederike schrieb:

    Ich meine, Röd gehört, soweit ich mich erinnere, noch zu der Generation, die sowieso hauptsächlich eine Philosophiegeschichte der "Namen" verfaßt haben?
    Ich habe Röd eher als einen an Konzepten interessierten Philosophiehistoriker zur Kenntnis genommen. Seine eingestreuten philosophiesystematischen Arbeiten gehen da ein wenig unter, was schade ist, weil Röd eine interessante Weiterentwicklung Kantscher Vorstellungen empfiehlt.
    "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
  • Fliege schrieb:

    Ich habe Röd eher als einen an Konzepten interessierten Philosophiehistoriker zur Kenntnis genommen. Seine philosophiesystematischen Arbeiten gehen ein wenig unter, was schade ist, weil Röd eine interessante Weiterentwicklung Kantscher Vorstellungen empfiehlt.
    Sicher ist er weniger an Hegel und Husserl interessiert. Nur de Beauvoirs "Das andere Geschlecht" ist zweifellos ebenso stark von Hegel inspiriert und geprägt wie Sartres Hauptwerk von Hegel/Husserl - und ... Heidegger auch?
  • Friederike schrieb:

    @idea, würdest Du gelegentlich einmal bei Godin nachsehen, ob er -als Franzose- im Rahmen der postmodernen, poststrukturalistischen Philosophie Philosophinnen (Irigary, Kristeva, Cioux, Butler) erwähnt bzw. ob er auf die philosophische Genderforschung (USA, Frankreich, dt.-sprachige Länder) und deren Vertreterinnen eingeht?
    Nein, Godin erwähnte die von dir genannten Philosophinnen nicht. Er geht zwar auf den Strukturalismus ein, erwähnt dabei aber Ferdinand de Saussure und in Verbindung mit der Psychoanalyse Lacan und natürlich Freud. Der Strukturalismus scheint aber kein so großes Thema der Philosophie zu sein.
    Er schreibt dazu: 'In den Geisteswissenschaften ist die Struktur eine zwingende objektive Realität, auf die das Bewusstsein des Subjekts keinen Einfluss hat. So wird verständlich, dass der Strukturalismus, philosophisch gesprochen, mit einem entschiedenen Antihumanismus einhergeht.'(S 461)


    Friederike schrieb:

    Ich meine, Röd gehört, soweit ich mich erinnere, noch zu der Generation, die sowieso hauptsächlich eine Philosophiegeschichte der "Namen" verfaßt haben?
    Ich schließe mich der Meinung Flieges in diesem Punkt an, Röd verfolgt in seinem Werk eine durchaus eigenständige Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Philosophie und ist nicht unbedingt auf Namen kapriziert. Er stellt natürlich keinen Vollständigkeitsanspruch, aber auffällig ist es schon, dass keine einzige Frau darin vorkommt. Seine Generation - hm, sooo alt war er nicht, zumindest müsste ihm Arendt ein Begriff gewesen sein. Er ist vor einem oder zwei Jahren gestorben, auf das Datum möchte ich mich nicht versteifen. Für mich ist es leider auch schwierig an entsprechende Literatur zu gelanden, wenn sie nicht in meinem Regal steht, weil ich wie sicher schon mal erwähnt mitten auf dem Land wohne und die nächste Unibibliothek eine Stunde entfernt ist.
  • Zum online-lesen :) habe ich noch was aufgetrieben. Es ist ein Aufsatz, der, wenn ich es richtig verstehe, in der inneruniversitären Zeitschrift "Unique" der Uni Wien 2o11 veröffentlicht worden ist. Karin Kuchler, "Frauen in der europäischen Philosophiegeschichte". Kuchler gibt darin einen, wie ich finde, ausführlichen und zutreffenden Überblick über die vielfältigen Gründe und die unterschiedlichen Mechanismen des Ausschlusses von Frauen aus der Philosophiegeschichtsschreibung sowie der Philosophie überhaupt. Und, das finde ich nebenbei nicht gerade unwichtig, diese Gründe betreffen zum Teil auch genauso die Männer. Ganz abgesehen von der gesellschaftlichen Schichtzugehörigkeit spielt beispielsweise u.a. eine entscheidende Rolle, welche Gattungsformen für das Schreiben gewählt werden oder gewählt worden sind (systematisches Werk oder kleinere Formen wie Aphorismen, Essays, Aufsätze).