Aristoteles Gerechtigkeit

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    • Aristoteles Gerechtigkeit

      Hallo zusammen,

      ich habe eine Frage zur aristotelischen Gerechtigkeit. Aristoteles definiert die Gerechtigkeit ja als diejenige Tugend, die als einzige das "Gut des anderen" ist, also nicht auf die persönliche Eudaiminia ausgerichtet, sondern auf der Glück des Gemeinwesens ist.
      Meine Frage dazu wäre, wie es beispeilsweise mit der Großzügigkeit aussieht. Mir scheint, dass auch die Großzügigkeit eine Tugend ist, die vor allem "Gut des anderen" ist. Wie lässt sich also im Hinblick darauf die These halten, die Gerechtigkeit sei die einzige Tugend, die auf die Beziehung zu anderen ausgerichtet ist.
      Freue mich über eure Meinungen.
    • Ja, aber die Großzügigkeit ist bei Aristoteles ja eine Tugend. Die zwischen Geiz und Protzerei. Das bedeutet die Großzügigkeit definiert eben auch eine Mitte. Und Großzügigkeit ist doch etwas, was ebenfalls nur in Bezug auf andere möglich ist.
      Der Unterschied zur Gerechtigkeit, deren ontologischer Status es ja ist, notwendig auf andere bezogen zu sein, ist mir nicht ganz klar. Denn Großzügigkeit, ist jedenfalls meiner eigenen Definition nach, auch notwendig auf den anderen bezogen.
      Und meine Frage bezieht sich auch weniger auf die Verteilungsgrechtigkeit, als viel mehr auf die allgmeine Gerechtigkeit, die Aristoteles als oberste aller Tugenden bestimmt und zwar gerade deswegen, weil sie notwendigerweise auf den anderen bezogen ist.
    • ich habe mal recherchiert

      Das Wort Großzügigkeit stammt von Aristoteles, einer der bekanntesten Philosophen der Geschichte.

      Das Ursprungswort der Großzügigkeit ist eleutheriotes. Dieses Wort setzt sich aus dem Wort asotia, was Verschwendungssucht bedeutet und dem Wort aneleutheria, zu Deutsch Geiz zusammen.

      wertesysteme.de/alle-werte-def…en/g-h-i-j/großzügigkeit/
      bei dieser Herleitung habe ich ein Problem,
      denn das Wort ELEUTHERIA (= Freiheit) scheint mir näher an ELEUTHERIOTES,
      als ASIOTA und ANELEUTHERIA zu sein

      was die Endung -iotes bedeutet, weiss ich nicht
      die gibt es aber häufig

      Der großzügige Mensch setzt sein Geld trefflich ein

      wissen57.de/aristoteles-denkt-…e-groszugigkeit-nach.html
      diese Überschrift bestätigt das, was ich bereits gesagt habe

      es geht darum,
      das zu Verteilende so zu verteilen,
      daß jeder Anteil die richtige Größe hat

      Nun bedeutet aber vom Geld Gebrauch machen für Aristoteles soviel wie ausgeben oder schenken, während das Nehmen und Sichern mehr dem Besitzen gleichkommt. Daher ist der Großzügige mehr durch das Schenken an der richtigen Stelle charakterisiert als durch ein Nehmen von der richtigen oder ein Nichtnehmen von der unrichtigen Stelle. Denn Trefflichkeit ergibt sich mehr im Erweisen als im Empfangen einer Wohltat kund und mehr in edlem Handeln als im Vermeiden des Unedlen.

      wissen57.de/aristoteles-denkt-…e-groszugigkeit-nach.html
      dazu passend
      wird der Schwerpunkt der Tugend Großzügigkeit ins Sein und nicht ins noch-mehr-haben-Wollen gelegt

      speziell (eleutheria)
      geht es um die langfristige Höherentwicklung der Freiheit (praxis)
      durch das Kapital (Umwelt, Soziales, Recht, Kunst, Religion)

      FREIHEIT (praxis)
      autonomia
      Der Kontrast wirft einen Schatten und gestaltet die Freiheit.
      autarkeia
      Die Referenz eines Fackelträgers genügt als Signal für die Freiheit.
      eleutheria
      Die Intention einer Verfassung entfaltet die Freiheit.


      PRAXISLEBENFREIHEITEN
      autonomiabios politikossich selbst bestimmen
      autarkeiabios apolaustikossich selbst genügen
      eleutheriabios theoretikosgeistreich sein
      doulus (Sklave)biaios (lebensunwert)poiesis (herstellen)
    • Hallo scilla,

      erstmal vielen Dank für deine Recherche und Antwort.

      Ich glaube allerdings, dass mein Problem noch nicht ganz klar geworden ist. Aristoteles schreibt in EN, V: "Gerechtigkeit [...] ist vollkommene Tugendhaftigkeit, weil der welcher sie besitz, diese Tugendhaftigkeit nicht nur bei sich, sondern auch in der Beziehung zu anderen Menschen verwirklichen kann."
      An einer anderen Stelle, wo mir das wörtliche Zitat gerade nicht vorliegt spricht A. davon, dass NUR die Gerechtigkeit das "Gut des anderen" ist, da nur bei dieser Tugend der Bezug auf die anderen vorliegt.

      Die Definition von Großzügigkeit, die du recherchiert hast, würde dem ja gerade widersprechen. Denn das Verteilen nach Maßstäben der (wie auch immer gearteten) Gleichheit, ist ja auch ein Bezug auf den anderen. Großzügigkeit ist keine Tugend, die ausschließlich das Verhältnis zu mir selbst beschreibt, also zu meinem eigenen Guten ist, sondern hat eben immer auch Bezug zum anderen.
      Deshalb verstehe ich A.s Aussage nicht, warum dieses Verhältnis nur bei der Gerechtigkeit vorliegen soll.
      Dabei spricht Aristoteles ja sowhol von der allgmeinen als auch von der besonderen Gerechtgkeit (zu der auch die Verteilungsgerechtigkeit dazu gehört).
    • 1) liberalitas = Großzügigkeit
      libertas = Freiheit

      siehst Du die Ähnlichkeit?

      2) wenn die Großzügigkeit als goldene Mitte zwischen Geben und Nehmen bezeichnet wird,
      dann soll damit die Überwindung des Gegensatzes von plus und minus initiiert werden

      es geht um das nichtdualistische Sein und nicht um die platonische Ideen/Sinnenwelt

      3) das konkrete Beispiel für das Sein ist die Umwelt
      (die Umwelt überwindet das erkennende Subjekt und das erkannte Objekt)

      dualistisch wäre die Natur (objektiv = Ideenwelt & subjektiv = Sinnenwelt)

      4) eine gerechte Verteilung übervorteilt niemanden
      und dadurch ist ebenso das Sein erreicht

      dualistisch wäre der Anteil, den es wohlfeil gibt (Ideenwelt) oder um den gefeilscht wurde (Sinnenwelt)

      5) Aristoteles hat also mit Gerechtigkeit und Großzügigkeit zwei Beispiele gebracht, um zum Sein vorzudringen

      er hat damit das Sein aber noch nicht näher bestimmt

      6) das Sein ist nur einer der drei Aspekte der Dreifaltigkeit

      der erste Aspekt wäre der Gesprächsgegenstand
      (hierher gehört die Rechtsprechung)
      der zweite Aspekt ist das Sein
      (hierher gehört die Umwelt und deren Analyse)
      der dritte Aspekt ist das Wesen
      (hierher gehört das Kapital)
    • scilla schrieb:

      was die Endung -iotes bedeutet, weiss ich nicht
      Das könnte daran liegen, dass es diese Endung im Griechischen nicht gibt.

      scilla schrieb:

      die gibt es aber häufig
      Nö.

      Die Buchstabenfolge "iotes" kommt aber in einigen Substantiven vor. Bekanntes Beispiel ist der IDIOTES. Dabei ist "idiot" der Stamm und "es" die Endung im Singular Nominativ.

      Was deiner These weiterhin widerspricht, ist der Umstand, dass ELEUTHERIA weiblich ist, ELEUTHERIOTES dagegen männlich.