Adorno - Negative Dialektik und Nichtidentisches

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  • Adorno - Negative Dialektik und Nichtidentisches

    Ich lese gerade die Adorno-Biographie von Clausen. Ob Adorno ein letztes Genie war sei einmal dahin gestellt. in jedem Fall war er einer der bedeutendsten Philosophen des 20.Jahrhunderts. Dennoch ist er aus der heutigen philosophischen Diskussion weitgehend verschwunden. Die Kritische Theorie ist in Seminaren und aktuellen Diskussionen höchstens noch von historischem Interesse.
    Die Dialektik der Aufklärung ist unter dem Eindruck des Nationalsozialismus und des Holocausts entstanden und arbeitet sich an der großen Frage ab, wie in einem aufgeklärten Europa ein solcher Rückfall in die Barbarei möglich sein konnte. Der berühmte Kulturindustrie-Aufsatz verhandelt die Transformation der bürgerlichen Kultur in warenförmige Konsumgüter mit allen ihren Konsequenzen. Es ging Adorno und Horkheimer jedoch nicht um eine pessimistische Kulturkritik, sondern um eine gesellschaftstheoretische Erschließung von kulturellen Phänomenen.
    Adorno verstand sich als ein gescheiterter Komponist auch als ein produzierender Künstler und seine Schriften zur Philosophie und Soziologie der Musik sind inhaltlich aufs Engste verbunden mit seinen gesellschaftstheoretischen Annahmen. Auch als empirischer Sozialforscher wurde Adorno bekannt mit seiner Studie zur autoritären Persönlichkeit. Er verstand die empirische Forschung jedoch eher als notwendigen Broterwerb, sie gehörte nicht zu seinen Steckenpferden.
    Aus der deutschen Öffentlichkeit der 50er und 60er Jahre ist Adorno als engagierter Intellektueller, der in aufklärerischen und kritischen Radio- und Fernsehauftritten das intellektuelle Nachkriegsdeutschland prägte, nicht weg zu denken. Seine späten Schriften zur "Negativen Dialektik" und der "Ästhetischen Theorie" gehören sicher zu den Hauptwerken.

    Beim Lesen der Biografie habe ich Lust bekommen, Adorno nochmal eine Chance zu geben. Es ist schon fast ein Jahrzehnt her, dass ich die "Dialektik der Aufklärung" und Horkheimers Aufsatz zur "Traditionellen und Kritischen Theorie" gelesen habe. Ich wollte nurmal vorfühlen, ob es hier im Philosophieraum Menschen gibt, die sich schon einmal mit Adorno befasst haben oder Lust hätten sich durch die sicher nicht leicht zu lesenden Texte durch zu ackern.
    Gerade die Dialektik der Aufklärung lohnte sich sicher auch heute noch für eine kritische Lektüre. Ich fände aber auch andere Aufsätze interessant, z.B. seinen Aufsatz zum Pragmatismus ("Wie ist Neues überhaupt möglich?"). An die ganz schweren Brocken, wie die "Negative Dialektik" und die "Ästhetische Theorie" habe ich mich bisher auch noch nicht heran getraut. Aber man wächst ja mit seinen Herausforderungen.

    Gibt es hier Menschen, die Interesse an Adornos Philosophie haben und eventuell auch Lust einen Lektürethread zu starten?
    Zur Einstimmung



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    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Ich würde ja sehr gerne in einem Thread mit Dir zusammen eine Lektüre lesen -aus verschiedenen Gründen, die ich aber im Laufe der Zeit schon geäußert habe -zusätzlich noch, weil Du am Ball bleibst und die Lektüren nicht wie so oft zu "Rohrkrepierern" werden. Aber Adorno: Absolut nein. Das hat überhaupt keinen bestimmten Grund, ich habe einfach keine Lust dazu. Hast Du nicht einen anderen Vorschlag?!
  • Es ist irgendwie schwierig ein Thema oder einen Autoren zu finden, der auf so großes Interesse stößt, dass zumindest eine handvoll Menschen es für wert erachten sich über einen längeren Zeitraum damit intensiver zu beschäftigen. Adorno wäre bei mir auf jeden Fall so ein Thema. Ich sehe aber auch ein, dass die Sperrigkeit der Formulierungen und Texte es bei Adorno schwer machen. Aber es lohnt sich vielleicht auch die
    "(Schwerst-)Arbeit am Begriff" zu wagen, weil interessante Erkenntnisse zu ernten sind.
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  • Adorno würde ich vielleicht auch lesen, aber nicht mehr die Dialektik der Aufklärung. @Philzer ist da vielleicht interessiert.

    Wenn du aber wirklich begreifen willst, lies Zeitung, Geschichte und Wirtschaftstheorie - nur dadurch kann man wirklich begreifen und versteht nicht nur logisch konsistente Begriffskomplexe, sondern u.a. den Sinn hinter dem Begriff an sich selbst.
    „Die Gegenwart ist die Zeit der Analysen, das Resultat aller Systeme, die jemals entstanden sind.“ - Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch
    Es gilt die Logik auf Geometrie zu gründen.
    Die Geschichte von den zwei Quadraten.
    Die Geschichte der Religion.
  • In den 20er Jahren war Adorno Student der Komposition bei Alban Berg in Wien. Die revolutionäre Kreis der Neuen Musik um Arnold Schönberg übte große Faszination auf den jungen Musiker Adorno aus. Zur damaligen Zeit war der marxistische Literaturwissenschaftler und Theoretiker der Verdinglichung, Georg Lukacs, ein weiterer intellektueller Fixstern am geistigen Himmel des jungen Adorno. Adorno tat sich als gesellschaftstheoretisch geschulter Musikkritiker hervor. Als Komponist war ihm weniger Fortune beschieden.

    In Frankfurt entwarf Max Horkheimer in seinem Aufsatz "Traditionelle und Kritische Theorie" in den 30er Jahren das Projekt einer Kritischen Theorie, die sich vom orthodoxen Marxismus abgrenzte. Mit der Zeitschrift für Sozialforschung gab es ein zentrales Publikationsorgan. Das Institut für Sozialforschung wurde mit dem Vermögen des Weizenspekulanten Felix Weil gegründet. Es entstand die Frankfurter Schule. Adorno wollte unbedingt an diesem Projekt mitwirken und konkurrierte mit Marcuse um die Gunst von Max Horkheimer, der mit Pollock das Institutsvermögen verwaltete.
    In der Emigration in den USA während des zweiten Weltkriegs entstand die Idee der Kritischen Theorie als Flaschenpost für spätere Generationen.
    Adorno liebte das Bild der Flaschenpost. Leo Löwenthal erzählte mir, daß Adorno einstmit Hanns Eisler und anderen Freunden der Emigration am Pazifik stand und seufzte:»Ach, was ich jetzt möchte, ist: die Quintessenz meines Denkens auf einen Zettelschreiben, in eine Flasche stecken und in den Ozean werfen. Dann wird eines fernenTages auf einer fernen Insel irgend jemand die Flasche finden und öffnen und lesen... «- »Na was schon, Teddy? -: Mir ist so mies!« konterte Eisler.
    Nach dem Krieg und der Rückkehr nach Deutschland hielt Horkheimer die Zeitschrift für Sozialforschung aus den 30er Jahren und die Dialektik der Aufklärung unter Verschluss in einem Giftschrank im Keller des Instituts. Es war die Zeit des kalten Kriegs und die Erfahrungen aus der McCarthy Ära und der Kommunistenverfolgung in den USA ließen Horkheimer jede Verbindung zum Kommunismus gefährlich erscheinen.
    So kam es, dass die Dialektik der Aufklärung und das Projekt der Kritischen Theorie der Öffentlichkeit in den 50er und 60er Jahren zu einem großen Teil gar nicht bewusst waren. Sie wurden wirklich zu einer Flaschenpost.
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  • Ästhetische Theorie, wenn du das lesen willst, wäre ich dabei. Ebenso bei Minima Moralia oder negative Dialektik - wobei letzteres am ungernsten.

    Ebenso Jargon der Eigentlichkeit
    „Die Gegenwart ist die Zeit der Analysen, das Resultat aller Systeme, die jemals entstanden sind.“ - Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch
    Es gilt die Logik auf Geometrie zu gründen.
    Die Geschichte von den zwei Quadraten.
    Die Geschichte der Religion.
  • Groot schrieb:

    Ästhetische Theorie, wenn du das lesen willst, wäre ich dabei. Ebenso bei Minima Moralia oder negative Dialektik - wobei letzteres am ungernsten.

    Ebenso Jargon der Eigentlichkeit
    Die Resonanz hält sich ja bisher in Grenzen. Ich überlege daher doch ein kleineres Projekt in Angriff zu nehmen. Es gäbe natürlich auch eine Reihe von Aufsätzenvon Adorno. Adorno schreibt meistens jedoch pädagogisch äußerst kompromisslos, das heißt ohne Rücksicht auf möglicherweise fehlendes Vorwissen seiner Leser. An Adorno habe ich mittlerweile mehr ein historisches Interesse. Er hat jedoch auch einen Weg bereitet für eine Kritik an der quantifizierenden Sozialforschung, den ich noch bis heute für hochaktuell halte.

    Friederike schrieb:

    Aber Adorno: Absolut nein. Das hat überhaupt keinen bestimmten Grund, ich habe einfach keine Lust dazu. Hast Du nicht einen anderen Vorschlag?!
    Ein spannendes Projekt wäre sicher auch sich einen aktuellen Text aus der dritten Generation der Frankfurter Schuler vorzunehmen, zum Beispiel:
    Honneth: Verdinglichung
    Honneth: Die Idee des Sozialismus: Versuch einer Aktualisierung

    Hier als eine Kostprobe für Adornos Denken und Schreiben ein Aphorismus/Short Essay aus den Minima Moralia, der mich beim quer lesen spontan angesprochen hat, weil er sich mit den unterirdischen Verbindungen und auf den ersten Blick versteckten Gemeinsamkeiten der konservativen und der marxistischen Kulturkritik befasst:

    Kind mit dem Bade. --- Unter den Motiven der Kulturkritik ist von Alters her zentral das der Lüge: daß die Kultur eine menschenwürdige Gesellschaft vortäuscht, die nicht existiert; daß sie die materiellen Bedingungen verdeckt, auf denen alles Menschliche sich erhebt, und daß sie mit Trost und Beschwichtigung dazu dient, die schlechte ökonomische Bestimmtheit des Daseins am Leben zu erhalten. Es ist der Gedanke von der Kultur als Ideologie, wie ihn auf den ersten Blick die bürgerliche Gewaltlehre und ihr Widerpart, Nietzsche und Marx, miteinander gemeinsam haben. Aber gerade dieser Gedanke, gleich allem Wettern über die Lüge, hat eine verdächtige Neigung, selber zur Ideologie zu werden. Das erweist sich am Privaten. Zwanghatf reicht der Gedanke an Geld und aller Konflikt, den er mit sich führt, bis in die zartesten erotischen, die sublimsten geistigen Beziehungen hinein. Mit der Logik der Konsequenz und dem Pathos der Wahrheit könnte daher die Kulturkritik fordern, daß die Verhältnisse durchaus auf ihren materiellen Ursprung reduziert, rücksichtslos und unverhüllt nach der Interessenlage zwischen den Beteiligten gestaltet werden müßten. Ist doch der Sinn nicht unabhängig von der Genese, und leicht läßt an allem, was über das Materielle sich legt oder es vermittelt, die Spur von Unaufrichtigkeit, Sentimentalität, ja gerade das verkappte und doppelt giftige Interesse sich finden. Wollte man aber radikal danach handeln, so würde man mit dem Unwahren auch alles Wahre ausrotten, alles was wie immer ohnmächtig dem Umkreis der universellen Praxis sich zu entheben trachtet, alle schimärische Vorwegnahme des edleren Zustands, und würde unmittelbar zur Barbarei übergehen, die man als vermittelte der Kultur vorwirft. Bei den bürgerlichen kulturkritikern nach Nietzsche war dieser Umschalg stets offenbar: begeistert unterschrieben hat ihn Spengler. Aber die Marxisten sind nicht davor gefeit. Einmal von sozialdemokrtaischen Glauben an den kulturellen Fortschritt kuriert und der anwachsenden Barbarei gegenübergestellt, sind sie in ständiger Versuchung der "objektiven Tendenz" zuliebe jene zu advozieren und in einem Akt der Desperation das Heil vom Todfeind zu erwarten, der, als "Antithese", blind und mysteriös das gute Ende soll bereiten helfen. Die Hervorhebung des materiellen Elements gegenüber dem Geist der Lüge entwickelt ohnenhin eine bedenkliche Wahlverwandtschaft mit der politischen Ökonomie, deren immanente Kritik man betreibt, vergleichbar dem Einverständnis zwischen Polizie und Unterwelt. Seitdem mit der Utopie aufgeräumt ist und die Einheit von Theorie und Praxis gefordert wird, ist man allzu praktisch geworden. Die Angst vor der Ohnmacht der Theorie liefert den Vorwand, dem allmächtigen Produktionsprozeß sich zu verschreiben und damit vollends die Ohnmacht der Theorie zuzugestehen. Züge des Hämischen sind schon der authentischen Marxistischen Sprache nicht fremd, und heute bahnt eine Anähnelung von Geschäftsgeist und nüchtern beurteilender Kritik, von vulgären und anderem Materialismus sich an, in der es zuweilen schwer fällt, Subjekt und Objekt recht auseinander zu halten. - Kultur enizig mit Lüge zu identifizieren ist am verhängnisvollsten in dem Augenblick, da jene wirklich ganz in diese übergeht und solche Identifikation eifrig herausfordert, um jeden widerstehenden Gedanken zu kompromittieren. Nennt man die materielle Realität die Welt des Tauschwerts, Kultur aber, was immer dessen Herrschaft zu akzeprieren sich weigert, so ist solche Weigerung zwar scheinhaft, solange das Bestehende besteht. Da jedoch der freie und gerechte Tausch selber die Lüge ist, so steht was ihn verleugnet, zugleich auch für die Wahrheit ein: der Lüge der Warenwelt gegenüber wird noch die Lüge zum Korrektiv, die jene denunziert. Daß die Kultur bis heute mißlang, ist keine Rechtfertigung dafür, ihr MIßlingen zu befördern, indem man wie Katherlieschen noch den Vorrat an schönem Weizenmehl über das ausgelaufene Bier streut. Menschen, die zusammengehören, sollten sich weder ihre materiellen Interessen verschweigen, noch auf sie nivellieren, sondern sie reflektiert in ihr Verhältnis aufnehmen und damit über sie hinausgehen.




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  • Ryoba schrieb:

    Die Resonanz hält sich ja bisher in Grenzen. Ich überlege daher doch ein kleineres Projekt in Angriff zu nehmen.
    Na, auf jeden Fall wäre ich dankbar und würde gerne (soweit mein geistiger Horizont reich) mitmachen.
    Allerdings verstehe ich bereits nicht, was du mit "dem historischen Interesse" meinst ? Das sage ich jetzt
    nicht, weil ich über die Begriffe "aktuell" und "historisch" streiten will - bloss, ich wüßte nicht, wie ich
    anders als "historisch" denken sollte ? Auch, was die Gegenwartsliteratur (philosophische oder sonstige)
    betrifft, wüsste ich nicht, warum ich etwas lesen soll, was morgen keinen Hasen mehr aufschrecken könnte?


    Mir fällt nur so etwas ein wie: wieso nicht selber mal Fußball spielen anstatt nur zuschauen ?
    (meine Antwort: Weil jeder in einer anderen Liga und dort andere Rolle spielt - von den
    veranschlagten Trainingszeiten mal ganz zu schweigen) Oder sollte ich dem Publikum -
    unangenehm wie ich bin - Worte wie "Schlagerparade" VERGEGENWÄRTIGEN helfen ?
    (was die Musikbranche am Leben hält, sollte für Philosophen für immer "pfui deibel !" bleiben?
    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
  • byLaszlo schrieb:

    Allerdings verstehe ich bereits nicht, was du mit "dem historischen Interesse" meinst ? Das sage ich jetzt
    nicht, weil ich über die Begriffe "aktuell" und "historisch" streiten will - bloss, ich wüßte nicht, wie ich
    anders als "historisch" denken sollte ?
    Die Kritische Theorie ist für mich mehr von historischem Interesse, insofern sie in einem bestimmten historischen und theoretischen Kontext entstanden ist. Sie ist wiederum aktuell und auch für das Verständnis der Gegenwart hilfreich, insofern sie eine geistesgeschichtliche Entwicklung durchdrungen hat, die bis heute fortwirkt, und eine Kritik am Wissenschaftsbetrieb formulierte, die heute, vielleicht mehr denn je, zutreffend ist.

    Was fändest du an Adorno besonders interessant und spannend? Und was hälst du von Honneth?
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  • Ryoba schrieb:

    Die Kritische Theorie ist für mich mehr von historischem Interesse, insofern sie in einem bestimmten historischen und theoretischen Kontext entstanden ist.
    Auch das kann ich nur so verstehen, dass Kritische Theorie mit dem ihr entsprechenden historischen Kontext*
    befasst war (die Enstehungsbedingungen stellen sich etwas komplexer dar). Vergleich: schon mit der iranischen
    (religiösen) "Revolution" konnte die linke Beobachtung nichts anfangen und die neoliberele Wende im Westen
    fand keinen entsprechenden Beobachter mehr vor. Insoweit muss ich dir zustimmen: die Kritische Theorie
    kann uns heute zu der nostalgische Frage "wie war es damals ?" verhelfen.

    Mir ist Adornos Geheimsprache nicht zugänglich (ausdrücklich: mein Fehler !)

    Zu Honneths "Die Idee des Sozialismus": ich habe ein längeres Interview mit dem Autor gesehen und sofort hatte
    die sinngemäße Erinnerung im Kopf, dass man im Kapitalismus leider nur Sonntags seinen Ideen hingeben kann.
    (aber neugierig bin ich nach wie vor, wie weit mich meine dogmatische Träumereien tragen... ?( )

    * ich war noch jung und "Augenzeuge", als die sozialistische Presse an der die Kritischen Theorie bloss den
    treuen Begleiter seines Systems sah.
    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
  • Ryoba schrieb:

    Die Kritische Theorie ist für mich mehr von historischem Interesse, insofern sie in einem bestimmten historischen und theoretischen Kontext entstanden ist.
    oh,
    dann kann ich jetzt auch mal was posten

    bei mir streiten sich nämlich zwei Intentionen

    zum einen finde ich Deine Begeisterung für ein Thema gut
    und ich würde, allein deswegen, mitmachen

    nun handelt es sich bei dem Thema aber um eine historische Phase
    und diese Phase ist heute vorbei
    (die Nachkriegszeit endete mit Golfkrieg 1)
    ~ wir würden also die Realität verlassen

    Ryoba schrieb:

    Er hat jedoch auch einen Weg bereitet für eine Kritik an der quantifizierenden Sozialforschung, den ich noch bis heute für hochaktuell halte.

    dazu kommt,
    daß ich als Student ebenfalls an einer Kritik der quantitativen Methoden interessiert war
    und das Problem für mich dann auch gelöst habe

    bei meiner Lösung spielt ADORNO keine Rolle,
    sonst wäre mir irgendwann einmal ein entsprechender Adorno-Text über den Weg gelaufen

    wer mich hingegen angemacht hat,
    war RIEZLER

    dieser definiert die Umwelt als Überwindung von Subjekt und Objekt
    und dieser lässt Aristoteles gegen die Physiker wettern
  • Kurt RIEZLER (1940): physics and reality.-

    Aristoteles ist von den Toten auferstanden und spricht auf einem internationalen Wissenschaftskongress.

    a)
    Die Physiker eliminieren den Menschen, weil sie die Substanz und damit das Zentrum seiner Sprache eliminieren.

    b)
    Die Physiker benutzen tote Maßeinheiten, die sich nicht wie das Leben bewegen.

    natureinstitute.org/pub/ic/ic14/riezler.htm

    ...........

    Kurt RIEZLER (1950): man: mutable and immutable.-

    the natural relation between one human being and another is not that of object and object, or even that of subject and object, but that of subject and subject. In this relation each is required to recognize the other in the role of an"I" and thus has to catch in some degree the other's subjective orientation.


    brocku.ca/MeadProject/Blumer/Blumer_1952b.html
  • scilla schrieb:

    bei meiner Lösung spielt ADORNO keine Rolle,
    sonst wäre mir irgendwann einmal ein entsprechender Adorno-Text über den Weg gelaufen
    Riezler gehörte interessanterweise zum Kreis der linken Intellektuellen des Frankfurts der 20er Jahre, zu dem auch Adorno und Horkheimer zählten. Er hatte dasselbe Lieblingscafe wie Adorno, das Cafe Laumer, im Frankfurter Westend. Vielleicht haben sie dort mal gemeinsam Schwarzwälder Kirschtorte gegessen und Kaffee aus Kännchen getrunken.
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    "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
  • Ryoba schrieb:

    Riezler gehörte interessanterweise zum Kreis der linken Intellektuellen des Frankfurts der 20er Jahre, zu dem auch Adorno und Horkheimer zählten. Er hatte dasselbe Lieblingscafe wie Adorno, das Cafe Laumer, im Frankfurter Westend. Vielleicht haben sie dort mal gemeinsam Schwarzwälder Kirschtorte gegessen und Kaffee aus Kännchen getrunken.
    Das glaube ich jetzt nicht, den Riezler kennst Du auch!!! Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Ist natürlich völlig offtopic.
  • Ryoba schrieb:

    Ein weiterer Kanditat für einen Vertreter der Kritischen Theorie in der Gegenwart wäre Hartmut Rosa. Sein neues Buch Resonanz kommt am 7.März raus.
    als ich in der Einleitung zum Inbegriff bzw. Soziologie des gutem Lebens kam musste ich mich
    überzeugen ob ich noch bei dem gleichen Autor bin (H. Rosa) und weil es der Fall war, wurde ich
    neugierig, wie er sich nun aus diesem Schlamassel zu retten gedenkt ? Der Verleger hat wahrscheinlich
    zu seinem dicken Buch schönheitschirurgische Massnahmen durchdeklinieren müssen. Na also, was
    denkt ein Autor nach 800 Seiten, fängt gleich ein neues Buch an, diesmal direkt zum Thema, etwa
    "Was sich Verleger so ein Leben wünschen...? ". Ja, war da nicht etwas von Adorno zitiert, nach dem
    Heinrich Heine sich ratlos gab...zusätzlich mich stört mich das hier:

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    und zwar seit Tagen schon.....
    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
  • bitte löschen schrieb:


    .bitte löschen bitte löschen bitte löschen
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    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

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  • lassen sich resonanztheoretisch analysieren, wie Rosa in seiner Soziologie der Weltbeziehung zeigt


    suhrkamp.de/buecher/resonanz-hartmut_rosa_58626.html
    theoretisch analysieren klingt gut

    auch das Inhaltsverzeichnis sieht vielversprechend aus

    so, wie es nach der Leseprobe aussieht,
    behandelt der Autor allerdings nur die entfremdeten Menschen,
    die weder eine alte Tradition oder Kulturlandschaft haben,
    noch sich eine (Sub-)Kultur aneignen

    das ist Buch ist wohl tatsächlich soziologisch
    und das müsste ich beim Lesen schlucken

    pro:
    die Anteil der verstädterten Menschen wächst ständig

    contra:
    deren Lebensstil hat keine Zukunft
  • byLaszlo schrieb:

    Ja, war da nicht etwas von Adorno zitiert, nach dem
    Heinrich Heine sich ratlos gab...
    Das Heine Gedicht zum Beginn ist in der Tat ein bißchen negativ. Der Jüngling-Mann lauscht auf die Stimme der Meereswogen und bekommt doch keine Antwort auf seine Fragen. Das murmelnde Rauschen der Meereswogen bleibt unverständlich, kann nicht als Resonanz auf sein Fragen gelesen oder besser gehört werden. Und so erscheint er als Narr.

    Das Zitat aus Adornos Negativer Dialektik muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Formulierungen sind gewohnt sperrig und teilweise rätselhaft. Benjamin sprach im Zusammenhang mit der Negativen Dialektik von der Eiswüste der Abstraktion, durch die man hindurch müsse, um ins gelobte Land des Konkreten zu gelangen. Das trifft es ganz gut bei solchen hochabstrakten und doch äußerst pointierten Formulierungen.

    byLaszlo schrieb:

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    Ich hatte die Tage das Problem, dass ich mich nicht einloggen konnte. Da kam eine ähnliche Meldung.
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