Vollzug und Beschreibung

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    • Hermeneuticus! Ich denke, dass es keinen Wert hat, Dich von Deiner Sichtweise "des Mentalen" abbringen zu wollen. Aber trotzdem hier ein Hinweis auf eine weiterführende Auseinandersetzung mit "dem Mentalen".

      (Thomas Metzinger; Subjekt und Selbst-Modell; 2. Auflage Juni 1999 bei mentis Verlag, Paderborn: Vollständiger Text der 2. Auflage, Kp. 4: Fledermäuse, objektive Selbste und die Irreduzibilität der Innenperspektive S. 211: )

      »Die Relation zwischen dem Subjekt und seinen psychischen Zuständen kann darum nicht nach dem Modell einer Substanz-Attribut-Relation analysiert werden, da wahre psychologische Subjektivität eine vollkommen andere logische Struktur zu besitzen scheint. Die Beziehung zwischen mir als Erlebendem und meinen inneren Zuständen hat ein Moment der Essentialität, der Innerlichkeit und Gewißheit, das durch Denkfiguren wie die oben angesprochene deskriptiv nicht aufgefangen wird.«
    • Ob ich überhaupt verstehe, was das Problem sein soll bzw. immer noch, wie schon gestern, wo die Crux ist, an der Eure Geister sich scheiden, weiß ich nicht. Ich habe nur eine Stelle in dem Metzinger Text gefunden, an der ich meine Auffassung ausgeführt finde.

      S. 225:
      Die analytische Behandlung unseres sprachlichen Zugriffs auf die fraglichen mentalen Phänomene darf die Einsicht nicht unterschlagen, daß eine epistemische Asymmetrie verborgen ist hinter dem, was Manfred Frank als das „Prinzip der semantischen Symmetrie“ zwischen Selbst und Fremdzuschreibungenvon Bewußtseinsprädikaten bezeichnet hat.33
      33 Vgl. etwa Frank 1991: 33. Das, was uns an phänomenalem Selbstbewußtsein eigentlich interessiert, ist das präreflexive Element: Es kann nicht durch einen Sprachapriorismus oder durch aus dem intersubjektiven Raum heraus operierende Erklärungsversuche aufgefangen werden. In Franks Worten: „. . . wäre Selbstbewußtsein an die Sprachkompetenz gebunden (so, daß ich ›ich‹ nur erlernen könnte, wenn ich zuvor die Möglichkeit der Identifizierbarkeit aus der ›er‹ Perspektive begriffen und die Konvertierbarkeit der Perspektiven verinnerlicht hätte), so würde meine unbedingte (cartesianische) Selbstvertrautheit gerade an eine Bedingung gebunden: sie hinge ab von der Verinnerlichung von Regeln, die mich als InterSubjektkonstituierten, noch bevor ich Gelegenheit hatte, ein Subjekt zu sein. Die ganze Weisheit tradierter Einsichten in scheiternde Explikationsversuche von Selbstbewußtsein resümiert sich aber in der schlichten Sentenz, daß von Fremdem (und von Fremden) nie zu lernen ist, daß ich dieses (oder dieser) Fremde bin (wenn ich es nicht schon vorher wußte). Die Vorschaltung der ›er‹ Perspektive vor der ›ich‹ Perspektive fügt den vielen Zirkeln in der Selbstbewußtseins Erklärung nur eine neue Variante hinzu.“
      Mir persönlich liegt es näher, das "Mentalismus" - Problem im Begriff des "Selbst-Bewußtseins" zu verankern, weil ich denke, daß "Selbst-Bewußtsein" den komplexen Bereich des Mentalen enger faßt und den zentralen Punkt, den m.E. zentralen Punkt, genauer trifft. Ich schließe mich Metzinger/Frank an. Sowohl, was die epistemische Asymmetrie betrifft (wie es ist zu fühlen, wie es ist "ich" zu sein, die "Je-Meinigkeit" [Heidegger] des Erlebens) als auch der Behauptung, daß dieses Element des menschlichen Lebens durch nichts Anderes erklärt werden kann (u.a. wegen der zirkulären Argumentation).

      Nun kann ich aber zwischen diesem Verständnis des Mentalen bzw. des Selbst-Bewußtseins und dem Pragmatismus, so wie wir ihn bisher umschrieben haben, keinen Widerspruch erkennen. Das heißt, aus meiner Sicht gibt's kein Problem. Und, falls ich Hermeneuticus richtig verstehe?, dann bleibt dieser Aspekt des Mentalen von Deiner Argumention über den Vorrang der -wissenschaftlichen- sprachlichen Erklärung und der -individuellen- Sprachkompetenz völlig unberührt. Und das betrifft doch ebenso Janichs Differenzierung in Beobachter-, Teilnehmer- und Vollzugsperspektive. Ganz simpel ausgedrückt, der Pragmatismus versucht nicht, das Selbst-Bewußtseins-Phänomen zu erklären.
    • Philodendron schrieb:

      Thomas Metzinger; Subjekt und Selbst-Modell
      Metzingers "Selbst-Modell" ist mir schon länger bekannt, ich habe mich damit auch schon kritisch auseinander gesetzt. Aus meiner Sicht ist sie ein Paradebeispiel für das, was ich andernorts mit dem "trüben Abglanz der vorhegelianischen Subjekt-Philosophie" meinte. Aber das gehört eigentlich nicht hierher.
      Ich könnte mir allerdings durchaus einen Thread vorstellen, in dem pragmatische Ansätze der "Geist"-Philosophie (wie Ryle, Wittgenstein II, Dirk Hartmann) in Abgrenzung von Theorien des "phänomenalen Bewusstseins" diskutiert werden. Das wäre interessant, aber auch so anspruchsvoll wie ein Oberseminar - allein schon wegen der Menge des Lesestoffs.
    • Friederike schrieb:

      Und, falls ich Hermeneuticus richtig verstehe?, dann bleibt dieser Aspekt des Mentalen von Deiner Argumention über den Vorrang der -wissenschaftlichen- sprachlichen Erklärung und der -individuellen- Sprachkompetenz völlig unberührt.
      Die Ansicht der Philosophen, die (Selbst-)Bewusstsein für ein a) vorreflexives, b) vorbegriffliches und c) strikt inner-individuelles Phänomen halten, ist mit dem methodischen Problem behaftet, dauernd in aller Öffentlichkeit über etwas sprechen zu müssen, von dem sie zugleich behaupten, dass es sich der Sprache entziehe. Dieses Paradox hat Schiller in einer Sentenz so auf den Punkt gebracht: "Spricht die Seele, so spricht - ach! - schon die Seele nicht mehr!" Daran anknüpfend könnte man sarkastisch sagen: Je dickere und gelehrtere Bücher die Selbstbewusstseins-Philosophen füllen, desto mehr entfremden sie sich ihrem Gegenstand...
      ^^
    • Hermeneuticus schrieb:

      Die Ansicht der Philosophen, die (Selbst-)Bewusstsein für ein a) vorreflexives, b) vorbegriffliches und c) strikt inner-individuelles Phänomen halten [...]
      Auf diese Philosophen alle -die bei Dir, so nehme ich an, in die vorhegelianische Subjektphilosophie-Schublade gehören- beziehe ich mich gerade nicht. Wenn ich Selbstbewußtsein schrieb, dann habe ich erstens nur das Selbstbewußtsein gemeint, nicht "Bewußtsein" generell, und unter dem Selbstbewußtsein habe ich ausschließlich das Phänomen verstanden wissen wollen, das nur jeweils die Person, die von sich "ich" sagt, weiß, wie es sich für sie anfühlt. Das ist aus meiner Sicht tatsächlich phänomenal im Sinne von bemerkenswert :-). Aber wie gesagt, dieser Umstand bzw. Sachverhalt tangiert m.E. überhaupt nicht das sprachphilosophische Verständnis -und nebenbei auch den pragmatistischen Ansatz- dessen, was wir (Selbst)-Bewußtsein nennen: Daß nämlich unser Wissen um Gefühle, Stimmungen, Atmosphären, allgemein die sinnlichen Wahrnehmungen, intersubjektiv erworben und hauptsächlich sprachlich vermittelt ist.
    • Hermeneuticus schrieb:

      Je dickere und gelehrtere Bücher die Selbstbewusstseins-Philosophen füllen, desto mehr entfremden sie sich ihrem Gegenstand...
      Ausser man sieht es so, dass das Selbstbewusstsein eigtl. ein Bewusstsein seiner Selbst durch den Weltgeist hindurch ist...nur dann ergibt es m.E. Sinn, was Metzinger schreibt oder was auch @Friederike mit der "Er" Perspektive ausdrückte...nur, dass man statt des "Er" auch das "Wir" verstehen kann...nicht der oder die Einzelne, sondern wir vielen Einzelnen in der Zeit.
      „Die Gegenwart ist die Zeit der Analysen, das Resultat aller Systeme, die jemals entstanden sind.“ - Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch
      "Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen." - Wagner in Faust
      Die Geschichte von den zwei Quadraten.
    • Hermeneuticus schrieb:

      Aus meiner Sicht ist sie ein Paradebeispiel für das, was ich andernorts mit dem "trüben Abglanz der vorhegelianischen Subjekt-Philosophie" meinte. Aber das gehört eigentlich nicht hierher.
      nur einen Satz dazu, Das Subjekt ist im dt. Idealismus nicht notwendig das Körperliche Ich.

      Janich beschreibt nun mit Erkenntnissen des dt. Idealismus, er umschifft ihn jedoch, da er sich voll auf die Handlung als Kernelement bezieht...was heißt, dass er m.E. das der Philosophie wesentliche vernachlässigt und nur die Kombination aus Sprache und Handeln erklärt, wie @Friederike das auch schon meinte.

      Der Schwerpunkt ist einfach ein völlig anderer, einer der m.E. nicht den Kern von Philosophie trifft aber die Sprache und das Handeln des Einzelnen gut in den Blick bekommt...wobei er sich auf autopoietische, selbstreferentielle Systeme auch versteht, wie seine Schriftenliste zu erkennen gibt. Womit er streng genommen nichts anderes sagt als Hegel und Kant nur eben mit dem Schwerpunkt auf der Handlung...statt auf dem, was dem handelnden erst ermöglicht sich seiner Selbst Bewusst zu sein während des Vollzugs und nicht - wie es bei Janich ausreicht schlicht Handlungen zu vollziehen. Bei Janich ist die Handlung quasi die Prämisse dafür, dass Bewusstsein entstehen kann oder überhaupt Denken entstehen kann, während bei Hegel etc. die Handlungen Teil des sich seiner selbst bewussten Subjekts sind.(sie Also noch nicht gesondert betrachtet werden, sondern versucht werden integriert zu werden in das Subjekt)
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    • Was Janich hier in dem kurzen Abschnitt über Vollzug und Beschreibung ausführt, kann wunderbar als exemplarisches Beispiel für eine triadische Zeichenrelation dienen. Er sagt vor der Beschreibung einer Handlung als Aktualisierung eines Handlungsschemas muss eine Bezeichnung bestehen. Diese Bezeichnung steht zum einen für eine bestimmte Handlung, die material vollzogen wird, und zum anderen für ein Handlungsschema. Das Zeichen benennt oder bezeichnet also zum einen einen konkreten Gegenstand, in dem Fall einen bestimmten Handlungs- oder Bewegungsablauf, und zum anderen ein Handlungsschema, das selbst nicht wahrnehmbar ist und durch eine Erklärung oder Vorführung explizit gemacht werden kann. Nun kann man den materialen Vollzug der Handlung als Gegenstand und das Handlungsschema als Interpretant verstehen. Und damit haben wir die triadische Zeichenrelation (Ausdruck, Gegenstand, Begriff), in der das Zeichen für etwas steht und durch den Interpretant diese Relation selbst repräsentiert wird.

      Nehmen wir das Beispiel von Janich: das Hobeln. Es handelt sich hier um eine relativ komplexe Handlung. Ein Werkzeug wird von einem Handwerker eingesetzt, um ein Werkstück aus Holz zu bearbeiten. Dazu ist eine Kenntnis der Funktionsweise des Werkzeugs, der Eigenschaften des Werkstoffs und ein routinisierter Bewegungsablauf notwendig.
      Ein Wissen, wie das Werkzeug eingestellt werden kann und wie das Holz sich verhält, wenn es auf eine bestimmte Art bearbeitet wird, kann theoretisch und/oder durch praktische Erfahrung erlernt werden. Der Bewegungsablauf selbst, der als Hobeln bezeichnet wird, wird in der Regel durch Imitation und durch Erklärungen erlernt. Das ist auch eine sinnliche Erfahrung. Der Widerstand des Holzes, der Klang des Hobels, der fliegende Span und die haptische Erfahrung der geglätteten Oberfläche zeigen dem Hobelnden, ob seine Handlung gelungen ist. Der Meister macht es vor und der Stift (Auszubildende) macht es nach und routinisiert den Bewegungsablauf unter Berücksichtigung seines Wissens über den Hobel und das Holz.
      (Früher standen die Tischler am Ende des Arbeitstags in einem großen Berg Hobelspänen, die alle mit Handwerkszeug produziert worden sind. Heutzutage hobelt eine Maschine und die Hobelspäne werden über eine Absaugung direkt in den Spänebunker transportiert.)

      Man kann bei dem Handlungsschema und der konkreten Handlung auch mit Peirces Unterscheidung von type und token argumentieren. Das singuläre Ereignis einer Handlung (token) aktualsiert einen bestimmten type.

      Janichs Argument ist im Wesentlichen, dass man diese Beschreibung der Handlung erst auf einer sprachlichen Ebene vollziehen kann, wenn schon ein Zeichen existiert. Ein Type transzendiert das sinnlich wahrnehmbare und konkret Gegebene der Handlung und macht sie vergleichbar mit anderen Handlungen. Ein bestimmtes Wissen um Regeln und die Beschaffenheit der Materie und des "Handwerszeugs" geht in dieses Handlungsschema ein. Um es zu aktualisieren muss man auf dieses Wissen zugreifen können oder es verkörpern.
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      "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
    • Nachtrag:

      Ich finde es auch faszinierend wie wiele Sprichwörter, die heute teilweise noch gebraucht werden mit solchen praktischen Vollzügen in Verbindung stehen. Etwa:

      - Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

      -Holzauge, sei wachsam! (Das sagte der Meister zu seinem Stift, um ihn davor zu waren, dass das Brett ein Astloch, ein Holzauge, hatte, das beim Hobeln ausreißen und herausfallen kann.)

      Es gibt sicher noch viel mehr solche Sprichwörter auch aus anderen Bereichen....
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      "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
    • Ryoba schrieb:

      Nachtrag:

      Ich finde es auch faszinierend wie wiele Sprichwörter, die heute teilweise noch gebraucht werden mit solchen praktischen Vollzügen in Verbindung stehen. Etwa:

      - Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

      -Holzauge, sei wachsam! (Das sagte der Meister zu seinem Stift, um ihn davor zu waren, dass das Brett ein Astloch, ein Holzauge, hatte, das beim Hobeln ausreißen und herausfallen kann.)

      Es gibt sicher noch viel mehr solche Sprichwörter auch aus anderen Bereichen....
      Die gibt es. Leider werden sie oft mit einem Lächeln abgetan - ohne deren Sinn zu verstehen. Wenn man sich einfach klar macht, dass derartige Sprichwörter/Weisheiten oft eine Jahrhunderte lange Phase der Empirie und Verifikation am gelebten Alltag erfahren haben, bleibt der Zugang zu jenen Beschreibungen vielleicht nicht länger verwehrt.

      Doch: um sie tatsächlich als das zu erkennen, was sie sind, muss man den Vollzug selbst vollzogen haben. Oft hören wir schon als Kinder solche Sprichwörter (von Eltern und Großeltern z.B.) und begreifen manchmal erst viele Jahrzehnte später das Fünkchen Wahrheit darinnen - wenn wir in eine entsprechende Situation gelangen. Dann plötzlich erkennen wir den Sinn des Sprichwortes.

      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Ryoba schrieb:

      Und damit haben wir die triadische Zeichenrelation (Ausdruck, Gegenstand, Begriff), in der das Zeichen für etwas steht und durch den Interpretant diese Relation selbst repräsentiert wird.
      Ja, Bezeichnungen (Namen, Indikatoren, Kennzeichnungen) lassen sich in der Tat nach dem Repräsentations- bzw. Referenzmodell der Bedeutung interpretieren. (Siehe Beitrag 2 im Thread "Grundsätzliche Fragen zum Pragmatismus"). Nur besteht die Sprache nicht aus lauter Bezeichnungen.

      Damit allerdings Bezeichnungen in ihrer spezifischen Weise für etwas stehen bzw. auf etwas referieren können, müssen sie zunächst von Sprechern vergeben (z.B. durch einen Taufakt) und dann immer auf die gleiche Weise verwendet werden. Das Vergeben und das Verwenden von Bezeichnungen sind also selbst Handlungsschemata, und zwar diejenigen, durch die Bezeichnungen überhaupt in die Welt kommen. "Bezeichnen" ist demnach seinerseits die Bezeichnung eines Handlungsschemas.
    • Hermeneuticus schrieb:

      Bezeichnung eines Handlungsschemas.
      Handlungsschema ist eine Abstraktion eines Handlung(sablaufs). Deshalb der Begriff H.-Schema. Die Bezeichnung bezieht sich primär auf das Schema und erst sekundär auf die Handlung. Denn die konkreten Handlungsvollzüge variieren immer ein wenig, d.h. weichen in der Tat ein wenig vom ideellen Schema ab.
    • Handelt es sich hier um Kennzeichnungen, Namen oder Indikatoren? Oder sind tu-wörter wie aufstehen, laufen, hobeln etc. nicht vielmehr Prädikate, die von einem Satzsubjekt ausgesagt werden können? Sie beziehen sich doch auf Handlungen oder Handlungsschemata und nicht auf Einzeldinge.
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    • Ryoba schrieb:

      Handlungsschemata und nicht auf Einzeldinge
      »"Zeitwort" (Verb) ist ein fachsprachlicher Ausdruck der traditionellen Grammatik für eine Wortart, die eine Tätigkeit ... ausdrückt, und erfasst Wörter wie gehen, denken, segeln und wandern.« http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitwort

      Tun-Wörter sind Zeitwörter, d.h. sie haben eine Zeit-Dimension.
    • Tu-Wörter haben wir an der Grundschule gelernt und später in der weiterführenden Schule durch Verb ersetzt. ;)

      Aber sind Verben nicht auch in einer philosophischen Grammatik eher den Prädikaten als den Individualausdrücken (Eigennamen, Kennzeichnungen, Indikatoren) zuzurechnen? Das war meine Frage.
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    • Wenn wir von Bezeichnen als Handlungsvollzug ausgehen, also der Handlung, den Handlungen ein Wort zuzuordnen, dann können wir damit nicht allzuviel erklären. Das hebt ja darauf ab, dass die Bezeichnung von Handlungen willkürlich oder arbiträr seien und von unserer Benennung abhängen. Aber ist das wirklich so? Tätigkeiten wie laufen, aufstehen oder hobeln wurden vielleicht irgendwann mal so benannt und die Bezeichnungen sind seitdem in Gebrauch. Das heißt für den Einzelnen sind die Bezeichnungen oft schon gegeben und müssen erlernt beziehungsweise verstanden werden, um sie anwenden zu können.

      Die Bezeichnungen sind mit dem Bezeichneten verbunden durch eine kontingente Entwicklung der Sprache.
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    • Ryoba schrieb:

      Wenn wir von Bezeichnen als Handlungsvollzug ausgehen, also der Handlung, den Handlungen ein Wort zuzuordnen, dann können wir damit nicht allzuviel erklären. Das hebt ja darauf ab, dass die Bezeichnung von Handlungen willkürlich oder arbiträr seien und von unserer Benennung abhängen. Aber ist das wirklich so? Tätigkeiten wie laufen, aufstehen oder hobeln wurden vielleicht irgendwann mal so benannt und die Bezeichnungen sind seitdem in Gebrauch. Das heißt für den Einzelnen sind die Bezeichnungen oft schon gegeben und müssen erlernt beziehungsweise verstanden werden, um sie anwenden zu können.
      Die Bezeichnungen sind mit dem Bezeichneten verbunden durch eine kontingente Entwicklung der Sprache.
      Ja, als einzelne Menschen wachsen wir in einer Sprachgemeinschaft auf, innerhalb derer die Ausdruckslaute und Ausdrucksgesten bereits mit Bedeutungen ausgestattet ... infiziert sind. Als Einzelne erfinden wir nicht jeweils die Sprache neu. Insofern ist die Frage nach den Zuordnungskriterien, denke ich, nachrangig. Entscheidend ist, daß die Arbitra(ä)rität oder Kontingenz der Bedeutungsverleihung für das Mitglied einer Sprachgemeinschaft durch die soziale Akzeptanz sowie das Verstehenwollen und Verstandenwerdenwollen begrenzt wird.

      Ein ähnlicher Gedanke ist mir auch im Zusammenhang mit der Zeichenklassifikation von Pierce schon in den Sinn gekommen. Wenn man die Sortierung in Quali-, Sin- und Legizeichen ansieht und wenn man bedenkt, welche Veränderungen Pierce im Laufe seines "Schaffens" am Begriff des Zeichens vorgenommen hat, dann könnte man dahin kommen zu meinen, am Ende sei alles Zeichen. Und sicher, Zeichen kann alles werden. Die Möglichkeit, zum Zeichen zu werden, inhäriert allem und jedem. Ich weß gar nicht, welches Wort ich nehmen soll, weil, in dem Moment, da ich ein Wort auswähle wie Gegenstand, Farbklecks, Buchstabe, Geste, habe ich ja bereits durch eine Bezeichnung ein "etwas" herauspräpariert aus dem unkonturierten Wahrnehmungsfeld. Für die Zeichen gilt nun aber auch, daß der Einzelne sie als Zeichen wahrzunehmen im Sozialkontakt erlernt. Das Individuum hat nun zwar Spielräume, die aber nicht unbegrenzt sind.
    • Friederike schrieb:

      Ein ähnlicher Gedanke ist mir auch im Zusammenhang mit der Zeichenklassifikation von Pierce schon in den Sinn gekommen. Wenn man die Sortierung in Quali-, Sin- und Legizeichen ansieht und wenn man bedenkt, welche Veränderungen Pierce im Laufe seines "Schaffens" am Begriff des Zeichens vorgenommen hat, dann könnte man dahin kommen zu meinen, am Ende sei alles Zeichen.
      Ja, eine wesentlicher Unterschied zwischen Peirce Semiotik und Janichs Sprache und Methode ist, dass Peirce Zeichen sehr allgemein begreift als Mittel zur Erkenntnis, Repräsentation und zum Gebrauch, während Jahnich die menschliche Sprache ins Zentrum seiner Überlegungen zu Zeichen rückt. Dadurch entstehen bei Peirce gewisse Unschärfen und Überschneidungen, gerade,wenn man versucht seine Argumente mit Jahnich in Bezug zu setzen.

      An die Unterscheidung von Quali-, Sin- und Legizeichen habe ich bei Janichs Argumentation auch schon gedacht. Nach dem aufschlussreichen Text, den Hermeneuticus letzens verlinkt hat, Peirces Zeichenbegriff: seine Funktionen, seine phänomenologische Grundlegung und seine Differenzierung, Ist die Unterscheidung zwischen Quali-, Sin und Legizeichen ja identisch mit der späteren Unterscheidung zwischen tone, token und type. Das Sinzeichen (von singulär) ist ein individuelles Ereignis, während das Legizeichen auf einer Regel, einem Gesetz, einer Gewohneheit, also auf jedem Fall auf etwas Allgemeinem beruht. Jedes Sinzeichen setzt ein Qualizeichen voraus, da es nur über eine sinnliche Qualität (schwarze Tinte, Bildschirmpixel, Schallwellen) wahrnehmbar ist.

      Peirce (zitiert nach Hoffmann S.19) schrieb:

      "Der Unterschied zwischen einem Legi-Zeichen und einem Quali-Zeichen,die beide kein individuelles Ding sind, besteht darin, daß ein Legi-Zeichen eine definite Identität besitzt, obwohl es gewöhnlich eine große Verschiedenheit von Erscheinungen zuläßt. Daher sind "&", "und" und der Laut alle ein Wort. Das Quali-Zeichen andererseits besitzt keine Identität. Es ist die reine Qualität einer Erscheinung und ist nicht genau dasselbe in einer zweiten. Anstelle der Identität hat es große Ähnlichkeit und kann nicht sehr differieren, ohne ein anderes Quali-Zeichen genannt zu werden."
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    • Das schwierige ist hier die Ebene der Handlung und des Vollzugs und die Ebene der Beschreibung sauber auseinander zu halten.

      Also die Handlung ist ein singuläres Ereignis, das ein Handlungssschema aktualisiert.
      Diese Unterscheidung zwischen Vollzug und Handlungsschema ist aber erst auf einer Ebene der Bezeichnung und Beschreibung überhaupt möglich.

      Die Bezeichnung "hobeln" benennt ein Handlungschema, das durch einen Vollzug aktualisiert werden kann. Man könnte daher mit Peirce sagen, jede Verwendung des Wortes "hobeln" ist eine Replika des Legizeichens (Handlungsschemas).

      Man könnte aber aus einer anderen Perspektive genau so gut sagen, jede Aktualisierung des Handlungsschemas in einem Vollzug, als wenn tatsächliche Späne fallen, ist eine singuläres Ereignis und Darstellung des Legizeichens.
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