Sohn des Ausharrenden <-- --> Parmenides

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Sohn des Ausharrenden <-- --> Parmenides

      Die altgriechische Nachsilbe ‘-ides‘ könnte von ειδος abgeleitet sein, wobei (eidos) unter anderem „Art, Typ“ bedeutet. Möglicherweise steht sie wie bei nordländischen Namen das ‘-son‘ für ‘Sohn des‘. Das altgriechische Verb Παραμενw kann gemäss Langenscheidt das zweite ‘a‘ verlieren ohne die Bedeutung zu ändern. Übersetzt wird (parameno, parmeno) mit mit ‘(dabei)bleiben, ausharren, standhalten; am Leben bleiben‘. Daher ist es naheliegend Parmenides als Sohn des Ausharrenden zu lesen und damit seinen Vater als einer der Stadtgründer zu ehren.

      http://www.behindthename.com/name/parmenides/submitted

      Für uns Leser der überlieferten Fragmente und Dialoge sei daher der Name Parmenidesein Zeichen, ja gar eine Warnung, beim Studium auszuharren. Wenn der Leser bildlich ‘am Leben bleiben‘ will, braucht er ein Drehbuch, einen Plot, insbesondere zum Erkennen und Übersetzen der Koketterien im Proömium. Ich sehe zumindest teilweise ;) überlieferte Szenen.
    • Die Anwerbung der Augäpfel

      Am Brunnen warb der Draufgänger mit einer wassergefüllten Amphore, die er an einer Schnur hoch über den Kopf schwang. Er lud sie alle ein, beim Schauspiel zum Jubiläum der Stadtgründung mitzumachen. Er zeigte ihnen die von den Gründervätern gespendeten Kostüme. Keine hatte je zuvor schönere Gewänder gesehen. Zur Teilnahme längst entschlossen, überliessen sie es ihm, ihnen ihre Rolle schmackhaft zu machen. Er redet von aufgeblasenen Schweinsblatten, die mit Oktopus Tinte eingeschwärzt und in Salzkörner eingelegt worden sind und wie Monde auf den geschulterten Sänften in Paaren jeweils nach den Anweisung des Rhapsods getragen werden: Dahin führen - ja denn mich deutlich machend: die Leitstuten ziehen das Gespann– die Augäpfel schreiten auf dem Weg voran /Vers 4,5/.Augäpfel verlassen Helios Töchter gleich das Haus der Nacht, Schwärmen aus ans Sonnenlicht zum festen Sichtschutz am Rand /Vers 9, 10/. Die Monde leuchten nur da hell auf, wo sie vom Sonnenlicht beschien sind, so dass die Zuschauer die Sicheln des zu- und ab-nehmenden Mondes so wie Vollmond und Neumond sehen. Sie sehen auch wie die Mondsicheln zwar ihre Form ändern, die Monde aber einem dennoch immer das bekannte Mondgesicht zuwenden. Augäpfel, haltet Wagen und Gespann entlang des Wegs! Oh! Augäpfel halten der göttlichen Gefährtin (Selene) die Zügel und den Gespannen, die Dich tragen, gehen heimwärts unter unser Bühnendach.“ / Vers 21, 24, 25/. Die jungen Leute am Brunnen reissen die Kostüme an sich. Sie sind sich des tosenden Applauses sicher.

      Die aus dem Proömium zu Parmenides Lehrgedicht zitierten Verse erachte ich als Hinweise auf die überlieferte Szene. --- Gruss --- Alltag
    • Alltag schrieb:

      Wenn der Leser bildlich ‘am Leben bleiben‘ will, braucht er ein Drehbuch, einen Plot,

      Hallo Alltag,

      ich habe den Plot gefunden,
      denn es gibt nicht nur ein passendes antikes Gebet für das tote Kind,
      sondern auch eine passende antike Geschichte über ein totes Kind !!!

      Parmenides war demnach tieftraurig,
      reiste in einem Traum dem toten Kind bis zur Tag und Nacht-Schwelle nach
      und drang dort selig (Themis = Frau Saelde) und rechtschaffen (Dike)
      in die Schicksalsgöttin ein (Schrein = Vulva),
      um sich von ihr (Inanna bzw. Pleione)
      alles über Gott (Helios) und die Welt erzählen zu lassen.

      1) Deine Idee der Seefahrt ist aber korrekt
      denn Pleione ist die 'segelnde Göttin'

      2) diese Pleione gehört eindeutig in die Jungsteinzeit

      3) die Heliaden sind ein bronzezeitliche Überformung der Plejaden (4460 vor Christi)
      zugunsten des Helios,
      den es zu Zeiten der Pleione/Inanna (3000-4000 vor Christi) noch nicht gab

      4) das parmenidische Lehrgedicht (? 500 vor Christi) ist eine Collage
      entweder von Parmenides so konzipiert
      (weil er Altes mit Neuem kombinieren wollte)
      oder von unbekannt (Fragmente !) dem Zeitgeist angepasst

      5) Parmenides war das Vorbild der eleatischen Ärzte

      .................................................

      die 5. Auflage bekommt eine langes Vorwort
      und eine 15. Tabelle (Theorie der Idylle)
    • Alltag schrieb:

      Augäpfel, haltet Wagen und Gespann entlang des Wegs! Oh! Augäpfel halten der göttlichen Gefährtin (Selene) die Zügel und den Gespannen, die Dich tragen, gehen heimwärts unter unser Bühnendach.

      wenn schon,
      dann
      die Augen des Orion halten dem Mond die Zügel zu den Gespannen,
      die Parmenides zur Tag-und Nachtschwelle unterm Sternenhimmel bringen,
      wo er sein totes Kind vermutet

      [list]ô kour' athanatoisi sunahoros hêniochoisin,
      hippois tai se pherousin hikanôn hêmeteron dô, [/list]
    • scilla schrieb:

      wenn schon, dann die Augen des Orion halten dem Mond die Zügel zu den Gespannen,
      die Parmenides zur Tag-und Nachtschwelle unterm Sternenhimmel bringen,
      wo er sein totes Kind vermutet

      [list]ô kour' athanatoisi sunahoros hêniochoisin, [/list]
      hippois tai se pherousin hikanôn hêmeteron dô,

      Hi, @scilla, ich finde Deinen Versuch spannend und bin neugierig mehr von Dir zu erfahren. Mithelfen kann ich jedoch nicht, denn ich kenne mich in der Mythologie nicht aus und finde jetzt nicht die Zeit mich einzulesen.

      Das Proömium ist ein stark rhetorischer Text und lässt vielfältige Interpretationen zu. Das konnte ich in den bisherigen Übersetzungsversuchen selbst erfahren. Daher verfolge ich hier nicht das philosophische Verfahren des „Hochhaltens“. Im Gegenteil, ich versuche wo möglich den Text ins Alltägliche hinunter zuziehen und anhand des gewählten Drehbuchs zu prüfen, in der philosophischer Zuversicht dass dadurch das Nicht-alltägliche als Unübliches und Besonderes im Text hervorsticht.

      Mein Plot ist, wie schon angedeutet: ‘Mein‘ Parmenides ist der Sohn eines Stadtgründers und daher privilegiert geschult und ausgebildet. Er kennt die Verse Homers auswendig, versteht nach den Gestirnen zu navigieren und orientiert sich täglich nach dem Kalender. Daher beobachtet er regelmässig den Mond, der ihn überall an seine Heimatstadt Elea erinnert, weil Selene ihre Schutzpatronin ist. Eine weiter Prämisse ist, dass ‘mein‘ Parmenides beauftragt ist, die erste Jubiläumsfeier der Stadt zu leiten und das neue Theater mit einer Premiere zu eröffnen.
    • Das anktike griechische Theater

      Das Theater ist frei Luft und hat im Grunde die Architektur einer Hand, die wir mit dem Handrücken nach unten offen halten. Die Handfläche ist der Tanz- oder Spielboden mit den Ehrenplätzen rund um. Die nach Norden ausgerichteten Finger entsprechen den am Hang liegenden Sitzen der Zuschauer. Entlang der Fingerkuppen sind Segeltücher gespannt, die den Theaterraum abrunden. Über dem Handgelenk steht die Bühne, wo die Szenen gespielt werden. Links und rechts der Bühne gibt es je einen Eingang für die Zuschauer, Ehrengäste, Ehrendamen und den Chor, der vom Protagonisten, also von Parmenides geleitet wird.

      DieFestivität hat Pflichtteile, wie die Zeremonie zu ehren der StatdschützerinSelene, aber auch Darbietungen in Musik und Tanz.
    • Alltag
      ich habe überhaupt nichts gegen Deine Vision

      Du könntest damit ein Theaterstück auf die Beine stellen,
      welches Parmenides thematisert

      Deine künstlerische Interpretation würde der Vorlage gerecht
      jeder Zuschauer wäre zufrieden
      und Du würdest sogar in die Theatergeschichte eingehen

      aber ich glaube Dir beim besten Willen nicht

      Du behauptest,
      daß es in der offiziellen Parmenides-Überlieferung
      zu einer kompletten Verwandlung des ursprünglichen Ausgesagten gekommen ist

      derartige Behauptungen kenne ich sonst nur über religiöse Texte
      • CAROTTA: die Jesus-Geschichte sei eine schlechte Übersetzung der Cäsar-Geschichte
      • irgendwann habe ich über einen Tao-Text gelesen, es solle sich dabei um einen mathematischen Text gehandelt haben


      Du machst damit Parmenides größer als alle anderen Philosophen

    • Hi, @scilla, bin ja selber hin und hergerissen zwischen Narziss und Ausharren. Aber mit Hilfe von

      http://philoctetes.free.fr/uniparmenide.htm und den damit verlinkten Wörterbüchern ergab sich nach der versweise wortwörtlichen Übersetzung folgendes:


      Bereinigter Übersetzungsversuch zum Proömium des Parmenides

      01Stuten, die mich leiten, sobald eine schutzflehende Seele begehrt, 02liessen den Gesandten mir oft den Lösungsweg zeigen hin zur allseits gefeierten 03Göttin, bei allen Bürgern bekannt als Schönheit im Lichtertreiben. 04Sie führte mich! Daher künde ich laut an: Leitstuten 05zieht das Gespann. - Augäpfel schreiten auf dem Weg voran! 06Die Achsen aber waren die Röhren der Panflöte, die Sie selbst ertönen liess. 07Erhitzt - beide eng und rund eingespielt 08geht‘s beidseits ganz herum – voll im Schwung. 09Augäpfel verlassen Helios Töchter gleich das Haus der Nacht, 10schwärmen aus ans Sonnenlicht zu den Tüchern da oben. Frag15Es ist als schaute Sie sich um, ob Du Helios bescheinst die Frag14Nachtleuchte in der Nähe der Erde, ihr gehörende eingefangene Erscheinung. 11Da sind die Türflügel der Dämmerung 12und ringsum sich hat Sie zu äusserst die steinerne Schwelle. 13Zugleich nehmen die übergossen Türen in himmlischen Höhen ein Ende 14und die von der mühseligen Gewohnheit hervorgebrachten Tag-Nacht-Wechsel eine Ablösung!
    • Bereinigter Übersetzungsversuch zum Proömium des Parmenides (Fortsetzung ab Vers 15)


      15Was denn rate ich jugendlich schlaffer Schwätzer? 16Wie sehr doch Gehorsam übervorsichtig und engstirnig macht, 17schnell zu verstossen, sind die Tore von Tag und Nacht und deren fernen Pforten! 18Den Atem verschlagen durch die abgehobene Hochglanz Vorstellung, 19Wo Achsen in Naben sich gegenseitig wälzen, 20sind Bolzen und Schnallen gefügig; Es sei denn schreiend! 21Die Augäpfel hielten Wagen und Pferde den Weg entlang. 22Heisst mich und das Schauspiel freudig willkommen; Hand auf Hand, 23Schlagt zustimmend ein, so dass für mich ein heiteres Jahr angebrochen ist. –
      24Da, die Augäpfel halten der göttlichen Gefährtin (Seleni-Mond) die Zügel und den 25Gespannen, die in unser Haus zurückkommend Dich geleiten. 26Sei gegrüsst! Da, weder tot noch niedergeschlagen gehen wir 27diesen Weg - Nicht wahr! fern der Leute Trott – 28Brauch, Gewohnheit und auch Verlangen machten in jedem Fall sehr faul, vielmehr noch Ordnung, Recht und auch Notwendigkeit, denn 29sowohl die gut abgestützten Wahrheiten liessen uns ruhigen Geistes bleiben, 30als auch der Leute Meinungen, denen nicht echte Zuverlässigkeit innewohnt. 31Im Gegenteil Du wirst der Leute Gemeintes ganz und gar einsehen, 32insofern es bewährt und immerzu überallhin vollendet ist.
    • Alltag

      ich schreibe gerade die Einleitung zur 5. Auflage meines Buches
      die ist im Prinzip soweit fertig,
      aber halt noch nicht veröffentlicht

      darin geht es um eine historische Gliederung der Gottesvorstellungen (Theogonien) der Griechen

      es startet mit den Jägern und Sammlern und endet mit den Römern und dem Christentum

      Parmenides hängt da jetzt irgendwo zwischen drin
      bei Deiner Übersetzung tut er das nicht

      die göttlichen Elemente, die ich gerade gesehen habe,
      waren PAN (a), HELIOS (b) und die HELIADEN (c) und der Mond (d)

      (a), (b) und (c) kann ich eindeutig historisch zuordnen
      ich kann also sagen 'später als ..., aber noch nicht ...'

      ich kenne mittlerweile die Geschichten um diese Gestalten
      und kann auch die Überformung dieser Geschichten in den verschiedenen Phasen nachvollziehen

      ob Parmenides absichtlich verschiedene Phasen kombiniert hat
      oder ob die verschiedenen Phasen auf die fragmenthafte Überlieferung viel älterer Inhalte (nicht von Parmenides) zurückzuführen ist,
      weiss ich nicht

      ganz grob wäre aber HELIOS im Bereich 2000 vor Christi anzusiedeln
      (PAN ist noch älter)

      ELEA gab es da noch nicht


      Um 540 v. Chr. wurde die Stadt, zunächst unter dem Namen Hyele (Ὑέλη), von phokäischen Griechen gegründet, die vor der persischen Invasion geflohen und dann aus dem korsischen Alalia durch die Etrusker undKarthager vertrieben worden waren, und war somit Teil der Magna Graecia.



      de.wikipedia.org/wiki/Elea




      selbst wenn ich total daneben liegen würde ...

      um 540 vor Christi gab es nur noch ZEUS
      da war aus HELIOS schon längst APOLLON geworden
      und PAN gehörte nicht mehr dazu

      Du müsstest also in Deinen weltlichen Kontext (Stadtgründung)
      diese zum Zeitpunkt der Rede hoffnungslos veraltete Gottesvorstellung einbauen
      (HELIOS = ELEA = Hyele ???)
      und der Arzt fehlt sowie komplett

      mein Kontext ist religiös
      und daher besinnt sich Parmenides auf das Alte
      und seine Auffassung von Therapie
    • scilla schrieb:

      Du müsstest also in Deinen weltlichen Kontext (Stadtgründung)
      diese zum Zeitpunkt der Rede hoffnungslos veraltete Gottesvorstellung einbauen
      (HELIOS = ELEA = Hyele ???)
      und der Arzt fehlt sowie komplett

      mein Kontext ist religiös
      und daher besinnt sich Parmenides auf das Alte
      und seine Auffassung von Therapie
      Soweit ich das sehe, orientieren sich die philosophisch gängigen Interpretationen an der Mythologie. Du hast also starke Argumente für den religiösen Kontext. In den letzten Tagen gewann ich etwas Distanz zu meinem Übersetzungsversuch, der sich nach Deinen Worten, am weltlichen Kontext orientiert. Ich kann mir daher nun vorstellen, dass die beiden Interpretationen komplementär sind, d.h. sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam der Rhetorik des Textes Rechnung tragen.

      Du hast auf Pan hingewiesen, den ich mit der Panflöte in Spiel brachte, obwohl im Original ganz einfach σῦριγξ steht, das bei Langenscheidt mit Röhre; Hirtenflöte; Speerbehälter; Nabe; Blutader übersetzt wird: ich werde bei Gelegenheit eine Korrektur machen, d.h. <Panflöte> durch <Hirtenflöte> ersetzen.

      Ich melde mich morgen wieder. --- L.G. --- Alltag
    • Zwischenbilanz

      Mein Projekt Parmenides hat von Anfang an zum Ziel, Fragen neu aufzurollen, die uns aus welchen Gründen auch immer nicht überliefert sind. Beim Proömium habe ich mich entschieden den gängigen Übersetzungen ins Deutsche, Französische und Englische zu misstrauen und sie anhand des Altgriechisch Taschenwörterbuchs von Langenscheidt und des Griechischen Unterrichtswerks Ars Graeca verstehen zu lernen. Das führte mich zu einer möglichst Wort und Vers treuen Übersetzung, die ich anschliessend anhand des Links philoctetes.free.fr/uniparmenide.htm überprüfte, weil da jedes Wort mit dem Altgriechisch-Englisch Wörterbuch von Perseus verbunden ist und jeweils die mögliche Grammatik vorgeschlagen wird. Bei der Bereinigung stellte ich ganz überrascht fest, dass die verstreue Übersetzung eine Auslegung ermöglicht, die Rückschlüsse gibt auf Regieanweisungen im Proömium selbst und auf seine Entstehungsgeschichte.

      Parmenides Proömium ist – abgesehen von den Schwierigkeiten bei der Übersetzung - ein rhetorischer, d.h. vieldeutiger Text, sodass ganz unterschiedliche Interpretationen möglich sind. Im Wissen, dass es philosophisch gängige Interpretationen gibt, frage ich mich: Weicht das Ergebnis meines bereinigten Übersetzungsversuchs entscheidend ab? Bettet sich mein Ergebnis in die überlieferten Parmenides Fragmente nachweislich ein?

      Ich interpretiere das Proömium nicht als Monolog, sondern als Produktion des Chors unter der Leitung des Protagonisten. Die ersten Verse sind eine Huldigung des Schutzpatrons. Die Musikalische Darbietung wird kokettierend und wortmalerisch als Spiel zwischen Achse und Nabe angekündigt. Die ‘Kourai‘ interpretiere ich als Jungbürger/innen, die im Chor an der Produktion mitwirken. Auch die Animation des Publikums durch den Protagonisten ist in meinem Übersetzungsversuch als üblicher Teil eines Proömiums herausgearbeitet. Diese altgriechisch-antiken Alltäglichkeiten plausibilisieren meine fünf Annahmen:
      1. die Veranstaltung findet in Parmenides Heimatstadt Hyele statt;
      2. die Polis flehte bei der Göttin Selene um Schutz;
      3. Parmenides ist als Sohn eines Stadtgründers gut geschult, bestens ausgebildet und möglicherweise als Navigator oder Schiffskapitän weitgereist;
      4. Parmenides wurde als junger Mann mit der Organisation des ersten Jubiläumsfests zur Gründung der Stadt verpflichtet;
      5. Er hatte den Ehrgeiz das neue Theater als Protagonist mit seiner eigenen Premiere selbst zu eröffnen.
      Der Nachweis dafür steht und fällt mit meiner Konkretisierung des Wortes δαίμονες [b]in Vers 3, als Schutzgöttin im Allgemeinen und der Göttin der Selene im Besonderen. Der Text verleitet einem beim Übersetzen die Worte Δίκη , θέμις und Χρεὼ in den Versen 14 und 28 mythologisch zu deuten, ohne ihren Inhalt ausreichend zu würdigen. Dasselbe gilt für die Worte θεὰ , μοῖρα , Ἀληθ… in Vers 22, 26, 29 und 30. In meiner Interpretationen sind die Inhalte als erklärende Begriffe hervorgehoben und dabei sind, wie im Altgriechisch üblich, sowohl die aktiven als auch die passiven Inhalte möglichst umfassend berücksichtigt. [/b]
    • Zwischenbilanz ff (Kommentare zu Vers 1 bis 6)

      Bereits in Vers 1 liegt im vieldeutigen Wort θυμὸς eine Schlüsselstelle meiner Übersetzungen. Ich erkenne im angesprochenen Nebensatz kein Possessivpronomen was die Vielfältigkeit auf die Bedeutungen 'Sinn, Seele, Geist' einschränkt. Zugleich reduziert sich die Vielfältigkeit des zugehörigen Verbs ἱκάνοι auf die Bedeutung 'als Schutzflehender kommen', was die Demut gegenüber derδαίμων hervorhebt. Leicht poetisch ergibt sich somit für die mythologische Variante 'sobald eine Schutz flehende Seele begehrt'; für die weltliche Variante jedoch 'sobald ein Schutz flehender Geist begehrt'.

      Vers 2 beginnt mit πέμπον, ein Verb in der 3ten Person Plural imperfekt. Zwingend ergibt sich somit das im Plural stehende ἵππος als Nominativ. Aus den vielen Bedeutungen des Verbs wähle ich 'Gesandte sagen lassen' und eröffne dadurch die Frage, was vermittelt wird. Die Zuversicht, dass der Nebensatz die Antwort liefert, wird belohnt, sobald der Zusammenhang mit dem Wortstamm 'prüf-' zugelassen wird, der in βασαν-ίξω oder ἠ βασαν-ος zu finden ist, sodass ich ἐς ὁδὸν βῆσαν mit 'Ausweg, Lösungsweg' übersetzen kann. Nicht wirklich offen bleibt die Frage, wer der Gesandte sein könnte, wenn wird das Verb 'zeigen' statt 'sagen' zulassen: Helios ist der Pomp, der auf die Selene zeigt, indem er sie bescheint.

      Im Vers 3 wird naheliegenderweise die δαίμων geehrt und zwar 'als bei allen Bürgern bekannte Schönheit im Lichtertreiben'. Damit wird sie vieldeutig als die Göttin Selene gehuldigt und als das Gestirn Mond bewundert. G[b]efunden ist zugleich eine echt alternative Variante zu einer in der Literatur breit diskutierten Unklarheit im Original. [/b]

      Vers 4 spricht die Göttin an, 'Durch Dich liess ich mich führen: daher künde ich laut an - Leitstuten'. Dies ist der Nachweis für den Auftrag der Stadt an den Protagonisten: der hier und in Vers 5 die Regieanweisung für den Auftritt der Jungbürger und in Vers 6 den Auftakt für die Musik gibt.

      P.S.: Das ist der leichtere Teil
      1. meine erste Assoziation ist/war erotisch (die Göttin ist bereit zum Sex)
      2. mich hat deshalb nur die Kernaussage des Hauptteils interessiert (das Nichts ist ein nicht-Sein, denn sonst schwankt man zwischen Nichts und Sein)
      3. später habe ich die Erkenntniswege der Geowissenschaften in einer astronomischen Ausprägung in wenigen Fetzen gefunden
      4. Behauptungen Dritter, daß Parmenides ein Arzt gewesen sei, habe ich als dessen Bekenntnis zur Diagnose interpretiert
      5. durch das Interesse von Alltag am Vorwort habe ich recherchiert (Tag- und Nacht-Schwelle = Todesschwelle, Hausschrein = Vulva) und durch Zufall zwei antike Quellen mit gleicher Aussage gefunden, welche sowohl zum Text als auch zum Kontext (toter Mensch = totes Kind) passen
      6. die Arzt-Behauptung habe ich nachgeprüft und sehe sie als bestätigt an
      7. aus dem medizinischen Kontext heraus wendet sich Parmendies gegen die Infantilisierung der Götter und die sich daraus ableitende Entwertung der Menschen, die keine Modelmaße haben (und viel zu alt sind)
      8. meine letzte Aufgabe war die kritische Durchleuchtung der verwendeten Götternamen
      9. ich habe nichts gegen ein Theaterstück als Ursache für das Lehrgedicht, aber eine politische Rede finde ich total daneben, (a) weil dann bereits die Leute in der Antike diese Rede total mißverstanden hätten, (b) und weil es dann einen tatsächlich geheim gebliebenen Kult gegeben haben müsste, der diese Rede in einen heiligen Text transformiert hätte
    • scilla schrieb:

      (b) und weil es dann einen tatsächlich geheim gebliebenen Kult gegeben haben müsste, der diese Rede in einen heiligen Text transformiert hätte


      @scilla, aus Deinen anregenden Gedanken picke ich das Thema ‚Geheimnis‘ heraus. Wie geht man mit einem Geheimnis um? Falls es um einen gegenständlichen Schatz geht, verbirgt man ihn beispielsweise hinter einem Bild in einem Tresor. Der Schlüssel soll alsdann nur von Eingeweihten erkannt und gehütet werden. Desweitern teilt man niemandem mit, wer eingeweiht ist.


      Nun ist es aber so, dass ein Schatz zu einem Geheimnis wird, wenn nicht bekannt ist worin oder woraus der Schatz besteht. Beim Geheimnis handelt sich also definitorisch um einen geheimen ideellen Wert. Genau dies scheint – wie von Dir indirekt vorgeschlagen – beim Proömium der Fall zu sein. Damit wird die Suche schwierig bis unmöglich, wenn die Weitergabe der Information nicht klappt. Nun stelle ich die Eingangsfrage leicht anders: Wie geht man mit einem geheimen Text um? Verbergen könnte man sein Geheimnis, indem es mit fremdem Inhalt zugemüllt und veröffentlicht wird. Damit wäre der geheime Text für alle Geheimnisträger überall und jederzeit zugänglich, aber die Uneingeweihten würden ihn nicht als solchen erkennen. Den Laien könnte man es noch schwieriger machen indem aus dem geheimen Text vor der Publikation Schlüsselstellen herausgenommen werden. Idealerweise sollte weder die Schlüsselstellen als Fehlstellen, noch die herausgenommenen Texte als Schlüssel zu erkennen sein. Man könnte auch die Schlüsseltexte beispielsweise separat innerhalb der Textsammlung veröffentlichen. Falls nun die Kette der Geheimnisträger abgebrochen ist, haben wir nach deiner Anregung die Situation in der wir beide bei Parmenides Proömium verweilen.

      Mir gefällt diese Erweiterung des Plot ausserordentlich.
      L.G.
      Alltag der Illuminati ;)
    • unabhängig davon,
      welcher Geheimkult was gemacht haben könnte,
      handelt es sich
      beim Eindringen in die Göttin

      • entweder um die Initiation eines pubertierenden Jünglings
        (dafür gibt es null Hinweise im Text)
      • oder um die Initiationskrankheit eines Schamanen
        (und das passt wunderbar zum Arzt und dessen Wunsch,
        den medizinischen Grund für den Tod des Kindes zu erfahren)
    • Zwischenbilanz ff

      Ich will nochmals bei meiner Version verweilen.

      Das Schauspiel des Protagonisten, seine Show, seine Produktion steht unter der Leitung der Göttin, denn der Protagonist insistiert, 04Von Dir liess ich mich führen!“ , zeigt zum Mond am Taghimmel und sagt zum Publikum gewendet, „Daher lässt Sie mich deutlich zeigen mit..." - Das ist (in unseren Worten) mythologisch gedacht. ‚Alles grosse‘ ging von dem Göttern aus, insbesondere von Naturgöttern wie Selene.
      Am Ende des Proömiums wird ein Ausblick gegeben: 31Im Gegenteil du wirst selbst der Leute Gemerktes ganz und gar einsehen, 32insofern es bewährt sei und immerzu überallhin vollendet.“ Ist das eine Ankündigung der uns in den andern Fragmenten überlieferten unerschütterlichen Wahrheit? Nein, denn eine solche (absolute) Wahrheit müsste einen unsterblichen Ursprung haben.

      Damit führt uns Parmenides Proömium an die Schwelle zum heutigen Denken: Die ‚empirisch-wissenschaftliche Theorien‘ ist Sache der Götzen und Teufel, die ‚unerschütterliche Wahrheit‘ aber ist Geist Gottes.
    • Alltag schrieb:

      Damit führt uns Parmenides Proömium an die Schwelle zum heutigen Denken: Die ‚empirisch-wissenschaftliche Theorien‘ ist Sache der Götzen und Teufel, die ‚unerschütterliche Wahrheit‘ aber ist Geist Gottes.
      POPPER?
      dahinter steckt nämlich die dualistische logos-Auffassung

      das ist Quatsch,
      vergiss es!

      damals ging es um landwirtschaftliche Techniken,
      in welche die Patriarchen nicht eingeweiht wurden

      und es ging um Astronomie,
      die seinerzeit aber noch mit der Astrologie verbandelt war

      Du denkst viel zu modern
    • Zwischenbilanz ff-schluss

      Am Meisten überrascht mich, dass die bekannten Interpretationen /1/ dank der Mischung der Zeileninhalte zu ihrem Gehalt kommen, obwohl der simple Zeile für Zeile Übersetzungsversuch hier bereits stimmige Bilder ergibt. Der rhetorische Text ist somit sowohl ein mythisch-esoterischen Reisebericht, als auch ein Drehbuch mit Regieanweisung für ein Jubiläumsfest der Heimatstadt Parmenides. Beide Interpretationen münden in den letzten fünf Versen in einen Ausblick auf das anschliessende Theater. Diese Einstimmung ist jedoch wiederum rhetorisch Vielfältig. In den bekannten Interpretationen erbarmen sich die Götter des menschlichen Unvermögens. Im Versuch hier spricht der jugendliche Protagonist das Publikum rebellisch an, insbesondere seinen Vater. Er bemängelt die altväterlichen Tugenden und appelliert mit jugendlichem Überschwang an das Vertrauen in das Vermögen der Sterblichen:


      <28Brauch, Gewohnheit und auch Verlangen machen dich in jeder Beziehung faul, Vielmehr noch Ordnung, Recht und auch Notwendigkeit, denn 29wir waren durch die gut abgestützte Wahrheit im Innersten ruhig, 30und durch der Leute Meinungen, aus denen du jegliche Zuverlässigkeit verbannt hast. 31Im Gegenteil du wirst selbst der Leute Bemerktes ganz und gar einsehen, 32vorausgesetzt es werde bewährt sein und immerzu überallhin vollendet.>


      Durch diesen Interpretationsversuch wird Parmenides Proömium auch ein Frühwerk des Genres ‘Entwicklungsroman‘. Dafür spricht /2/: <Parmenides von Elea schrieb kurz nach 500 v. Chr. in gedrängter, manchmal ungelenker Sprache ein Gedicht in Hexameter, mit dem er die Philosophie auf eine neue Ebene hob. Das parmenideische Denken ist gewollter Neuanfang, bewusste Überwindung des Vorhergegangenen und Freilegung eines neuen Horizonts.>


      /1/ wie die Deutsche Übersetzungen von Diels, Jaap Mansfeld bei Reclam und andere; aber auch on-line zu findende Englische oder Französische Interpretationen.
      /2/ Jaap Mansfeld, Vorsokratiker, Kaptiel 5, Ausgabe 2011, Reclam Bibliothek