Small-Talk, pragmatischer

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    • Hermeneuticus schrieb:

      Ich finde die Methodische Philosophie - darunter besonders den Methodischen Kulturalismus - auch deshalb spannend, weil ihre Vertreter sich in den Wissenschaften, mit denen sie sich kritisch befassen, sehr gut auskennen. Darauf weist auch der Wiki-Artikel "Methodischer Kulturalismus" hin:
      "Es ist ein Kennzeichen des Methodischen Kulturalismus, dass seine Vertreter einen intensiven Kontakt und den Diskurs mit der Praxis der angewandten Wissenschaften pflegen."
      Es gibt ja das Beispiel von Paul Lorenzen, einem Mitstreiter von Janich aus Erlanger Zeiten, der bei seiner Berufung an die Universität Bielefeld die Bedingung stellte, dass sich die gesamte Universität zum Konstruktivismus als Hausphilosophie bekehren sollte. Das zeugt für meine Begriffe von einer gewissen Hybris der konstruktivistischen Wissenschaftstheorie. Letztendlich hat die Philosophie doch den wissenschaftlichen Einzeldisziplinen keine Vorgaben zu machen.
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      "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
    • Ryoba schrieb:

      Das zeugt für meine Begriffe von einer gewissen Hybris der konstruktivistischen Wissenschaftstheorie.
      Willst Du eine ausführlich argumentativ begründete philosophische Position mit persönlichen Schwächen eines ihrer Repräsentanten erledigen?
      Das ist nun wirklich "unterste Schublade". Als ließen sich Nietzsches Schriften oder Schuberts Musik mit dem Hinweis darauf abtun, dass es Ausgeburten syphilitischer Bordell-Kunden seien!

      ^^
    • Hermeneuticus schrieb:

      Das ist nun wirklich "unterste Schublade". Als ließen sich Nietzsches Schriften oder Schuberts Musik mit dem Hinweis darauf abtun, dass es Ausgeburten syphilitischer Bordell-Kunden seien!
      Nur das Nietzsche in seiner Freizeit ins Bordell gegangen ist und Lorenzen den Erklärungsanspruch seiner Theorie anscheinend etwas zu weit gefasst hat. :)
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    • Ryoba schrieb:

      Hermeneuticus schrieb:

      Das ist nun wirklich "unterste Schublade". Als ließen sich Nietzsches Schriften oder Schuberts Musik mit dem Hinweis darauf abtun, dass es Ausgeburten syphilitischer Bordell-Kunden seien!
      Nur das Nietzsche in seiner Freizeit ins Bordell gegangen ist und Lorenzen den Erklärungsanspruch seiner Theorie anscheinend etwas zu weit gefasst hat. :)
      Es ging Lorenzen wohl kaum darum, den Erklärungsanspruch seiner Theorie zu erweitern; es ging wohl eher um "die Fleischtöpfe", sprich: um die institutionelle Etablierung des Methodischen Konstruktivismus und die dafür nötigen Ressourcen (personell wie finanziell). - Dabei ist es durchaus üblich, dass Hochschullehrer, die den "Ruf" einer Universität erhalten haben, über die finanzielle und personelle Ausstattung ihres "Lehrstuhls" verhandeln und dabei so viel herausschlagen wollen, wie sie - aufgrund ihres wissenschaftlichen Ansehens - nur können. Das geschieht natürlich nicht öffentlich. Ein Interesse an Indiskretionen - am Tratschen und üblen Nachreden - haben eigentlich nur Gegner und Neider der jeweils berufenen Hochschullehrer.

      Aber da Du diese Schublade nun schon einmal geöffnet hast, will ich auch noch kurz hineingreifen, ehe wir sie nachdrücklich wieder schließen.

      Der Volksmund weiß: "Lehrers Kinder, Pastors Vieh / gedeihen selten oder nie." Leute, die beruflich mit dem Belehren und Behüten fremder Kinder und Schäflein befasst sind (der lateinische pastor ist ja der Hirte), versagen oft in der Erziehung ihrer eigenen Schutzbefohlenen daheim. Was nun Peter Janich angeht, so trifft diese volkstümliche Weisheit auf ihn definitiv nicht zu. Der in seinen Schriften auffällige Hang zur didaktischen Nachvollziehbarkeit, seine Vorliebe für einfache Beispiele und besonders auch Beispiele von kindlichen Lerngeschichten sind keine bloß theoretische Attitüde. Er scheint nicht nur ein guter Hochschullehrer gewesen zu sein, da aus vielen seiner Schüler wieder "etwas geworden" ist, auch sein leiblicher Nachwuchs kann sich durchaus sehen lassen, wovon man sich durch Googeln von "Nina Janich" leicht überzeugen kann. Kurz, bei Janich ist der Anspruch, Theorie durch Praxis zu bewähren, in dieser Hinsicht schon mal eingelöst. Mit einem Begriff von "Lernen", der sich aufs Einpauken, Abrichten, Anpassen, Konditionieren beschränkt, dürfte es wohl kaum gelingen, selbständige und tüchtige Persönlichkeiten heranzubilden. Dein Vorurteil diesbezüglich darf wohl als praktisch widerlegt gelten.
      :)

      Aber nun, wie gesagt, sei die "untere Schublade" der Dönekens wieder geschlossen. Rums!
    • Ich muss die Schublade doch nochmal kurz öffnen.

      Hermeneuticus schrieb:

      Es ging Lorenzen wohl kaum darum, den Erklärungsanspruch seiner Theorie zu erweitern;
      Wie würdest du es denn dann bezeichnen? Die Forderung, dass sich die gesamte Universität zum Konstruktivismus bekehren soll, ist entweder ein Scherz oder eine Überschätzung der Weisungsbefugnisse der eigenen Philosophie. Aber es ist ja nur eine Anekdote, deren Wahrheitsgehalt man schwerlich überprüfen kann und der man daher nicht allzuviel Bedeutung zumessen sollte.

      Hermeneuticus schrieb:

      Er scheint nicht nur ein guter Hochschullehrer gewesen zu sein, da aus vielen seiner Schüler wieder "etwas geworden" ist, auch sein leiblicher Nachwuchs kann sich durchaus sehen lassen, wovon man sich durch Googeln von "Nina Janich" leicht überzeugen kann.
      Auch die Calvinisten begingen schon den Fehler, beruflichen Erfolg für ein Kriterium der göttlichen Auserwähltheit zu halten. Ich denke nicht, dass das so einfach funktioniert. Ich halte mich daher lieber an Janichs schriftlich fixierte Aussagen zum Lernen.

      Hermeneuticus schrieb:

      Mit einem Begriff von "Lernen", der sich aufs Einpauken, Abrichten, Anpassen, Konditionieren beschränkt, dürfte es wohl kaum gelingen, selbständige und tüchtige Persönlichkeiten heranzubilden. Dein Vorurteil diesbezüglich darf wohl als praktisch widerlegt gelten.
      Oder Janich hat seine eigene Erziehungspraxis in seiner Theorie einfach unzulänglich rekonstruiert.
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    • Die These, die implizit in dieser Anekdote steckt und nichts mit moralischer Integrität zu tun hat, lautet, dass die Philosophie oder Wissenschaftstheorie eine Weisungsbefugnis gegenüber anderen Disziplinen hat.Diese These weise ich zurück.

      Die guten Vorsätze spare ich mir noch bis Silvester auf.
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    • Friederike schrieb:

      nicht Dirk, der Psychologe und Janich-Schüler, auf den Hermeneuticus "schwört"...
      Ähm, das siehst Du wohl falsch. Ich verweise auf sein Buch deshalb so obstinat, weil es bequem und für lau zugänglich ist. So haben Gegner und Befürworter des Methodischen Kulturalismus eine Chance, herauszufinden, wogegen bzw. wofür sie eigentlich sind, ohne sich gleich finanziell zu ruinieren. Aber gut, lesen müssten sie schon selber, verstehen auch... Völlig barrierefrei ist Sachkenntnis leider nicht zu haben.
      :D
    • Hermeneuticus schrieb:

      Aber gut, lesen müssten sie schon selber, verstehen auch... Völlig barrierefrei ist Sachkenntnis leider nicht zu haben.
      Ich habe einfach keine Lust und keine Zeit eine 300 Seiten Habilitation zu lesen. Gibt es das auch irgendwo kurz und prägnant zusammen gefasst?
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