Small-Talk, pragmatischer

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    • Small-Talk, pragmatischer

      Hallo, werte Gruppenmitglieder,

      es scheint mir praktisch (!) zu sein, einen solchen Small-Talk-Thread einzurichten, wo sich dann auch Vorschläge zu neuen Themen besprechen lassen. Per PN ist das umständlich, und in anderen Diskussionen wäre es off-topic. Drum...

      Es grüßt Euch
      H.
    • Den Thread zu Peirce finde ich sehr interessant, zumal mir Peirce weitgehend unbekannt ist. Zwar sehe ich auf den ersten Blick noch nicht die pragmatistischen Aspekte an seinem Vorschlag einer anderen Kategorien-Liste, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
      :)
    • Hermeneuticus schrieb:

      Den Thread zu Peirce finde ich sehr interessant, zumal mir Peirce weitgehend unbekannt ist. Zwar sehe ich auf den ersten Blick noch nicht die pragmatistischen Aspekte an seinem Vorschlag einer anderen Kategorien-Liste, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
      :)
      Ich unterstelle einfach mal, dass Peirce nicht zu Unrecht als ein Begründer des Pragmatismus gilt. ;) Was jetzt im Einzelnen das Pragmatistische an seiner Erkenntnistheorie ist, wäre an der Kontrastfolie Kant heraus zu arbeiten.
      Der Text ist zwar kurz, aber unglaublich dicht. Ich denke er bietet eine gute theoretische Grundlage, um sich mit Pragmatismus zu beschäftigen.

      Ich würde auch gerne in dem "Begriffe haben" Thread Meads Theorie aus "Mind, Self & Society" zu Begriffen und Bedeutung referieren. Diese ist allerdings weniger logisch-sprachphilosophisch, aber interessant weil er Bedeutung und Begriffe auf eine ganz andere Weise herleitet und erklärt als üblich.

      Hermeneuticus schrieb:

      Friederike schrieb:

      offtopic:
      Nur ganz allgemein: Ich würde Nietzsche, die Sprachphilosophie und die Zeichenphilosophie gerne im Pragmatismus-Projekt vertiefen.
      Hast Du einen Vorschlag zum handlichen, praktikablen Einstieg?
      Könnte man vielleicht Nietzsches Ansatz objektive Wahrheit auf die relative lebenspraktische Bedeutung von Erkenntnissen und moralischen Grundsätzen als pragmatistisch bezeichnen?
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    • Nein, Hermeneuticus, ich habe nur 3 und eine 1/2 :) These anzubieten:

      1. Die zentrale Idee des Pragmatismus besteht darin, daß Wissen und Wahrheit (der Ort der Wahrheit ist das Wissen) nur dann von Bedeutung sind, wenn sie Bedeutung für die Praxis haben, und die Praxis ihrerseits Bedeutung für das Wissen hat.

      2. "Wissen" ist von Aristoteles bis in die Gegenwart verstanden worden als Nominaldefinition der Wahrheit (Übereinstimmung der Sache/Sachverhalt mit dem Begriff, der die Sache/Sachverhalt bezeichnet) zusammen mit der Verortung der Wahrheit im situationsentbundenen Urteil.

      3. Im Pragmatismus wird dieser reduzierte Wahrheits- und Wissensbegriff abgelehnt. Nicht die Verknüpfung von Termini steht im Vordergrund, sondern die Bedeutung und somit der Gebrauch von Termini.

      1/2 These: Pragmatismus ist eine philosophische Denkhaltung, keine spezielle philosophische "Schule".

      Die Thesen habe ich zusammengestellt aus: Tilmann Borsche, "Philosophie der Zukunft? Über antiszientifische Möglichkeiten des Pragmatismus", in: "Pragmatismus - Philosophie der Zukunft?", Hg. Andreas Hetzel u.a, 2008, S. 130-138.

      Anders gesagt, ich würde mich lieber erst einmal darüber verständigen, was wir unter "Pragmatismus" verstehen wollen. Dazu dienen die Thesen - wenngleich sie vielleicht zu weit gefaßt sind, um Widerspruch hervorzurufen. Man kann sie aber natürlich auch ergänzen, und auf diese Weise verengen.

      Den Peirce-Text finde ich, nach einem ersten Durchgang, wirklich sehr kompliziert. Abgesehen davon, ist er mir zu stark erkenntnistheoretisch ausgerichtet. Hast nichts anderes von Peirce, Ryoba? Wegen Nietzsche muß ich nochmal überlegen.
    • Ryoba schrieb:

      Ich würde auch gerne in dem "Begriffe haben" Thread Meads Theorie aus "Mind, Self & Society" zu Begriffen und Bedeutung referieren. Diese ist allerdings weniger logisch-sprachphilosophisch, aber interessant weil er Bedeutung und Begriffe auf eine ganz andere Weise herleitet und erklärt als üblich.
      Das kannst Du gern tun.

      Ryoba schrieb:

      Könnte man vielleicht Nietzsches Ansatz objektive Wahrheit auf die relative lebenspraktische Bedeutung von Erkenntnissen und moralischen Grundsätzen als pragmatistisch bezeichnen?
      Wenn denn Nietzsche einen Begriff von "Praxis" hätte. Aber hat er? Wenn er von "Leben" redet, ist das biologisch gemeint. Ich sehe nicht, dass er einen Begriff von eigenverantwortlichem, zweckrationalem Handeln entwickelte. Im Gegenteil, er bestreitet, dass es so etwas überhaupt gibt und geben könne. Dass in der tatsächlichen menschlichen Lebenspraxis sich die Menschen andauernd gegenseitig für ihre Handlungen verantwortlich machen (und sie damit von unwillkürlichen, "natürlichen" Regungen unterscheiden), nimmt Nietzsche im Namen des naturalistisch verstandenen "Lebens" aufs Korn. Man könnte sagen, Nietzsche entwirft eine biologistische Utopie, eine raubeinige, vom Darwinismus inspirierte Version von Rousseaus Devise "Zurück zur Natur!"
    • Friederike schrieb:

      Anders gesagt, ich würde mich lieber erst einmal darüber verständigen, was wir unter "Pragmatismus" verstehen wollen. Dazu dienen die Thesen - wenngleich sie vielleicht zu weit gefaßt sind, um Widerspruch hervorzurufen. Man kann sie aber natürlich auch ergänzen, und auf diese Weise verengen.
      Ja, ich sehe ein, dass eine solche generelle Verständigung hilfreich und nützlich wäre. Meine einführenden Bemerkungen in "Pragmatismus als Projekt" genügen bei weitem nicht. Wie wäre es denn, einen solchen meta-pragmatistischen bzw. pragmatismus-historischen Thread einzurichten, in dem Fragen à la "Was ist Pragmatismus eigentlich?" behandelt werden? (Dort könnte man - fällt mir nur gerade so ein - z.B. auch Rortys berühmten Aufsatz über die "Pragmatische Wende" besprechen.)

      Was mich persönlich angeht, habe ich bisher solche allgemeine Pragmatismus-Literatur kaum gelesen. Für einen Projekt-Starter womöglich ein schwaches Bild?
      :)
    • Friederike schrieb:



      Anders gesagt, ich würde mich lieber erst einmal darüber verständigen, was wir unter "Pragmatismus" verstehen wollen. Dazu dienen die Thesen - wenngleich sie vielleicht zu weit gefaßt sind, um Widerspruch hervorzurufen. Man kann sie aber natürlich auch ergänzen, und auf diese Weise verengen.

      Den Peirce-Text finde ich, nach einem ersten Durchgang, wirklich sehr kompliziert. Abgesehen davon, ist er mir zu stark erkenntnistheoretisch ausgerichtet. Hast nichts anderes von Peirce, Ryoba? Wegen Nietzsche muß ich nochmal überlegen.
      Ne, so spontan leider nicht. :rolleyes: Ich halte den erkenntnistheoretischen Ansatz für wichtig, weil sich auf ihm auch ein neues Denken des Subjekt-Objekt (Innenwelt-Außenwelt) Verhältnisses im Sinne des Pragmatismus begründen lässt.
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    • Hermeneuticus schrieb:

      Wenn denn Nietzsche einen Begriff von "Praxis" hätte. Aber hat er? Wenn er von "Leben" redet, ist das biologisch gemeint. Ich sehe nicht, dass er einen Begriff von eigenverantwortlichem, zweckrationalem Handeln entwickelte. Im Gegenteil, er bestreitet, dass es so etwas überhaupt gibt und geben könne.
      Ja, das wäre doch schon ein guter Ansatz, weil ich nämlich meine, daß Nietzsche "Leben" keineswegs nur biologisch versteht. Daß er methodisch eher so vorgeht, Gegenbegriffe zu denen, die Geltung haben und gültig sind, zu entwickeln, darin stimme ich zwar mit Dir überein, aber man könnte hier z.B. seinen Gebrauch von Fiktion/Fabel/Imagination/Metapher untersuchen. Ryboa, Deine Zitate aus JGB zum Verhältnis Sprache, Metapher und Wissenschaft fand ich sehr anregend. Kurz: Lebensbegriff bei Nietzsche oder sein sprachphilosopisches Verständnis (Zeichen und Sache).

      Über Mead habe ich nur wenig Sek. Lit. gelesen. Daher Ryoba, ich wäre auch interessiert an einer Zusammenfassung.
    • Ich fände einen Thread zur allgemeinen Klärung der Frage "was ist Pragmatismus" auch sehr hilfreich. Sonst reden wir wahrscheinlich aneinander vorbei.
      Wenn der Rorty Text (Pragmatische Wende) einen guten Überblick bietet fände ich das spannend. Gibt es den auch online?
      Ich habe die neueren Theoretiker im Pragmatismus nicht so auf dem Schirm, deshalb schlage ich immer die Klassiker vor. :D
      • Peirce, Charles S.: "Was ist Pragmatismus"
      • James, William: Pragmatismus: ein neuer Name für einige alte Denkweisen (8 Vorlesungen)
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    • Hi!

      Sehr interessant das alles hier. Freut mich wirklich, dass sich hier was tut.

      Ryoba schrieb:

      Der Text ist zwar kurz, aber unglaublich dicht.
      Ja, und wie Friederike schon sagte, kompliziert - und was mich angeht, ich bin englische philosophische Texte noch weniger gewohnt als deutsche ;) Ich würde es aber trotzdem gern damit versuchen. Auch zu hoffen wäre für mich, dass ich genügend Zeit aufbringen kann, hier mitzumachen.

      Friederike schrieb:

      1/2 These: Pragmatismus ist eine philosophische Denkhaltung, keine spezielle philosophische "Schule".
      Als eine Methode scheint er auch gelten zu wollen.

      Friederike schrieb:

      Anders gesagt, ich würde mich lieber erst einmal darüber verständigen, was wir unter "Pragmatismus" verstehen wollen.
      Sehr gut, sehr gut...

      Ryoba schrieb:

      Ich habe die neueren Theoretiker im Pragmatismus nicht so auf dem Schirm, deshalb schlage ich immer die Klassiker vor.
      Mir gefällt das ausserordentlich, da ich diese 4 Hauptverdächtigen (also Peirce, James, Schiller, Dewey?) sehr interessant finde und von den neueren soweiso keinen Schimmer habe.

      Entschuldigt meinen Telegramm-Stil. Ich bin mal wieder in Eile. Empfehlen wollte ich eigentlich dieses günstige Bändchen mit Texten, die sich wirklich gut lesen lassen - es aber teilweise trotzdem in sich haben, grade Peirce:

      Klick

      Grüße!
    • Sobald ich mich im Gestrüpp all dessen, was unter einem Themenfeld erörtert werden kann, verfange (so wie gestern geschehen bei dem Versuch, mir einen Überblick über die pragmatische Denkhaltung bzw. pragmatische "Methode" (echtjetzt) in Vergangenheit und Gegenwart zu verschaffen), mache ich es immer so, daß ich mir überlege, was mich denn eigentlich wirklich interessiert.

      Und mich interssiert nun am allermeisten der kritische Ansatz des Pragmatismus, nicht ein quasi atomistisches "Subjekt" (weder als transzendental noch empirisch Gegebenes :) ) allen Erkenntnisvermögen und allen Handlungen vorauszusetzen, sondern das Subjekt als ein Produkt von, wie man es nennt, sozialen Praktiken anzusehen. Eben habe ich nochmals im Thread "Platon und Kant im Vergleich" nachgeblättert: Im Beitrag 446 von Dir, Ryoba, ist die kurze Gesprächssequenz zwischen Hermeneuticus und Dir nachzulesen, in der Ihr Euch über die Problematik der Introspektion unterhaltet und dieses Thema im Pragmatismus-Projekt zu erörtern ins Auge gefaßt habt. Insbesondere auch die Unterscheidung, die Du, Hermeneuticus, dort vorgenommen hast, nämlich die zwischen Reflexion und Beobachtung, interessiert mich - obwohl, oder weil ich gar nicht so ganz genau weiß, was Du gemeint hast.

      Den H. Mead hattest Du an der Stelle auch das erste Mal eingebracht, Ryoba. Ich habe im Augenblick allerdings noch keine Idee, wie man dieses Thema systematisch angehen könnte. Gibt es dazu neuere Texte/AutorInnen? Sammelbände/Aufsatzsammlungen? Mir fällt nur wieder der von mir so verehrte Ch. Taylor ein. Einen Aufsatz von ihm mit dem Titel "Was ist menschliches Handeln?" gibt es auch online zu lesen.
    • Ja, das mit der Fokussierung auf ein Thema ist ein guter Punkt. Das Thema Instrospektion und Konstitution des Subjekts in sozialen Prozessen berührt auch einen zentralen Punkt wie ich meine. Das Thema Introspektion findet sich auch schon in dem Aufsatz von Peirce, wenn er sich distanziert von Introspektion:

      Peirce (Sec.6) schrieb:

      It may be noticed that, throughout this process, introspection is not resorted to. Nothing is assumed respecting the subjective elements of consciousness which cannot be securely inferred from the objective elements.
      Bei Mead findert sich das Thema der Konstitution des Subjekts explizit. In seinem Programm des Social Behaviourism erklärt er wie das Selbst sich konstituiert im sozialen Akt und kommt dabei ebenso völlig ohne Introspektion aus. Ausgehend von deer Praxis erklärt er das Selbst aus sozialen Interaktionen und das Bewusstsein resultierend aus der Beziehung des Organismus auf Objekte.

      Eine gegenwärtige pragmatistische Perpsektive einzubringen, wie Taylor oder Rorty, wäre sicher nicht verkehrt.

      Was Nietzsche betrifft, denke ich, dass eine gewisse Familienähnlichkeit seines Denkens zum Pragamtismus schon nicht ganz abzuweisen ist, wobei die Unterschiede sicher groß sind.

      echtjetzt schrieb:

      Ryoba schrieb:

      Der Text ist zwar kurz, aber unglaublich dicht.
      Ja, und wie Friederike schon sagte, kompliziert - und was mich angeht, ich bin englische philosophische Texte noch weniger gewohnt als deutsche ;) Ich würde es aber trotzdem gern damit versuchen. Auch zu hoffen wäre für mich, dass ich genügend Zeit aufbringen kann, hier mitzumachen.
      Also der Peirce kocht ja auch nur mit Wasser. Und wir können ja auch versuchen den Text durch Übersetzen und Austausch von Lesarten gemeinsam zu erschließen.
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      "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
    • Wenn ich mich nicht täusche, werte MitpragmatistInnen, zeichnet sich Interesse ab

      a) an einer eher allgemeinen Orientierung über den Pragmatismus in seinen historischen und zeitgenössischen Spielarten und
      b) an einem speziellerem Themenkomplex, den ich behelfsmäßig "Pragmatistische Kritik der Bewusstseinsphilosophie" nenne.


      Als Lektürevorschläge zu a) liegen auf dem Tisch:

      - "Pragmatismus - Philosophie der Zukunft?", Hg. Andreas Hetzel u.a, 2008 ( @Friederike )
      - "Philosophie des Pragmatismus" (Aufsätze von Peirce, James, Schiller, Dewey) ( @echtjetzt ). Darin findet sich auch der von @Ryoba genannte Aufsatz von Peirce: "Was heißt Pragmatismus?"


      Ich füge noch hinzu den Sammelband

      - "Die Gegenwart des Pragmatismus" (hg. v. M. Hartmann, J. Liptow und M. Willaschek) 2013 (stw 2049)

      Was den "berühmten Aufsatz" zur pragmatischen Wende von Rorty betrifft, habe ich mich geirrt. Es gibt vielmehr den berühmten Reader "The Linguistic Turn", den Rorty 1967 herausgegeben hat, und eine Sammlung mit eigenen Aufsätzen unter dem Titel "Consequences of Pragmatism" (1982).

      - Die Einleitung zu diesem Buch ist hier als PDF greifbar. Ich habe sie noch nicht gelesen, aber vielleicht wäre das als Einstieg interessant?




      Einziger Vorschlag zu b) ist bis jetzt:

      - G.H.Mead, Mind, Self and Society; dt. Geist, Identität und Gesellschaft (als stw-Band erhältlich)


      Ich füge noch hinzu:

      - G. Ryle, Der Begriff des Geistes (bei Reclam)

      Beides sind Klassiker des pragmatistischen Antimentalismus. (Zu ihnen gehört übrigens auch Heideggers "Sein und Zeit", insofern dort die Husserlsche Phänomenologie - ansatzweise - lebensweltlich fundiert wird.)

      - - - - - - - - - - - - - -

      Was den von @Ryoba vorgeschlagenen Peirce-Text zu den Kategorien betrifft: Den finde ich persönlich zu speziell. Mir ist auch nach dem Anlesen nicht klar, inweifern es sich um einen pragmatistischen Ansatz handelt.
      Ich glaube, es wäre sehr viel pragmatischer (!) und ersprießlicher, Peirces Aufsatz "Was heißt Pragmatismus?" zu lesen.

      G.H.Mead finde ich auch sehr interessant. Allerdings ist der Text sehr umfangreich. Man müsste sich da irgendwie beschränken. Wenn Du, @Ryoba, etwas daraus referieren möchtest, wäre das willkommen. Eröffne dazu aber lieber einen eigenen Thread.
    • Oh, ich habe den Vorschlag von @Friederike schmählich übergangen, nämlich Ch.Taylors Aufsatz "Was ist menschliches Handeln?".

      Der gehört nun allerdings zu einem anderen, freilich grundlegenden Themenbereich, nämlich Handlungstheorie. Darf in einem Pragmatismus-Projekt nicht fehlen.

      Damit käme zu den Interessenschwerpunkten a) und b) aus dem letzten Beitrag noch c) Handlungstheorie hinzu.
    • Hallo zusammen,

      Hermeneuticus schrieb:

      Was den von @Ryoba vorgeschlagenen Peirce-Text zu den Kategorien betrifft: Den finde ich persönlich zu speziell. Mir ist auch nach dem Anlesen nicht klar, inweifern es sich um einen pragmatistischen Ansatz handelt.
      Ich glaube, es wäre sehr viel pragmatischer (!) und ersprießlicher, Peirces Aufsatz "Was heißt Pragmatismus?" zu lesen.

      G.H.Mead finde ich auch sehr interessant. Allerdings ist der Text sehr umfangreich. Man müsste sich da irgendwie beschränken. Wenn Du, @Ryoba, etwas daraus referieren möchtest, wäre das willkommen. Eröffne dazu aber lieber einen eigenen Thread.
      Ja, als Einstieg ist der Peirce Text "Was heißt Pragmatismus" bestimmt ganz gut. Da das Interesse sich an dem erkenntnistheoretischen Aufsatz von Peirce anscheinend in Grenzen hält, würde ich den dann (wenn auch schweren Herzens :( :rolleyes: ) zurück stellen. Auch um das Ganze nicht zu sehr zu zerstreuen.

      zum Thema Mead

      Bei Mead wird vor der deutschen Übersetzung häufig gewarnt. Deshalb nehme ich von ihm immer die englischen Texte. Ich kann gerne etwas zu Mead referieren. Da habe ich auch schon angefangen was zu schreiben. Jetzt zunächst zu dem Thema wie Bedeutung und Universalien entstehen. Das kann ich aber auch nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln, da muss ich nochmal nachlesen. Wäre dann die Frage, ob ich das in den "Begriffe haben" Thread poste oder in einen eigenen MeadThread.

      zum Thema b)

      Das Thema mit der Kritik der atomistischen Subjekt- und Bewusstseinsphilosophie und der Subjekt-Objekt Spaltung zieht sich, soweit ich das sehe, durch den gesamten amerikanischen Pragmatismus von James, Peirce, Dewey und Mead hindurch. Ich kann dazu jetzt keine einzelnen konkreten Texthinweise geben. Nur vielleicht den Hinweis, es könnte sich lohnen da auch nochmal bei Deweys Begriff der Experience zu schauen. Der Begriff der Experience ist bei ihm der Ort wo sich das Subjekt in der Erfahrung des Objekts konstituiert (Hier wäre auch der Peirce Text "On a New List of Categories" relevant, weil einfach grundlegend)
      Zu dem Thema kann ich auch gerne etwas zu Meads Theorie der Konstitution des Subjekts in der Sozialität referieren.
      @Hermeuticus Vielleicht kannst du ja was zu Ryle referieren (vielleicht in einem Mead-Ryle Thread) ?

      Grüße

      PS:

      Noch ein Zitat von James, auf das ich gestoßen bin und das mich wegen der im guten Sinne "pragmatischen" Haltung ein bißchen zum Schmunzeln brachte:

      "Philosophieren darf man nur beiläufig. Im Hauptberuf muss man einen handfesten Stoff handwerklich bearbeiten, um ein anständiger Mensch zu bleiben."
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      "Volksverhetzung ist keine Meinung. Hass ist keine politische Position"
    • Soweit ich Euch verstanden habe, scheint niemand außer Ryoba allgemeine einführende Texte zum "Pragmatismus" gelesen zu haben (Ryoba zumindest hat dies nicht explizit verneint -im Unterschied zum Threadstarter" 8) ).

      Ich habe mir jetzt die ersten Abschnitte der Einleitung aus Rortys 1982 erschienener Aufsatzsammlung "Consequences of Pragmatism" durchgelesen -die Seiten, auf denen Rorty ausführt, inwiefern der "Pragmatismus" sich von den bis dahin, hauptsächlich durch Platon inspirierten, üblichen und anerkannten philosophischen Methoden, Denkweisen, Fragestellungen unterscheidet; die meisten Seiten habe ich lediglich überflogen. Mitgekriegt habe ich allerdings, daß Rorty hier einen Überblick über die Geschichte des "Pragmatismus" gibt und zwar auch unter Einbeziehung seiner Rezeption und Explikation durch den franz., dt. und engl. Philosophiebetrieb. Den historischen Durchgang gestaltet Rorty so, daß er mit ihm zugleich seine eigene Position in Kürze entfaltet. Als ersten Schritt würde ich daher vorschlagen, daß wir zusammen die von Hermeneuticus verlinkte "Introduction" lesen und besprechen. Wir hätten damit einen gemeinsamen Startpunkt - sowohl was den Textzugriff als auch was den Inhalt angeht.

      Ob wir im Anschluß daran die von echtjetzt vorgeschlagene Aufsatzsammlung der "Klassiker" von Reclam noch lesen, oder den von Hermeneuticus ausfindig gemachten Sammelband von 2013 "Die Gegenwart des Pragmatismus", oder den Peirce-Aufsatz über die Kategorien, können wir danach ja immer noch entscheiden. Falls uns dann nicht inzwischen schon wieder ganz andere Optionen "anturnen".

      Referate über Texte oder auch die eigenständige Bearbeitung bestimmter Fragestellungen o.ä. finde ich ausgezeichnet, daran möchte ich mich auch gerne beteiligen; nur für den allerersten Beginn scheint mir diese Herangehensweise wegen des "Wissens"-Ungleichgewichtes weniger geeignet. Erfahrungsgemäß und bestenfalls läuft das Reden dann auf ein Fragen und Antworten hinaus; im schlechteren Fall ergeben sich unfruchtbare Diskussionen wegen des Wissensvorsprunges bzw. Wissensrückstandes. Mir schweben dabei Situationen vor, in denen die GesprächsteilnehmerInnen unausgesprochen viel im Hinterkopf und im Hintergrund haben, was in die Diskussion eingebracht wird - bewußt wird man sich darüber erst nach vielem Hin- und Hergerede, und es endet damit, daß man sich einigt, zunächst die Klärung von Begrifflichkeiten vorzunehmen.
    • Friederike schrieb:

      Ob wir im Anschluß daran die von echtjetzt vorgeschlagene Aufsatzsammlung der "Klassiker" von Reclam noch lesen
      Ähemm... ich hab, unverschämt wie ich bin, einfach mal damit angefangen; was ja nicht heißen muss, dass ihr da mitmachen müßt... ich lese das sowieso noch mal gründlich und diese Zusammenfassungen helfen mir so oder so. :)