[Lesethread] Peirce: "On A New List of Categories" - Kant revisited

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    • Das klingt auch ziemlich gut in dem Zusammenhang. Scheint so, als meint Peirce irgend etwas Schneidendes als die Trennung von Dingen die gewissermaßen zusammen gehören, aber dennoch trennbar sind. Im Gegensatz dazu könnte Dissoziation eher als Ablösungsprozeß aufgefaßt werden, der weniger Aufwand benötigt.. leichter fällt. (?) Mir kommt es momentan so vor, als scheint Peirce zu meinen, dass die "losen" Wahrnehmungsmomente auf unterschiedlichen Typen von Konnektionen beruhen, die dann wohl auch durch unterschiedliche Prozesse des Trennens in ihre kleinsten Elemente zerlegt werden.

      Ähnlich wie beim Handwerk, wo es für jede Art von Verbindung auch unterschiedliche Technologien gibt, diese zu trennen.. Sägen, Meißeln, Schrauben, Brechen etc.

      Ja, ich glaube so macht Peirce' Tabelle im Ansatz des Verstehens schon einen Sinn.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Wobei mir der Präfix "pre" noch etwas Kopfzerbrechen bereitet. Man könnte es tatsächlich auf zwei Weisen verstehen.. einmal, wie Du bereits erläutert hast, dass man etwas "vorne" abtrennt - das "pre" würde sich dann im lokativen Kontext ergeben. Oder eben, dass man etwas "im Vorfeld" abtrennt (also zeitlich vorgelagert) - das ginge dann etwa in Kants Richtung eines "apriori".

      Aber vielleicht kommen wir ja später nochmal darauf zurück.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • @iselilja

      Wir haben zuletzt die Bedeutung von prescision diskutiert haben und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es wahrscheinlich so viel wie "vorne abschneiden" bedeutet, was ja auch gut mit der Operation zusammen passt, mittelbarere Begriffe von unmittelbareren Begriffen abzuschichten, die einmal der Anlass zur Bildung der mittelbaren Begriffe gaben. Ich würde dann mal fortfahren mit §6. Du bist herzlich eingeladen auch selbst Interpretationen von Textabschnitten zu verfassen. (Hier nochmal der Text, leider nur auf Englisch: New List)

      Ich werde nicht mehr so dicht am Text kleben, sondern die Abschnitte zusammen fassen und interessante Aspekte hervor heben.

      In §6 stellt Peirce zunächst fest, dass die bisher gesammelten Fakten die Basis sind, um die universalen Kategorien zwischen der Mannigfaltigkeit der Substanz und der Einheit des Seins aufzuspüren. Die Fakten sind die Abstraktionsmethoden, die er unterschieden hat (dissociation, prescision und discrimination) und die Kantische Theorie der Begriffe, nach der ein Begriff dazu dient, die Mannigfaltigkeit der Sinneseindrücke zusammen zu fassen bzw. einen unmittelbareren Begriff mit der Mannigfaltigkeit der Sinneseindrücke zusammen zu fassen. Wenn man die Mannigfaltigkeit auch ohne den Begriff zusammen fassen kann ist er überflüssig. (Bestimmung ex negativo)

      Die von dem Begriff zusammen gefassten Elemente können nicht ohne den Begriff, aber der Begriff ohne sie gedacht werden. Während es die Aufgabe empirischer Psychologie ist, den Anlass zur Bildung eines Begriffs zu erforschen, bestimmt Peirce als die Aufgabe des Textes den umgekehrten Weg vom Sein zu Substanz beschreitet, indem er untersucht, welcher Begriff schon in den Daten liegt und durch den ersten Begriff mit der Mannigfaltigkeit zusammen gefasst wird, aber nicht ohne den ersten Begriff gedacht werden kann. Damit hat Peirce das methodische Vorgehen in diesem Text klar und deutlich ausgewiesen und begründet.

      Die letzte Anmerkung in §6 ist zentral und kann nicht stark genug betont werden:
      It may be noticed, that, throughout this process, introspection is not resorted to. Nothing is assumed respecting the subjective elements of consciousness which cannot be securely inferred from the objective elements.

      Peirce nimmt mit dieser Methode zu keinem Zeitpunkt Introspektion in Anspruch. Die Introspektion als Zugang zum subjektiven Bewusstsein ist nicht nötig, da alles aus den objektiven Elementen der Zeichen geschlussfolgert werden kann.

      Von einer Theorie, die Bedeutung als ein Produkt eines geistiges Aktes betrachtet, kann also in keinster Weise die Rede sein. Die universalen Begriffe werden aus einer Rekonstruktion entwickelt, die sich umgekehrt zur realen Synthesis verhält. Das Subjekt kommt natürlich als Erkenntnissubjekt vor, jedoch spielt der Inhalt des subjektiven Bewusstseins in der Argumentation keine konstitutive Rolle.
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    • In §7 schreitet Peirce voran und beginnt die universalen Begriffe mit der entwickelten Methode abzuleiten.

      Das Sein ist der Abschluss der Reduktion der Mannigfaltigkeit auf Begriffe. Es taucht auf bei der Formulierung einer Proposition. In jeder Propostion gibt es einen Ausdruck der für die Substanz steht (das Subjekt) und einen Ausdruck der für eine Qualität steht (das Prädikat). Das Sein verbindet durch die Kopula "ist" beide miteinander. Da die Methode ja besagte, dass der erste Begriff (das Sein) den zweiten Begriff mit der Substanz zusammen fasst, ist Qualität im weitesten Sinne der erste universale Begriff bei der Rekonstruktion vom Sein zur Substanz.

      Da Qualität als Sinneseindruck nur auf der unzuverlässigen Grundlage der Introspektion betrachtet werden könnte, muss sie zunächst für sich betrachtet werden. Diese unmittelbare Betrachtung der Qualität stellt heraus, dass Qualität als Begriff anwendbar auf das Gegebene ist und es dadurch zugleich transzendiert, ihre Anwendbarkeit ist daher hypothetisch.

      Der Beispielsatz: "This stove is black" verdeutlicht, dass die Schwarzheit nur daher anwendbar ist auf den unmittelbareren Begriff "this stove", da sie von diesem diskriminiert und für sich selbst betrachtet wird. Schwarzheit ist eine reine Spezies (natürliche Art) oder Abstraktion.

      Der Ausdruck "The stove is black" meint dasselbe wie "There is blackness in the stove". "Die Verkörperung von Schwarzheit" ist äquivalent mit "schwarz", da beides von denselben Dingen ausgesagt wird. Die reine Abstraktion ist überhaupt notwendig, um eine Übereinstimmung zwischen zwei Dingen festzustellen.

      Die Referenz auf die reine Abstraktion konstituiert eine Qualität oder ein generelles Attribut. Dies nennt Peirce ground (Grund). Die Referenz auf einen Grund ist der erste universale Begriff in der Rekonstruktion vom Sein zur Substanz.

      SEIN

      Referenz auf einen Grund (Qualität)
      ...
      ...

      SUBSTANZ
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