[Lesethread] Peirce: "On A New List of Categories" - Kant revisited

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    • Jole schrieb:

      Ryoba schrieb:

      In Sec.3 charakterisiert P. die Substanz mit folgenden Merkmalen: pure denotative Power of attention, conception of what is present in general, with no connotation at all. Also auf der Ebene des erkennenden Geistes/subjektiven Bewusstseins handelt es sich um die reine denotative Kraft der Aufmerksamkeit.
      Ich vermute, dass tatsächlich Aristoteles hier die Folie für die P-sche Auffassung darstellt: Power of attention = causa efficiens.
      [...]


      Ja: das Sein als die Antithese zu der erkenntnistheoretischem "hyle", dh als Gegenbegriff zu dem, was in der konkreten Erfahrung unmittelbar (ungeformt, deutungsfrei) gegeben ist.
      Im Anschluss an die obige Aristotelischen Interpretation der P'schen Ausführungen, wäre das dann möglicherweise die causa formalis.
      Ich kenne Aristoteles eigentlich kaum. Findet sich seine Erkenntnistheorie in der "Metaphysik"? Ich weiß allerdings aus Sekundärquellen, dass Peirces Philosophie von dem mittelalterlichen Scholastiker Dons Scotus sehr stark geprägt wurde. Dieser vertrat einen äußerst reflektierten Universalienrealismus. Es kann natürlich gut sein, dass über diesem Umweg auch die Aristotelische Erkenntnistheorie Eingang in seine Philosophie gefunden hat.

      Jole schrieb:

      Ja: das Sein als die Antithese zu der erkenntnistheoretischem "hyle", dh als Gegenbegriff zu dem, was in der konkreten Erfahrung unmittelbar (ungeformt, deutungsfrei) gegeben ist.

      Im Anschluss an die obige Aristotelischen Interpretation der P'schen Ausführungen, wäre das dann möglicherweise die causa formalis.
      Entscheidend wird in Peirces Ansatz, was sich zwischen der Substanz und dem Sein abspielt, auch wenn ich damit jetzt vorgreife.

      Ryoba schrieb:

      Vorschlag zu Sec. 4

      Die Einheit, zu welcher der Verstand die Sinneseindrücke zusammen fasst, ist die Einheit einer Aussage (proposition). Diese Einheit besteht in der Verbindung des Prädikats mit dem Subjekt. Daher ist das, was in der Kopula, dem Konzept des Seins, impliziert ist, das was die Aufgabe der Begriffe, die Mannigfaltigkeit zur Einheit zu bringen, vollendet. Die Kopula (oder vielmehr das Verb, welches Kopula ist in einer seiner Bedeutungen) bedeutet entweder "ist tatsächlich" oder "wäre" wie in den zwei Aussagen, „Ein Vogel Greif ist (existiert) nicht“ und „Ein Vogel Greif ist ein geflügelter Vierfüßler“. Der Begriff des Seins enthält einzig die Verknüpfung von Prädikat zu Subjekt, worin diese beiden Verben übereinstimmen. Der Begriff des Seins hat daher schlicht keinen Inhalt.
      Interessanterweise unterscheidet Peirce beim Sein nicht zwischen Aussagen über die tatsächliche Wirklichkeit und fiktiven Aussagen. In beiden hat die Kopula, das Sein, diesselbe Funktion der Verknüpfung und Herstellung der Einheit. Das Sein hat also keinen ausschließlichen Bezug auf ein tatsächlich Wirkliches, sondern umfasst auch das bloß Vorstellbare.
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    • Erklärt auf jeden Fall den aristotelischen Einschlag.

      Hier ist eine Passage aus Sec. 4, die ich schwierig finde.

      Ryoba schrieb:

      Obwohl Sein das Subjekt nicht beeinflusst, impliziert es eine unbestimmte Bestimmbarkeit (indefinite determinabilty) des Prädikats. Wenn jemand die Kopula und das Prädikat irgendeiner Aussage wissen könnte wie „ ... ist ein geschweifter Mensch“, wüsste er auch, dass das Prädikat anwendbar auf etwas ist, zumindest auf etwas vorstellbares. Dementsprechend haben wir Sätze, deren Subjekte komplett unbestimmt sind wie in „Es gibt eine schöne Ellipse“, wo das Subjekt bloß irgendetwas tatsächliches oder potentielles ist. Aber es gibt keine Aussagen, in denen die Prädikate komplett unbestimmt sind. Es wäre vollständig sinnlos zu sagen: „A hat den allgemeinen Charakter aller Dinge“,insofern als es einen solchen allgemeinen Charakter nicht gibt.
      Wieso impliziert das Sein eine unbestimmte Bestimmtheit des Prädikats. Und was meint diese "indefinite determinability"? Ist die Begründung die, dass mit einem komplett unbestimmten Prädikat keine sinn- oder gehaltvolle Aussage möglich ist, wirklich schon ausreichend dafür einen implizierendes Verhältnis von Sein zu Prädikat anzunehmen.
      Die unbestimmte Bestimmtheit könnte einfach eine Bestimmtheit meinen, die nicht konkret inhaltlich fes gelegt ist. Aber eine Bestimmtheit irgendeiner Form muss vorliegen, um eine sinnvolle Aussage zu bilden.
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    • Im nächsten Satz in Sec 4. heißt es:

      ryoba schrieb:

      Wenn wir sagen „Der Ofen ist schwarz“, ist der Ofen die Substanz, von der ihre Schwarzheit differenziert worden ist und das „ist“, während es die Substanz so belässt wie sie gesehen wurde, erklärt ihre Verworrenheit durch die Anwendung des Prädikats „Schwarzheit“ auf sie.

      Der Ofen kann hier eigentlich nicht wortwörtlich die Substanz sein, vielmehr steht Ofen für das konkrete Einzelding, das in der Aussage prädiziert wird. Ofen kann jedoch auch selbst ein Prädikat sein, wie man sich leicht klar machen kann: "X ist ein Ofen". Das Prädikat Schwarzheit erklärt die Substanz, für die Ofen hier steht, in ihrer Verworrenheit (confusedness) und bestimmt sie dadurch.
      Peirce analysiert die Form der Aussage als die Form jeder möglichen Erkenntnis. Der Einheit zu welcher der Verstand die Sinneseindrücke zusammenfasst ist identisch mit der Einheit der Aussage. Diese Gleichsetzung ist nicht sofort einsichtig. Die Implikationen dieser Gleichsetzung und ihre Voraussetzungen müssten einer näheren Untersuchung unterzogen werden.
      Die Aussage ("proposition") hat bei Peirce einen Status, der auch vom Subjekt als Träger der Aussage losgelöst betrachtet werden kann. Dies ist meines Erachtens auch der Unterschied zu Kant, der Urteile primär als Funktion des erkennenden Bewusstseins gedacht hat. In einer Fußnote aus dem Text "was heißt Pragmatismus schreibt Peirce dazu:
      Der Verfasser [Peirce] gebraucht ständig das Wort "proposition" im Sinne der meisten englischen Logiker, also nicht so wie die Deutschen, die ihre Entsprechung Satz <im Orig. dt.> als den sprachlichen Ausdruck eines Urtheils <im Orig. dt.> definieren, sondern als das, was einer beliebigen Aussage - sie sei mental und an das eigene Selbst gewandt oder äußerlich ausgedrückt - ebenso verbunden ist wie eine Möglichkeit mit ihrer Verwirklichung. Das bestenfalls schwierige Problem der eigentlichen Natur eines Satzes wird für die Deutschen dadurch noch schwieriger, daß sie sowohl die mentale Aussage als auch das Aussagbare mit ihrem Urtheil <im Orig. dt.> bezeichnen und so diese beiden Begriffe durcheinander bringen.
      Die "proposition" ist bei Peirce also etwas, das dem, was Frege den Gedanken oder moderne Sprachphilosopie den propositionalen Gehalt einer Aussage nennt, sehr nahe kommt. Es ist eine vom Träger und der subjektiven Repräsentation ablösbare Aussage. Deren Form analysiert Peirce als die Form der Erkenntnis.
      Bezeichenderweise setzt er den Begriff "Ofen" mit der Substanz gleich. Heißt das einfach, dass "Ofen" in der Aussage für die Substanz steht? Schließlich kann Ofen selbst ein Prädikat sein, das in einer Aussage einem X zugesprochen werden kann. In dem konkreten Satz "Der Ofen ist Schwarz" steht es an der Stelle des Subjekts und damit hat es die Funktion auf ein konkretes Einzelding, auf diesen spezifischen Ofen zu zeigen. "Ofen" hat in dem Satz eine deiktische (zeigende) Funktion.
      Von diesem konkreten Ofen wurde die Schwarzheit differenziert/unterschieden. In Sec.3 schreibt Peirce, dass die Prädikate metaphysische Teile sind, die von der Substanz abstrahiert und ihr dann als Prädikat zugesprochen werden. Das heisst, dass die Schwarzheit aus der Undifferenziertheit der Substanz abstrahiert wird, um ihr dann als Prädikat zugesprochen zu werden. Die Schwarzheit muss also schon in der Substanz enthalten sein, sonst könnte sie nicht von ihr abstrahiert werden. Durch diese Prädikation wird die Verworrenheit/Undifferenziertheit (confusedness) der Substanz erklärt.
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    • "Sein" als allgemeinsten (und damit auch vollkommen unbestimmten, leeren) Begriff aufzufassen, geht ebenfalls auf Aristoteles zurück (Aristoteles, Met. B 4, 1001 a 21.).

      Ryoba schrieb:

      Wieso impliziert das Sein eine unbestimmte Bestimmtheit des Prädikats. Und was meint diese "indefinite determinability"?
      P schrieb nicht Bestimmtheit, sondern Bestimmbarkeit.


      Ryoba schrieb:

      Ist die Begründung die, dass mit einem komplett unbestimmten Prädikat keine sinn- oder gehaltvolle Aussage möglich ist, wirklich schon ausreichend dafür ein implizierendes Verhältnis von Sein zu Prädikat anzunehmen.
      Die unbestimmte Bestimmtheit könnte einfach eine Bestimmtheit meinen, die nicht konkret inhaltlich festgelegt ist. Aber eine Bestimmtheit irgendeiner Form muss vorliegen, um eine sinnvolle Aussage zu bilden.
      Dein von mir unterstrichene Satz enthält mE auch schon die Antwort auf deine Frage.

      (Ich denke, P versucht in Abschnitt 4 eine Neubestimmung des Urteils bzw. der Aussage = conception)
      "Thus substance and being are the beginning and end of all conception."
      Dieser Schlussatz von Abschnitt 4 enthält das Fazit, für welches P im Abschnitt 4 argumentiert.
      Im faktischen Urteilen/Aussagen über etwas kann das Wort, das die Subjektstelle einnimmt, durchaus unbestimmt bleiben, dh es kann sich auf etwas (IT) beziehen, das (noch) keinerlei bestimmte Bedeutung aufweist. Das Subjekt verweist bzw. präsentiert den noch unbestimmten Gegenstand als die Substanz für jede Bestimmung. Das ist die Funktion des Subjekts (der Nominalphrase) in der Aussage.
      Funktion des Prädikats (der Verbalphrase) ist hingegen die der Bestimmung - deshalb argumentiert P auch dafür, dass es Bedingung eines sinnvollen Satzes darstellt, daß das Prädikat (dh das Sein/ist im Satz) - gerade weil der Begriff "Sein" selbst der leerste, unbestimmteste Begriff ist - im Unterschied zum Subjekt niemals in unbestimmter (allgemeiner, leerer) auftreten darf, sondern immer in einer bestimmten Form, wenn die Aussage einen Sinn haben soll.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jole ()

    • Ja, das mit der Bestimmbarkeit war ein Flüchtigkeitsfehler von mir. Die proposition wird aber meiner Meinung nach nicht mit der conception gleichgesetzt. Der Begriff Concept/Conception müsste auch nochmal von dem Begriff term abgegrenzt werden, der in Sec. 5 auftaucht. Ich habe Concept bis jetzt immer mit Begriff übersetzt.
      Ich gehe mit deiner Interpretation im Übrigen konform. Wollen wir dann zu Sec. 5 übergehen, eigentlich ist zu Sec. 4 doch alles gesagt, oder?
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    • Ryoba schrieb:

      Ja, das mit der Bestimmbarkeit war ein Flüchtigkeitsfehler von mir.
      Schon klar, ich hab das auch nur korrigiert, weil das paradoxe "unbestimmte Bestimmtheit" ja wirklich keinen Sinn machen würde.


      Ryoba schrieb:

      Die proposition wird aber meiner Meinung nach nicht mit der conception gleichgesetzt. Der Begriff Concept/Conception müsste auch nochmal von dem Begriff term abgegrenzt werden, der in Sec. 5 auftaucht. Ich habe Concept bis jetzt immer mit Begriff übersetzt.
      Übersetzungsvorschlag:
      Concept = Begriff
      Conception = Begreifen/Auffassung
      Term = Ausdruck (Signifikant)

      Ansonsten können wir gern zu Sec. 5 übergehen.
      Gruß
    • Hallo Jole,

      ich habe mal den ersten Absatz von Sec.5 übersetzt. Der hat es schon ziemlich in sich, wie ich finde. Mit der Übersetzung von Separation bin ich noch nicht so glücklich. Und auch das Wort Prescision lässt sich nur schwer übersetzen.

      Die Ausdrücke „Abschichtung/Absonderung“ (prescision) und „Abstraktion“,welche bis jetzt auf jede Art der trennenden Unterscheidung (separation) angewandt wurden, sind nun limitiert, nicht nur auf mentale Unterscheidungen, sondern auf das, was durch das Richten der Aufmerksamkeit auf ein Element und die Vernachlässigung des anderen Elements entsteht. Exklusive Aufmerksamkeit besteht in einem bestimmten Konzept oder einer bestimmten Vermutung zu einem Teil des Objekts, ohne irgendeine Vermutung über den anderen Teil. Abstraktion oder Abschichtung/Absonderung sollten gewissenhaft von zwei anderen Arten der mentalen Separierung unterschieden werden, welche Diskrimination und Dissoziation genannt werden können. Diskrimination hat bloß mit dem Sinn von Begriffen zu tun, und trifft nur eine Unterscheidung von Bedeutungen. Dissoziation ist die Unterscheidung, die – in der Abwesenheit einer konstanten Assoziation von Bildern/Vorstellungen – durch das Gesetz der Assoziation von Bildern/Vorstellungen zugelassen wird. Sie ist das Bewusstsein von einem Ding ohne das notwendige gleichzeitige Bewusstsein von dem anderen Ding. Daher stellen Abstraktion oder Abschichtung/Absonderung eine größere Unterscheidung als Diskrimination, aber kleinere Unterscheidung als Dissoziation dar. Folglich kann ich Rot von Blau, Raum von Farbe und Farbe von Raum,aber nicht Rot von Farbe diskriminieren. Ich kann Rot von Blau, Raum von Farbe (was deutlich wird an der Tatsache, dass ich tatsächlich glaube, dass sich zwischen meinem Gesicht und der Wand ein farbloser Raum befindet) abschichten/absondern; aber ich kann weder Farbe von Raum noch Rot von Farbe abschichten/absondern. Ich kann Rot von Blau, aber weder Raum von Farbe, Farbe von Raum, noch Rot von Farbe dissoziieren.

      In einer Tabelle sähe das ganze dann so aus:

      discrimination
      prescision
      dissociation
      Rot von Blau
      +
      +
      +
      Raum von Farbe
      +
      +
      -
      Farbe von Raum
      +
      -
      -
      Rot von Farbe
      -
      -
      -

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      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Ryoba ()

    • Die bereits etablierte Theorie, auf die Peirce in Sec. 1 Bezug nimmt, ist keine andere als die "Kritik der reinen Vernunft" von Kant.

      Peirce refers to Kant’s argument in The Critique of Pure Reason, Transcendental Analytic, especially Book I,Analytic of Concepts. Peirces’s seemingly matter of fact statement is in actuality a remarkably conciseinterpretation of Kant’s aim in the deduction of the categories from the table of judgments. The passage in Kantthat is closest in sense to Peirce’s claim here is Kant’s assertion, in distinguishing between sensible intuitiondependent upon the presence of its object and concepts dependent upon their function: “By ‘function’ I meanthe unity of the act of bringing various representations under one common representation. Concepts are basedon the spontaneity of thought, sensible intuitions on the receptivity of impressions. Now the only use which theunderstanding can make of these concepts is to judge by means of them. Since no representation, save what isin an intuition, is in immediate relation to an object, no concept is ever related to an object immediately, but tosome other representation of it, be that other representation an intuition, or itself a concept. Judgment istherefore the mediate knowledge of an object, that is, the representation of a representation of it. In everyjudgment there is a concept which holds of many representations, and among them of a given representationthat is immediately related to an object.” CPR B 93, p. 105.
      aus: On a New List of Categories - Interpretation
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    • Ich versuche mal eine Interpretation:

      Ryoba schrieb:

      Die Ausdrücke „Abschichtung/Absonderung“ (prescision) und „Abstraktion“,welche bis jetzt auf jede Art der trennenden Unterscheidung (separation) angewandt wurden, sind nun limitiert, nicht nur auf mentale Unterscheidungen, sondern auf das, was durch das Richten der Aufmerksamkeit auf ein Element und die Vernachlässigung des anderen Elements entsteht. Exklusive Aufmerksamkeit besteht in einem bestimmten Konzept oder einer bestimmten Vermutung zu einem Teil des Objekts, ohne irgendeine Vermutung über den anderen Teil.


      Prescision und Abstraktion werden als Ausdrücke bezeichnet, die bisher in einem weiten Sinn verstanden wurden als eine trennende Unterscheidung. P. schlägt vor, sie nun zu begrenzen auf mentale Unterscheidungen und den Akt der Aufmerksamkeitsfokussierung, bei der die Aufmerksamkeit nur einen Teil des Objekts wahrnimmt und den anderen ausblendet. Dieses Richten der Aufmerksamkeit kann man sich vielleicht ganz gut wie einen Scheinwerfer vorstellen, der ein Element hervor hebt und das andere im Dunkel lässt.

      Ryoba schrieb:

      Abstraktion oder Abschichtung/Absonderung sollten gewissenhaft von zwei anderen Arten der mentalen Separierung unterschieden werden, welche Diskrimination und Dissoziation genannt werden können. Diskrimination hat bloß mit dem Sinn von Begriffen zu tun, und trifft nur eine Unterscheidung von Bedeutungen. Dissoziation ist die Unterscheidung, die – in der Abwesenheit einer konstanten Assoziation von Bildern/Vorstellungen – durch das Gesetz der Assoziation von Bildern/Vorstellungen zugelassen wird. Sie ist das Bewusstsein von einem Ding ohne das notwendige gleichzeitige Bewusstsein von dem anderen Ding


      P. setzt Prescision und Abstraktion hier gleich. Abstraktion hatte er vorher auch den Prozess genannt, der das Prädikat aus der Verworrenheit der Substanz gewinnt. (vgl. Sec. 3) Infolge wird die unbestimmte und X-hafte Substanz durch das so gewonnene Prädikat erklärt und bestimmt. Von dieser Form der mentalen Unterscheidung will er zwei andere Formen sorgfältig getrennt halten: discrimination und dissociation. Discrimination könnte man mit Unterscheidung übersetzen, womit dieser Begriff mit dem Obergriff "mentale Unterscheidung" (mental separation) zusammen fallen würde, was nicht so glücklich ist. Vielleicht könnte man "mental separation" besser mit mentaler Trennung übersetzen. Discrimination bezieht sich bloß auf den Sinn von Begriffen, also die semantische Bedeutung. Dissoziation ist ein Begriff, der aus der Psychologie stammt und den Gegensatz zur Assoziation bildet. In der psychologischen Bedeutung meint Dissoziation eigentlich die Abspaltung von bestimmten Bewusstseinsinhalten, die normalerweise assoziiert sind. P. meint das wahrscheinlich, wenn er sagt, dass das Gesetz der Assoziation die Dissoziation zulässt. Also dass eine zugrundeliegende Assoziation die Dissoziation erst möglich macht.

      Ryoba schrieb:

      Daher stellen Abstraktion oder Abschichtung/Absonderung eine größere Unterscheidung als Diskrimination, aber kleinere Unterscheidung als Dissoziation dar.


      Die Begriffe sind nach der Größe des Abstands der Trennung geordnet. Die kleinste Trennung vollzieht die discrimination, da sie nur auf der Ebene der Bedeutung bleibt. Dann kommt die Prescision, die eine abstrahierende Form der Begriffsbildung zu sein scheint. Und die größte Trennung vollzieht die dissociation, da sie eine komplette Isolation einzelner Elemente bedeutet.
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    • Ich wende mich nun den Beispielen zu. Dazu ist diese Tabelle ganz hilfreich:

      discrimination
      prescision
      dissociation
      Rot von Blau
      +
      +
      +
      Raum von Farbe
      +
      +
      -
      Farbe von Raum
      +
      -
      -
      Rot von Farbe
      -
      -
      -

      Peirce schrieb:

      Folglich kann ich Rot von Blau, Raum von Farbe und Farbe von Raum,aber nicht Rot von Farbe diskriminieren.
      Die discrimination ist die Unterscheidung, die sich bloß auf den Sinn von Begriffen bezieht. Den Sinn der Begriffe Rot von Blau zu trennen ist unproblematisch. Es sind ja voneinander unterschiedene Farben. Anmerkung: Die Grenze zwischen Farben ist allerdings unscharf. So gehen beide Farben Rot und Blau kontinuierlich in eine Lila über. Auch den Sinn von Raum kann man problemlos von dem Sinn von Farbe trennen und umgekehrt. Jedoch der Sinn von Rot kann nicht von dem Sinn von Farbe getrennt werden, da Rot nunmal eine Farbe ist.

      Peirce schrieb:

      Ich kann Rot von Blau, Raum von Farbe (was deutlich wird an der Tatsache, dass ich tatsächlich glaube, dass sich zwischen meinem Gesicht und der Wand ein farbloser Raum befindet) abschichten/absondern; aber ich kann weder Farbe von Raum noch Rot von Farbe abschichten/absondern.
      Jetzt wird es spannend. Bei der Prescision handelt es sich um eine Abstraktion oder Abschichtung. Rot von Blau ist möglich. Raum von Farbe abzuschichten ist deshalb möglich, weil wir an die Existenz eines farblosen Raums tatsächlich glauben. Farbe von Raum zu abzuschichten geht nicht. Warum nicht? Weil Farbe nicht außerhalb eines Raumes existieren kann? Raum sozusagen eine Bedingung von Farbe darstellt? Bei der discrimination war es kein Problem den Sinn von Farbe von dem Sinn von Raum zu trennen. Die Prescision stellt hier eine größere Trennung der Elemente dar, weshalb Farbe von Raum nicht abgeschichtet werden kann.

      Peirce schrieb:

      Ich kann Rot von Blau, aber weder Raum von Farbe, Farbe von Raum, noch Rot von Farbe dissoziieren.
      Bei der Dissoziation handelt es sich um die Trennung von Assoziationen. Ich interpretiere das so, dass es sich jetzt um die Vorstellungen des subjektiven Bewusstseins in Bezug auf das assoziative Denken handelt. Während es bei der discrimination bloß um den Sinn der Begriffe ging und bei der Prescision um die Wahrnehmung im Raum. (das ist jetzt mehr so eine vorläufige Hypothese)
      Mit der dissociation kann einzig Rot von Blau getrennt werden. Raum von Farbe zu dissozieren ist in der Vorstellung schon nicht möglich, weil es keine isolierte Vorstellung des Raums eines farblosen Raums im Geiste geben kann. Hier bin ich aber auch noch etwas unsicher.
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    • Ich komme endlich zum drittem Teil des §5. Inzwischen habe ich eine deutsche Übersetzung gefunden, was die Sache doch um einiges erleichtern sollte. Ich interpretiere und kommentiere den Text weiter abschnittsweise.

      Peirce schrieb:

      Absonderung (prescision) ist kein umkehrbarer Prozess. Es ist oft der Fall, dass B von A, aber nicht A von B abstrahiert werden kann. Dieser Umstand läßt sich folgendermaßen erklären. Elementare Begriffe entstehen nur aufgrund von Erfahrung, das heißt, sie werden ursprünglich in Entsprechung zu einem allgemeinen Gesetz geschaffen, dessen Bedingung die Existenz bestimmter Sinneseindrücke ist.
      Die Prescision ist eine besondere Form der mentalen Separation. Das lässt sich daran festmachen, dass sie nicht umkehrbar, also eine asymmetrische Trennung ist. Dagegen ist die Diskrimination, die sich bloß auf die analytische Trennung der semantischen Wortbedeutung bezieht, umkehrbar. Die Dissoziation ist auf konkrete mentale Vorstellungen bezogen, die auf konkreten Sinneseindrücken und dem Gesetz der Assoziation beruhen. Auch die Dissoziation ist symmetrisch, da weder Raum von Farbe noch Farbe von Raum dissoziiert werden können. Denn sobald wir eine Farbe wahrnehmen, ist sie auch im Raum und sobald wir einen Raum sinnlich wahrnehmen ist dieser auch farbig.
      Man könnte daher sagen, dass die Dissoziation sich auf die unmittelbare Wahrnehmung der Substanz bezieht und die Diskrimination auf die von der konkreten Erfahrung und Prädikation abgelöste begriffliche Bedeutung. Die Prescision hingegen bezieht sich auf Konstitution der Erfahrung durch die begriffliche Synthesis selbst. Die Asymmetrie der Prescision ist dadurch begründet, dass sich emergente Begriffe von den unmittelbareren Sinneseindrücken (und Begriffen) abschichten lassen, jedoch nicht umgekehrt, die Sinneseindrücke ohne die Synthesis gedacht werden können. Raum lässt sich daher von Farbe abstrahieren, weil ein farbloser Raum zwischen der farblichen Wand und unserem Gesicht gedacht werden kann. Farbe ist dagegen nur im Raum zu denken. Farbe ist aus der Perspektive der begrifflichen Rekonstruktion konstitutionslogisch schon immer in Raum eingebettet, aber nicht umgekehrt. Die reale Synthesis erfolgt von der Mannigfaltigkeit der Sinneseindrücke und der Substanz zu den abstrakteren Begriffen, der Einheit und dem Sein, während die Prescision abschichtend den umgekehrten Weg der Rekontsruktion geht von den allgemeineren Begriffen zu den konkreteren Eindrücken.
      Hier könnte man noch der Frage nachgehen, was Peirce meint, wenn er sagt, dass elementare Begriffe in Entsprechung zu einem allgemeinen Gesetz geschaffen werden, dessen Bedingung bestimmte Sinneseindrücke sind.
      Wenn nun ein Begriff die Sinneseindrücke, auf die hin er erfolgt, nicht zur Einheit bringt, so ist er nur ein willkürlicher Zusatz zu diesen, und elementare Begriffe entstehen nicht so willkürlich. Könnten aber die Sinneseindrücke auch ohne diesen Begriff vollkommen verstanden werden, so würde dieser sie nicht zur Einheit bringen. Folglich können die Sinneseindrücke (oder unmittelbareren Begriffe) ohne diesen elementaren Begriff, der sie zur Einheit bringt, weder ganz verstanden noch überhaupt behandelt werden.
      Hier wiederholt Peirce die bereits in §1 & §2 eingeführte Definition von elementaren Begriffen. Die Gültigkeit eines Begriffs besteht darin, dass die Sinneseindrücke ohne ihn nicht zu einer Einheit gebracht werden und somit verstanden werden können. Diese Theorie der Begriffe geht auf Kant zurück und wiederholt sein dictum, Begriffe ohne Anschauung seinen leer und Anschauung ohne Begriffe blind, nur in etwas anderer Form.
      Wenn aber ein Begriff erst einmal gefunden ist, besteht andererseits im allgemeinen kein Grund, warum die Prämissen, die ihn hervorgebracht haben, vernachlässigt werden können, und dadurch kann der erklärende Begriff häufig von den unmittelbareren Begriffen und den Sinneseindrücken abstrahiert werden.
      Hier wird noch einmal deutlich, dass die elementaren Begriffe durch die Prescision in dem Prozess der Rekonstruktion von den unmittelbareren Begriffen und Sinneseindrücken, welche in der realen Synthesis überhaupt erst den Anlass zu deren Entstehung gegeben haben, abgeschichtet werden.
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    • Ryoba schrieb:

      Bei der Dissoziation handelt es sich um die Trennung von Assoziationen. Ich interpretiere das so, dass es sich jetzt um die Vorstellungen des subjektiven Bewusstseins in Bezug auf das assoziative Denken handelt. Während es bei der discrimination bloß um den Sinn der Begriffe ging und bei der Prescision um die Wahrnehmung im Raum. (das ist jetzt mehr so eine vorläufige Hypothese)
      Mit der dissociation kann einzig Rot von Blau getrennt werden. Raum von Farbe zu dissozieren ist in der Vorstellung schon nicht möglich, weil es keine isolierte Vorstellung des Raums eines farblosen Raums im Geiste geben kann. Hier bin ich aber auch noch etwas unsicher.
      Ich muss gestehen, ich habe etwas Schwierigkeiten, die Begriffe Dissoziation, Diskrimination und Precisison (?) in dem hier aufgeworfenen Kontext auseinander zu halten. Gibt es da nicht irgendwelche profanen Begrifflichkeiten, mit denen man das auch gedanklich irgendwie auf die Reihe bekommt? Ich vermute nämlich, dass es eigentlich ganz einfach ist, das zu verstehen. Wenn man das nur irgendwie anders formulieren würde. :)
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      Ich muss gestehen, ich habe etwas Schwierigkeiten, die Begriffe Dissoziation, Diskrimination und Precisison (?) in dem hier aufgeworfenen Kontext auseinander zu halten. Gibt es da nicht irgendwelche profanen Begrifflichkeiten, mit denen man das auch gedanklich irgendwie auf die Reihe bekommt? Ich vermute nämlich, dass es eigentlich ganz einfach ist, das zu verstehen. Wenn man das nur irgendwie anders formulieren würde. :)
      Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Mir ging oder geht es da ähnlich. Ich hatte einige Mühe die Beispiele aus der Tabelle zu verstehen. Davon eigene Beispiele zu finden, brauchen wir da erst gar nicht reden.
      Was eine eingermaßen befriedigende Erklärung für mich darstellt ist folgendes:
      Zunächst haben alle drei Formen etwas gemeinsam. Sie beziehen sich auf mentale Unterscheidungen, bei denen sich die Aufmerksamkeit auf ein Element eines Objekts richten und die anderen Elemente ausblenden soll. Nun zu den Unterschieden:
      Dissociation bezieht sich auf die Trennung unmittelbarer Sinneswahrnehmungen im vorstellenden Bewusstsein.
      Prescision bezieht sich auf die Abschichtung von emergenten Begriffen im Prozess der begriffliche Synthesis in der Erfahrung.
      Discrimination bezieht sich auf analytische Unterscheidung der semantischen Wortbedeutung.

      Man kann daher Dissociation auch mit der Mannigfaltigkeit der Sinneseindrücke, die näher an der Substanz liegen, in Zusammenhang bringen und Discrimination mit dem logischen Raum der abstrakten Bedeutung, der näher beim Sein liegt. Prescision liegt dazwischen.

      Prescision ist ein Wort, das wahrscheinlich auf Scholastiker aus dem Mittelalter zurück geht. In einem englischen Wörterbuch findet man ihn nicht. Dissociation und Discrimination sind ja dagegen durchaus bekannte Begriffe. Da wüsste ich nicht, wie man die profanisieren könnte.
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    • Hm.. ja danke erstmal für Deine Erläuterungen. Da muss ich wohl erst mal drüber schlafen. :)
      "Prescision" habe ich grad eben mal versucht zu googlen.. nix.

      Also mit den Beschreibungen, die Du zu Dissoziation und Dikrimination anführst, kann ich tatsächlich was anfangen. Aber wie Du dir sicher denken kannst, sind Begriffe (das Thema hatten wir ja bereits etwas beleuchtet ;) ) immer so eine Sache.

      Mit Deiner Unsicherheit in Bezug auf Raum und Farbe stehst Du übrigens nicht allein. Lange nach Kant, also als man ihn nicht mehr nur versucht hat zu verstehen, sondern auch bereits zu kritisieren, fiel einigen klugen Leuten auf, dass man ja (im Gegensatz zu Kants These der apriorischen Bewußtseinsinhalte) den Raum garnicht so völlig frei von allem sich vorstellen kann. Die Frage, inwieweit hier eine Trennung sinvoll beschreibbar ist, ist schon (denke ich auch) sicherlich verfolgenswert. Die Frage ist dann allerdings auch, wie man das konkret nennen will.. nun stehen ja 3 Begriffe zur Wahl.

      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Bei Kant ist der Raum als eine apriorische Anschauungsform ja jeglicher Erfahrung zugrunde gelegt. Die reine Anschauung garantiert dann die notwendige Wahrheit bestimmter Sätze, beispielsweise in der Geometrie.

      Peirce lehnt, soweit ich das sehe, solche transzendentalen Begründungen von notwendigen Wahrheiten ab. Daher beziehen sich seine Argumente hier auch auf den Prozess der realen Synthesis von Sinneseindrücken. Eine reine Anschauung, ein Raum ohne jeglichen Inhalt, ist dann höchstens in einer begrifflichen abstrakten Bedeutung möglich. Und mithilfe der Prescision kann der Raum als ein einheitsstiftender elementarer Begriff von unmittelbareren Begriffen und Sinneseindrücken abgeschichtet werden.

      Ich überlege noch, ob es weitere Beispiele gibt. Nehmen wir zum Beispiel Materie und Form, wie verhält es sich da?

      Ich würde meinen, dass sie nicht dissoziert werden können. Das aber Form von von Materie "prescinded" werden kann. aber nicht umgekehrt. Da eine inhaltslose Form von Gegenständen unabhängig von ihrer Materialität gedacht werden kann. Ich kann mit ein und denselben Tisch aus Holz oder Beton denken. Jedoch eine Materie erscheint immer schon in einer bestimmten Form.
      Von der Bedeutung her kann natürlich sowohl Materie von Form als auch umgekehrt diskriminiert werden.

      Fallen dir vielleicht noch andere Beispiele ein?
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    • Ryoba schrieb:

      Peirce lehnt, soweit ich das sehe, solche transzendentalen Begründungen von notwendigen Wahrheiten ab. Daher beziehen sich seine Argumente hier auch auf den Prozess der realen Synthesis von Sinneseindrücken.
      Bei diesem Gedanken war ich auch in etwa gerade angekommen. Wenn ich Peirce richtig interpretiere, schlägt er 3 Formen einer möglichen Trennung vor, welche sich dann evtl. in einer Synthesis wieder vereinen lassen.

      Hm.. meine Frage ist momentan noch, ob es dann auch 3 Formen der Synthesis geben könnte..

      .. so jetzt muss ich aber schlafen.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      Ich habe eben nochmal nach "Scision" gegoogelt.. bingo. Bei "prescision" könnte es sich also um einen Neologismus aus dem Hause Peirce handeln. :) Also eine Art Vor-Szezierung.
      Ja, das ist eine plausible Ableitung der Bedeutung. Das lateinische "scindere" heißt soviel wie spalten, trennen, durchschneiden. Das ergäbe durchaus Sinn. Preascindere

      Die schlolastischen Logiker wie Duns Scotus verwendeten den Begriff "praecisio" in einer fast identischen Bedeutung wie Peirce die "prescision".

      Die Schreibweise des Worts variiert im Werk von Peirce. So findet sich prescision, prescission, precision und precission.

      Es handelt sich um einen zentralen Begriff in seiner Philosophie, auf den er immer wieder zurück kommt.
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    • Man könnte "prescision" auch übersetzen als am vorderen Ende oder vorne abschneiden.

      Ich fand noch das lateinisch-römische Wort "praecidere", "Ancoras praescidere" heißt soviel wie das Ankertau kappen. Das ist natürlich sehr treffend, für das Abschneiden des emergierten Begriffs von seinem Anlass: den unmittelbaren Sinneseindrücken.

      Es gibt auch noch die weniger schönen Vorstellungen linguam, manus, naturalia praescidere, was dann soviel heißt wie die Zunge, die Hände oder die Genitalien abschneiden.
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