Fernab der Leute Trott – Parmenides DK 28 1 Vers 27

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    • Fernab der Leute Trott – Parmenides DK 28 1 Vers 27

      Es kommt mir auf den Versuchen an, die Vorrede zum Lehrgedicht des Parmenides erst einmal als in sich schlüssig zu verstehen. Seine Vorrede beinhaltet die üblichen Bestandteile eines Proömiums. Die Anrufung einer übergeordneten Macht[1]; die Koketterie[2] fürs breite Publikum; die Bitten um Inspiration und Hilfe beim Vortragen[3] sowie um Wohlwollen und gewogenes Aufnehmen[4] des Gehörten beim Leser. Parmenides hat diese Teile durch weitere Koketterien und Rhetorik[5] umrahmt. Zum Schluss wird Inhalt[6] und Absicht[7] vertieft. Eine sonst übliche Begründung für die Entstehung des Werkes ist erst zu erkennen, wenn den noch nicht adressierten Versen 9 bis 17 zwei bekannte Fragmente wie folgt hinzu gestellt werden:

      Vers 10bis Es ist als schaut er sich um, ob Du – Helios – bescheinst die[8]
      Vers 10tris Nachtleuchte in der Nähe der Erde, ihr gehörende eingefangene Erscheinung[9].

      Durch diese Ergänzung ist Vers 9 und 10 als Regieanweisung zu lesen: Jungs lassen, wie Helios‘ Töchter das Haus der Nacht, die Bühne hinter sich, drängen hin zum Wetterschutz ins Sonnenlicht. Auch die Vers 21, 24 und 25 sind Regieanweisungen: Die Jungs hielten entlang des Wegs Wagen und Gespann. Oh [Mond]! Gefährte der göttlichen, die Zügel haltenden Jungs, die Gespanne, die Dich getragen, sind Schutz flehend heimwärts unter unserem Bühnen Dach. Warum kehren die Jungs unter tosendem Applaus heim? Der Rhapsod zeigt während den eingeschobenen Fragmenten und den Versen 11 bis 14 in die Ränge, wo die Jungs – so spekuliere ich - in vier Paaren auf den geschulterten Sänften Monde aus den Kulissen heraus tragen. Die Monde sind aufgeblasene Schweinsblasen, die mit Oktopus Tinte eingeschwärzt und in Salzkörner eingelegt worden sind. Daher leuchtet hell auf, was vom Sonnenlicht beschien ist, so dass die Sicheln des zu- und abnehmenden Mondes so wie Vollmond und Neumond zu sehen sind. Die Jungs gehen hinter den letzten Zuschauerreihen durch. Im Gehen entlang der Ränge sieht das Publikum wie die Mondsicheln ihre Form ändern und dennoch einem immer das bekannte Mondgesicht zuwenden. Uns Lesern ist es somit möglich 'thea' als Schauspiel[10] zu übersetzten. In logischer Konsequenz werden die bekannten und in der Sekundärliteratur viel diskutierten Namen, wie 'themis' und 'dike', nicht mythologisch, sondern durchwegs ihrer Bedeutung entsprechend rhetorisch, aber dennoch schlüssig[11] interpretiert. Infolge der hier meines Wissens erstmals vorgeschlagene Ergänzung mit den Fragmenten DK 28 14 und 15 findet die entworfene Übersetzung ihren Rückhalt im Motto, das Parmenides im Proömium selbst passiv[12] und aktiv[13] formuliert hat.

      [1] Vers 1 bis 5
      [2] Vers 6 bis 8; Hier wird zu jedermanns Freude Seemannsgarn gesponnen und rhetorisch Verwirrung gestiftet.
      [3] Vers 18 und 19;
      [4] Vers 21 bis 25
      [5] Verse 15, 20 und 26
      [6] Vers 27 bis 30
      [7] Vers 31 und 32
      [8] Parm. Frag. DK 28 B 15
      [9] Parm. Frag. DK 28 B 14
      [10] Vers 22 Nehmt mich und das Schauspiel durch Hand auf Hand wohlwollend auf.
      [11] Vers 28
      [12] Vers 16 Wie sehr Gehorsam übervorsichtig und engstirnig macht
      [13] Vers 27 Der Weg aber ist – nicht wahr! - fernab der Leute Trott

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    • Proömium – Ergänzt mit Fragment 14 und 15 und Regieanweisungen

      [Regie: Der Rhapsod ist als Schiffskapitän gekleidete, zeigt mit der einen Hand zur Sonne, … Als dann greift er sich bei ‘Lebenskraft‘ in den Schritt …]
      1**Stuten, die mich – sobald meine Lebenskraft begehrt – reiten las…,
      [Regie: … wartet bis das Gelächter abflaut, um erneut zu beginnen. Nun bedeckt er sich wie ein schüchternes Mädchen Schritt und Busen …]
      1*Stuten, die mich – sobald mein Schutz flehendes … begehrt – leit…,
      [Regie: Das Gelächter ist ihm sicher. Aber so sind weitere Bedeutungen von thymos verkörpert, wie Mut, Zorn usw. Er wartet erneut bis das Gelächter abflaut, greift sich nun zum Herz und beginnt.]
      1Rosse, die mich – sobald mein Schutz flehendes Herz begehrt - leiten,
      2liessen den Gesandten so oft mich erforschen den Weg hin zur allseits geehrten
      [Wer ist der Gesandte? ]
      3Göttin, die mit allen ihren Bürgerinnen den wissenden Mann anleitet.
      4Zu ihr hin führen, mich ankündend - die Leitstuten
      5das Gespann antreibend - die Mädchen des Königwegs.
      6Die Achse in der Nabe war eine klingende Flöte.
      7Erhitzt waren beide, obwohl eng und rund eingespielt.
      8Es scheuen rundum alle, weil sie‘s besonders heftig treiben.
      9Jungs lassen, wie Helios‘ Töchter das Haus der Nacht, hinter sich
      10die Bühne, drängen hin zum Wetterschutz ins Sonnenlicht.
      Frag15Es ist als schaut er sich um, ob Du - Helios –bescheinst die
      [Regie: Er zeigt nun zu dem am Tageshimmel stehenden Mond.]
      Frag14Nachtleuchte in der Nähe der Erde, ihr gehörende eingefangene Erscheinung.
      11Die Türen der Reisen sind nachts und bei Tag da
      12 zu äusserst den Übergang aus Stein,
      13hoch in der Luft nimmt das mit Türen Versehene ein ausserordentliches Ende,
      14entgegen mühseliger Gewohnheiten sind dieSchlüssel geknackt.
      15Zu wem denn, obergescheiter Lüstling, redest aus jugendlichem Übermut?
      16Wie sehr Gehorsam übervorsichtig und engstirnigmacht,
      17Unaussprechlich, so als ob Türen fern der Tore von Tag und Nacht geschlossen werden.
      18Der Glanz meiner Dichtkunst hängt am tosenden Beifall,
      19wie Achse und Nabe sich wechselseitig wälzen.
      20Wie werden Bolzen und Schnalle verbunden? Es sei denn, unter Geschrei!
      21Die Jungs hielten entlang des Wegs Wagen und Gespann.
      22Nehmt mich und das Schauspiel durch Hand auf Hand wohlwollend auf.
      23Betörend klug! Sodass für mich ein heiteres Jahr anbricht.
      24 Oh Gefährte der göttlich die Zügel haltenden Jungs,
      25die Gespanne, die Dich getragen, sind Schutz flehend heimwärts unter unserem Haus Dach.
      26Sei gegrüsst! Da kein böses Schicksal Dich den Kopf hängen lässt; frisch eingekleidet?
      27Der Weg aber - Nicht wahr! - ist fernab der Leute Trott.
      28Brauch, Gewohnheit und auch Verlangen machten in jedem Fall sehr faul,
      vielmehr noch Ordnung, Recht und Notwendigkeit, denn
      29sowohl die gut abgestützte Wahrheiten liessen uns ruhigen Geists bleiben,
      30als auch der Leute Meinungen, denen nicht echte Zuverlässigkeit innewohnt.
      31Vielmehr wirst Du der Leute Gemeintes selbst ganz und gar einsehen,
      32insofern es alles durchaus durchdringt und deswegen erprobt ist.

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    • Wurzel oder Suffixe

      Würden sich die Texte der Antike so rekonstruieren, wie man in der Sprachwissenschaft eine Wurzel oder Suffixe ermitteln kann, wären die paar Zehntausend altgriechischen Zeilen längst interpretiert. Mit dem Sonnenwagen wird in der frühen Mythologie der scheinbare tägliche Sonnenlauf von Ost nach West und der seinerzeit noch vollkommen unklare Rückweg dargestellt. Naheliegend wäre, wenn ebenso vom Lauf des Mondes die Rede wäre. Die im Proömium von Parmenides hier als Regieanweisungen gelesenen Verse 9, 10, 21 bis 25 implizieren, dass der Vortrag möglicherweise in folgendem Umfeld gehalten wurde: Zu Parmenides Zeiten gab's in der Regel noch keine, in Stein gehauene Amphitheater, dennoch ist Anzunehmen, dass das Publikum Eintritt bezahlen musste. Daher war die “Tribüne“ gegen ungebetene Zaungäste abgegrenzt, beispielsweise (wie bei Zampano in Fellinis Film La Strada zu sehen) durch an Pfosten aufgespannte Tücher. Entlang der Innenseite dieses Wind- und Sichtschutzes werden durch die Jungs die modellierten Monde so tragen, dass das Publikum innerhalb der Mondbahn sitzt und dementsprechend demonstriert bekommt, wie der Mond von der Erde aus zu sehen ist. Durch diese Demonstration wird klar, dass all die Fragen zu den mythologischen Fahrten durch die Tore von Tag und Nacht, ohne Antworten und daher wertlos bleiben müssen, d.h. gemäss Vers 13 und 14 hoch in der Luft nimmt das mit Türen Versehene ein ausserordentliches Ende, entgegen mühseliger Gewohnheiten sind die Schlüssel (codes) geknackt.


      In Frage gestellt ist auch der mythologisch verbriefte Gegensatz von Tag und Nacht (Licht und Dunkle), denn das Dunkle ist bloss mangels Licht. Parmenides geht auch abseits der Leute Trott, wenn er Dunkelheit und Finsternis gleich setzt.
    • wichtig ist auch noch,
      daß man normalerweise die Vorsokratiker nicht mit einer Schriftkultur in Verbindung bringt

      gerade deshalb, weil es 'nur' erzählt oder vorgespielt wurde,
      verschoben sich in den Sätzen Subjekt und Objekt (Prädikablien)
      und das Vorher und Nachher
      zu einem Mit- und Ineinenader im Mythos

      die Drehbuchidee ist also weiterhin revolutionär

      In Frage gestellt ist auch der mythologisch verbriefte Gegensatz von Tag und Nacht (Licht und Dunkle),
      denn das Dunkle ist bloss mangels Licht.

      man denke an Psalm 23
      (wenn ich auch wanderte im finsteren Tal)
      und an das Johannes Evangelium
      (und das Licht scheint in der Finsternis)
    • Es ist zu lesen, er sei Gründungsvater von Helea. Währen Jahren erkundeten sie den hellerleuchten Ort. Da lagen sie vor Anker. Anstelle des Ballasts liegt im Bauch der Schiffe Hausrat und Vorrat fest verzurrt. Darauf eingebettet die Frauen mit dem Kind um oder in sich. Einige zögern, solang das Land noch nicht gesegnet ist. Seither ist eine Generation herangewachsen und, obwohl weder Tempel noch Theater die Stadt zieren, Zeit zum Jubeln und Feiern. Am Hang vor der Stadt, mit Blick auf den Sonnenuntergang ist der Tribünenplatz am Rand mit an Seilen hängenden Tüchern abgesperrt, gegen ungebetene Zaungäste und Störenfriede. Am späten Nachmittag beginnt die Vorrede mit der jeder Bürger rhetorisch abzuholen ist:
    • Erster bereinigter Versuch zu Parmenides Proömium
      01 Rosse, die mich - sobald mein Schutz flehendes Herz begehrt - leiten, Seemann greift zur linken Seite
      02 liessen den Gesandten mir zeigen den Ausweg hin zur allseits geehrten Helios
      03 Gottheit, auch bekannt als mit allen Gestirnen umherziehende Erscheinung,Seleni, Mond
      04 Dahin führen, ja denn mich deutlich machend - die Leitstuten
      05 das Gespann ziehend, die Augäpfel des Königswegs.praktische Vorführungen
      06bloss Koketterie
      07bloss Koketterie
      08bloss Koketterie
      09 Augäpfel verlassen Helios Töchter gleich das Haus der Nacht, Regieanweisung zum
      10 Schwärmen aus ans Sonnenlicht am Rand aus festem Schutz-Tuch.Start der Vorführung
      Es ist als schaut er sich um, ob Du - Helios – bescheinst dieWer oder Was?
      Nachtleuchte in der Nähe der Erde, ihr gehörende eingefangen Erscheinung.Gaja
      11 Die Türen der Reisen sind des Nachts und gleich bei Tag daMond am Tag- u. Nachthimmel
      12 und ringsum sich hat er zu äusserst die Schwelle aus Stein.Der sich ändernde Sichelrand
      13 Ferner geht das hoch in der Luft mit Türen Versehene ganz und gar zu Ende.
      14 Trotz mühseliger Gewohnheiten sind die Schlüssel geknackt.Das Ergebnis ankündend
      15bloss Koketterie
      16 Wie sehr Gehorsam übervorsichtig und engstirnig macht, Quintessenz passiv
      17 Unaussprechbar ist's, ob Türen fern der Tore von Tag und Nacht geschlossen werden.Danach zu fragen, ist ohne Sinn
      18Animation
      19Animation
      20bloss Koketterie
      21 Die Augäpfel halten Wagen und Pferde entlang des Fahrwegs.Regieanweisung
      22 Nehmt mich und das Schauspiel wohlwollend auf, Hand auf HandThea
      23Animation
      24 Gefährte der göttlichen, die Zügel haltenden Augäpfel, dieMond
      25 Gespanne, die Dich getragen, sind heimwärts im Schutz unterm Bühnendach.Ende Vorführung
      26bloss Koketterie
      27 Der Weg aber - Nicht wahr? - ist ausserhalb der Leute Trott.Quintessenz aktiv
      28 Brauch, Gewohnheit und auch Verlangen machten in jedem Fall sehr faul.
      vielmehr noch Ordnung, Recht und auch Notwendigkeit, denn
      Themis, Dike, Xreo
      29 sowohl die gut abgestützten Wahrheiten liessen uns ruhigen Geistes bleiben, Folgen
      30 als auch der Leute Meinungen, denen nicht echte Zuverlässigkeit innewohnt.Folgen
      31 Vielmehr wirst Du der Leute Gemeintes selbst ganz und gar einsehen,Ausblick
      32 insofern das Erprobte überallhin in jeder Beziehung durchdringend ist.Ausblick